Die Bären sind los

Produktionsnotizen

?Einst war Buttermaker ein großer Baseball-Spieler. Heute kann er damit höchstens noch an der Bar angeben, um Gesprächsstoff zu haben?, sagt Billy Bob Thornton, der in der neuen Komödie ?Die Bären sind los? eine ehemalige Sportskanone spielt und dazu berufen wird, die Bären - eine unfähige Jugendmannschaft in Baseball - zu managen. Dazu Thornton: ?Er wurde für dieses Team als Coach gekauft ? und obwohl er es zunächst nur wegen des Geldes tut, erwacht auf dem Spielfeld sein alter Kampfgeist.?

Richard Linklater, der bereits bei seinem letzten Erfolgsfilm ?School of Rock? von 2003 mit Kinderschauspielern zu tun hatte, behauptet, dass die Chance, mit Thornton zu arbeiten, der entscheidende Grund für ihn war, diesen Film zu machen. ?Mir gefällt es, wie Billy seinen Platz in der amerikanischen Kultur eingenommen hat?, meint Linklater. ?Er ist einer der letzten wahren Anti-Helden. Er ist ein Outlaw und einer dieser schurkenhaften Kerle, die man einfach gern haben mußs. Davon gibt es nur wenige. Und: Wir sind beide ehemalige Baseball-Spieler.?

Produzent J. Geyer Kosinski fügt hinzu, das Billy Bob Thornton damit eine Eigenschaft mitgebracht hat, die für die Rolle des Buttermaker einfach treffend war. ?Unser Film eignet sich für Kinder aller Altersklassen. Ob Kinder im Grundschulalter, Teenager oder junge Erwachsene - Billy Bob Thornton spricht sie alle an. Das Besondere ist, dass Billy bereits in Filmen wie ?Sling Blade ? Auf Messers Schneide? und ?Bad Santa? eine innige und lebensechte Beziehung zu Kindern hatte?, glaubt Kosinski.

?Ich liebe das Original?, sagt Thornton über den unvergessenen Film von 1976 mit Walter Matthau als Buttermaker, Tatum O?Neal als die begnadete Werferin Amanda Whurlitzer und Vic Morrow als Roy Turner, der Coach der Yankees. ?Walter Matthau war wie geschaffen für diese Rolle. Er war ein großer und liebenswerter Griesgram. Ich hoffe, dass ich mindestens ein halb so liebevoller Griesgram bin?, so Thornton.

Obwohl die Autoren Glenn Ficarra und John Requa das Drehbuch dem 21. Jahrhundert angepasst haben, blieb die Struktur der Originalgeschichte von Bill Lancaster (Sohn von Burt Lancaster) nach 30 Jahren weitgehend unberührt. ?Bill Lancaster hat ein unglaubliches Skript verfasst?, meint Requa. ?Wir wollten damit nicht leichtfertig umgehen. Wenn etwas nicht zerbrochen ist, mußs man es auch nicht flicken. Wir haben die Story lediglich ein bisschen aktualisiert und auf die Schauspieler, die für den neuen Film angeheuert wurden, zugeschnitten. Aber im Grunde genommen haben wir die Struktur und das Gerüst des Originals beibehalten.?

?Unserer Ansicht nach ist das Original von ?Die Bären sind los? eine Schablone für jeden modernen Sportfilm, weil es um Teamgeist und Zusammenhalt geht?, führt Requa weiter aus. ?Davor handelten große Sportfilme eher von einer Figur, die zum großen Helden aufsteigt, oder die Handlung spielte sich meistens außerhalb des Spielfeldes ab. In ?Die Bären sind los? wurden solche Darstellungen vermieden. In vielerlei Hinsicht war es daher der perfekte Film.?

Wenn man Publikumslieblinge überhaupt als subversiv bezeichnen konnte, dann traf dies auf ?Die Bären sind los? zu. Allein wenn sich Tanner Boyle in seine politisch unkorrekten Schimpfgebärden verliert, um seine Teammitglieder etwa als ?Popel fressende Volltrottel? zu bezeichnen, wird klar, dass der Film seine Figuren niemals herabsetzen und altklug erscheinen lassen würde. Trotz seiner Kantigkeit und seines sarkastischen Witzes besitzt der Film ?Die Bären sind los? genügend Wärme und Großherzigkeit. Die beiden neuen Schreiber hielten sich das Ziel vor Augen, diese duale Sensibilität des Originals beizubehalten.

