Rent

Produktionsnotizen

Jonathan Larsons revolutionäre, Pulitzer-Preis-gekrönte Rock-Oper RENT erzählt die Geschichte einer Gruppe unkonventioneller Querdenker, die versuchen, in ihrem Leben ?die Liebe als Maßstab aller Dinge? nehmen und dies auch in ihrer Kunst auszudrücken. Im rauen New Yorker East Village kämpfen die Freunde um Erfolg und Anerkennung, während sich ihnen Hindernisse wie Armut, Krankheit und die Aids-Epidemie in den Weg stellen.

Die multi-kulturelle unkonventionelle RENT-Clique besteht aus durchweg leidenschaftlichen, aufsässigen Freigeistern: Da ist der aufstrebende Song-Schreiber Roger (ADAM PASCAL), der sich nach dem Selbstmord seiner Freundin emotional völlig zurückgezogen hat. Und so scheut er sich, mit der unter ihm wohnenden Go-Go-Tänzerin Mimi Marquez (ROSARIO DAWSON) ein neues Glück zu wagen, obwohl er sich zu ihr hingezogen fühlt. Mimi selbst hat ebenfalls mit einigen Problemen zu kämpfen.

Rogers Mitbewohner, der Filmemacher Mark (ANTHONY RAPP) versucht währenddessen, Kunst und Kommerz unter einen Hut zu bringen. Seine Freundin Maureen (IDINA MENZEL), eine sinnenfrohe Performance-Künstlerin, hat ihn just verlassen ? wegen einer Anwältin namens Joanne (TRACIE THOMS). Zur eingeschworenen (Haus-)Gemeinschaft gehört auch Philosophie-Professor Tom Collins (JESSE L. MARTIN), der nach einem Überfall von seinem Seelenverwandten, dem quirligen Straßentrommler Angel Shunard (WILSON JERMAINE HEREDIA) gerettet wird.

Nur Benny (TAYNE DIGGS), einst ebenfalls ein Freund, hat sich der Gruppe entfremdet, nachdem er die Tochter des Vermieters geheiratet hat. Als er seine Zusage aufkündigt, den einstigen Mitstreitern weiterhin mietfrei Räume für ihre Kunstprojekte zur Verfügung zu stellen und mit Zwangsräumung droht, wird aus dem Freund ein Feind. In Zusammenarbeit mit 1492 Pictures präsentieren Revolution Studios und Tribeca Production einen Chris-Columbus-Film, der auf dem Musical RENT von Jonathan Larson basiert.

Jonathan Larson und das Musical "Rent" RENT, inspiriert von Puccinis Opern-Klassiker ?La Bohème?, gewann 1996 den Pulizer-Preis in der Kategorie Drama, einen Obie Award, den New York Drama Critics Circle Award, vier Tonys sowie drei Drama Desk Awards ? alles nach dem tragischen, viel zu frühen Tod von RENT-Schöpfer Jonathan Larson. Larson war am Abend der ersten Vorpremiere an einer Arterienerweiterung gestorben. Das Stück entpuppte sich als phänomenaler Erfolg, der nicht nur die Karrieren der Hauptdarsteller ankurbelte. Dem Musical gelang es außerdem, ein junges, begeisterungsfähiges Publikum für sich einzunehmen, weil es ihm eine Botschaft von Liebe und Hoffnung mit auf den Weg gab. So brachte RENT neuen Schwung an den New Yorker Broadway.

?Jonathan schaffte es nicht nur, sein Publikum zu unterhalten. Er schrieb zudem ein Stück, das Substanz hatte und in dem , vor allem junge Menschen ihr eigenes Leben wiederfanden?, erläutert Julie Larson, Ko-Produzentin und Schwester des Autors. ?Er hatte sowohl eine glasklare Vorstellung von dem, was er tat, als auch das Zeug, sie umzusetzen. Jonathan war davon überzeugt, dass das amerikanische Musical sterben würde, wenn es nicht jemandem gelänge, wieder junges Publikum in die Theater zu locken.?

?Meiner Meinung nach ist RENT ein Sprachrohr für junge Menschen?, sagt Rosario Dawson, die in der Kinofassung die Rolle der Mimi übernimmt. ?Ich denke, der Grund, warum sie das Stück so bewegt ist der, dass es genau das ausdrückt, was sie uns zu kommunizieren versuchen. Es unterstützt sie in ihrem Bestreben, Konventionen hinter sich zu lassen und ihr Leben zu entdecken. RENT gibt jungen Leuten die Möglichkeit zu sagen ?Ich bin was ich bin?. Sie sehen diese Show, die all das feiert, und sie fühlen sich verstanden ? in einem Forum, das ihnen hilft, ihre unterschiedlichen Ideen auszudrücken. Und es ihnen vielleicht sogar einfacher macht, diese dann ein bisschen besser zu artikulieren.?

Dramatiker Larson schuf authentisch wirkende Figuren, die sich realen Sorgen und Problemen stellen müssen. Sie erscheinen so lebendig, dass sich das Publikum mit ihnen verbunden fühlt und dass sie die Fantasie der Zuschauer beflügeln. ?Jonathans Musical-Rollen sind wahrhaftig?, bestätigt Wilson Jermaine Heredia, der für seinen Part als Angel einen Tony gewann. ?Sie basieren auf Menschen, die er kannte, meist Schriftsteller, Künstler oder Sänger. Ich glaube, darum berührt das Stück die Zuschauer so sehr. Die Figuren wirken echt.?

Wie wichtig diese Aussage sein würde, war allen Beteiligten bereits während der Vorbereitungsphase klar. Larsons Vision, ursprünglich ein Workshop-Projekt, zu einem anspruchsvollen und schwindelerregend erfolgreichen Broadway-Hit weiterzuentwickeln, war für jeden einzelnen Schauspieler eine einzigartige Erfahrung. ?Wir sind für diese Show durch die Hölle gegangen?, erinnert sich Jesse L. Martin, Originalbesetzung für Tom Collins.

