Final Destination 3

Produktionsnotizen

Wenn du dran bist, bist du dran! ?Die Menschen denken praktisch ständig über ihr Schicksal nach. Ist es Schicksal, dass wir unseren Ehepartner kennen lernen? Wie werden wir sterben? Solche Fragen beschäftigen uns alle?, sagt Regisseur James Wong, der das Drehbuch zu ?Final Destination 3? zusammen mit Produzent Glen Morgan schrieb ? die beiden waren auch schon für den ursprünglichen Film ?Final Destination? (Final Destination, 2000) verantwortlich. (?Final Destination 2? kam 2002 in die Kinos.)

Produzent Craig Perry hat alle drei Filme der Serie betreut. Er ist überzeugt, dass die große Popularität dieser Filme in der menschlichen Neugier begründet ist, die uns über Leben und Tod nachdenken lässt. ?Die gesamte Serie bezieht sich immer wieder auf die weit verbreitete Todesangst, die uns allen vertraut ist?, sagt er. ?Es geht um Fragen wie: Was wäre, wenn ich heute sterben müsste? Wie wird das passieren? Kann ich das verhindern? Habe ich irgendetwas getan, was meinen Tod sogar wahrscheinlicher macht??

Das Publikum kann über diese Mechanismen zwischen Leben und Tod zunächst aus sicherer Entfernung nachdenken ? aber im Kino wird es dann von solchen tiefgründigen Fragen abgelenkt und direkt in die gruselige Action hineingerissen. ?Wir haben damals eine Testvorführung von ,Final Destination 2? gemacht ? darin gibt es eine grausige Fahrstuhlszene, in der ein Frauenkopf wie mit einem Korkenzieher aus dem Hals gedreht wird?, erklärt Perry.

?Nach der Vorstellung warteten ein paar Kids auf den Fahrstuhl zum Parkhaus. Die Fahrstuhltüren öffneten sich, schlossen sich wieder und öffneten sich dann nur halb. Die Kids schauten sich an und sagten: ,Scheiß drauf? und gingen Richtung Treppenhaus! Für mich war das ein erhebender Moment. Denn offenbar funktionierte der Film: Die Kids hatten Todesangst vor dem echten Fahrstuhl!?

Die erste Hürde, die die Filmemacher überwinden mußsten: Wie lassen sich die Nerven zerfetzenden Eröffnungssequenzen der ersten beiden Filme möglichst noch übertreffen? Bei New Line kam Manager Richard Brener auf die Idee, die erste Katastrophe in einer Achterbahn anzusiedeln.

Etliche kalte Frühlingsnächte in Vancouver waren für den Dreh dieser Sequenz nötig: Eine Gruppe unerschrockener junger Darsteller fuhr von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang Achterbahn ? 20- bis 25-mal pro Nacht. ?Ich bin geradezu süchtig nach Nervenkitzel?, sagt der 22-jährige Ryan Merriman, der den Kevin spielt. ?Ich stehe auf Achterbahnen, fand also auch die 17. Fahrt noch echt cool. Aber ich war voll gefordert, weil mir langsam, aber sicher schwindelig wurde ? ich bekam ein Gefühl, als ob ich völlig verkatert wäre.?

Dazu Mary Elizabeth Winstead: ?Die Achterbahn brachte anfangs echt Spaß, weil ich eigentlich schon seit meiner Kindheit nicht mehr damit gefahren bin. Ich bekam einen ordentlichen Adrenalinschub, und bis zum 13. Mal fand ich es auch gar nicht schlimm, doch dann wurde mir richtig schwummerig im Kopf. Aber ich war ganz stolz auf mich: Ich habe mich nicht übergeben ? keiner von uns.?

Die Achterbahn-Sequenz ist die komplizierteste aller Eingangskatastrophen der ?Final Destination?-Serie. Für den gewünschten Effekt filmte das Team die Darsteller in der echten Achterbahn, und im Studio verwendete es eine nachgebaute Achterbahn auf einem riesigen Set, der zehn Meter hoch bis zur Decke reichte. Dort führten die Darsteller vor dem Greenscreen ihre eigenen Stunts aus. Schließlich kamen auch noch visuelle Effekte hinzu, wodurch Bilder entstanden, die man mit echten Menschen nicht drehen könnte.

