Saw II

Produktionsnotizen

?SAW ist einer dieser Filme, nach dem die Zuschauer um eine Fortsetzung bettelten, weil am Ende noch so viele Fragen offen sind?, erklärt Produzent Oren Koules. ?Wir waren unschlüssig, ob wir diese Fortsetzung tatsächlich machen sollten?, fügt Orens Partner Mark Burg hinzu. ?Aber wir haben so viele e-mails von Leuten bekommen, die wissen wollten, was denn nun aus Jigsaw wird, dass uns gar nichts anderes übrig blieb als sie in Angriff zu nehmen.?

?Als ich SAW zum ersten Mal sah?, erinnert sich Regisseur Bousman, ein Musikvideo-Veteran, der mit SAW II sein Spielfilmdebüt gedreht hat, ?zog der Film mich so in den Bann, weil er echte Personen in echten Situationen zeigte, in denen sie gezwungen werden zu Monstern zu werden. Diesmal legen wir den Fokus auf Jigsaw, und die Fans des ersten Teils werden den Mann kennen lernen, der hinter all dem Wahnsinn steckt.?

Da Jigsaws Identität bisher ein Geheimnis für das Publikum darstellt, beschlossen die Filmemacher, dass Detective Matthews recht schnell den Verbleib des Serienmörders klärt. Bald ist klar, dass Jigsaw ausgetüftelte Pläne hat ? Pläne, die sich um die acht gefangenen Fremden und vor allem um Matthews selbst drehen.

Wie beim Original gibt es viele unerwartete Handlungswendungen, die selbst abgebrühte Fans des Genres überraschen werden. ?Der Film handelt von mehr, als man am Anfang denken mag?, verspricht Bousman. ?Er wechselt beständig die Richtung. In den letzten Szenen schlägt die Handlung extrem um, und man erfährt, worum es in dem Spiel in Wirklichkeit geht ? um etwas viel Größeres und Grundsätzlicheres, als wir bis dahin angenommen haben.?

Tatsächlich ist das Ende ein solch zentrales Geheimnis, dass nur den wichtigsten Teilen des Ensembles und der Crew die letzten Seiten des schwer bewachten Drehbuchs ausgehändigt wurden. Zusätzlich drehten die Filmemacher vier oder fünf unterschiedliche Versionen des Finales, um alle Beteiligten im Unklaren über das ultimative Ende zu halten.

Gemeinsam mit SAW-Regisseur James Wan und Ko-Autor und Ko-Star Leigh Whannell, die hier als ausführende Produzenten fungierten, griffen die Produzenten ganz bewusst auf die alte Mannschaft zurück und engagierten David Armstrong als Kameramann, Charlie Clouser als Komponisten und Kevin Greutert als Verantwortlichen für den Schnitt.

Ausgestattet mit einem größeren Budget und dem festen Willen, die Foltermethoden Jigsaws in ihrem perfiden Einfallsreichtum noch einmal zu übertreffen, wollte Production Designer David Hackl das gesamte Potenzial von SAW II ausschöpfen. ?Jigsaw hat ein neues Lager aufgeschlagen in einem heruntergekommenen Haus?, erklärt Produzent Gregg Hoffman. ?Es ist immer noch unglaublich abstoßend, schon wegen all der bizarren Folterinstrumente, die dort rum liegen.?

Ganz besonders genoss es Hackl, die Logistik dafür zu entwickeln, dass Jigsaws fiese Fallen auch funktionieren. In einer Szene etwa steckt einer der Charaktere seine Hand in ein Gefäß voll mit Rasierklingen. ?Ich hatte eine Million Fragen: Warum kann sie ihre Hand nicht wieder rausziehen? Warum schlägt sie das Gefäß nicht einfach kaputt? Das sind nicht gerade die Fragen, die sich ein Production Designer sonst stellt?, sagt er lachend.

?Es ist wirklich cool, bei so einem Extrem-Szenario dabei zu sein?, bestätigt auch die Schauspielerin Shawnee Smith. ?So wie die Szene mit dem fiesen Kieferpanzer im ersten Film wirken auch hier alle Szenen mittelalterlich. So eine Art von Film, siehst Du nicht oft, das ist wirklich Hardcore.?

In den nur drei Wochen, die Hackl für die Bauten des gesamten Films Zeit hatte, erreichte er das Unmögliche und stellte ganze 27 Sets für ein einziges Aufnahmestudio zusammen ? pünktlich vor der fünfwöchigen Produktionsphase im Frühjahr 2005. Regisseur Darren Lynn Bousman stieß auf sonderbaren Wegen zu dem ambitionierten Projekt: Er hatte Szenen von SAW gesehen, bevor der Film ins Kino gekommen war und zeigte sich danach derart beeindruckt von Armstrongs Kameraarbeit, dass er ihn für eine Zusammenarbeit gewinnen wollte.

