Brotherhood

Ausführlicher Inhalt

Der alte Koreakriegsveteran Jin-seok Lee erhält die Nachricht von Skelettfunden auf dem Bürgerkriegsschlachtfeld von Dumillyong, wo er seinen Bruder Jin-tae rund fünfzig Jahre zuvor im Kampfgetümmel zuletzt gesehen hat. Jin-seok macht sich auf den Weg zum ehemaligen Kriegsschauplatz, Erinnerungen an alte Zeiten werden wach.

Rückblende ins Jahr 1950. Der damals 18jährige Jin-seok Lee (Bin Won) und sein älterer Bruder Jin-tae (Dong-kun Jang) tollen ausgelassen durch die Straßen Seouls. Es herrscht Armut im Land nach dem 2. Weltkrieg. Jin-tae hat die Schule abgebrochen, als Schuhputzer und Schuster verdient er ein wenig Geld, um die Familie zu unterstützen und seinem begabten Bruder den Besuch der Hochschule zu ermöglichen. Die Mutter arbeitet als Nudelsuppenköchin, der Kummer über den Tod ihres Mannes hat sie verstummen lassen. Jin-taes reizende Verlobte Young-shin (Eun-ju Lee) hilft der Mutter in der Garküche.

Trotz der Not versuchen alle fröhlich und hoffnungsvoll zu sein, bis sie von der Nachricht überrascht werden, dass die Armee aus dem kommunistischen Nordkorea am 25. Juni 1950 ins von den Amerikanern besetzte, antikommunistische Südkorea einmarschiert ist. Panik bricht aus, in Windeseile wird mobil gemacht. Familie Lee flüchtet aus Seoul Richtung Süden, in der Stadt Daegu werden Jin-seok und Jin-tae zwangsrekrutiert und als Soldaten an die Front transportiert. Der robuste und draufgängerische Jin-tae ist fest entschlossen, seinen sensiblen, verträumten jüngeren Bruder zu beschützen, damit er den Bürgerkrieg lebend und unversehrt übersteht, um später seine Ausbildung fortsetzen und dann für die Mutter sorgen zu können.

Schon bald erleben die Brüder das Grauen des Krieges: Hunger, Leichenverbrennungen, schweren Artilleriebeschuss, zerfetzte Kameraden, und den Amoklauf eines wahnsinnig gewordenen Soldaten im Hospital, der zuerst hilflose Verletzte und dann sich selber erschießt. "Ich wünschte, das alles wäre nur ein Traum", klagt Jin-seok traurig. Jin-tae beteiligt sich todesmutig an Himmelfahrtskommandos und vollbringt immer wieder tollkühne Heldentaten mit dem Ziel, einen Orden verliehen zu bekommen. Denn damit könnte er erreichen, dass der geliebte Bruder von der Front abkommandiert wird.

Jin-seok weiß von all dem nichts. Ihm ist die übertriebene Fürsorge seines ?Schutzengels? suspekt. Er beschuldigt diesen, bloß auf eigenen Ruhm und Beförderung scharf zu sein und dabei Kriegskameraden zu gefährden. Tatsächlich sterben Mitkämpfer bei Jin-taes Kamikaze-Aktionen, und das Verhältnis der Brüder zueinander verschlechtert sich zusehends, bis es zum offenen Streit kommt, als Jin-tae wehrlose Kriegsgefangene quält und schließlich erschießt.

Trotz verbissener Gegenwehr bis in den Kampf Mann gegen Mann werden die Südkoreaner immer weiter in die Enge gedrängt von den machtvoll vorrückenden Nordkoreanern. Erst die erfolgreiche Landung der US-Armee unter General MacArthur bei Incheon bringt die Wende: Die Nordkoreaner werden bis in ihre Hauptstadt Pyongyang und noch weiter bis nahe an die chinesische Grenze zurückgeschlagen. Da läßt Mao Tse Tung seine rote Volksbefreiungsarmee massiert auf die Südkoreaner und Amerikaner los - sie sind zum Rückzug gezwungen. Seoul wird von den Kommunisten eingenommen, dann wieder zurückerobert von der Südallianz, nördlich von Seoul in der Gegend des 38. Breitengrads entbrennt ein verlustreicher, langwieriger Stellungskrieg.

Im Süden der koreanischen Halbinsel und in Seoul beginnt eine gnadenlose Kommunistenhatz, wer sich als Kollaborateur des Nordens verdächtigt macht, wird abgeurteilt und kurzerhand exekutiert. Auch Jin-taes Verlobte Young-shin wird zum Tode verurteilt von fanatischen Kommunistenhassern, weil sie vom Verhungern bedroht zuvor unter nordkoreanischer Besatzung in die Kommunistische Partei eingetreten war, um an Lebensmittelrationen zu kommen für sich und die anderen Familienangehörigen. Young-shin steht schon am Rande des Massengrabs, Auge in Auge mit dem Füsilierkommando, da kommen ihr in letzter Sekunde Jin-seok und Jin-tae zur Hilfe. Beim brutalen Handgemenge fallen Schüsse, Young-shin sinkt tödlich getroffen zu Boden und stirbt in den Armen ihres geliebten Jin-tae.

Die Brüder werden nun ihrerseits als Kollaborateure verdächtigt und festgenommen. Jin-tae, inszwischen mit einem Orden hochdekoriert, legt sich, verzweifelt über den Tod seiner Verlobten und maßlos wütend, mit einem südkoreanischen Kommandeur an, der daraufhin das Gefängnis in Flammen setzen läßt, in das Jin-seok verfrachtet wurde. Nach dem Brand findet Jin-tae in den schwelenden Gefängnisruinen nur verkohlte Leichen und den Füllfederhalter seines Bruders. Überzeugt, dass Jin-seok im Gefängnis verbrannt ist, stürzt sich Jin-tae hasserfüllt auf den verantwortlichen Kommandeur, schlägt ihm mit einem Stein den Schädel ein und läuft zu den Nordkoreanern über.

Doch Jin-seok konnte aus dem brennenden Gefängnis entkommen und kuriert in einem Militärhospital seine Wunden aus. Dann begibt er sich wieder an die Front, auf der Suche nach seinem Bruder. Er trifft ihn im Schlachtgetümmel wieder trifft, wo er wie ein Berserker auf Seiten der Nordarmee kämpft und seinen Bruder zunächst nicht erkennt. Beim blutigen Gefecht auf Leben und Tod zwischen den Geschwistern kommt Jin-tae dann doch noch zur Besinnung, erkennt den Bruder und rettet ihm ein letztes Mal das Leben, bevor er selber von Kugeln zersiebt wird. Sein Versprechen, bald nach zu kommen, kann er nicht mehr erfüllen.

Eine Überblendung führt wieder in die Gegenwart: Der alte Jin-seok hockt todtraurig auf dem früheren Schlachtffeld neben dem ausgegrabenen Skelett seines Bruders und schluchzt. Nach all den Jahren hat er Jin-tae wiedergefunden.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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