?Das ganze Projekt begann als ein Workshop des New York Theaters und wir hatten Jonathan Larson immer dabei, verstehen Sie? Dann verloren wir ihn zu Beginn der heißen Phase. Aber alle haben zusammengehalten und beschlossen, den Schwung, die Relevanz und die Energie des Stückes um jeden Preis zu erhalten.?

?Jonathans Tod schweißte uns zusammen?, ergänzt Idina Menzel, die Original-Maureen der Bühnenfassung. ?Wir hatten alle dieselbe Mission: Sein Stück und seine Musik bekannt zu machen. Das rückte uns die Köpfe zurecht und ließ uns egoistische Gedanken wie ?Was wird aus uns und unseren Karrieren?? vergessen. Es ging vielmehr um ihn und wie wichtig es war, dass die Leute mitbekamen, was er mit seinem Stück zu sagen versuchte.?

In wohl keinem Augenblick der Show wird dies deutlicher als bei Larsons Lied No Day But Today. ?Jeden Abend auf der Bühne diese Zeilen zu singen und dabei im Hinterkopf zu haben, was wir alles durchgemacht hatten und zu wissen, dass das Publikum dies wusste, war für alle eine fast metaphysische Erfahrung?, fährt Menzel fort. ?Die Energie, die da jeden Abend zu uns zurückkam, war schier unglaublich.?

?Jonathan hat mit einer Sache ins Schwarze getroffen?, fügt Anthony Rapp hinzu, der seinen Part als Mark sowohl am Broadway wie auch jetzt in der Filmfassung spielt. ?Er sagte einfach die Wahrheit darüber, wie es war, zu dieser Zeit in New York zu leben. Er zeigte den Existenzkampf und wie es sich anfühlte, geliebte Menschen zu verlieren und die Angst, die man davor hatte. Wenn du etwas so Wahrhaftiges siehst, ist das ein außergewöhnliches, ein einschneidendes Erlebnis. Im Laufe der Jahre haben Zuschauer zu uns Sätze wie ?Diese Show hat mein Leben verändert? und ?Danke, dass ihr mir eine Alternative gezeigt habt? gesagt, und ich glaube, das haben sie auch wirklich so gemeint. Dinge wie diese sagt man selten einfach so.

?Der eigentliche Star ist das Material?, sagt Newcomerin Tracie Thoms, die im Film die Rolle der Joanne übernimmt. ?Egal was wir anstellen, egal wie wir gut sind, nichts wird je Jonathans Story überschatten können. Wir sind dazu da, Jonathan und seinem Werk zu dienen ? und all den Fans, die von dem Stück begeistert oder bewegt waren. Oder die RENT gar gerettet hat.?

RENT liegt bei den am längsten laufenden Broadway-Shows mit rund 4.000 Vorführungen zurzeit auf Platz acht. Inszenierungen von RENT waren rund um den Globus zu sehen: in Australien, Kanada, Estland, Deutschland, Ungarn, Irland, Italien, Japan, Mexiko, den Niederlanden, den Philippinen, Skandinavien (Dänemark, Finnland, Island, Schweden), Süd-Korea und Großbritannien. Für dieses Jahr sind Shows in Belgien, Russland, China, Hong Kong, Singapur, Südafrika, Malaysien, Taiwan und Thailand anvisiert.

1996 gewann RENT den Pulitzer-Preis in der Kategorie Bestes Drama, außerdem einen Obie Award, den New York Critics Circle Award, vier Tonys und drei Drama Desk Awards. ?Jonathan war felsenfest davon überzeugt, dass RENT wie eine Bombe einschlagen würde?, erinnert sich Julie Larson.

?Aber ich glaube, was in den vergangenen neun Jahren passiert ist, hätte selbst er nicht für möglich gehalten ? dass das Stück immer noch am Broadway läuft, dass es in so vielen Sprachen auf der ganzen Welt aufgeführt wird und dass es jetzt sogar verfilmt wird. Ich bin so stolz auf das, was mein Bruder geschaffen und was er damit erreicht hat. Trotzdem bin ich manchmal tieftraurig darüber, dass er nicht bei uns sein kann, um zu sehen, wie viele Menschen er bewegt und wie viele Leben er verändert hat.?

Um Jonathan Larsons Erbe und seine Musik lebendig zu halten, schuf seine Familie die Jonathan Larson Performing Arts Foundation. Die Stiftung wurde 1996 kurz nach seinem Tod gegründet und bietet viel versprechenden Nachwuchskomponisten, -lyrikern und ?schriftstellern emotionale und finanzielle Unterstützung.

Wie "Rent" auf die Leinwand kam Regisseur Chris Columbus (Home Alone/Kevin ? Allein zu Haus, 1990; Mrs. Doubtfire/Mrs. Doubtfire ? Das stachelige Kindermädchen, 1993; Harry Potter and the Sorcerer?s Stone ? Harry Potter und der Stein der Weisen, 2001) sah RENT, kurz nachdem die Show auf dem Broadway Premiere hatte. Er war so hingerissen, dass er Michael Barnathan und Mark Radcliffe, seine Geschäftspartner von 1492 Pictures, sofort drängte, das Stück ebenfalls umgehend zu sehen. Beide reagierten ähnlich begeistert.

Sie waren nicht nur von Jonathan Larsons wunderbarer Musik und seinen Texten angetan, ihnen gefiel auch die kraftvolle und ehrliche Art, mit der das Stück kritische und aktuelle Lebensfragen behandelte. ?Die Show ging gleich zwei wichtige Grundsatzfragen an, die uns alle beschäftigen: ?Was fange ich mit meinem Leben an?? und ?Mit wem werde ich es verbringen???, erläutert Radcliffe. ?Dazu kommt in diesem Fall erschwerend hinzu, nur noch eine begrenzte Zeit zum Leben zu haben. Wie würde ich mit diesem Problem umgehen??, fährt er fort.

