Tsotsi

Produktionsnotizen

Athol Fugards Roman ?Tsotsi? erschien erstmals 1980 und weckte im Laufe der Jahre das Interesse verschiedener bedeutender Filmproduzenten in New York und Los Angeles. Mehrere Drehbuchversionen waren schon geschrieben worden, bevor der Produzent Peter Fudakowski auf die Geschichte stieß, doch in keinem Fall kam die Finanzierung wirklich zustande. Es schien, dass die Leinwand-Adaption eines Buches, das vor allem aus einer inneren, psychologischen Reise des Protagonisten besteht, beachtliche Schwierigkeiten mit sich brachte.

Fudakowski hatte The Storekeeper (1998) und A Reasonable Man (1999), zwei frühere Filme des südafrikanischen Regisseurs und Autors Gavin Hood, beim Filmfestival in Cannes gesehen, und sie waren ihm als provokativ und bewegend in Erinnerung geblieben. Nachdem er sich, wie schon viele vor ihm, in die Geschichte von TSOTSI verliebt hatte, arrangierte Fudakowski ein Treffen mit Hood in Los Angeles, bei dem sie verschiedene Varianten diskutierten, wie man den Roman auf die Leinwand bringen könnte.

Schließlich entschied der Produzent sich, das Risiko einzugehen, und beauftragte Gavin Hood mit dem Verfassen einer ersten Drehbuchfassung, ohne dass er sich überhaupt die Filmrechte des Buchs gesichert hatte. Er war überzeugt davon, dass Hood die Essenz des Romans in ein Drehbuch umwandeln und der Geschichte gleichzeitig einen modernen Dreh geben könne. Allerdings hatte er dabei nicht mit der Leidenschaft und Geschwindigkeit Hoods gerechnet.

?Gavin brauchte nur zwei Monate für das Skript?, berichtet Fudakowski. ?Die Qualität war für eine erste Fassung so unglaublich gut, dass ich ihn wirklich fragen mußste, wie er das geschafft hat.? Gavin Hoods Antwort kam sofort: ?Diese Geschichte wollte ich schon mein ganzes Leben adaptieren.?

Fudakowski kaufte die Rechte an dem Roman und der Versuch, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, konnte beginnen. Unter dessen jagte eine Drehbuchfassung die nächste, da Hood in Zusammenarbeit mit den Drehbuchlektorinnen Janine Eser und Henrietta Fudakowski an seiner Adaption feilte. Als das Buch schließlich ein Stadium erreichte, in dem man es dem Romanautor Athol Fugard hätte schicken können, zögerte Peter Fudakowski.

Fugard hatte den Ruf, einer harter Kritiker der Drehbuchfassungen seiner Theaterstücke zu sein und alle befürchteten, dass er Hoods Version vielleicht hassen könnte. Doch schließlich schickte Fudakowski ihm das Drehbuch ? und wartete einige Wochen unruhig, bevor Fugard endlich per e-Mail antwortete.

?Lieber Peter?, schrieb er, ?vielen Dank für das Drehbuch von TSOTSI, das ich nun mit großer Faszination und Freude gelesen habe. Gavin Hood hat wunderbare Arbeit geleistet und auch wenn mir die Veränderungen und Abweichungen vom Original aufgefallen sind, finde ich, dass das Drehbuch dem Geist des Romans absolut treu bleibt. Und lassen Sie mich noch anmerken, dass es meiner Meinung nach die beste Adaption eines meiner Werke überhaupt ist.? Der Produzent und der Regisseur waren begeistert ? und erleichtert.

Der Roman ?Tsotsi? spielt im Südafrika der 1950er Jahre, aber schon in der ersten Entwicklungsphase des Drehbuchs war klar, dass die zeitlosen und universellen Themen Erlösung und Selbstfindung im Buch so kraftvoll herausgearbeitet waren, dass man sie wirkungsvoll in ein modernes Szenario übertragen konnte.

?Wir wollten durch die Übertragung in die Gegenwart zwei Dinge sicherstellen?, sagt Fudakowski. ?Erstens sollte die Geschichte so stark wie möglich auf ein modernes Publikum wirken und zweitens bekamen wir so die Möglichkeit, den Film tatsächlich bezahlen zu können.? Der südafrikanische Koproduzent Paul Raleigh stimmt ihm zu: ?Dadurch, dass wir die Handlung ins Heute verlegt haben, konnten wir einiges an teuren historischen Kulissen und Kostümen sparen. Das erhöhte unsere Chancen, die Finanzierung zustande zu bringen, erheblich.?

