Das Haus am See

Produktionsnotizen

Eine Lovestory ? ausgehebelt von der Zeit ?,Das Haus am See? ist eine epische Liebesgeschichte?, sagt Sandra Bullock, die Kate Forster spielt, eine unabhängige und rationale Ärztin, die unaufhaltsam in die geheimnisvolle Romanze hineingezogen wird, obwohl hier doch offensichtlich jede Logik auf dem Kopf steht und in einer Welt für sich existiert.

?Es geht um Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, um die Entscheidungen, die wir bei der Wahl des richtigen Partners treffen. Die Story lädt uns ein, an das Unmögliche zu glauben, an bestimmte Mächte, die jedes Hindernis überwinden, weil wir uns doch so sehr wünschen, dass diese beiden zusammenfinden.? Genau dieses außergewöhnliche Konzept, diese Erzählstruktur gefielen Bullock, die das Projekt als besonders reizvoll beschreibt, ?weil man es eben so noch nie gesehen hat?.

Erstmals seit ihrer explosiven Partnerschaft in ?Speed? (Speed) steht Keanu Reeves wieder mit Sandra Bullock vor der Kamera ? diesmal übernimmt er die Rolle des Alex. Auch er ließ sich von dem ungewöhnlichen Konzept der Geschichte mitreißen: ?Wie sie zusammenfinden, ist sehr originell und mit dem Herzen empfunden.? Dabei stellt er fest, dass der zeitlose Idealismus, der ?Das Haus am See? prägt, einen krassen Gegensatz zu den im Hier und Jetzt angesiedelten Schauplätzen und Hauptfiguren bildet. ?Ich bin diesmal durchaus kein Held, der das bedrängte Mädchen retten mußs. Es geht auch nicht um Liebende, die ihr Gegenüber suchen, um einander zu ergänzen. Vielmehr geht es um zwei Menschen, die entdecken, dass sie zusammen etwas Neues schaffen können.?

dass sie sich überhaupt finden, ist bereits eine Entwicklung, die sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen konnten. Denn wer kann schon erklären, dass Kate 2006 einen Brief in den Briefkasten steckt, den Alex am selben Tag zwei Jahre zuvor herausnimmt?

Diese beiden Menschen leben jeweils ihr eigenes Leben, kommunizieren über die bodenlose Kluft hinweg, die jene zwei Jahre bilden, passen aber in jeder anderen Beziehung perfekt zueinander. ?Am Anfang sprechen sie in den Briefen ganz alltägliche Themen an, aber schon bald fragen sie zwischen den Zeilen: ,Wer bist du??, und das ist dann der rote Faden: Wer bist du? Alex lernt einen Menschen kennen, dem er sich anvertrauen, mit dem er seine tiefsten Geheimnisse teilen kann, und sie reagiert genauso?, sagt Reeves.

Ebenso wie Bullock war Reeves überzeugt, dass die Geschichte per E-Mail oder einem anderen Medium nicht so gut funktioniert hätte wie mit Briefen. ?Schon das Briefeschreiben allein setzt voraus, dass man sich Zeit nimmt und seine Gedanken ordnet?, sagt Reeves. ?So kann man sich von seiner besten Seite präsentieren, intime Gedanken formulieren. Man mußs Geduld aufbringen, bis der Briefpartner den Brief erhält und antwortet. Dieses Warten, diese Sehnsucht bündeln unsere Wünsche, unser Vorhaben.?

Mithilfe der Briefe vermeiden Kate und Alex laut Bullock ?das oberflächliche Larifari, das nicht ausbleibt, wenn man sich kennen lernt und sich im besten Licht darstellen will. Ohne dieses Drumherum können sie ganz sie selbst sein und vollkommen ehrlich ? bis hin zu dummen Witzen und schlechter Laune: albern, wütend, wehmütig und ernsthaft. Aufgrund der ungewöhnlichen Verbindung gibt es keine Peinlichkeiten ? ohne Angst vertrauen sie sich einander an, weil sie im Hinterkopf irgendwie immer noch denken: ,Das gibt es doch eigentlich gar nicht? oder ,Selbst wenn es das gibt, werde ich den anderen nie im Leben treffen ? warum sollte ich mich also in Acht nehmen?? Sie verlieben sich unsterblich, weil sie keinerlei Angst haben, ihre Unzulänglichkeiten zu verbergen.?