James Wong und Glen Morgan stellten sich in ihrem Drehbuch eine Achterbahn vor, die es in der Realität leider gar nicht gibt. ?Wenn man einen Achterbahn-Unfall drehen will, wäre die optimale Möglichkeit, einen echten Achterbahn-Unfall zu inszenieren?, sagt der für die visuellen Effekte verantwortliche Ariel Shaw. ?Weil diese Option nicht in Betracht kam, benutzten wir Elemente der Achterbahn in Vancouver, auf der wir drehen wollten, und eine weitere Achterbahn in California. Aus beiden setzten wir unsere digitale Achterbahn zusammen. Zu den zwei Bahnen kamen weitere Elemente hinzu.

Heraus kam diese echt coole ,Frankenstein-Achterbahn?, die aber immer noch nicht all das liefern konnte, was sich Jim und Glen im Drehbuch ausgedacht hatten. Dort wird beschrieben, wie die Bahn 75 Meter in die Höhe fährt und dann spiralförmig hinunterdonnert, um dann fast so hoch wie zuvor zu steigen. Wir bastelten also weiter, bis wir es geschafft hatten. Dann passten wir die Bahn per Computer in den Vergnügungspark ein. Das bedeutete, dass wir den Park komplett einscannen mußsten, um ihn dann für die Effekte-Einstellungen zu bearbeiten?, erklärt Shaw.

Ab dieser Phase arbeitete Shaw sehr eng mit Kameramann Rob McLachlan, der Ausstattungsabteilung, den Spezialeffekte-Experten, Stuntleuten und den übrigen Abteilungen zusammen, um das komplexe Zusammenspiel aller Einzelelemente der Sequenz in den Griff zu bekommen. ?Wir haben die Sequenz vorab im Computer simuliert, um den Ablauf der Szenenelemente auszutüfteln und dann festzulegen, wie man das filmen sollte?, fährt er fort. ?Brauchen wir dafür einen Kamerakran? Welches Objektiv ist dafür nötig??

?Gleich zu Anfang mußsten wir überlegen, wo und wie wir die Kameras auf der Achterbahn anbringen konnten?, erklärt McLachlan. ?Neben und über den Wagen gibt es praktisch keinen Spielraum, wenn sie durch das Gerüst donnern. Wir probierten das aus, indem wir große Stücke von Hartschaum an verschiedenen Positionen anbrachten. Wir ließen die Bahn fahren und schauten zu, wie die Schaumstücke abgerissen wurden. Das haben wir so lange wiederholt, bis die Stücke nicht mehr abbrachen, und dann war klar, wie weit unsere Kameras an allen Seiten aus dem Wagen herausragen durften.?

McLachlan überlegte auch, wie er möglichst viele Aufnahmen drehen konnte, die die Achterbahn-Fahrt zeigen und dabei die Spannung ständig erhöhen. ?Eine Action-Sequenz wird besonders dynamisch, wenn man in der Abfolge keine der Einstellungen ein zweites Mal zeigt ? Immer wieder wird der Blickwinkel verändert, bietet neue Ansichten. Wir haben ferngesteuerte Kameras so eingesetzt, wie das vor uns wohl noch keiner gemacht hat ? und das Ergebnis ist wirklich beeindruckend. Meistens haben wir mit zwei oder drei Kameras gleichzeitig gedreht. Außerdem wenden wir auch ein paar alte Filmtricks an: Zum Beispiel benutzen wir einen Spiegel, um den Eindruck zu erwecken, dass die Bahn direkt über die Kamera hinwegrast.?

Damit sich die Katastrophe überzeugend aus der Szene entwickelt, mußsten sich alle Beteiligten etwas einfallen lassen. ?Bei den Stunts lässt sich die Illusion am glaubwürdigsten erzeugen, indem man in jedem Bild eine neue Variante wählt?, sagt Stunt-Coordinator J.J. Makaro. ?Wenn die erste Person herausgerissen wird, dann stürzt die nächste, und die dritte wird durch die Luft gewirbelt.?

Aufgrund der Vorab-Simulationen im Computer entschieden die Filmemacher, welche Szenenelemente auf der echten Achterbahn gedreht werden konnten, welche man in der nachgebauten Bahn vor dem Greenscreen filmen mußste und welche im Computer entstehen sollten. Die nachgebaute Achterbahn mußste eine ganze Reihe von genau definierten Aufgaben erfüllen. ?Besonders schwierig wurde es dadurch, dass wir für alle sechs Wagen separate kardanische Aufhängungen bauen mußsten?, sagt der für die Spezialeffekte verantwortliche Rory Cutler. ?Wichtig war dabei vor allem, alle sechs Wagen der Bahn synchron zu bewegen, so dass der Bewegungsablauf glaubwürdig wirkt.?

