Das Leben der Anderen

Ausführlicher Inhalt

November 1984. Justizvollzugsanstalt Hohenschönhausen. Ein Häftling wird der Beihilfe zur Republikflucht verdächtigt. Effizient und ohne Gnade setzt Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (ULRICH MÜHE) bei seinem Verhör alle möglichen Druckmittel ein, auch Schlafentzug. Er dokumentiert sein Vorgehen auf Tonband, um es im Unterricht an der Stasi-Hochschule als Beispiel einzusetzen.

Oberstleutnant Anton Grubitz (ULRICH TUKUR), ein früherer Studienfreund, ist inzwischen bei der Staatssicherheit Leiter der Abteilung Kultur und nimmt ihn abends mit zur Premiere des neuen Theaterstücks von Georg Dreyman (SEBASTIAN KOCH). Minister Bruno Hempf (THOMAS THIEME) wohnt ebenfalls der Aufführung bei. Er hat bei der anschließenden Premierenfeier nur Augen für die attraktive Hauptdarstellerin Christa-Maria Sieland (MARTINA GEDECK), Dreymans Lebensgefährtin.

Minister Hempf äußert Grubitz gegenüber Zweifel an der Linientreue des erfolgreichen Dramatikers und lässt durchblicken, dass er eine Überwachung für angemessen hält. Grubitz beauftragt seinen Freund Wiesler mit dem ?operativen Vorgang?. Der verspricht, sich persönlich um die Angelegenheit zu kümmern, weil er selbst überzeugt ist, dass Dreyman so linientreu nicht sein kann, wie es bisher den Anschein hatte. Oberstleutnant Grubitz ist in erster Linie an seiner Karriere interessiert und will dem Minister zu Diensten sein.

Dreyman bittet Hempf bei der Feier, das Berufsverbot für seinen Freund, den Theaterregisseur Albert Jerska (VOLKMAR KLEINERT), aufzuheben, der seine Stücke früher so hervorragend inszeniert hat. Hempf bestreitet, dass es so etwas wie Berufsverbot überhaupt gibt.

In Dreymans Abwesenheit wird seine Wohnung systematisch verwanzt. Eine Nachbarin, die den Vorgang beobachtet, wird mit einer massiven Drohung eingeschüchtert und zum Schweigen gebracht. Auf dem Dachboden des Mietshauses richtet Wiesler sich seine Überwachungszentrale ein.

Er kommt gerade recht, um den 40. Geburtstag des Dramatikers akustisch mitzuerleben und zu Protokoll zu geben. Viele Freunde aus Künstlerkreisen sind anwesend, darunter auch der Regisseur von Dreymans neuestem Stück. Paul Hauser (HANS-UWE BAUER), ein bekannter Autor und Dissident, beschimpft diesen als Nichtskönner und Stasi-Funktionär. Als Dreyman dazwischengeht, wird er von Hauser als ?jämmerlicher Idealist? bezeichnet. Wütend platzt es aus Hauser heraus: Er wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben, solange er sich nicht entscheide, auf welcher Seite er stehe.

Auch Albert Jerska ist gekommen und hat seinem Freund eine Partitur als Geschenk mitgebracht: Die ?Sonate vom guten Menschen?. Die Party endet in den frühen Morgenstunden. Dreyman und Christa-Maria packen Geschenke aus. ?Danach vermutlich Geschlechtsverkehr?, notiert Wiesler auf dem Dachboden und fügt die entsprechende Uhrzeit hinzu.

Grubitz lässt sich von Wiesler über erste Erkenntnisse informieren. Sie seien angetreten, um einem ZK-Mitglied einen unliebsamen Rivalen vom Hals zu schaffen, erläutert er und kann seine Begeisterung nur mit Mühe verbergen. Minister Hempf, der schon eine Zeit lang eine Affäre mit Christa-Maria hat, zögert nicht: Er passt sie mit dem Dienstwagen ab und fragt sie, warum sie zu ihrer letzten Verabredung nicht erschienen sei. Im Auto wird er zudringlich.

Sein ?Ich pass auf dich auf? wirkt wie eine Drohung. Vom Dachboden aus beobachtet Wiesler Christa-Marias Heimkehr. Durch Klingeln an Dreymans Haustür weckt er dessen Aufmerksamkeit: Dreyman sieht seine Freundin aus dem Wagen des Ministers aussteigen. Er ist verzweifelt, konfrontiert sie aber nicht mit seinem Wissen.

Von seinem Beobachtungsposten kehrt Wiesler zunehmend entfremdet in sein eigenes Leben zurück. Er ist einsam und lässt sich eine Prostituierte in seine anonyme Plattenbauwohnung kommen. Einige Tage später entwendet er ein Buch aus Dreymans Wohnung und liest ? wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben ? Brecht.

Eine weitere Nachricht erschüttert und verändert Dreymans Leben: Albert Jerska hat Selbstmord begangen. Von nun an sieht er vieles in einem anderen Licht. Bei einem konspirativen Treffen mit Hauser äußert er den Wunsch, einen Artikel über die erschreckend hohe Selbstmordrate in der DDR ? die vom Regime totgeschwiegen wird ? für eine Westzeitung zu schreiben. Hauser stellt den Kontakt her zu Spiegel-Korrespondent Gregor Hessenstein (HERBERT KNAUP). Alles unterliegt strengster Geheimhaltung, auch Christa-Maria wird nicht einbezogen.