Bousman hatte das Drehbuch für einen Film mit dem Titel The Desperate geschrieben; das Projekt ähnelte SAW in vielen Aspekten. Armstrong war angetan vom Bousmans Drehbuch und reichte es gleich an die SAW-Produzenten Gregg Hoffman und Oren Koules weiter. Koules erinnert sich: ?Als mir Gregg das Buch am Telefon beschrieb, wusste ich ganz genau: Das ist SAW II!?

Da Lions Gate Films unbedingt innerhalb eines Jahres eine SAW-Fortsetzung ins Kino bringen wollte, Whannell und Wan aber gerade dabei waren den ersten Film zu promoten, sahen Hoffman und Koules in Bousmans Skript die perfekte Lösung, um eine Fortsetzung vorzubereiten. Whannell überarbeitete das Buch dann noch einmal, und auch James Wan legte noch einmal Hand an.

Bousmans Talent und Leidenschaft als Regisseur trieben das Projekt enorm voran. Mag es auch ein gewisses Risiko beinhalten, einen Debütanten mit der Regie eines solch viel beachteten Projekts zu betrauen ? auf Seiten der Produzenten gab es kein Zaudern. ?Wir haben seine Werbespots gesehen?, berichtet Hoffman, ?und ich dachte, wenn wir uns beim ersten Teil für Regisseur James Wan aufgrund eines achtminütigen Teasers entschieden haben, dann sollten wir bei dem Sequel ähnlich entschlossen und risikofreudig vorgehen. Und das war genau die richtige Entscheidung.?

Produzent Mark Burg kann dem nur zustimmen: ?Darren Bousman ist ein raffinierter und kluger Kopf. Er hat einen höllisch guten Film gedreht!? Von Anfang an gab es für Oren Koules keinen Zweifel daran, dass der Schauspieler Tobin Bell wieder Jigsaw spielen würde. ?Tobin ist eine Art Rockstar für uns?, schwärmt Koules.

?In SAW trug er diese Schichten von Make-up und all diese technischen Gerätschaften für die Spezialeffekte. Zwei bis drei Stunden täglich verbrachte er dafür in der Maske. Dann lag er ganze sechs Tage reglos auf dem Linoleumboden ? nur um in einer einzigen Szene aufstehen zu dürfen.?

Bell glaubt fest an die These, dass es so was wie ?kleine Rollen? nicht gibt, und so ging er schließlich ganz in der Rolle des Jigsaw auf. ?Mir ist zuvor noch nie eine Nebenrolle untergekommen, die so zentral und mächtig ist?, meint der Schauspieler. ?Wenn man so eine Rolle übernimmt, kann man das nur mit ganzem Herzen tun. Und das habe ich gemacht.?

Bell war erfreut, dass er in der Fortsetzung die Möglichkeit bekam, Jigsaws Rolle noch einmal mit Leben zu füllen. ?Jigsaws Hirn ist wohl die komplizierteste und gefährlichste Falle im Film?, sagt Bell. ?Weil er ja glaubt, er selbst töte seine Opfer gar nicht, sondern ließe ihnen die Entscheidung. Er denkt, dass die Leute ihr Leben nicht genug schätzen und erst durch seine brutalen Methoden den wahren Wert erkennen.?

Auch die Figur der Amanda, gespielt von Shawnee Smith, ist aus dem ersten Film bekannt. Sie war eine der wenigen, die Jigsaws sadistischen Spiele überlebt hatte. Obwohl sie nur eine Nebenrolle in SAW gespielt hatte, wurde Amanda zu einer Art Ikone des Films. Ihr schreckerstarrtes Gesicht wurde damals prominent in der Werbekampagne für den Film platziert. Produzent Hoffman begründet das folgendermaßen: ?Shawnee hat diese extrem intensive und dynamische Figur entwickelt ? sie kennt Jigsaw und seine Methoden schon und hat deshalb ein genaues Gespür für seine neuerlichen Gewaltspiele.?

Smith ist sehr glücklich, noch einmal ein fester Teil im SAW-Kosmos zu sein. ?Es ist ja mehr ein Phänomen als ein normaler Film?, findet sie. ?Als man mich fragte, ob ich auch beim zweiten Teil dabei sein will, war ich extrem aufgeregt ? obwohl ich es immer noch nicht mag, erschreckt zu werden.?

Donnie Wahlberg, der durch seine Arbeit für The Sixth Sense und die von HBO produzierte Fernsehserie ?Band of Brothers? bekannt geworden ist, war eigentlich nicht mehr an Engagements für Horrorfilme interessiert. Aber dieses Projekt sprach ihn an. ?Der erste Teil hatte echt Eier?, meint der Schauspieler anerkennend.