Kardanische Aufhängungen sind eigentlich ein übliches Verfahren, um ein Boot oder ein Flugzeug darauf zu montieren, die sich normalerweise in drei Dimensionen bewegen. ?Auch unser System sollte sich in drei Dimensionen bewegen ? dabei wurde jeder Wagen separat gesteuert, aber alle zusammen genommen sollen die angemessene Symmetrie des Zuges ergeben?, fährt Cutler fort.

?Also bauten wir schließlich zwei riesige Stahltürme, zwischen denen die sechs Wagen der Achterbahn aufgehängt wurden, wobei wir die einzelnen Wagen mit hydraulischen Kupplungen verbanden, durch die wir die Wagen in verschiedenen Winkeln zueinander bewegen konnten.? Die Konstruktion mit den sechs Wagen des Achterbahn-Zuges war 15 Meter lang ? deshalb mußste man dahinter einen gewaltigen Greenscreen installieren, die Wände, Boden und Decke fast der gesamten Studiohalle einhüllte.

In mehreren Einstellungen werden die Fahrgäste, die den ersten Teil der Katastrophe überlebt haben, buchstäblich auf den Kopf gestellt. ?Dafür benötigten wir nicht nur die Kupplungen zwischen den Wagen, sondern unsere Aufhängung bestand aus einem einzigen gewaltigen Rotationssystem, mit dem wir den Achterbahn-Zug um 180 Grad drehen konnten?, erklärt Cutler. ?Wir wollten so viel wie möglich real drehen und dabei unsere Hauptdarsteller einsetzen, denn ihre spontanen Reaktionen steigern die Spannung?, sagt Ariel Shaw. ?Wichtig war uns vor allem, dass die Schwerkrafteffekte naturgetreu wirken ? Haare und Muskeln müssen sich immer richtig ausrichten, nämlich nach unten.?

Für die Schauspieler war das ein ungewohntes Erlebnis. ?Wir hingen kopfüber in den Wagen, und das sechs Meter über dem Fußboden?, berichtet Mary Elizabeth Winstead. ?Wir kreischen und heulen, weil wir im nächsten Moment in den Tod stürzen werden und uns verzweifelt an den Wagen krallen. Der Stunt-Coordinator lockerte die Sicherheitshalterungen so weit, dass es aussah, als ob wir uns mit eigener Kraft festklammerten ? und genauso hat es sich tatsächlich angefühlt ? Ich habe mich derart in die Situation hineinversetzt, dass ich echt Todesangst bekam. Mit aller Kraft habe ich mich mit meinen Beinen und Knien in den Wagen gestemmt. Beim ersten Mal habe ich wirklich nicht gespielt!?

Winstead und Ryan Merriman führten praktisch alle Stunts selbst aus. ?Ryan hat ein gutes Gefühl für Bewegungsabläufe, und er ist sehr sportlich?, sagt Stunt-Coordinator J.J. Makaro. ?In einer Sequenz stürzt er hinunter, und während er hochkommt, schlägt ihm ein Feuerball entgegen. Das war haarscharf kalkuliert, aber Ryan hat sich dabei total eingebracht.?

Natürlich gibt es im Film jede Menge haarsträubender, gruseliger und blutiger Szenen ? aber das heißt nicht, dass das Blut spritzt oder ständig Körper zerfetzt werden. ?Bei der ersten Drehbuchlesung mit den Schauspielern war ich verblüfft, wie komisch das Skript tatsächlich ist?, sagt Produzent Craig Perry. ?Die Figuren sind sorgfältig charakterisiert, und in den Szenen spürt man deutlich Morgans und Wongs abgedrehten, rabenschwarzen Humor.?

?Final Destination 3? fügt dem allseits beliebten Rezept der Serie auch noch ein weiteres Element hinzu. ?,FD3? soll zwar all das enthalten, was man von der Serie erwartet, aber der Film hebt sich von den anderen ab und bietet dem Publikum etwas Neues?, sagt James Wong.

