American Dreamz - Alles nur Show

Produktionsnotizen

Die Grundidee für dieses Projekt beschreibt Filmemacher Paul Weitz folgendermaßen: unerfüllte Träume. Er reflektiert: ?Ich wollte gerne einen Film über den Kernaspekt der amerikanischen Bevölkerung machen ? die Idee, dass wir alle irgendeinen Traum haben. Wir träumen von Dingen, die wir im Moment nicht haben?. Deshalb nahm der Autor Stift und Papier zur Hand und schrieb ?eine völlig geisteskranke Komödie über die Idee, dass jeder in Amerika einen bestimmten Traum hat ? und wie dieser großartige Traum uns eigentlich alle verrückt macht.?

Aufgrund ihrer Studien über das Verhalten der Menschen und ihres des öfteren in vorherigen Filmen bewiesenen komischen Potenzials fanden Weitz und sein Team von Depth of Field Production ein Konzept für diesen satirischen, sozialkritischen Film. Sie haben schon zuvor in ihren Komödien ?American Pie?, ?About a Boy? und ?In Good Company? diese Themen verarbeitet. Das bizarre soziale und politische Klima, das seit über zwei Jahren in Amerika vorherrscht, haben die Filmemacher zum Anlass genommen, dieses zum Filmthema zu machen und zeigen, wie Realfernsehen auch Wirklichkeit werden und im Chaos enden kann.

?Einen Teil meiner Inspiration für den Film war die Faszination, wie heute mit der Popkultur und dem Suchen nach Superstars in TV-Shows umgegangen wird. Es wird zur Hysterie im ganzen Land, jeder nimmt am Schicksal der Probanden teilt und weltweit wichtige Themen werden zurückgedrängt?, bemerkt Weitz. Ein Großteil der Crew, wie die Produzenten Andrew Miano und Rodney Liber, waren schon bei seinen vorherigen Filmen dabei. Sie hatten sein Vertrauen, ?American Dreamz? vom Papier auf die Leinwand zu bringen.

Produzent Miano vermutet, dass Weitz einen Film machen wollte, der ?unsere kulturellen Leidenschaften hinterfragt. Er wollte eine Geschichte schreiben, die gleichermaßen die politische wie auch Pop-kulturelle Richtung aufzeigt.? Vom Gedanken zur Umsetzung brauchte Paul Weitz nicht sehr viel Zeit. Produzent Liber erinnert sich an seine frühen Diskussionen über ?American Dreamz? mit Weitz. ?Paul wollte es sofort beginnen. Es dauerte gerade mal zwei Monate, als er mir von der Idee erzählte, bis wir grünes Licht bekamen und mit der Vorbereitung für den Film beginnen konnten.? Miano gibt Liber Recht: ?Weitz kommt mit einer Idee, schreibt sie auf ein Stück Papier, und ehe man sich versieht, ist das Drehbuch fertig.?

?Es ist, als ob man mit ihm einkaufen ginge?, sagt Liber. ?Da er gleichzeitig Drehbuchautor, Produzent und Regisseur ist, kann man zu ihm mit allen eventuellen Problemen kommen. Er ist in der Lage, sie schnell zu lösen.? Nun ging es daran, die geeignete Besetzung für den Film zu finden. Sie brauchten Schauspieler, die in der Lage waren, die sarkastischen Untertöne rüber zu bringen, und trotz Comedy einen gewissen Ernst in die Sache zu bringen. Also benötigte man echte Pokergesichter.?

Viele der Besetzungsmitglieder waren schon zuvor bei den Projekten von Paul und Chris Weitz dabei und hatten großes Interesse daran, wieder gemeinsam mit den Brüdern zu arbeiten. Weitz erinnert sich, wie er die Truppe der Schauspieler zusammentrommelte: ?Es war wie ein Fiebertraum, ich kannte sie alle, und ich stellte mir vor, wie sie diese verrückten Charaktere darstellen würden.?

Hugh Grant hatte zuvor Will, den selbstsüchtigen Junggesellen, der durch die Hilfe eines kleinen Jungen erwachsen wurde, in "About a Boy ? Der Tag der toten Ente? von den Weitz-Brüdern, dargestellt. Weitz erinnert sich: ?Ich schickte Hugh das Drehbuch und ich glaube, er war erst einmal beleidigt und dann aber fasziniert davon. Hugh verfügt über einen sehr zynischen Humor und er setzt ihn in voller Breitseite im Film ein.? Das Konzept des Films amüsierte Grant aufs Äußerste. ?Der schwarze Humor des Drehbuchs gefiel mir ungemein. Das Besondere daran war aber, dass es trotzdem auch eine gewisse Wärme hatte.?

