The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen

Produktionsnotizen

Am Fuss der Hügel ?Irgendetwas stimmt hier nicht. Wir sind nicht allein? ? Bobby Carter

Wes Cravens Kultklassiker THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) hatte einen großen Einfluss auf das moderne Horrorkino und dabei eindrucksvoll demonstriert, wie man auch ohne kostspielige Spezialeffekte Nerven zerfetzende Spannung erzeugen kann.


Die Originalstory: Eine typisch amerikanische Durchschnittsfamilie fährt in den Urlaub nach Kalifornien, bleibt jedoch mit ihrem Wohnwagen in der Wüste liegen. Dort hausen, hinter Hügeln versteckt, kannibalische Wegelagerer, die nun Jagd auf die Familie machen. Ein verzweifelter Kampf auf Leben und Tod entbrennt.

Jetzt haben die jungen Filmemacher Alexandre Aja und Gregory Levasseur eine zeitgemäße Neuinterpretation des Gruselschockers inszeniert und konnten dabei auf die tatkräftige Unterstützung langjähriger Mitarbeiter von Wes Craven sowie der Produzenten Marianne Maddalena und Peter Locke zurück greifen.

Das französische Duo Aja / Levasseur hatte sich mit dem auf Festivals gefeierten Film HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003), in dem zwei Frauen dem Blutrausch eines psychopathischen Killers ausgeliefert sind, für diese Arbeit empfohlen. Sie jonglieren geschickt mit den Regeln des Genres, die Brutalität wird clever an den Anfang des Films gestellt, sodass der Zuschauer in jeder Sekunde mit dem Schlimmsten rechnen mußs.

Wo andere Horror-Spezialisten mit der Überhöhung von Gewalt arbeiten, setzen Aja und Levasseur auf unbarmherzigen Realismus, visuell verstärkt durch harte Schnitte und einen grellen, eisigen Look. Die Intensität ihrer Arbeit ist denn auch Grundvoraussetzung, um einen Klassiker wie THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) fit zu machen fürs 21. Jahrhundert ? und damit für eine neue Generation von furchtlosen Kinogängern.

Alles beginnt mit dem Versuch einer Familienaussöhnung. Anlass hierfür ist der Hochzeitstag von Big Bob Carter (Ted Levine), einem pensionierten Polizisten aus Cleveland, und dessen schwatzhafter Ehefrau Ethel (Kathleen Quinlan). Bob lädt die übrigen Familienmitglieder auf einen gemeinsamen Wohnwagentrip nach Kalifornien ein, doch so richtig begeistert ist niemand. Die älteste Tochter Lynn (Vinessa Shaw) sorgt sich um die Sicherheit ihres Babys, während Ehemann und Technikfreak Doug (Aaron Standford) wegen möglicher Reibereien mit seinem raubeinigen Schwiegervater Bauchschmerzen hat.

Auch Teenagertochter Brenda (Emilie de Ravin) ist genervt von der Idee, mit der Familie rumzuhängen statt mit ihrer Clique. Bruder Bobby (Dan Byrd) indes ist bemüht, für gute Stimmung zu sorgen ? mit Hilfe der beiden Schäferhunde Beauty und Beast. Nach einigem hin und her bricht die streitbare Sippschaft Richtung Westen auf.

Big Bob nimmt eine Abkürzung, die den Familientross geradewegs in die Wüste führt. Natur pur, von weiteren Lebewesen weit und breit keine Spur. Oder vielleicht doch? Eine plötzliche Reifenpanne zwingt die Carters zum Anhalten. Kein Handyempfang, nur Sand und endlose Hügel ? die ohnehin schon gereizte Stimmung ist nun endgültig am Tiefpunkt angelangt. Doch der anfängliche Frust schlägt unvermittelt in Angst um, als die harmlosen Urlauber von einer Gruppe grässlich entstellter Kreaturen angegriffen werden.

Dabei handelt es sich um eine ehemalige Minenarbeiterfamilie, die allesamt durch Atomtests in der Wüste radioaktiv verseucht wurden. Menschen, die zu blutrünstigen Monstern mutiert sind. Die Chancen, das Horrorszenario lebend zu überstehen, sind denkbar schlecht. Jetzt heißt es für die Carters: zusammenrücken und der Bedrohung trotzen.

Hügel der blutigen Augen: Damals und Heute Der Erneuerer des Gruselkinos heißt Wes Craven. Das hat der Regisseur und Drehbuchautor in seiner über 30-jährigen Film-, Fernseh- und Literaturkarriere immer wieder unter Beweis gestellt. Zum Beispiel 1984 mit A NIGHTMARE ON ELM STREET (?Nightmare ? Mörderische Träume), als er dem damals gerade erst frisch belebten Genre seinen innovativen Stempel aufdrückte.

Was folgte, war die außerordentlich erfolgreiche SCREAM Trilogie (über 300 Millionen Dollar Einspielergebnis weltweit), für die er in den 90er Jahren verantwortlich zeichnete. Neu am Kinolehrstück über das Grauen war der raffinierte und reflektierte Mix aus Horror, Thriller und Komödie. Popkulturelle Filmreferenzen und gekonnte Genre-Spielchen wurden zum Markenzeichen von Wes Craven.

?Zudem ist er ein ungeheuerer Geschichtenerzähler?, hält Produzent Peter Locke fest, der bereits das 77er Original von THE HILLS HAVE EYES - HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN produzierte. ?Niemand hat das Horror-Genre so durchdrungen und ausgeleuchtet wie Wes Craven.?

Das Ausloten menschlicher Urängste begann für Craven 1972 mit seinem ersten Film THE LAST HOUSE ON THE LEFT (?Das letzte Haus links?). Zur Meisterschaft in psychologischer Kriegsführung brachte es der Nervenkitzler fünf Jahre später mit THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977). Der an Spannung kaum zu überbietende Low Budget-Film traf den Zeitgeist exakt.

Craven ließ sich beim Drehbuchschreiben von einer unglaublichen Geschichte inspirieren, die im Schottland des 17. Jahrhundert tatsächlich passiert ist. Sawny Beane und seine Familie überfielen damals zahllose Reisende, töteten sie bestialisch, verspeisten sie und vergruben anschließend die menschlichen Überreste. König James entsandte daraufhin 400 Soldaten mit Bluthundes, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Was die Königstruppen bei der Festnahme der Familie vorfanden, war ein Ort des Schreckens.

Der König ließ den mörderischen Clan hinrichten ? auf die gleiche Weise, wie die Beanes ihre Opfer in den Tod schickten. Craven sah in der monströsen Story sehr genau das ewige Dilemma der Menschheit. Nämlich die Angst davor, dass menschliche Abgründe jederzeit eine zivilisierte Gesellschaft zerstören können. Und so verpflanzte er den antiken Albtraum ins Amerika des 20. Jahrhunderts und ließ eine wenig intakte Vorstadtfamilie in den Höllenschlund blicken.

Dies waren die Tage, bevor hoch budgetierte Horrorfilme Hollywood eroberten. THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) wurde von einem gerade mal 15-köpfigen Team im kalifornischen Wüstenkaff Victorville gedreht und kostete nur 325.000 Dollar. Produzent Peter Locke fuhr die Schauspieler höchstpersönlich zum Drehort und zum Schutz gegen Sturm und Regen zogen sich die Crewmitglieder riesige Müllbeutel über.

Die Schlüsselszene des Films spielt deshalb an einer stillgelegten Tankstelle, weil diese tatsächlich außer Betrieb war. Die Ausstattung des Films stammte teilweise aus Tobe Hoppers Horrormeilenstein THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (?Blutgericht in Texas?, 1974). Gefilmt wurde THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) mit einer 16mm Handkamera, damit der Ruckel-Look das Gefühl des ständigen Terrors noch verstärkte.

