Dance! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt

Produktionsnotizen

Produzentin Diane Nabatoff hatte die Idee zu ?DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt?, als sie in der ?CBS Early Show? einen Bericht über Pierre Dulaine sah: Der Tanzlehrer unterrichtet in New Yorker Highschools. Sofort begann sie sich für den Mann zu interessieren, der Schülern in den Slums Gesellschaftstanz beibringt, und sie wollte mehr über seine Vorgeschichte erfahren. Zwei Monate später machte sie ihn in New York ausfindig und arrangierte ein Treffen. ?Ich wollte diese Geschichte unbedingt erzählen ? egal, wie lange es dauern würde, sie auf die Leinwand zu bringen?, berichtet Nabatoff.

Nabatoff und ihrer damaligen Produzentenpartnerin Michelle Grace gelang es, Christopher Godsick, den Produktionschef von New Line Cinema, für ihre Idee zu begeistern. ?Geschichten über Mentoren haben mir immer schon gefallen ? und Tanzfilme sowieso?, sagt Godsick. ?Und in Pierres Geschichte entdeckte ich die Essenz beider Genres. Wenn man die Elemente richtig kombiniert, hat das Projekt eindeutig ein großes Potenzial.?

Nachdem New Line Cinema an Bord war, begann die eigentliche Entwicklung der Ausgangsidee. Die Story orientiert sich unübersehbar an Pierre Dulaines Wirken, aber im Detail einigten sich die Filmemacher auf einige Änderungen, um die Geschichte leinwandgerechter gestalten zu können. Zum Beispiel spielt ?DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt? nicht in einer Grundschule, sondern in einer Highschool. ?Auf ältere Kids können sich die Zuschauer besser einstellen. Außerdem beschlossen wir, die zwei Tanzformen zu kombinieren, um eine größere Zuschauergruppe anzusprechen?, sagt Nabatoff.

Christopher Godsick weiter: ?Wir wollten ernstere Probleme ansprechen ? sie spitzen sich in der Highschool dramatisch zu.? Auch dass Pierre und seine Schüler sich durchaus gegenseitig beeinflussen, spielt im Film eine größere Rolle. Er bringt ihnen die klassischen Tanzschritte bei, und sie kombinieren diese ungewohnten Bewegungen mit den ihnen vertrauten HipHop-Rhythmen ? daraus ergibt sich eine Verbindung, die beiden Welten gerecht wird.

?Wir brauchten also einen Autor, der sich dieser komplizierten Aufgabe stellt: Wir wollten Pierres Engagement so authentisch wie möglich spiegeln, erwarteten vom Drehbuch aber eine mitreißende Story mit sympathischen Figuren, die das Publikum ansprechen. Nachdem wir mit Dianne Houston ein kurzes Gespräch geführt hatten, besuchte sie uns im Studio und skizzierte einen traumhaften Bilderbogen für uns?, sagt Godsick. ?Dianne hat eine hinreißende Stimme und ist selbst Tänzerin gewesen ? sie kennt also die Materie genau und findet dadurch einen absolut überzeugenden Ansatz für die Geschichte?, fügt Diane Nabatoff hinzu.

Als die erste Fassung des Drehbuchs fertig war, ergab sich die nächste Frage: Wer sollte Regie führen? Die Entscheidung für Liz Friedlander lag auf der Hand ? sie hat sich mit zahlreichen Musikvideos profiliert. ?Ich war praktisch schon in dem Moment überzeugt, als Liz hereinkam?, erinnert sich Nabatoff. ?Sie hat die Story völlig verinnerlicht und zollt ihr großen Respekt. Weil sie mit Musikvideos und Tanz Erfahrung hat, kennt sie auch das Milieu der Kids im Film, und sie kennt das Publikum, das wir ansprechen wollen.? Zunächst interessierte Friedlander sich natürlich für die Tanz- und Musikelemente der Story, aber den Ausschlag gab schließlich ?die Kombination aus hinreißenden Figuren und dem auf der Hand liegenden musikalisch-tänzerischen Schwerpunkt.?

