Mord im Pfarrhaus

Produktionsnotizen

Im Oktober 2000 erwies sich eine zufällige Party-Begegnung mit dem Literaturagenten Joel Gotler als glücklicher Umstand. Produzentin Julia Palau erwähnte im Gespräch, dass sie nach einer ganz besonderen Komödie mit Schauplatz Großbritannien Ausschau hielt. ?Joel erzählte mir von diesem wunderbaren Originaldrehbuch von Richard Russo?, erinnert sich Palau. ?Ich kannte Russos Arbeit, da wir bereits bei einem anderen Projekt miteinander zu tun hatten, und deshalb wollte ich das Skript unbedingt haben.?

?Obwohl die Geschichte ursprünglich in den USA spielten sollte?, fährt die Produzentin fort, ?erkannten wir, dass man sie problemlos nach Großbritannien verlegen konnte. Sobald wir uns eine Option darauf gesichert hatten, mußsten wir für die Adaption einen geeigneten Autor finden. Damals arbeiteten Matthew Payne, Niall Johnson und ich an einem anderen Drehbuch. Als wir Niall darauf ansprachen, wollte er einen Versuch wagen, da er ein großer Fan von Pulitzerpreisträger Richard Russo ist. So begann unsere Zusammenarbeit.?

Ursprünglich sollte ich nur das Drehbuch überarbeiten?, erinnert sich Johnson. ?Beim Durchlesen entdeckte ich alles, was ich an Russo so liebe - und vieles mehr. Ich mag es sehr, wie er sich auf die Figurenzeichnung konzentriert. Er erfüllt die Charaktere mit Wärme, setzt sie wirklich albernen Situationen aus und bringt uns dennoch dazu, mit ihnen mitzufiebern, weil man längst begonnen hat sie zu mögen. Es war also eine große Freude für mich, in MORD IM PFARRHAUS diese typischen Russo-Elemente zu erkennen, zu denen dann auch noch schwarzer Humor dazukam. Ich mußs zugeben, dass ich gleich zu Beginn meiner Arbeit dachte, dass dies ein Stoff wäre, an dem ich mich gerne als Regisseur versuchen würde. Ich war wirklich begeistert, als Julia und Matthew mir die Regie anboten.?

?Als ich das Drehbuch las?, führt Johnson weiter aus, ?unterschied es sich durch den schwarzen Humor doch leicht von üblichen amerikanischen Komödien. Unsere Komödie kann durchaus albern sein, vor allem aber ist sie sehr smart. Deshalb glaubten wir auch, dass sie in einem britischen Umfeld funktionieren könnte. Was eine mögliche Tonverlagerung anbetrifft, glaube ich, dass unsere Version ziemlich auf gleicher Stufe mit dem Original steht. Meiner Ansicht nach würdigt die britische Version die amerikanische, geht aber manchmal in eine andere Richtung. Es ist unvermeidbar, dass man die Figuren und den Stoff während des Schreibens verändert, ob man das nun ursprünglich wollte oder nicht. Denn die Charaktere sprechen mit mir und fordern von mir gewisse Dinge.?

MORD IM PFARRHAUS ist zwar Niall Johnsons dritter Film, aber der erste mit einem großen Budget. ?Ich bezweifle, dass man mit dem Gesamtbudget meiner ersten Filme Patricks Golfballsammlung hätte bezahlen können?, erzählt Johnson lachend. Er gibt bereitwillig zu, wie privilegiert er sich fühlte, als ihm dieses Projekt angeboten wurde. ?Für jeden Regisseur wären diese Namen eine Traumbesetzung. Ich fühlte mich absolut privilegiert und empfand es als großes Glück, diese Chance zu bekommen.?

Zwei Jahre lang wurde an dem Drehbuch zum Film gearbeitet ? eine Erfahrung, die Niall Johnson sehr positiv bewertet. ?Ich bewundere Julia Palau und Matthew Payne. Sie haben unermüdlich versucht, den Leuten zu vermitteln, dass dieser Film etwas ganz Besonderes ist. Das Drehbuch überzeugte schon, als Richard Russo es zu Papier brachte, aber wir haben es noch verbessert. Ich hoffe auch, dass dieser Film ein großartiges Beispiel dafür ist, was britisches Kino sein kann. Natürlich ist eine wunderbare Besetzung wie unsere sehr hilfreich, aber die Story wäre auch sonst stark genug. Die Geschichte mußs am Ende überzeugen und funktionieren, unabhängig davon, wie einem die Schauspieler gefallen. Es wäre sehr schön, wenn unser Film ein Beispiel für einen guten modernen britischen Film wird. Ich hoffe, dass er seinen Platz findet.?

Die Vorbereitung des Projekts wurde anfangs durch Finanzierungsprobleme behindert. Julia Palau und Matthew Payne kennen die mit dem Filmemachen verbundenen Herausforderungen und geben offen zu, wie schwierig es in England ist, Filme auf die Beine zu stellen. ?Ich halte jeden Produzenten, dem dies in England gelingt, für einen Helden?, sagt Palau. ?Die Situation an sich war schwierig für uns, und dass sich die bisherigen Regeln während der Finanzierung änderten, half uns nicht gerade. Tatsächlich mußsten wir die Produktion von MORD IM PFARRHAUS verschieben, weil die Regierung das Regelwerk änderte und wir einen neuen Finanzierungsplan aufstellen mußsten. Glücklicherweise unterstützten uns unsere Investoren und blieben dem Projekt treu.?

?In England spielen Steueranreize eine große Rolle in der Filmfinanzierung?, ergänzt Matthew Payne. ?Verträge, die auf solchen Anreizen basieren, sind problematisch, weil sie zum Beispiel mit irgendwie künstlich aufgesetzten Terminen verbunden sind, an denen der Film fertig gestellt sein mußs. Zum Glück hatten wir eine tolle Besetzung und künstlerisch ein sehr starkes Paket geschnürt. Deshalb konnten wir unsere Investoren überzeugen, ihr Geld als reines Eigenkapital einzubringen. So spielten steuerliche Auflagen keine Rolle mehr. Außerdem gewannen wir Isle of Man Films als Finanzierungsverbündeten hinzu.?

?Die Isle of Man ist eine wunderschöne Insel?, erzählt Palau. ?Die Bewohner stehen Filmemachern sehr freundlich gegenüber. Sie waren die Rettung für englische Produzenten. Ohne ihre Unterstützung hätten wir diesen Film nicht machen können.?