Und Hood fügt hinzu: ?Unser oberstes Ziel war es, mit TSOTSI einen aufschlussreichen und stimmig erzählten psychologischen Thriller auf die Leinwand zu bringen, dessen Handlung von den Charakteren vorangetrieben wird. Außerdem wollten wir das Publikum in eine Welt der radikalen Kontraste entführen. Wolkenkratzer und Baracken, Reichtum und Armut, brutale Gewalt und zarte Fürsorge ? all das kollidiert in einem Film, der letztlich eine klassische Geschichte der Erlösung ist.?

Zu Beginn des Films erscheint die titelgebende Hauptfigur beinahe hoffnungslos verloren an ein liebloses Leben der Gewalt. Er lebt in einem Slum in der Peripherie Johannesburgs, einer pulsierenden, multikulturellen Metropole mit 10 Millionen Einwohnern. Tsotsi ist ein Produkt der Extreme dieser Stadt und Gewalt ist ein integraler Bestandteil seines Lebens. Er verschwendet keine Gedanken an die Zukunft und vermeidet jegliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Er existiert bloß in der düsteren Gegenwart.

Hoods Ziel war es, die Gewalt im Film auf ehrliche und realistische Weise darzustellen, ohne Verbrechen und Brutalität zu verherrlichen. Eine Reihe von gewalttätigen Vorfällen treibt den Film voran, doch der Regisseur besteht darauf, dass diese Taten nicht glorifiziert werden. Sie ereignen sich spontan und eruptiv und es bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig, als sich auf die Konsequenzen zu konzentrieren, die diese Gewalt auf das Leben der Charaktere hat.

Alle Charaktere Fugards sind zutiefst menschlich, auch wenn sich ihre Menschlichkeit mitunter erst nach und nach im Verlaufe des Films enthüllt. ?Ich hoffe, dass das Publikum in den ruhigeren Momenten des Films eine tiefe Intimität mit und zwischen den Figuren spüren wird. Es war meine Absicht, dass die Zuschauer am Ende des Films eine tatsächliche Empathie für die Charaktere entwickeln, obwohl sich ihr eigenes Leben so sehr von dem der Protagonisten unterscheidet?, sagt Hood.

Um genau das zu erreichen, entschied sich der Regisseur, einheimische Schauspieler zu besetzen, die ?Tsotsi-Taal? sprechen, jene Sprache der Straßen Sowetos, der riesigen Vorstadt Johannesburgs. ?Junge Schauspieltalente gibt es in Südafrika im Überfluss. Man kann tolle Darsteller in den örtlichen Gemeindehallen und Schülertheatern sehen, aber die meisten von ihnen bekommen nie die Gelegenheit, ihr Können jenseits dieser kleinen Bühnen zu zeigen?, berichtet er.

Doch Investoren von der Idee zu überzeugen, einen 35mm-Spielfilm auf ?Tsotsi-Taal? ohne international vermarktbare Stars zu drehen, war nicht einfach. Zu jenem Zeitpunkt hatten UK Film & TV Production Company und The Industrial Development Corporation of South Africa der Produktion bereits ihre finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.

?Unsere Investoren baten, dass ich mich wenigstens mit internationalen Schauspielern treffen sollte?, erinnert sich Hood. ?Das Drehbuch kam bei den Talentagenturen in Los Angeles sehr gut an und ich traf mich drei Wochen lang mit einigen sehr talentierten Menschen. Es waren alles fantastische Schauspieler, aber letzten Endes fühlte es sich nicht richtig an, den Film auf Englisch statt auf ?Tsotsi-Taal? zu drehen. Es hätte die Atmosphäre der Geschichte verwässert.?

Nach drei zermürbenden Wochen in Los Angeles, in denen sie widerstrebend die Möglichkeit absagten, mit einigen großen Talenten zu arbeiten, flogen Fudakowski und Hood nach Südafrika und begannen Vorsprechen zu halten. Zunächst testeten sie für die Rolle des Tsotsi Schauspieler im Alter von etwa 30 Jahren und suchten dabei nach hart und stark wirkenden Typen. Doch bald erkannten sie, dass Empathie mit einem brutalen, erwachsenen Tsotsi schwierig werden würde.