Dazu Godsick: ?Wir wünschten uns einen Regisseur, der das jugendliche Publikum anspricht. Wir verhandelten mit etlichen Regisseuren, die entweder gute Geschichtenerzähler sind oder einen optisch ausgeprägten Stil aufweisen. Als wir dann Liz kennen lernten, merkten wir, dass sie beides kann. Liz bringt die seltenen Fähigkeiten eines Filmemachers mit, der sich in allen Bereichen auskennt.?

Friedlander arbeitete mit Autorin Dianne Houston zusammen, um der Story eine konkrete Richtung zu geben. Es ging ihr vor allem darum, dass Dulaine eine glaubhafte Figur abgibt und nicht zur Karikatur verkommt. ?,DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt? ist zwar eine typische ,Fisch auf dem Trockenen?-Geschichte?, erklärt Friedlander. ?Das heißt, Pierre mußs sich in einer fremden Umgebung bewähren. Aber wir müssen ihn als reale Person erleben, als Menschen aus Fleisch und Blut, der eine Entwicklung durchmacht. Denn erst dadurch wirkt er menschlicher, seine Leistung umso beeindruckender.?

Während Friedlander und Houston noch am Drehbuch arbeiteten, diskutierte man auch schon darüber, wer Pierre Dulaine auf der Leinwand optimal verkörpern könnte. Antonio Banderas war eindeutig die erste Wahl. ?Wenn Pierre den Raum betritt, beherrscht er die Szene ? er bringt uns dazu, das Unmögliche zu schaffen. Er hat Ausstrahlung, Charisma ? genau wie Antonio?, sagt Diane Nabatoff. Und Christopher Godsick weiß, warum Banderas alle Kinozuschauer begeistert: ?Ganz einfach: Die Frauen begehren ihn, und die Männer möchten so sein wie er.?

?Antonio ist ein guter Mensch ? er ist so aufrichtig, dass er diese Rolle absolut überzeugend darstellt. Er versteht, was es heißt, sich für andere einzusetzen. Deswegen begreift er auch Pierre in allen seinen Facetten. Sowohl Antonio als auch Pierre sind europäisch geprägt, wodurch sie authentisch wirken?, sagt Liz Friedlander. Banderas akzeptierte das Angebot nur zu gern, weil ?Pierre sich von meinen bisherigen Rollen grundlegend unterscheidet.? Auch der soziale Aspekt der Geschichte hat es ihm angetan. ?Es geht um eine heutige, internationale Großstadt. Tanz bildet hier den Ausgangspunkt für die Darstellung von Problemen, die die amerikanischen und europäischen Straßen beherrschen.?

Als Banderas zugesagt hatte, konzentrierten sich die Filmemacher auf die Besetzung des übrigen Ensembles. Sie legten Wert auf Darsteller, denen man die Herkunft aus der South Bronx auch abnimmt. ?Ich habe mich ausführlich auf New Yorker Spielplätzen und in Schulen umgesehen und Kids beobachtet ? was sie treiben, wie sie miteinander umgehen, wie sie aussehen, was sie tragen. Meine Darsteller sollten genauso aussehen ? ich wollte auf keinen Fall eine Hollywood-Version davon?, sagt Friedlander.

Außerdem galt es zu entscheiden, ob man Tänzer mit Schauspieltalent engagieren sollte, oder Schauspieler, die auch tanzen können. Die Darsteller von Sasha, Ramos und Danjou müssen sehr überzeugend tanzen können, während der Charme der Kurd-Figur gerade darin liegt, dass er überhaupt nicht tanzen kann. Schließlich entschied man sich für eine Reihe erfahrener Schauspieler wie Rob Brown (?Coach Carter?, ?Finding Forrester?/Forrester ? Gefunden!), der den desillusionierten Rock darstellt, aber auch für Darsteller wie Brandon Andrews, der die Rolle des Monster schon beim ersten Vorsprechen ergatterte.

