Stoned

Produktionsnotizen

Zurück zu den Anfängen Regisseur und Produzent Stephen Woolley recherchierte die Umstände von Brians tödlichem Tauchgang in der Nacht des 2. Juli 1969 zehn Jahre lang. Heute sieht er Brian Jones? Geschichte in seinem Regie-Debüt als eine ?Parabel auf jene Zeit?.Woolley, der in den sechziger Jahren im Norden Londons aufwuchs, war leidenschaftlicher Fan von Tottenham Hotspur FC und The Rolling Stones gleichermaßen, so wie er Arsenal und The Beatles ablehnte.

Damals kam man nicht umhin, die zentrale Glaubensfrage jener Tage, die einen durchaus in Schwierigkeiten bringen konnte, zu beantworten. 1976, unter dem Eindruck der Sex Pistols und des Punkrock, erlebte er ein Live-Konzert der Stones und fand sie ganz passabel, aber letztlich nicht wirklich aufregend: ?Ich fragte mich, was hatten die Stones an sich, das ich für so rebellisch gehalten hatte?? Die Antwort war: Brian Jones.

Woolley erklärt: ?Es war Brians hedonistische Welt, die ihn zu diesem furchtbaren, tragischen Ende geführt hat. Die Sechziger-Jahre waren bestimmt von Naivität, Optimismus und einer Jugend, die vom Establishment abgeschliffen wurde und schließlich in Selbstzerstörung endete.?

Auch die Drehbuchautoren und Koproduzenten Robert Wade und Neal Purvis meinen, dass Brians Tod ? nur Wochen vor den grauenhaften Manson- Morden und gerade fünf Monate vor dem Horror von Altamont ? symbolhaft für den Hippie-Traum, für den Verlust seiner Unschuld und seiner idealistischen Ziele steht. Für sie bedeutet es das wirkliche Ende der 60er Jahre.

?Auch in der britischen Gesellschaft waren damals die meisten Leute voller Bewunderung für Rockstars?, ergänzt Woolley. ?Nach dem Zweiten Weltkrieg war lange Zeit alles rationiert gewesen. Der Schwarzmarkt boomte. Die Leute sahen sich amerikanische Filme und amerikanisches Fernsehen an und sahen diese reichere, erfolgreichere Gesellschaft, während wir alles für diesen Krieg geopfert hatten. Auf eine gewisse Weise reflektierten diese langhaarigen Stars psychologisch jene opulente Gesellschaft.?

Die Geschichte beginnt mitten in Brian Jones? Teeniezeit. Gespielt wird der Rolling Stone von Leo Gregory, einem junger Südlondoner, der in Out Of Control (2002) und Green Street (2005) zu sehen war und der meint: ?Wir treffen einen 16jährigen Typen, der eine sehr große Liebe zum Blues hat und der sehr gefesselt und begeistert von dieser Musikwelt ist, ein Typ, der offensichtlich noch nicht die vielen Probleme hat, die später sein Leben bestimmen.?<Ü> Die führt Gregory auf Brians lieblose Kindheit zurück: ?In einer Welt, in der du alles hast außer Liebe, in der es weder Gebende noch Nehmende gibt, in der du nicht weißt, wie du lieben und wie du geliebt werden sollst, bleibt dir nicht sehr viel. Er wurde immer häufiger ausfällig gegenüber Anita und den anderen Bandmitgliedern. Ich glaube, sie passten auf Brian auf. Er konnte einfach platzen. Ich fühle, dass er schnell durchdrehen konnte. Ohne ihn entschuldigen zu wollen, denke ich: Wenn man in der Rock?n Roll-Welt lebt, ohne etwas zu haben, das einen erdet, kann das passieren.?

Woolley, Wade and Purvis zeigen sehr behutsam, dass Brian ?ein Mensch? ist und dass er, abgesehen von seinen narzistischen und launischen Auswüchsen, selbst während Perioden extremer psychologischer Tumulte, eine gewisse Stärke und die Fähigkeit besitzt, seine Probleme in den Griff zu bekommen. ?Leute, die von der Geschichte gehört haben, sagen im Allgemeinen ?oh ja, das ist doch der Typ, der vollkommen zu mit Drogen war und dann in seinem Pool ersoffen ist??, bemerkt Hauptdarsteller Gregory. ?Wenn wir darüber hinaus ein neues Licht auf diese Situation werfen könnten, wäre das fantastisch.?