Das Ganze haben sie mit ihrem Wissen über den Nationalsport noch zusätzlich aufgefrischt. ?Wir wussten am Ende so viel über Baseball, dass wir in einer Kneipe nicht mehr verprügelt werden dürften?, schmunzelt Ficarra. ?Unsere wichtigsten Quellen waren dabei Billy und Richard.? Das Autorenteam besuchte außerdem lokale Baseball-Jugendspiele. Überraschend stellten sie dabei fest, ?dass sich das Bild von schreienden Vätern, die ihre Kinder mies machen, in 30 Jahren nicht verändert hat.?

Genau auf so einem Spielfeld fanden die Filmemacher Sammi Kane Kraft, eine echte Werferin ohne Schauspielerfahrung. Das war es, wonach gesucht wurde. ?Von Anfang an wussten wir, dass wir eine Amanda wollen, die wirklich werfen kann?, sagt Linklater über die Spitzenspielerin in drei Sportarten, die einen Fastball so kräftig schlagen kann, dass er eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometer erreicht. ?Ich wollte das mit der Kamera festhalten, um zu zeigen, dass sie richtig zuschlagen kann. Für jemanden, der sein Schauspieldebüt gibt, ist Sammi gut durchgekommen.?

Auf ihrer Suche nach weiteren jungen Ballspielern in den Vorstädten Südkalifornien, wo die Geschichte schließlich spielt, entdeckten die Filmemacher, dass sich die Gegend doch ziemlich verändert hat. ?Wir haben versucht, diese ethnische Vielfalt in unser Team aufzunehmen, um dem Bild heutiger Vorstädte gerecht zu werden?, erklärt Ficarra. Um das zu erreichen, erfanden die Autoren einige neue Figuren und rückten die alten Lieblinge aus der Geschichte ein wenig zurecht.

Matthew Hooper etwa sitzt hier mit einer doppelseitigen Lähmung im Rollstuhl, ?um die politisch korrekte Denkweise zu unterstützen, dass ?jedes Kind spielen kann??, so Ficarra weiter. Garo Daragebrigadian ist ein armenisches Kind im Kampf mit dem Glauben seiner altmodischen Familie. Und in dieser Version ist Ahmad Abdul Rahim nur verwirrt über Buttermakers Anspielungen auf den schwarzen Aktivismus in den Siebzigern. Die ständig statistische Zahlen ausspuckende Nervensäge wird in der neuen Version zu einem Indianerkind namens Prem Lahiri, das seine Statistiken auf einem Laptop speichert.

?Ich wollte sicher gehen, dass jedes Kind seine eigene und unverwechselbare Persönlichkeit hat. Keines sollte in einer undefinierbaren Masse von Kindern untergehen?, stellt Linklater klar. ?Aber das erwartet man von jedem Ensemblefilm. Deshalb bin ich hier nicht anders vorgegangen. Amanda mußs werfen können, und Kelly mußs ein guter Ballspieler sein. Abgesehen davon, war es am wichtigsten, eine interessante Gruppe von Kindern zusammenzubringen.?

?Die Bären sind los? passt perfekt in Linklaters Filmographie, zu der auch ?Rumtreiber?, ?Confusion ? Sommer der Ausgeflippten?, ?Before Sunrise ? Zwischenstopp in Wien?, ?Suburbia?, ?Die Newton Boys?, ?Before Sunset? und ?School of Rock?, der Kinohit des Jahres 2003, dazugehören. Thornton bemerkt, dass Linklater mit seinen filmischen Erfahrungen einfach der richtige Regisseur für diesen Film war: ?Da Rick Linklater aus dem Independent-Filmbereich kommt, hat er mit ?Die Bären sind los? eine realistische und humorvolle Komödie abgeliefert. Womit vermieden werden konnte, dass aus dem Stoff nur blöder Kinoklamauk entsteht.?