Über die Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Weitz sagt Grant: ?Paul kitzelt bei mir immer die dunkle Seite hervor. Sie gefällt ihm. Er erzählte mir, dass er eine gehörige Portion Dunkelheit und existentielle Angst in diese Rolle geschrieben hatte, und ich fand, es war schon irgendwie komisch, das auf der Leinwand so auszudrücken.? Die Besetzung des Amerikanischen Präsidenten wurde in einem einzigen Gespräch mit Dennis Quaid klar gemacht. Quaid spielte zuvor im Weitz-Film ?In Good Company?. ?Er fragte mich, ob ich es machen will?, erinnert sich Quaid, ?und ich sagte ja, ohne überhaupt das Skript gelesen zu haben. Er ist derartig talentiert, dass ich mich ihm unbedingt anschließen wollte.?

?Paul kann sehr satirisch sein, aber sein Material zeigt dabei aber auch Herz?, befindet Quaid. ?Es driftet niemals in die Karikatur ab und ist nicht gemein. Der Präsident ist ein Kerl mit Herz, das ihn zu einem interessanten Charakter macht und ich war mehr daran interessiert, den Unterschied zwischen seinem Auftritt in der Öffentlichkeit und dem persönlichen Leben aufzuzeigen.?

Zur Kreation seiner Rolle bemerkt Quaid: ?Ich wollte niemanden nachahmen. Ich wollte zwar eine kleine Prise von Bush dazu tun, aber auch Präsident Staton als eigenständigen Charakter darstellen. Und es ist auch ein kleines bisschen von Reagan und Clinton und alle den Präsidenten, die ich so über die Jahre beobachtete, dabei.? Der Regisseur stimmt Quaids Angehen an die Rolle zu: ?Dennis bringt eine Menge Herz für alles, was er tut, mit. Es wäre sicherlich zu langweilig geworden, hätte er nur eine Parodie auf Bush abgegeben.?

Schauspielerin und Sängerin Mandy Moore war für die Rolle der manipulierbaren Sally Kendoo vorgesehen, die alles dafür tun würde, um das Finale von ?American Dreamz? zu gewinnen. Weitz lacht: ?Sally ist eigentlich ein Soziopath. Sie will unbedingt ein großer Star werden.? Die Filmemacher mußsten eine Schauspielerin finden, die einerseits sehr süss ist, aber auch eine böse, unanständige Seite hat. Und diese Schauspielerin war Mandy. Ich wollte Mandy, weil ich eigentlich daran glaubte, dass sie ?American Dreamz? gewinnen könnte. Sie hat etwas Süßes an sich und es ist sehr interessant, sie in der Rollen der Bösen zu sehen.?

?Als ich mich auf den Film vorbereitete?, sagt Moore, ?dachte ich: das ist ein Mädchen, das jede Staffel der Show gesehen hat. Sie wusste alles, jede Einzelheit über Martin Tweed. Sie hat jeden Schritt geplant, der sie zur Show bringt und schließlich nach Hollywood.? Unterstützt und ermuntert, ihren Traum zu erfüllen, wurde Sally von William Williams, ihrem on-again/off-again-Freund, ihrer ehrgeizigen Mutter Martha Kendoo und ihrem ?koste es, was es wolle?-Agent Chet Krogl.

Jennifer Coolidge stellt die übereifrige, ehrgeizige Mutter dar, Chris Klein, der bereits in ?American Pie? mit Weitz arbeitete, porträtiert William, der in den Krieg zieht und verwundet zurück kommt, und Seth Meyers spielt Sallys Agent Chet. William Williams ist ein typischer Amerikaner, wie man ihn sich vorstellt, ist aber auch sehr entschlossen, wenn es um Dinge geht, die er unbedingt will. Weitz findet, dass Kleins Charakter die Message im Film ?jeder ist in seinen Traum eingebunden, ob es schlecht ist oder gut? voll trifft. Er ist auf das Mädchen fixiert, obwohl sie sich eigentlich gar nicht um ihn kümmert. Er glaubt, dass seine Liebe für sie das Wichtigste ist.?