?Man würde so etwas nicht machen, wenn man wüsste, dass es 10 Jahre dauert?, sinniert Robert Wade. ?Wir haben es nur zu Ende gebracht, weil wir zäh waren.? Die Mordtheorie ist nicht neu. Sie wurde aus den unterschiedlichsten Gründen - von literarischer Freiheit bis zu selbstgefälliger Beweihräucherung - von einer Reihe von Autoren und Freunden Brians vertreten. Woolley ist sich sicher, dass er aufgrund seiner umfangreichen Untersuchungen und der Befragungen vieler der Schlüsselcharaktere, das Geschehen wirklichkeitsgetreu rekonstruieren konnte.

Abgesehen von den überzeugten Stones- und Jones-Fans gibt es verhältnismäßig wenig Leute, die über die undurchsichtigen Umstände, unter den sein Leben endete, informiert sind. ?Ich dachte immer, er sei an einem Asthma-Anfall gestorben?, bezeugt Purvis. ?Und einige Leute dachten, dass er seinen Rolls Royce in den Swimming-Pool gefahren hat und ertrunken ist,? fügt Wade hinzu.

Und weiter: ?Als Stephen uns zum ersten Mal fragte, ?seid ihr an den Rolling Stones interessiert?? sagten wir: ?Ja, aber Rock?nRoll-Biografien interessieren uns nicht.?? Wie konnten wir versuchen, den Leuten etwas über jemanden zu erzählen, der sie erst mal gar nicht interessiert? Es ist sehr wichtig, dass etwas über die Persönlichkeit rüberkommt, viel wichtiger als die Tatsache, dass Brian Mitglied einer Band namens The Rolling Stones war.?

Die Kraft dieser Persönlichkeit und das Dramatisieren einer Geschichte, die auch den Aufstieg und Fall einer Kultur widerspiegelt, in der sie spielt, ist Woolleys? Film geradezu ideal, um ein neues Interesse an Brian Jones zu wecken, an seinem bemerkenswerten Werk und einem Tod, der viel zu hastig als Unfall abgetan wurde.

Produzentin Finola Dwyer erklärt, warum sie mit dem Projekt betraut wurde: ?Ich liebe es, an Filmen über Musik zu arbeiten und die Idee zu STONED kam gerade am Ende der Produktion von Backbeat (1994) auf, obwohl ich zu der Zeit nicht einfach von den Beatles zu den Stones springen wollte. Ich habe mich jetzt 10 Jahre damit beschäftigt und ich fühlte mich geschmeichelt, als Stephen mich engagierte, um sein Regiedebüt zu produzieren. Man kann der Herausforderung weltberühmter Ikonen schwer widerstehen.? Sie ergänzt: ?Das Script und Stephens Ehrgeiz und seine Leidenschaft für den Film waren ein sehr verlockender Grund, es zu machen. Brian Jones war ein Genie und zugleich ein Arschloch. Man fühlt mit ihm, auch wenn er sehr oft brutal war.?

Finola Dwyer erinnert sich, dass ?Stephen ohne zu zögern die Regie übernahm, als er es mußste. Da er ein hervorragender Produzent ist, wusste ich, dass wir auch eine hervorragende Mannschaft zusammen bekommen würden. Das Wichtigste war, dass die Crew Stephen die Unterstützung geben würde, die er brauchte. Wir hatten keine lange Vorproduktion und daher war es notwendig, kreative Kräfte zusammen zu bringen, die vorher schon mit Stephen oder mir, oder mit uns beiden gearbeitet hatten. Roger Burton (Kostümbild) hatte bereits mit John Beard (Szenenbild) und John Mathieson (Kamera) gearbeitet, Debra Saban (Regieassistenz) mit John Mathieson usw. Mit diesen bereits etablierten Beziehungen konnten wir schnell reagieren und waren in der Lage, einen sehr ehrgeizigen Film zu realisieren. Ich glaube nicht, dass Stephen und ich es mit den Filmschaffenden hätten besser treffen können.?

Alles begann vor zehn Jahren, als Woolley die Rechte an Return to Sender kaufte, ein Drehbuch der inzwischen zu Bond-Autoren avancierten Schreiber Purvis und Wade, das 1994 von Bille August verfilmt wurde.