Nachdem Columbus, Radcliffe und Barnathan das Theater verlassen hatten, konnten sie nur noch über eines reden: ?Wie großartig es wäre, einen Film mit derselben Energie, Kraft und emotionalen Intensität wie die Show zu drehen, die wir gerade auf der Bühne erlebt hatten?, erinnert sich Produzent Barnathan. ?Für mich handelt RENT davon, mit Emotionen umgehen zu lernen und sich auf das Gefühl einzulassen, das erste Mal verliebt zu sein?, sagt Columbus. ?Und trotz einiger dunkler Aspekte ist es für mich ein Stück über Hoffnung, Verständnis und die Erkenntnis, dass man jeden Tag bis zum letzten ausleben sollte.?

RENT auf die Leinwand zu bringen, wurde für Columbus zur Passion. Mehrere Jahre lang versuchte er vergeblich, die Rechte für das Stück zu erwerben, die Jane Rosenthals und Robert De Niros Tribeca Productions gehörten. 2004 schafften es die drei endlich, sich mit Tribeca zu einigen und so die Finanzierung des Projektes sicherzustellen. ?Ich telefonierte gerade mit Chris und gestand ihm, das unsere Förderung soeben den Bach runter gegangen sei, als sich Joe Roth (Gründer von Revolution Studios), der mein Gespräch mit angehört hatte, umdrehte und sagte: ?Falls du von RENT sprichst, ich finanziere euch den Film.? Innerhalb einer Woche hatten wir einen Deal?, erzählt Barnathan.

Als Jane Rosenthal erfuhr, dass Revolution Studios grünes Licht für die Finanzierung von RENT gegeben hatte, reagierte sie überaus erfreut: ?Bob (De Niro) und ich haben fast ein Jahrzehnt lang versucht, dieses Projekt auf die Leinwand zu bringen. Wir waren deshalb begeistert, dass Chris und 1492 es geschafft hatten, genügend Gelder zusammenzubringen, um dieses Herzblut-Projekt endlich zu realisieren.?

Obwohl es nach Aussagen von Columbus im Hinblick auf seine früheren Filme nicht offensichtlich erscheinen mag, hat der Regisseur eine starke Affinität zu der Geschichte, die RENT erzählt. ?Ich habe 17 Jahre lang in New York gelebt, auch in den 80ern, also genau in der Zeit, in der RENT spielt. Ich teile eine Menge dieser Erfahrungen. Wir waren bettelarm und lebten drei Jahre lang auf einem Dachboden in der 26ten Straße in Manhattan?, erzählt er.

?Ich konnte mich genau in das hineinversetzen, was Mark (Anthony Rapp) und Roger (Adam Pascal) durchmachen müssen. Ich kannte Menschen wie sie. RENT war für mich deshalb eine Möglichkeit, einen wichtigen Teil meines Lebens wiederaufleben und meine eigenen Erfahrungen einfließen zu lassen. All die Zeit hatte ich Angst, dass jemand, der nicht über meine Erfahrungen verfügte, der nicht in dieser Welt gelebt hatte, das Stück verfilmen würde. Mir war es sehr wichtig, keines der Elemente des Stücks zu homogenisieren. In gewissen Punkten wollte ich den Film sogar noch gewagter machen, weil dieses Medium die Möglichkeit bietet, alles wesentlich realistischer erscheinen zu lassen.?

Nachdem er Revolution Studios und Tribeca als Geschäftspartner sicher hatte, setzte sich Columbus mit Mitgliedern von Larsons Familie zusammen ? seiner Schwester Julie und seinem Vater Al Larson. Sie verstanden sich sofort. Nach Jahren voller Fehlstarts fühlten sich die Larsons endlich in guten Händen und vertrauten Columbus RENT voller Begeisterung an.

?Sieben, acht Jahre haben wir eine schwere Bürde mit uns herumgetragen: Zum einen, weil wir uns entschlossen hatten, eine Verfilmung von RENT grundsätzlich zu gestatten, zum anderen, weil wir uns fragten: Was würde das nur werden?? erinnert sich Ko-Produzentin Larson. ?Wir hatten keine Ahnung. Wir wussten lediglich, dass es anders sein müsste. Uns graute davor, die Fans oder meinen Bruder zu enttäuschen. Deshalb hat uns das Ganze wirklich zu schaffen gemacht.?

?Ich bin der Auffassung, dass das Projekt all diese Zeit und all diese Fehlstarts gebraucht hat, um bei Chris zu landen?, fährt Larson fort. ?Ich war zwar trotzdem sehr nervös angesichts der Vorstellung, aus RENT einen Film zu machen, aber nachdem wir Chris getroffen hatte, waren wir so zuversichtlich, dass wir ihm den Zuschlag gegeben haben.?

Die engen Bande hielten auch während Filmproduktion: Larsons Vater Al war bei den Dreharbeiten ein regelmäßiger, Zuspruch spendender Gast. ?Al jeden Tag am Set zu haben war eine glückliche Fügung. Er war wie meine persönliche Verbindung zu Jonathan Larson?, sagt Columbus. ?Ich habe Jonathan nie kennen gelernt. Ich habe zwar über ihn gelesen, Dokumaterial gesehen und mit einigen seiner Freunde gesprochen, aber dank Al gab es auf einmal diese emotionale Verbindung und dadurch ein ganz anderes Inspirationslevel. Al war der inoffizielle ?Set-Papa? und war allzeit und für jeden für uns da.?