Von der Casting Direktorin Moonyeen Lee kam schließlich der Vorschlag, es mit einem wesentlich jüngeren Schauspieler zu versuchen. ?Tsotsi tut einige schreckliche Dinge?, sagt Lee, ?Und die vergibt ein Publikum einem Jungen, der erst an der Schwelle des Erwachsenseins steht, viel eher als jemand älterem.? Statt eines erwachsenen Mannes, dessen Entwicklung mehr oder weniger abgeschlossen ist, suchte das Team nun nach einem Teenager, der noch nicht herausgefunden hat, wer er ist, denn im klassischen Sinne ist TSOTSI eine Coming of Age-Geschichte.

?Wir casteten dutzende junge Schauspieler, von denen die meisten noch nie vor einer Kamera gestanden hatten?, berichtet Hood. ?Doch so sehr wir uns auch bemühten ? der Tsotsi, von dem ich wusste, er würde den Film tragen können, war nicht dabei. Ich fing schon beinahe an es zu bedauern, so leichtsinnig auf einen international erfahrenen Schauspieler verzichtet zu haben.?

Am Ende stellte sich die Entscheidung aber doch als einfach heraus. Als Presley Chweneyagae den Raum betrat und für die Rolle des Tsotsi vorsprach, war das eine fesselnde Vorstellung. ?Wir hatten mit Terry Pheto schon eine wunderbare Miriam gefunden. Sie war eine wunderschöne Frau und hatte gleichzeitig die Ausstrahlung einer Madonna?, erinnert sich Fudakowski.

?Gavin bat sie zu bleiben und mit Presley zu arbeiten. Gemeinsam arbeiteten sie an der Szene, in der Tsotsi in Miriams Hütte eindringt und sie mit der Waffe bedroht. Gavin forderte sehr viel von den beiden, aber ich spürte, dass etwas Aufregendes vor sich ging. Irgendwann glaubte Gavin, die beiden seien bereit, und trat für einen Take zurück hinter die Kamera. Presleys Spiel in dieser Einstellung war so intensiv, dass Terry in Tränen ausbrach. Nicht, weil die Szene so aggressiv war und er sie anschrie, sondern weil er so fokussiert und echt war. Auch Moonyeenn hatte Tränen in den Augen, und als ich zu Gavin schaute, stießen wir beide simultan ein erleichtertes ?Ja!? aus. Wir hatten unseren Tsotsi gefunden.?

Hood ist stolz auf die Leistungen all seiner jungen Schauspieler. ?Ihre völlige Hingabe und ihr außergewöhnlicher Professionalismus unter den zum Teil sehr schwierigen Bedingungen waren inspirierend. Wir drehten im Winter und die meisten Szenen spielten nachts. Es war kalt, es war nass und fast alle Szenen waren emotional fordernd und intensiv.?

Der Film wurde im Wide Screen-Bildformat (2.35:1) und auf Super 35mm gedreht, um der intimen Geschichte eine epische Qualität zu verpassen. Hood wählte dieses Format bewusst, um mit der Konvention zu brechen, Film, die im Ghetto spielen immer auf grobkörnigem 16mm zu drehen. Das Wide Screen-Format ermöglichte Bildkompositionen, die auch in Großaufnahmen ein unmittelbares Gespür der Umgebung der Charaktere vermittelten.

Außerdem wollte Hood seiner Geschichte eine gewisse Oberflächenstruktur verpassen ? und zwar nicht mittels Grobkörnigkeit, sondern durch das genaue Gegenteil: er verwendete feines, hochauflösendes Filmmaterial, das den Schmutz, die Farben und die Struktur der echten Umgebung im Detail einfangen konnte.

?Die große Herausforderung bei diesem Film war es, das Publikum in die Welt einer sehr ausgegrenzten, unsozialen Figur zu ziehen und es auch noch mit ihr mitfühlen zu lassen?, verdeutlicht Hood. ?Daher drehten wir die meisten Nahaufnahmen mit der Kamera ganz dicht an den Gesichtern der Schauspieler, denn ich wollte ein wirkliches Gefühl von Nähe zwischen Publikum und Schauspieler erzeugen. Der Zuschauer sollte Tsotsi direkt in die Augen schauen können.?

