Stoned

Ausführlicher Inhalt

Brian Jones war mehr als ?ein Rolling Stone?. Er war ihr Gründungsmitglied im Jahre 1962, ihr künstlerischer Leiter, ihr Visionär und ihr begabtester Musiker. Er war Rockstar, Mode-Ikone, Frauenheld, Wiederentdecker des Blues und Wegbereiter einer weltumspannenden Alternativkultur. Sein hellblonder, androgyner Glamour und sein unverkennbares Talent lösten eine enorme Neugier bei den Fans und in den Medien aus.

Brian Jones (Leo Gregory) war das Gesicht der 60er-Jahre-Revolution, strahlend in seinen prächtigen Fummeln und Pelzen, Schals, Hüten und Juwelen, mit denen er unerschrocken die Unterschiede zwischen männlichem und weiblichem Auftritt verwischte. Nur wenige Jahre später, im Alter von 27 Jahren, lag er tot in seinem eigenen Swimmingpool. Offiziell ein Unfall - ertrunken unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen.

STONED zeichnet den Aufstieg des intelligenten Teenagers aus Cheltenham nach, der seine ganze Energie so erschöpfend in Musik und Mädchen investiert, wie er sich der Disziplin seines Gymnasiums verweigert. Das wenig harmonische Miteinander in seiner Familie dürfte Brians? rebellisches Verhalten begünstigt haben - während seiner glorreichen Tage mit den Stones und auch danach.

Sein natürlicher Charme und seine Großherzigkeit wurden konterkariert von seiner Launenhaftigkeit. Hinzu kam sein höhnischer, manchmal verletzender Humor und die Unfähigkeit eine stabile Beziehung mit auch nur einer seiner Geliebten zu führen. So einfühlsam und zärtlich er sein konnte, so ausnützend, eifersüchtig, dominant und unehrlich konnte er sein. Mit einem gewissen Hang zu physischer Gewalt.

Nachdem er mit 19 nach London gezogen war, führte er die Rolling Stones zu ihren ersten musikalischen Erfolgen. Plötzlich waren sie Weltstars ? aber für Brian war das Glück nur von kurzer Dauer. Während der sieben Jahre seines schillernden Lebens als Pop-Idol bis zu seinem tragischen Ende, 1962 bis 1969, wurde er zur musikalischen Legende, die die größte Rock?n?Roll-Band aller Zeiten erfunden hatte. Brian rebellierte gegen Alles und Jeden, und wenn er die Welt gerade nicht hasste, liebte er sie.

Ein Ästhet, der die Provokation brauchte, wie die Luft zum Atmen. Szenen aus Jones? Leben spulen die Zeit vor und zurück, kaleidoskopisch, zeigen seine Bedeutung für die Rolling Stones, sein ?high life? als verwirrter Prinz der Swinging Sixties Londons, umgeben von lauter hübschen Frauen. Angetrieben von dem Ehrgeiz, seinen Horizont zu erweitern, komponiert er den Score zu Volker Schlöndorffs Film Mord und Totschlag (1967), mit seiner Geliebten Anita in der Hauptrolle und nimmt die Musik marokkanischer Dorfbewohner für ein Album mit dem Titel ?The Pipes Of Pan At Jajouka? auf.

Wenn es ihn auf seinen Landsitz zieht, hält Jones Kontakt mit Freunden wie Jimi Hendrix und Alexis Korner, schmiedet Pläne für ein eigenes musikalisches Projekt und vergnügt sich in seinem Haus, seinem Garten, mit seinen Hunden und ganz besonders in seinem Swimming-Pool. STONED zeigt, wie ein Albtraum außer Kontrolle gerät, mit dem zerbrechlichen, aber auch aufbrausenden und zunehmend unberechenbaren Jones - von der Obrigkeit verfolgt, wegen Drogenbesitzes verhaftet. In Auseinandersetzungen und wahllose sexuelle Begegnungen verstrickt. Leidenschaftlich, bizarr und mitunter gewalttätig vernarrt in seine große Liebe, die Schauspielerin Anita Pallenberg (Monet Mazur).

Sie teilen ekstatische sexuelle und psychedelische Grenzerfahrungen. Doch das Ex-Model Anita hat längst erkannt, dass der paranoide Brian Jones seiner sich selbst verordneten Tour de Force durch nahezu jede Art von Drogen und Alkohol nicht gewachsen ist. Anita verlässt Brian und beginnt eine Beziehung mit Keith Richards (Ben Whishaw). 1969 wird Brian rausgeworfen bei den Rolling Stones, der Band, die er musikalisch geformt hat und an deren Welterfolg er maßgeblich beteiligt war, bevor Sex und Drogen für ihn den Rock?n?Roll fast völlig ersetzten.