?Auf den üblichen Wegen konnten wir niemanden finden, der sich als Monster eignete?, sagt Produzent Christopher Godsick. ?Also wandten wir uns an die Football-Trainer an den Highschools im ganzen Land, um einen sanften Riesen zu finden, der sich auf dem Sportplatz genauso gut bewegt wie auf dem Tanzparkett. Zum Glück entdeckten wir Brandon dann in einer Schule in Los Angeles.?

Morgan ist laut Drehbuch eine vollendete Ballroom-Tänzerin ? laut Friedlander ging es also darum, ?eine wirklich hervorragende Tänzerin zu finden.? Sie entschied sich schließlich für Katya Virshilas, die eine einschlägige Ausbildung vorweisen kann und schon an vielen Tanzturnieren teilgenommen hat.

Die als Pierres Schüler besetzten jungen Schauspieler identifizierten sich schnell mit der Filmgeschichte, die den Tanz mit Aspekten wie Mentor-Vorbildern, Disziplin und Kreativität kombiniert. Yaya DaCosta übernahm die Rolle der LaRhette, die durch Pierres Unterricht ein starkes Selbstbewusstsein entwickelt. DaCosta konnte sich sofort in LaRhette hineinversetzen: ?Mir war die Rolle praktisch auf den Leib geschrieben: LaRhette erinnert mich an meine eigene Schulzeit. Damals habe ich erste Tanzerfahrungen gesammelt. LaRhette wird durch den Tanz völlig verwandelt. Sie wird selbstbewusster, als sie entdeckt, dass ihr Leben einen Sinn hat.?

Die Filmstory zeigt auch die Entwicklung in der Beziehung zwischen Rock und LaRhette: Zunächst können sie sich nicht ausstehen, aber mit der Zeit entdecken sie, dass sie sehr gut zusammenpassen. Anfangs werfen sie sich gegenseitig vor, indirekt für den Tod ihrer Brüder verantwortlich zu sein. Dazu Rob Brown: ?Sobald sie sich begegnen, kommt es zu Spannungen. Pierre zwingt sie, diese Spannungen abzubauen, indem er sie zu Walzer-Partnern bestimmt. Sie sind also nicht nur als Feinde auf Konfrontationskurs, sie müssen jetzt auch Auge in Auge miteinander auskommen.? Mit der Zeit beherrschen Rock und LaRhette nicht nur die Walzerschritte, sondern entwickeln auch gegenseitiges Vertrauen und Zuneigung.

Für Dante Basco, der den Ramos spielt, ging mit der Rolle in ?DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt? ein Traum in Erfüllung. ?Bevor ich Schauspieler wurde, war ich Tänzer. Aber ich hatte bisher noch nie Gelegenheit, vor der Kamera zu tanzen. Dabei wollte ich doch Schauspieler werden, weil ich John Travolta in ,Grease? (Grease) und ,Saturday Night Fever? (Nur Samstag Nacht) gesehen hatte.?

Alfre Woodard spielt die Direktorin Augustine James, die Pierre Dulaine als Tanzlehrer an ihrer Schule akzeptiert. ?Wir suchten eine Darstellerin, die einen starken Gegenpol zu Pierre bildet. Genau das gelingt Alfre?, sagt Produzentin Diane Nabatoff. ?Ich war ganz begeistert. So einen Film will ich unbedingt sehen?, berichtet Woodard über ihren ersten Eindruck vom Drehbuch. Die Beziehung zwischen Augustine und Pierre ist zunächst von starken Konflikten geprägt, doch mit der Zeit entwickeln die beiden gegenseitigen Respekt.

Dazu Woodard: ?Augustine ist dazu da, Probleme zu lösen ? sie tut alles, um ihr Ziel zu erreichen. Sie erkennt durchaus Pierres Potenzial. Und mit einem Trick bringt sie ihn dazu, ihre schwierigsten Zöglinge zu unterrichten, während sie nachsitzen. Als sie dann mitbekommt, dass er zu den Schülern durchdringt, mußs sie ihm Achtung zollen ? sie weiß das durchaus zu würdigen.? Im Ensemble mit dabei ist John Ortiz als Mr. Temple: Dieser Lehrer ist strikt dagegen, dass Dulaine an der Schule unterrichtet.