Oscar-Gewinnerin Marcia Gay Harden übernimmt die erfrischend komische Rolle der First Lady, während der erfahrene Schauspieler Willem Dafoe den manipulativen Stabschef, der seinen Präsidenten in seine eigene Richtung führen will ? am besten komplett ahnungslos. Auch eine Gruppe von Newcomers gehören zum Kern der Besetzung. So z.B. Sam Golzari als Omer, Tony Yalda als Iqbal, Noureen DeWulf als Shazzy und Adam Busch als Sholem.

?Eines der schönen Dinge am Filmemachen ist, Leute, die absolut noch nie großartig bei einem Film dabei waren, mit erfahrenen und anerkannten Filmstars zu mixen,? sagt Regisseur Weitz. ?Das zeigt, dass man zum Schauspielern ein enormes Talent haben mußs, egal, ob du es zum ersten Mal machst oder es schon hundert Mal zuvor bewiesen hast.?

Golzari und Yalda mußsten eine große Herausforderung bewältigen: sie spielten zwei Jungens, die nur eines vor Augen hatten ? diese Show für das Sprungbrett als großer Star zu nutzen. Omer hatte eigentlich das Zeug dazu, Iqbal hingegen war eigentlich völlig talentlos, aber er war großartig. Iqbal lacht über seine Rolle: ?Ich spiele einen Charakter aus dem Mittleren Osten, ziemlich vermögend, ein wenig eingebildet, in seiner eigenen Welt lebend. Ich dachte, das bin ich .... ausgenommen der Reichtum.?

Weitz wusste, dass er für den Part des schusseligen Terroristen Omer einen jungen Mann besetzen mußste, der einerseits trotz seiner Jugend eine gewisse Weisheit ausstrahlt und aber auch das Timing für das Komische besitzt. Und das fand er in Golzari. Omer gehörte auf jeden Fall zu denjenigen, deren Leben sich durch ?American Dreamz? total veränderte. Angefangen von seinem Überlebenstraining in einem Terroristencamp im Mittleren Osten, bis hin zu seinem Leben in Orange County, wo er dann die Chance bekam, in der beliebtesten Reality-Show des Landes aufzutreten.

Sam Golzari sagt: ?Wenn man Omer beschreibt, hat das Wort ?Terrorist? in Verbindung mit ihm einen sehr merkwürdigen Klang. Er fühlt sich nicht so. Es war sehr aufregend für mich, einen Jungen zu spielen, der mehr als ein einfacher Terrorist ist. Ich sah Omer mehr als guten Jungen, der irgendwie in eine Gang geriet. Er traf ein paar sehr schlimme Entscheidungen, hat aber am Ende ein wirklich gutes Herz.?

Über Golzaris Auftritt in der Talent-Show als Omer bemerkt Weitz: ?Den ersten Song, den er singt, heißt ?Impossible Dreams?, der in einem total anderen Licht erscheint, wenn er von einem Terroristen gesungen wird, da der Text von einem Marsch durch die Hölle, bis man endlich den Himmel sieht, handelt. Das kann man übertragen auf die ?Möchtegern-Stars?, die diesen Weg gehen müssen, bevor sie zum wirklichen Star werden.?

Bevor die Darsteller und die Crew ihre Verträge für dieses Projekt unterschrieben, mußsten sie sich erst mal Fragen stellen, wie ?Warum schaut man sich diese Shows an?? ?Warum zittern die Zuschauer mit ihren Favoriten mit?? ?Warum halten sie zu den eigentlich Untalentierten?? ?Oder wiederum zu den Besten?? ?Steckt da etwa ein tieferer Sinn dahinter?? Weitz bemerkt: ?Ein Teil der Fasziniation dieser Shows ist die Idee, aus irgend jemanden einen Star zu machen. Es gibt nichts besseres, als zu Hause gemütlich auf seinem Sofa zu sitzen, alle persönlichen Probleme zu vergessen, um sich mit den geheimsten Wünschen fremder Leute auseinanderzusetzen. Jeder hat auf seine eigene Weise seine Träume, denen er nachjagt.?

Hugh Grant sagt: ?Ich will überhaupt nicht wissen, ob diese Shows irgend etwas bewegen, so lange sie einfach faszinierend sind und die Leute vor dem Bildschirm halten. Das ist alles, was ich will. Wenn ich die Wahl hätte, mit einem dieser komplett unbekannten Realitiy-Show-Stars oder mit einer wirklich bekannten Hollywoodgröße zum Dinner zu gehen, würde ich diesen ?wertlosen? Anfänger vorziehen. Das ist bestimmt viel interessanter.?

