X-Men: Der letzte Widerstand

Produktionsnotizen

X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND (?X-Men: The Last Stand?, 2006) holt die Stars der ersten beiden Filme wieder gemeinsam vor die Kamera: Hugh Jackman als Wolverine, ein Kämpfer und Einzelgänger mit der Fähigkeit, sich selbst zu heilen, mit einziehbaren Klauen aus Adamantium und tierähnlichen Wutausbrüchen; Halle Berry als Storm, die dank ihrer Fähigkeiten das Wetter kontrollieren und fliegen kann; Ian McKellen als Magneto, ein sehr mächtiger Mutant, der sämtliche Arten von Metall manipulieren und kontrollieren kann.

Patrick Stewart als Xavier, ein Telepath und der legendäre Gründer der X-Men; Famke Janssen als Jean Grey, eine Mutantin mit unberechenbaren telekinetischen und telepathischen Kräften; Anna Paquin als Rogue, die dadurch, dass sie Energie absorbieren kann, das Leben all derer in Lebensgefahr bringt, die sie berührt; Rebecca Romijn als Formwandlerin Mystique; James Marsden als Cyclops, dessen Augen Energiestrahlen produzieren, die sogar Berge durchbohren können; und Shawn Ashmore als Iceman, der seine Körpertemperatur herabsenken und eisige Kälte verbreiten kann.

Des Weiteren wieder mit von der Partie: Aaron Stanford in der Rolle des Feuer-manipulierenden Mutanten Pyro und Daniel Cudmore als Colossus, der sein Körpergewebe in Stahl verwandeln kann.

Kelsey Grammer ist neu an Bord der Crew von X-MEN DER LETZTE WIDERSTAND und spielt einen der beliebtesten Charaktere des X-Men-Comic-Universums: Dr. Henry McCoy, besser bekannt als Beast. McCoy, ist nicht nur ein hoch-intelligenter und renommierter Genforscher, sondern auch ein Mutant mit übernatürlicher Beweglichkeit und immensen Kräften. Nachdem er eines seiner Experimente an sich selbst getestet hatte, mutierte McCoy weiter, seine Haut wurde blau und ihm wuchs ein Pelz. Regie führt Brett Ratner, der bereits für Filme wie RUSH HOUR (?Rush Hour?, 1998) und RED DRAGON (?Roter Drache?, 2002) verantwortlich zeichnete.

X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND bleibt den beiden Vorgängerfilmen X-MEN (?X-Men - Der Film?, 2000) und X2 (?X-Men 2?, 2003) treu und behält die ganz besondere Stimmung und Dramaturgie der Story der ersten beiden Teile bei. Der Film entwickelt die Charaktere weiter, findet die richtige Mischung aus Spektakel und Wirklichkeit und geht noch mehr auf die Gefühle und Beziehungen der Figuren ein. Dabei spricht der Film durchaus auch aktuelle Probleme der Gesellschaft an: Ist Konformität ein Mittel gegen Vorurteile? Ist es Feigheit, seine Individualität aufzugeben, nur um in die Gesellschaft zu passen und der Verfolgung zu entgehen? Ist das Grundrecht auf eine eigene, freie Entscheidung unanfechtbar? Ist große Macht ein Fluch oder ein Segen?

Die Schauspieler sind sich einig, dass X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND den wohl anspruchvollsten Teil der Trilogie darstellt. ?Dieser Film ist von Anfang bis Ende viel komplexer. Er wird einen zum Nachdenken bringen - und genau das sollte er auch. Der Film zieht die Zuschauer sofort in seinen Bann und bindet sie emotional an die Charaktere,? so Patrick Stewart. Die Geschichte um das Heilmittel bringt das wichtigste Thema der Filmreihe, die Andersartigkeit, auf ein ganz neues Level. Genau dieses Problem ging den Schauspielern sehr nahe.

?Das Heilmittel ist der eigentliche Bösewicht des Films. Genau mit diesem Problem habe ich mein Leben lang gekämpft. Als ich noch ein Kind war, dachte ich oft, dass mein Leben viel besser sein würde, wenn ich mich bloß verändern könnte. Erst als ich älter wurde, wurde mir klar, was für ein Unsinn das eigentlich ist und der Film spricht genau dieses Thema an und rückt es in den Mittelpunkt,? so Halle Berry.

Das Heilmittel ruft Magneto auf den Plan, denn nun kann er endlich aus seinem Versteck in die Öffentlichkeit treten, seine Armee aufstellen und eine Revolution der Mutanten mit ungeheurer Kraft entfachen. Magneto und seine Gehilfen wollen das Heilmittel und jeden, der es befürwortet, egal ob Mensch oder Mutant, zerstören.