Darf ich bitten? Tango, Merengue, Salsa, Foxtrott, Walzer und HipHop ? wer will nochmal, wer hat noch nicht? Auf die Tanzszenen bereiteten sich die Schauspieler einen Monat lang intensiv vor ? unter Anleitung der Choreografin JoAnn Jansen. ?Ich mußste nicht nur die Geometrie der Bewegungen bedenken, sondern auch die Größe und Gestalt des Raums einbeziehen?, beschreibt sie ihren Ansatz. Für die HipHop-Sequenzen waren die Brüder Rich und Tone Talauega zuständig ? sie sind für ihre angesagte, immer dem neuesten Trend entsprechende Choreografie bekannt. Unter ihrem Einfluss werden die klassischen Tänze durch eine Stil-Kombination ergänzt, die den Schlussteil des Films dominiert.

Dazu Produzentin Diane Nabatoff: ?JoAnn bringt bereits reichlich Filmerfahrung mit, sie ist eine hervorragende Choreografin und weiß genau, wie man Schauspieler für die Kamera vorteilhaft in Szene setzt. Die Talauega-Brüder sind im Bereich HipHop absolut angesagt und bringen ihren ganz spezifischen Stil ein, um die Bewegungen möglichst spannend umzusetzen. Es war also klar, dass uns das Teamwork dieser Experten die perfekte Mischung beschert.?

Etliche Darsteller hatten noch nie Tanzunterricht gehabt ? Jansen mußste also zunächst feststellen, wie intensiv jeder Schauspieler ausgebildet werden mußste, um seiner jeweiligen Rolle gerecht zu werden. Beim Training geht sie von den mitgebrachten Fähigkeiten der Schüler-Darsteller aus, die dann entsprechend entwickelt werden. Dazu Elijah Kelley, der den Danjou spielt: ?JoAnn arbeitet mit dem, was wir an Erfahrung mitbringen, um es für unsere Darstellung zu nutzen. Dadurch können wir uns viel schneller in die Filmfiguren verwandeln.?

Als Pierre Dulaine tanzt Banderas den Tango, um seinen skeptischen Schülern zu demonstrieren, welche Leidenschaft und Begeisterung ein Gesellschaftstanz auslösen kann. Gemeinhin nimmt man an, dass Banderas eine Tanzausbildung vorweisen kann ? aber das ist nicht der Fall. ?Viele Leute erwarten das von mir ? es liegt offenbar daran, dass mir der physische Teil meiner Arbeit leicht fällt?, sagt der Schauspieler. ?Ich bin nie ein hervorragender Tänzer gewesen, aber nachdem ich in 228 Broadway-Vorstellungen mit Chita Rivera getanzt habe, traue ich mir auch einen Tanzfilm zu.?

Banderas begann sein Training zu Hause in Los Angeles. Kurz nach Drehbeginn traf er in Toronto ein und konzentrierte sich nun auf die konkrete Choreografie der Filmszenen. ?JoAnn versteht es, jemanden wie einen Tänzer aussehen zu lassen, selbst wenn er vom Tanzen keine Ahnung hat?, berichtet Banderas. ?Den Tango kann ich, weil ich ihn gelernt habe. Man muß das Grundsätzliche beherrschen, um darauf aufzubauen und zu improvisieren. Am Ende wirke ich wie ein echter Tänzer ? der Blick auf die Partnerin, die Haltung des Körpers, die Kopfbewegungen: So kann ich die Zuschauer überzeugen, dass ich ein besserer Tänzer bin, als es tatsächlich der Fall ist.?