Hintergrundliteratur Woolley wurde von der kontroversen Story erst richtig in Bann gezogen, nachdem er Geoffrey Guilianos ?Paint It Black?, Terry Rawlings ?Who Killed Christopher Robin?? und Anna Wohlins ?Death of Brian Jones? gelesen hatte, die allesamt dem Urteil des amtlichen Leichenbeschauers widersprachen. Woolley durchforschte dann andere Bücher. Alle gingen davon aus, dass Jones ermordet wurde. ?Wenn wir erst mit Stephen darüber geredet hätten, hätte er die Rechte an ?Paint It Black? gekauft,? sagt Wade.

Dann kamen sie mit der 1994er Ausgabe ?Who Killed Christopher Robin?? The Truth Behind The Murder Of Brian Jones von Terry Rawlings an, komplett mit Kopien und vielen Dokumenten bezüglich Brians Ertrinken. Sie beinhalteten auch den Befund des amtlichen Leichenbeschauers und die Zeugenaussagen. Rawlings Untersuchung präsentierte auch einen neuen pathologischen Befund und untersuchte nochmals das polizeiliche Beweismaterial.

Der frühere Stones-Manager Tom Keylock war sehr umgänglich. Er wurde häufig als Berater zum Film hinzugezogen, so wie andere auch, u.a. Terry Rawlings. Nachdem sie eine Unmenge an Informationen gesammelt hatten, sahen sich die Drehbuchautoren hauptsächlich mit zwei Problemen konfrontiert. Das meiste Material beleuchtete die häßlichen Seiten Brians. Aber dann war da noch diese unverfälscht süße und zärtliche Seite seines Charakters. Doch das war meistens nicht das, was die Leute bei ihren Erinnerungen an ihn hervorhoben.

Es wurden große Anstrengungen unternommen, eine Balance zu finden, die die wahre Tiefe des Charakters auslotete. Das galt auch für das Bild Frank Thorogoods, der, verführerisch, das ganze Potential eines archetypischen Schurken hatte. Die zweite und kompliziertere Aufgabe beinhaltete die zahlreichen Widersprüche zu klären, die sich durch die neuen Ermittlungen und veröffentlichen Biografien anboten.

Wade erklärt: ?Wir haben fast dreißig Jahre danach mit den Leuten gesprochen und es ist sehr schwer für sie, sich darin zu erinnern, welche Art Cornflakes sie an diesem Morgen zum Frühstück hatten ... Du mußst darüber nachdenken, was man dir gesagt hat. Du mußst dich selbst fragen, ob ihre Erinnerung ihnen womöglich einen Streich gespielt hat??

?Oder sie haben die Geschichte schon so oft erzählt, dass sie daran glauben, ob es nun wahr ist oder nicht?, meint Purvis. Die Script-Schreiber mußsten auch im Kopf behalten, dass viele Interviewer Gründe gehabt haben, bestimmte Details vorsätzlich herauszustreichen oder zu vertuschen und sie führten endlose Debatten über die wahrscheinliche Wahrheit jedes Details der Geschichte. ?Es ist eine Frage des Durcharbeitens, bis es einem sinnvoll erscheint?, sagt Purvis. ?Viele Verschwörungstheorien fallen vom Tisch, weil sie einfach nicht glaubwürdig sind.?

Wade ergänzt: ?Das ist nichts Sensationelles. Es gab keine organisierte Verschwörung von Seiten der Rolling Stones, um Brian Jones umzubringen ? ?Keith sprang aus den Büschen und er und Mick erstickten Brian in einem Wasserkübel?.?

?Wir dachten unerbittlich darüber nach. [Zu Purvis] Wieviele offene Fragen hatten wir? Sherlock Holmes neigte dazu, von einem 3-Pfeifen Problem zu sprechen. Für dieses Script hatten wir über 50 ungeklärte Fragen mit Stephen zu klären.?

?Wir haben unglaublich hart daran gearbeitet, so authentisch wie möglich zu sein?, bestätigt Woolley, ?aber es gibt auch Zeiten, für die du dir eine gewisse künstlerische Freiheit erlauben kannst. Um eine Geschichte wie diese in weniger als zwei Stunden zu erzählen, mußst du Ereignisse und Tage verbinden, so dass der Zeitrahmen geändert wird. Aber wir haben versucht, sehr nahe an der Wahrheit der Ereignisse zu bleiben.?