?Magneto sagt zu seinen Gefolgsleuten: Niemand wird versuchen, uns zu heilen; wir sind das Heilmittel!?, so Ian McKellen. So wie seiner Figur im Film ist auch dem britischen Schauspieler die Idee, alles, was Menschen zu einzigartigen Individuen macht, auszulöschen, ein Dorn im Auge. ?Ich fände es absolut abstoßend, wenn mir jemand vorschreiben würde, ein Mittel zu nehmen, um meine Sexualität zu ,heilen?, oder auch wenn irgend jemand einer farbigen Person vorschlagen würde, eine Pille zu schlucken, um sie von ihrer Hautfarbe zu ,heilen?.?

Jackman weist darauf hin, dass dieses Problem und all die Konflikte, die sich daraus ergeben, für die X-Men ?wirklich existenziell? sind. Der Schauspieler zeigt die Schwierigkeiten des Mutantenlebens auf: ?Da gibt es noch eine andere Seite, die es zu entdecken gilt. Bei Rogue zum Beispiel. Ihre Fähigkeiten (anderen Mutanten ihre Kräfte zu entziehen, was tödlich enden kann) sind faszinierend, aber die Kehrseite der Medaille ist nun mal, dass sie dazu verdammt ist, ein sehr einsames Leben zu führen. Sie wird niemals eine andere Person berühren, eine körperliche Beziehung führen oder Kinder haben können. Wie moralisch verabscheuungswürdig die Vorstellung eines derartigen Heilmittels auch sein mag, ist es dennoch verständlich, dass jemand wie Rogue sicherlich darüber nachdenken würde, es zu nehmen.?

Auch Beast, der am wenigsten menschenähnliche aller Mutanten, hat eine gespaltene Meinung zu dem Thema: ?Im Gegensatz zu den anderen X-Men kann man Beast seine Mutation ansehen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er durchaus über die Möglichkeit, ein ganz normaler Mensch zu werden, nachdenkt. Natürlich stellt er aber fest, dass es nun mal nicht sein Schicksal ist, ?normal? zu sein. Er ist ein tapferer Held, denn Tapferkeit bedeutet, sein Schicksal anzunehmen und zu versuchen, Gutes damit zu tun. Und Beast macht genau das,? so Kelsey Grammer.

Diese emotionalen Themen sind eng mit einigen der beliebtesten Geschichten aus der X-Men-Comicreihe verbunden. ?Vor den X-Men-Comics aus den 70er Jahren hatte noch nie jemand versucht, Gefühle in Comics einzubauen. Wir schuldeten es dem grandiosen Original, diese starke Emotionalität auch auf die Leinwand zu bannen. Damit das gelingen konnte, mußsten wir die Welt der X-Men so realistisch wie möglich darstellen. Das Publikum mußs glauben, dass dieses Universum real ist, dass sowohl Gutes als auch Böses darin passieren kann,? so Zak Penn, der, wie auch Ko-Autor Simon Kinberg, ein echter Fan der X-Men-Comics ist.

?Einer der wichtigsten Aspekte der Comics war es, dass die Leser mit den Figuren mitfühlen konnten und das in jeder Ausgabe. Es ging nicht nur um die Geschichte, sondern auch besonders um die Charaktere,? fügt Kinberg hinzu. Brett Ratner gefiel nicht nur das grandiose Drehbuch an sich, sondern auch die Tatsache, dass es den Vorgängerfilmen treu bleibt.

?Bryan Singers X-MEN-Filme waren für mich wie eine Vorlage. Ich wollte die ganz besondere Stimmung und Dramaturgie der Story, die Bryan und die Schauspieler entwickelt hatten, beibehalten. Die Zuschauer fühlen mit diesen Figuren mit und deshalb war es mir wichtig, sie nicht zu verändern. Ich hatte es mir zum Ziel gesetzt, das, was in den ersten beiden Filmen bereits funktioniert hat, beizubehalten, aber es ein wenig emotionaler zu gestalten und einige Charaktere weiterzuentwickeln,? so Ratner.

Die Darsteller, die nun bereits zum dritten Mal gemeinsam vor die Kamera traten, schätzen Ratners Vorgehensweise. ?Brett respektiert den Stil aus X-MEN und X2 und bleibt ihm treu. Gleichzeitig aber hebt er alles auf ein neues Level, macht es gefühlvoller und intensiviert die Beziehungen zwischen den Figuren,? so Hugh Jackman. Auch von Halle Berry bekommen Ratner und die Drehbuchautoren großes Lob, besonders deshalb, weil sie Storms Figur noch weiter ausgebaut haben, ihre Verantwortung, ihren Standpunkt und auch ihr Potenzial deutlich machen.