Die Suche nach der richtigen Familie Rowan Atkinson als Dad ?Rowan Atkinson als Walter zu besetzen lag nicht unbedingt nahe?, gibt Payne zu. ?Aber je mehr wir über ihn nachdachten, desto besser schien die Rolle zu ihm zu passen. Meiner Ansicht nach suchte er nach BEAN ? DER ULTIMATIVE KATASTROPHENFILM (?Bean?, 1997) einen Stoff, der ihn etwas von diesem Rollentyp wegführte, ohne die zahllosen Fans von Mr. Bean vor den Kopf zu stoßen. So schloss er sich uns an und arbeitete eng mit uns am Drehbuch. Das war sehr hilfreich und machte außerdem großen Spaß. Natürlich hat er schon vor diesem Film einen Pfarrer gespielt. Sein Sohn soll gesagt haben, als er von der Rolle erfuhr: ?Guter Gott, Dad, nicht schon wieder?.?

?Im Laufe der Dreharbeiten fiel mir auf, dass die Leute Rowan nur ansehen müssen, um zu lachen?, fügt Regisseur Johnson hinzu. ?Der Grund dafür ist, dass sie etwas Komisches erwarten. In der Fußballsequenz haben wir uns das ein bisschen zunutze gemacht, denn Walter, der arme Kerl, ist Torhüter. Wir können Walter komischen Situationen aussetzen und deshalb kann er auch komisch wirken, aber Walter selbst ist keine Comedy-Figur.? Und Matthew Payne ergänzt: ?Meiner Ansicht nach sind wir mit unserer Besetzung ein großes Wagnis eingegangen, schließlich spielen viele unserer Darsteller Rollen, die überhaupt nicht zu ihrem Image passen. Jeder von unseren Schauspielern hat in seine Rolle Extra-Facetten eingebracht, die unsere Geschichte noch farbiger machten.?

?Was mich an dem Drehbuch anzog, war dieser großartige Ton des Skripts?, erklärt Rowan Atkinson. ?Es war ein sehr sanfter und ganz sicher komischer Ton, aber subtiler in der Komik als die Stoffe, die man üblicherweise mit mir in Verbindung bringt. Walter ist eine sehr dreidimensionale Figur, und der Tonfall des Skripts ist einfach liebenswert und auch etwas düster. Diese dunklen Facetten in der Komödie sind eine britische Tradition, aber man hat sie einige Zeit nicht mehr gesehen. In vieler Hinsicht sind die Freundlichkeit und die gewinnende Art der Figuren umso schockierender, wenn sich herausstellt, dass sie dunkle Geheimnisse verbergen.?

?Walter und Glorias Familie ist am Anfang des Films etwas durcheinander?, beschreibt Atkinson die Ausgangssituation. ?Man könnte uns eine Durchschnittsfamilie nennen, weil Ehemann und Ehefrau nicht mehr miteinander auskommen und ihre Beziehung bis zu einem gewissen Grad zusammengebrochen ist. Gloria sucht anderswo nach Unterhaltung und Anregung. Die Kinder sind distanziert und losgelöst von der Familie und haben ihre eigenen Probleme, mit denen sie fertig werden müssen. Die junge Teentochter scheint ein bisschen wild geworden zu sein, vor allem sexuell. Und der Sohn wird in der Schule schikaniert. Es ist also eine zerrüttete Familie. Genau diese Situation findet die Haushälterin Grace vor, die bei den Goodfellows einzieht und den Alltag der Familie gehörig umkrempelt.?

?Walter ist ein sehr anständiger Mann, und einen wie ihn habe ich selten spielen können?, erläutert Atkinson seine Figur. ?Mr. Bean würde ich nie als sehr angenehmen Mann bezeichnen, der es gut mit einem meint. Im Grunde ist er ein Kind, dass im Körper eines Mannes gefangen ist. Deshalb besitzt er die ganze Egozentrik und Rachsüchtigkeit, die man bei einem neunjährigen Jungen findet ? nur dass er zufällig eben den Körper eines Erwachsenen hat. Auch Blackadder ist kein besonders angenehmer Mensch. Zumindest ist er ein Mann, der dazu neigt, das Negative im Leben zu finden und es zum Ausdruck zu bringen. Walter Goodfellow ist dagegen ein sehr anständiger Zeitgenosse.?

?Ich habe mich auf diese Rolle gefreut, und sie erwies sich als Erfahrung, die für mich sehr aufschlussreich war. Das Großartige an der Zusammenarbeit mit Kristin und Maggie ist, dass sie, wie ich das nenne, ?richtige Schauspieler? sind. Sie wissen, was und wie sie etwas machen müssen, kommen aus einer Tradition des Filmemachens, in die ich mich kaum vorgewagt habe. Aber genau das ist interessant, weil meine Rolle ziemlich seriös und ernsthaft ist. Es gibt komische Elemente in meiner Figur - sehr komische Elemente hoffentlich - aber grundsätzlich habe ich die Hoffnung, dass man in ihr einen Menschen erkennt, der sich mit einem sehr realen und nachvollziehbaren Problem auseinandersetzen mußs. Und die Art und Weise, in der er, seine Frau, seine Kinder und die Haushälterin miteinander umgehen, wird hoffentlich das Interesse des Zuschauers aufrechterhalten.?

?Meiner Ansicht nach steht Walter meiner eigenen Persönlichkeit näher als jede andere Figur, die ich bisher gespielt habe?, beantwortet Atkinson die Frage, ob er sich mit Walter identifizieren könne. ?Er versucht immer nett und freundlich zu sein, ist aber häufig ein Opfer der Umstände. Damit kann ich mich identifizieren. So sieht mein eigenes Leben meistens aus, und gelegentlich mußs ich dafür auch den Preis zahlen?, erzählt Atkinson kichernd. ?Ich mußste nur einen gutmütigen, sanften, anständigen Mann spielen. Wie viel davon in mir selbst steckt, sollen andere beurteilen.?

Walter Goodfellow ist so in seine Kirchenarbeit vertieft, dass er nicht mitbekommt, dass seine Frau ihn betrügt und seine Ehe auseinander bricht. Doch Gloria mußs sich schließlich entscheiden: zwischen Walter auf der einen und dem sexy Golflehrer auf der anderen Seite. ?Wäre ich eine Frau, wüsste ich ganz sicher, für wen ich mich entscheiden würde?, lacht Atkinson. ?Ich glaube, das Vergnügen und die Lebensnähe dieses Dramas besteht darin, dass diese Frau gefangen ist zwischen dem unmöglichen Traum des Golflehrers und dem etwas unansehnlicheren, wenngleich zuverlässig anständigen Mann, den sie geheiratet hat. Der ganze Film dreht sich um Gloria - und ihr Dilemma ist faszinierend.?