Trotz widriger Produktionsbedingungen entpuppte sich THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) beim US-Start im Sommer 1977 als Kassenknüller. Die Zuschauer waren geschockt über das, was sie da sahen und selbst wortgewaltigen Kritikern blieb die Spucke weg. Denn im Unterschied zu konventionell inszenierten Horrorfilmen geht es hier nicht nur um schaurig-schöne Unterhaltung, sondern auch darum, die Psychoschraube bis ins Unerträgliche anzuziehen, sodass Angst und Schrecken beim Betrachter möglichst realistisch ankommen.

THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) wurde zum Klassiker, der zahlreiche andere Genre-Produktionen beeinflusste und dessen Schockpotenzial auch im Zeitalter der DVD noch präsent ist. Beleg dafür: 30 Jahre später stürmen neu interpretierte Horrorklassiker ? darunter THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (?Blutgericht in Texas?, 1974/2005) und THE AMITYVILLE HORROR (?Amityville Horror?, 1979/2005) mit großem Erfolg die internationalen Kinocharts. Craven und seinen Produzentenpartnern kam daraufhin der Gedanke, THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) zu reanimieren.

Aber auf dem Niveau zeitgemäßen Kinomachens ? und zwar inhaltlich, stilistisch und produktionstechnisch. Dazu Craven: ?Da wir beim Original nur wenig Geld zur Verfügung hatten, konnte ich die Story nicht so tiefgründig erzählen, wie ich wollte. Glücklicherweise stand uns bei der Neuverfilmung ein erheblich größeres Budget zur Verfügung. Das gab uns die Freiheit, mehr Zeit und Sorgfalt auf die gesamte Produktion zu verwenden.?

Um den heutigen Sehgewohnheiten gerecht zu werden, mußste ein junger, innovativer Filmemacher her. Einer, der dem Projekt mit Verve und Stil eine frische Perspektive gibt. Am besten ein Universaltalent, das Düsternis, Vollgas-Action, Galgenhumor und die Psychologie der Angst in einem Film vereinen kann. Eben einer, der darauf brennt, neue, aufregende Erfahrungen zu machen.

Aus eins mach zwei: Nachdem Wes Cravens Langzeitproduzentin Marianne Maddalena den französischen Film HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003), eine Hommage ans amerikanische Horrorkino der 70er Jahre von Alexandre Aja und Gregory Levasseur gesehen hatte, rief sie umgehend Craven und Locke an, um ihnen davon vorzuschwärmen.

Die beiden sowie das gesamte Produktionsteam waren ebenfalls beeindruckt vom provokativen Psychokillerthriller, der virtuos die Klaviatur des Grauens beherrscht. ?Der Film ist brillant, darin sind wir uns einig?, sagt Marianne Maddalena. Zudem demonstrierte die Low-Budget- Produktion, dass Aja und Levasseur mit minimalen Mitteln maximale Kreativität abrufen können.

Dieses Können blieb auch anderen nicht verborgen. Hollywoodstars wie Sharon Stone und Johnny Depp zählen zu den Fans des französischen Duos. Und Wes Craven war schnell klar, das Aja und Levasseur geradezu prädestiniert waren, um eine adäquate Neuverfilmung von THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) auf die Leinwand zu bannen.

?Mit HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003) haben Alex und Gregory eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das ihnen keine Facette des Gruselgenres fremd ist, ? kommentiert Craven seine Entscheidung. ?Nachdem ich den Film gesehen und mit beiden ausführlich gesprochen hatte, wollte ich unbedingt mit ihnen arbeiten.?

Erste Erfahrungen sammelte der heute 27-jährige Alexandre Aja an exotischen Drehorten auf der ganzen Welt ? als Assistent seines Vaters, dem Regisseur Alexandre Arcady. Im Alter von zehn Jahren lernte Aja seinen bis heute besten Freund und Kollegen Gregory Levasseur kennen. Der träumte schon damals von einer Karriere als Drehbuchautor und Regisseur. Der Einstieg ins geliebte Filmgeschäft mit 18 Jahren ging gut los: OVER THE RAINBOW (?Over the Rainbow?, 1997) wurde beim Filmfestival in Cannes als Bester Kurzfilm nominiert.

Drei Jahre später war mit FURIA (?Furia?, 1999) der erste Langfilm im Kasten und erhielt eine Nominierung für den Fantasporto International Fantasy Award als Bester Film. Für eine kleine Sensation sorgte das Duo anschließend mit HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003) auf den renommierten Filmfestivals in Toronto und Sundance. Der kleine französische Film mauserte sich zum veritablen US-Hit.

Als Aja und Levasseur vom Zuschlag fürs Remake von THE HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) erfuhren, ging für die ausgewiesenen Kinofreaks ein Traum in Erfüllung: Einen ihrer absoluten Lieblingsfilme neu zu verfilmen, unter der Obhut jenes Regisseurs, der das Original erschaffen hatte. Näher kann ein Horrorfan dem Nirwana kaum kommen. Also stürzten sich die beiden umgehend in die Arbeit für ein neues Drehbuch. Eines, das ihrer Vision entsprach.

?Wes Craven ist ein Held unserer Kindheit, ? gibt Aja zu Protokoll. ?Wir sind mit seinen Filmen aufgewachsen, er hat uns zu absoluten Gruselgurus gemacht. SHOCKER (?Shocker?, 1989) und THE LAST HOUSE ON THE LEFT (?Das letzte Haus links, 1972) waren eine große Inspiration während der Entstehung von HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003). Da ist es wohl verständlich, dass wir total glücklich waren, als er uns eine Zusammenarbeit angeboten hat.?

Besonders angetan waren die Filmemacher von den Freiheiten, die ihnen Wes Craven bei der Weiterentwicklung des Stoffes und der Charaktere gewährte. Genau genommen zur Bedingung machte. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie unter enormem Druck stehen? Für Aja ist diese Fragestellung der Schlüssel zum Film. ?Es ist der perfekte Nachfolger von HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003), weil wir menschliche Abgründe noch intensiver, noch schonungsloser darstellen können,? sagt Aja.

?Ich liebe es, im Kino zu sitzen und mich derart in eine Geschichte hineinziehen zu lassen, dass es völlig unmöglich ist, Popcorn zu essen oder Cola zu trinken. THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN ist exakt diese Art Film.?

Eine durchschnittliche amerikanische Vorstadtfamilie trifft auf blutrünstige Mutanten, die auch mal Menschen waren ? nun aber nur noch ein Ziel verfolgen: Zerstörung! ?Einen Film zu machen, in dem eine Familie und nicht eine Handvoll Teenager ums nackte Überleben kämpft, fand ich äußerst attraktiv,? schmunzelt Aja.

?Für mich ist es viel interessanter, eine ganz normale Familie wie die Carters zu zeigen, mit ihren unterschiedlichen Charakteren und den ebenso unterschiedlichen Verhaltensweisen im Angesicht der Gefahr. Das Publikum hat zudem jede Menge Identifikationsmöglichkeiten, sei es mit der Mutter, den Kindern oder dem Schwiegersohn. Hinzu kommt, dass der Schock-Effekt viel nachhaltiger ist, wenn einem das Schicksal der Protagonisten wirklich am Herzen liegt.?

Aja und Levasseur schrieben das Originaldrehbuch um und entwickelten eine Version, die im Hier und Jetzt spielt. Aja erinnert sich: ?Wes verhielt sich wie ein Gentleman. Er ermutigte uns, unseren eigenen Film zu machen und nicht das Original zu kopieren. Und er respektierte unsere Sicht des Stoffes. Das war befreiend und motivierend. Und es brachte uns auf die Idee, aus ?konventionellen Kannibalen? durch Atomtests verseuchte Menschen zu machen.?