?Ich wusste, dass Brett das alles verwirklichen konnte. Er hat es von Anfang an befürwortet, Storm eine größere Rolle zuzuschreiben. Es ging nicht darum, mir mehr Dialoge zu geben. Aber wenn ich auf der Leinwand zu sehen bin, möchte ich, dass mein Auftritt etwas bewirkt und Spuren bei den Zuschauern hinterlässt,? so Berry.

?In den ersten beiden Filmen denkt Wolverine darüber nach, ob er den X-Men beitreten oder sich selbst treu bleiben und als Einzelgänger weiter machen soll. In X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND dreht es sich mehr darum, ob Wolverine bei den X-Men den Posten eines Anführers übernehmen soll. Das hebt die Story auf ein ganz neues Level, was für mich sehr wichtig war, denn wenn ich zum wiederholten Mal in dieselbe Rolle schlüpfe, dann möchte ich meine Arbeit stets noch besser machen und die Figur weiterentwickeln. Dieser Film hat mir das ermöglicht,? so Jackman.

Wie man den Aussagen von Jackman, Berry, ihren Filmkollegen und Brett Ratner bereits entnehmen kann, handelt es sich bei X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND um einen Film im großen Hollywoodstil. Eine Idee, die Stan Lee und Jack Kirby nie in den Sinn kam, als sie vor über 40 Jahren die X-Men erschufen. Lee und Kirby kreierten Figuren und eine Geschichte, die reich an Dramatik, Gefühlen und Konflikten ist. Die X-Men waren, wie viele ihrer Marvel-Comics-Vorgänger, eine Heldentruppe. Manchmal sarkastisch, unsozial und sicherlich auch mit Fehlern, aber dennoch sympathisch, besonders wenn sie wieder einmal mit ihrem Liebesleben zu kämpfen hatten, sich mit ihrem Selbstwertgefühl auseinandersetzen mußsten oder mit ihren Superkräften mächtige Bösewichte bekämpften.

?Ich wollte den X-Men interessante Persönlichkeiten verleihen und sie einfühlsam und glaubwürdig zeichnen. Als wir mit Marvel anfingen, lag uns immer sehr viel daran, Figuren zu schaffen, zu denen man eine Beziehung aufbauen konnte; sie mußsten wie echte Menschen wirken, auch wenn sie übernatürliche Fähigkeiten besaßen. Diese Tiefe der Figuren fanden wir sehr wichtig,? so Lee.

Nach all diesen Jahren bleibt der Stil von Lee und seinen Nachfolgern immer noch ein wichtiger Teil des X-Men-Universums - etwas, dass sich selbst Lee mit seiner großen Phantasie nicht hatte vorstellen können. ?Ich hätte mir nie erträumen können, dass diese kleinen Geschichten, die wir da erfunden haben, irgendwann einmal zu solch grandiosen Filmen werden würden,? so Lee.

Über die Produktion Wegen der vollen Terminkalender der Schauspieler erforderte es viel Planungsgeschick, um den gesamten Cast für X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND wieder gemeinsam vor die Kamera zu bringen. An der Tatsache, dass sie alle wieder mit von der Partie sein werden, wurde sowieso nie gezweifelt. ?Das war für die Story und die Beziehungen zwischen den Figuren, aber besonders auch für die Fans, die diese Filme lieben, sehr wichtig,? so Produzentin Lauren Shuler Donner. ?Es sagt sehr viel über die Liebe der Schauspieler zu diesem Drehbuch und zu den X-Men-Filmen generell aus, dass sie alle wieder gemeinsam vor die Kamera getreten sind,? fügt Avi Arad hinzu. ?Es ist die Besetzung, die diese Filme zu dem gemacht haben, was sie sind und es war außerordentlich wichtig, alle Darsteller für diesen Film wieder ins Boot zu holen.?