Der geniale Musiker ist gestrandet in einer Welt, für die auf fatale Weise das Motto ?live-fast-die-young? Realität wird. Das Sagen bei den Stones haben jetzt Mick Jagger (Luke de Woolfson), Keith Richards und Manager Andrew Loog-Oldman (Will Adamsdale). Seine letzten Tage verbringt Brian in Cotchford Farm, seinem Landsitz in East Sussex. Er hält Kontakt zu seinen Freunden Jimi Hendrix und Janis Joplin, die wie er, längst erstarrt sind in ihrem Kokon aus bewusstseinserweiternden Drogen. Er teilt die Idylle mit seiner neuen Flamme Anna Wohlin (Tuva Novotny).

Immer noch unter ständiger Beobachtung durch die Stones-Organisation, die ihn als tickendeZeitbombe sieht, beschließt Brian einige Umbauten an seiner Villa vornehmen zu lassen. Frank Thorogood (Paddy Considine), Londoner und Kriegsveteran, ist Chef einer kleinen Bautruppe, die engagiert wird, um auf Cotchford Farm zu arbeiten. Thorogood (der 1993 starb) ist einer der besten Freunde des Road-Managers und Trouble-Shooters der Stones, Tom Keylock (David Morrissey), der sich nach wie vor um Brian kümmert.

Es ist sicher kein Zufall, dass er dem exzentrischen Jones den unscheinbaren Bauunternehmer an die Seite stellt ? mit dem Auftrag, auf Brian aufzupassen. Thorogood, geradezu die Personifizierung der spießigen Mittelschicht des Nachkriegs-Englands, passt so gar nicht in die glamouröse, dekadente und hedonistische Welt eines Brian Jones, der kaum noch zu einem klaren Gedanken fähig ist.

Doch aus dem Zusammentreffen zweier Archetypen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, entwickelt sich ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis, eine fast symbiotische Beziehung. Der konformistische Frank wird gut bezahlt für wenig Arbeit, und Alkohol und Drogen gibt?s umsonst - er kommt auf den Geschmack und nach Hause zu seiner Frau, zieht es ihn immer seltener. Für sein neues, süßes Leben, nimmt Frank dafür immer häufiger Brians verletzende Demütigungen hin.

Mit der Zeit nehmen die Spannungen zwischen den Männern deutlich zu. Jones ist unzufrieden mit dem Fortschritt und der Qualität der Arbeit der Bautruppe, mit denen er eine persönliche Beziehung aufgebaut hat, die auf gemeinsamen Späßen, Gedankenspielen und Gesprächen basiert ? immer häufiger jedoch auf gegenseitiger Missachtung. Gleichzeitig ist Jones eingeschüchtert von dem muskelstrotzenden Machismus der Bauleute, die immer dreister werden und aus seiner Sicht hemmungslos auf seine Kosten leben. Brian gibt dem Stones-Office die Anweisung, jede weitere Zahlung einzustellen und teilt dem wütenden Thorogood beiläufig mit, dass er gefeuert ist.

Die Szene endet mit einer letzten Konfrontation in der Nacht, in der Jones versucht, mit dem beleidigten Frank Frieden zu schließen. Im Pool trinken sie und werfen an Drogen ein, was sie finden können. Es sind auch einige Frauen dabei und trotz des Streits kommt ein wenig Partylaune auf. Sie sind mit einer nicht genau bekannten Anzahl von Leuten zusammen, unter anderen mit Brians neuer Flamme Anna Wohlin (Tuva Novotny) und einer amtlich registrierten Krankenschwester namens Janet (Amelia Warner), die gekommen ist, um einige Tage mit Tom Keylock zu verbringen.

In seiner Abwesenheit mußste sie jedoch einen eher albtraumhaften Abend mit dessen Freund Thorogood erleiden. Für Janet und für alle anderen auf der Party - ganz besonders aber für Brian Jones ? nimmt diese Nacht ein schreckliches Ende. Während die anderen Gäste aus unterschiedlichen Gründen im Haus sind, planschen Brian und Frank im Wasser. Ausgelassen ? fast wie in alten Zeiten. Könnte man meinen. Gegenseitig tauchen sie sich unter Wasser. Und dann sinkt der Gründer der Rolling Stones langsam und leblos auf den Grund seines Pools.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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