Als seine Freundin das nächste Mal ausgehen will, um angeblich eine alte Klassenkameradin zu treffen, bittet Dreyman sie inständig, zu bleiben. Er offenbart, dass er von der Affäre mit dem Minister und auch von ihrer geheim gehaltenen Tablettensucht weiß.

Mit den Worten ?Du legst dich doch genauso mit denen ins Bett, um arbeiten zu können?, verlässt die von Selbstzweifeln geplagte Künstlerin die Wohnung, noch unschlüssig, ob sie ihre Verabredung mit Hempf halten soll oder nicht. In einer Kneipe in der Nähe der Wohnung trifft sie zufällig auf Wiesler, den sie nicht kennt. Schüchtern gesteht er ihr seine Verehrung und bittet sie, die große Künstlerin, an sich zu glauben und sich selbst treu zu bleiben. Christa-Maria wundert sich über diesen Fremden, aber sie geht nicht zum Rendezvous mit dem Minister.

Um zu testen, ob Dreymans Wohnung abhörsicher ist, täuschen die Freunde per Telefon vor, dass Hauser, unter der Rückbank eines Westautos versteckt, Republikflucht begehen will. Wiesler hört mit, glaubt, was er hört, und greift zum Funk, um es gleich der Grenze zu melden. Aber dann zögert er im letzten Moment. Das Auto passiert unbehelligt.

Nachdem man sich nach diesem so offensichtlichen Beweis in Sicherheit wiegt, kommt ein Treffen mit Spiegel-Redakteur Gregor Hessenstein in Dreymans Wohnung zustande. Unter einer Torte hat er eine kleine, ganz neue Schreibmaschine für seinen Autor mitgebracht, deren Schriftbild die Stasi nicht mit Dreyman in Zusammenhang bringen kann. Dreyman versteckt die Schreibmaschine in einem Hohlraum unter einer Fußbodendiele. Christa-Maria beobachtet ihn dabei, will aber nichts über die Hintergründe wissen.

Der Spiegel-Artikel erscheint und ruft große Unruhe hervor. Grubitz ist in einer schwierigen Lage, offenbar hat er die Kulturschaffenden nicht im Griff. Der Verdacht fällt auf Dreyman. Wiesler, der alles beobachtet hat und inzwischen sogar Protokolle fälscht, behauptet, von nichts zu wissen ? bei den Dichtertreffen in Dreymans Wohnung sei es um ein neues Theaterstück gegangen. Grubitz ordnet eine Hausdurchsuchung bei Dreyman an, ein rabiater Stasi-Trupp stellt alles auf den Kopf, aber die Suche nach Beweisen bleibt erfolglos.

Nachdem Christa-Maria Minister Hempf versetzt hat, ordnet er eine Dauerüberwachung der Schauspielerin an und kommt dabei ihrem illegalen Drogenerwerb auf die Schliche. Ein gutes Druckmittel, das er nicht zögert, einzusetzen: Er lässt Christa-Maria auf frischer Tat in einer Zahnarztpraxis verhaften und zum Verhör nach Hohenschönhausen bringen. Jetzt soll sie Dreyman als Autor des Spiegel-Artikels verraten, andernfalls wird sie nie wieder auf der Bühne stehen.

Das Verhör mußs Wiesler führen ? und darf sich nichts anmerken lassen. Er ist erfolgreich. Als sie am nächsten Morgen endlich nach Hause entlassen wird, verlässt auch Wiesler sofort die Stasi-Zentrale. Grubitz, nun siegesgewiss, schickt seine Männer erneut in Dreymans Wohnung. Er bricht selbst den Fußboden auf ? und findet darunter nur einen leeren Hohlraum.

Jemand war schneller und hat das Beweisstück beseitigt. Doch niemand kann verhindern, dass Christa-Maria, völlig aufgelöst und von Schuldgefühlen gequält, auf die Straße läuft und von einem Lastwagen erfasst wird. Sie stirbt in Dreymans Armen.

Grubitz bricht daraufhin den ?OV? ab. Wiesler wird in die Poststelle der Stasi strafversetzt, wo er für den Rest seines Berufslebens Briefe aufdampfen soll. Dort erfährt er viereinhalb Jahre später vom Fall der Mauer. 1991 erfährt Dreymann durch eine zufällige Begegnung mit Ex-Minister Hempf von dem damaligen ?OV? gegen seine Person, doch er versteht es, seinen Schock vor dem Widersacher zu verbergen.

Zu Hause findet er die Kabel und Mikrofone hinter der Tapete und macht sich auf, sein Leben neu zu recherchieren. In den inzwischen zugänglichen Stasi-Akten liest er sich durch Aktenberge. Auf dem letzten der Protokolle, die alle mit HGW XX/7 unterzeichnet sind, prangt ein roter Fingerabdruck. Rot wie das Farbband seiner Schreibmaschine, mit der er seinerzeit den Spiegel-Artikel schrieb.

Dem Schriftsteller gelingt es, die Identität des Mannes zu erfahren, der ihn damals überwachte und offenbar beschützte. Er macht Wiesler ausfindig, sieht ihn auf der Straße, will ihn ansprechen. Doch dann hat er eine andere Idee, wie er dem Menschen danken kann, der vom Spitzel zum Rebellen wurde ...

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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