Im Kern mag MORD IM PFARRHAUS einen eher dramatischen Handlungsfaden haben, aber die Horden von Fans, die Rowan Atkinson weltweit hat, werden keinen Grund zur Enttäuschung haben. Auch in dieser Rolle schimmert sein natürliches Talent als Komödiendarsteller durch. ?Im Film gibt es ein Fußballspiel, vermutlich die Passage mit der meisten Situationskomik. Das ist wohl auch meine Spezialität, wenn ich überhaupt so etwas habe. Es fiel mir natürlich leicht, mir kindische Dinge auszudenken, die man mit einem Fußball anstellen konnte. Deshalb war das die Sequenz, zu der ich in komödiantischer, aber auch dramatischer Hinsicht den größten Beitrag leisten konnte. Es ist einfach eine so wunderbar witzige Idee, wenn jemand so völlig von einer Situation überfordert wird. Walter sollte nicht Fußball spielen, schon gar nicht im Tor.?

Rowan Atkinson verbrachte viele der Stunden, in denen er selbst nicht drehen mußste, am Set, unterhielt sich mit den Schauspielern und der Crew, genoss sichtbar den ganzen Prozess des Filmemachens. ?Ich interessiere mich sehr für die Abläufe am Set. Ich bin gelernter Ingenieur und interessiere mich daher immer für die ganze Technik. Ich will alles genau beobachten, welche Kameraperspektiven und Einstellungen gewählt werden und wie eine Szene eingeleuchtet wird. Ein bisschen sehe ich alles mit dem Auge eines Regisseurs, und das schließt sich nie. Manchmal denke ich, dass ich eigentlich gerne Regie führen würde, aber dann erkenne ich, dass ich jemanden brauche, der eine Figur von der anderen Seite aus betrachtet. Es ist durchaus möglich, dass ich einmal Regie führen werde. Aber dann?, räumt Atkinson nachdenklich ein, ?mußs ich mich mit Schauspielern herumschlagen.?

Kristin Scott Thomas als Mom ?Kristin Scott Thomas reagierte als Erste sehr positiv auf das Drehbuch?, erklärt die Produzentin. ?Sie engagieren zu können, war wunderbar, denn sie war unsere Idealkandidatin. Sie ist der ultimative Profi und hat Humor und große Sensitivität in diese Rolle eingebracht. Ihre Darstellung gleicht einer gefühlsmäßigen Berg-und-Talfahrt.?

?Gloria ist eine frustrierte Hausfrau in Reinkultur?, beschreibt Kristin Scott Thomas ihre Figur. ?Sie ist mit einem ziemlich unentschlossenen Pfarrer verheiratet, hat zwei Kinder im Teenageralter und spürt verzweifelt, dass sie eine Pause braucht. Diese Rolle reizte mich auf Anhieb.?

?Gloria ist frustriert - als Mutter und auch als Ehefrau?, beschreibt Scott Thomas ihren Charakter. ?Sie ist ein bisschen schlecht gelaunt. Ich denke, wir können uns alle mit den Problemen identifizieren, die sie mit ihren Kindern hat ? ich meine, ihre Tochter ist beinahe eine Nymphomanin. Aber jeder in diesem Haushalt scheint damit klar zu kommen, alles wird hier toleriert. Im Grunde genommen herrscht in dieser Familie Chaos, bis Grace kommt. Mit ihrer Ankunft wird alles besser und besser. So jemanden wie sie wünschen wir uns doch alle in unserem Leben?, erzählt die Schauspielerin mit einem Lächeln.

Scott Thomas war die Erste unter den Schauspielern, die für den Film besetzt wurde. ?Das Drehbuch gefiel mir sehr?, nennt sie einen der Gründe, der sie für das Projekt einnahm. ?Viele Aspekte zogen mich daran an. Ich hielt es für sehr witzig und ich mochte die Figuren wirklich. Man mußs sich in die Charaktere, die man spielt, verlieben, Mitgefühl mit ihnen haben. Obwohl Gloria nicht sehr nett ist, tut sie einem leid. Man wünscht sich, dass sie wieder auf den richtigen Weg zurückfindet.?

?Diese Rolle hat mir enormes Vergnügen bereitet. Gloria bringt mich zum Lachen, und ich liebe es, in England zu drehen? fährt die Schauspielerin fort, die in Redruth, in der Grafschaft Cornwall geboren wurde. ?Die Arbeit in England hat etwas leicht Altmodisches an sich. Das gefällt mir. Ich mag es, mit britischen Crews zu drehen und bin wirklich gerne auf dem Land. Ich war begeistert und glücklich, dort wieder zu arbeiten, besonders in Cornwall.?

Patrick Swayze beschreibt seine Partnerin als ?göttliches Geschöpf wie auch als enorm talentierte Schauspielerin.? ?Die Zusammenarbeit mit Patrick hat mir wirklich die Augen geöffnet?, erklärt Scott Thomas mit einem Lachen. ?Uns allen ist er noch aus den Achtzigerjahren als eine Art Gott in Erinnerung. Dann hört man eine Weile nichts mehr von ihm und schließlich kommt er zurück und kommentiert seinen Status als ?Ex-Gott? mit großem Humor. Er ist immer noch Patrick Swayze, ein fabelhafter Tänzer und Sänger. Alle Frauen, ob in Cornwall oder auf der Isle of Man, waren so aufgeregt, wenn sie ihn auf der Straße entdeckten. Und trotzdem ist er ein sehr bescheidener Mensch, der über sich lachen kann.?

Scott Thomas und Swayze sind in einigen ziemlich intimen Szenen zu sehen ? in einer davon mußs Glorias Liebhaber Lance etwas ziemlich Außergewöhnliches enthüllen: ?Mit ihm zu drehen war fantastisch?, schwärmt Scott Thomas. ?Ich halte ihn für unglaublich couragiert und überhaupt nicht eitel. Das ist großartig. Seinen wunderbaren Sinn für Humor hat er nie verloren, er war sehr clever und mutig.?

