Tristan & Isolde

Produktionsnotizen

TRISTAN & ISOLDE erzählt eine epische Geschichte voller gewaltiger Schlachten, königlicher Intrigen und einer zeitlosen, doch unerfüllbaren Liebe. Schon lange handelte es sich um ein Traumprojekt für die ausführenden Produzenten Tony und Ridley Scott. ?Wir haben zwei Liebende auf verschiedenen, mit einander verfeindeten Seiten. Eigentlich ist eine Beziehung ein Ding der Unmöglichkeit, und doch setzen sie sich über alle Widrigkeiten hinweg?, erzählt Ridley Scott, Regisseur des Oscar®-Gewinners Gladiator (2000) und Königreich der Himmel (2005).

?Das ist eine Geschichte voll epischer Wucht, in deren Mittelpunkt ganz simples menschliches Verhalten steht ? eine zeitlose Angelegenheit.? Der Mythos von Tristan und Isolde entstammt einer keltischen Legende und wurde erstmals im Mittelalter schriftlich überliefert. Diese tragische Geschichte einer verbotenen Liebe zwischen einem Mann und einer Frau ist älter als die Legende von Arthur und Guinevere in ?Camelot? oder auch Shakespeares ?Romeo und Julia?. ?Das tragische Wesen dieser Liebesgeschichte hat ihren Reiz für mich nie verloren?, merkt Ridley Scott an. ?Das hat dramatisch und emotional eine so große Wucht, dass es Raum und Zeit absolut transzendiert.?

Scotts Faszination für den Stoff ist spürbar. Über zwei Jahrzehnte hinweg nahm er das Material immer wieder in Angriff, ursprünglich auch mit dem festen Vorhaben, selbst Regie zu führen. Drehbuchautor Dean Georgaris wusste von Scotts Begeisterung für den Mythos und schickte seine Version des Drehbuchs an Scott Free, die Produktionsfirma von Ridley Scott und seinem Bruder Tony. Die Firma kaufte das Buch, in dem die Geschichte nicht mehr in einem magischen Mittelalter erzählt wird, sondern in ein Universum verpflanzt wurde, das der Realität deutlich näher kommen dürfte.

Obwohl Ridley Scott weiter an dem Projekt arbeiten wollte, machte er sich auf die Suche nach dem richtigen Regisseur, der aus dem üppigen Material eine eigene Vision filtern würde. ?Als Produzent dieses Films war die wichtigste Aufgabe, den richtigen Regisseur zu finden und ihm die nötige Freiheit zu geben, seine eigene Vorstellung umsetzen zu können?, merkt Ko-Produzentin Anne Lai an.

Scott nahm sofort Kontakt mit Kevin Reynolds auf, der bei Filmen wie Robin Hood ? König der Diebe (1991), Rapa Nui (1994) und Monte Cristo (2002) bereits bewiesen hatte, dass er ein Gefühl für derartige epische Abenteuergeschichten besitzt. ?Diese Geschichte hat etwas, was sie absolut unwiderstehlich macht?, sagt Reynolds. ?Sie ist unsagbar romantisch und traurig, eine wunderbare Tragödie, die nicht zuletzt an ,Romeo und Julia? erinnert.?

Angesiedelt ist die Geschichte bei den englischen Stämmen, die nach dem Fall von Rom über die Kontrolle ihrer Ländereien kämpfen. In dieser Atmosphäre der totalen Auflösung, in der Chaos an Stelle jeder Form von Ordnung getreten ist, greifen die Angeln, die Sachsen und Juten das Land aus dem Osten an, während die Truppen des irischen König Donnchadh (David Patrick O?Hara) vom Westen in Cornwall einfallen. In einem dieser Dörfer wird Tristan (James Franco) von Lord Marke (Rufus Sewell) groß gezogen.

Während eines Angriffs der Iren, bei dem Tristans Familie getötet wurde, hatte Marke eine Hand verloren, als er den Jungen verteidigte. Als junger Mann führt der charismatische Tristan Guerilla-Attacken auf die irischen Besatzer an und zwingt dabei selbst die besten Krieger von König Donnchadh in die Knie. ?Tristan ist nach der Ermordung seiner Eltern erfüllt von Wut?, erzählt James Franco, den man aus den Spider Man-Filmen kennt und der einen Golden Globe für seine Darstellung der Leinwandlegende James Dean in dem gleichnamigen Fernsehfilm erhielt.