?Die Autoren sagten zu mir: ?Du bist der einzige, der das schaffen kann?, erinnert sich Linklater. ?Als ich das Skript las, hätte ich mich vor Lachen wegschmeißen können. Es ist immer schwierig, eine gute Originalgeschichte verbessern zu wollen. Aber ich denke, es ist zulässig, die Story mit den darin vorkommenden Figuren unserer heutigen Zeit anzupassen. Insofern war es eine echte Herausforderung, einen Baseball-Film mit Kindern durchzustehen und dann auch noch herauszufinden, wie man einen Klassiker in die Gegenwart verlegt.?

Die Mannschaftsaufstellung Angeführt wird das Team von Billy Bob Thornton in der Rolle des Buttermaker. Er vermischt vernünftiges Baseball-Wissen mit verwerflichen Tipps zur Bewältigung des Alltags. Thornton war von der Idee, ?Die Bären sind los? neu zu verfilmen, sofort begeistert: ?Da treten wir in große Fußstapfen, doch ich dachte, wir könnten unseren Film etwas aktualisieren, um die Makellosigkeit des ersten Films zu erhalten.? Thornton ist als Morris Buttermaker ?mit Sicherheit ein mit Fehlern behafteter Mann?, meint Richard Linklater. ?Er ist auf jegliche Weise anstößig. Er führt sein Geschäft mit der Schädlingsbekämpfung, er mag Frauen, Bier und natürlich seine Zigarren. Als ehemaliger Profi-Baseballer ist ihm nie ein richtiger Durchbruch gelungen.?

?Dies ist keine simple Erlöser-Story. Vielmehr beeinflussen diese Kinder Buttermakers Leben?, so Linklater. ?Die Erfahrung mit ihnen verändert ihn nicht gänzlich, doch gibt es Anlass zur Hoffnung, dass er kein schlechter Kerl ist. Er kann was bieten.? Die Besetzung mit Thornton machte die Regiearbeit für Linklater um vieles einfacher: ?Billy wirkt im Film so mühelos und leicht, dass er eindeutig der richtige Mann für diese Rolle war. Man ist sofort von ihm eingenommen. Ich glaube, es war John Huston, der einmal gesagt hat: ?Die Besetzung macht 80 Prozent der Regie aus.? Hast du die richtige Person und das richtige Material, kann es nur gut werden. Ich kann mir hier niemand anderen vorstellen als Billy.?

?Da wir schon vorher mit ihm gearbeitet haben, wurde vieles einfacher. Diesmal hatten wir vor allem mehr Spaß?, ergänzt Drehbuchautor Glenn Ficarra. ?Man konnte beim Schreiben regelrecht seine Stimme hören.? Kosinski meint: ?Billy hat eine Respektlosigkeit, die den meisten Menschen im Alltag begegnet.? Greg Kinnear wurde für die Rolle des Ray Bullock verpflichtet. Er ist der Coach der Yankees. Die Liga-Champions sind die verhassten Rivalen der Bären. ?Bullock ist eine Vermischung all dieser Väter, die vor nichts zurückschrecken würden, um ihre Söhne gewinnen zu sehen?, erklärt Kinnear.

Doch er gibt zu, dass er Bullocks arrogantes Gehabe nur vortäuschen konnte, indem er seine Zunge gegen die Wange presste. ?Wir Yankees stellen auf dem Spielfeld so etwas wie eine Dynastie dar. Wir bestimmen die Show, während die Mannschaft der Bären etliche Probleme mit ihrem Können hat. Buttermaker taucht auf und will mit diesem chaotischen Haufen von Baseball-Spielern versuchen, die Dinge aufzumischen. Doch ich als Ray Bullock will weder mit ihm noch mit seinen unkonventionellen Methoden etwas zu tun haben. Wir haben viele Differenzen, und wir tragen sie auf dem Spielfeld aus?, so Kinnear.

?Brillant gespielt wurde die Rolle des schroffen Coachs, von dem man sofort weiß, dass er ein harter Bursche ist, bereits 1976 von Vic Morrow. Seitdem ist daraus ein Stereotyp entstanden, und Filme, in denen der Coach in einer solchen Situation nicht gleich als Narr daherkommt, sind selten geworden?, meint Linklater. ?Ich dachte, es wäre interessant, einen richtig amerikanischen Daddy in diese Rolle zu stecken. Einer, der wirklich gepflegt ist und von dem man denkt, er sei ein guter Kerl. Doch dann kriegt man seine Verwandlung mit. Ich war überzeugt, dass Greg Kinnear perfekt dafür wäre.?