Die Schauspieler merkten, dass ihren Charakteren nun große Veränderungen bevorstanden. Besonders Famke Janssen, die die Telepathin Jean Grey spielt. In X2 hatte Jean ihr Leben geopfert, um die anderen X-Men zu retten und ertrank im Alkali Lake. Aber die letzte Szene in diesem Film deutet bereits an, dass wir sie wahrscheinlich noch einmal sehen werden - und X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND zollt dieser Tatsache im großen Stil Tribut. Jean kehrt zurück, wiedergeboren als ?Dark Phoenix? mit außergewöhnlich starken Kräften. Sie ist sozusagen zur ultimativen Waffe geworden - die jeder, da der Krieg kurz bevorsteht, für sich haben will. Sie wird also zur Bedrohung, nicht nur für die X-Men selbst, sondern für die ganze Welt.

?Jeans Geschichte ist die extremste von allen. Wir wurden von einer bestimmten Storyline der Comics inspiriert, die so zuvor noch nie zu sehen war: Wir nahmen einen Helden und machten aus ihm einen Bösewicht. Ihr Schicksal ist sehr emotional, denn es dreht sich unter anderem auch darum, mit ansehen zu müssen, wie jemand, den man liebt, nach innen und nach außen explodiert,? so Simon Kinberg.

?Das, was Jean in diesem Film tut, unterscheidet sich erheblich von ihrem Verhalten und Handeln in den ersten beiden Filmen. Es ist eine riesige Veränderung, auf die Comicfans bereits sehnlichst warten und von der die Zuschauer sicherlich geschockt sein werden,? so Famke Janssen. In X-MEN und X2 ist Jean Lehrerin an Xaviers Schule und eine Heldin. Zusammen mit ihrem Mentor und Freund, Professor Charles Xavier, ihrem Verlobten Scott Summers (aka Cyclops) und dem Rest der X-Men kämpft sie im ersten Teil gegen Magneto und im zweiten gegen den Mutanten hassenden Stryker.

Trotz ihrer Heldentaten wird ihr dunkles Schicksal bereits in den ersten beiden Filmen angedeutet. Dieses Schicksal wird nun in X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND enthüllt. ?In den ersten beiden Filmen merkt man bereits, dass mit Jean irgendetwas nicht stimmt - es gibt Momente, in denen ihre Kräfte sie überfordern. In X2 wird das noch weiter ausgebaut - sie hat Kopfschmerzen und kann ihre Kräfte manchmal nur schwer kontrollieren,? so Janssen.

Das Schicksal von Cyclops (James Marsden) ist eng mit Jeans Wiedergeburt verbunden. Die beiden waren verlobt und hatten bereits geplant zu heiraten, doch Jeans Heldentod machte den einst so linientreuen Cyclops verbittert und bekümmert. ?Er hat seinen Lebensmittelpunkt, den Menschen, den er liebte, verloren. Die X-Men und all das, für das sie einstehen, haben für ihn an Bedeutung verloren, nun, da Jean nicht mehr da ist. Eigentlich leidet das gesamte X-Men-Team,? so Marsden.

Rogue (Anna Paquin) freundet sich mit dem Gedanken an, als Mensch wiedergeboren zu werden. ?Nun, da es ein Heilmittel gibt, steht Rogue vor einer schweren Wahl. Entweder kann sie sich heilen lassen und somit ihr Leben für immer verändern, oder sie akzeptiert, wer sie ist und lebt weiterhin wegen ihrer Mutation ein isoliertes, einsames Leben,? so Paquin. ?Rogue hat schlicht und einfach die schlimmsten Fähigkeiten im gesamten Mutantenuniversum. Sie kann niemanden berühren, keine Liebe zum Ausdruck bringen. Was soll sie nun machen? Der Film gibt Antwort auf diese Frage,? so Produzent Ralph Winter.

Rogues Geschichte ist eng mit der von Bobby Drake (aka Iceman) verbunden, mit dem sie in X2 eine Beziehung begonnen hatte. Aber ihrer aufkeimenden Liebe wird ein schweres Hindernis in den Weg gelegt, denn sie kann aufgrund ihrer Kräfte niemanden anfassen, sonst würde sie dessen Leben aufs Spiel setzen. ?Die Beziehung zu Rogue stellt Bobby auf eine harte Probe. Alles wird sogar noch komplizierter, als er merkt, dass er auch etwas für Kitty Pryde (eine junge Mutantin, die sich durch Materie bewegen kann) empfindet. Er ist bereit, ein vollwertiges Mitglied der X-Men zu werden,? so Shawn Ashmore.