?Wir stellten uns diesmal die Frage: ,Wenn es den Tod gibt, existiert dann auch sein Gegenteil, eine bestimmte Lebenskraft? Denn wenn das Böse in Erscheinung tritt, mußs es doch auch das Gute geben.? ? ,Aber wie kann man dieses Element darstellen?? Daraus entwickelten wir die Idee digitaler Technologie in Form von digitalen Fotografien. Digitale Kameras gibt es heutzutage überall ? sogar Mobiltelefone können Bilder machen! Das funktioniert nicht mehr über einen chemischen Vorgang, sondern elektrisch. Also beschlossen wir, Hinweise auf die Todesarten in die Fotos einzufügen, die Wendy am Abend der Achterbahn-Katastrophe aufnimmt. Man kann das so interpretieren, dass der Tod sadistisch mit den Hauptfiguren spielt und ihnen ankündigt, wie sie sterben werden. Oder man interpretiert das als positive Lebenskraft, die den Filmfiguren hilft, dem Schicksal zu entkommen und dem Tod von der Schippe zu springen.?

Anhand der Digitalfotos können die Zuschauer genau wie die Hauptfiguren die Indizien interpretieren und entsprechend raten, wer als Nächstes sterben wird. ?Zu Anfang der folgenden Sequenz bekommt das Publikum eine ganze Reihe von Hinweisen, so dass es wirklich mitfiebern kann ? das war in den ersten beiden Filmen nicht möglich?, kommentiert Craig Perry.

Wendy und Kevin tun sich zusammen, um möglichst viele Leben zu retten ? ihr eigenes und das der anderen Überlebenden der Achterbahn-Katastrophe ? aber eigentlich passen die beiden gar nicht zueinander. ?Anfangs hält Wendy Kevin einfach nur für einen blöden Muskelprotz?, grinst Winstead. ?Sie duldet ihn nur, weil er der beste Freund ihres Freundes ist. Aber weil sie dann zusammen eine Menge durchmachen ? und dabei gemeinsame Freunde verlieren ? und weil sie sich als Team gut ergänzen, entsteht zwischen ihnen eine enge Freundschaft.?

Merriman beschreibt die Entwicklung, die Kevin durchmacht: ?Am Anfang lebe ich in den Tag hinein und klopfe ständig Sprüche. Ich spiele mit den Jungs Football und habe eine Freundin. Doch als ich meine Süße verliere, komme ich ins Grübeln ? ich denke über das Leben nach und frage mich, ob es wohl einen Grund für diese Schicksalsschläge gibt.?

?Wendy ist anfangs einfach nur wütend?, fährt Merriman fort. ?Aber ich werde aufgrund des Unfalls neugierig und will herausbekommen, was hier eigentlich abläuft. Ich bin dann auch derjenige, der die Verbindung zur Vorgeschichte mit dem Absturz von Flug 180 (die Anfangssequenz aus dem Originalfilm ,Final Destination?) entdeckt. Dadurch kommt die Sache ins Rollen: Wendy und ich versuchen die Hinweise auf den Fotos zu interpretieren.?

Bei der Besetzung des Films achteten die Filmemacher laut Craig Perry auf ganz spezifische Voraussetzungen: ?Unsere beiden Hauptdarsteller sollten das Charisma von Filmstars mitbringen, aber auch nicht so lächerlich abgehoben wirken, dass niemand ihnen die normalen Schulkids abnehmen würde. Wir wünschten uns ganz gewöhnliche Menschen in einer außergewöhnlichen Situation ? so als ob wir mitansehen müssten, wie unsere Freunde die Qualen der Hölle durchleiden.?

James Wong berichtet, wie er sofort erkannte, dass Merriman und Winstead goldrichtig für die Rollen sind ? sie waren bereits in ?The Ring 2? (Ring 2) gemeinsam aufgetreten. ?Gleich als Ryan den Raum betrat, merkte ich, dass er dem Kevin wunderbar entspricht?, sagt Wong. ?Kevin soll wie ein sympathischer Kumpel wirken, ein guter Freund, der ständig Faxen macht, der sich aber auch in der schwierigen Situation bewährt und Heldentaten vollbringen kann. Das alles mußs er ganz allein aus sich heraus bewältigen. Und außerdem soll er ein typischer Amerikaner, ein Junge von nebenan sein.?