Das Produktionsdesign sollte zusätzlich die Idee von einer Welt der Gegensätze unterstützen, verstärkt durch den Einsatz von Farben und Oberflächen, durch den sich die verschiedenen Charaktere unterscheiden ließen. In Tsotsis Welt gibt es kaum Farben, wie man an der Düsterkeit seiner Baracke und den dunklen Tönen seiner Kleidung sehen kann. Miriam dagegen drückt auf einfallsreiche Weise vieles durch Farben aus, trotz ihrer Armut. Ihre Hütte ist eine üppige Mischung aus Fundstücken und bunten Elementen.

Als Abenteuer entpuppte sich schließlich auch die Suche nach der richtigen Musik für den Film. Als Fudakowski das erste Mal zur Erkundung der Gegend nach Südafrika kam, nahm Hood ihn mit in einen Plattenladen und fragte nach einem Stapel CDs lokaler Künstler. Als Fudakowski die Kwaito-Musik des südafrikanischen Superstars Zola hörte, strahlten seine Augen: ?Jetzt weiß ich, wie wir den Film aufziehen müssen! Es ist eine düstere Geschichte, aber wir müssen sie unterhaltsam erzählen und für ein internationales Publikum zugänglich machen. Mit dieser pumpenden Kwaito-Musik, wird sie Energie und Tempo haben. Sie wird ein lebhaftes Gegengewicht zur Geschichte bilden und den jungen Zuschauern helfen, sich in Tsotsi hineinzuversetzen!?

Die Musik für den Film ist eine aufgeladene Kombination aus den cleveren und manchmal aggressiven Kwaito-Stücken und den etwas gefühlvolleren Klängen von Vusi Mahlasela, dessen eindringliche Stimme die Musik dominiert und den Film mit einer transzendenten Spiritualität durchtränkt.

Der Begriff Tsotsi - Ursprung und Bedeutung Mit dem Wort ?Tsotsi? bezeichnet man in der Umgangssprache der Townships in Südafrika einen schwarzen Kriminellen, einen Straßenkämpfer oder ein Gangmitglied. Seinen Ursprung hat das Wort vermutlich in einer Abwandlung des Sesotho-Wortes ?tsotsa?, das man mit ?sich auffällig kleiden? übersetzen kann. Ursprünglich assoziierte man die Tsotsis mit den typischen, an den Schultern wattierten Anzügen amerikanischer Gangster in den 30er Jahren.

Tsotsis sind gewöhnlich Teil der großstädtischen, jugendlichen Gangs, die auf den Straßen des Ghettos aufgewachsen sind. Ihre Geschichte geht zurück bis zu den berühmten Jugendbanden der 30er im Township Soweto außerhalb Johannesburgs. Auch der ehemalige südafrikanische Präsident Nelson Mandela erinnert sich in seiner Autobiografie ?Der lange Weg zur Freiheit? an die Banden als Bestandteil des Townshiplebens in den 40ern.

?Wie so häufig an entsetzlich armen Orten, kamen die schlimmsten Elemente zum Vorschein?, schreibt Mandela. ?Ein Leben war wenig wert; Pistolen und Messer regierten die Nacht. Die Gangster ? Tsotsis genannt ? trugen Klapp- und Springmesser bei sich und waren zahlreich und auffällig präsent. Damals ahmten sie amerikanische Filmstars nach und trugen Filzhüte, Anzüge und breite, bunte Krawatten.?

Es gab die mächtigen Tsotsis in ihren Anzügen ebenso wie die Kleinkriminellen. In den 50ern und 60ern hatten die mächtigen Tsotsis häufig asiatische oder weiße Hintermänner und waren für groß angelegte Verbrechen zuständig, während die kleinen Fische Amateure waren, häufig Jungs, die nicht zur Schule gingen, und junge Männer, die keine geregelte Arbeit finden konnten oder wollten.

Heute wird das Wort allgemeiner als Ausdruck für junge Kriminelle am Rande der Gesellschaft verwendet. Während früher das Wort Tsotsi das Bild eines glamourösen Verbrechers heraufbeschwor, wird es heute eher mit jungen Straßengangs assoziiert, deren Leben alles andere als glamourös ist. Eines aber hat sich nicht geändert: Die meisten Tsotsis kommen aus unterprivilegierten Verhältnissen.