?Er findet auch, dass sein Ziehvater der absolut ideale Mann dafür wäre, England wieder zu vereinen. Er würde keinen Moment zögern, sich den irischen Truppen entgegen zu stellen.? Lord Marke, merkt Rufus Sewell an, zeichnet sich durch seine Würde und seine Führernatur aus: ?Wie man es auch betrachten mag, das ist ein wahrer König, ein geborener Führer. Sein Problem ist, dass er seine Hand verloren hat und sich buchstäblich nicht selbst verteidigen kann. Er ist nicht mehr der beste Krieger, als der er sich einst ausgezeichnet hatte.?

Bei einem ihrer Überfälle kämpft Tristan wieder wie ein Löwe, aber er wird von einer vergifteten Klinge verletzt und von seinen Mitstreitern für tot gehalten. ?In einer Wikinger-Trauerzeremonie wird sein Körper in ein Boot gelegt und auf die offene See geschickt?, berichtet James Franco. ?Aber Tristan ist nicht tot. Sein Boot wird an die Küste Irlands gespült, wo er die Frau trifft, die ihm das Leben rettet.?

Was Tristan nicht weiß: Seine Retterin ist die irische Prinzessin Isolde, die mutterlos unter der strengen Hand ihres Vaters König Donnchadh aufwächst: ?Isolde ist Teil der königlichen Familie von Irland ? sie ringt verzweifelt um ihre Freiheit?, meint Sophia Myles. ?Sie besitzt auch eine sehr spirituelle Ader und hat eine Ahnung, dass sich in ihrem Leben eine gewaltige Veränderung einstellen wird. Eines Tages findet sie einen bewusstlosen Mann, der an den Strand gespült wurde. Für sie ist es Liebe auf den ersten Blick.?

Die beiden verlieben sich hoffnungslos ineinander. Für einen kurzen Moment können sie ihr Glück genießen, weit weg von den Problemen, die ihre Völker erbittert gegeneinander kämpfen lassen. ?Er ist ein Krieger, aber für ihn ändert sich alles, als er Isolde kennenlernt: seine Wahrnehmung von sich selbst und wie er zum Rest der Welt steht?, sagt Franco. ?Die Liebe zwischen den beiden ist einfach überwältigend?, fügt Myles hinzu. ?Sie kommt aus einer Familie, in der Ordnung alles ist, während er aus Umständen stammt, in denen es keinerlei Strukturen gibt. Er hat sein ganzes Leben als Waise und Kämpfer verbracht. Sie sind wie Yin und Yang. Sie passen perfekt zusammen.?

Der irische König würde Tristan natürlich auf der Stelle töten lassen, wenn man ihn entdecken würde, also schickt ihn Isolde zurück in die Sicherheit seiner Heimat England. Bei seiner Rückkehr zu Lord Marke verrät Tristan nichts von dem, was ihm widerfahren ist. In der Zwischenzeit versucht König Donnchadh mit allen Mitteln, Zwietracht unter den Engländern zu säen. So lädt er alle englischen Lords zu einem Turnier, bei dem sie um Isoldes Hand kämpfen sollen. Ein Plan voller Hinterlist: Eine Hochzeit würde nicht nur seinen Einfluss in England vergrößern, sondern auch eine Vereinigung der Engländer fast unmöglich machen.

?Lord Marke schickt seinen persönlichen Favoriten, Tristan, nach Irland. Tatsächlich gewinnt er das Turnier und nimmt die Tochter Donnchadhs mit sich nach England ? nicht wissend, dass es sich bei besagter Tochter um seine geliebte Isolde handelt?, erzählt der Darsteller von Lord Marke, Rufus Sewell, ein renommierter Bühnenschauspieler, den man aus Filmen wie Dark City (1998), Ritter aus Leidenschaft (2001) und zuletzt Die Legende des Zorro (2005) kennt. ?Und das ist das Dilemma: Hier haben wir diesen jungen Mann, den Ziehsohn von Lord Marke. Und er ist verliebt in die Braut, die er für Marke nach England gebracht hat.?

