Bambi 2 - Der Herr der Wälder

Produktionsnotizen

Die schiere Größe des Vorhabens, eine Fortsetzung für BAMBI (?Bambi?, 1942) zu schaffen, einen Film, dessen Schönheit und ikonische Geschichte lebhaft im Gedächtnis von Generationen von Filmfreunden haftet, verlor bei der Produktion des Sequels niemand aus den Augen, am wenigsten der Regisseur Brian Pimental. ?Es war ein sehr einschüchterndes Projekt, an dem wir da arbeiteten?, sagt er. ?Visuell gesehen ist das Original wahrscheinlich der Film, den wir Animatoren gerne geschaffen hätten. Er wurde zu einer Zeit hergestellt, in der animierte Filme auf dem Zenit ihrer Kunst waren.?

Der Produzent Jim Ballantine ergänzt: ?Wir standen alle ziemlich unter Druck. Für jeden Disneyphilen ist BAMBI ein gewaltiger Klassiker. Die Idee, dass wir etwas annähernd Kunstvolles erreichen sollten, war sehr einschüchternd.? Aber ebenso intensiv wie der Druck, sich am Original messen zu lassen, war die Leidenschaft der Filmemacher, das Abenteuer BAMBI weiterzuerzählen. Für Debbie Cramb, Unit Producer im australischen Sydney, die für die Animation die Gesamtleitung übernommen hatte, war es der Auftrag ihres Lebens. ?Dies war mein ultimativer Traum?, gibt sie zu Protokoll. ?BAMBI war der erste Film, in den mich mein Vater mitnahm, als ich vier Jahre alt war. An der Fortsetzung zu arbeiten ist der Höhepunkt meiner Karriere.?

Wenig überraschend war die Tatsache, dass sich die Filmemacher in einem ersten Schritt intensiv mit dem Original beschäftigten, um ein tieferes Verständnis von den künstlerischen und dramatischen Elementen zu bekommen, die es zu einem der beliebtesten Filme aller Zeiten machten. ?Ich habe ihn mir ungefähr hundert Mal angesehen?, sagt Pimental. ?Ich habe ihn mir eine Zeit lang einmal pro Woche angeschaut, um ihn in mein Gedächtnis einzubrennen und den Geist zu spüren, mit dem er hergestellt wurde.?

Der simple, aber kraftvolle, emotionale Zugang zur Geschichte war es auch, der Pimental hauptsächlich begeisterte. Als er damit begann, den Plot für die Fortsetzung zu entwickeln, maß er seine Ideen stets an der Messlatte des Vorgängers. ?Wir haben ständig unsere Story-Entscheidungen in Frage gestellt und geschaut, ob die Geschichte zum Original passt ohne die Figuren zu vernachlässigen?, bemerkt Pimental.

Das bedeutete, dass die Filmemacher den schnellfeuer-artigen Erzählstil und alle popkulturellen Referenzen beiseite schieben mußsten, die mittlerweile ein mußs für zeitgemäß animierte Filme sind. ?Viele Dinge drehen sich heute um schnelle Lacher oder Gags, die aus dem Gegenteil dessen entspringen, was die Hauptfigur tut?, erläutert Pimental. ?Aber manchmal sind die einfachsten Dinge genau das, worauf Kinder wirklich reagieren.?

Und der Animation Consultant Andreas Deja bemerkt: ?Brian hatte eine wirklich gute Story und hielt sie auch authentisch. Er zeigte uns, dass man immer noch Menschen mit kindlichen Emotionen und kindlicher Unschuld unterhalten kann.? Schon früh fiel die Entscheidung, dass man die Geschichte nicht wie so oft bei Sequels irgendwann nach dem Ende des ersten Films ansetzen wollte, sondern dass BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER im zeitlichen Rahmen des Originals stattfinden sollte. ?Wir wollten, dass sich die Story um den jungen Bambi dreht, an den sich jeder erinnert?, sagt Ballantine.

Also nahm sich Pimental erneut die Quelle des Originals vor: ?Bambi: A Life in the Woods?, Felix Saltens Bestseller aus dem Jahr 1923. Darin suchte er nach Ideen, die man nicht in der Adaption aus dem Jahr 1942 verwendet hatte. ?Eine Menge Elemente unserer Geschichte stammen aus dem Buch?, erinnert sich Ballantine, ?darunter die Beziehung zwischen Vater und Sohn und der Lockruf der Hirsche.?