In der frühen Entwicklungsphase war lange unklar, ob Woolley die Produktion oder die Regie übernehmen würde. ?Uns wurde klar, dass es ihm so wichtig war dass er die Person sein mußste, die Regie führt?, erklärt Wade. ?Es brauchte eine Weile, bis es klar war, dass er selbst die Regie übernehmen sollte, wahrscheinlich wäre er mit keinem anderen zufrieden gewesen. Er setzte seine ganze Energie daran, das Projekt zu verwirklichen. Aber er hat nun mal ein sehr geschäftiges Leben als Produzent.?

Die Dinge nahmen Gestalt an. Der Einfluß von zwei Filmen wurde aufgrund der Parallelen mit der echten Lebenserfahrung von Brian Jones und Frank Thorogood unausweichlich für Woolley. Der eine war Joseph Loseys Der Diener (The Servant, 1963), in dem der von James Fox porträtierte Upper-Class-Junggeselle von seinem respektlosen Arbeitgeber versklavt wird. Der andere war Performance (1970) von Donald Cammell und Nicolas Roeg, ebenfalls mit James Fox in der Hauptrolle, aber auch mit Anita Pallenberg und mit Mick Jagger, in der Rolle eines Gangsters, der in dem verkommenen Haushalt eines Rock-Stars eingesperrt ist.

Marianne Faithfull meinte, dass Jagger sich nur wirklich wohl in seiner Rolle fühlte, als er merkte, dass er sie als Brian mit all seiner Selbstqual und Paranoia spielen sollte. ?Es gab Fassungen über Fassungen?, erinnert sich Purvis an die anstrengende Arbeit am STONED-Drehbuch. Woolleys Ehrgeiz war es, drei separate Erzähl-Elemente miteinander zu verweben und sie als ein Ganzes wirken zu lassen, das den Look und den Sound der Zeitläufte reflektiert: Brians Entwicklung vom rebellischen Teenager zum Ex-Rolling Stone, der Mörder von Brian, und die verbindenden Schicksale der sechs Hauptcharaktere - Jones, Thorogood, Tom Keylock, Anita Pallenberg, Janet und Anna Wohlin.

Das Skript macht die komplizierte Verzahnung möglich, indem die Zeit mit Hilfe von Musik, Wörtern und Erinnerungen als bindendes und thematisches Sinnbild vor und zurück gespult wird. Phantasie und Surrealität spielen dabei eine wesentliche Rolle, nicht nur um die allgegenwärtige Atmosphäre von Haschisch und Acid spürbar zu machen, sondern um dem Betrachter einen roten Faden anzubieten, ihn zu ermutigen, zwischen den Zeilen zu lesen oder alternative Möglichkeiten zu entdecken.

Wade beharrt darauf, dass die Struktur des Films ganz schön ?paranoid? ist, um mit Brians? allgemeiner Verfassung (eine Paranoia war für ihn gewissermaßen der Normalzustand) konform zu sein. ?Es gibt ein Element von Chaos?, kommentiert Purvis bewusst unterstreibend. ?Wir haben das Skript eines Tages beiseite gelegt und haben die Seiten nicht geordnet?, scherzt Wade. ?Ich glaube man kann viel im Film machen, allein mit dem Sound, dem Spielen und solchen Dingen, um eine Paranoia zu suggerieren. Wenn du gute Schauspieler hast und die Szenen ein Eigenleben entwikkeln, sollte das rüber kommen. Wir haben Brian, der ein paar ziemlich verrückte Sachen sagt.?

Mit Woolley als Regisseur und Finola Dwyer als Produzentin begannen die Dreharbeiten im September 2004. Das meiste wurde in den Pinewood Studios gedreht, wo Brians Cotchford Farmhaus, sein Garten und Swimming-Pool detailgerecht nachgebaut wurden. Originalmotive drehte das Team in London, Surrey und Marokko, wo der Film Ende November 2004 abgedreht wurde. Es entwickelte sich zu einem Liebesdienst für die Schauspieler und die Filmemacher, etwas, das es für Woolley,Wade und Purvis bereits seit sehr langer Zeit gewesen war.

