Reine Formsache

Produktionsnotizen

Im vergangenen Frühjahr wurden die Weichen gestellt für ein aufregendes Doppel-Debüt eines alten Hasen im deutschen Filmgeschäft: Béla Jarzyk, ehemals Leiter von Deutschlands erfolgreichster Schauspielagentur Players, hatte das Drehbuch für die romantische Gegenwarts-Komödie REINE FORMSACHE geschrieben, und er wollte es sich nicht nehmen lassen, für diesen Film auch Verantwortung als Produzent zu übernehmen.

Für Jarzyk war die Wahrnehmung dieser Doppelfunktion eine Herzensangelegenheit: ?Es gibt im Angelsächsischen den schönen Terminus des Creative Producer, und als solchen verstehe ich mich. Ich kann mich nicht mit der Idee anfreunden, bei einem Film nur als besserer Herstellungsleiter zu fungieren. Ich möchte gern gestalten.?

Mit ansteckendem Enthusiasmus weiß Béla Jarzyk über die Erfahrungen mit seinen Co-Produktionspartnern Benjamin Herrmann (Senator Film), Stefan Gärtner (Seven Pictures) und Alicia Remirez (Sat.1), sowie mit dem Regisseur seiner Wahl, Ralf Huettner, zu berichten: ?Die entscheidenden Faktoren waren für mich, einen Regisseur zu haben, der neben mir steht und Produktions-Partner, die hinter mir stehen. Genau die habe ich gefunden. In meiner Zeit als Agent habe ich so viele Projekte erlebt, bei denen der initiierende Produzent mit so vielen Partnern zu tun hatte, die alle in eine andere Richtung zogen, dass ihm das Ganze fast aus der Hand glitt. Bei diesem Film durfte ich die Erfahrung machen, dass man den Film tatsächlich miteinander macht.?

Die Endfassung des Drehbuches entstand in enger Zusammenarbeit mit Ralf Huettner: ?Was mir an Bélas Arbeit auf Anhieb gefallen hat, das war diese Erzählung mit leichter Hand. Da hat jemand sehr genau beobachtet, ohne dass sein Blick ?ätzend? geworden wäre. Er hat souverän verschiedene Erzählstränge miteinander verflochten.? ?Das Geheimnis des Buches ist sein Human Touch?, sagt Co-Produzent Benjamin Herrmann (Senator Film Produktion), ?denn komischerweise ist es so, dass die Menschen des Films Menschen sind, die ich in ihrer Verrücktheit und Emotionalität tatsächlich kenne ? diese Echtheit findet man selten in Büchern.?

Ein Faktor, der auch die anderen Co-Produzenten begeistert hat. ?Das Thema ist sehr zeitgemäß und es ist Béla Jarzyk gelungen, die Scheidungssituation und die Patchworkfamilie im Rahmen einer Romantic Comedy zu erzählen?, erklärt Stefan Gärtner (SevenPictures). So wird REINE FORMSACHE zu einer gut gelaunten Einladung, ein paar sympathische Zeitgenossen in einer turbulenten Phase ihres Lebens zu begleiten.

Béla Jarzyk erinnert sich an die erste Schreib-Begegnung mit Ralf Huettner: ?Als wir uns das erste Mal zusammensetzten, hat mich Ralf gefragt: ?Warum willst du diesen Film machen?? Ich habe dann weit ausgeholt, bis er gesagt hat: ?Versuch? es einfacher und kürzer. Am besten mit einem einzigen Wort.? Dieses Wort war, das ist mir in dem Gespräch damals klar geworden, Sehnsucht.?

Sehnsucht, gepaart mit Humor und Melancholie, blieb die Grundsubstanz, aus der sich die Story des Film entwickelte und zwischen den verschiedenen Genres ihren eigenen Sound fand: ?Jede Schublade wäre, glaube ich, nur zum Teil richtig?, erklärt Ralf Huettner. ?Mir kommen eher Umschreibungen in den Sinn: Leichtfüßigkeit zum Beispiel. Das finde ich ein sehr schönes Ideal bei Filmen. Ich sehe REINE FORMSACHE als einen Film, der in die unterschiedlichsten Richtungen Projektionsflächen anbietet, vor allem auch weil er ein breit gefächertes Spektrum an Nebenfiguren hat.?