Aber dieser Zugang stellte die Filmemacher vor eine neue Herausforderung: Wie sollte man mit dem emotional herausragendsten Storypunkt von BAMBI verfahren? Der Film ist berühmt für seine virtuose Animation und seine unvergleichliche Schönheit, aber das, woran sich Filmfans am ehesten erinnern, ist der Tod von Bambis Mutter, die außerhalb des Bildausschnitts von Jägern erschossen wird. Im Jahr 1942 war dies eine mutige und höchst kontroverse Szene, die mittlerweile aber zu den einzigartigsten Kinomomenten aller Zeiten zählt.

Der Verlust eines jungen Prinzen ?Die Szene wird im Allgemeinen als einer der ikonischsten Momente der Filmgeschichte bezeichnet?, sagt der Produzent Jim Ballantine. ?Wir haben schnell realisiert, dass es unmöglich sein würde, eine Fortsetzung zu inszenieren, in der dieser Moment nicht thematisiert wird. Der zentrale Fokus unserer Geschichte liegt auf Bambi, dessen seelische Wunde nach dem Tod seiner Mutter langsam heilt. Im Lauf des Arbeitsprozesses wurde uns klar, dass es auch darum gehen mußste, dass der Vater heilt und sich emotional öffnet.?

?Zuerst haben wir uns ein wenig dagegen gewehrt, so viel über die Mutter zu sprechen?, sagt Pimental. ?Wir dachten, dass es genügen würde, sie zu erwähnen und dann weiterzugehen. Aber das schien uns nicht wirklich wahrhaftig. Es schien, dass das Herz unserer Geschichte die Zeit herausarbeitet, in der Bambi entdeckt, dass seine Mutter nicht zurückkehren wird. Wie erholt er sich von diesem Verlust seiner Mutter, jetzt, wo er mit einem Vater lebt, der emotional nicht sehr warmherzig ist??

Nachdem die grundlegende Storyline herausgearbeitet war, folgte die nächste Hürde: die Dialoge für die Figuren. BAMBI, das Original, bestand aus rund 800 Worten Dialog, weniger als jeder andere narrative Disney-Spielfilm, der je veröffentlicht wurde. Die Geschichte um die sich entfaltenden Jahreszeiten des Waldes wurde fast ausschließlich durch die brillant nuancierte Gestaltung der Waldbewohner inszeniert. ?Die Zuschauer lernen die Figuren durch ihre Bewegungen und Gesichtsausdrücke kennen?, bemerkt Deja. ?Das gab den Figuren Raum, sie selbst zu werden ? allein durch die Zeichnungen. Die Geschichte war aus einem Grund so simplifiziert: Sie war durch die Animation persönlichkeitsgetrieben.?

Auch wegen der technischen Schwierigkeiten, das mächtige Geweih des Prinzen per Hand zu animieren, hatte der Patriarch des Waldes im Original wenig Zeit auf der Leinwand und beinahe keinen Dialog. So fiel den Filmemachern von BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER die Aufgabe zu, diese visuell beeindruckende und enigmatische Figur deutlicher herauszuarbeiten. ?Die Idee, dass er distanziert und sehr steif ist, war der Ursprung der Figur?, sagt Ballantine.

?Von da aus mußsten wir herausfinden, wie steif er genau ist und an welchem Punkt er weich wird. In vielen Fällen wird eine Szene besser, wenn man einfach etwas Dialog streicht und durch ein Seufzen oder einen mimischen Moment ersetzt. Wir waren in der glücklichen Lage, großartige Animatoren zu haben, die über die Qualität verfügten, gleichzeitig Steif- und Weichheit erzeugen zu können.?

Als die Story immer deutlicher herausgearbeitet wurde, fühlten die Filmemacher, dass sie sich auf dem richtigen Weg befanden, aber sie waren sich auch im Klaren darüber, dass sie am Ende die härtesten Kritiker über-zeugen und befriedigen mußsten: die Kinder. Also luden sie, während sich der Film noch im Storyboard-Prozess befand, rund 100 Kinder aus einem örtlichen Boys and Girls Club ein, um sich die Ergebnisse in einer Art illustriertem Hörspiel anzusehen ? einer Serie von Storyboard-Zeichnungen, die mit bereits aufgenommenen Dialogen und Musik vorgeführt wurde. Zu Ballantines Freude ?waren sie gleich gefangen und schenkten uns ihre volle Aufmerksamkeit. Wir haben hinterher mit den Kindern gesprochen und ihnen eine ganze Menge Fragen gestellt.?