Doch die wichtigsten Tänzer des Films trainierten nicht nur mit JoAnn Jansen, ihrem Assistenten Allen Walls und Tone Talauega, sondern sie bekamen sogar die Gelegenheit, mit Pierre Dulaine persönlich zu arbeiten. Alle reagierten einhellig: Dulaines Charisma, seine Liebe zum Tanz begeistert jeden. ?Leute wie Pierre erlebt man nicht oft. Gerade heute trifft man nur selten Menschen, die etwas umsonst tun?, sagt Banderas über Dulaines Bereitschaft und Engagement, seine Tanzleidenschaft mit anderen zu teilen. Jasika Nicole, die die Egypt spielt, sieht das ähnlich: ?Pierre verfügt über ein phänomenales Talent, und er ist ein hervorragender Lehrer. Er kann sich gut verständlich machen und behandelt jedermann sehr respektvoll. Ich bin wirklich sehr froh, dass ich ihn kennen lernen durfte.?

Die Vorbereitungszeit war für die Darsteller der Pierre-Schüler ein hartes Stück Arbeit, aber schon bald merkten sie, dass sich die Mühe lohnte ? sie machten eine Ausbildung fürs ganze Leben. ?Davon werde ich mein Leben lang zehren?, sagt Shawand McKenzie, die im Film ?Big Girl? spielt. Aber nicht nur auf den Proben wurde getanzt ? die Schauspieler probierten auch in den Clubs aus, was sie gelernt hatten: Bei diesen Ausflügen konnten sie auf dem öffentlichen Tanzparkett nicht nur weiter probieren, sondern sich auch untereinander anfreunden.

?Es kommt wirklich nicht oft vor, dass man ausgeht und der Abend in einem Tanzclub als Vorbereitung für die Rolle gilt?, sagt Dante Basco. Und die Schauspielerin Jenna Dewan ? sie übernimmt die Rolle der Sasha ? fügt hinzu: ?Wir hatten großes Glück, denn uns stand ein ganzer Monat für die Proben zur Verfügung ? dadurch lernten wir uns sehr gut kennen. Täglich übten wir acht Stunden zusammen, abends gingen wir in die Clubs ? wir freundeten uns richtig an. Das spürt man im Film: Wir sind eine Gruppe, wir gehören zusammen. Wenn wir in einen Club einfallen, dann beherrschen wir das Parkett: Achtung, aufgepasst! Hier kommt das Team von ,DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt?!!?

Obwohl der Choreograf Tone Talauega im sich ständig weiter entwickelnden Bereich des HipHop als Trendsetter gilt, merkte er schnell, wie viel auch er von der strengen Disziplin des Gesellschaftstanzes lernen kann: ?HipHopper sind ganz auf sich selbst fixiert ? natürlich haben sie entsprechende Probleme beim Partnertanz. Ballroom ist also eine völlig andere Kiste: Man mußs mit seinem Partner verschmelzen und aussehen wie Zwillinge.?

Über ihr ursprüngliches Konzept für ?DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt? sagt Liz Friedlander: ?Ich stellte mir den Film so vor, dass er zunächst wie eine elegante Dokumentation wirkt, um schließlich als Hollywood-Movie zu erstrahlen.? In den Gesprächen mit ihren kreativen Mitarbeitern betonte Friedlander immer wieder, der Film ?sollte sich an den Phasen in der Ausbildungsentwicklung der Kids orientieren. In dem Maße, wie sich ihnen eine neue Welt eröffnet, soll sich auch der Film in Bezug auf Look und Atmosphäre ,öffnen?.?

Dieses Konzept betrifft das Produktionsdesign, die Kamerabewegungen und die Kostüme. Produktionsdesigner Paul Austerberry soll zum Beispiel zeigen, dass die Filmhelden ?aus einem verarmten Milieu stammen, das einen Kontrast zur fantastischen Welt des Ballroom-Dancing bildet?. Zu Anfang wirkt die Schule farblich eher kalt und abweisend ? Blaugrau dominiert. Aber als die Schüler die Welt da draußen kennen lernen, werden auch die Farben freundlicher.

