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Ausführlicher Inhalt

Ein junger Mann mitten in der Nacht auf der Brooklyn Bridge, umgeben von den hell lodernden Flammen eines Autounfalls. Er ist Henry Letham (Ryan Gosling), ein sensibler Kunststudent mit großen Ambitionen. Seine anfängliche Verwirrung und Desorientierung wandelt sich binnen Sekunden zur Sicherheit. Zielstrebig verlässt er den Ort des Geschehens. Der versierte Psychiater und Therapeut Sam Foster (Ewan McGregor) befindet sich auf dem täglichen Weg zur Arbeit.

Auf dem Weg trifft er seine Freundin, die begabte Künstlerin Lila (Naomi Watts), und lamentiert, dass er nicht schlafen konnte wegen eines schreienden Babys. In seinem Büro, das er sich eigentlich mit seiner zur Zeit beurlaubten Kollegin Dr. Beth Levy (Janeane Garofalo) teilt, widmet sich Sam einem neuen Patienten, den er von Beth übernommen hat: Henry.

Henry ist abweisend, als er nicht seine vertraute Therapeutin vorfindet. Skeptisch beäugt er Foster. Der ist fasziniert: Die Unterlagen besagen, Henry habe mitten auf der Brooklyn Bridge selbst sein Auto angezündet und sei dann zügig davon gegangen. Doch Henry will nicht mit Sam reden. Er müsse gehen, bevor der Hagelsturm losbreche. Sam ist etwas verwirrt, denn der Himmel strahlt in blau. Ende der Sitzung.

Am Nachmittag trifft sich Sam mit Lila. Sie sitzen draußen in der Nähe von Sams Praxis. Lila ist unsicher, denn sie fragt sich, ob sie jemals Erfolg mit ihrer Kunst haben wird. Er hält ihre Hände und als die Ärmel ihres Pullovers nach oben rutschen, sieht man die Narben an ihrem Handgelenk. Damals hatte Sam sie nach ihrem Selbstmordversuch gefunden und gerettet ? der Beginn ihrer Beziehung.

ie Narben stammen aus einem anderen Leben, sagt sie. Als beide gerade aufbrechen wollen, verdunkelt sich schlagartig der Himmel und es beginnt zu hageln. Abends sitzt Henry in der U-Bahn und zündet sich eine Zigarette an. Nach mehrfacher Aufforderung der genervten Fahrgäste drückt er sie aus ? auf seinem Arm. Einige Mitfahrer reagieren schockiert, andere bleiben gleichgültig. Das ist New York.

Sam ist perplex: Die Vorhersage Henrys, ein Hagelsturm werde kommen, hat sich aus heiterem Himmel bewahrheitet. Dieser Patient fasziniert ihn. Am nächsten Tag taucht Henry unangemeldet in der Praxis auf. Belustigt sagt er, er würde Stimmen hören, die kommen und gehen. Sam fordert ihn auf, er solle aufschreiben, was sie sagen. Bleib bei mir, Henry, bleib bei mir ? ist Henrys Antwort, der verstört ist und launisch.

Dann blickt er Sam kühl an und macht seine nächste Ankündigung: Er wird sich umbringen, in drei Tagen, am Samstag um Mitternacht. Dies sei auch sein 21. Geburtstag. Aufgebracht fragt Sam nach Henrys Familie. Alle tot, lautet die lapidare Antwort des jungen Henry. Dann macht er sich auf. Es blieben ja noch drei Tage und man könne bei der nächsten Sitzung mehr darüber reden.

Sam hat seine Ruhe mittlerweile verloren. Abends erzählt er Lila von Henry, der auf so beängstigend selbstsichere Art seinen Selbstmord ankündigt. Lila antwortet, dass diese Geschichte sie nicht weiter berühre und sie keine Angst habe. Viel mehr als Henrys Fall beschäftigt sie ihre Kunst. Wie immer ist Lila nicht zufrieden mit ihrer Arbeit. Henry hingegen ist besorgt, dass sie ihre Tabletten nicht mehr nimmt.

Da passiert etwas Merkwürdiges: Als er den Raum verlässt, nennt sie ihn laut und deutlich ?Henry?! Von Sam darauf angesprochen, will sie sich nicht daran erinnern. Am nächsten Tag trifft sich Sam zum Schachspiel mit seinem blinden Mentor Dr. Leon Patterson (Bob Hoskins). Er ist voller Sorge wegen Lila: Er befürchtet, sie könne erneut einen Selbstmord versuchen.

Als Patterson gerade versucht, seinen Schüler zu beruhigen und auf die Ebene der Tatsachen zurück zu holen, taucht aus heiterem Himmel Henry auf. Sam will die beiden Männer einander vorstellen, doch da fasst sich Henry ungläubig an den Kopf und zittert. Während Patterson mit ausgestreckter Hand vor ihm steht, erkennt Henry in diesem seinen toten Vater.