Liz Whitewood, die Anwältin, die Buttermaker durch einen Prozess gegen die Liga erst in den Schlamassel treibt, wird von Oscar-Preisträgerin Marcia Gay Harden gespielt. ?Whitewood ist im Wesentlichen eine überaggressive Anwältin?, sagt Harden. ?Zuhause hat sie etwas von Martha Stewart. Da ist sie überaufmerksam und scheint jede Sekunde ihres Lebens für ihren Sohn Toby verplant zu haben.? Harden fand das Drehbuch unwiderstehlich: ?Als ich es zum ersten Mal las, dachte ich, das wird ein Volltreffer. Es brachte mich zum Lachen, und nun ist daraus ein großartiger, liebenswürdiger und lustiger Film geworden.?

?Greg Kinnear und Marcia Gay Harden sind Schauspieler, die für den Oscar nominiert würden, Marcia bekam ihn sogar. Sie haben einen enormen Beitrag zu ihren Rollen und zum Erzählen der Geschichte geleistet?, sagt Kosinski. ?Wir waren sehr glücklich, die beiden zu haben. Sie waren äußerst wichtig, um die Geschichte erzählen zu können.?

Eine Bärenbesetzung Nachdem mit Thornton, Harden und Kinnear die Stars des Films an Bord geholt wurden, machten sich die Filmemacher auf Bärensuche. Zwei der Bären, nämlich Armanda Wurlitzer und Kelly Leak, mußsten tatsächlich Fähigkeiten in Baseball vorweisen können. Linklater bemerkt: ?Von Anfang an wussten wir, dass wir für Armanda und Kelly echte Baseball-Spieler haben wollten. Wir brauchten Kinder, die zum einen Baseball verstehen mußsten, zum anderen schauspielern konnten. Um die beiden zentralen Rollen nach diesen Maßgaben zu besetzen, folgte eine landesweite Suche auf allen Sportplätzen, wo Jugendliche Baseball spielten.?

Die Filmemacher führten über Wochen in den unterschiedlichsten Orten Casting-Tests durch, unter anderem in Phoenix, Los Angeles, Toronto, Chicago, Dallas, Vancouver, New Orleans, Atlanta, Seattle, Washington, D.C. und Orlando. Indem sie bewusst Kinder aussuchten, die vollkommen unbekannt waren und sich in ihrem Baseball-Können unterschieden, hatten sie am Ende ein Dutzend energischer, talentierter und lustiger Bären zusammen.

Viele der jungen Schauspieler entdeckten die Filmemacher direkt vor ihrer Haustür in Südkalifornien. So zum Bespiel Sammi Kane Kraft, eine Spitzenspielerin, deren Fastball eine Geschwindigkeit von über 100 Stundenkilometer erreicht. Sie wurde ins Team geholt, um die schlagkräftige Amanda Whurlitzer zu spielen. ?Als ich zum Team kam, hieß es zuerst: ?Oh, nein, ein Mädchen!? Das war für mich wie im richtigen Leben?, sagt Kraft. ?Ich schätze, Jungs sind nun mal Jungs. Einmal habe ich deshalb zum Softball gewechselt. Aber ich wollte mich nicht unterkriegen lassen und schlug mich durch.?

Jeff Davies, der Kelly Leak spielt, wurde bei einem Casting-Aufruf in Orlando, Florida, eine Woche vor den Hauptdreharbeiten entdeckt. Jeff gesteht, dass es seine Mutter war, die ihm vorschlug, sich zu bewerben. ?Ich war gerade von einem Spiel nach Hause gekommen und war hundemüde. Plötzlich klingelte das Telefon und meine Mutter sagte anschließend: ?Es gibt ein Vorsprechen für einen Film. Das mußst du machen.? Ich wollte zuerst gar nicht mehr aufstehen, dachte dann aber: ?Okay, was soll?s.? Linklater meint: ?Jeff hat diese antiautoritäre und schlechte Einstellung, die perfekt zu Kelly zu passen schien. Er kann auf Kommando nicht nur Home-Runs schlagen, sondern hat sich darüber hinaus auch zu einem guten Darsteller entwickelt.?