Marke heiratet Isolde und bereitet sich darauf vor, König eines nun vereinten Englands zu werden, um damit ein für allemal die finsteren Pläne von Donnchadh Zunichte zu machen. ?Marke ist sich nicht bewusst, dass das Herz seiner Braut in Wahrheit Tristan gehört?, berichtet Sewell weiter. ?Marke liebt aber nicht nur sie, sondern auch Tristan, seinen Ziehsohn. Daraus entwickelt sich ein tragisches Liebesdreieck.?

?Tristan ist der klassische tragische Held, der hin- und her gerissen ist zwischen der Loyalität zu seinem König und der überwältigenden Liebe, die er für die Frau seines Herzens verspürt?, sagt Franco. ?Seine Tragödie besteht darin, dass er bei seinem inneren Kampf auf keinen grünen Zweig kommt.? Franco war der erste Schauspieler, der für den Film besetzt wurde. ?James ist nicht nur ein herausragend talentierter Schauspieler, sondern zeichnet sich auch durch seinen Einsatz und seine gewaltige Konzentrationsfähigkeit aus?, sagt Ridley Scott. ?Am Ende unseres ersten Treffens wussten wir, dass seine Leidenschaft und Liebe für die Geschichte der unseren ebenbürtig war.?

Nach einem Lesetermin mit Franco nahmen die Filmemacher auch sofort Sophia Myles unter Vertrag, die man bislang in Filmen wie Thunderbirds (2004), Underworld (2003) und From Hell (2001) gesehen hat, die aber in TRISTAN & ISOLDE nun ihre erste Hauptrolle in einem Film spielt. ?Sophia ist sehr talentiert und arbeitet sehr instinktiv?, sagt der ausführende Produzent Jim Lemley. ?Wir fanden, dass sie die nötige Unschuld, die nötige Intelligenz und den nötigen Wagemut ausstrahlt, um Isolde sein zu können. Jeder, der ihr Vorführtape sah, war völlig hingerissen.?

?Das Drehbuch hat mich stark bewegt?, erinnert sich Myles. ?Ich konnte es einfach nicht weglegen. Es war so üppig und interessant. Gleichzeitig ist es eine sehr frustrierende Geschichte, weil man sich nichts mehr wünschen würde, als dass die beiden zueinander finden. Aber sie können es nicht.? Rufus Sewell komplettiert das Liebesdreieck als Lord Marke.

?Wir suchten nach einem Schauspieler, der nicht nur Stärke, Nobilität und väterliche Qualitäten vereinbart. Wir wollten einen Schauspieler, der Verletzbarkeit darstellen kann, ohne dabei schwächlich zu wirken?, erzählt Regisseur Kevin Reynolds. ?Obwohl man ihn eher für seine düsteren Rollen kennt, ist Rufus in Wahrheit ein sehr charmanter Typ mit einem wachen Verstand. Wir hoffen, dass er in diesem Film eine andere Seite von sich zeigen kann ? eine Seite, die man noch nicht kennt.?

Lemley hatte mit dem schottischen Schauspieler David Patrick O?Hara bereits bei Braveheart (1995) gearbeitet und dachte sofort an ihn, als es um die Besetzung des König Donnchadh ging. ?Die Rolle zeichnet sich durch Böswilligkeit und einen durchtriebenen Machtwillen aus, aber er ist kein Bösewicht wie aus einem Comic?, sagt Lemley. ?Dies ist ein Typ mit einer extrem kurzen Zündschnur. Aber er ist auch machtvoll und stoisch. Und das lässt sich nicht so einfach darstellen. Als David zum Vorsprechtermin erschien, war er absolut perfekt.?

Weil er sich die Schlachten des Films voller Gewalt und wild vorstellte, aber mit einer relativ kurzen Drehzeit konfrontiert war, wusste Regisseur Reynolds, dass er mit einem Stuntkoordinator arbeiten müsste, der über ein umfassendes Wissen über die verschiedenen Kampfstile in den unterschiedlichen Epochen verfügt. ?Es geht ja nicht um riesige Staaten in diesem Film?, meint Reynolds. ?Und die Anzahl der Kämpfer ist entsprechend beschränkt. Deshalb kommt es mehr auf den persönlichen Kampfstil an, und das macht die Angelegenheit noch bösartiger.?