Die Reaktionen des jungen Testpublikums waren außerordentlich positiv, aber die Kinder zierten sich auch nicht, sich über ein Element der Geschichte lautstark zu beschweren. Das Stachelschwein ? dessen Figur auf einem grantigen alten Nachbarn aus der Kindheit des Regisseurs Pimental basiert ? hatte ursprünglich ein Faible für schlimme, unkomische Witze. Dieser wiederkehrende Gag kam bei den kleinen Kritikern allerdings nicht gut an. ?Die Kinder dachten einfach, es seien, na ja, schlechte Witze?, sagt Ballantine.

?Und weil wir bei allem anderen auf dem richtigen Weg waren, nahmen wir an dieser einen Figur einige Änderungen vor. Wir machten eher diesen alten Kerl aus ihm, der dir deinen Ball nicht zurückgibt, wenn er mal auf sein Grundstück geschossen wird.? Währenddessen steckte das Art Department bereits mitten in den Vorbereitungen für die Animation. Art Director Carol Kieffer Police nahm eine akribische Einzelbildanalyse von BAMBI vor und stellte einen Style-Guide zusammen, der von jedem genutzt wurde, der an der Produktion beteiligt war. Außerdem schrieb sie ein zehnseitiges Dokument mit dem Titel ?Bambi in a Nutshell?, das die Themen des Films beschrieb und als Erinnerungshilfe für die essenziellen Elemente von BAMBI diente.

Die Essenz von Bambi Eine der Regeln, die Police und ihr Team aufstellten, lautete: ?Bambi wird wild, wenn es ein bisschen Action gibt.? Art Director Carol Kieffer Police erläutert: ?Wenn Bambi gegen Ronno kämpft oder sich verliebt, verändern sich die Dinge. Die Farbpalette wird ungeheuer-lich und das Design fast surreal. Damit hatten wir viel Spaß.?

Ein weiteres Beispiel: ?Wegen des Einflusses von Tyrus Wong schämt sich Bambi nicht, einfach zu sein.? Diese Regel basiert auf dem aus China stammenden Künstler, dessen asiatisch beeinflusste Gemälde den visuellen Ton für viele Teile des Originals bestimmt haben. ?Er schuf exquisite pastellfarbene Stücke, die fast wie Wasserfarben aussahen. Sie erinnern einen beinahe an chinesische oder japanische Leinwände?, erläutert Police. ?Sie hatten eine Simplizität und Eleganz. Er war sehr selektiv, was die Elemente anging, die er in die Umgebung seiner Kunstwerke setzte, und sie hatten eine Menge Atmosphäre. Das war etwas, an dem wir hart arbeiteten, um es in unserem Film unterzubringen.?

Aber die Kenntnis der Regeln ist eine Sache, sie umzusetzen eine andere, bemerkt Police. ?Ich kann mir keinen anderen Stil vorstellen, den man schwerer umsetzen kann als den von BAMBI. Er verlangt ein so hohes Maß an Fähigkeiten von jedem, damit man überhaupt anfangen kann, sich an das Original zu wagen. Der Stil ist nicht formelhaft ? wie bei vielen Low-Budget-Animationen. Es geht oft darum, die Grenzen und Gesetze des Mediums zu strecken oder zu beugen. Die Arbeit war wie die an einem Kunstwerk. Es war sehr schwierig, die richtigen Leute zu finden, die dieser Aufgabe gewachsen waren.?

Nachdem ein Elite-Team von Künstlern mit den entsprechenden Fähigkeiten und Talenten zusammengestellt worden war, traf Police eine mutige Entscheidung. Sie beschloss, dass man den Look und das Gefühl des Originals am besten mit Hilfe einer digitalen Zeichensoftware wiederherstellen könne. Das Softwarepaket Corel Painter erlaubt den Künstlern, virtuell Pinselstriche zu kreieren, die den Look und den Stil der Hintergründe von BAMBI repro-duzieren, von denen die meisten damals noch mit Ölfarbe handgemalt wurden. ?Wir waren in der Lage, farbliche Mischungen, Diffusionen und Ausläufe zu gestalten, die wir ohne diese Software niemals erreicht hätten?, sagt sie.