Für die Abschlussszenen des Films auf dem Tanzturnier ließ Austerberry sich von Pfauenfedern inspirieren. ?Die Kids haben ein neues Selbstbewusstsein aufgebaut, was sich auch in ihrer Haltung ausdrückt ? und die Farben unterstützen das?, fügt er hinzu. Diese Sequenz filmte man im historischen Royal York Hotel im Zentrum von Toronto. Acht Maler benötigten 48 Stunden, um den Ballsaal für den Film vorzubereiten. Anschließend blieben nur 24 Stunden, um den ursprünglichen Zustand des Saals wiederherzustellen, weil er bereits für eine Hochzeitsfeier gebucht war: Um das zu schaffen, mußsten 16 Maler und mehrere Arbeiter rund um die Uhr schuften.

Friedlander und Austerberry diskutierten ausführlich darüber, wie der verliesartige Keller der Schule aussehen soll, in dem Pierre seine Schüler unterrichtet. ?Liz hatte den Look des Kellers schon ganz genau vor Augen?, erinnert sich Austerberry. ?Sie stellte sich einen verdreckten und deprimierenden Raum vor, der aber immer sauberer, offener und heller wird, je mehr sich die Schüler auf Pierres Lektionen einlassen.?

Um Friedlanders Ideen auf die Leinwand zu übertragen, blätterte Austerberry Zeitschriften und Bücher durch und schaute sich etliche Schulen und Heizungskeller an, um Anregungen zu bekommen. ?Uns schwebt ein Korridor vor, der durch entlang laufende Rohre extrem niedrig wirkt. Ansichten und Materialien aus tatsächlichen Räumen, Schul-Ballsälen und aus Magazinen kombinierten wir zu einem einheitlichen Bild. Ich machte überall Fotos, um Anhaltspunkte für die Farben zu bekommen, und ich übernahm Ideen aus Büchern und Broschüren. Daraus filterten Liz und ich dann die Elemente, die uns gefielen ? so setzten wir das Ambiente des Verlieses Stück für Stück zusammen.?

Kameramann Alex Nepomniaschy freute sich über seine Chance, die Entwicklung der Figuren durch ihre Bewusstwerdung in der Tanzwelt zu zeigen. Das Licht im Verlies wirkt kalt und hart, aber die Farbtemperatur verändert sich allmählich: Als die Schüler sich stärker in den Tanz einbringen, dringt immer mehr Licht durch die Fenster. Was die Kamerabewegungen angeht, so verwendet Nepomniaschy bei den Szenen mit Rock and LaRhette die Handkamera, um ihr instabiles Familienleben zu illustrieren. Im Gegensatz dazu wirken die durchkomponierten Kamerabilder in Pierre Dulaines Wohnung sehr klar, präzise und fließend.

?Ganz bewusst haben wir einige Szenen mit kaltem Wetter in den Film eingebaut, damit man anfangs sieht, wie sich die Kids in ihre Wintermäntel einwickeln ? später erleben wir dann, wie sie aus ihren Häuten schlüpfen?, erklärt Liz Friedlander. Um den für den Film nötigen Realismus zu gewährleisten, ließ sich Kostümbildnerin Melissa Toth ?von den New Yorker Straßen inspirieren. Ich habe überall dort eingekauft, wo die Kids einkaufen, die dort zu Hause sind. Und ich hörte mir an, wie die Schauspieler darüber dachten, denn sie haben ein feines Gespür dafür, was echt wirkt.?

Bei der Vorbereitung gingen Toth und ihr Assistent oft durch die Straßen und fotografierten heimlich, wie die New Yorker Teenager gekleidet sind. Außerdem schauten sie sich in den Geschäften um, die für die Filmhelden infrage kommen würden. Im heutigen HipHop-Stil kennt sie sich zwar gut aus, aber in die Welt des Gesellschaftstanzes mußste sie sich erst einarbeiten. ?Vor diesem Film hatte ich keinen Schimmer vom Ballroom-Dancing. Ich schaute mir ein Tanzturnier in New York an und blieb schließlich den ganzen Tag dort. Die Kostüme faszinieren mich. Die HipHop- und die Ballroom-Mode sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe, und ich fand es sehr spannend, mich beiden auszusetzen.?