Hautnah an der Realität: Im Zeitalter atomarer Bedrohung und Reaktor-Katastrophen à la Tschernobyl bekommt die modernisierte Version besondere Brisanz. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, welch schreckliche Schäden nukleare Strahlung bei Menschen anrichten kann. Kommentar Craven: ?Das Thema ist brandaktuell und bedrohlicher denn je.?

Alles spielt sich in einer Nacht ab: ?Es war echt spannend, die Verwandlung der Familie Carter innerhalb kürzester Zeit darzustellen,? sagt Levasseur. ?Zunächst sind sie ordentlich hergerichtet, später dann Blut verschmiert, verwundet und halbtot. Der immense Kontrast zwischen Anfang und Ende des Films übte einen besonderen Reiz aus.?

Während das Drehbuch in mehreren Monaten entwickelt wurde, tauchten Aja und Levasseur immer tiefer in die Thematik ein. ?Unseren Film als Remake zu sehen ist okay, aber nur die halbe Wahrheit.?, sagt Aja. ?Unsere Version geht insofern weiter, als das die Bedrohung extrem realistisch ist. Der Zuschauer soll das Kino verlassen und sich fragen: Wie würde ich mich im Fall einer tödlichen Bedrohung durch verseuchte Menschen verhalten? Dann hätten wir einen guten Job gemacht. Und möglicherweise das Original noch übertroffen ...?

Aja lag es besonders am Herzen, eine Balance zwischen Hommage und Originalität herzustellen. Zwischen rauer Ursprünglichkeit und Modernisierung. ?Die meisten Horrorfilm-Remakes der letzten Jahre gefallen uns deshalb nicht so gut, weil sie zu sehr nach Musikvideoclip aussehen. Sie sind zu clean und nicht gruselig genug, um neue Standards zu setzen,? erklärt Aja. ?Wir haben exakt den Film gemacht, für den wir Geld an der Kinokasse ausgeben würden.?

Eine Hollywood-Produktion zum derart frühen Zeitpunkt der Karriere realisieren zu können, ist für den Franzosen Aja ein Traum: ?dass er so schnell in Erfüllung gehen würde, hätte ich nicht gedacht. Aber bei der Art Filme, die Gregory und ich machen, spielt die Sprache auch keine wichtige Rolle. Wenn du den Bogen raus hast, Menschen zu erschrecken, kannst du es in jeder Sprache tun.?

Familie Carter kämpft sich durch die Wüste Bereits zu Beginn der Drehbuchentwicklung war Alexandre Aja klar, dass die wichtigste Komponente in THE HILLS HAVE EYES - HÜGEÖ DER BLUTIGEN AUGEN sein würde, das Publikum in den grausigen Überlebenskampf der Familie Carter emotional hineinzuziehen. Keine Distanz zuzulassen. Dem Zuschauer den Atem zu nehmen, seinen Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen zu lassen und sein Nervenkostüm aufs ärgste zu strapazieren.

So, als würden sie guten Freunden dabei zusehen, wie diese durch die Hölle gehen. Deshalb war es wichtig, glaubhafte, moderne Charaktere zu entwickeln, deren Alltagsprobleme jeder kennt. Der Anfang eines intensiven Castings. ?Unser Konzept basierte vom ersten Moment darauf, dem Film größtmögliche Authentizität zu verleihen,? erläutert Aja.

?Deshalb haben wir beim Casting sehr genau darauf geachtet, Darsteller zu finden, die Natürlichkeit verströmen. Deren Qualität es ist, keine besonderen Qualitäten zu haben. Wir wollten eine Familie, dessen Mitglieder die Nachbarn von nebenan sein könnten. Deshalb haben wir bewusst auf Stars verzichtet, auf große Namen, deren Persönlichkeit eventuell zu sehr vom Film-Charakter ablenken könnte. Denn Glamour ist genau das, was unser Film nicht braucht.?

Als erstes wurde nach dem Familienoberhaupt gesucht, der zentralen Figur des Films: Big Bob Carter. Einem rustikalen Patriarchen und Polizisten im Ruhestand, der es sich in den Kopf gesetzt hat, seine zerstrittene Familie auf einer gemeinsamen Reise wieder zu versöhnen. Schließlich lässt sich auf einer schier endlosen Tour durch die Wüste bestens diskutieren. Was Aja suchte, war ein Mann mit autoritärem Auftreten. Bei näherer Betrachtung jedoch sollte er sich ebenso als überaus fürsorglicher Familienvater erweisen. ?All das mußs in wenigen Dialogzeilen rüber kommen,? so Aja.

Gefunden hat er diesen Charakter in Schauspielveteran Ted Levine, bestens bekannt durch die Rolle des Captain Leland Stottlemeyer in der erfolgreichen TV-Krimiserie ?Monk?. Zudem spielte er den Psychopathen Jame ?Buffalo Bill? Gumb im Oscar prämierten Thriller-Meisterwerk THE SILENCE OF THE LAMBS (?Das Schweigen der Lämmer?, 1991). Levine vereint alle Wesenzüge eines amerikanischen Durchschnittsdaddys. Aja: ?Ted Levine hat Punkt für Punkt unsere Vorstellungen erfüllt und dem Charakter Big Bob Tiefgang und Nuancen gegeben.?

Als Fan von HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003) war Ted Levine besonders daran interessiert, die Rolle des Big Bob zu spielen, inklusive all der körperlichen Torturen, die damit verbunden sind ? brennend am Marterpfahl zu stehen beispielsweise. Zudem bot die Rolle die Möglichkeit, dem Schurken-Image zu entkommen für das Levine in vielen seiner Auftritte steht.

?Ich mag diesen Typen, weil er bodenständig und handfest ist. Ohne Schnickschnack zu agieren ist für einen Schauspieler eine echte Herausforderung, ? so Levine. ?Das Böse ist insofern leichter zu verkörpern, als dass man sicher hinter einer Maske verstecken kann. Aber einen geradlinigen Charakter wie Bob darzustellen, der im Angesicht tödlicher Bedrohung auch seine moralischen und ethischen Grundwerte eisern verteidigt, war sehr interessant.?

Bobs unerschütterliches Vertrauen in sich selbst, sogar im Moment allergrößter Not, ist ein Wesenzug, den zu zeigen Levine ebenfalls reizte. ?Bob gehört zu der Sorte Menschen, die sich niemals hängen lassen. Auch nach seiner Pensionierung bleibt er im Denken und Handeln Polizist. Und dann wird er mit so einer Katastrophe konfrontiert? Ziemlich tragisch.?

Nach Drehbuchlektüre war Levine klar, dass Fans von Horror- und Psychothriller-Filmen an THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN nicht vorbeikommen werden. ?Dieser Film arbeitet im Gehirn des Betrachters weiter, er stellt unbequeme Fragen zum Thema Schicksal und Todesangst, ?bemerkt Levine. ?Die finstere Reise der Carters wird den Leuten gehörig in die Knochen fahren!?

Vom Flower-Power-Girl der 60er Jahre zur verantwortungsvollen Vorstadtmama. Diesen Bogen hat Kathleen Quinlan (APOLLO 13 / ?Apollo 13?, 1995) zu spannen in der Figur Ethel Carter, jener Frau, deren positive Lebenseinstellung besonders hart auf die Probe gestellt wird, als es um Leben und Tod geht. Kathleens schauspielerische Klasse hat Aja stets tief beeindruckt: ?Ich liebe ihre Arbeit, immer schon. Kathleens Art zu spielen berührt. Sie ist fantastisch in der Rolle einer uramerikanischen Mutter.?