?Amanda und Jeff hatten zuvor nie geschauspielert. Beide sind jedoch unglaublich talentierte Sportler. Die Rollen wurden ein Teil von ihnen?, bemerkt Kosinski. Timmy Deters heißt der junge Schauspieler, der für die Rolle des Tanner Boyle ausgesucht wurde. Tanner Boyle ist eine der unvergesslichsten Figuren aus dem Originalfilm. ?Timmy sah dem Tanner vor 30 Jahren fast zu ähnlich?, gibt Richard Linklater zu. ?Deshalb hätte ich ihn für die Rolle beinahe nicht besetzt. Doch er passte so gut und ist schließlich so etwas wie eine lebende Hommage an die Originalfigur geworden.?

?Ich spiele hier den Rotzlöffel?, erklärt der winzige Deters. ?Tanner ist die meiste Zeit sauer. Es ist ihm egal, dass er klein ist, denn er geht auf jeden los. Er denkt, er wäre drei Meter groß und richtig stark.? Zwei der Bären stammen aus Kanada. Brandon Craggs, der Engelberg spielt, kommt aus Oshawa, Ontario, wo er für das Baseball-Team ?The Oshawa Legionnaires? antritt. Brandon war sehr aufgeregt, in dem Remake des Lieblingsfilms seines Vaters einen Fänger zu spielen. ?Engelberg ist ein grimmiges Kind, den die Leute wegen seines Gewichts nerven?, so Brandon. ?Er macht eine Diät, die sich Atkins nennt. Das nenne ich eine lustige Rolle.?

Für den in Vancouver geborenen Aman Johal war es die erste Filmrolle, den intelligenten, aber sozial unbeholfenen Prem Lahire zu spielen. ?Prem hat nie zuvor Baseball gespielt. Er betreibt den Sport nicht wirklich?, erklärt Aman, der dagegen im richtigen Leben ein echter Sportfan ist. ?Prem ist ein Streber, der Baseball nur für sein Zeugnis braucht, um dann aufs College zu kommen.? Ähnlich vom Baseball geschädigt ist Timmy Lupus, der von Tyler Patrick Jones verkörpert wird. Tyler ist bereits ein Veteran im Filmgeschäft und war schon bei vielen großen Filmen dabei. ?Lupus ist irgendwie schüchtern und unbeholfen?, meint Tyler. ?Er spricht nicht gern, und wenn er etwas sagt, sind es seltsame Dinge.?

Troy Gentile, der den an den Rollstuhl gefesselten Matthew Hooper spielt, wurde bei einem offiziellen Casting-Aufruf für ?Die Bären sind los? in Orange County gefunden. Troy mußste für die Rolle lernen, wie man mit einem elektrischen Rollstuhl umgeht: ?Ich lernte bereits am ersten Tag im Basislager, wie man den Rollstuhl bedient. Es war sehr einfach. Um ihn komplett zu beherrschen, benötigte ich etwa drei Wochen. Ich kannte schließlich alle Tricks, die mir die Jungs von der Requisite beigebracht hatten. Es hat richtig Spaß gemacht.?

Die Brüder Carlos und Emmanuel Estrada wurden für die Rollen der Spanisch sprechenden Brüder Miguel und Jose Agilar ausgesucht. ?Mein Schauspiellehrer hatte von dem Vorsprechen gehört und fragte uns, ob wir interessiert wären. Für die Schauspielerei interessiere ich mich nicht unbedingt, doch dann sagte ich: ?Okay, wir machen?s.? Also stellten wir uns vor und warteten ab, wie es weitergehen würde?, erinnert sich Carlos. ?Eines Nachts rief dann jemand an und sagte, wir müssten am nächsten Tag los?, führt Emmanuel weiter aus. ?Mein Vater kam ins Zimmer und rief: ?Ratet mal, was passiert ist? Ihr müsst eure Sachen packen, denn es geht nach Los Angeles.?