Auch der Kampf gegen seinen Erzfeind Pyro, der ein Mitglied der bösen Bruderschaft ist, und das Feuer kontrollieren und manipulieren kann, geht weiter. ?Es ist ein Krieg zwischen Feuer und Eis,? so Aaron Stanford (Pyro). ?Meine Figur ist Magnetos rechte Hand geworden. Er ist nun noch selbstsicherer, noch mächtiger und kann noch größeren Schaden anrichten.? Auch Mystique, eine Formwandlerin und Mitglied in Magnetos Bruderschaft, bekommt die Auswirkungen des Heilmittels zu spüren. ?Sie kämpfte stets treu an Magnetos Seite. Aber sie mußs einiges einstecken als Magneto seiner Empörung und seinem Zorn über die Entwicklung des Heilmittels freien Lauf lässt. Und die Wut der Hölle ist nichts gegen die einer verschmähten Frau,? so Rebecca Romijn, die, wie bereits in den ersten beiden Filmen, stundenlang in der Maske verbrachte, um zur blauhäutigen Mutantin zu werden.

Das Universum der X-Men Comics wird von Hunderten von verschiedenen Charakteren bevölkert, von denen die meisten aufgrund der begrenzen Zeitvorgaben keinen Platz in einem zweistündigen Film finden konnten. Nach jeder Bekanntmachung des Drehvorhabens für einen neuen Film der X-Men-Reihe erhielten die Filmemacher unzählige Fanbriefe, in denen die Fans ihre Ideen und Gedanken darüber, welche neuen Figuren den Weg auf die Leinwand finden sollten, kundtaten. Beast und Angel führten die Liste dieser Charaktere an. Als der dritte Film Gestalt anzunehmen begann, hatten die Filmemacher endlich eine Story, die groß genug war, um diese Figuren einzubauen.

Nachdem es beschlossene Sache war, Beast in den Film zu integrieren, stand das Team vor der Herausforderung, einen geeigneten Schauspieler für die Rolle zu finden. Beast, der zu Beginn des Films die Abteilung für Mutant Affairs der US-Regierung leitet, ist einer der weltbekannten Experten auf den Gebieten der Mutationen und Evolutions-biologie. Er hat ein immenses Wissen in Genetik, Biochemie und vielen anderen Wissenschaftsfeldern und er verfügt trotz seines massigen Körperbaus über übernatürliche Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Ge-schicklichkeit.

?Jeder hatte seine eigene Vorstellung davon, wer für diese Rolle am besten geeignet war. Am schwierigsten war es nicht, den Charakter für das Drehbuch zu schreiben, sondern den passenden Schauspieler zu finden. Kelsey Grammer ist für mich die absolute Idealbesetzung. Er verkörpert Beast mit seiner Stimme, seinem Verhalten, seiner körperlichen Darstellung und seinen Augen,? so Ko-Autor Simon Kinberg. Grammer war begeistert von der einzigartigen Mischung aus Intellekt und Körperkraft, die Beast in sich trägt. ?Beast ist sehr intelligent und kämpft eigentlich nur ungern. Aber wenn er kämpft, dann tut er das ganz ausgezeichnet. Ich dachte mir also, okay, das will ich spielen,? so Grammer.

Der Schauspieler, der weltweit für seine fünf mal mit dem Emmy gekrönte Rolle des Dr. Frasier Crane in den erfolgreichen Sitcoms ?Cheers? und ?Frasier? bekannt ist, ist unter der dicken Make-up-Schicht und den Prothesen, die ihn in Beast verwandeln, kaum noch wiederzu-erkennen.

?Als ich für die Rolle zugesagt hatte, ist mir klar geworden, dass dies mein erster Ausflug in die Welt der Make-up-Prothesen ist. Und ich mußs zugeben, dass ich mir nicht ganz sicher war, ob ich mich darüber freuen sollte, oder nicht. So eine Maske hilft einem sehr dabei, den Charakter realistisch zu spielen, aber gleichzeitig erdrückt es einen auch ein wenig. Man mußs viel stärker arbeiten, um seine Energie auch durch die Maske sichtbar und spürbar zu machen. Andererseits hatte das Ganze auch seine positiven Seiten. Die Prothesen halfen mir zum Beispiel dabei zu erkennen, wie wichtig auch eine gewisse Ruhe in der Performance ist. Ich entschied mich, nicht zu viele Gesichtsausdrücke in die Rolle zu bringen, sondern mich mehr auf die Augen zu konzentrieren. Es sind seine Augen, durch die man Beasts Intellekt erkennen kann,? so Grammer weiter.