Quinlan hatte bis dato noch nie in einem Horrorfilm mitgespielt. Höchste Zeit also, es zu tun? Erst der Zuspruch und die Begeisterung von Aja und Levasseur machten den Deal perfekt. ?Horror ist tatsächlich das einzige Genre, mit dem ich zuvor nie in Berührung gekommen bin. Nach anfänglichem Zögern, dachte ich: Riskier es einfach, was hast du schon zu verlieren,? sagt die Schauspielerin. ?Zudem war ich sehr beeindruckt, mit welcher Leidenschaft diese beide jungen Filmemacher zu Werke gegangen sind. Das sind echte Überzeugungstäter.?

Ethel Carter ist es gewohnt, Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Familie zu nehmen. Sie tut das gern. Nun mußs sie mit ansehen, wie ihre Liebsten von ekligen Kreaturen auf jegliche erdenkliche Art tyrannisiert werden. ?Ethel ist nicht der Frauentyp, den man normalerweise in einem Horrorfilm zu sehen kriegt?, sagt Quinlan. Sie ist auch nicht das wehrlose Opfer, dafür hat sie mit ihrer Familie schon zu viele Kämpfe ausgetragen. Nach der Pensionierung ihres Mannes ist Ethel an einem Wendepunkt in ihrem Leben angelangt. Sie hat noch Träume und sie ist die Einzige in jener schicksalhaften Nacht, die fest daran glaubt, dass alles gut wird.?

Auge in Auge mit dem Schrecken: Als Ethel erstmals mit den brutalen Mutanten in Berührung kommt, entsteht ein unerträgliches Schreckensbild. ?Das darzustellen, hat mir alles abverlangt?, gibt Quinlan unumwunden zu. Denn die Art und Weise, wie Ethel sich in dieser Extremsituation verhält, mußste absolut echt wirken. So wie jemand, der alles tut, um seinem schrecklichen Schicksal zu entkommen. Das war wirklich heftig ? und ich hoffe, das kommt auch auf der Kinoleinwand rüber.?

Nachdem die Rollen von Bob und Ethel besetzt waren, begann die Suche nach einem geeigneten Schwiegersohn. Eine knifflige Angelegenheit, weil Doug Bukowski den heftigsten Wandel im Laufe des Films durchlebt. Der herzensgute Telefonverkäufer ist nämlich gefordert, sein Baby aus den Krallen der Kreaturen zu befreien. Nach intensivem Vorsprechen fiel die Wahl auf Aaaron Stanford, dessen Performance als Pyro in X MEN 2 (?X-Men 2?, 2003) nachhaltig beeindruckte. Stanford beherrscht das Schauspielhandwerk wie nur wenige, seine Wandlungsfähigkeit ist sprichwörtlich.

?Eine tolle Entscheidung, Aaron Doug spielen zu lassen?, meint Koproduzent Cody Zwieg. ?Er wird das Publikum vom ersten Moment an auf seiner Seite haben. Die Verwandlung vom gemütlichen Gutmenschen zum Helden, der sich von nichts und niemandem stoppen lässt, um seine Familie zurückzubekommen, ist einfach unwiderstehlich.?

Stanford war augenblicklich angetan von der Rolle, da er Vergleichbares noch nicht gespielt hatte. Zudem entdeckte er an Doug leicht eigenwillige Züge, die auch ihm nicht fremd sind. Der besondere Kick aber war, Dougs unbekannte Seite zum Vorschein zu bringen während der sich zuspitzenden Auseinandersetzungen in der Wüste. Dazu Stanford: ?Doug ist der bequemliche Typ, der es nicht besonders schätzt, wenn sein Leben außer Kontrolle gerät. Umso aufregender ist es, zu zeigen, wie da plötzlich jemand seine Sicherheitszone verlässt, um Verantwortung zu übernehmen. Mit allen Konsequenzen ??

Stanford fährt fort: ?Aus Doug wird in dieser grauenvollen Nacht ein völlig anderer Mensch. Alles, was er geglaubt hat über das Leben und die Menschen zu wissen, ist von einer Minute auf die andere hinfällig. Unten ist oben, oben ist unten. Fortan zählt für ihn noch eines: irgendwie diesem Fegefeuer zu entkommen. Alex und ich haben lange darüber gesprochen, dass Doug, um zu überleben, letztendlich ebenso kaltblütig handelt wie die Kreaturen in den Hügeln. Seine Heldenhaftigkeit ist ein zweischneidiges Schwert, so wie im richtigen Leben.?

Stanfords Einsatzbereitschaft am Set war genau das, was sich die enthusiastischen Filmemacher erhofft hatten. Und umgekehrt! ?Mir kamen die zwei vor wie große Jungs in einer Schokoladenfabrik?, beschreibt Stanford die Zusammenarbeit mit Aja und Levasseur. Wir hatten unglaublich viel Spaß und es tat gut, zu sehen, wie wichtig den beiden der Film ist. Nur so kann am Ende etwas wirklich Aufregendes dabei herauskommen.?

Bevor die erste Schlacht gedreht wurde, bat Stanford darum, vorab nicht das Make-up der Mutanten sehen zu wollen ? damit die Schrecksekunde in seinem Gesicht absolut echt wirkt. So etwas nennt man wohl realen Horror. ?Das hat bestens funktioniert, ? so Stanford, ? mir stockte der Atem beim Blick in ihre entstellen Gesichter. Dougs Angst mußste ich nicht mehr spielen??

Dougs temperamentvolle Ehefrau Lynn wird von Vinessa Shaw verkörpert. Seit Aja die junge Schauspielerin in Stanley Kubricks letztem Film EYES WHITE SHUT (?Eyes Wide Shut?, 1999) sah, wollte er unbedingt mit ihr arbeiten. Als dann schließlich das Angebot kam, in THE HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN mitzuspielen, war Shaw zunächst zögerlich.

Um eine Ahnung davon zu bekommen, auf was sie sich einlassen würde, sah sich Shaw HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003) an. ?Normalerweise schlottern mir die Knie bei Horrorfilmen, umso mehr hat mich die psychologische Ebene des Streifens überrascht. Dieses Wechselspiel aus Grauen und Faszination. Das ist ja fast schon Arthauskino,? bemerkt die Schauspielerin anerkennend.

?Nachdem ich dann ausgiebig mit Alex und Greg gesprochen hatte, entschied ich mich, mitzumachen. Denn die Story macht viel mehr, als nur Gruselstimmung zu verbreiten. Sie ist Spiegelbild eines zutiefst verunsicherten Amerikas, das sich vor Dingen fürchtet, die nicht sichtbar oder unbekannt sind.?

Im ersten Teil von THE HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN wird Shaws Figur Lynn als vermittelnde Ehefrau und treu sorgende Mutter eingeführt. Ständig im Stress wegen des Säuglings Catherine, aber auch stets bemüht, das angespannte Verhältnis zwischen ihrem Mann und ihrem Vater zu entschärfen. ?Lynn ist Familienharmonie wichtig?, erklärt Shaw, ?deshalb versteht sie sich auch als Friedenstifterin. Bis es um das Leben ihres Babys geht, da entwickelt sie eine ungeheure Stärke und Härte.?

Lynns Schwester Brenda entwickelt ebenfalls eine erstaunliche Durchsetzungskraft während der wilden Reise durchs menschliche Jammertal. Dabei wünscht sie sich zu Anfang des Films nicht sehnlicher, als mit ihren Freundin in Cancun Partys zu feiern statt mit ihrer Familie durch die Wüste zu zuckeln. Für die Rolle der Brenda schwebte den Filmemachern eine Schauspielerin vor, die jugendlichen Charme, aber auch Charisma verströmt. Und stießen dabei auf Australiens neuen Star Emilie de Ravin, die in der Fernsehserie ?Lost? die Rolle der Littleton spielt.

