Midnight Movies

Ausführlicher Inhalt

Die Dokumentation MIDNIGHT MOVIES porträtiert ein Phänomen der Filmszene in den 70er Jahren. Damals entwickelten sich einige Filme, die vor allem in der Spätvorstellung der Kinos gezeigt wurden, zu Kultfilmen, die einen bemerkenswerten Einfluss auf die Popkultur und die moderne Gesellschaft hatten.

In der Dokumentation, die auf dem gleichnamigen Buch von Regisseur Stuart Samuels beruht, kommen Regisseure zu Wort, deren Filme zu MIDNIGHT MOVIES geworden sind: John Waters (PINK FLAMINGOS), David Lynch (ERASERHEAD), George A. Romero (NIGHT OF THE LIVING DEAD), Alejandro Jodorowsky (EL TOPO) und Perry Henzell (THE HARDER THEY COME). Außerdem erzählt Richard O?Brien (Creator und Star von THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW) von seinen Erfahrungen. Komplettiert werden diese Interviews mit Kommentaren von Filmkritiker Roger Ebert und ROCKY HORROR-Produzent Lou Adler u.a.

Die 70er Jahre markierten einen Wendepunkt in der modernen amerikanischen Kultur. Gleichsam als Revolte gegen die Nachkriegsgeneration begann sich ? und dies weltweit ? eine Jugendkultur zu entwickeln, die ihre eigenen Kriterien in Sachen Filmästhetik und -inhalt aufstellte. Der beste Beweis für diese neue Entwicklung ist eine Handvoll von Filmen, die während der 70er Jahre entstanden sind und unter dem Begriff ?Midnight Movies? bekannt wurde.

MIDNIGHT MOVIES erzählt die Geschichte dieser Filme. Indem sich die Dokumentation mit dem Inhalt der Filme auseinandersetzt und ihren Einfluss auf die Popkultur untersucht, gelingt ein historischer und zugleich auch kulturell hochinteressanter Rückblick in eine Ära. Im Mittelpunkt der Dokumentation und präsent durch zahlreiche Filmausschnitte stehen die Filme, die das Medium Film damals neu erfunden haben, indem sie die bis dahin geltenden Grenzen des ?guten Geschmacks? und der sozialen Tabus durchbrachen. Ihre Filmemacher teilten ein und dasselbe Ziel: Sie wollten die traditionellen Aspekte des Filmemachens über Bord werfen und hier etwas erschaffen, was außerhalb der Norm lag. Es entstanden Filme, die für ein rituelles Sehen bestimmt waren, und nicht dazu einen schnellen Box Office-Erfolg zu gewährleisten.

Damit veränderten diese Filmemacher nicht nur das Angesicht des Films, sondern auch die Sehgewohnheiten des Publikums und bestimmten damit, wie wir noch heute Independent Filme wahrnehmen. Ein Kinobesuch in den 70er Jahren wurde bei diesen Filmen zu einem seltsamen Erlebnis. Jedes Wochenende um Mitternacht kam das Publikum in die Kinos, um immer wieder einen speziellen Film zu sehen. Dadurch wurde der Kinobesucher Teil einer bestimmten sozialen Gruppe, deren Mitglieder im Hinblick auf Intellekt, cineastisches und kulturelles Verständnis etwas gemeinsam hatten. Dieses Zusammenfinden von Kinobesuchern in bestimmten Gruppen fungierte hier für eine Jugend in der Krise als Gegenentwurf zum Leben der Elterngeneration.

Die neuen Wege, die Regisseure wie David Lynch, John Waters und George Romero in den 70er Jahren gegangen waren, hatten nicht nur einen großen Einfluss auf die Popkultur, sondern beeinflussten auch kommende Filmemacher bis heute. Als Resultat der ?Midnight Movies? akzeptiert das heutige Publikum viele abnormalen Dinge als normal, das Bizarre als das Bessere, das Groteske als gut, sexuelle Vielfältigkeit als schick und empfindet die Definition von Vernunft und Zurechnungsfähigkeit als relativ.

MIDNIGHT MOVIES erzählt die Geschichte von sechs Filmen, die zu Recht als Meilenstein der filmischen Umwälzungen der 70er Jahre angesehen werden können: EL TOPO (1969), NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968), THE HARDER THEY COME (1973), PINK FLAMINGOS (1972), THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW (1975) und ERASERHEAD (1977). Dabei verknüpft die Dokumentation Interviews mit den Regisseuren, Produzenten, Autoren und Stars, die an diesen Filme beteiligt waren mit Interviews von Kinobetreibern und Verleihern, die die Filme gespielt und Kinobesuchern, die sie gesehen haben.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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