Laut Bart Mixon von Spectral Motion, eine der führenden Make-up-Effects-Firmen, die auch für das Make-up von Angel, Colossus und Juggernaut verantwortlich zeichnet, dauerte es drei Stunden, bis Grammers Make-up fertig war. Mixon arbeitete hierfür mit Thom Floutz, einem Künstler auf dem Gebiet des Prothesen-Make-ups, zusammen. ?Beasts Make-up ist ziemlich kompliziert. Es gibt fünf verschiedene Prothesenstücke für den Kopf. Eines für den Hals, für die Schädeldecke mit Ohren, eine große Prothese für die Wangenknochen und den Kiefer, ein Stück für seine Stirn und noch eine eigene Unterlippen-Prothese. Dann gibt es noch einen Ganzkörperanzug, Handschuhe, spezielle Füße und natürlich sechs Haarteile. Außerdem mußste das Make-up sehr flexibel sein,? so Mixon.

Angel (gespielt von Ben Foster) ist den meisten Comicfans genauso ans Herz gewachsen wie Beast. Angels Vater, der reiche Industriemogul Warren Worthington II (gespielt von Michael Murphy), kann die Mutation seines Sohnes nicht akzeptieren. Angel hat Flügel mit einer Spannweite von beinahe fünf Metern und kann deshalb fliegen. Die Sorge um seinen Sohn und dessen Mutation bringt Warren Worthington II dazu, die Entwicklung eines Heilmittels voranzutreiben.

Eine der ausdrucksstärksten Szenen zeigt den jungen Angel, der versucht, seine Mutantenkräfte los zu werden. ?Angels Handeln zeigt, wie viel jungen Leuten daran liegt, in die Gesellschaft zu passen, von allen anderen gemocht zu werden. Auf gewisse Weise fasst es das zusammen, worum es bei den X-Men eigentlich geht: Wir alle fühlen uns, als wären wir vollkommen unterschiedlich und das einzig richtige ist, dass wir diese Unterschiede akzeptieren. Wenn wir das nicht tun, können katastrophale Dinge passieren,? so Foster.

Laut Ratner brachte Foster Angels Pein und Probleme sehr gut zur Geltung. Genauso eindrucksvoll waren auch die körperlichen Anstrengungen des Schauspielers. Foster mußste nicht nur die Prothesen ertragen, die in langwierigen Prozessen angebracht werden mußsten, er brachte sich auch körperlich in unglaubliche Form, um die kraftvolle Comicfigur optimal darzustellen. ?Ben trainierte mehr als jeder andere, den ich je gesehen habe. Er hat sich wirklich komplett in eine andere Person verwandelt,? so der Regisseur.

Auch Angels Bekleidung stellte die Designer vor eine Herausforderung: ?Wir mußsten Angels Outfits so entwerfen, dass man darin drei Arten von Flügeln unterbringen konnte. Es gab insgesamt drei verschiedene Bekleidungssets. Das erste mußste die Flügelprothesen unterbringen und auch in Szenen realistisch wirken, in denen Angel mit nacktem Oberkörper gezeigt wird; das zweite Set wurde speziell für Szenen entworfen, in denen Angels Flügel in einem Zaumzeug zurück-gebunden und versteckt werden; und das dritte ?normale? Outfit benutzten wir, wenn Angels Flügel computergeneriert wurden,? so Kostüm-designerin Judianna Makovsky.

Vinnie Jones spielt die unaufhaltsame Kampfmaschine Juggernaut (aka Cain Marko), eine weitere sehr beliebte Figur aus der Comicreihe. Wenn Juggernaut einmal in Bewegung ist, kann sich ihm nichts und niemand widersetzen. Jones, ein ehemaliger Fußballstar, machte sich mit der Rolle des Haudegens bereits in Filmen wie SNATCH (?Snatch - Schweine und Diamanten?, 2000) und LOCK, STOCK AND TWO SMOKING BARRELS (?Bube, Dame, König, Gras?, 1998) einen Namen. Seine bereits sehr massive Statur wurde durch die Arbeit der Make-up-Zauberer von Spectral Motion noch gesteigert.

?Juggernaut ist ein Söldner, eine Kampfmaschine. Er ist zwar ein Mitglied der Bruderschaft, aber er teilt nicht unbedingt Magnetos Ansichten und sein Ziel, das Heilmittel zu zerstören. Er lebt einfach nur für den Kampf,? so Jones. Des Weiteren neu in der Reihe der Comichelden sind Dania Ramirez als Callisto, die mit ihrer übermenschlichen Sinneswahrnehmung die Kräfte anderer Mutanten fühlen und diese so aufspüren kann; Eric Dane als Multiple Man, der sich duplizieren kann; Cameron Bright als Leech und Shohreh Aghdashloo als Genforscherin Dr. Kavita Rao.