Auch Aja war wie vom Donner gerührt bei der ersten Begegnung: ?Emilie betrat den Vorsprechraum, sah umwerfend aus und brauchte nur eine Zwei-Minuten-Szene, um neben Schönheit auch Talent zu demonstrieren. Uns blieb gar keine andere Wahl, als sie zu nehmen.? Ravin war zwar mit dem Genre vertraut, hatte bisher aber nur Teenager-Horrorstreifen gesehen und war daher ziemlich überrascht, wie komplex die Charaktere in THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN angelegt sind.

?Die meisten Horrorfilme überzeugen ja nicht gerade durch Tiefgang oder vielschichtige Charaktere?, so die Schauspielerin. ?Mir gefällt an Brenda, dass sie eben nicht so ein Wischiwaschi-Typ ist. Sie ist eine starke junge Frau mit ausgeprägtem Überlebenswillen, zudem kämpft sie wie ein Löwe für ihre Familie. Was man sich zu Beginn des Films gar nicht vorstellen kann, da ist sie noch der typische rebellische Teenager. Doch als es darauf ankommt, wird Brenda sehr schnell erwachsen.?

Warum gerade junge Leute Gruselstimmung im Kino bevorzugen erklärt Ravin sich so: Extreme Gefühle üben eine ungeheure Faszination auf junge Menschen aus, mich eingeschlossen. Und Horrorfilme gucken, ist wie Achterbahn fahren: Adrenalin schießt durch deinen Körper, dein Herz schlägt wie wild, du fühlst dich total lebendig. In solchen Momenten vergisst du den Alltag und selbst wenn du dich zu Tode fürchtest ? du wirst es wieder tun??

Jüngstes Mitglied der Familie Carter ist Bobby, ein pubertierender Scherzkeks, der so seine eigenen Vorstellungen von einem Familienausflug hat. Zumindest, bevor der Trip jene üble Wendung nimmt? Die Filmemacher ließen Dutzende Nachwuchsakteure für den Part von Bobby vorsprechen. Dabei hatten sie jemanden im Auge, der einerseits total durchschnittlich ist, andererseits etwas Besonderes darstellt. ?Als Dan Byrd an der Reihe war, war sofort klar: er ist Bobby, ? sagt Alexandre Aja. ?Dan hat nämlich gar nicht erst versucht, besonders originell zu sein. Er ist ein liebenswerter kluger Junge mit dem gewissen Etwas.?

Byrd ist bestens vertraut mit Horrorfilmen, obwohl er noch so jung ist. Bereits mit einem kleinen Auftritt in der Stephen King-Verfilmung SALEM?S LOT (?Salem?s Lot?, 2004) macht er auf sich aufmerksam. ?Ein Gruselstreifen mußs vor allem gut unterhalten,? sagt Byrd, ?die Leute lieben es, sich vor Angst im Kinosessel festzukrallen. Bei THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN werden sie sehr oft die Gelegenheit dazu haben.?

Auch Bobby bleibt nicht davor verschont, dem Bösen ins Antlitz zu blicken. Mit Verlust zurechtzukommen und um die eigene Existenz zu fürchten. Das darzustellen, war für Dan Byrd ein hartes, aber auch aufregendes Stück Arbeit. ?Bobby mußs viel schneller erwachsen werden, als ihm lieb ist?, sagt er. ?Das eigentlich interessante aber ist, dass der Kampf mit den Mutanten bei jedem Familienmitglied eine andere Reaktion auslöst. Bobby will nur eines: Rache.?

Sehr hilfreich war für Byrd das vertraute Verhältnis zu Ted Levine, Kathleen Quinlan, Aaron Standford, Vinessa Shaw und Emilie de Ravin. ?Die Chemie zwischen den Protagonisten mußs stimmen, damit man als Filmfamilie glaubwürdig ist?, notiert Dan, ?und wir waren alle heilfroh, dass die Atmosphäre vom Start weg super war. Das sind echt nette Leute, von denen ich eine Menge lernen konnte, und die bereit waren zu experimentieren, damit eine Szene perfekt wird.?

Um diese gute Stimmung zu ermöglichen, sorgte Aja dafür, dass alle sechs Akteure frühzeitig am Set in Marokko waren, um sich vor Drehbeginn in Ruhe kennen zu lernen.

Dazu Produzentin Marianne Maddalena: ?Während dieser Zeit redeten die Beteiligten ausführlich miteinander, probten und gingen abends gemeinsam Essen. So hat sich langsam ein familiäres Gefüge verfestigt, ein unsichtbares Band, welches jede Familie zusammenhält. Innige Verbundenheit war die Zauberformel für eine überzeugende Performance.?

Verseuchte Familie: Die Bewohner der Hügel Nicht nur die Besetzung der Familie Carter war von enormer Bedeutung für THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN. Auch herrschte größte Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Todfeinde ? einer Gruppe radioaktiv verseuchter Menschen. Einmal mehr legten die Filmemacher ihre ganz eigenen Kriterien an, um Angst und Schrecken neu zu definieren. Dazu Co-Produzent Cody Zwieg: ?Die Anforderungen waren sehr hoch. Wir brauchten Darsteller, die problemlos mit einem aufwändigen, durchaus auch hinderlichen Make-up-Masken überzeugend agieren können. Ansonsten werden aus grimmigen Kreaturen sehr leicht Witzfiguren.?

Um die Rolle des Furcht einflössenden Pluto angemessen zu besetzten suchte Aja einen Kultstar des Horrorgenres auf: Michael Bailey Smith. Unter anderem zu sehen in NIGHTMARE ON ELM STREET 5: THE DREAM CHILD (?Nightmare On Elm Street 5: Das Trauma?, 1989). Aja war begeistert von den ersten Testaufnahmen: ?Michael ist einer der allerbesten bösen Jungs, die es im Kinogeschäft gibt.?

Smith war wohl vertraut mit Wes Cravens Originalversion von THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977), einem seiner Lieblingsfilme. Umso mehr erstaunte ihn, mit welcher Akribie Aja und Levasseur die Monster-Szenen im Remake vorbereiteten und darüber hinaus die ungewöhnliche Historie der geschundenen Kreaturen miteinbezogen.

Smith: ?Es hat mich sehr interessiert zu erfahren, was für Wesen das vor den Atomtests waren, und warum sie das Gelände nicht verlassen haben. Diese unglückselige Minenarbeiterfamilie mußs sich wie die Carters gefühlt haben: eine verschworene Gemeinschaft in Not. Doch jetzt sind sie gefräßige Ungeheuer, auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit. Da kommt ihnen eine reiselustige Familie gerade recht.?

Smith beschreibt Pluto als einen schizophrenen Charakter ? unfassbar bösartig und zugleich unschuldig wie ein Kleinkind. Im einen Moment verzehrt er ungerührt das Bein eines Opfers, im nächsten Moment ist er sehr sanft und sogar amüsant. Es war eine Freude, ihn zu spielen.?

Mörderische Verwandlung: Die wichtigste Inspirationsquelle waren für Smith die Make-up-Effekte. ?Ich spürte förmlich, wie ich mich mit dem Entstehen der Maske veränderte. Schon deshalb, war ich mich gar nicht mehr wieder erkannte,? beschreibt Smith seine Metamorphose. Die Jungs der Spezialeffekte Firma K.N.B. EFX haben wirklich einen tollen Job gemacht. Durch ihre Kunstfertigkeit erwacht Pluto zum Leben. Und ich hatte einen Höllenspaß dabei, meine Umwelt zu erschrecken.?