Jeffrey Tedmori verkörpert den armenischen Jungen Garo Daragebrigadian. Er beschreibt Buttermaker folgendermaßen: ?Am Anfang will er uns nur dazu bringen, zu gewinnen. Es ist ihm egal, wer spielt. Am Ende sieht er schließlich ein, dass jeder von uns spielen sollte, und dass es egal ist, ob man gewinnt oder verliert.? Ridge Canipe, der in ?Walk the Line?, einen biografischen Film über Johnny Cash, den jungen Cash spielte, wurde für die Rolle von Liz Whitewoods Sohn Toby engagiert. Ridge sagt, dass ?Die Bären sind los? der ?witzigste Film ist, in dem ich je mitgespielt habe. Kein Regisseur ist so entspannt wie Richard. Er ist großartig. Und Billy erzählt die ganze Zeit Witze. Er ist der netteste Kerl, mit dem ich je zusammengearbeitet habe.?

Auf Kenneth Harris, der von den meisten nur ?K.C.? genannt wird und Bill Cosby ganz gemein imitieren kann, ist man bei einem Casting-Aufruf in Dallas aufmerksam geworden. Er spielt Ahmad Abdul Rahim und fasst seine ersten Filmschauspielerfahrungen wie folgt zusammen: ?Richard Linklater ist cooler als cool.?

Lasst sie Spielen! Die Franklin/?Mid-Valley?-Spielfelder in Encino dienten als wichtigster Schauplatz für den Film. Der Komplex gehört der Ron Dale Baseball Academy und besteht aus 14 Baseball-Feldern. ?Das war genau das richtige Spielfeld für uns. So ein Spielfeld findet man in jeder Stadt und in jedem Staat unseres Landes?, meint Produzent J. Geyer Kosinski. Einen sommerlichen Baseball während eines verregneten Winters in Südkalifornien zu drehen, und das auch noch in der Flugschneide des Van Nuys Airports, war nicht die einzige Herausforderung, der sich die Filmemacher stellen mußsten. Auch das Arbeiten mit einem Dutzend wilder Jungs im Grundschulalter erwies sich als Problem.

?Es war beängstigend. Ich mag Kinder in diesem Alter und habe selbst eine elfjährige Tochter. Aber ich wusste nicht, worauf ich mich da wirklich einlassen würde?, bestätigt Linklater. ?In ?School of Rock? hatte ich es mit einer Schulklasse zu tun, die halb aus Mädchen, halb aus Jungs bestand. Im Klassenraum wussten sie einfach, wie sie sich zu benehmen haben. In diesem Film sind es fast ausschließlich Jungs, die eine Bande kleiner Nervensägen bilden?, erzählt Linklater und führt weiter aus. ?Erschwerend kam die Tatsache dazu, dass sich der Film größtenteils draußen auf dem Baseball-Feld abspielt. Da geriet schnell mal etwas außer Kontrolle. Aber wir hatten trotzdem eine Menge Spaß.?

Die Umgebung erforderte eindeutig einen ganz anderen Regie-Stil, gibt Linklater zu - einen, der dem eines Trainers sehr ähnelt. ?Ich sagte: ?Jungs, ihr wisst, dass die letzte Aufnahme lausig war. Was können wir dagegen tun?? Oder ich sagte: ?Das war ätzend. Das Ganze noch mal!? Normalerweise würde ich mit Schauspielern niemals so sprechen. Für eine dramatische Szene würde ich anders vorgehen. Aber hier hatte ich es mit kleinen Baseball-Spielern auf dem Sportplatz zu tun. Da war es völlig normal, so mit ihnen zu reden. Das machte Spaß und es funktionierte.?

Auch Billy Bob Thornton fühlte sich frei, sich am Set locker zu geben. ?Billy ist keiner, der am Drehbuch festklebt. Wir haben uns über ihn oft schlapp gelacht?, pflichtet Brandon Craggs bei, der im Film Engelberg spielt. ?Ich habe es geliebt, mit diesen Kindern zu arbeiten. Es war ein toller Haufen?, sagt Thornton, der in dem Alter der Bären selbst zwei Jungs hat. ?Es sind großartige kleine Schauspieler und...na ja, ich sage es mal so: Sie alle hatten eine ziemlich durchdringende Persönlichkeit.? Mit einem kleinen Grinsen fügt er hinzu: ?Man mußs mit diesen Kids ein bisschen Chaos verbreiten. Nur so behält man sie im Griff.?