DAs Casting Die Stärken der RENT-Bühnen-Fassung waren neben der schauspielerischen Begabung die emotionale Intensität des Ensembles. ?Wir haben uns alle angeschaut ? Nachwuchsschauspieler, bekannte Celebritys und fast jeden, der bei der Show mitgespielt hat?, beschreibt Radcliffe den Versuch, für die Leinwandversion einen ähnlich begabten Cast zusammenzutrommeln. ?Am Ende war Chris der Auffassung, dass es schwer sein würde, die Leidenschaft und das Talent der Originaldarsteller zu erreichen.?

?Diese Schauspieler verbindet etwas, was selten und tragisch zugleich ist. Sie erlebten Jonathan Larsons Tod wenige Stunden vor der Vorpremiere mit. Die verwirrenden Gefühle und intensiven Emotionen, die dieses traurige Ereignis auslöste, hat ihre Leistungen auf der Bühne fast zwei Jahre lang angeheizt. Abgesehen also von ihrer unglaublichen Begabung bringen alle Darsteller eine seltene Fülle und Tiefe in das Stück ein, ebenso eine enge Beziehung zum Material. Das kann man nur nach solch einem gemeinschaftlichen Erlebnis?, erläutert Columbus seine Entscheidung.

?dass Chris uns besetzt hat, macht ihn in meinen Augen zu einem Genie?, sagt Adam Pascal, der den Part des Roger auf der Bühne spielte und jetzt in derselben Rolle auf der Leinwand zu sehen ist. ?Allein den Weitblick zu haben, auf das Originalensemble zurückzugreifen und nicht einfach einen Haufen von Hollywood ?It-Kids? zu nehmen, ist schlichtweg großartig.?

?Eigentlich war es ein im Leben einmalige Erfahrung?, fügt Anthony Rapp hinzu. ?dass wir sie jetzt durch den Film ein zweites Mal durchleben dürfen, macht mich sprachlos. Tja, was soll ich sagen? Danke, Chris Columbus und vielen Dank Joe Roth, dass du Chris den nötigen Spielraum gegeben hast, um dieses Projekt auf die Beine zu stellen.?

Die Filmemacher waren einmütig der Auffassung, dass alle Mitglieder der Originalbesetzung ? Anthony Rapp, Adam Pascal, Jesse L. Martin, Wilson Jermaine Heredia, Idina Menzel und Tayne Diggs ? ebenso jugendlich und fit wirkten wie zu der Zeit, als sie das erste Mal auf der Bühne ihre Rollen spielten. Zu ihnen gesellten sich zwei Neuzugänge: Rosario Dawson und Tacie Thoms.

?Sie waren alle unglaubliche Sänger, allesamt Profis, die ihre Rollen selbst entwickelt hatten. Und zu diesem verschworenen Haufen stieß nun ich?, erinnert sich Rosario Dawson. ?Ich hatte echt Angst und war froh, dass Tracie bei mir war. Am Ende war jeder von ihnen ein wunderbarer Kollege und sehr herzlich zu uns.? Juilliard-Absolventin Thoms war seit dem Augenblick, in dem sie RENT zum ersten Mal sah, ein bekennender ?Renthead?. Trotz ihrer Faszination für das Stück wurde sie nie für eine der Bühnenproduktionen besetzt. Jetzt schaffte sie es in die Filmfassung.

?Eine Zeit lang war ich von RENT beinahe besessen?, gesteht Thoms. ?Jetzt mit von der Partie zu sein ist deshalb umso aufregender. Der Moment, wo jemand sagte: ?...Okay, du bist doch so ein großer Fan dieser Schauspieler. Komm her und dreh einen Film mit ihnen?, ? der war großartig und gleichzeitig beängstigend. Aber der gesamte Cast hat Rosario und mich sofort ins Herz geschlossen.?

?Was mir vor allem auffiel, waren Rosarios und Tracies Aufregung und ihre Begeisterung und wie sie davon geschwärmt haben, dabei sein zu dürfen?, blickt Rapp zurück. ?Meiner Meinung nach kannst du diese Show, beziehungsweise diesen Film nur machen, diese Geschichte nur erzählen und diese Songs nur singen, wenn du es von ganzem Herzen und aus tiefster Seele tust. Tracie und Rosario waren von Anbeginn an voll dabei.?

?Rosario und Tracie haben es geschafft, fast sofort Teil unserer Familie zu werden?, pflichtet Martin bei. ?Alles passte wie angegossen, es war eine unglaubliche Erfahrung. Ich bin froh, dass sie dabei waren, so habe ich ganz nebenbei zwei neue Freunde gewonnen.? Das Casting der beiden Rollen sei sehr unterschiedlich verlaufen, so Barnathan. Im Fall von Dawson hatten noch nicht viele Schauspielerinnen für den Part der Mimi vorgesprochen, und Chris und Rosario verstanden sich auf Anhieb. Anders bei Thoms: Hier hatten die Filmemacher bereits eine ganze Reihe begabter Sängerinnen und Schauspielerinnen für die Rolle der Joanne zur Auswahl, waren sich jedoch schlussendlich einig, dass Thoms sie um Längen ausstach.

?Rosario war als junges Mädchen Hausbesetzerin?, erläutert Barnathan. ?Sie fühlte sich in dieser Welt, in diesem Viertel von New York City und mit diesen Menschen wohl. Dieses Leben war für sie normal ? und das merkte man auch. Das erste Treffen mit Chris und mir war richtig magisch: Sie sang ?Without you? und wir hatten beide Tränen in den Augen.?