Zum Kannibalen Pluto gesellt Lizard, der sich bei Mangel an Menschenfleisch auf Reptilien stürzt. Als er die Witterung der Carters aufnimmt, steigt ihm besonders der Duft der Frauen in die Nase? Lizard wird ebenfalls von einem Horrorfilmveteranen gespielt: Robert Joy. Er war unter anderem in George Romeros LAND OF THE DEAD (?Land Of The Dead?, 2005) zu sehen.

Monster mit Seele: ?Ich hatte gleich einen Draht zur Figur Lizard?, so Joy, ? er ist zwar ein düsterere, alptraumhafter Mistkerl, zur gleichen Zeit ist er aber auch Teil einer Familie. Deren Mitglieder sind zwar nicht sonderlich sympathisch, doch auf ihrer Weise eng miteinander verbunden. In der Neuauflage von THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) geht es auch nicht um Gut-Böse-Klischees. Es geht darum, zu zeigen, was mit Menschen übles passieren kann ? unter absolut realistischen Bedingungen. Deshalb werden auch nicht nur körperliche, sondern auch physische Deformationen gezeigt. Und woher sie rühren. Letztlich tun diese armseligen Kreaturen nichts anderes, als in einer höllischen Welt, die sie nicht gemacht haben, zu überleben.?

?Das der Film nicht Schwarz-Weiß ist, zeigen auch die verschiedenen Schattierungen mit denen die Familien gezeichnet werden,? so Robert Joy. ?Da gibt es die Bilderbuchfamilie, die in einem kleinen Dorf in der Nähe der Atomtests wohnt. Ihre Inszenierung für die Öffentlichkeit wirkt so gekünstelt wie das Cover eines 50er Jahre Hochglanzmagazins. Dann gibt es die Carters, eine chaotische und streitlustige und gerade deswegen liebenswerte Familie. Und dann gibt es die Mutanten-Brut um Papa Jupiter, deren Lebensinhalt aus Sex und Gewalt besteht. Aus deren Reihen am Ende des Films der stärkste und heldenhafteste Charakter hervorgeht ? Ruby. Das mag für manchen Zuschauer irritierend sein, aber so ist die Realität: Böse tun Gutes, Gute tun Böses.?

Nach Jahrzehnten im Gruselkabinett war Joy gespannt auf die Zusammenarbeit mit dem französischen Nachwuchs Aja und Levasseur. ?Sie gehören zu den wichtigsten Impulsgebern einer neuen Generation, sie bringen buchstäblich frisches Blut in die Szene?, amüsiert sich Joy.

Ebenfalls angetan von den ambitionierten Jungfilmern ist Ezra Buzzington, im Film als Fleischfresser Goggle zu sehen. Zur Vorbereitung auf die Rolle hat er sich intensiv mit Fachliteratur und Dokumentationen über Kannibalismus beschäftigt. Dazu Buzzington: ?Das Drehbuch zu THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN hat tatsächlich eine ungewöhnliche Tiefe, es beschäftigt sich mit Existentiellem: Wenn wir Menschen nicht vorsichtig sind mit den Dingen, die wir erschaffen, können diese uns zerstören. So, wie die verseuchten Wüstenkreaturen alles zerstören, was lebendig und liebenswert ist.?

Der Kopf der Killermeute ist Papa Jupiter, dargestellt von Billy Drago ? einem nicht nur im Horrorfilm-Genre erfahrenen Schauspieler. So war er unter anderem in Brian De Palmas Klassiker THE UNTOUCHABLES (?The Untouchables ? Die Unbestechlichen?, 1987) an der Seite von Kevin Costner und Sir Sean Connery zu sehen. Drago ist Fan des Craven-Originals, war aber auch neugierig genug, um ein (gewichtiger) Teil der Fortsetzung zu sein. ?Mit hat es gefallen, dem Bösen ein facettenreiches Gesicht zu geben und als Familienoberhaupt darüber zu wachen, das bei aller Niederträchtigkeit und Monstrosität, Spielregeln eingehalten werden. Spielregeln der Verdammten.?

In der wohl krassesten Szene des Films ? wo Papa Jupiter ein Menschenherz verspeist ? kam bei Drago eine etwas morbide Erinnerung hoch. ?Als Jugendlicher arbeitete ich in einer Leichenhalle?, führt Drago aus, ?dort wurde mir beigebracht, das Menschenblut sehr süß schmeckt. Als ich dann das für den Film präparierte Herz aß, stellte sich ein seltsamer Realismus ein ? es schmeckte nämlich sehr süß.?

Während der Dreharbeiten fühlte sich Drago im Kreise seiner Mutanten-Familie ausgesprochen wohl. Besonders Laura Ortiz alias Ruby hatte es ihm angetan. ?Ruby ist Bindeglied zwischen den Wilden und den Zivilisierten, darin liegt die Faszination ihrer Figur?, so Drago, ?Durch ihre Sanftheit wird sie zu Papa Jupiters Liebling, den er am meisten umsorgt.?

Ruby zu besetzen war für die Filmemacher die größte Herausforderung. In ihrem Charakter müssen sich Gut und Böse spiegeln, Brutalität und Zärtlichkeit. Schließlich fanden sie mit Laura Ortiz, die in THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN ihr Kinodebüt gibt, ihre Wunschkandidatin. ?Laura setzt das Unberechenbare und Mysteriöse in Ruby perfekt in Szene?, schwärmt Alexandra Aja. ?Es ist verflixt schwierig, glaubhaft ein Unwesen zu verkörpern, das gleichzeitig auch anrührende Momente hat.?

Entstehung der Mutanten Parallel zum Casting der Mutantenfamilie recherchierten Aja und Levasseur, welche fatalen Folgen ? körperliche und geistige ? atomare Strahlung für Menschen hat. Geschockt von Unterlagen und Bildern, entwickelten sie das Schreckensszenario einer Minenarbeiterfamilie, die auf einer Atomtestanlage mitten in der Wüste lebt und arbeitet.

?Alex und Gregory hatten sehr konkrete Vorstellungen, wie Make-up, Prothesen und Computer animierte Effekte aussehen sollen?, erinnert sich Produzent Peter Locke. ?Sie schleppten Unmengen von Büchern an, die sich mit der Anatomie des Menschen auseinandersetzen. ?Ihnen war wichtig, dass die körperlichen Schäden so realistisch wie möglich aussehen. Zutiefst abschreckendes Bildmaterial von echten Reaktorunfällen gibt es ja genug, leider.?

Für Aja war Authentizität der Schlüssel, um einen Horrorfilm zu machen, der im Hier und Jetzt spielt und keine Gewaltfantasien bedient. ?Was wir zeigen, basiert auf offiziell anerkanntem Material über die Nuklearkatastrophen in Tschernobyl und Hiroshima. Die Spezialeffekte orientieren sich deshalb strikt an Fakten.?

Es ist eine Sache, genetische Mutationen zu beschreiben, eine ganz andere ist es, sie zu visualisieren. Mit der Darstellung anatomischer Veränderungen beauftragte man denn auch die Spezialeffekte Schmiede K.N.B. EFX Group Inc. Eine Firma mit exzellenten Referenzen ? das zeigt die Beteiligung an visuell und technologisch Bahn brechenden Hollywoodproduktionen wie MINORITY REPORT (?Minority Report?, 2002), LEMONY SNICKET (?Lemony Snicket ? Rätselhafte Ereignisse?, 2004), SIN CITY (?Sin City?, 2005) und THE CHRONICLES OF NARNIA (?Die Chroniken von Narnia?, 2005).