?Mary verleiht Wendy die Seele?, fährt Wong fort. ?Der Unfall setzt ihr sehr zu, aber sie ist stark und bemüht sich, alles im Griff zu behalten.? Das Darstellerensemble zeichnet sich unter anderem durch seine Vielseitigkeit aus, die der Story zugute kommt. ?Alle Figuren des Films sind gut ausgearbeitet, und alle Schauspieler zeigen unglaublich unterschiedliche Charakterzüge?, stellt Perry fest. ?Sie haben es ihrer Persönlichkeit zu verdanken, dass sie so gut miteinander auskommen ? aber gerade junge Leute sind ja sehr anpassungsfähig und können sich auf die unterschiedlichsten Leute einstellen.?

Die 18-jährige Alexz Johnson ist die jüngste Darstellerin ? sie spielt das Goth-Girl Erin. Sie und ihr Freund Ian stilisieren sich ganz bewusst zu den Außenseitern der Gruppe. ?Zweimal habe ich für die Rolle von Wendys jüngerer Schwester Julie vorgesprochen?, erzählt Johnson. ?Beim zweiten Vorsprechen trug ich eine ausgesprochene Rocker-Jacke, und ich war echt schlecht gelaunt. Ich war schon auf dem Weg nach draußen, als sie mich noch mal holten und die Erin lesen ließen. In der Szene ist sie sehr sarkastisch drauf, und das passt zu meinem trockenen Humor ? darauf sind die Filmemacher offensichtlich abgefahren.?

Kris Lemche spielt den Ian, der im Film einen Großteil der besten Sprüche klopfen darf. Als die Kids in der Schlange vor der Achterbahn warten, weist er zum Beispiel darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Achterbahn-Unglück umzukommen, 1:150 Millionen beträgt ? Daraus folgt logischerweise, dass man viel wahrscheinlicher bei einem Autounfall auf dem Weg zum Freizeitpark stirbt als in der Achterbahn selbst.

?Er zählt ein paar interessante Fakten auf, die er offenbar alle im Kopf hat?, sagt Lemche. ?Und all das krause Zeug, das ich als Ian von mir gebe, habe ich zuvor nachgeprüft. Am ersten Drehtag sprach Ian in einem Dialogsatz über das so genannte Paradol-Konzept: Dabei geht es um den menschlichen Hang zu bizarren Dingen ? wir neigen dazu, ganz simple Umstände als Vorsehung zu interpretieren. Zum Beispiel, wenn jemand die Mutter Gottes in einer verbrannten Scheibe Toast erkennt. Das erleben viele Menschen. Am ersten Tag sagte mir das nichts, ich hatte noch nie davon gehört, es stand eben im Drehbuch, und ich mußste drauflosflunkern. Während der Leseproben hatte ich Glen Morgan darauf angesprochen, und er gab mir ein paar Unterlagen, nannte mir Websites, die ich mir ansehen sollte, und so habe ich mich die ganze Zeit über weitergebildet und mir die zufällig eingestreuten merkwürdigen Informationen geholt.?

Die ?Final Destination?-Serie hat sich nie einfach in eine Genre-Schublade pressen lassen. ?Ich würde ,Final Destination 3? als Thriller mit übernatürlichen Einflüssen bezeichnen?, sagt Produzent Craig Perry. ?Meiner Meinung nach enthält jeder ausgesprochene Horrorfilm Elemente des Übernatürlichen. Aber in unserer Serie spielt auch die Action eine große Rolle ? das liegt an der Methode, die der Tod für seine Rache wählt. Insofern ist ,Final Destination 3? ein Thriller mit übernatürlichen Elementen, der die Stärken des Horrorgenres nutzt, die übernatürlichen, unwirklichen Aspekte betont und sie mit Thriller-Elementen kombiniert: Action, Spannung, Beinahe-Katastrophen, wie man sie vom Genre erwarten kann. Es handelt sich also weniger um eine Synthese als um einen Bastard-Ableger der beiden Genres.?

Das Team merkte schnell, wie schwierig es ist, beide Genre-Einflüsse auszubalancieren. ?Jim Wongs Filme sind immer stark von Action geprägt, und schon die Logistik der Ereignisse in einer Szene bestimmt weitgehend, wie man sie ausleuchtet und filmt?, sagt Kameramann Rob McLachlan. Er und Produktionsdesigner Mark Freeborn arbeiteten bei der Gestaltung des Filmlooks sehr eng zusammen. McLachlan war bereits bei ?Final Destination? dabei, und Freeborn gestaltete zusammen mit Wong und Glen Morgan den eleganten Thriller ?Willard? (Willard).