MORD IM PFARRHAUS vereint Kristin Scott Thomas auch wieder mit ihrer Freundin Maggie Smith. ?Wir arbeiten nach GOSFORD PARK (?Gosford Park?, 2001) und RICHARD III (?Richard III?, 1995) das dritte Mal zusammen. Sie gehört sicher zu meinen großen Vorbildern. Sie ist absolut brillant und besitzt ein perfektes Timing. Außerdem halte ich sie für außergewöhnlich schön - so wie sie möchte man werden, wenn man älter wird. Deshalb ist es immer sehr aufregend, mit ihr auf dem gleichen Set zu sein. Ich mußs zugeben, ich bewundere sie ein bisschen.?

Mit MORD IM PFARRHAUS schlägt Scott Thomas eine etwas andere Rollenrichtung ein. dass sie so überzeugend auch als Komödiantin sein kann, wird manchen Zuschauer überraschen. ?Ich war Rowan so dankbar. In punkto Timing und das, was einen komischen Moment ausmacht, ist er Experte. Weil ich so wenig Erfahrung mit Komödien habe, hat er mir sehr geholfen. Für mich war das schwer, weil das nicht meine Natur ist. Ich habe in dieser Hinsicht nicht wirklich Vertrauen in mich, aber das wird sich vielleicht mit der Zeit ändern.?

?Kristin erzählt immer, wie unsicher sie ist, was ihre komödiantischen Fähigkeiten betrifft?, ergänzt Niall Johnson. ?Aber das Großartige an ihr ist, dass sie durch und durch eine ganz instinktive Schauspielerin ist. Und ihr Instinkt für diese etwas dramatische schwarze Komödie war genau richtig. Sie wird zu Gloria - und das völlig. Es war eine Freude, während der Dreharbeiten ihre furchtlose uneigennützige Darstellung zu sehen. Ihr Regisseur zu sein war für mich eine aufregende Erfahrung, denn sie nimmt jede Art von Anregung offen an, versucht immer, verschiedene Wege in ihrer Darstellung zu gehen.?

Maggie Smith als Haushälterin Maggie Smith war für die Rolle der Haushälterin Grace die Traumkandidatin von Produzentin Julia Palau. ?Wir haben sehr gezögert, ihr diese Rolle anzubieten, schließlich wussten wir nicht, ob sie einen Killer spielen wollte, was ja wie ein totaler Kontrast zu ihren sonstigen Figuren wirkt. Aber Maggie besitzt einen wunderbaren Sinn für Humor und reagierte zu unserem Glück sehr positiv auf die Rolle.?

?In ihren Leinwandrollen wirkt sie normalerweise etwas hart und scharfzüngig?, so Niall Johnson, ?Hier aber lächelt sie viel und ist süß. Gelegentlich erkennt man das Stählerne in ihrem Blick, denn ihre Figur hat eine sehr dunkle Vergangenheit. Während der Dreharbeiten spürte ich, dass ihr diese Rolle Spaß machte ? und das sieht man dem Film auch an. Diese Figur wird sehr beliebt sein. Sie zieht wirklich vom Leder, gibt die derbe Komödiantin - und auch Kristin darf es ihr gleichtun. Es war großartig, Maggie Smith, diese viel geliebte britische Ikone, eine Figur mit dieser Lebenslust und diesen mörderischen Instinkten spielen zu lassen. Diese Frau liebt das Leben, aber unter der Oberfläche hat sie diese verdrehten Moralvorstellungen. Familie und Liebe bedeuten ihr alles, aber wer ihre Ansprüche nicht erfüllt, bekommt das zu spüren.?

Maggie Smith, die man aus unvergesslichen Filmen wie Ronald Neames DIE BESTEN JAHRE DER MISS BRODIE (?The Prime of Miss Jean Brodie?, 1969), Herbert Ross? DAS VERRÜCKTE CALIFORNIA HOTEL (?California Suite?, 1978) und Malcolm Mowbrays MAGERE ZEITEN (?A Private Function?, 1984) kennt, gibt zu, dass die Rolle der Grace ein ?großer Spaß? für sie gewesen ist. ?Ich mußste noch nie solch gewalttätige Dinge mit so großer Freude erledigen. Das war schön.?

Die Vielfalt der Rollen, die Maggie Smith schon gespielt hat, lassen keinen Zweifel zu, dass sie jede Herausforderung, jedes Genre, meistern kann. Smith gibt aber zu, dass sie sich der Komödie besonders verbunden fühlt. ?Komödie habe ich am meisten gespielt, mir macht das einfach großen Spaß. Meiner Ansicht nach gibt es in diesem Film Elemente, die an die alten Ealing Komödien erinnern. Die Mischung stimmt einfach und die Besetzung ist wunderbar.?

In ihrem Erscheinungsbild wirkt Grace ziemlich altmodisch und sachlich. Als sich Kostümdesignerin Vicki Russell und Regisseur Niall Johnson darüber unterhielten, wie Grace angezogen sein sollte, hatten sie ähnliche Vorstellungen und einigten sich darauf, dass sie vor allem einen langen Mantel tragen mußste. ?Grace scheint in einer Art Zeitschleife fest zu hängen?, erklärt Maggie Smith den Look für ihre Figur. ?Deshalb hatte ich Sachen an, die meine Mutter getragen hatte, als ich ein Kind war. Das war eine sehr bizarre Erfahrung. Wenn ich in den Spiegel sah, dachte ich nur, um Himmels willen, ich sehe ihr jetzt so ähnlich. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl.?

Im Laufe der Filmhandlung wird deutlich, dass Grace nicht das ist, was sie zu sein scheint und als junge Frau für den Mord an ihrem Mann und seiner Geliebten ins Gefängnis ging. Nachdem sie aber diese Schuld beglichen hat, kann sie gehen, wohin sie will. Maggie Smith sieht in der von ihr gespielten Figur keine Sünderin: ?Meiner Ansicht nach ist sie eine absolute Heilige?, betont sie mit Nachdruck und einem Lächeln. ?Sie war einmal eine Sünderin, sieht das aber überhaupt nicht so. Sie ist einfach eine sehr freundliche und fürsorgliche Frau, die man meiner Meinung nach falsch beurteilt hat.?