Als Stuntkoordinator wählte Reynolds den erfahrenen Nick Powell, der bereits die legendären Filmschlachten in Braveheart (1995), Gladiator (2000) oder Last Samurai (2003) gestaltet hatte. ?Es gibt eine Kardinalregel, der ich immer folge: Ich möchte, dass der Kampfstil immer absolut authentisch ist, egal an welchem Film ich arbeite?, berichtet Powell. ?Von Anfang an sollte ein Film einen gewissen Stempel aufgedrückt bekommen. In diesem Fall ist es offensichtlich, dass sich der Kampfstil an der Ära des finsteren Mittelalters ausrichtet. Das Problem ist, dass niemand wirklich weiß, wie damals gekämpft wurde. Aber man kann es sich ungefähr vorstellen, wenn man einen Blick auf die damaligen Waffen wirft.?

Die erste Aufgabe war es jedoch, den Helden des Films entsprechend vorzubereiten. Beinahe sechs Monate vor Beginn der Dreharbeiten begann James Franco mit dem Training. Als Powell zur Crew stieß, begann er zusammen mit dem Schauspieler an der Stunt- und Kampfkoordination zu arbeiten und bildete ihn auch darüber hinaus aus. ?Ich habe mich seiner etwa vier Wochen vor seiner ersten Actionsequenz angenommen?, erinnert er sich. ?Im ersten Monat haben wir sieben Tage in der Woche gearbeitet und an der Choreographie und Abwicklung der Kämpfe gefeilt. Er hat sehr hart gearbeitet, richtig in Form zu kommen und das Schwert so virtuos einzusetzen, wie man das nun im Film sehen kann.?

Fast die gesamte Besetzung mußste sich in einer gewissen Form ausbilden lassen, ob es sich nun um die Arbeit mit Pferden, Bogen oder Schwertern handelte. ?Wir hatten riesiges Glück, weil die Schauspieler in diesem Film sehr gut sind?, meint Powell. ?Sie haben sich viel Zeit genommen, um den Umgang mit Schwertern oder anderen Waffen glaubwürdig zu bewältigen. Sie verstehen die Bedeutung von Authentizität und haben hart gearbeitet, das auch umzusetzen.?

Nur wenig ist bekannt über den Zeitabschnitt zwischen dem Fall von Rom und dem Beginn der Renaissance, der auch als finsteres Mittelalter bezeichnet wird. Dies machte Regisseur Reynolds und seinem Ausstatter Mark Geraghty bei ihrem Unterfangen, diese Ära für die Produktion von TRISTAN & ISOLDE zum Leben zu erwecken, schwer zu schaffen. ?Keiner kann wirklich sagen, was im finsteren Mittelalter vorgefallen ist. Das kann eine gute, aber auch eine schlechte Sache sein?, merkt Kevin Reynolds an.

?Mark und ich nahmen uns erst einmal die Aufzeichnungen vor, die belegten, was im römischen England des fünften Jahrhunderts bereits existierte. Dann wandten wir uns dem neunten Jahrhundert zu, in dem man wieder begann, schriftliche Unterlagen zu führen. Dann erlaubten wir uns Schätzungen, was in den fehlenden Jahrhunderten passiert sein mußste.? Reynolds verließ sich auf Geraghty, mit dem er bereits an Monte Cristo (2002) gearbeitet hatte. Der Regisseur wusste, wie innovativ der Szenenbildner bei der Arbeit an seinen Designs sein kann. Vieles davon, meint Geraghty, sei reine Vermutung und hinge stark von seinem Einfallsreichtum und seiner Fantasie ab.

?Wie erweckt man eine Zeit und einen Ort glaubwürdig zum Leben, wie er vor 1500 Jahren gewesen sein mag, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass das für ein heutiges Publikum auch interessant sein soll?, überlegt Geraghty. ?Wir erzählen nun mal eine Geschichte und machen keine Dokumentation. Also übernahmen wir die Teile, die uns wirklich gefielen, und bastelten aus ihnen eine Welt, die unserer Vorstellung des finsteren Mittelalters entsprach.?