Die Musik ?Dieses gewisse Etwas war Rhythm and Blues, genauer gesagt Blues in all seinen Varianten, aber ganz besonders der Urban Blues der zu der Zeit kaum bekannten afro-amerikanischen Bluesmänner wie Muddy Waters, Howling Wolf, Elmore James und Willie Dixon. Diese Musiker waren alle von dem großen Robert Johnson inspiriert, der 1938 im Alter von 27Jahren tragisch gestorben war und dessen Aufnahmen Brian und Keith stundenlang anhörten, um die komplizierten und schwierigen Gitarrengriffe zu erarbeiten. Ich fühlte, dass es unredlich für den Film wäre, Jagger/Richards Songs zu nehmen, um dem Film Farbe zu geben und außerdem hat sich Brian oft von den späteren Stones-Stücken distanziert und sie als Pop bezeichnet.

Viele Bands der 60er Jahre haben Robert Johnsons zeitlose Kompositionen imitiert. Creams Version von ?Crossroads? ist immer noch ein Klassiker. Die Stones selbst nahmen ?Love in Vain? und ?Stop Breaking Down? auf und in dem Film Performance aus dem Jahr 1970, spielt Mick Jagger ein akkustisches Medley über Johnsons Kompositionen, so auch ?Come On In My Kitchen?. Diese Songs sollten im Film so eine Art kontemporäre Version der Originale sein.

The White Stripes haben ?Stop Breaking Down? neu aufgenommen und es ist fast identisch mit dem Original. The Bees lieferten eine Update-Version von ?Stop Breaking Down? für die Swimming Pool-Szene mit den Charakteren von Frank und Brian und Haley Glennie-Smith zeichnete eine akkustische Version mit wunderschönen Interpretationen von ?Love in Vain? und ?Come On In My Kitchen? auf.

Allen anderen zeitgemäßen Musikstücke in dem Film sollte ein gewisser Flair von Brian anhaften. Er war geradezu versessen auf die psychedelische Musik der West Coast und Jefferson Airplanes ?White Rabbit? war der durchschlagende Song, der von der Hippie Szene aus San Francisco herüberströmte. Die britische Antwort darauf waren Songs im Stil von ?Lazy Sunday Afternoon?.

Und Bob Dylans ?Ballad of a Thin Man? sollte unbedingt den kritischen Punkt von Brians Band-Rausschmiss musikalisch interpretieren, weil Brian felsenfest davon überzeugt war, dass dieser Song mit dem immer wiederkehrenden Refrain ?You know something is happening but you don?t know what it is, do you Mr. Jones?? ihm persönlich galt. Diese moderne Version von Kula Shaker eignete sich hervorragend dazu und The Bees steuerten noch eine tolle Version von ?Not Fade Away? bei.

Die Originalversion von ?Time is on My Side? schließlich beschwört die Legende von Brian Jones herauf. Und schließlich ist der Eröffnungssong ?Little Red Rooster? , der von Willie Dixon komponiert wurde von Studiomusikern eingespielt worden, die den kratzig-schleifenden Sound von Brian Jones Slide-Guitar unverkennbar echt imitierten. Ein Sound, der zu jener Zeit in den UK selten zu hören war und kaum gespielt wurde.

Aufgrund des musikalischen Reichtums dieses Films war es sehr wichtig, dass David Arnolds Score die Dramaturgie des Films unterstützt und steigert, anstatt mit der historischen, Brians Geisteszustände reflektierenden Musik, zu rivalisieren. David Arnolds großartige Kompositionen und Arrangements ermöglichen es einem modernen Publikum, in eine Welt zurück zu schauen, die nicht mehr existiert. Arnold hat eine melodische und zugleich Unheil verkündende Filmmusik geschaffen, die die Erzählung und Entwicklung der Charaktere reflektiert und kontrastiert.

Der musikalische Charakter von Brian Jones wird in STONED nicht durch die kommerziell erfolgreiche und glatten Andrew Loog-Oldham Stones-Produktionen repräsentiert, sondern von Jjoujouka-Musikern aus Marokko und Brians Leidenschaft für seine kurzzeitige Muse Anita Pallenberg, für die er die Dramaturgische Musik zu ihrem Film Mord und Totschlag (1967, Regie:Volker Schlöndorff) komponierte.