Außerdem geht es um das Gefühl, einen Gegenstand wie den Brief in der Hand zu halten, den der andere berührt hat, weil den beiden ja sonst keinerlei physische Nähe gestattet ist. Als sich die Korrespondenz zwischen Kate und Alex entwickelt, blüht nicht nur ihre Romanze auf, sie lernen auch spontan zu lachen. Vor allem bringen sie die spirituelle Kraft auf, ihre Probleme anzupacken, die sie in ihrem jeweiligen eigenen Leben mit sich herumtragen. Dazu Reeves: ?Ich glaube gar nicht mal, dass sie sich bewusst auf die Liebe einlassen, aber sie schlagen in ihrem Leben eine neue Richtung ein ? sie stellen sich ganz offen dem, was die Zukunft bringen mag.?

Kate tritt gerade eine neue Stellung an. Sie hat ihr Nest auf dem Lande verlassen und zieht nach Chicago, dessen Schönheit sie erst noch entdecken mußs, denn zunächst haust sie in einem kleinen, unpersönlichen Apartment ? bald hat sie das Gefühl, dass ihr die Decke auf den Kopf fällt. In Liebesdingen ist sie kompromisslos ? deswegen hat sie kürzlich mit einem Mann Schluss gemacht, weil er ?nicht der Richtige? war. Doch manchmal fragt sie sich, ob es diesen ?Richtigen? für sie überhaupt gibt und wie lange sie wohl noch auf ihn warten soll.

Unterdessen vergeudet der begabte Architekt Alex sein Talent mit dem uninspirierten Entwurf für einen Wohnblock, statt weiterhin für das renommierte Designstudio zu arbeiten, das sein berühmter Architektenvater Simon Wyler leitet ? diese Rolle übernimmt der international gefeierte Leinwandstar Christopher Plummer.

?Alex versucht sich von den Erwartungen zu lösen, die sein Vater für ihn privat und beruflich formuliert hat?, meint Regisseur Alejandro Agresti. ?Die beiden haben sich nichts mehr zu sagen, seit der ältere Wyler berühmt und arrogant geworden ist und dadurch die Trennung von Alex? geliebter Mutter provozierte. Seit die Familie kaputt ist, halten es Vater und Sohn kaum zusammen in einem Raum aus. Alex geht beruflich eigene Wege und will herausfinden, ob er aus dem riesigen Schatten seines Vaters treten kann, selbst wenn er dafür seine eigenen Konstruktionsträume auf Eis legen mußs.?

?Beide befinden sich im Umbruch: Kate 2006 und Alex 2004?, sagt Reeves. ?Beide haben in ihrem Leben dasselbe Stadium erreicht: Sie erwarten, dass etwas passiert, wissen aber nicht so recht, was das sein könnte.?

?Sie begreifen es nicht, bis sie miteinander zu kommunizieren beginnen?, sagt Bullock. ?Erst dann verstehen sie, dass sie aufeinander gewartet haben.?

?Das Haus am See? bezieht sich auf den südkoreanischen Film ?Il Mare? (2000), in dem dieses fesselnde Konzept einer Begegnung über die Grenzen der Zeit hinweg entwickelt wird. Auf dem internationalen Filmfestival im südkoreanischen Pusan war der Film ein Publikumshit ? so wurden die Produzentenpartner Doug Davison und Roy Lee auf den Stoff aufmerksam ? sie nahmen sich vor, die Geschichte mit ihrer Firma Vertigo Entertainment einem größeren Publikum vorzustellen.