?Gleich beim ursprünglichen Konzept zu ,Final Destination? überlegten wir, dass wir den Gruseleffekt nur erzeugen können, wenn wir uns von den Zuschauern nicht in die Karten schauen lassen?, sagt McLachlan. ?Wir dürfen das Publikum nicht darauf vorbereiten, wie es demnächst geschockt wird. Die Filme funktionieren so gut, weil sie sich in einer allseits bekannten Umgebung abspielen. Was da passiert, bewegt sich im Rahmen einer naturalistischen Realität. Also vermeiden wir bei der Beleuchtung auch alle Theatereffekte, die man in den meisten Horrorfilmen erlebt.?

?Aus meiner Sicht als Ausstatter wollte ich diesen Film etwas düsterer als die ersten beiden anlegen?, sagt Freeborn. ?Wir haben das Bildkonzept weiterentwickelt, es noch düsterer gestaltet und die optische Atmosphäre stärker betont als früher.? Bevor Wendy, Kevin und ihre Freunde die Achterbahn überhaupt betreten können, die den passenden Namen ?Teufelsflug? trägt, müssen sie zunächst durch ein unheimliches Tor gehen, das von einem zwölf Meter hohen Teufel bewacht wird.

?Farben sprechen Bände, wenn es um die Set-Atmosphäre geht, und auch die Schauspieler werden davon deutlich beeinflusst und in bestimmten Situationen ganz spezifischen Stimmungen ausgesetzt. Also kam nur eine Farbe für unseren gehörnten Freund in Frage: Rot?, berichtet Freeborn. ?Wir hatten Glück, denn die echte Achterbahn bestand aus roten Wagen auf roten Schienen. Das Thema Rot übernahmen wir also für unseren größten Studio-Set, die Achterbahn-Plattform, und so passte alles zusammen.?

Morgans und Wongs Drehbuch wirkt wie ein kompliziertes Puzzle ? ein Stück passt ans andere, und so entsteht langsam die Rekonstruktion des zersplitterten Bildes. ?Jim und Glen spielen sehr gern mit Worten, optischen Chiffren und Kinotricks ? das funktioniert so, als ob man Punkte mit einer Linie verbindet und daraus ein Bild entsteht?, fährt Freeborn fort. ?Bei den Videospielen am Anfang gibt es optische Signale, die auf die späteren Ereignisse verweisen. Bei einer Attraktion gibt es ein Schild namens ,High Dive?, bei dem die Glühbirne des ,V? ausfällt: Dive wird zu Die, sterben. Bei einem Videospiel heißt es ,Test Your Skill?, doch die Kamera zeigt das Schild so, dass das ,S? in Skill verdeckt ist.?

Toby Lindala ist für das Spezial-Make-up und die Masken zuständig ? er darf bei den zahlreichen Gags in ,Final Destination 3? aus dem Vollen schöpfen und filmgerechte Leichen(-teile) kreieren. ?Ich habe mit Jim und Glen schon an der ersten Staffel der Serie ,X-Files? (Akte X) gearbeitet ? nach wie vor freue ich mich über die tolle Teamarbeit. Als Autoren bringen sie sehr viel Erfahrung mit ? die erste Drehbuchfassung mußste deswegen kaum überarbeitet werden. Es war wunderbar, die Gags gemeinsam mit ihnen auszutüfteln?, sagt Lindala.

Alle Beteiligten erlebten die Filmarbeit als sehr spannend ? von den enthusiastischen jungen Darstellern bis zum intensiv aufeinander abgestimmten Team der Filmemacher und Techniker. Und während sich die Filmemacher daranmachen, ihr Werk auf die Welt loszulassen, sind sie äußerst gespannt darauf, wie ihr Zielpublikum ? junge Erwachsene ? auf diese Achterbahn-Fahrt reagiert.

?Solche Filme werden von jungen Erwachsenen bevorzugt, denn ihnen macht es besonderen Spaß, geschockt zu werden?, sagt Produzent Craig Perry. ?Sie begeben sich gern in Gefahr. Sie probieren aus, was sie ertragen können und was nicht. Und diesen Mut, diese Lust am Gruseligen bedienen solche Filme. Die Zuschauer wollen so etwas erleben, weil sie dabei kein Risiko eingehen.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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