Sie merkte, dass sich die Mode bei den Tanzturnieren ständig verändert: ?Ich erfuhr, dass heute niemand mehr Federn am Kostüm trägt. Heute steht und fällt alles mit Swarovski-Kristallen: Alles ist jetzt mit ihnen besetzt?, sagt Toth. Außerdem stellte sie fest, dass die Ballroom-Kleidung aus sehr technisch orientierten Tanzkostümen besteht. ?Die Technik spielt eine große Rolle. Unter der glamourösen Fassade sind die Kostüme wie Badeanzüge aufgebaut, wie ein Gymnastik- oder Eislauf-Trikot. Auf die Entfernung wirken sie wie wunderschöne, formvollendete Kleider. Aber unten drunter geht es nur um das, was praktisch und bequem ist.

Bei der Einkleidung der Hauptfiguren stellte sie sich weitgehend auf die jeweiligen Schauspieler ein, die ihre Rolle selbst ausgestalten. ?Viele der Kids sind aus New York, sind auf der Straße aufgewachsen und wissen, was authentisch wirkt und was nicht.? Die Schauspieler wussten Toths Einstellung zu würdigen. ?Melissa ist echt cool?, erklärt Dante Bosco. ?Ich hatte ganz bestimmte Vorstellungen von Ramos und erklärte ihr das, und sie nahm meine Ideen sehr gern auf.?

Kein Tanz ohne Musik Als Teil der Tanzelemente spielt die Musik in ?DANCE! Jeder Traum beginnt mit dem ersten Schritt? natürlich eine ganz entscheidende Rolle. Regisseurin Liz Friedlander berichtet, dass sie die Musik einsetzt, um beiden Parteien gerecht zu werden, Pierre und seinen Schülern, die lernen müssen, sich auf die jeweils andere Art der Musik einzustellen: ?Mir selbst ist es beim Inszenieren dieses Films genauso gegangen. Mittlerweile habe ich buchstäblich Hunderte von Tangos, Salsas und Meringues gehört ? viele Musikstile, die ich vorher nicht kannte.?

Aufgrund der vielen Musikrichtungen im Film weiß Friedlander heute, wie wichtig es ist, ?den Wert und die Gleichberechtigung verschiedener musikalischer Ausrichtungen zu würdigen. HipHop kann politisch hochbrisant sein, manches hat mit dem Lifestyle zu tun. Dasselbe gilt für Salsa-Musik: Die singen über dieselben Inhalte, die in den Rap-Songs vorkommen ? sie unterscheiden sich nur in stilistischen Merkmalen, im Ausdruck. Und es gibt eine Menge Rhythmusphasen, die sich stilistisch ähneln, aber aus ganz unterschiedlichen Musikrichtungen stammen. Ich hoffe, dass wir einen roten Faden gefunden haben, der unseren Film zusammenhält, so dass er sich nicht wie eine Kette beliebig aneinander gereihter Songs anhört. Ich wünsche mir, das er als allgemein gültig akzeptiert wird.?

Die Filmemacher engagierten die renommierte Musikexpertin Bonnie Greenberg, um aus klassischen Musikrichtungen und heutigen Sounds einen Soundtrack zusammenzustellen ? manchmal werden die verschiedenen Stile auch ?zusammengerührt?, um aus kontrastierenden Generationen einen coolen, fetzigen Hybrid-Sound zu schaffen. Bei den Standardtänzen entschloss man sich von vornherein, den klassischen amerikanischen Komponisten George und Ira Gershwin Tribut zu zollen: Möglich war das durch die Unterstützung der Gershwin-Erben und des Musikverlags Warner Chappel Publishing. Auch ein Dialogsatz, der als Verbeugung vor den Gershwins gedacht ist, wurde in Absprache mit den Erben ins Drehbuch aufgenommen.