Um die richtige Musik für die Show ?American Dreamz? zu finden, holte man den Komponisten Stephen Trask (?Hedwig and the Angry Inch?) mit ins Boot. Er mußste einige wirklich schlechte Songs für diesen Wettbewerb schreiben, allerdings durften sie auch nicht zu schlecht sein. ?Es war schon ziemlich peinlich?, lacht Trask, ?als ich in meinen Plattenladen ging und nach Popmusik fragte, die eigentlich überhaupt nicht mein Geschmack ist. Ich mußste mich durch diese Musik inspirieren lassen. Ich fing an zu erklären, warum ich diese Platten kaufte, die zwar populär sind, aber in meinen Augen ziemlich schlecht.?

Die Drehorte des Films waren hauptsächlich in Los Angeles angesiedelt. Die Show sowie das Schlafzimmer des Präsidenten waren auf den Los Angeles Center-Bühnen aufgebaut. Weitere Locations waren rund um Los Angeles, so in Sierra Madre, Thousands Oaks, West Hills und dem Ritz Carlton-Hotel in Pasadena. Zu den größeren Herausforderungen gehörte die Auswahl der Ausstattung in der Show. Es mußste alles ein wenig übertrieben sein, ein wenig an der Realität vorbei?, erklärt Produktionsdesigner William Arnold. Er holte sich die Inspiration von ?American Idol?, aber er wollte sich auch nicht zu nahe daran halten.

Der zweite wichtige Punkt war das Schlafzimmer des Präsidenten, denn hier fanden wichtige Szenen zwischen Dennis Quaid, Marcia Gay Harden und Willem Dafoe statt. Es war natürlich schwierig, Informationen über dieses setting aus dem Weißen Haus zu bekommen. ?Aber ich wusste, es würde mir gelingen, es so aussehen zu lassen, dass man glauben könnte, dass es so im Weißen Haus aussehen würde.?

Auch auf die Kleidung der verschiedenen Charaktere mußste größtes Augenmerk gelegt werden. Den meisten Spaß hatte Kostümdesignerin Molly Maginnis mit der Kleidung für Mandy Moore. ?Wir wollten, dass Mandy so toll aussah, wie sie das immer tut. Gleichzeitig wollten wir aber auch, dass man merkte, dass Sally, ihre Rolle, ?People? und ?InStyle? liest und sich hier eine Menge Anregungen für ihren Auftritt sucht. Sally kommt aus ziemlich kleinen Verhältnissen und so war ihre Auswahl an Kleidern doch ziemlich limitiert.

Typisch für diese Art von Contest-Shows ist es, dass die Sänger von Sendung zu Sendung ihren Stil ändern. Zu Anfang treten sie meist in Jeans und Shirt auf, und bei jedem weiteren Auftritt kommt etwas mehr Glamour hinzu, bis sie dann schließlich in Chiffon und Glitzer auf der Bühne stehen. Das mußste bei den Kostümen von ?American Dreamz? auch mit eingebunden werden.

Mandy sagt: ?Ich glaube, Sally wusste oft nicht, wie ihr geschah. Sie wurde durch ihre ehrgeizige Mutter und ihren Agenten, der die Devise ausgab ?wir tun alles, um das Ding zu gewinnen?, gepusht, die ihr vorschrieben, welche Kleider sie zu tragen hatte, wie sie sich zu schminken hatte und wie ihre Haare am fernsehwirksamsten aussehen sollten. Aber am Ende, weiß sie ganz genau, was für sie am besten ist.?

Die Kleiderfrage für den schusseligen ?Möchtegerne?-Terrorist Omer, der die Leiter zum ?American Dreamz?-Finale erklommen hatte, war eine weitere Herausforderung für Maginnis. Omer ist ziemlich beeinflusst von seiner Cousine Shazzy und seinem Cousin Iqbal und ihrer Liebe zum Stil von MTV. ?Für das Finale, wenn er sein ?Impossible Dreams? singt, haben wir ihn in eine Art Marschkapellen-Look gesteckt, das ja auch zu seinem Lied passt?.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: UIP © 1994 - 2010 Dirk Jasper