?Für ein vergleichsweise bescheidenes Budget von einer Million Dollar haben die eine Menge auf die Reihe gekriegt und die Leute wirklich überrascht. Sie haben das Genre ein bisschen neu erfunden, und das ist wirklich sehr inspirierend.? Außerdem wollte Wahlberg auch nicht seinen Sohn enttäuschen, der ein Riesenfan des ersten Teils ist: ?Er und seine Freunde sagten: ?Yeah, Dad, yeah!? Sie haben sogar ein Haufen Kram vom Set mit in die Schule geschleppt.?

?Donnie war gleich am Anfang Feuer und Flamme und überraschte uns mit unglaublichen Ideen?, berichtet Bousman enthusiastisch. ?Als wir das Buch durchgegangen sind, machte er gleich ganz viele spannende Vorschläge ? von einzelnen Dialogpassagen bis zur Farbe des Schlipses. Und die Ideen konnte man immer direkt umsetzen.?

?Donnie Wahlberg hat sich gleich mit soviel Leidenschaft in die Rolle geschmissen?, schwärmt auch Koules, der glaubt, dass Wahlberg seine eigene Rolle als Vater auch auf die Rolle des Detective Matthews übertragen hat und ihr deshalb eine solch emotionale Dichte verleiht: ?Da ist dieser Mann, der seinen Job mit Leidenschaft ausfüllt, und plötzlich ist er in der Situation, dass sein Sohn das Opfer sein könnte.Wahlberg hätte dies nicht überzeugender und bewegender spielen können!?

Zusammen mit Amanda sind in SAW II sieben weitere Personen in die Gefangenschaft von Jigsaw geraten, und jeder Einzelne mußs nach einem Gegenmittel für ein langsam wirkendes Gift suchen. Zwei Stunden bleiben ihnen. Der kaltschnäuzige Xavier (Franky G.) denkt nur an sich; der einfühlsame Jonas (Glenn Plummer) versucht sich als Teamchef; die kantige Addison (Emmanuelle Vaugier), der rattengesichtige Obi (Tim Burd) und die labile Laura (Beverley Mitchell) werden durch Jigsaws Gewaltspiele an ihre emotionalen und körperlichen Grenzen getrieben.

?Ich hasse Horror-Filme?, scherzt Beverley Mitchell, die man in den USA vor allem aus der TVSerie ?Seventh Heaven? kennt, die von einer Pfarrersfamilie erzählt. ?Doch hier geht es um psychologische Raffinesse. Wir können uns wirklich in die Psyche der Charaktere hineinversetzen und uns so mit ihnen identifizieren. Der Schrecken entsteht vor allem dadurch, dass sie sich untereinander diese Gewalt zufügen. Die werden nicht einfach von einem Typen mit einer Kettensäge verfolgt.?

Franky G., der beim Sundance-Festival 2002 begeisterte Kritiken für Manito erhalten hatte, eignete sich schnell den Part des Xavier an -? einen selbstsüchtigen und zu Gewalt neigenden Kerl. ?Der Typ schert sich einen Dreck um das Schicksal der anderen?, analysiert Franky. ?Zuerst denkt er, es sei alles nur ein Witz, doch dann öffnet sich vor ihm der Abgrund.? Als Debütant war Bousman am Anfang verständlicherweise ein bisschen unsicher, was er aus den Schauspielern herauslocken kann. Aber seine Zweifel lösten sich am Set relativ schnell auf.

r erinnert sich: ?Es ist wahnsinnig anregend mit Leuten wie Glenn Plummer zu arbeiten, den ich vor Jahren schon in Mörderischer Tausch bewundert habe. Und auch Shawnee Smith und Beverley Mitchell sind ja unglaublich erfahrene Schauspieler. Natürlich gab es auch Momente, in denen ich mich überfordert gefühlt habe, doch sie waren sofort da, um zu helfen.?

Bousman glaubt, dass sein Enthusiasmus und der der Crew auch auf der großen Leinwand sichtbar sein wird: ?Dieser Film wird die Leute in einen Schockzustand versetzen - auch ohne ausschließlich auf Blut und Gewalt zu setzen. Klar, man sieht viel Blut und Gewalt, aber es sind vor allem die überzeugenden Charaktere, die einen in die Geschichte ziehen.?

Bousman weiß, dass man seinen Film mit dem ersten Teil von SAW vergleichen wird ? aber er ist auch überzeugt davon, dass die Zuschauer sich vor Angst im Kinosessel krümmen werden, wenn SAW II in die Kinos kommt. ?Als ich damals zum ersten Mal die letzte Szene von SAW sah, war ich einfach nur sprachlos. Wir haben ein paar Tricks parat, die das Publikum ähnlich zurücklassen. Sie werden dem Film verfallen.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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