?Billy war phänomenal, wenn es um die Kinder ging. Er war ein richtiger Anführer?, erzählt Kosinski. ?Er verbrachte viel Zeit mit ihnen und hatte sie richtig gern. Sie warfen sich ständig den Baseball zu oder spielten Football.? Wenn nicht gedreht wurde, gingen die Kinder am Set zur Schule oder hielten sich im Spielraum auf, der mit Videospielanlagen, Pingpong- und Footballtischen ausgestattet war.

Die für den Film wichtige Szene für den Opening Day erforderte über 500 Extras. Darunter eine komplette Marschkapelle (die Ramona Dynasty Band aus Riverside, Kalifornien), Majorettengruppen, Cheerleaders und ein halbes Dutzend lärmender Jugend-Baseball-Mannschaften. Höhepunkt des Films ist jedoch das Meisterschaftsspiel gegen die Yankees, bei dem es zu einer heftigen Auseinandersetzung kommt, in Folge dessen sich alle Ersatzbanken leeren. An dieser Stelle kam Webster Whinery, der Koordinator der Stunts, ins Spiel.

?Wir drehten zwar keinen Actionfilm, dennoch kommt es zwischen den Yankees und den Bären zu einer Schlägerei, die eine gewisse Choreographie verlangte?, erklärt Whinery. ?Mit Kindern zu arbeiten ist dabei etwas schwieriger, als mit erfahrenen Schauspielern. Bei Kindern weiß man nie, was am Ende herauskommt. Deshalb durften alle kleinen Schauspieler selbst ran. Es wurde also niemand gedoubelt.?

Die erste Szene, die auf einer Studiobühne in Sun Valley, Kalifornien, gedreht wurde, verlangte 60 lebende Ratten. Buttermaker kommt in dieser Szene aus dem Keller eines Hauses, das er gerade von Schädlingen befreien soll. Er verkündet der Eigentümerin, dass ?sie ein höllisches Rattenproblem hätte.? Auf dieses Stichwort hin folgen ihm die Ratten die Treppe aus dem Keller hinauf. Tierdresseur Jules Sylvester jagte die Ratten mit einem Föhn aus den Käfigen und brachte sie anschließend mit einem Klicken, das für sie Futter bedeutete, dazu, die Stufen hinaufzuklettern. Zur Erleichterung der Schauspielerin, die den Part der nervösen Hauseigentümerin spielte, wurden sie danach für eine andere Aufnahme gleich wieder eingefangen.

Doch die größte Anzahl von Actionszenen mußste auf dem Baseball-Feld gedreht werden. Egal, ob die Kamera an oder aus war, es gab nur wenige Momente, in denen kein Baseball oder Football durch die Gegend flog. Entweder passierte es für eine Szene oder nur so aus Spaß. Gelegenheitsspiele mit Richard Linklaters Football gehörten zur Tagesordnung, und selbst Marcia Gay Harden, die in einem Kostüm steckte, nutzte so manche Gelegenheit. Mit so viel Baseball in einem Film war es wichtig, die Actionszenen authentisch aussehen zu lassen.

?Ich wollte schon immer einen Film über Baseball machen. Aber wenn du selbst Sportler warst, stehst du der Sache kritischer gegenüber?, meint Linklater, der mit einem Baseball-Stipendium ans Sam Houston State-College kam und ein ausgebildeter Quarterback-Footballer ist. ?Ich kann jeden Film über Football oder Baseball danach auseinanderpflücken, wie realitätsnah sie mit diesen Sportarten umgehen.?

?Du hast den Wurf, du hast den Schlag. Du mußst den Ball fangen, du mußst als Erster durch sein. Und du mußst checken, was als nächstes passieren kann. Sportgeschichten zu erzählen ist schon ziemlich knifflig?, so Linklater. ?Das war übrigens ein weiterer Grund, warum ich diesen Film unbedingt realisieren wollte. Mir ging es darum zu sehen, ob mir das irgendwie gelingen könnte.?

?Wir wollten nicht, dass jemand, der nicht den blassesten Schimmer von Baseball hat, sich an diesen Film wagt?, bestätigt Billy Bob Thornton, der vor längerer Zeit eingeladen wurde, sich in einer kleinen Baseball-Liga auszuprobieren. ?Wir hatten mit Steve Savage und Greg Smith sogar zwei Baseball-Experten am Set. Rick und ich sind ebenfalls Baseball-Spieler.? Zusätzlich wurden echte Jugend-Baseball-Mannschaften herbeigerufen, um die Gegner der Bären zu spielen.

