Brotherhood

Produktionsnotizen

53 Jahre nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen Nordkorea und Südkorea gibt es immer noch keinen Friedensvertrag zwischen den verfeindeten Bruderstaaten, der kalte Krieg ist bis heute nicht beendet. Die seelischen Wunden des Krieges sind, vor allem bei der älteren Generation, noch nicht vollständig verheilt, noch immer sind Familien durch die Grenze geteilt, die Aufarbeitung der traumatischen Teilung ist noch nicht abgeschlossen.

Der phänomenale Erfolg von BROTHERHOOD in Südkorea, wo der Film das höchste Einspielergebnis aller Zeiten verbuchen konnte und wo nach dem Kinostart am 6. Februar 2004 rund 11 Millionen Zuschauer in die Kinos strömten (in einem Land mit einer Gesamtbevölkerung von insgesamt 45 Millionen ist das jeder vierte Bürger!), erklärt sich zum einen durch die massive Werbekampagne und den Massenstart in 420 Kinos.

Zum anderen lockte er auch Koreaner älteren Semesters in die Filmtheater des Landes, wo heute normalerweise niemand über 30 mehr ins Kino geht. Populäre Topstars wie Dong-gun Jan oder der Newcomer Bin Won sprachen das junge Publikum an. Die überwältigende visuelle Wucht der Action-Szenen und die große emotionale Wirkung von BROTHERHOOD sorgte zudem für reichlich Mundpropaganda.

In Korea ist der Kinohit unter dem Titel TAEGUKGI bekannt, das ist der Name der südkoreanischen Nationalflagge. Sie wurde bereits 1878 entworfen, war aber während der japanischen Kolonialherrschaft verboten. TAEGUKGI steht für das Universum, symbolisiert durch Yin und Yang mit rot für die männliche und blau für die weibliche Seite. Die schwarzen Balken stehen für die Erde und die Natur, die das Leben umgibt.

Das Budget in Höhe von umgerechnet rund 15 Millionen Dollar und der Produktionsaufwand für BROTHERHOOD war so groß wie bei keinem koreanischen Film zuvor. Dazu einige Zahlen: Der Planung des Films voraus gingen 29 Monate historische Recherche und Drehbuchentwicklung. Jede Menge Geschichtsbücher, Fotos und Dokumentarfilmaufnahmen wurden ausgewertet. Sechs Monate dauerte die Besetzung der zahlreichen Rollen, außerdem wirkten 25.000 Statisten mit.

Zu Ausstattung gehörten 19.000 speziell angefertigte Uniformen und 1000 Paar Armeestiefel, dazu 4000 Kostüme im Stil der 50er Jahre für die Darsteller der Zivilisten, außerdem 6000 Requisiten aus jener Zeit, über 1000 historische Schußwaffen und Bayonette, viele Kanonen, Panzer, Militärfahrzeuge und Dampfloks, sowie zwei Tonnen Munition und Sprengstoff. Last but not least: über 200 zum Teil verstümmelte künstliche Leichen.

Die Innenstadt von Pyongyang wurde entsprechend der 50er Jahre Architektur nachgebaut für die Häuserkämpfe, dazu 20 Freiland-Sets für andere Szenen und eine zwei Kilometer lange Verteidigungslinie für die Kämpfe am Nakdong Fluß. Die Filmaufnahmen mit 140 Drehtagen zogen sich über neun Monate hin, ergänzt wurden sie durch computergenerierte Aufnahmen für spezielle Effekte.

"Die Idee zu BROTHERHOOD kam mir bei einer Reportage, die anno 2000 im Fernsehen gezeigt wurde", erinnert sich Regisseur und Autor Je-gyu Kang. "Es ging um Ausgrabungen von Toten aus der Zeit des Koreakrieges. Da gab es eine alte Frau, die verzweifelt auf die Rückkehr ihres Ehemanns aus dem Krieg gewartet hatte. 50 Jahre lang hatte sie keine Ahnung, wo ihr Mann verschollen war. Und nun fand diese alte Frau, die nicht mehr laufen konnte und auf dem Rücken eines Soldaten zur Ausgrabungsstelle getragen werden mußte, endlich ihren vermissten Mann, allerdings nur seine zerbrochenen Knochen. Das war ihr erstes Wiedersehen, nachdem er vor 50 Jahren in den Krieg geschickt wurde. Die Frau weinte nur und schrie beim herzzerreißenden Anblick der Überreste. Kein Kriegsfilm oder Roman könnte in der Wirkung stärker sein als diese dramatische, reale, herzergreifende Szene."

"Ich habe das in meinen Film übernommen. Der Koreakrieg wird aus der Sicht gewöhnlicher Menschen dargestellt. Es geht in diesem Film nicht um eine ideologische Auseinandersetzung mit dem Krieg. Der Koreakrieg war für den Süden und den Norden gleichermaßen eine Tragödie. Traurigerweise führte der Krieg zum Tod von fünf Millionen Menschen, und doch weiß keiner genau, wozu der Krieg nötig war. In diesem Film wird das Kriegserlebnis an einer Person und seiner Familie festgemacht. Obwohl diese Person gar nicht die Absicht hatte, mußte sie sich der Realität stellen und an dem tragischen Krieg teilnehmen."