?Maggie ist eine Ikone und das völlig zu Recht?, fügt Rowan Atkinson hinzu. ?Das Interessante an ihrer Rolle ist, dass Maggie etwas andere Wege beschreiten mußs im Vergleich zu den meisten Rollen, die wir mit ihr verbinden. Ich glaube, es macht ihr Spaß, einmal etwas weicher und liebenswerter sein zu dürfen als in vielen ihrer vorherigen Rollen. Und natürlich ist sie ganz großartig und deutet auch wieder diese für Maggie Smith typische harte Note an, die immer präsent ist und es auch immer sein sollte.?

?Mit Kristin Scott Thomas stehe ich nun zum dritten Mal vor der Kamera?, erzählt Maggie Smith. ?Es war schön, wieder mit ihr arbeiten zu dürfen, und mit Rowan zu drehen, war eine große Freude. Auch mit Liz Smith habe ich schon früher zusammengearbeitet. Natürlich mußs ich auch die Kinder erwähnen. Sie waren wirklich gut und ich hatte das Gefühl, wir wären eine richtige Familie.?

Smith war überhaupt nicht beunruhigt, von einem Newcomer inszeniert zu werden. ?Jeder mußs einmal anfangen. Ich habe Ausschnitte eines Films gesehen, den Niall gedreht hatte. Das überraschte mich total?, lacht Smith in Erinnerung an Johnsons DER GROSSE PARTNERTAUSCH (?The Big Swap?, 1998). ?Ich glaube nicht, dass in den Szenen, die ich gesehen habe, überhaupt jemand etwas anhatte. Das fand ich irgendeinem Grund sehr beunruhigend. Ich dachte: Worauf haben wir uns da nur eingelassen?? ?Jetzt aber im Ernst ? Niall war absolut großartig. Mir gefiel sehr, dass er eine Szene bereits nach dem ersten Take abschließen konnte, wenn er mit ihr zufrieden war.?

Patrick Swayze als Moms Lover ?In Russos ursprünglich in den USA angesiedeltem Skript hatte Gloria eine Affäre mit einem britischen Aerobictrainer namens Vance?, erläutert Johnson. ?Wenn es einen Bösewicht in unserem Films gibt, dann ist er es. Sobald wir uns entschieden hatten, den Schauplatz der Story nach England zu verlegen, wollten wir trotzdem diese Idee beibehalten. So wurde aus Vance Lance, ein amerikanischer Golflehrer.?

?Unser Wunschkandidat für Lance war Patrick Swayze?, erzählt Julia Palau. ?Sogar schon zu einem Zeitpunkt, an dem Niall noch an der ersten Drehbuchfassung schrieb. Obwohl dies sein erster britischer Film war, hatten wir schon mit ihm zusammengearbeitet und seinen Kurzauftritt in DONNIE DARKO (?Donnie Darko?, 2001) gesehen. In dieser Rolle war er wunderbar und auch hier schon gegen sein Image besetzt. Deshalb glaubten wir, dass er die Rolle des Lance sehr gut ausfüllen würde.?

?Bei meinem ersten Gespräch mit Patrick Swayze über seine Rolle als Golflehrer, hätte ich beinahe alles vermasselt?, erinnert sich Niall Johnson. Denn als ich versuchte, Lance zu beschreiben, sagte ich: ?Er ist die Art Mann, die sich für Patrick Swayze hält, aber jämmerlich scheitert!? Für einen Hollywoodstar wie Patrick ist es sehr mutig, diese Rolle anzunehmen. Er hat schon Rollen gespielt, die nicht seinem Image entsprachen, aber das hier ist eine schäbige Figur. Er trifft nie wirklich ins Schwarze, hält sich aber für den Größten.?

?Als ich das Drehbuch zu MORD IM PFARRHAUS zu lesen begann?, berichtet Swayze, ?habe ich gerätselt, wie ich mich in eine echte schwarze englische Komödie einfügen kann. Dann nahm mich die Geschichte gefangen und ich konnte das Skript nicht mehr aus der Hand legen. Ich fühlte mich wirklich vom Glück geküsst. Heute suche ich Drehbücher, die innovativ und irgendwie anders sind; die mich dazu bringen, mich kreativ zu entwickeln und etwas Neues zu versuchen. Mir gefiel die Intelligenz des Drehbuchs sehr, und zusätzlich kann man sich mit dieser Geschichte identifizieren. Sie löst nicht nur Gefühle aus, sondern bringt einen auch noch zum Lachen. So eine Rolle habe ich noch nie gespielt ? und eine meiner Szenen ist eine Offenbarung. Ich hoffe, das Publikum hat den gleichen Spaß dabei wie ich?, sagt Swayze lachend.

?Die Chance zu bekommen, mit Rowan Atkinson, Maggie Smith und Kristin Scott Thomas zu drehen?, schwärmt Swayze, ?gleicht etwa der Anziehung, die das Licht auf eine Motte ausübt. Die Figur, die ich spiele, braucht viel Liebe, ist Unterleibs-gesteuert, denkt pausenlos an Frauen und kann von ihnen nicht genug kriegen. Was für eine Traumrolle?, meint Swayze lachend, der die Komödienaspekte des Films genießt und sich nicht scheut, sich auf den Arm zu nehmen.

?Lance hält sich für so cool, liegt aber mit dieser Annahme immer daneben. Das zu spielen ist sehr unterhaltsam. Meine Lieblingsszene ist wohl die mit Rowan auf der Treppe des Pavillons. Ich sitze hinter ihm und wir tauschen ein paar kurze Sätze aus. Lance spielt dabei ein sehr gefährliches Machospiel mit verschleierten Andeutungen, die alle Walters Frau betreffen. Das passte einfach perfekt. Ich spürte, dass ?Atkinson & Swayze? damit sofort auf Tour gehen sollten. Ich war jedoch sehr dankbar, dass Rowan mich nicht ansah. Hätte ich sein Gesicht gesehen, hätte ich mich vermutlich nicht zusammenreißen können. Rowan ist in der Lage, dich zum Lachen, zum Weinen oder sonst wohin zu bringen, gerade wie es ihm gefällt.?