?Chris wurde ganz nervös und sagte: ?Ich mußs raus gehen und mit ihr reden. Ich mußs ihr sagen, dass sie die Rolle hat?, fährt Barnathan fort. ?Dann rannte er regelrecht hinaus. Das passiert sonst nie ? so was macht man einfach nicht.? Den Part der Joanne zu besetzen war dagegen ein langwieriger und aufwändiger Prozess. Nachdem die Filmemacher diverse potenzielle Joannes zum Vorsprechen gebeten hatten, landeten fast zwei Dutzend talentierte Bewerberinnen in der Endauswahl.

?Wir hatten so ungefähr 20 Sängerinnen, die alle fantastisch waren?, erinnert sich Barnathan. ?Chris bat uns, sie alle aufzunehmen, damit er sich die Bänder angucken könne. Wir setzten uns also zusammen und als wir bei Tracie angelangt waren, sagte Chris nur: ?Sie ist Joanne.? Ich sagte: ?Was ist mit dem Rest?? Aber er entgegnete: ?Nein, die ist es.??

The music, the movement, the message Obwohl viele Mitglieder der Besetzung sofort wieder mit dem Material vertraut waren, bestand Columbus auf einer ausgedehnten Pre-Production- und Probenphase, damit sich die Darsteller mit den neuen Arrangements und Anforderungen vertraut machen konnten, die die Filmadaption an sie stellte. Dabei standen ihm Musikproduzent Rob Cavallo und Stimmtrainer Tim Weil zur Seite, der als Music Supervisor bereits eng mit Jonathan Larson an der Bühnenfassung gearbeitet hatte.

Columbus war von Anfang an klar, dass der Soundtrack härter als die Bühnenfassung klingen mußste ? mit einem echten Rock?n?Roll-Kern. Rob Cavallo heuerte daraufhin fünf Rock-Musiker an, die sich auf ihr Handwerk verstanden und begann, mit Drums, Bass, zwei Gitarren und einem Keyboard, die Musik in diese Richtung umzuarbeiten. Die neuen Arrangements wurden in den El Dorado Studios in Los Angeles eingespielt.

?Sie gingen die Stücke wie eine Rock-Band an und nicht so, wie man es sonst üblicherweise für einen Score tut?, erläutert Barnathan. ?Cavallo steckte die Band in ein Zimmer und die Jungs zerschrammelten die Songs so lange, bis sie richtig rockten. Chris fand das echt aufregend, weil er unbedingt wollte, dass die Musik authentisch klang.?

?Kreative Menschen bringen Kreativität in jeden Prozess ein, egal in welchem Entwicklungsstadium er sich gerade befindet?, sagt Weil, der für Jonathan Larson zunächst als Pianist für das Probesingen arbeitete und später als Music Director für das Stück engagiert wurde. ?Robs Arbeit habe ich immer als sehr inspirierend empfunden?, fährt er fort. ?Die Jungs, die die Stücke gespielt haben, waren fantastische L.A.-Studio-Musiker, echte Profis, die ihre eigenen Ideen einfließen ließen und die Rob dann mit Produzentengespür filterte. Es war wie ein frischer Luftzug, warf einen völlig neuen Blick auf das Material, das ohnehin großartig ist.?

Während die Musik in Los Angeles eingespielt wurde, bereitete Tim Weil das Ensemble in San Francisco auf die Aufnahmen ihrer Gesangsparts vor. ?Es gab einige Passagen in der Musik, die Tim schon immer ändern wollte und andere, von denen er unbedingt wollte, dass sie unangetastet blieben ? Dinge, die Jonathan sehr am Herzen gelegen hatten?, sagt Thoms. ?Tim war unerlässlich, um die Magie aller Stücke zu erhalten, sie aber gleichzeitig etwas aufzumotzen und zu experimentieren.?

Die fertige Musik wurde nach Nordkalifornien geschafft, wo der Cast bei Skywalker Sounds seine Stücke einsang. Die Aufnahmen dauerten 28 Tage, in denen jeder Schauspieler fleißig mit Weil übte. ?Bei Skywalker, wo wir den Gesang aufnahmen, waren alle aufgeregt und nervös, besonders die Cast-Mitglieder, die bereits vor zehn Jahren in der Show gesungen hatten?, sagt Barnathan. ?Sie hatten das Gefühl, an einen Ort zurückzukehren, von dem sie gedacht hatten, ihn nie wiederzusehen.?

Der Soundtrack, der ? abgesehen von den Bläser- und Streicher-Parts, die später hinzugefügt wurden ? bereits vor Beginn der Dreharbeiten fertig war, spielte in jeder Szene eine entscheidende Rolle. Zu den Aufnahmen sangen und/oder spielten die Schauspieler später lippensynchron ihre Gesangsparts durch und fügten ihre Tanz-Einlagen hinzu, die von Choreografie-Profi Keith Young entworfen und ausgearbeitet worden waren.

?Ich begann meine Arbeit damit, dass ich nach New York fuhr, um mir die Show anzusehen?, sagt Young. ?Ich ging sogar einige Male hintereinander hin, um möglichst alles aufzusaugen, um Larsons Werk richtig interpretieren zu können und um die Essenz des Stückes zu erfassen. Dann bereitete ich jeden Tanz mit einer aus acht Tänzern bestehenden Kerntruppe vor und zeigte ihn Chris, um dies als Ausgangsposition für unsere Gespräche zu nehmen. Das ermöglichte es uns, den Tanz von diesem Punkt aus weiterzuentwickeln.?

Bei jedem Entwurf, den Young anging, stellte er sich dieselbe essenzielle Frage: ?Erzählt diese Bewegung die Geschichte? Könnte jemand den Film ohne Musik, ohne Text, ohne Anleitung sehen und trotzdem noch verstehen, um was es geht? Ich tüftelte so lange, bis ich diese Frage mit Ja beantworten konnte.? Um die emotionale Kraft des Tango-Mareen-Stücks herauszuarbeiten, mußste Young beispielsweise einen Tanz konzipieren, der nicht nur zu den Rollen von Mark, Maureen und Joanna passte, sondern auch das Feuer und das Gefühl des Songs widerspiegelte.

