Der Räuber Hotzenplotz

Produktionsnotizen

"Als Vater eines mittlerweile Vierzehnjährigen ist doch vieles beim Vorlesen von Kinderbüchern bei mir hängen geblieben", erläutert Produzent Ulrich Limmer den wesentlichen Grund für die Verfilmung der kultigen Kinderbücher über den "Räuber Hotzenplotz" von Otfried Preußler. "Nach den beiden ?Sams?-Filmen hatte ich große Lust auf die Verfilmung von ?Der Räuber Hotzenplotz?, da sie in einer völlig anderen Welt, in einer reinen Fantasiewelt spielt."

Zunächst einmal mußste Limmer den Rechteinhaber überzeugen, Otfried Preußler persönlich. Preußler war dabei wichtig, dass auf der Leinwand auf keinen Fall die Poesie seiner Geschichten verloren geht. Limmer legte Preußler und dessen Tochter, die die Vertragsverhandlungen leitete, daher ein ausgereiftes Konzept über sein künftiges Filmprojekt vor. Ungefähr ein Jahr lang dauerten die Verhandlungen, bis man sich 2004 endlich einig wurde und Limmer gemeinsam mit Claus P. Hant mit der Fassung des Drehbuchs loslegen konnte.

Das ging dann auch sehr zügig voran, da nach Auskunft Limmers der versierte Theaterregisseur Otfried Preußler zum einen eine "sehr gute Buchvorlage" geschaffen hatte und zum anderen rasch einverstanden war mit den notwendigen Figurveränderungen im Filmscript: "Das Kinderbuch ist eine Sache, der Film ist eine andere", sagt Limmer. Dem Drehbuch hat der im oberbayerischen Rosenheim beheimatete Preußler dann auch schnell zugestimmt.

Dabei war es dem Drehbuchautor Limmer wichtig, mit seinem Script für einen Family-Entertainment-Film so nah wie möglich an die Buchvorlagen heranzukommen, da gerade die kleinen Leser ihre Lieblingsbücher oft auswendig kennen. Andererseits mußs ein Stoff, hier die Bücher "Der Räuber Hotzenplotz" und "Neues vom Räuber Hotzenplotz" von 1962 bzw. 1972, aus dramaturgischen Gründen leinwandgerecht umgearbeitet werden.

"Im Film werden beide Bücher zusammengefasst, und zwar so, dass das letzte Drittel des Drehbuchs aus der zweiten Hälfte des zweiten Buches entstanden ist. Drei Figuren, der Zauberer Zwackelmann, die Fee Amaryllis und die Hellseherin Frau Schlotterbeck, die nur im ersten bzw. nur im zweiten Band der Vorlage vorkommen, wurden nach vorne oder nach hinten verlängert, um ein kontinuierliches Auftreten zu gewährleisten", erklärt Limmer. Zudem mußsten für die Verfilmung ein paar dramaturgische Kniffe angewandt werden, etwa die für die Fee Amaryllis durchaus problematische Tatsache, dass sie in Küchenräumen nun einmal all ihrer Zauberkraft entledigt ist.

Ansonsten sind alle im Film auftretenden Figuren aus den Büchern bekannt, neben dem Räuber auch der Wachtmeister Dimpfelmoser, die Großmutter, das Krokodil Wasti und ? natürlich die wahren Helden Kasperl und Seppel. Dabei ist der Look des Films zeitlos anlegt. Limmer: "Wir wollten uns hier nicht durch bestimmte Kostüme oder Accessoires festlegen. So fährt denn auch mal ein Traktor aus den Zwanziger Jahren durchs Bild, oder es ist ein Stromkabel zu sehen. Aber eines ist immer klar: Der Film spielt nicht heute."

Für Drehbuchautor Limmer stammt die im besten Sinne naiv angelegte Erzähltradition des "Räuber Hotzenplotz" aus dem klassischen Kasperltheater, wo jene Mär von Gut und Böse, vom Zustand braver Einfalt erzählt wird, in der letztlich das Gute immer siegt.

dass trotz ?Star Wars? und diverser Computer-Games, die eine rasante Erzählhaltung und Bildsprache an den Tag legen, es für die eher bedächtige Hotzenplotz-Art weiterhin ein großes Publikum gibt, steht für Limmer unumstößlich fest: "Das Publikum verlangt Vielfalt, und die Kinder lesen ja auch weiterhin diese Art der Bücher. Weil es McDonald?s gibt, ist die Haute Cuisine ja auch nicht zum Sterben verurteilt. Geschichten zu erzählen ist eine Tausende Jahre alte Tradition, die nicht von George Lucas neu erfunden wurde."

In diese "heile Welt" einer "Guckkastenbühne" bricht nun der Räuber Hotzenplotz ein, der sich selbst zwar als weltbekannter Räuber ausweist, "in Wahrheit jedoch nur ein Aufschneider ist, der der Großmutter erst ihre Kaffeemühle klaut und dann die alte Dame auch noch entführt", fügt Limmer hinzu. "Hotzenplotz ist aber kein wirklich Böser, da er sogar in Gegenwart der Großmutter ein paar Tränen verliert. Wie bei so vielen Menschen, die ständig ihre Größe betonen müssen, hat er in Wahrheit einen weichen Kern."