K.N.B. verbrachte allein sechs Monate damit, den Look der Mutantenfamilie realitätsnah zu entwickeln ? anhand der von Aja und Levasseur angefertigten Zeichnungen. Auf diese Weise entstanden digitale 3-D Doubles an Hochleistungsrechnern. Der perfekte Ausgangspunkt, um die Kreaturen zu formen, in jeder erdenklichen Weise und annährend ohne technisches Limit. ?Wir haben Skulpturen programmiert?, erklärt K.N.B. Mitarbeiter Scott Patton. ?Das hat den Vorteil, dass Fehler korrigiert werden können. Bei einer herkömmlich hergestellten Skulptur wäre das unmöglich.?

Digitales Horrorkabinett: Nachdem die Entwürfe gerechnet waren, konnten Make-up Team und Kostümbildner loslegen. Vor ihnen lag zeitintensive Fleißarbeit, um alles passgenau anzufertigen. ?Am Entstehungsprozess waren alle drei Abteilungen quasi zeitgleich beteiligt waren. So war es möglich, auf Änderungswünsche kurzfristig zu reagieren, ? ergänzt Patton.

Für einige der heftigsten Splatter-Sequenzen wurden Computer gesteuerte Doppelgänger benötigt. Um diese zu bauen, mußsten zuvor die Schauspieler komplett eingescannt werden. ?Für den so genannten ?Cyber Scann? steigen die Akteure auf eine Plattform und ein Laser scannt jeden Zentimeter ihres Körpers ab, ? schildert Patton den Ablauf. ?Das ist imminent wichtig, denn für ein perfektes 1-zu-1 Duplikat ist jedes Detail vonnöten. Fürs Gesicht ist die Datenerfassung via Laser leichter nicht präzise genug, das ging nur mit Handarbeit.?

Folterkammer Garderobe: Für die Darsteller war der Scann-Vorgang lediglich Einstieg in ein zeitaufwändiges Prozedere der Verwandlung. Vier quälend lange Stunden wurde jeder Einzelne bearbeitet, bevor er als Monster-tauglich galt. Und das jeden Tag. Damit nicht genug, gab es, ebenfalls täglich, einen speziellen Farbanstrich, der die Haut halbverwest erscheinen lässt.

Leicht war es nicht, die notwendigen Rituale zu überstehen. Andererseits halfen sie dabei, allmählich in dämonische Gefilde abzutauchen. Hinzu kam der hohe Respekt vor der Arbeit der Make-up-Spezialisten. Dazu Robert Joy alias Lizard: ?Diese Leute sind wahre Künstler! Jeden Tag haben sie in mühsamer Kleinstarbeit aus mir einen Alptraum auf zwei Beinen gemacht. Ihre hervorragende Arbeit hat mir geholfen, noch tiefer in die Welt der Mutanten einzudringen. Dabei habe ich herausgefunden, dass nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen deformiert sind.?

Auch Alexandre Aja ist voll des Lobes bezüglich der Künste der Make-up-Abteilung von K.N.B. ?Gred Nicotero, Kevin Wasner und Scott Patton haben einen tollen Job gemacht und alles daran gesetzt, damit unsere Vorstellungen Wirklichkeit werden?, betont Aja. ?Ich denke, mit unserem Film haben wir K.N.B. dazu angespornt, ihre Fertigkeiten auf einem noch höheren Level zu festigen. Die Atem beraubenden Resultate sprechen jedenfalls für sich selbst.?

Jamison Goei, Leiter der Abteilung Spezialeffekte, war indes nicht weniger engagiert bei der Arbeit. Er und sein Hightech-Team hatten 130 Effekte für THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN zu entwickeln. Effekte, die so real sind, dass man sie gar nicht bemerkt. Dieses hohe Niveau hat natürlich auch seine Vorgeschichte ? zu sehen in Gore-Klassikern wie HELLRAISER: HELLSEEKER (?Hellraiser 6: Hellseeker, 2002) und HALLOWEEN: RESURRECTION (?Halloween: Resurrection?, 2002).

Einer der größten Herausforderungen war der Bau des Ortes, in dessen Nähe die Atomtests stattfinden. Natürlich nicht in real, sondern am Computer. Was letztlich nicht weniger Arbeit bedeutet. ?Unsere kleine Stadt sollte so überzeugend echt aussehen, dass sich die Zuschauer fragen, wo sie wohl liegen könnte?, erzählt Goei. ?Dafür haben wir einen Straßenzug gebaut, alles andere entstand digital.?

Besonders heikel war die Bearbeitung der Mutanten-Gesichter. ?Wir wollten ja keine irrealen Fratzen, ? erklärt Goei, ? sondern entstellte Gesichter. ?Deshalb mußsten wir sehr behutsam vorgehen. Beim digitalen Double von Ruby haben wir beispielsweise lediglich leichte Veränderungen an Augen, Nase und Kinn vorgenommen. Das bedeutet, man kann den Menschen hinter den Deformationen erahnen, dass macht das Ganze noch viel gruseliger.?

Kommentar Alexandre Aja: ?Ich denke, die Zuschauer werden wirklich beeindruckt sein von unseren anatomischen Manipulationen. Aber auch die übrigen Effekte verfehlen ihre Wirkung nicht. Unser erklärtes Ziel war es, die Grenzen zu verwischen zwischen Computer-Animation und gefilmten Szenen, damit es ein unvergessliches Kinoereignis wird. Ich denke, das ist uns gelungen.?

Auf der Suche nach Geeigneten Hügeln Wenn der Ort des Horrors im Filmtitel auftaucht, dann kommt ihm natürlich eine ganz besondere Bedeutung zu. Deshalb wurde mit Akribie nach einer hügeligen Wüstenlandschaft Ausschau gehalten, die per se Gruselstimmung erzeugt. Dazu Regisseur Alexandre Aja: ?Wir betrachten die Hügel als Drohkulisse, um dem Film vom ersten Moment an, eine finstere Aura zu verleihen. Deshalb haben wir auch nach einem wahrlich Angst einflößenden Ort Ausschau gehalten.?

Gesucht wurde auf der ganzen Welt, in Namibia, Südafrika, Mexiko, Kalifornien ? bis man schließlich in Marokko landete und dort die perfekte Mischung aus zerklüfteter Landschaft und erhabener Schönheit fand. Das Wüstengebiet heißt Ouarzazate und ist das Tor zur Sahara. ?Eine tolle Location?, schwärmt Aja, ? mit einem 360 Grad Panorama, nichts weiter als Sand und monumentale Gesteinsbrocken. Bereits bei unserer Ankunft wussten wir: Das ist es!? Im Anschluss wurden noch einige Szenen im kalifornischen Victorville gedreht, jenem Schauplatz, an dem Wes Cravens Originalversion von THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) entstand.

Schauspieler und Drehteam waren begeistert, in einem exotischen Wüstengebiet in Marokko arbeiten zu können. Aber nicht lange, denn während der 45-tägigen Dreharbeiten machten ihnen extreme Hitze und heftige Sandstürme arg zu schaffen und schon bald waren alle dem Wahnsinn nahe. Wie sich herausstellen sollte, beste Voraussetzungen, um einen Horrorfilm zu drehen. Schweiß, Wut und Tränen führten nämlich dazu, dass die Darsteller den Überlebenskampf im Film hautnah spürten.

Kathleen Quinlan erinnert sich: ?Die meisten Tag war es unerträglich heiß und der Wind pfiff uns um die Ohren. In jede Ritze kroch feiner roter Wüstensand. Wir brauchten uns gar nicht mehr in unsere Filmcharaktere hineinzuversetzen, wir waren bereits in Panik.? Aaron Standford ergänzt. ?Die schwierigen Drehbedingungen in Ouarzazate halfen uns enorm, um realistisch eine Familie darstellen zu können, die im Niemandsland strandet, völlig auf sich selbst gestellt ist und dann auch noch von Mutanten attackiert wird.?