Der Tango diente, wie alle Nummern in dem Film, gleich einem doppelten Zweck: Die Erzählung voranzutreiben, in dem sie die in der Szene vorherrschenden Gefühle ausdrücken und dem Publikum gleichzeitig Zusatzinformationen über die Charaktere zu liefern. ?Wie würde dieser Kerl, der ein ziemlich armer Tropf ist, dies alles sehen?? fragte sich Young. ?Er ist in Maureen verliebt, die ihn betrogen hat, trotzdem ist er ihr gegenüber großzügig und will ihr helfen. Ich malte mir aus, wie er seinen mehr oder weniger schlimmsten Albtraum durchleben würde ... einen trotz alledem schönen Albtraum.?

Sein Tanz, oft als Dance Of Love bezeichnet, ist deshalb voller dramatischer Bewegung. ?Jedes Paar, von den Hauptdarstellern bis zu denen, die weit entfernt von der Kamera standen, mußsten diesen Tango wie eine Einheit tanzen?, sagt Young. ?Zum Glück fand ich ausgezeichnete Tänzer, die genügend Grazie, Charisma und Geschmeidigkeit mitbrachten und gleichzeitig die Story tragen konnten.?

Besetzung und Filmemacher waren sich einig, dass die Texte, kombiniert mit Musik und Tanz, der Geschichte der Bohemian-Truppe hinreichend Dynamik und Ausdruck verliehen. Obwohl einige Dialoge ins Drehbuch eingefügt wurden, wird der Großteil der Story immer noch durch die Songs erzählt. Schließlich war es Larson damit bereits gelungen, das Stück einem großen Publikum zugänglich zu machen und ihm einen unterhaltsamen Theaterabend zu bescheren.

Larsons Zeilen und Melodien halfen, Barrieren zu überwinden und die Zuschauer die Probleme nachempfinden zu lassen, mit denen sich jede Figur konfrontiert sah ? Aids, Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit, Homosexualität, kreativer Frust und Verluste. Gleichzeitig flossen die Energie und Virtualität seiner Worte in die Figuren ein, gaben ihnen Hoffnung und halfen ihnen, ihr Leben trotzdem zu genießen und auf einen Neuanfang zu hoffen ? ähnlich erging es auch dem Publikum.

?Ich bin stolz, bei einem Projekt mitzumischen, das sich mit so vielen grundlegenden Fragen der heutigen Gesellschaft auseinandersetzt. Ich fühlte mich geehrt, eine Rolle im Vermächtnis meines Freundes John Larson zu spielen?, sagt Diggs. ?Ich denke, die Musik von RENT hat etwas, was den Menschen dabei hilft sich in deiner Weise zu öffnen, in der sie es nicht täten, wenn sie sich unterhalten würden?, sagt Martin. ?Wenn ich ihnen einfach nur erzählen würde, dass ich Aids hätte, dass ich wahrscheinlich bald sterben werde und ihnen dann meine Freundin vorstelle, die eine Drag Queen ist, wäre das einfach nicht dasselbe. Weil wir aber darüber singen, ist das alles ein wenig leichter verdaulich.?

?Musik hat die sonderbare Angewohnheit, sich an Menschen heranzupirschen und sie Dinge empfinden zu lassen, die sie nicht unbedingt empfinden würden, wenn jemand sie schlicht darüber belehren würde?, fügt Menzel hinzu. Mit Akkorden, Noten und Stimmen transportiert sich eine Wahrheit, die aus mehr als nur Worten besteht.?

?Meiner Meinung nach unterscheidet sich RENT sehr von anderen Musicals, die für die große Leinwand adaptiert werden?, sagt Heredia. ?Unser Bühnen-Musical war ein Anti-Musical. Und ich glaube, dass daraus auch ein Anti-Musical-Film wird. Ihm fehlen die großen aufwändigen Nummern zum reinen Selbstzweck. Jede einzelne Nummer erzählt tatsächlich eine Geschichte.?

Von der Bühne zum Film - Die Umsetzung ?In jeder Entscheidung, die Chris getroffen hat, ging es darum, das ganze echt wirken zu lassen?, sagt Barnathan. ?Auf der Bühne wurde ausschließlich gesungen. Chris wandelte einige der Songs in Dialoge um. Weil der Film natürlicherweise realer anmuten würde als die Bühnenfassung, war er der Meinung, dass gesprochene Parts dazu beitrügen, dem Publikum diese Realität noch deutlicher zu machen. Außerdem würden einige Handlungsstränge so transparenter.?

Obwohl Columbus das Skript überarbeitete und Änderungen vornahm, konnte er jederzeit auf Rückenstärkung von Seiten der Larson-Familie zählen. ?Sie standen völlig hinter Chris? Vorstellung von der Show?, betont Barnathan. ?Chris nahm einige Lieder heraus und ersetzte sie durch Dialoge. Aber die Larsons haben ihm nie ihre Unterstützung versagt. Sie waren davon überzeugt, das Jonathans Geist trotzdem zu spüren sein würde.?

Nachdem das Drehbuch fertig gestellt war, stellten die Produzenten ein Kreativ-Team zusammen, das sich Larsons Musik und der Botschaft seines Stücks mit ebenso viel Respekt wie der Regisseur annahmen. Jeder von ihnen arbeitete eifrig daran, der Essenz des Materials treu zu bleiben. Gleichzeitig genossen sie den Luxus, die Grenzen des Theaterstücks aufbrechen zu können, indem sie die Story für ein neues Medium adaptierten.