Mit seinen eindrucksvollen Sets und explosiven Kampfszenen verleiht X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND dem Begriff Action ganz neue Dimensionen. Simon Crane, einer der renommiertesten Stunt-Koordinatoren der Branche, arbeitete für den Entwurf der Actionszenen und der verschiedenen Kampfarten eng mit Brett Ratner zusammen. Crane hatte gerade Brad Pitt und Angelina Jolie die entsprechenden Kampftechniken für den Blockbuster MR. AND MRS. SMITH (?Mr. & Mrs. Smith?, 2005) beigebracht, als ihm die Arbeit an X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND angeboten wurde. Seine Aufgabe war es, Actionszenen zu erschaffen, die so zuvor noch nie auf der Leinwand zu sehen waren, neue Filmvarianten und Einstellungen für Kampfszenen zu kreieren und durch nervenaufreibende Action die Story voranzutreiben.

Crane arbeitete dafür eng mit John Bruno, einem Oscar-prämierten Visual Effects Supervisor, zusammen. Die beiden schufen dank grandioser Stunts, Spezialeffekten und Computertechnik Actionszenen, die sowohl atemberaubend sind als auch glaubwürdig wirken. Eine von Cranes Hauptaufgaben war es, ausgehend von den Comics, Wolverines einzigartigen Kampfstil zu entwickeln - eine Mischung aus unbändigem Zorn und blinder Wut, die Wolverine zur unaufhaltsamen Ein-Mann-Armee macht.

?Wolverines Kampftechnik in den ersten beiden Filmen war großartig, doch für den neuen Film wollten wir uns enger an die Comicvorlage und den dort beschriebenen Kampfstil halten. Die meiste Zeit hat Wolverine bloß für sich selbst gekämpft. Nun steht dahinter etwas größeres, wichtigeres, kein Wunder, dass er deshalb auch wilder und härter agiert. Im Film wird der Zuschauer einen Wolverine zu sehen bekommen, der wirklich wütend ist,? so Crane.

Hugh Jackman, der als Vorbereitung auf seine Kampfszenen Hunderte von Stunden im Fitnessstudio verbrachte, absolvierte ein spezielles Training. ?In X-MEN und X2 könnte man meinen Stil als ,slicing and dicing? bezeichnen. Ich schlitze mit meinen Klauen wie wild um mich herum alles auf. Für diesen Film wollte ich mich mehr auf die Comicvorlagen besinnen, die wirklich brillante Kampfszenen zeigen,? so Jackman.

Auch wenn Wolverine eigentlich eher mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, für manche Szene macht er sogar die Luft unsicher. Und das mit Hilfe des superstarken Colossus. Für diese Einstellungen nahmen die Filmemacher ein Comicelement zum Vorbild, das bei den Fans besonders beliebt ist: das ?Fastball Special?. Crane und sein Team entschlossen sich dazu, Jackman an einem Draht durch einen Wald fliegen zu lassen - und das mit einer Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h. ?Es war ein phänomenales Erlebnis. Und wir drehten ohne CG-Tricks,? so Jackman. Auch Halle Berrys Storm kann fliegen, eine Tatsache, die in den ersten beiden Filmen unbeachtet blieb. ?Ich weiß, es klingt jetzt vielleicht komisch, aber seit den ersten beiden Filmen habe ich immer wieder gesagt: ?Ich möchte einfach nur fliegen!??

In X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND geht ihr Wunsch nun endlich in Erfüllung. In einer Szene, in der Storm den Himmel erobert und dort wie ein Tornado herumwirbelt, schaffte Berry 24 Umdrehungen in nur zwei oder drei Sekunden. ?Es ist ein so wahnsinnig spektakulärer Stunt, dass niemand glauben wird, dass Halle ihn selbst ausgeführt hat. Aber sie hat es getan,? so Brett Ratner. Um Übelkeit vorzubeugen, mußste Berry für den Stunt extra Medikamente schlucken.

Neben der Erfindung neuer Kampfstile zeichnete Crane auch für die großen Actionsets verantwortlich. Eine Herausforderung war die Szene, in der Magneto Autos von der Golden Gate Bridge auf Alcatraz schleudert und Pyro diese dann in der Luft in Brand setzt, so dass die Wagen als brennende Geschosse auf die X-Men herabregnen. Die Golden Gate Bridge-Sequenz ist eine der größten Szenen des Films, Magneto übernimmt die Kontrolle über das Wahrzeichen von San Francisco, reißt es aus seiner Verankerung und benutzt es als Brücke nach Alcatraz. Diese Szene, die spektakulärste aller X-Men-Filme, entsprang der Kreativität von Crane, John Bruno und Edward Verreaux.