?Er ist eine Legende auf der ganzen Welt?, schwärmt der Schauspieler weiter. ?Ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der ?Mr. Bean? oder seine anderen Rollen nicht kennt oder liebt. Ich habe ihn seit langer Zeit beobachtet. Außerdem mußs ich sagen, dass ich in meinem ganzen Leben nie geahnt oder vorausgesehen hätte, dass Rowan und ich einmal um eine Frau, in diesem Fall seine, kämpfen würden.

dass man Mitte Februar in England drehen mußste, brachte für alle Darsteller Nachteile mit sich. Nicht einfach für jemanden, der ein wärmeres Klima gewohnt ist. ?Für mich war die Golfszene mit Gloria, in der Lance etwas scharf wird, eine der schwierigsten?, gibt Swayze zu. ?Wir beide froren fast fest auf einem Kliffplateau auf der Isle of Man. Obwohl die Sonne schien, war es so kalt, dass unsere Gesichter sich zu Trockenpflaumen verwandelten und wir mußsten so tun, als wäre es ein warmer Sonnentag in England.?

Swayzes Begeisterung für britische Crews kennt keine Grenzen. ?Bei diesem Film schloss ich viele neue Freundschaften, außerdem erneuerte sich mein Respekt für englische Crews, englische Schauspieler und den englischen Humor, der mich einfach zum Lachen bringt. Eine der Ängste, die ein amerikanischer Schauspieler hat, wenn er in England drehen soll, ist die Befürchtung, abgelehnt zu werden. Aber jeden Tag, an dem ich als sexy Golfprofi Lance am Set auftauchte, schienen mich alle mit offenen Armen zu empfangen. Das weiß ich wirklich zu würdigen.?

Um einen richtigen Golfprofi verkörpern zu können, mußste Swayze an seiner Technik arbeiten. ?Man hat mir gesagt, dass ich ein Naturtalent sei, obwohl ich noch nie Golf gespielt habe. Ich weiß nicht einmal, was ein Handicap ist und wie man es bekommen kann?, scherzt Swayze. ?Ich kann inzwischen einen Swing mit einem Golfschläger ziemlich gut aussehen lassen. Doch eigentlich war meine Hauptaufgabe, irgendwelche Golfbegriffe zu finden, die sich auf möglichst schlüpfrige Art auf eine Frau beziehen... Lance ist eben kein subtiler Typ.?

Obwohl Swayze schon oft in Großbritannien war, kannte er die Reize der Isle of Man noch nicht. ?Ich hatte überhaupt keine Vorstellung von der Magie dieses Ortes. Ich liebe die Menschen hier und die Architektur erinnert ein bisschen an Camelot. Es ist fast unwirklich und wunderschön. Und natürlich darf man die Feen nicht vergessen. Man sagte mir, dass wir bei der Überquerung der Feenbrücke immer die Feen grüßen müssten. ?Ich habe mich sklavisch daran gehalten und nahm das wie jeder im Filmteam sehr ernst.?

Swayze spricht auch Niall Johnson seine große Bewunderung aus: ?Er ist nicht nur ein talentierter Autor und Regisseur, sondern hat darüber hinaus lange studiert und ausreichend Erfahrung gesammelt. Viele glauben, ich sei erst durch DIRTY DANCING entdeckt worden, doch in Wirklichkeit habe ich schon immer hart an mir gearbeitet. Das Wichtigste ist, eine Vision zu haben und diese mit Leidenschaft zu verfolgen. Die Arbeit mit Niall war ein Vergnügen. Ich habe jede Sekunde genossen und hoffe, dass wir in Zukunft öfter zusammenarbeiten werden.?

Tamsin Egerton als nymphomanische Tochter Koproduzent Matthew Payne gibt zu, dass die Besetzung von Kindern oft ein großes Problem darstellen kann. ?Wir haben viele Castings abgehalten und uns dann für Tamsin Egerton und Toby Parkes entschieden. Wir suchten nicht nur Kids mit natürlichem Schauspieltalent. Sie sollten ihren Filmeltern auch möglichst ähnlich sehen, um eine realistische Familie darstellen zu können. Die beiden waren jedoch vor allem wunderbare Darsteller. Sie gefunden zu haben, war ein großes Glück und eine große Freude für uns.?

?Im Grunde genommen ist Holly eine Nymphomanin?, beschreibt die 16-jährige Tamsin Egerton, die seit ihrem achten Lebensjahr als Schauspielerin arbeitet, kichernd ihre Figur. ?In der Gesellschaft von Männern ist sie sehr selbstbewusst. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist jedoch von einem starken Konkurrenzgedanken geprägt. Die beiden liegen sich ständig in den Haaren und streiten miteinander, doch Holly liebt diesen witzigen Schlagabtausch. Mit ihrem Vater versteht sie sich dagegen fabelhaft und ist ganz verrückt nach ihm.?

?Ich liebe es, Holly zu spielen?, fährt Egerton fort. ?Sie hat zwei Seiten. Sie liebt ihren Vater, ihre Familie, hat gerne Spaß und möglichst viele Freunde ? das ist die eine Seite. Dann gibt es an ihr auch eine etwas ernsthaftere Seite, denn eigentlich will sie nur ein großartiges Verhältnis zu ihrer Mutter und ihre ganze Familie glücklich sehen. Sie merkt, dass der Haussegen schief hängt und hofft daher von ganzem Herzen, dass sich alles zum Guten wendet.?

Egerton gibt zu, über die Rolle intensiv nachgedacht und gewisse Szenen etwas peinlich gefunden zu haben. ?Ich habe mich mit Niall mehrfach über Holly unterhalten. Das hat mir geholfen, ihre Entwicklung im Film zu verstehen und darzustellen. Ich machte mir Notizen, dachte darüber nach, wie sie in bestimmten Situationen reagieren würde und begann dann zu verstehen, was ihre Persönlichkeit ausmachte. Ich habe sie an niemanden angelehnt, den ich kenne, obwohl ich vielleicht unbewusst von einigen Leuten das eine oder andere übernommen habe. Da ihr Charakter so viele Facetten hat, wollte ich sie so einzigartig wie möglich zeichnen.?

?Am nervösesten war ich wohl, als ich mich am Fenster in der Gegenwart von Patrick ausziehen mußste?, fährt Egerton fort. ?Meine Oben-ohne-Szene im Bus hatte ich da schon hinter mir, die hatte ich schon am ersten Drehtag absolviert. Aber an diesem Tag war ich wirklich nervös und mußste mich richtig auf diese Szene vorbereiten. Ich mußs zugeben, dass es mir ziemlich peinlich war, als ich die ersten Bilder der Szene sah. Doch die Rolle erforderte es und so mußste ich mich wohl oder übel zusammenreißen?, lacht Egerton. ?Holly vereint ganz sicher die typischen Probleme und Ängste eines jeden Teenagers. Ich habe mich zum Beispiel auch schon öfter für meinen Vater geschämt. Daher kenne ich dieses Gefühl.?