Die Computer erlaubten den Künstlern sogar, stellenweise Hintergründe aus dem Original in die Fortsetzung einzubauen. ?Der Trick war, mit Hilfe der Softwaretools spezielle grafische Teile eines BAMBI-Hintergrundes heraus-zuschneiden und ihn in die Hintergründe unserer aktuellen Produktion zu transferieren?, sagt der Layout Director Olivier Adams. ?Das konnte ein weit entferntes Waldstück sein oder einige Äste, Bäume, Gras oder moosbewachsener Boden. Dadurch konnten wir den künstlerischen Stil kon-sequent beibehalten.? Vor dem Start der eigentlichen Animation hatten die Filmemacher das Glück, zwei legendäre Disney-Animatoren sprechen zu können, die seinerzeit an dem Original mitgearbeitet hatten: Frank Thomas und Ollie Johnston.

?Wir durften Frank zu Hause besuchen und mit ihm darüber reden, wie es damals war, BAMBI zu machen?, sagt Cramb. ?Es war einfach unglaublich, eine Unterhaltung mit einem jener Künstler zu führen, die wir so verehren. Brian erklärte ihm die Geschichte, und Frank sagte ihm, dies sei die schönste Fortsetzungsgeschichte, die er jemals gehört hätte.?

Zusammen mit den Erinnerungen an die goldene Ära des Zeichentricks gaben Thomas und Johnston einige Perlen ihrer Weisheit weiter, die sich die Filmemacher zu Herzen nahmen. ?Sie meinten, dass alles, was sie bei BAMBI taten, Gefühle hervorrief und sie zum Nach-denken brachte?, erinnert sich Deja. ?Sie sagten uns: ?Lasst euch davon bei euren Animationen leiten, animiert nicht einfach. Ihr müsst euch ständig fragen: Was denkt die Figur, und warum fühlt sie gerade so?? Und das mußsten wir tun, noch bevor wir mit der Animation begannen.?

In der Vorbereitung für diese gewaltige Aufgabe, die vor ihnen lag, unternahmen die in Australien ansässigen Animatoren einen Ausflug nach Mudgee, fünf Auto-stunden außerhalb von Sydney, wo sie Anatomiestudien an lebenden Rehen betrieben. Schauspiellehrer wurden ins Studio gebracht, die ihnen Persönlichkeiten und Körpersprache erklärten, um das Bewusstsein für die emotionale Entwicklung zwischen den Figuren zu schärfen. Aber ?Training kann einen nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen?, sagt Cramb. ?Der Rest lag in der Hand von wirklich sehr talentierten Menschen mit unglaublichen Fähigkeiten.?

Es stellte sich heraus, dass die Animatoren vor einige gleiche Schwierigkeiten gestellt wurden wie ihre Vor-gänger sechs Jahrzehnte zuvor. Cramb hörte von Frank Thomas zum Beispiel, dass einer der Gründe, weshalb sie den Prinzen des Waldes in BAMBI so selten auf der Leinwand zeigten, der war, dass die Filmemacher Probleme bei der Animation seines Geweihs hatten. Die Disney-Pioniere benutzten seinerzeit die kleine Statuette eines Hirschs, die sie in etlichen Positionen unter einer Lichtbox platzierten, um das Geweih per Hand auf die Animationsblätter durchzupausen. Aber die Unbeständigkeit des Materials führte dazu, dass die Hörner eher einen schlaffen Look hatten. Da Bambis Vater in der Fortsetzung eine weitaus prominentere Rolle zugedacht war, mußsten Cramb und ihre Crew einen Weg finden, diese Schwierigkeiten zu meistern.

Die Herausforderung eines großen Geweihs ? erneut Die Lösung, auf die sie schließlich setzten, war die, den Hirsch selbst in 2D zu animieren und von einem CG-Animator ein 3-D-Computermodell eines Geweihs erschaffen zu lassen, das eingescannt und auf den Kopf des Prinzen gesetzt werden sollte. Es war ein ähnlicher Prozess wie bei der Kreation der Elchgeweihe in Disneys BROTHER BEAR (?Bärenbrüder?, 2003) und im Grunde ein computergeneriertes Verfahren, das dem der damaligen Animatoren mit der Statuette und der Lichtbox ähnelt. Dieser digitale Zugang erhielt auch den Segen von Johnston, erinnert sich Cramb. ?Er sagte, wenn sie damals schon Computer zur Verfügung gehabt hätten, hätten sie wohl genau das Gleiche getan.?