Geraghty und sein Team recherchierten, wie die Menschen damals lebten, womit sie Landwirtschaft betrieben, von was sie sich ernährten und wie die Gebäude ausgesehen haben, in denen man die harten Zeiten überleben konnte. ?Welche Tiere hätte man damals um sich gehabt?? fragt Geraghty. ?Es gab so viele verschiedene Felder, also mußsten wir sehr erfindungsreich vorgehen. Wir mußsten dabei immer die uns vorliegenden Informationen mit den Anforderungen des Drehbuchs abgleichen.?

Sie folgerten, dass die meisten Gebäude aus Holz oder Stroh gewesen sein mußsten, denn mit Ausnahme der von den Römern zurückgelassenen Strukturen, gab es Bauten aus Stein in Großbritannien erst wieder ab etwa dem Jahr 1000. ?Bei dem irischen Schloss entschieden wir uns für keltische Einflüsse, weil wir uns sicher waren, dass es sie zu diesem Zeitpunkt gegeben haben mußste?, merkt er an. ?Für die Bauten in England orientierten wir uns eher an römischen Einflüssen.?

Um die Landschaften zu finden, wie die Filmemacher sie sich vorstellten, verbrachten Reynolds, Lemley und Mark Geraghty Monate in Rumänien, Frankreich, Schottland und England, bevor sie sich schließlich für die Westküste Irlands und die Tschechische Republik entschieden. ?Wenn man es ganz genau nimmt, dann wollten wir einen Ort erschaffen, wie er niemals wirklich existiert hat?, meint Reynolds. ?Also haben wir versucht, das Beste, was wir in Irland und der Tschechischen Republik finden konnte, in einem imaginären Ort zusammenzuführen.?

Obwohl die Locations an der Westküste Irlands über genau den wilden, zerfurchten und zeitlosen Look verfügten, wie man ihn sich für das Irland und das englische Cornwall des finsteren Mittelalters vorstellte, erwiesen sich ihre Entlegenheit und das ständig wechselnde Wetter als andauernde Herausforderung für die Produktion. ?Da gibt es zahllose Variablen wie das Wetter und die Logistik, wie man an einen Drehort gelangt und wie man die Leute dorthin schafft und wieder weg ? das ist gewaltig!? sagt Reynolds Aber die Sache war es wert. ?Ich hatte den Eindruck, dass es wichtig wäre, den Film dort zu drehen, um ihm einen größeren Look zu geben und insgesamt gewaltiger aussehen zu lassen?, sagt Reynolds.

Das Set mit dem Dunluce Castle von König Donnchadh wurde auf einer kleinen Insel an der Westküste von Irland errichtet, auf den sandigen Stränden von Glassilaun. ?Uns war es wichtig, ein Gefühl zu erzeugen, als gäbe es diesen Ort bereits seit langer Zeit. Also versuchten wir das Schloss mit der Landschaft förmlich zu verschmelzen. Das wäre etwas, wovon die Menschen damals beeinflusst gewesen wären?, gibt Geraghty zu Protokoll. ?Es war ziemlich schwierig, dort zu bauen und zu drehen, aber wir hatten den Eindruck, dass uns die Location rein visuell so viel brachte, dass es die Unbequemlichkeiten mühelos wieder aufhob.?

Ein erklärtes Lieblingsset von Reynolds und Geraghty war das römische Bootshaus, wo Tristan und Isolde ihre wenigen gemeinsamen Stunden miteinander verbringen. Wie viele der anderen Sets des Films wird auch das Bootshaus vor laufender Kamera niedergebrannt. In der Nacht, in der dieses Set dem Feuer überlassen wurde, wollte Reynolds seinem Szenenbildner die Ehre zuteil werden lassen, ?das Streichholz anzuzünden? ? ein Angebot, dass Geraghty nicht annahm. Während des gesamten Films war es ihm schlicht unmöglich, anwesend zu sein, wenn eine seiner Kulissen zerstört wurde.

Wie bei der Ausstattung basierte auch das Kostümbild auf einer Mischung daraus, was bekannt war, was man annehmen konnte und der Fantasie von Kostümdesigner Maurizio Millenotti. Der zweifach Oscar®-nominierte Millenotti (für Hamlet (1990) und Othello (1986) konnte nicht auf allzu viele historische Beschreibungen aus der Zeit des finsteren Mittelalters zurückgreifen. Seine Entwürfe waren sehr roh und rustikal, aber dennoch bestechend ausgearbeitet und voller bemerkenswerter Details. ?Wir sahen uns an, welche Materialien damals zur Verfügung standen?, berichtet Millenotti und merkt an, dass definitiv römische und keltische Einflüsse in die Schnittmuster eingeflossen wären.