Patrick Swayze beschreibt seine Partnerin als eine ?wunderbare junge Schauspielerin mit wirklichem Flair und komödiantischem Timing, das in diesem Alter noch völlig instinktiv ist. Sie strahlt eine unglaubliche Leichtigkeit aus, ganz zu schweigen von ihrer Schönheit. Wie es schon Lance im Film sagt, hat sie die Silhouette einer Göttin. Das stimmt wirklich.?

Wie auch die anderen Darsteller empfand es Egerton als ziemlich große Herausforderung, die Frühlingsszenen im eisigen Winter zu drehen. ?Ich trage viele T-Shirts, Shorts und knappe kurze Röcke. Deshalb mußste ich am Set jede Menge heißen Tee und heiße Suppe zu mir nehmen. Außerdem mußste ich eine Szene oben ohne drehen, und das war sehr, sehr kalt?, lacht die junge Britin. ?In ihren Outfits geht Holly viel weiter, als ich das tun würde?, fährt Egerton fort. ?Ich mag ganz normale Kleidung und trage sehr viel Schwarz. Holly aber macht das überhaupt nicht, sie liebt Pink. In einer Szene gibt sie die Punkerin und trägt ein rosafarbenes T-Shirt mit aufgedruckten Glitzerhänden über ihrem Busen. So etwas würde ich nie anziehen. Es war ein großer Spaß, ich würde mich das aber nie trauen.?

Nicht nur in der Kleidung unterscheidet sich Holly von ihrer Darstellerin. ?Ich liebe diese Figur, denn sie ist ein so unbekümmertes Mädchen. Ich spiele sie so gerne, weil mir genau diese Sorglosigkeit fehlt. Ich bin nicht wie sie, denn sie macht einfach etwas, ohne viel darüber nachzudenken. Auf mich trifft das nicht zu.?

?Vom ersten Moment an, als Tamsin zum Vorsprechen kam, war es offensichtlich, dass sie etwas Besonderes hatte?, erinnert sich Niall Johnson. ?Um diese Rolle entwickelte sich ein erbitterter Konkurrenzkampf. Die Casting-Spezialisten Andrea Clark und Jeremy Zimmermann hatten einige wirklich talentierte junge Schauspielerinnen gefunden, doch Tamsin konnte sich behaupten. Sie mußste sich einer durchaus großen Herausforderung stellen, schließlich drehte sie fast alle Szenen mit Kristin und Maggie. Aber Tamsin konnte sich mehr als durchsetzen und hat eine wirklich unvergessliche Figur erschaffen.?

Toby Parkes als schüchterner Sohn ?Ich schaute zu Hause fern, als meine Mutter einen Anruf bekam?, erinnert sich Parkes, wie er zu der Rolle kam. ?Ich merkte an ihrer Stimme, wie aufgeregt sie war und als sie mir von dem Gespräch erzählte, konnte ich kaum glauben, dass es wirklich passieren würde. Ich mußste zweimal vorsprechen. Beim ersten Mal war ich richtig nervös, aber es schien gut zu laufen. Aber vor dem zweiten Vorsprechen machte ich mir große Sorgen, denn ich war krank gewesen und glaubte nicht daran, dass ich hingehen könnte. Meine Mutter war so aufgeregt, packte alles zusammen und ging mit mir hin, nur für alle Fälle. Ich war wirklich der Meinung, dass man mich ignorieren würde, gerade weil es mir nicht gut ging. Aber ich hatte Glück.?

?Ich liebe alle ?Blackadder?-Filme, aber JOHNNY ENGLISH (?Johnny English?, 2003) ganz besonders?, ergänzt Parkes. ?Alles, was Rowan macht, liebe ich. ?Wow?, war meine erste Reaktion, als ich erfuhr, dass ich mit ihm drehen würde. Ich war so aufgeregt ihn zu treffen, ganz zu schweigen davon, dass ich mit ihm zusammen vor der Kamera stehen würde. Als ich ihn bei den Proben sah, flüsterte ich meiner Mutter zu ?Schau mal, da steht Rowan Atkinson?. Ich war total nervös. Aber er ging direkt auf mich zu, schüttelte meine Hand und sagte ?Hallo Toby?. Ihn zu treffen, war einfach großartig.?

Tobys Mutter war völlig aus dem Häuschen angesichts der Aussicht, Patrick Swayze zu treffen. Toby war dagegen noch viel zu jung, um Patricks berühmteste Filme zu kennen und gibt zu, noch nie von ihm gehört zu haben. ?Meine ganze Familie hat mich gnadenlos damit aufgezogen, aber ich kannte ihn wirklich nicht. Sobald ich wusste, dass er in MORD IM PFARRHAUS mitspielen würde, holte meine Mutter all seine Filme aus der Videothek für mich. Jetzt kann ich ihre Begeisterung verstehen.?

?Maggie Smith kannte ich natürlich aus den HARRY-POTTER-Filmen?, fährt Toby Parkes fort. Auf die Frage, ob es denn schwierig gewesen sei, ein Mitglied einer fiktiven Familie zu spielen, antwortet der junge Darsteller gelassen: ?Meine eigene Familie kann ebenso verrückt, aber auch ernst sein. Die Goodfellows wirkten wie eine richtige Familie, für mich war das eine fantastische Erfahrung. Einfach erstaunlich, in meinem ersten Kinofilm mit Menschen zusammenarbeiten zu können, die für mich lebende Legenden sind.?

?Beide Kids sind großartig?, schwärmt Atkinson. ?Tamsin ist wunderbar, wir haben sie im richtigen Alter erwischt. Obwohl sie sehr groß ist, ist sie emotional noch nicht so reif, wie das ihre Größe vermuten lassen würde. Ganz abgesehen davon, dass Toby einer der süßesten Jungs ist, die man finden kann, ist er als Schauspieler ein Naturtalent. Meiner Ansicht nach ist das Casting gerade in dieser Hinsicht perfekt, die Familie wirkt realistisch und glaubwürdig.?

