Rendezvous

Ausführlicher Inhalt

An einem Sommernachmittag. Anna und Walter kommen nach Hause und begegnen sich in der gemeinsamen Wohnung. Beide sind überrascht, den Partner anzutreffen. Sie hatte ihre Mutter besuchen wollen, aber etwas vergessen und wundert sich, ihn hier zu sehen, der auf Geschäftsreise sein sollte. Sein Flug hat sich verschoben. Das Telefon klingelt, jemand legt auf. Was soll das Paar so unvorbereitet mit sich anfangen? Ihr Loft ist großzügig, hell, luftig und mit Kunst bestückt. Es geht ihnen gut. Walter ist ein Ellbogenmensch, er hat sich den Erfolg erkämpft. Anna kommt sowieso aus reichem Haus. Zeit zum miteinander Reden allerdings finden sie nicht oft.

Walter öffnet Rotwein und Anna steuert auf eine Aussprache zu ? auf ihre indirekte Art, die Walter, dem pragmatischen Banker, so entgegengesetzt ist. Seine Überlegungen, ob man ein Haus erwerben soll, interessieren sie nicht wirklich, ihr geht es um ein Kind, was er wieder mal als Bereden der Fortpflanzungsfrage abtut. Tatsache jedenfalls ist, es klappt nicht mit der Schwangerschaft, und jeder versucht dem anderen die Verantwortung dafür zu zuschieben. Walter verlässt wortlos die Wohnung. Unten am Hauseingang trifft er auf Jost, der druckst herum ? er wolle einen geschäftlichen Rat, denn seine Spedition brauche einen Kredit.

Jost soll doch einfach zum Essen bleiben, Anna kocht, auf eine Person mehr oder weniger kommt es doch nicht an ? und unter Freunden schon lange nicht. Die Sonne ist untergegangen. Der Ton zwischen dem Ehepaar bei Tisch wird schärfer. Die Luft scheint zu brennen, und die Aggression richtet sich auch gegen den Gast. Nur der Frontverlauf ist unklar. Schon im gleichen Raum zu sein, belastet gegenseitig. Man holt etwas von hier und bringt etwas nach dort ? Bewegung als Ventil.

Als Anna sich bei Jost mit einem Kuss in der Küche entschuldigt, wird Walter unbemerkt Zeuge der intimen Situation. Still dieses Intermezzo. Stumm der Beobachter. Nur das Gekrächze des Papageis Henri akzentuiert die Spannung im Raum. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Walter lauert jetzt auf den rechten Moment, Jost mit der Eröffnung bloßzustellen, dass dessen Firma bankrott und er zahlungsunfähig sei. Nach dem Eklat, dass er Jost auf den Kopf zusagt, dieser sei nur vorbeigekommen, um seine Frau zu vögeln, klingelt es an der Tür und Josts Frau Yvonne erscheint, ebenfalls unangemeldet.

In einem überdrehten Redefluss redet sie hysterisch von einem Klassentreffen, zu dem sie unterwegs war, welches aber Knall auf Fall abgeblasen wurde. Mit dem Auftreten Yvonnes, die jetzt mit Anna zu Salsa-Musik tanzt, scheint die Situation auf einmal komplett verändert, gelockert. Walter ist sichtlich erfreut, offensichtlich genießt er es, die Fäden der Intrige, die Macht zur Bloßstellung der anderen in der Hand zu halten. Als Walter einen Moment mit Yvonne allein ist, offenbart sich, dass auch sie eine Affaire miteinander haben. Sie fragt Walter alarmiert, was Jost wisse, und gleichzeitig wächst ihr Misstrauen gegenüber ihrem Mann, da sie ahnt, was er hier wollte.

Der Abend ist fortgeschritten. Man ist bereits beim Selbstgebrannten angelangt. In die explosive Stimmung platzt Jost mit der Nachricht, dass Yvonne schwanger sei. Das daraus entstehende Gespräch um Lebensperspektiven, die Entscheidung für ein Kind aus Liebe oder der Verzicht darauf zugunsten des Geldes, provoziert den Banker dazu, noch einmal vor Yvonne das geschäftliche Scheitern Josts auszubreiten, worauf sie aus allen Wolken fällt. Tief nachts. Nach einer Prügelei zwischen den Männern bleibt jede Zurückhaltung zwischen den ehemaligen Freunden auf der Strecke: Walter, der mit Anna bisher kein Kind bekommen hat, hält es für möglich, der Vater von Yvonnes Kind zu sein.

Auf dem Gipfel des wechselseitigen Betruges demonstrieren die zwei Paare in der Sauna sexuell ihren Racheakt voreinander. Im Morgengrauen. Als alle Beteiligten erschöpft in den Polstern hängen, schlägt Walter vor Annas Lieblingsspiel zu spielen ? es heißt: ?die Wahrheit sagen?. Die gegenseitige Abrechung geht noch einmal reihum, von einem zum anderen, und am Ende dieser ebenso trunkenen wie ernüchternden Nacht wird für keinen der vier Menschen das Leben so weiter gehen wie zuvor.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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