Und Béla Jarzyk ergänzt: ?Ich glaube, dass alle Personen Schwingungen verkörpern, die ins Leben der jeweils anderen reinschwappen, die sie tangieren, die auch die Zuschauer tangieren, und die irgendwie die Welt dieses Films ausmachen. Aus diesem Grund sehe ich auch Floriane Daniel und Bastian Pastewka, Oliver Korittke und Petra Schmidt-Schaller nicht als Nebendarsteller, sondern als Supporting Actors im besten Sinn des Wortes. Und auch die Freundschaft zwischen Marc und Bastian bzw. Felix und Gustav ist so angelegt. Der eine ist der große Abenteurer, der andere der seriöse Spießer. Sie sind sehr ungleich und dienen sich gegenseitig Schreckensbild und Neidfolie ? wie es eben oft bei uralten Freunden der Fall ist, die sich auseinander gelebt haben und sich trotzdem sehr nah geblieben sind.?

An der Zusammenstellung des Ensembles, in dessen Mitte Christiane Paul als bezauberndes und leuchtendes Zentrum steht, hatte Casting-Agentin Ann Dorte Braker großen Anteil: ?Oft ist es einfacher zu sagen, was man alles nicht will, und in diesen festgefahren Momenten ist Ann Dorte Braker immer eine effektive und sichere Hilfe, um wieder vom Fleck zu kommen?, betont Ralf Huettner.

?Besetzt man erstmal eine Person wie Christiane Paul als Pola, dann scheiden gleich mal neunzig Prozent aller Kandidaten aus, an die man ohne sie vielleicht gedacht hätte. Ihr Partner mußste einfach jemand sein, der nicht zu ihr passt, und bei dem trotzdem glaubwürdig rüberkommt, dass sie eigentlich zusammen gehören. Der Mann mußste also etwas haben, was zu Christiane Paul als Pola konträr ist und worauf sie doch abfahren würde ? also jemand der kopfüber voran geht, und wenn?s sein mußs ins Chaos. Das ist ein Charakterzug, der sie fasziniert, mit dem sie aber im Alltag gar nicht klar kommt. Von dem Punkt aus, sind wir sehr schnell auf Marc Hosemann gekommen. Bei den beiden anderen Paaren haben wir ähnliche Kombinationsspiele ausprobiert, und zuletzt mußsten die sechs Personen auch miteinander als Freunde funktionieren.?

Die Dreharbeiten zu REINE FORMSACHE fanden letzten Sommer in Berlin statt. Die Leichtfüßigkeit des Schreibens fand seine Fortsetzung beim Drehen: ?Wir konnten sicher sein?, so Béla Jarzyk, ?dass jeder Tag mit unseren sechs Hauptfiguren uns eine Abwechslung bescheren würde. Wenn man nur ein Paar hat, dann ist das eben nur eine einzelne Beziehungsgeschichte. Bei drei Paaren hat man mehr Möglichkeiten, auch den zeitlichen und räumlichen Flair einer Story vorkommen zu lassen. Es ist kurzweiliger, offener, auch vielschichtiger. Außerdem kann man mehr mit dem Erzählrhythmus spielen: Nach einer lustigen Szene bei den einen kommt etwas Trauriges bei den anderen oder umgekehrt. Und wenn?s mit Felix zu übermütig zu werden droht, wechselt man auf solideres Gelände mit Gustav, oder Ada und Wito mischen mit ihrer etwas hysterischen Beziehung das ganze Spiel noch mal ganz neu.?

Hannes Hubach, der den Szenen einen unangestrengten großstädtischen Cinemascope-Look verlieh, erinnert sich gern an die ?lässige Besessenheit?, von der die ganzen Dreharbeiten beflügelt waren, ?36 Tage lang und an 50 Sets?. Mitte September fiel die letzte Klappe. In der aufwändigen Postproduktion unter der Leitung von Cutter Dirk Vaihinger erhielt REINE FORMSACHE schließlich Herzschlag und Atem, Rhythmus und Klang.

?Hier ging es noch einmal darum, in das Material hinein zu horchen und ebenso beherzt wie sensibel die Seele heraus zu kitzeln. Das ist wie ein Aroma, das in der Luft liegt, aber ganz leicht verfliegt, wenn man es ausdrücklich zu benennen versucht. Es unbeschädigt einzufangen, das war die Herausforderung.?

REINE FORMSACHE entstand als erste Produktion von Independent Players in Koproduktion mit der Senator Film Produktion (Benjamin Herrmann) sowie SevenPictures (Stefan Gärtner, Alicia Remirez) und in Zusammenarbeit mit Sat.1. Der Film wurde gefördert mit Mitteln des Medienboards Berlin-Brandenburg und der Filmförderungsanstalt FFA.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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