?Ich bin schon seit über 15 Jahre in dem Geschäft. Da trifft man selten auf einen Regisseur, der sich mit diesem Spiel so gut auskennt, geschweige denn, auch noch ein Fan davon ist?, beschreibt Savage den Regisseur Richard Linklater. ?Als wir das erste Mal draußen waren, spielten wir Fangball mit ihm, und ich mußs sagen, er hat wirklich ein Händchen dafür.? Über Thornton sagt Savage: ?Er mag seine Faustbälle, und ich brachte ihn beim Werfen einige Tricks bei. Jetzt kommt er oft raus und macht 80 bis 90 Würfe. Kein Problem, ich gehe nur sicher, dass er danach seinen Arm kühlt.? Savage weiter: ?Billy ist ein lustiger Kerl. Wir reden gern mit ihm über Baseball, über die Dodgers und ähnlichen Dingen.?

Bei den Darstellern der Bären war es so, dass manche weniger trainiert werden mußsten als andere. ?Die Darsteller von Kelly und Amanda sind richtig große Baseball-Spieler?, sagt Linklater. ?Wir sahen uns für die Rolle der Amanda viele Bewerbungsbänder an, aber das passende Mädchen fanden wir fünf Meter von unserem Produktionsbüro entfernt. Sammi spielt in einer Jungenmannschaft. Sie ist eine echte Spitzensportlerin.? Steve Savage stimmt dem zu: ?Sie ist eine Werferin, die es bringt. Sie ist einfach phantastisch.?

Jeff Davies, der die Rolle des Keely Leak übernahm, ist ebenfalls ein Star-Spieler. ?Jeffrey kommt aus Florida, weshalb wir ihm den Spitznamen Orlando gaben. Er versteht das Spiel?, sagt Savage. ?Er kann rennen. Er kann schlagen. Er kann werfen. Er kann alles.? In einer Szene, die es auch im Originalfilm gibt, klettert Kelly gerade auf sein Motorrad, als plötzlich ein Ausball auf ihn zurollt. Er hebt ihn auf und schießt ihn den ganzen Weg zurück zu Buttermakers Mannschaft. ?Für ein Kind ist das ein äußerst schwieriger Wurf, aber Jeff hat es durchgezogen?, wundert sich Savage. ?Wir mußsten es etwa zehn Mal probieren, aber er hat es geschafft.?

Für die Kids, die nicht so gut spielten oder spielen konnten, wurde aber nicht etwa ein Baseball-Trainingslager aufgebaut. Schließlich haben die Bären doch so etwas wie einen Mangel an Talent. ?Deshalb ließen wir sie in den ersten Monaten meistens in diesem unerfahrenden Zustand?, sagt Greg Smith. Savage erfreute es trotzdem, mit Kindern, die den amerikanischen Nationalsport weniger beherrschen, zu arbeiten. ?Wir machten mit ihnen Wurfübungen, zeigten ihnen, wie man Bodenbälle abfängt, und wir studierten mit ihnen die Schlag-Szenen ein. Es war einfach sehr viel, was wir mit ihnen in der kurzen Zeit tun konnten?, erklärt Savage. ?Aber sie waren fabelhaft. Ich habe es geliebt, mit diesen Kindern zu arbeiten.?

?Diese Kids sind ziemlich gute Sportler, und das haben sie verstanden?, fügt Thornton hinzu. ?Jeder hat seinen Job gut gemacht, um Baseball echt aussehen zu lassen.? Linklater sagt: ?Der Vergleich zwischen Sport und Film schien sich durch die ganze Produktion zu ziehen. Diesen Film zu machen war ungefähr so wie mit einem Baseball-Team zu arbeiten.? Abschließend zitiert der Regisseur einen Satz aus einem anderen Baseball-Film, der unter dem Titel ?Annies Männer? in die deutschen Kinos kam: ?An manchen Tagen gewinnst du, an anderen Tagen liegst du zurück. Und manchmal regnet es.?

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