Patterson zieht sich zurück, um die Situation zu beruhigen, doch Henry stammelt immer wieder: ?Das ist mein toter Vater, der gerade aus der Tür geht!? Er scheint völlig außer sich und Sam versucht vergebens, seinen Klienten zu beruhigen. Nach diesem Zwischenfall verschwindet Henry und taucht unter.

Der Samstag rückt immer näher, langsam läuft die Zeit ab. Mit Behördenhilfe dringt Sam in Henrys Wohnung ein. Sie ist leer und von Henry keine Spur. Doch die Wand ist vollgeschrieben mit dem immergleichen, winzig klein geschriebenen Satz: ?Vergebt mir?.

Auf dem Anrufbeantworter findet sich eine Nachricht von Sam, von der er sich nicht erinnern kann, sie hinterlassen zu haben: Bleib bei mir, Henry, bleib bei mir, sagt er darauf. Zuhause studiert Sam die Unterlagen, um mehr über Henrys Hintergrund zu erfahren. Sein Kunstprofessor war voll des Lobes: Mit seiner Arbeit werde Henry neue Welten erschaffen. Sam fragt Lila nach dem Künstler Tristan Reveau, Henrys großes Vorbild.

Lila kennt seine Geschichte: Als 18-Jähriger kündigte er an, er werde sich in drei Jahren an seinem 21. Geburtstag in New York das Leben nehmen. Bevor er die Ankündigung in die Tat umsetzte, verbrannte er all seine Gemälde und hinterließ eine Notiz: Ein eleganter Selbstmord ist das größte Meisterwerk. Lila will mit Henry reden, aber Sam ist mutlos: Keiner wisse, wo Henry sei.

Lila ist überzeugt, dass der Junge wieder auftauchen wird. Sie glaubt, Henry hoffe insgeheim, dass Sam der Eine ist, der ihm helfen kann. Sag ihm, dass es im Leben zu viel Schönes gebe, als dass man es aufgeben dürfe, gibt sie Sam mit auf den Weg. Sam sucht seine Kollegin Beth auf, die Henry zuvor behandelt hatte. Sie wirkt krank und verwirrt und angetrunken.

Du hättest Lila damals nicht retten dürfen, brabbelt sie. Sie rät Sam, er solle Henry nach seiner Mutter fragen. Sams Verwirrung nimmt zu: Er dachte, Henrys Mutter sei tot. Doch tatsächlich erreicht er sie telefonisch, aber bevor es zu einem Gespräch kommt, bricht die Verbindung ab. Er besucht sie. Sie begrüßt den Psychiater mit den Worten, dass es höchste Zeit für seinen Besuch sei. Das Haus ist verlassen und leer. Nur die Mutter und Henrys Hund, ein Boxer, sind da.

Sie hält Sam für Henry, während sie sich mit starrem Blick und beinah schwebend durch das leere Haus bewegt. Sie will Erfrischungen bringen, doch der Kühlschrank ist leer. Ständig erscheint sie aus einer anderen Richtung und die Welt um Sam herum beginnt sich zu drehen. Die Ereignisse überschlagen sich: Ohne ersichtlichen Grund beginnt die Frau plötzlich am Kopf zu bluten, und als Sam ihr helfen will, wird er von dem Hund angegriffen und gebissen.

Sam lässt die Bisswunde behandeln. Ein ansässiger Sheriff kommt, um das Protokoll aufzunehmen. Er kann nicht glauben, dass Sam mit Maureen Letham gesprochen hat. Der Beamte ging mit ihr zur Schule ? und besuchte ihre Beerdigung: ?Maureen Letham ist seit Monaten tot?, sagt er mit einem Blick, als betrachte er einen Verwirrten. ?Hatte sie braune Augen??, will Sam wissen. ?Nein?, kommt die Antwort, ?sie waren blau, tiefblau?.

Als Sam nach Hause kommt, ist er sichtlich aufgelöst: Vor der Tür hat er ein Déjà Vu, das ihn nur noch mehr verwirrt. Zum zweiten Mal seit seinem Zusammentreffen mit Henry sieht er, wie ein Klavier im selben Haus aus dem selben Fenster verladen wird. Und wie ein kleiner Junge einen Luftballon verliert. Sam ist sicher, dass er kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht.

Die Dinge, die ihm passieren, machen keinen Sinn. Wie kommt seine Stimme auf Henrys Anrufbeantworter und wer war die Frau im Letham-Haus? Lila rät ihm, sich schlafen zu legen. Aber Sam kann nicht lange ruhen, denn es ist bereits Samstag. Wie kann er Henry retten? Er macht sich auf, um eine letzte Spur zu überprüfen, eine junge Frau, die Henry einmal erwähnt hat. Und während Mitternacht immer näher rückt, weisen alle Hinweise schließlich in Richtung Brooklyn Bridge. Wird Sam hier das Geheimnis um Henry Letham lösen?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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