Bei der Besetzung mit Armin Rohde als Räuber Hotzenplotz wurden sich Produzent Ulrich Limmer und Regisseur Gernot Roll schnell einig. "Da ich Armin gut kenne und bereits bei ?Das Sams? und ?Sams in Gefahr? mit ihm zusammengearbeitet habe, erzählte ich ihm bereits bei der Fertigstellung von ?Sams in Gefahr?, dass ich ein neues Projekt mit ihm als Darsteller plane. Mehr konnte ich ihm zum damaligen Zeitpunkt allerdings nicht sagen. Er hatte nur geantwortet: ?Du wirst schon wissen, was du machst. Ich bin dabei.? Und 2004 konnte ich ihm endlich sagen: ?Es ist DER RÄUBER HOTZENPLOTZ mit dir in der Hauptrolle.? Armin Rohde war freudig überrascht und hat gleich zugesagt."

Auch bei der Besetzung der anderen Erwachsenen-Rollen wurde alles sehr schnell entschieden. Selbst TV-Tausendsassa Barbara Schöneberger hatte gleich zugesagt ? hier war es lediglich eine Terminfrage, wann sie definitiv Zeit für die Dreharbeiten haben würde. "Nur beim Kasperl und beim Seppel war ein intensives Casting notwendig", ergänzt Limmer, "denn wir brauchten zwei Jungen, die Gewitztheit transportieren und zugleich wie richtige Lausbuben ausschauen." dass man mit Martin Stührk und Manuel Steitz ausgerechnet zwei Münchner gefunden hat, ist für den Münchner Produzenten Ulrich Limmer indes purer Zufall!

Um diese gut und gern bayerisch geprägte Märchenwelt, die für Limmer "noch extremer als die ?Sams?-Welt ist", harmonisch in bewegte Bilder zu verwandeln, bedurfte es eines versierten Regisseurs wie auch eines begnadeten Kameramanns. In dem mit einer über 50-jährigen Berufserfahrung gesegneten Filmemacher Gernot Roll (Kamera u.a. bei "Speer und Er" und dem Oscar-Gewinner ?Nirgendwo in Afrika?) hatte Limmer bald den idealen Partner gefunden, mit dem er von Ende Mai bis Ende Juli 2005 in Prag und Umgebung sowie im fränkischen Seßlach (zwischen Bamberg und Coburg gelegen), den Film DER RÄUBER HOTZENPLOTZ drehte.

dass er statt Hitlers "Drittem Reich" nun eine bajuwarische Märchenwelt inszeniert, ist für Altmeister Roll kein Problem: "Für beide Milieus zählt vor allem das handwerkliche Können. Um aber eine Phantasiewelt wie den ?Räuber Hotzenplotz? zu bebildern, helfen oft nur Tricks, die trotz aller Neuerungen wie vor 50 Jahren ablaufen. Damals drehte man diese halt noch direkt in die Kamera, heute geht das digital am Computer."

Auch Produzent Limmer lobt diese "gute Kombination der kurzen Wege", da nun Regie und Kamera sowie Produktion und Drehbuch in jeweils einer Hand sind, was die Kommunikation sehr vereinfacht. "Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist unser Film technisch unheimlich aufwendig, viel mehr noch als die ?Sams?-Filme. Und für Gernot Roll gibt es kein technisches Problem, das er nicht lösen kann."

Das Krokodil Wasti, das ? für einen deutschen Film eher ungewöhnlich ? komplett digital eingefügt wurde, war da noch das geringste Problem. Viel kniffliger war der Trick mit dem leuchtenden Feenkraut, das der Kasperl benötigt, um die Fee Amaryllis aus ihrem Unken-Zustand zu erlösen. Da Regisseur und Kameramann Gernot Roll diese Naturszene, die eigentlich in der Nacht stattfindet, am Tage drehen wollte ("Day-for-night-Dreh"), brauchte man dafür ein Utensil, das sich gegenüber dem Sonnenlicht immer noch heller abzeichnet.

"Ich kam auf fluoreszierende 3M-Folie, mit der auch Autokennzeichen abgedeckt werden. Die haben wir klein geschnitten, und bei einem bestimmten Kamerawinkel leuchtet dieses ?Kraut? nun heller als seine Umgebung. In der Postproduktion wird dann aus dem Tag die Nacht gemacht." In puncto digitales Krokodil amüsiert sich Roll. "Hier mußsten die Schauspieler quasi mit nichts spielen. Ein Roboter kam zu teuer, und als Vorgabe mußste das Storyboard reichen."

Mit Constantin Film als Co-Produzent und Verleiher hat Limmer bereits den 2004 ins Kino gebrachten Vorgängerfilm ?Sams in Gefahr? realisiert. "Auch für den Bereich des Family Entertainments ist Constantin Film ein extrem guter Verleiher", fasst Limmer die Partnerschaft zusammen, wobei seine Firma Collina komplett für die inhaltliche Konzeption des Films DER RÄUBER HOTZENPLOTZ verantwortlich zeichnet.

Gefördert wurde der Film vom FilmFernsehFonds (FFF) Bayern, dem Bayerischen Bankenfonds sowie von der Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Kulturstaatsministerium (BKM ? Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien). Zudem ist ins Budget auch ein FFF-Erfolgsdarlehen für Limmers ?Sams in Gefahr? eingeflossen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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