Menschen aus sechzehn verschiedenen Nationen kamen zusammen, um THE HILLS HAVE EYES ? HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN zu realisieren. Sprachbarrieren und kulturelle Differenzen gehörten da zur Tagesordnung, setzen am Ende aber erstaunliche Kreativität frei. Dazu Produzentin Marianne Maddalena: ?Trotz aller Unterschiedlichkeit hatten wir doch eines gemeinsam: Den Anspruch, einen tollen Film zu machen. Alex und Gregory ist es gelungen, jeden einzelnen zu begeistern.?

Gestaltung der Hügel Von den Hügeln geht eine enorme visuelle Energie aus ? sie sind die ideale Kulisse, um Gefühle wie Einsamkeit und Bedrohung zu erzeugen. Und sie sind der geeignete Zufluchtsort für Strahlen verseuchte Mutanten. Regisseur Alexandre Aja brauchte einen Kameramann, der diese Naturgewalten in faszinierenden und schockierenden Bildern festhält.

Deshalb entschied er sich für Maxime Alexandre, der bereits bei HAUTE TENSION (?High Tension?, 2003) vorzügliche Arbeit geleistet hatte ? und der mit Aja und Levasseur seit langem freundschaftlich verbunden ist. In enger Zusammenarbeit entwickelte das Trio den schaurig-schönen Look des Films.

?Wie ließen Maxime aber auch viel Spielraum, weil wir uns auf seine Fähigkeiten und seinen Instinkt verlassen können?, betont Aja. Und Maria Maddalena fügt hinzu: ?Maxime ist traumhaft eingespielt mit Alex und Greg, deren Vorstellung von Bildsprache setzt er perfekt und effektiv um.?

Bevor es an die Arbeit ging, studierte Maxime sehr genau den Schmuddel-Look und die Handkamera-Ästhetik des bewusst trashig inszenierten Originals. Er wusste aber auch, dass seine französischen Freunde die Leinwand am liebsten explodieren lassen würden ? mit sehr hart, sehr schnell geschnittenen Bildern. Den Sehgewohnheiten einer jungen Horror-Fangemeinde entsprechend, die auf der Überholspur lebt. ?Alex und Greg haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt und den klassischen Gruselstoff in ein super gestyltes Gewand gekleidet.?

Weil die meisten Genrewerke schwarz als Farbe der Angst einsetzen, hat Maxime den Spieß umgedreht. Mit verblüffendem Ergebnis, denn das gleißende Wüstenlicht wirkt noch bedrohlicher in seiner Intensität. ?Der größte Teil des Films spielt bei Tageslicht?, verrät Maxime, ? das macht es nicht eben einfach, eine Stimmung permanenten Schreckens heraufzubeschwören. Doch wir wollten beides, dass man alles sieht und sich trotzdem in ständiger Angst befindet, weil man nicht weiß, was sich hinter dem nächsten Felsen, dem nächsten Gebüsch verbirgt. Es hat funktioniert und es war aufregend, es herauszufinden. Nur mit Experimentierfreude bekommt man solche Ergebnisse.?

Für innovatives Denken steht auch Produktionsdesigner Joseph Nemec, in dessen Portfolio Hollywoodhits wie der Politthriller PATRIOT GAMES (?Die Stunde der Patrioten?, 1992) und der Katastrophenstreifen TWISTER (?Twister?, 1996) zu finden sind. Nun war es seine Aufgabe, die Wüste zum Leben zu bringen.

?Ich bin mit Alex und Greg jede einzelne Szene durchgegangen, um zu ergründen, welche spezifische Gefühlswelt jeweils gefragt ist: Angst, Mitgefühl, Besorgnis und so weiter, ? erläutert Nemec die Herangehensweise. ?Auf dieser Grundlage haben wir gearbeitet und waren uns vollkommen einig darüber, dass das Geheimnis des Erfolgs im Detail liegt. Ganz egal, ob Kulisse, Garderobe, Naturhintergrund oder sonst irgendetwas ? jedes noch so kleine Detail mußs stimmen, um einen glaubwürdigen Film zu machen.?

Beim Design des Wohnmobils der Familie Carter arbeiteten Nemec und die Filmemacher besonders eng zusammen. Das Gefährt wird zum Refugium der Carters, es bietet zunächst Unterkunft und später Schutz vor den massiven Attacken der Mutanten. Für die Außenaufnahmen benötigte man drei verschiedene Versionen des US-Kult-Oldtimers Airstream. Für die Innenaufnahmen wurde eine fast doppelt so große Sonderanfertigung gebaut, um ausreichend Platz für Kamerafahrten zu haben.

Die drei Fahrzeuge haben eine edle Herkunft: Die drei Airstreams stellte der König von Marokko zur Verfügung. Der Adelsmann setzt die Luxusfahrzeuge ansonsten bei Jagdausflügen ein. Da die Innenausstattung viel zu teuer und chic war für eine Mittelklassefamilie wie die Carters, wurde alles komplett entfernt und angemessen umdekoriert.

?Das Wohnmobil verkörpert dennoch den einziges Lichtblick in einer ansonsten düsteren, verseuchten und verlassenen Umgebung?, verrät Nemec, ?Zudem ist es der einzige Ort, an dem ich moderne Produkte und Farben einsetzen konnte. Darin spiegelt sich das Leben der Carters wider und bildet einen Kontrast zur Lebenssituation in den Hügeln.?

Dort, wo die Menschen fressenden Mutanten hausen, ist es nämlich alles andere als behaglich. Für einen Platz der Verdammnis war folglich ein zutiefst abstoßendes Set-Design gefragt, das auch sämtliche Ausmaße der Atomtest illustriert. ?Die Verstoßenen flüchten sich in Hochmut, um ihr Leben zu ertragen. Zugleich betrachten sie sich als Auserwählte in einer finsteren, lebensunwürdigen Welt,? verdeutlichtet Nemec die Gründe für ein grausiges Umfeld der Mutanten.

?Sämtliche Gegenstände symbolisieren Verrohung, alles ist modrigbraun oder todschwarz. Genauigkeit und die Details am Set hatten für mich höchste Priorität, um zu zeigen, was eine Atomexplosion anrichten kann,? so Nemec, ?und was die Mutanten unternehmen, um diesen grausigen Lebensbedingungen zu entkommen.?

Verfall, Todessehnsucht und nackte Angst gehen vom Dorf der Mutanten aus ? exakt jene Aura, die sich Alexandre Aja und Gregory Levasseur vorgestellt haben. ?Joseph hat dem Look des Films den letzten Schliff gegeben, alle passt wunderbar zueinander?, lobt Aja. ?Selbstverständlich war das keineswegs, denn wir standen alle unter ungeheurem Zeitdruck, hatten eine Menge schwieriger Szenen zu bewältigen, inklusive aufwändiger CGI Spezialeffekte. Von der Herstellung der Kostüme, Prothesen und Make-up-Masken ganz schweigen. Aber wir wussten, dass jeder einzelne Baustein für die Tragfähigkeit des Films unverzichtbar ist.?

Alexandres Aja fasst noch einmal zusammen: ?Wes Cravens Originalversion von THE HILLS HAVE EYES (?Hügel der blutigen Augen?, 1977) wird mich stets begleiten und auch zukünftig einen großen Einfluss auf weitere Projekte haben. Ich werde mir den Film sicher noch x-mal ansehen. Unser Film ist weniger ein Remake, als der Versuch, mit einem neuen Ansatz ein ganz eigenes Spannungsfeld aufzubauen, das dem Zuschauer aufregende Unterhaltung garantiert.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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