Hauptdarsteller Leo Gregory machte einen Crash-Kurs in ?Brian und die Rolling Stones? und vertiefte sich in Videos, alte Platten, Fotografien, Bücher und Gitarrenunterricht. ?Leo war 15, als wir anfingen das Buch zu schreiben?, grinst Wade. ?Es war wirklich schwer jemanden zu finden, der Brian Jones spielen konnte. Jetzt habe ich mich an Leo gewöhnt, es ist als sei Leo jetzt Brian.?

Gregory glaubt, dass die anhaltende Faszination und das Mysterium, das Brians Tod nach wie vor umgibt, hauptsächlich an zwei Leuten liegt: ?Ich würde sagen, die Hauptpersonen jenes Abends, Thorogood und Keylock, hatten gute Beziehungen zu vielen wichtigen Leuten und Keylock verfügte über einen großen Einfluss auf die Medien. Es lag in ihrem Interesse, möglichst viele unterschiedliche Geschichten zu streuen und Verwirrung zu stiften. Wir gehen hier mit einer sehr ernsten Angelegenheit um und wir tun es sehr verantwortungsbewußt. Ich glaube, wir sind nicht sehr weit von der Wahrheit entfernt.?

David Morrissey, bekannt durch seine Rollen in Hilary and Jackie (1998) und Corellis Mandoline (Captain Corelli?s Mandolin, 2001), spielt Tom Keylock, der ihm zu der Darstellung gratulierte: ?Es ist, als betrachtete ich mich selbst im Spiegel.? Für Wade, der betont, dass ?das ganze Casting wirklich sehr gut ist?, sind ganz besonders Paddy Considine ? bekannt aus In America (2002), My Summer Of Love (2004) und Dead Man?s Shoes (2004) - der Frank Thorogood porträtiert, und Ben Whishaw als Keith Richards zu erwähnen.

Whishaw, der für seine Hamlet-Lesungen in London bejubelt wurde, sagt über Keiths? Vertrauensbruch gegenüber Brian mit Pallenberg: ?Die ganze Sache riecht nach Inzest. Ich glaube nicht, dass Keith eine besondere Schuld an dem Anita-Ding hat, sicherlich nicht vor Brians Tod. Ich frage mich, ob er sich rückschauend gefragt hätte in wie weit es dazu beigetragen hat.? Er meint, selbst in den früheren Tagen der Stones, als Brian sich selbst aus der musikalischen Entwicklung ausgegrenzt hatte, weil er so dicht war, dass er im Studio nicht arbeiten konnte, wenn er es überhaupt schaffte, dort aufzutauchen, ?weiß Keith, dass er ein brillianter Musiker und ein wertvolles Mitglied der Band ist.?

Anita Pallenberg, die hübsche aber schwierige Femme Fatale, wird von Monet Mazur gespielt, die zuvor in Ted Demmes Blow (Blow, 2001), in Hart am Limit (Torque, 2004) und 40 Tage und 40 Nächte (40 Days and 40 Nights, 2002) zu sehen war. Im Kontrast dazu ist die Figur Anna Wohlin eine Komposition aus Brians archetypischen Liebschaften nach der Pallenberg. Auch ihre Rolle in der Mordszene ist Fiktion. Die skandinavische Schauspielerin Tuva Novotny bereitete sich auf die Rolle vor, indem sie sehr viel las und ausführlich mit Wohlin telefonierte.

?Es war irgendwie erschreckend?, sagt Novotny, ?weil ich merkte, was das für einen Einfluss auf ihr Leben hatte. Sie waren nur etwa drei Wochen zusammen. Das ist sehr merkwürdig. Es sind die Umstände seines Todes, die sie so sehr beeinflussten. Jeder sagt, ?Sie war nur für ein paar Monate in seinem Leben.? Aber aus ihrer Sicht war er die Liebe ihres Lebens - und ist es heute noch. Sie versuchte, sein Leben im Pool zu retten. Aber ich glaube, dass sie ihm nicht so wichtig war, wie sie glaubt. Er war sich selbst am Wichtigsten und an zweiter Stelle stand Anita.?

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Warner Bros. © 1994 - 2010 Dirk Jasper