Für die Originalmusik des Films engagierte Greenberg Mitarbeiter aus aller Welt. Bailongo in Buenos Aires steuerten einen modernen neuen Tango bei; der schottische DJ Grant McSleasy schuf den ?Mashup? (einen Hybriden aus sechs Songs, die zusammen einen originellen Sound ergeben); in New York schrieb und produzierte der hervorragende HipHop-Produzent Swizz Beatz die Abspannmusik, und zusammen mit dem renommierten Filmkomponisten Aaron Zigman schrieb er auch die Filmmusik; in Puerto Rico schrieben und spielten die Reggaetone-Stars Wisin und Yandel die Musik für das große Tanzfinale zusammen mit Bone Thugs, Fat Man Scoop, Drag-on und Myelissa.

Greenberg brachte neue Teams zusammen und zeigte sich bei der Kombination von Musikern als sehr innovativ: Rapper Q-Tip (von der Gruppe Tribe Called Quest) wird mit Lena Hornes klassischer Aufnahme von Gershwins ?I?ve Got Rhythm? kombiniert ? außerdem rappt er zu einer modernen Einspielung des traditionellen Tangos ?La Cumparsita?. Zu hören sind im Film auch neue Titel von LL Cool J, Freeway, DMX, Youngbloodz, Topic, Akon, Swizz Beatz, Kem, Jae Millz und Remy Ma, außerdem Klassiker von Nat King Cole, Dinah Washington, Keely Smith, June Christy, Sly and The Family Stone und Black Eyed Peas.

?Wir wollten mit diesem Film einen neuen Sound schaffen?, sagt Greenberg. ?Immer wenn sich die Gelegenheit ergab, versuchten wir verschiedene Musikwelten zu verschmelzen. Wir entschieden uns für den traditionellen Filmkomponisten Aaron Zigman und den großartigen HipHop-Produzenten Swizz Beatz, die gemeinsam den Score schrieben. In manchen Szenen kombinierten wir heutigen Tango mit HipHop-Rhythmen. An anderer Stelle mischten wir Standardtänze mit HipHop-Rhythmen. Manchmal sind sogar alle drei Stilelemente in einem Musikstück verschmolzen.?

Mit ihrem Regiedebüt hat Liz Friedlander bereits eine Gemeinde treuer Fans um sich geschart: Ihre Darsteller respektieren sie, weil die Regisseurin sie zu eigenen Beiträgen aufforderte und ihre Ideen gern ins Gesamtkonzept des Films aufnahm. Yaya DaCosta fand Friedlanders Arbeitsmethode gerade deswegen so wichtig, weil sie ihre erste Filmrolle spielte: ?Liz hat mir entscheidend geholfen, meine Rolle zu begreifen, weil sie von Anfang an immer gesprächsbereit war: Erst durch unseren Austausch ist aus LaRhette ein echter Mensch geworden.?

Ähnliches berichtet Antonio Banderas: ?Liz kann fantastisch mit Schauspielern umgehen. Nie zwingt sie uns mit ihren Regieanweisungen in ein Korsett. Vielmehr sagt sie: ,So stelle ich mir das vor. Wie bringst du dich dabei ein? Ich weiß es nicht. Mach es mir vor.? Hoffentlich arbeiten wir bald wieder zusammen!? Aber auch das gute Verhältnis zu seinen jüngeren Schauspielerkollegen begeisterte Banderas.

?Der Erfolg des Films steht und fällt mit dem Zusammenspiel der Kids auf der Leinwand. Manchmal verdrängt unsere Gesellschaft einfach, dass Kids in den Innenstädten aufwachsen und zur Schule gehen. In solchen Fällen kann es leicht passieren, dass sie Drogen nehmen oder zur Waffe greifen. Wenn man stattdessen ein bisschen Aufmerksamkeit und Liebe investiert, ist das Resultat überwältigend. So kann man die Gesellschaft buchstäblich verändern, denn die Kids sind unsere Zukunft, die schon begonnen hat.?

Szenenfoto
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