Um RENT eine angemessene Optik zu geben, wandte sich Columbus an Kameramann Stephen Goldblatt, der, so Columbus, ?ein unglaubliches Auge? hat. ?Er ist wohl einer der fünf besten Kameramänner unserer heutigen Zeit. Stephen und ich waren uns sofort darüber einig, was für eine Art von Film wir drehen wollten. Wir wollten ein Gefühl von Echtheit. Er sollte nicht zu aufpoliert oder hübsch wirken. Die Geschichte ist eine extrem emotionale Erfahrung. Ich liebe das Stück, weil ich völlig fertig war, nachdem ich es gesehen hatte. Ich dachte, wenn ich den Film in einer realistischen Umgebung ansiedele und alles sehr echt und wahrhaftig aussehen lasse, wird sich auch das Publikum emotional auf die Lieder einlassen.?

?Wir wollten dem treu bleiben, was Jonathan beabsichtigt hatte ? alle von uns wollten das?, sagt Goldblatt. Wir empfanden das allerdings nicht als Bürde, sondern als Vergnügen. Denn in der Kunst ist etwas, was wahrhaftig ist, immer ein echtes Vergnügen. Und genau das war bei RENT der Fall.? Dieses Maß an Echtheit wurde auch vom Produktionsdesign erwartet. ?Das Originalstück hatte einen sehr elementares Set?, erläutert Produktionsdesigner Howard Cummings. ?Es war ein sehr einfaches Theater ohne Schnickschnack.?

Um dieser Schlichtheit Rechnung zu tragen, beschloss Cummings, einige Originalelemente beizubehalten, von denen er meinte, dass sie die Emotionen des jeweiligen Songs am besten transportieren würden. Für die atemberaubende Nummer Seasons Of Love benutze Cummings eine leere Bühne, um die Klarheit und Kraft zu erhalten, mit der das Stück im Theater vorgetragen worden war.

?In dem Song geht es weniger um die Geschichte von RENT als darum, die Gefühle aller Figuren darüber zusammenzufassen, wie sie zu einer Familie wurden und darüber, wie Liebe wächst. Das ist auch einer der Gründe, warum wir uns dafür entschieden, den Film mit Seasons Of Love zu eröffnen, und ich schlug in diesen Zusammenhang vor, die Darsteller auf eine leere Bühne zu stellen, ganz schlicht und einfach. Wir haben im Paramount Theatre in Oakland gedreht, das die perfekte Broadway-Bühne hat ? Dampfleitungen und Licht und Schlichtheit.

Zwar behielten die Filmemacher stets Larsons Vision im Hinterkopf, trotzdem hatten sie eine ganze Reihe mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsorte zur Verfügung als bei einem Bühnenstück: So machten sie Außenaufnahmen in New York City, bauten auf dem Studiogelände einzigartige Sets und drehten zudem in diversen anderen Innen-Locations. ?Chris war es wichtig, dass wir das ungeschminkte Gesicht der Lower East Side einfingen?, erinnert sich Barnathan. ?Die Dreharbeiten in New York ermöglichten es Stephen (Goldblatt), dem Film seinen ungeschminkten, echten und ruppig schönen Look zu geben.?

Ein Großteil der Außenaufnahmen wurde in New York gedreht. Cummings begann seinen Job damit, in Manhattan ganze Straßenzüge zu fotografieren, um jede Szene in der richtige Umgebung ansiedeln zu können. ?Ich besuchte vor allem Gegenden, von denen ich wusste, dass sie sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert hatten?, erinnert er sich.

In den Straßen von New York zu filmen war für die Mitglieder der Originalbesetzung eine völlig neue Erfahrung: ?Das surrealistischste Erlebnis, das ich in diesem Zusammenhang hatte, war eine groß angelegte Song-Szene, in der ich What You Own singe, während ich die siebente Straße des East Villages hinunterlaufe?, sagt Rapp. ?Da war ich also mitten in der Nacht, genau zwischen Avenue A und B, zu meiner Linken der Tompkins Square Park, zu meiner Rechten diese Häuserreihe. Es war bitterkalt, ich ging die Straße hinunter während die Musik in meinen Ohren schmetterte und dachte nur: ?Das ist der Wahnsinn.??

Weitere Außendrehorte in New York waren neben anderen Gegenden des East Village die East Side Community High School, der Flatiron District in Manhattans Midtown, die Williamsburg-Brücke und eine U-Bahn-Station in Brooklyn. Cummings legte Wert auf Drehorte, die auf mehreren Ebenen funktionierten: ?Der Grund, warum RENT so überzeugend wirkt, ist der, dass der Film erst sehr intim und dann weitläufig und üppig, sogar irgendwie wild und verrückt wird.?

Um diese Wechsel anschaulich zu machen, beschloss Columbus, die Farbwahl zu beschränken und den Film in gedämpften Farben zu halten. Gleichzeitig plante er jede Menge Kamera-Action ein ? Aufnahmen vom Drehkran aus ebenso wie den Einsatz von Steady-Cams für lange Einstellungen. ?In Bezug auf meine Kameraarbeit war ich sehr ehrgeizig?, erläutert Goldblatt. ?Wir drehten diverse lange Einstellungen, die es den Darstellern möglich machten, sich in den Songs voll zu entfalten. Gleichzeitig konnten Bilder und Musik eine eigene Dynamik entwickeln, ohne dass wird dauernd schneiden mußsten. Chris erwies sich als sehr abenteuerlustig und erlaubte mit viele Kameraspielereien.?

Um seinen ehrgeizigen Vorsatz realisieren zu können, mußsten die Sets so abgesichert und gebaut werden, dass sie der Kamera volle Bewegungsfreiheit ließen. Gleichzeitig mußste das raue urbane Feeling der Gegenden erhalten bleiben, in denen die Bohemiens lebten oder die sie frequentierten. ?Wir fielen immer auf eine Art Realität zurück?, beschreibt Cummings. ?Das war auch mein visueller Ausgangspunkt. Wir wollten, dass der Film von der Struktur her sowohl gewagt als auch romantisch ist.?