Schon in den 50er Jahren schrieb Henry Nxumalo, der Enthüllungsjournalist des legendären ?Drum?-Magazins: ?Sie entstehen jeden Tag im Reef (der Umgebung Johannesburgs, das man auch die Goldene Stadt nennt). Es stimmt, dass die jungen Männer teilweise selbst Schuld sind, wenn sie den falschen Weg einschlagen. Aber die Zahl der Verbrechen variiert in einer Stadt je nach Wohlstand oder Armut eines Großteils ihrer Bevölkerung. Angesichts der aufreibenden Armut und des Meeres von Elend, das die Goldene Stadt umgibt, erklärt sich der Rest von selbst. Es ist ein Existenzkampf und das Individuum will überleben.?

Unter der Apartheid-Regierung (1948 bis 1994) wurden 1952 Passierschein-Gesetze erlassen, die die Bewegungsfreiheit der Schwarzen einschränken sollten. Schwarze brauchten einen speziellen Pass, der ihnen erlaubte, in bestimmten Gegenden zu leben und zu arbeiten. Keinen oder den falschen Pass zu haben, galt als kriminelles Vergehen.

Davon schrieb auch Nxumalo: ?Keine Erziehung, keine Arbeit oder kein Passierschein ? das bedeutet, dass ein junger Mann nachts und nicht bei Tag leben mußs, es macht ihn zum Kriminellen. Fähige Männer sind frustriert ob des Mangels an Möglichkeiten in ihrem Leben: bald finden sie heraus, dass sie mit Verbrechen mehr Geld verdienen können, als mit ehrlichen Mittel.? Und so entsteht ein Tsotsi. Obwohl der ANC (African National Congress), der PAC (Pan African Congress), das ANC Youth Movement und das Black Consciousness Movement versucht haben, die unberechenbare Tsotsi-Gangs in den Townships an disziplinierte politische Aktivitäten zu binden, sind sie letztlich gescheitert.

Tsotsis sprechen Tsotsi-Taal, oder Isicamtho, den Slang der südafrikanischen Townships, der aus Afrikaans und einer Mischung aller lokalen Sprachen wie Zulu, Xhosa, Tswana und Sotho. Das South African Concise Oxford Dictionary beschreibt es als ?von Afrikaans beeinflussten Dialekt der Townships... üblicherweise gesprochen in Gauteng? (vormals als Reef bezeichnete Gegend). Durch Musik, Radio und allgemeine Kommunikation, hielt Tsotsi-Taal verstärkt Einzug in den täglichen Sprachgebrauch, wodurch die meisten Menschen in Südafrika zumindest ein bisschen Tsotsi-Taal verstehen.

Kwaito-Musik ? Die Ursprünge Kwaito ist die moderne Musik der südafrikanischen Townships. Auf dem Soundtrack des Films spielt sie eine dominierende Rolle und trägt zum authentischen Bild des Straßenlebens der Ghettos bei. Gemäß dem South African Concise Oxford Dictionary stammt das Wort ?kwaito? von dem Namen ?Amakwaito? ? einer Gangstervereinigung der 50er Jahre im Johannesburger Township Sophiatown, die im Gegenzug ihren Namen an das Afrikaans-Wort ?kwaai? anlehnten, das ?wütend? oder ?böse? bedeutet.

Kwaito ist eine Spielart populärer Tanzmusik, die fest in der urbanen Kultur Johannesburgs verwurzelt ist und rhythmisch rezitierte Gesänge über einen instrumentalen Hintergrund mit starker Bassline legt. Wie viele Arten von House-Musik, wird Kwaito nicht live mit Instrumenten gespielt, sondern im Studio aufgenommen und dann auf der Bühne oder im Club im Hintergrund abgespielt, während der Künstler live singt.

Mit den lokal gefärbten Texten und den treibenden Dance-Beats spiegelt Kwaito, wie keine andere Musik die Jugendkultur des Südafrikas der Post-Apartheid-Zeit wieder. Man kann sie im ganzen Land hören, in Kleinbussen ebenso wie in Clubs, in Radios und auf Partys. Kein Sound prägt die Stimme des jungen, schwarzen Südafrikas mehr. Ähnlich wie amerikanischer HipHop, ist Kwaito Ausdruck und Bestätigung eines modernen, städtischen Lebens, gesungen in einem Slang, der eine Mischung aus Englisch, Zulu, Sesotho und Isicamtho (jenem südafrikanischen Straßenslang, der eine moderne Variante von Tsotsi-Taal) ist.