Die Dreharbeiten Die Dreharbeiten des Films fanden in Cornwall und auf der Isle of Man statt. Vorausgegangen war eine intensive Drehortsuche, die die Produzenten zusammen mit Produktionsdesigner Crispian Sallis durchgeführt hatten. ?Little Wallop?, erzählt Sallis, ?ist ein fiktiver Name für unser englisches Dorf. Wir suchten nach einem Dorf, das man noch nicht auf der Leinwand gesehen hatte. Es mußste so angelegt sein, dass man sich sofort vorstellen konnte, wo die einzelnen Figuren leben würden. Nach langer Suche fanden wir das malerische Dörfchen St. Michael?s Penkevil, in der Nähe von Truro. Es war einfach perfekt. Die Kirche, das Pfarrhaus und die kleinen Häuschen, die unser Dorf ausmachten ? all das war so angelegt, als hätten wir es selbst gebaut. Danach zogen wir mit dem Team auf die Isle of Man weiter, auf der sich die wunderbare Landschaft perfekt ins Gesamtbild einpasste.?

?Wir hatten kein riesiges Budget?, gibt der Produktionsdesigner, Sohn des angesehenen britischen Schauspielers Peter Sallis, zu. ?Außerdem hatten wir auch keine sehr lange Vorbereitungszeit. Deshalb war es wirklich sehr vorteilhaft, dass das Dorf nicht zu groß war, dass es einfach gerade genug Häuser hatte, um diese Geschichte zu erzählen. Es hatte auch eine sehr hübsche Topographie, und natürlich waren wir von der Kirche mit ihren zwei Türmen begeistert - sicher eine der schönsten Kirchen, die wir je gesehen hatten.?

Das Team fand das ideale Haus für die Goodfellows in der Pfarrei des Dorfes. ?Es wirkte wie eine Pfarrei, anspruchslos und authentisch. Es war nicht besonders filmisch, was die Ausstattung betraf, aber das Wichtigste war vorhanden. Am Ende mußste ich viel mehr verändern, als ich das ursprünglich für notwendig gehalten hatte, denn das Haus war zwar absolut charmant, aber eben nicht sehr fotogen. Von den Farben her war es eintönig und trist. Obwohl ich also nicht gerade Berge von Geld zur Verfügung hatte, gestaltete ich ziemlich viele Zimmer um.?

?Schon ziemlich früh trafen wir die Entscheidung, dass das Haus eines Pfarrers auch seine Geschichte reflektieren mußste, dass es einige Stücke aus vergangenen Zeiten vielleicht von Pfarrer geben sollte, die früher hier gewohnt hatten. Als ich zum Beispiel ein Ehebett suchte, verliebte ich mich auf Anhieb in das Stück. Es wirkte sehr robust und irgendwie symbolisch dafür, wie stark diese Ehe einmal gewesen war und auch wieder sein könnte.?

Regisseur Niall Johnson hatte genaue Vorstellungen davon, wie MORD IM PFARRHAUS aussehen sollte. ?Das Grundprinzip war diese Idee von einem süßen, ganz normalen, wunderschönen England und den düsteren Dingen, die jenseits dieser Fassade passieren. Unser Dorf sollte zeitlos wirken. Obwohl man sich der Gegenwart des Schauplatzes bewusst ist, versuchten wir ein Dorf zu zeigen, dessen Entwicklung vielleicht vor 30 oder 40 Jahren gestoppt hatte.

Kameramann Gavin Finney und ich entschieden uns früh für Cinemascope. Wir dachten dabei an die Beziehungen der Menschen zu der Umgebung, in der sie leben. Das trifft ganz besonders auf das Haus zu, das wirklich ein eigenständiger Charakter ist. Als Produktionsdesigner Crispian Sallis beispielsweise nach Möbeln suchte, richtete er sein Augenmerk auf Einrichtungsgegenstände, die nach wirklichem intaktem Familienleben aussahen, die eine Geschichte über das Haus und über die Familie erzählten, die früher hier echte Einheit zeigte.?

?In MORD IM PFARRHAUS?, erzählt Kostümdesignerin Vicki Russell von ihrer Arbeit, ?sollte alles glaubhaft und authentisch wirken. Alles hat sehr gut funktioniert, ohne dass es zu sehr nach ?Kostüm? oder irgendwie nach einer Karikatur aussah. Rowan wollte nicht die ganze Zeit wie das Klischee eines Pfarrers samt steifen Kragen aussehen. Er ist nicht aufgeputzt, kann sich deshalb voll und ganz seiner wunderbaren Darstellung widmen. In ähnlicher Weise wollte auch Kristin nicht die archetypische gut aussehende Frau sein, die immer fabelhaft gestylt ist. Beide wollten einen abgeschwächten Look, und trotzdem will man natürlich, dass sie interessant aussehen. Deshalb haben wir alte und neue Sachen vermischt, darunter ein paar High Street-Outfits, weil wir glaubten, dass Gloria in solchen Shops einkaufen würde. Außerdem fügten wir ein paar handgefertigte Dinge hinzu, die Gloria vielleicht im Gemeindehaus gefunden hatte.?

?Als ich das Drehbuch las?, fährt Russell fort, ?hatte ich ein paar Einfälle. Beim nochmaligen Durchsehen kamen noch mehr Ideen dazu. Niall und ich unterhielten uns, um festzustellen, ob er vielleicht besondere Vorstellungen hatte. Manchmal denkt man einfach, ja genau, das ist ein Kostüm-Moment. Niall und ich waren einer Meinung, dass Grace, die von Maggie Smith gespielte Figur, einen langen Mantel mit einer gewissen Silhouette tragen sollte. Dann dachten wir an Mary Poppins, und das war unser gemeinsamer Ausgangspunkt. Dann habe ich ein Buch angelegt, wenn man so will eine Art Collage, eine grundlegende Ideensammlung. Die habe ich dann Niall vorgelegt, und wir waren sofort auf einer Wellenlänge.?

?Besonderen Spaß hat mir die Arbeit an der Figur der Rosie Jones gemacht ? ein merkwürdiges junges Mädchen, ein süßer, höflicher Psychopath. Sie lebt in der fantastischsten Zeit der Sixties, in einer Ära, in der Großbritannien der coolste Ort auf Erden wurde.?

Für Russell stellte es eine etwas größere Herausforderung dar, die 16-jährige Tamsin als Holly einzukleiden. ?Tamsin hat eine erstaunliche Figur und könnte leicht wie ein Model aussehen, was wir ganz sicher nicht wollten. Außerdem ging es uns darum, ihre Unschuld, ihre kindähnliche Qualität zu bewahren, wenn sie nicht von ihren Freunden umgeben war. Das alles war ziemlich kniffelig.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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