Im Schwitzkasten

Ausführlicher Inhalt

Deutschland schwitzt. Unter der Last der Verantwortung. Unter kaum erfüllbaren Erwartungen. Unter den unbezahlbaren Bergen von Mahnbescheiden. Aber auch, weil Jost Molinski (CHARLY HÜBNER) immer donnerstags die Stammgäste seines Berliner Saunaparadieses ?Schwitzkasten? mit seinem vorzüglichen Gebirgslatschenkiefernaufguss verwöhnt.

Die ?Donnerstagsgruppe? ist über die Jahre zu einer Gemeinschaft herangewachsen, vereint in der Hoffnung, durch Transpiration Inspiration zu erlangen. Auch wenn auf den ersten Blick nur wenig Gemeinsames ins Auge sticht. Schließlich schreibt der zu Höherem berufene Goethe-Professor Norbert Reich (EDGAR SELGE) ? von neoliberalem Aufbruchsgeist getrieben ? die Parlamentsreden seiner davon allerdings wenig ergriffenen Politikergattin Anja (FRANZISKA WALSER).

Und während Ich-AG-Energiebündel Karin Lose (STEFFI KÜHNERT) die Umwelt mit ihren zahlreichen Businessplänen und Versicherungs-Geschäftemachereien nervt, hat ihr Exmann Toni (ANDREAS SCHMIDT) seit Jahren jobmäßig keinen Fuß mehr auf den Boden gebracht. Ganz anders dagegen Dani Möller (ESTHER ZIMMERING). Die adrette Blonde schwimmt als gutbezahlte, Mini-fahrende Stewardess ganz oben auf der Erfolgswelle mit ? bis man sie aus betrieblichen Gründen von einem Tag auf den anderen ?freistellt?.

Danis beste Freundin Monika Stauffenberg (LAURA TONKE) dagegen hat trotz anhaltender Arbeitslosigkeit gleich zwei Zukunftsoptionen zu jonglieren: Soll sie nun ihren von zahlreichen Phobien getriebenen Freund ehelichen und eine Familie gründen oder doch lieber dem Ruf von Freiheit und Abenteuer folgen und als Entwicklungshelferin für eineinhalb Jahre nach Ruanda gehen?

Als gute Fee des Hauses kümmert sich schließlich Nadinchen Molinski (CHRISTIANE PAUL) ? nicht nur Masseurin, sondern auch Besitzerin des Schwitzkastens - fürsorglich um die körperlichen und seelischen Wehwehchen ihrer Kunden ? nicht ahnend, dass die Buchhaltung ihres Bruders mit der mehr als ?dünnen Kapitaldecke? einfach nicht mehr fertig wird. Der hingegen träumt den feuchten Traum vom riesigen Wellness-Paradies vor den Toren der Großstadt und schafft es sogar, den nach etwas Selbstständigkeit strebenden Pantoffelhelden Norbert Reich als Investor zu gewinnen.

Überhaupt legt Jost bei seinen geschäftlichen Aktivitäten einen erstaunlichen Einfallsreichtum an den Tag. So wird beispielsweise der überteuerte Bio-Saft aus dem Reformhaus kurzerhand durch die kostengünstige ALDI-Variante ausgetauscht ? nur der Inhalt, nicht die Verpackung natürlich. Und außerdem beweist Jost Mut zum Experiment, kann man doch den ?echten? Bio-Fango aus exotischen Gefilden problemlos durch selbstmit Eiern von freilaufenden Hühnern und linksdrehendem Joghurt aufgepeppten Havel-Schlamm ersetzen.

Das sorgt endlich mal für eine gesunde Gesichtsfarbe bei den Kunden. So weit, so gut! Doch weder ein Sonnenschein wie Nadinchen noch gewagte Do-It-Yourself-Aktionen können auf Dauer über den desolaten Zustand des Etablissements weiter hinwegtäuschen. Denn mittlerweile zählen im Schwitzkasten streikende Rohrleitungen, berstende Ventile und langsam vor sich hinkokelnde Saunaheizungen längst zur Tagesordnung.

Als eines Morgens dann der Gerichtsvollzieher aufkreuzt, die neue Stereoanlage pfändet und plötzlich auch das Telefon keinen Mucks mehr macht, schöpft selbst das sonst so gutgläubige Nadinchen Verdacht. Und der wird leider nur allzu schnell bestätigt. Denn als sie zufällig ins Büro ? eigentlich das Reich ihres Bruders ? stolpert, fällt sie förmlich über einen Stapel ungeöffneter Mahnbriefe ...

Toni dagegen zeigt inzwischen Eigeninitiative der kriminellen Art, versucht, für seinen Sohn ein Fahrrad zu klauen ? und wird prompt erwischt. Damit sinkt er noch tiefer in Karins Achtung, die wiederum selbst ob ihres menschenentwürdigenden Jobs und des übermäßigen Alkoholkonsums mit den Vorwürfen ihrer großen Tochter konfrontiert wird.

Auch Dani erlebt einen der schwärzesten Tage ihres Lebens, als man sie im Vorstellungsgespräch bei einer Billigfluglinie behandelt wie Schlachtvieh und ihr binnen weniger Minuten jegliche Kompetenz und Erfahrung abspricht. Und Monikas Zukunftsentscheidung wird ihr quasi aus der Hand genommen, als sie ihren Freund Markus händchenhaltend mit einer anderen erwischt.

Kein Wunder, dass die Emotionen bei einem von Norberts schlauen Vorträgen in Sachen ?Eigeninitiative? und ?Aufschwung? nicht nur wegen der Temperaturen in der Sauna hoch kochen. Doch welches Mitglied der Donnerstags-Gruppe aus dem Schwitzkasten ist wirklich in der Lage, das Ruder noch herumzureißen?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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