Als Musikrichtung begann die Erfolgsgeschichte von Kwaito im Südafrika der 90er Jahre und basiert auf einer Vermischung verschiedener Rhythmen und Sounds wie Marabi aus den 20ern, Kwela aus den 50ern, Mbaqanga/ Maskhandi, dem fröhlichen Pop der 80er und dem traditionellen Imibongo (afrikanischer Lobpreis-Lyrik).

Auch Sängerinnen und Sänger wie Miriam Makeba, Brenda Fassie und Chicco Twala haben den Kwaito-Sound beeinflusst und gelegentlich hört man deutlich die Inspiration durch HipHop, Ragga, Jazz und amerikanischen und britischen House heraus. Auch textlich standen für die Songs SängerInnen wie Fassie und Twala Pate, die die kleinen Leute vertraten und darüber sprachen, was in den Ghettos vor sich ging. Einer der bekanntesten Urheber des Genres ist Arthur Majakote, der 1993 mit seinem umstrittenen Hit ?Don?t Call Me Kaffir? auf der Höhe der Zeit war, wobei der Titel eine Referenz an den herabwürdigenden Begriff für Schwarze im Südafrika der Apartheid ist.

Der DJ und Produzent Oscar ?waRona? Mdlongwa erinnert sich: ?In den späten 80ern begannen wir, internationale House-Stücke zu remixen, um ihnen einen lokalen Touch zu geben. Wir haben ein bisschen Klavier hinzugeführt, das Tempo etwas gedrosselt und Perkussion und afrikanische Melodien darüber gelegt.?

Kwaito ist die wütende Stimme der Townships, die vom dortigen Leben erzählt, es kennt und versteht und genau dem dortigen Stil entspricht. Kwaito zeigt, dass man stolz sein kann auf die Herkunft aus dem Township, was besonders ironisch ist, wenn man bedenkt, dass die Townships einst von der nationalistischen Apartheid-Regierung als Teil ihrer rigiden Rassentrennung-Politik entwickelt wurden.

Als authentisches Symbol des Lebens in den Townships wurde Kwaito von der südafrikanischen Jugendkultur begeistert aufgenommen ? und beinahe die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 21 Jahre. Die Musik half, ein Gefühl von Optimismus und Selbstbewusstsein in der Zeit nach der Apartheid zu vermitteln, und hat die kulturelle Landschaft dauerhaft verändert.

?Kwaito wird uns noch lange Zeit begleiten?, glaubt der Musiker Hugh Masekela. ?Es ist Teil des musikalischen Mainstreams geworden. Ich kann darin Nuancen entdecken, die so genannte Kritiker nie verstehen werden. Da geht es ganz konkret um das Lebensgefühl im Township.?

Mittlerweile ist Kwaito nach Gospel die kommerziell erfolgreichste Musikrichtung in Südafrika und sorgt für große Gewinne im Musikgeschäft. Gleichzeitig regt sich natürlich auch Kritik ? manch einer beschwert sich über zu viele bedeutungslose Texte bei einigen Kwaito-Künstlern. Dennoch meint Lance Stehr, Chef des erfolgreichen Kwaito-Labels Ghetto Ruff: ?Die Texte der Kwaito-Songs haben etwas, das die Jugend hören will. Das spricht sie direkter an als die HipHop-Stars aus den USA.?

Kwaito kommentiert die echten Probleme, mit denen sich die Jugend Südafrikas zuhause und auf den Straßen konfrontiert sieht. Die Szene hat die verschiedensten örtlichen Persönlichkeiten, Trends, Sounds und Tänze zu bieten und die Texte werden für junge südafrikanische Künstler, die einfühlsam vom wirklichen Leben erzählen wollen, immer wichtiger. Nach und nach beeinflusst Kwaito auch den internationalen Musikmarkt: erste Künstler verkaufen ihre Cds schon außerhalb Südafrikas, etwa in den USA, Europa und Australien, und auch in China und Japan besteht schon Interesse an der Musik.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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