"BROTHERHOOD stellt an den Zuschauer die Frage: Was wäre, wenn Du dabei gewesen wärst? Mit dieser Frage wird man in dem Film zum Schlachtfeld geführt. Was sind Deine Grundbedürfnisse im täglichen Leben? Man könnte antworten: Liebe, Glück, Familie, Hoffnung etc. Dem entsprechend bedeutet Krieg für einen persönlich vor allem, das der Krieg die Befriedigung solcher Bedürfnisse unmöglich macht, und daher als quälend und verstörend empfunden wird. BROTHERHOOD zeigt den Krieg aus diesem persönlichen Blickwinkel."

Diese Herangehensweise verleiht dem Film eine große emotionale Tiefe, verbunden mit der Dramatik der spektakulären Kampfszenen vermittelt er dem Publikum aufregende Momente und starke Gefühle. Anders als bei vielen konventionellen Kriegsfilmen sorgt die realistisch wirkende Darstellung der Gewalt in BROTHERHOOD dafür, dass das Schlachtfeld nicht wie ein Spielplatz für übermenschlich hochstilisierte Heldenfiguren wirkt, oder wie ein Video Game. Die Gewalt wirkt erschütternd grausam, sie veranschaulicht das unermeßliche Leid und den Wahnsinn des Krieges.

Nie zuvor wurden im koreanischen Kino derart spektakuläre Actionszenen gedreht, eingebunden in eine spannend entwickelte, innerlich berührende Handlung - ohne aufgesetztes Happy End nach Hollywood-Art. "Krieg hat zwei Gesichter", sagt Kang. "Es gibt die Gewalt, aber da ist auch eine sehr emotionale, menschliche Seite. Mein Film stellt beide Aspekte dar, um die Realität des Krieges zu vermitteln."

Zum großen Erfolg von BROTHERHOOD trugen natürlich auch die namhaften Hauptdarsteller bei. Superstar Dong-gun Jang, der den älteren Bruder Jin-tae Lee spielt, hatte seine Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke bereits in Filmhits wie NOWHERE TO HIDE, FRIEND und COAST GUARD bewiesen, doch er erklärt: "Dies war die schwierigste Rolle für mich, seit Beginn meine Laufbahn als Schauspieler. Ich gab mein Bestes, mehr als in jedem anderen Film. Ich habe versucht, sogar meine eigene Identität zu vergessen, um ganz im Charakter der Filmfigur aufzugehen. Ich bin sicher, dass dieser Film auch auf dem internationalen Kinomarkt erfolgreich sein wird." Tatsächlich lief er bereits mit großem Erfolg in Japan, Taiwan und Hongkong.

Bin Won, der einfühlsame Darsteller von Jangs Filmbruder Jin-soek, wurde in Korea berühmt mit BROTHERHOOD. Sein Kommentar: "Ich habe noch immer Schmetterlinge im Bauch, so wie in jenem Augenblick, als ich zum ersten Mal das Drehbuch bekam. Die Dreharbeiten waren körperlich sehr anstrengend, aber ich bin noch immer so nervös und aufgeregt wie in dem Moment, als ich die Rolle angeboten bekam. Das ist erst mein zweiter Film als Kinoschauspieler gewesen. Aber jetzt, nach getaner Arbeit, fühle ich mich schon wie ein richtiger Schauspieler."

Die inszwischen tragisch durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene weibliche Hauptdarstellerin Eun-joo Lee schilderte ihre Erfahrungen am Set von BROTHERHOOD (sie spielt Jin-taes Verlobte Young-shin) folgendermaßen: "Obwohl ich nie beim Militär war, hatte ich bei den Dreharbeiten immer das Gefühl, als wären wir wirklich im Krieg. Alle Mitglieder des Filmstabes und der Crew haben gearbeitet, als würden sie gegen einen Feind kämpfen. Es war ein harter Job, aber keiner hat sich beschwert, wir alle waren zuversichtlich und stolz auf unsere Arbeit."

"Grundsätzlich gab es zwei Arten von Stunts mit spezifischen Problemen dei der Inszenierung: Die Kämpfe Mann gegen Mann erforderten viel Übung und Training, bevor die Schauspieler die richtigen Bewegungsabläufe lernten. Und bei den vielen Explosionen bestand natürlich immer Gefahr, das jemand von herumfliegenden Trümmern verletzt wurde." Leichte Unfälle gab es bei der Finalschlacht, in der die Filmfigur Jin-tae ums Leben kommt, und bei der 3000 Statisten und 500 Stunt-Spezialisten mitwirkten.

Die Dreharbeiten allein dafür dauerten drei Wochen, 15.000 Patronen wurden verschossen. Ähnlich wie Steven Spielbergs SAVING PRIVATE RYAN sind die Kriegsbilder in BROTHERHOOD hautnah, voller Dreck, Blut, Kanonendonner, Feuer und Rauch. "Die Art, wie sie in Hollywood Raucheffekte erzeugen, ist sehr kostspielig", erklärt Regisseur Kang. "Wenn wir schwarzen Rauch am Himmel brauchten, haben wir täglich 200 Autoreifen verbrannt."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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