Marks und Rogers Dachwohnung gestaltete Cummings deshalb so, dass sie glaubhaft als Behausung zweier armer Künstler durchging. Dazu ließ er in einem Studio auf Treasure Island, einer von Menschenhand erbauten, rund 1.635 Quadratkilometer großen Insel auf halber Strecke zwischen San Francisco und Oakland hinter der Oakland-Bay-Brücke, einen Set bauen. ?Ich verpasste der Dachwohnung einen echt rauen Industrie-Look. Ganz so, als ob es sich die beiden nicht leisten könnten, die Räume zu streichen und in Schuss zu halten?, erläutert Cummings.

?Ihre Möbel sahen aus, als ob sie direkt vom Sperrmüll gekommen wären. Das Treppenhaus war voll Graffiti und altem Krempel, weil die Menschen, die in ihrem Haus wohnten, sich nicht einmal die Miete leisten konnten. Doch obwohl die Wohnung irgendwie trostlos und zerschlissen aussah, verströmte sie doch eine Art Hoffnung ? eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl.?

Um dieses visuelle Konzept abzurunden, verbrachte Kostümbildnerin Aggie Guerard Rodgers zahllose Tage in Trödel- und anderen Second-Hand-Läden. Sie stöberte nach perfekten 80er-Jahre-Outfits, die die Künstler in dieser Zeit im East Village getragen hätten. ?Für diesen Film habe ich bei ?Goodwill? (amerikanische Nonprofit-Handelskette) eingekauft wie noch nie. Die Leute scheinen dort ihren 80er-Jahre-Kram zu entsorgen. Ich habe den unglaublichsten Schmuck und großartige Klamotten für unsere Darsteller gefunden.?

Zusammen mit Goldblatt und Cummings fiel Rodgers die Aufgabe zu, eine Welt zu erschaffen, in der zwar jedes Element dazu beitrug, die Geschichte zu erzählen, dabei aber gleichzeitig nicht zu sehr in den Mittelpunkt rückte. ?Ich wollte auf keinen Fall, dass die Leute in den Film gehen, sich die Klamotten der Protagonisten ansehen und sagen: ?Oh, Gott!?, denn in diesem Augenblick haben sie den Bezug zu dem verloren, worauf sie eigentlich achten sollen?, sagt Rogers. ?Deshalb wollte ich, dass die Kleidung quasi unsichtbar blieb, das sie dabei half, die Story voranzutreiben. Wenn Sie also auf die Jeans achten, habe ich etwas nicht richtig gemacht.?

Bei keinem war die Erhaltung der Glaubwürdigkeit in Sachen Kleidung wichtiger als bei Angel, der exzentrischsten Figur des Films. ?Das Publikum sollte in der Lage sein, sich nach einen kurzen Blick von seinen Klamotten loszureißen und zu denken: ?Okay, jetzt lasst uns seinen Song hören und was er uns zu sagen hat.? Mein größter Wunsch war, dass es uns gelänge, dass Angel nicht allein über sein Drag-Outfit definiert wird, sondern dass die Menschen ihm wirklich zuhören, denn von ihm kann man eine Menge lernen.?

Drei Outfits aus Angels Kostümschrank erinnern an das Theaterstück: der Weihnachtsmann-Anzug, das Regenmantel-Outfit und das weiße Blumen-T-Shirt. ?Das Weihnachtsmann-Kostüm haben wir ein wenig umgeschneidert, weil er sich darin mehr bewegen mußste?, sagt Rodgers. ?Deshalb schnitten wir die Ärmel ab und nähten sie an ein weißes Top, an dem wir dann die Strumpfhose befestigten. Dadurch passte sich die eigentliche Jacke Angels Bewegungen besser an und er konnte sich so viel freier bewegen.?

Eine weitere Referenz an das Bühnenstück: Marks Markenzeichen, der braune Pullover. Der Pulli ist eine originalgetreue Kopie dessen, was er in der Broadway-Show trug. Die Kleidung, die die drei Hauptdarstellerinnen tragen, ist so unterschiedlich wie ihre Persönlichkeiten. ?Du mußst wirklich heraustüfteln, was jeder der Figuren an den 80er Jahren wichtig war. Sie sind alle so verschieden?, erläutert Rodgers.

?Chris wollte, dass Maureen weitaus sexyer aussieht als auf der Bühne. Wie eine Rocker-Braut. Mir war klar, dass ich sie deshalb überwiegend Schwarz tragen lassen würde. Mimi andererseits trägt weiche Stoffe, dass ist weitaus romantischer. Und Joanne steckte ich in Anzüge, Business-Hemden und Krawatten aus der Frauenabteilung von Brooks Brothers.?

Die Dreharbeiten zu RENT begannen mit den Außenaufnahmen in New York City, danach zog die Crew nach San Francisco um, wo Innenaufnahmen auf Treasure Island sowie Drehs im Paramount Theatre in Oakland, im alten Bahnhof von Oakland, in den Alameda Soundstages und auf den Filoli Estates im nahe gelegenen Vorort Woodside anstanden. Danach ging es weiter nach Los Angeles, wo das Team zehn Nächte lang auf der Hennessey Street auf dem Studiogelände der Warner Bros. in Burbank filmte.

Der Set diente als Hintergrund für verschiedene Musiknummern, unter anderem für den Titel-Song der Show. In dieser Szene wurden die Schauspieler von mehr als 300 Nebendarstellern unterstützt, darunter Stunt-Leute, die an den Feuerleitern der Häuser hingen oder auf Autos tanzten. Die letzte Klappe fiel nach einem Zwei-Tage-Dreh in Santa Fe, New Mexiko.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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