?Der Golden Gate Bridge-Sequenz ist Magnetos eindrucksvollste und intensivste Szene. Es ist die anspruchsvollste Visual Effects-Szene der Filmreihe,? so John Bruno, Oscarpreisträger und enger Mitarbeiter James Camerons (TITANIC (?Titanic?, 1997) und TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY (?Terminator 2 - Tag der Abrechnung?, 1991)). Die Effektabteilung baute hierzu einen Teil der Brücke und einen Teil Alcatraz? in Originalgröße nach. Bruno und sein Team fügten digital den Rest der Bauwerke hinzu und verbanden die realen Sets mit computergenerierten Bildern. Zusätzlich wurden auch detailgetreue Miniaturen gebaut.

Um die unzähligen eindrucksvollen Effekte realisieren zu können, holten sich die Filmemacher Unterstützung von einigen der besten Visual Effects-Firmen des Landes, darunter WETA Digital Ltd., die für ihre Arbeit an KING KONG (?King Kong?, 2005) und der HERR DER RINGE-Trilogie mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. WETA war für große Teile der Alcatraz-Szene sowie für die besonderen Fähigkeiten von Dark Phoenix verantwortlich. Auch Framestore CSC, eine Londoner Firma, arbeitete an der Golden Gate-Sequenz. Weitere Firmen, die an der Verwirklichung der Effekte beteiligt waren, waren die Moving Picture Company, Hydraulics und Klesier-Walczak, die mithalfen, Mystique zum Leben zu erwecken.

Für die Eröffnungsszene, ein Flashback, griff John Bruno auf eine ?Verjüngungs-Software? mit dem Namen LOLA zurück. ?Die Software wurde bereits zuvor in anderen Filmen verwendet. Allerdings kam sie dort immer nur kurz zum Einsatz. Wir aber haben uns dazu entschlossen, die Software gleich für die ersten vier Minuten unseres Films zu benutzen. Mithilfe des Programms konnten wir Professor X und Magneto um 20 Jahre verjüngen und eine Reise in die Vergangenheit wagen,? so Bruno. Die Software benutzt 3-D-Masken und legt sie über das Gesicht der Schauspieler, um sie so jünger wirken zu lassen.

Neben den digitalen Effekten spielten auch die tatsächlichen Sets eine wichtige Rolle. Auf einem 40.000 qm2 großen Gelände in Vancouver, auf dem zuvor eine Holzfirma gestanden hatte, schuf die Crew riesige Sets, die zusammen 25.000 qm2 umfassten. An dem einen Ende des Geländes wurde die fast 80 Meter lange Golden Gate Bridge aufgebaut und von beiden Seiten mit einem 15 Meter hohen Bluescreen eingefasst. Ein anderes Megaset stand am anderen Ende des Geländes: Alcatraz Island. 86 Stromgeneratoren waren nötig, um die Sets zu betreiben. (zum Vergleich: X2 benötigte für seine Outdoorsets 54 Generatoren)

Laienhaft ausgedrückt ist das die Energiemenge, die man für 176.000 60-Watt-Glühbirnen benötigt. ?Alles sieht so wahnsinnig natürlich aus ... und wunderschön,? so Kameramann Dante Spinotti (THE INSIDER (?Insider?, 1999); L.A. CONFIDENTIAL (?L.A. Confidential?, 1997)), der bereits zweimal für den Oscar nominiert war. Set-Ausstatter Edward Verreaux? Konzept zielte auf einen eleganten Realismus ab. ?Im Film passiert sehr viel Fantastisches, deshalb dachte ich, und Brett Ratner war derselben Meinung, dass die Sets im Gegensatz dazu sehr realistisch gehalten werden sollten?, so Verreaux.

X-MEN: DER LETZTE WIDERSTAND kehrt an viele der legendären Drehorte der ersten beiden Filme zurück, darunter der X-Jet, Xavier?s School, die einzigartigen Gänge unter den Klassenzimmern und Alkali Lake, wo Jean Grey in X2 ihren Tod fand. ?Wir wollten dem Stil der ersten beiden Filme treu bleiben. Die Vorgabe war, in der Welt, die in den ersten beiden Filmen etabliert wurde, zu bleiben, sie aber gleichzeitig noch schöner, interessanter und eindrucksvoller zu machen. Dabei half uns auch die Story selbst, und so entstand eine Art apokalyptische Landschaft,? so Verreaux.

Szenenfoto
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