Obwohl die Kostüme theoretisch aus einer finsteren Periode der Weltgeschichte zu stammen hätten, waren die wichtigsten Qualitäten Komfort und Tragbarkeit. ?Man mußste diese Kostüme tragen können, als wären sie Jeans und T-Shirts?, erklärt Millenotti. ?Es sind die Sachen, die man jeden Tag anzieht. Wir gaben uns Mühe etwas herzustellen, das sich so anfühlt, als stammte es aus jener Zeit und aus der Gegend, die wir zu zeigen versuchten. Gleichzeitig wollten wir Menschen auf die Leinwand bringen, mit denen das Publikum etwas anfangen kann.?

Millenotti kam in Prag zehn Wochen vor Drehbeginn an und brachte eine ganze Lastwagenladung mit Stoffen mit, die er in Italien gekauft hatte. Er richtete eine Werkstatt ein und fertigte 90 Prozent der Kostüme von Grund auf an. Dann verlegte er die komplette Produktion drei Wochen vor Drehstart nach Irland. Sämtliche Details der Lederarbeiten wurden ebenso von Hand gemacht wie auch die Stickereien an den Kleidern. ?Ich besuchte ihn in seiner Werkstatt, und da saß er und bestickte die Gewänder von Lady Serafine?, erinnert sich Lemley. ?Die Tatsache, dass er das nicht nur durchzog, sondern auch noch große Anmut walten ließ, dass er schaffen konnte, was er sich vorgenommen hatte, war ganz einfach unglaublich. Er ist wie ein Pate, ein wirklich toller Typ.?

Sophia Myles, die gerade den Science-Fiction-Spaß Thunderbirds in High Heels und pinkfarbener Chenille abgedreht hatte, empfand die Kostüme für TRISTAN & ISOLDE als angenehm exotisch. ?Es sind historische Kostüme, und doch lassen sie sich ganz bequem tragen?, sagt sie. ?Maurizio hat einen bestechenden Geschmack. Es sieht nicht nur alles wundervoll aus, es trägt sich auch wundervoll. Alles ist aus Seide ? das ist wundervoll, einfach wundervoll.?

Um die richtige visuelle Textur für einen Film zu finden, der im finsteren Mittelalter spielt, aber doch eine sehr zeitgemäße Sensibilität haben sollte, verpflichtete Reynolds den polnischen Kameramann Arthur Reinhart, der ihm mit seiner Arbeit für den Film NIC aufgefallen war. ?Im Rahmen der Möglichkeiten unseres eng gesteckten Terminplans versuchten wir, so starke Bilder wie möglich zu komponieren?, erklärt Kevin Reynolds. ?Der Film sollte einen einzigartigen Look haben, und Arthur hat das auch geschafft.?

TRISTAN & ISOLDE ist der erste englischsprachige Film des Kameramanns (davor hatte er in englisch nur an der TV-Miniserie ?Children of Dune? gearbeitet). ?Als ich mich zum ersten Mal mit Kevin zusammensetzte, einigten wir uns auf einen sehr dunklen, grauen und silbrig gesättigten Look für die Geschichte?, erinnert sich Reinhart. ?Wir wollten einen großen Reichtum an Bildern, der der Tiefe der Emotionen der Figuren gerecht werden sollte. Gleichzeitig wollten wir visuell einen Eindruck davon vermitteln, wie das finstere Mittelalter wohl ausgesehen haben mochte.?

Das unbeständige Wetter in Irland machte Reinharts Kameracrew ebenso zu schaffen wie den Sets von Geraghty. ?In Irland die richtigen visuellen Anschlüsse zu finden, wo man in 15 Minuten sämtliche vier Jahreszeiten durchläuft, ist eine Kunst für sich. Das Wetter ändert sich so schnell, dass man ihm fast nicht folgen kann?, lacht Reinhart. ?Wir hatten alle Hände voll damit zu tun, dass die Kamera nicht unentwegt wackelte.? Von den gewaltigen Wellen des Atlantik gar nicht zu sprechen, die mehr als einmal drohten, das Equipment mitsamt Crew ins Meer zu spülen.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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