Aber die technischen Bedenken waren nur ein Aspekt des Animationsprozesses, der sich über 16 Monate erstreckte und alle 250 Mitglieder der Crew in Sydney zu verschiedenen Zeiten beschäftigte. Es war die Entwicklung der ausdrucksstarken, fast menschlichen Qualitäten der Figuren, die das größte Talent und die größte Hin-gebung erforderte, meint Cramb. ?Die Herausforderung bestand darin, die Figuren nicht nur zum Spielen zu bringen, sondern auch an einen Punkt zu gelangen, an dem man vergisst, dass Bambi und der Prinz Rehe sind, weil sie so viele Emotionen zeigen.?

Deja bemerkt, dass die emotionalen Nuancen der besondere Kick für den Animator bei der Zeichnung von Bambis Vater waren. ?In all den Szenen, in denen der Prinz so kontrolliert und autoritär auftritt, weiß man, wie er für seinen Sohn fühlt. Man sieht es an den Blicken, die er Bambi zuwirft, oder schließlich, als er aus sich herausgeht und mit ihm spielt. Selbst wenn er versucht zu schlafen und Bambi immer weiterplappert. Das macht ihn zu einer so liebenswerten Figur.?

Die üppigen, betörenden Hintergründe des Films tragen ebenso ihren Teil zum emotionalen Ton bei, ebenso der Einsatz von Farben, Licht und die Komposition. Ein deutliches Beispiel dafür ist eine Szene, in der Bambi im Traum seine Mutter trifft, sagt der Layout Director Olivier Adams.

?Das geschieht auf dieser geschwungenen, eleganten offenen Wiese. Es gibt dort keinen dunklen oder schattigen Bereich wie in dem Wald, die Hintergründe sind sehr hell und spielen mit warmen gelben und orangefarbenen Tönen. Diese Sequenz handelt nicht von Trauer, sondern von Glück und Liebe. Das Flattern der Flügel eines Schmetterlings unterstreicht Bambis Herzschlag und seine Emotionen, als er seine Mutter entdeckt. Das sanft wiegende Gras bringt Leben und eine schöne Stimmung in den Hintergrund.? Am Ende war die Animationsphase ein Prozess der ständigen Verfeinerung, bemerkt Deja. ?Wir studierten Modellblätter und Bewegungsabläufe, zeichneten und fingen immer wieder von vorn an, bis wir das erreicht hatten, was wir wollten.?

Die Musik des Waldes Um die Emotionen und die Schönheit von BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER zu unterstreichen, wurden vier wunderbare Songs von preisgekrönten Songwritern und Künstlern in den Film integriert:
  • First Sign of Spring? von Michelle Lewis und ihrem Partner und Ehemann Dan Petty fungiert als zentrales musikalisches Thema des Films. ?Wir suchten nach dem perfekten fröh-lichen, flotten und mitreißenden Song über den Frühling ? einen Song über Neuanfänge und das Öffnen der Herzen?, sagt Matt Walker, Senior Vice-President Music von Walt Disney Toon Studios. ?Michelle hat einige wunderschöne Songs unter anderem für Amy Grant und Cher geschrieben, und sie hatte genau das richtige Flair. Als wir ihre Stimme auf einem Demo-Tape hörten, wussten wir, dass sie diesen Song für den Film singen mußste. Ihre Stimme hat eine so schöne Klarheit, wir wären verrückt gewesen, wenn wir dafür jemand anderen gesucht hätten.?
  • ?There Is Life? wurde von David Friedman geschrieben und wird von der vielfachen Grammy-Gewinnerin Alison Krauss gesungen. ?David Friedman, der aus der Theaterszene New Yorks stammt, hat schon als Dirigent und Arrangeur an diversen Disney-Klassikern mitgearbeitet, unter anderem an ALADDIN (?Aladdin?, 1992), BEAUTY AND THE BEAST (?Die Schöne und das Biest?, 1991) und POCAHONTAS (?Pocahontas?, 1995) ? also versteht er unsere Welt?, sagt Walker.

    ?Davids Songs handeln oft von Verlusten und dem Umgang damit, und mit einer so wunderbaren, subtilen Spiritualität war er genau der Richtige für unseren Film. Wir brachten David nach L. A., um sich einige der frühen Storyboards anzusehen, und er war so bewegt, dass er den kompletten Song auf dem Flug zurück nach New York schrieb. Ich glaube nicht, dass wir an seinem ersten Vorschlag etwas geändert haben ? die Emotionen waren so kraftvoll und wahrhaftig, dass sie einfach aus ihm heraus-strömten. Und wir waren begeistert davon, mit Alison Krauss die perfekte Stimme für diesen Song gefunden zu haben. Sie ist die Stimme des Waldes, vielleicht sogar die von Bambis Mutter, wenn man das so interpretieren will. Es war ein Traum und eine Ehre, sie bei diesem Projekt dabeizuhaben. Ihre Stimme ist pure Magie.?

  • ?Show Me (How the World Looks Through Your Eyes)?, geschrieben von den Oscar®- und Grammy-aus-gezeichneten Songwritern Richard Marx und Dean Pitchford und gesungen von Martina McBride, ist der erste Abspann-Song. ?Das Vater-Sohn-Thema hat Richard und Dean gleich angesprochen, und sie haben diesen wunderschönen, erbaulichen Song geschrieben?, erinnert sich Walker. ?Ursprünglich war er für einen Einsatz in der Mitte des Films gedacht, aber er war so großartig und energetisch, dass wir ihn ans Ende gestellt haben. Der Text des Stückes fasst tatsächlich das Thema des Films zusammen ? Vater und Sohn legen ihre Verschiedenheit beiseite und treffen sich in der Mitte. Der Song ist sehr kraftvoll ? und macht viel Spaß. Martina McBride stand auf unserer Liste der ?Traum-Performerinnen?, seit wir mit dem Projekt begonnen hatten, und es ist eine Ehre und eine Freude, sie im Film zu haben.?
  • ?Healing of a Heart?, geschrieben von Marcus Hummon und gesungen von dem australischen Popstar Anthony Callea, ist der zweite Abspann-Song. ?Wir sind große Fans von Marcus? Arbeit mit den Dixie Chicks und zuletzt den Rascal Flatts, also stand er auf unserer Liste für BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER ganz oben?, gibt Walker zu Protokoll. ?Als wir uns mit ihm trafen, sagte ihm das Konzept von Verlust und Heilung gleich zu, und er schrieb uns diesen erstaunlichen Song. Wenn man an BAMBI denkt, hat man nicht gleich einen Gospel-Song aus dem Süden Amerikas im Kopf, aber für unseren Film passte er perfekt.?
Bei den Überlegungen für den Score von BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER waren sich die Filme-macher einig, dass es essenziell sei, dem klassisch inspirierten Score von Edward Plumb nachzueifern, der eine Schlüsselrolle in BAMBI gespielt hatte. Dafür wandten sie sich an den Oscar®-nominierten Komponisten Bruce Broughton, der bereits für die Disney-Animationsfilme THE RESCUERS DOWN UNDER (?Bernard und Bianca im Känguruland?, 1990) und kürzlich erst für MICKEY, DONALD, GOOFY: THE THREE MUSKETEERS (2004) die Musik geschrieben hatte. ?Der Original-Score von BAMBI ist im Grunde ein wunderschönes symphonisches Gedicht, reich an unvergesslichen Melodien, eleganter Orchestrierung und mit dem reichen Einsatz von Stimmen?, sagt Walker.

?Unsere letzten Filme haben sich eher an zeitgemäßen Scores mit einem Schwerpunkt auf Comedy orientiert. Für BAMBI 2 ? DER HERR DER WÄLDER haben wir uns an das Original gehalten, um mehr als nur Inspiration dort zu finden. Das Original diente uns tatsächlich als Vorlage. Wir haben etliche der musikalischen Themen von BAMBI zitiert ? ?Love is a Song? zum Beispiel ?, also mußsten wir sichergehen, dass unsere Themen vor denen aus dem Jahr 1942 bestehen können. Wir haben vieles der damaligen Orchestrierung benutzt, die mit den jeweiligen Charakteren aus dem Film identifiziert wurde. Bruce Broughton war für uns dabei die erste Wahl, und er hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen.? In der deutschen Fassung werden drei der vier Lieder von Sandy gesungen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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