Dazu Davison: ?Eine derart ungewöhnliche und komplexe Liebesgeschichte hatte ich noch nie gesehen. Es geht um die Macht der Liebe, die das Leben eines Menschen komplett verändern kann ? wir waren sofort völlig hingerissen. Es hat zwar dreieinhalb Jahre gedauert, bis wir unser Projekt auf die Beine gestellt hatten, aber ich habe mich die ganze Zeit unvermindert leidenschaftlich dafür engagiert.?

Und Lee fügt hinzu: ?Wir konnten uns sofort vorstellen, den gesamten Film mit amerikanischen Darstellern und an US-Schauplätzen neu zu verfilmen, denn die Story ist absolut zeitlos ? nichts darin ist typisch koreanisch oder sonstwie an eine bestimmte Kultur gebunden.?

Davison und Lee engagierten David Auburn als Drehbuchautor des Remakes. Das hat er vor allem dem emotionalen Eindruck seines Bühnenstücks ?Proof? zu verdanken, mit dem er den Pulitzerpreis gewann. Die Broadway-Inszenierung erhielt außerdem den Tony und den Drama Desk Award ? 2005 wurde das Stück verfilmt. Dazu Davison: ?David schreibt mitreißend, und er eignet sich vor allem für eine solche verschachtelte, ungewöhnliche Liebesgeschichte. Entsprechend lieferte er dann auch ein überragendes Skript.?

Genauso kamen die Produzenten auch auf den renommierten argentinischen Regisseur Alejandro Agresti: ?Er kann genau die Emotionen auf die Leinwand bringen, die man im Kino so häufig vermisst.? Besonders beeindruckt waren Davison und Lee von Agrestis ?Valentin? (Mutter gesucht), der anrührenden, nostalgischen Geschichte eines kleinen Jungen, der Astronaut werden will. Der von Agresti inszenierte und geschriebene Film wurde international begeistert aufgenommen und gewann den Silbernen Condor der argentinischen Filmkritiker für die Beste Regie und das Beste Originaldrehbuch sowie auf dem niederländischen Filmfestival das Goldene Kalb für die Beste Regie.

In ?Das Haus am See? geht es zwar um den Austausch zweier Liebender, die durch die Zeit getrennt sind, doch Agresti macht daraus eine Geschichte mit eindeutig optischem Schwerpunkt, der laut Bullock den Zuschauern erlaubt, ?ihre eigenen Gefühle wahrzunehmen und auf die Story zu übertragen, während sie sich entwickelt. Das funktioniert optisch viel einfacher, als wenn wir dem Publikum ständig mit Worten einhämmern würden, was es empfinden soll.?

?Mir gefällt, wie wir die Entwicklung der Geschichte erleben, wie wir mit der Zeit mehr über die beiden Menschen erfahren?, sagt Agresti. ?Außerdem mag ich den spielerischen Umgang mit der Zeit ? wie die beiden sich verlieben, während sie doch auf verschiedenen Zeitebenen leben und sich nicht treffen können. Anfangs halten sie das Briefeschreiben nur für ein Spiel, aber das Unlogische daran entwickelt eine ganz eigene Logik.?

?Hier wird das instinktive Gefühl auf den Punkt gebracht, das man empfindet, wenn plötzlich alles zusammenpasst?, sagt Bullock über ein ständig wiederkehrendes Motiv des Films. ?Man erlebt etwas oder jemanden, und in dem Moment erinnert man sich blitzartig an ein Ereignis, das vielleicht schon Jahre zurückliegt, und das jetzt plötzlich durch die Umstände einen Sinn ergibt und eine Verbindung herstellt. Vielleicht mußs dieses eine Ereignis eintreten, damit ein anderes geschehen kann. Aber nur selten bekommen wir den Überblick über das Ganze. Letztendlich ist das keine Frage des Schicksals, sondern der freien Entscheidung. Die beiden entscheiden sich bewusst und wollen an etwas glauben, auf das zu warten sich lohnt, obwohl alle Umstände dagegen sprechen.?

Das Leben imitiert die Kunst Sandra Bullock und Keanu Reeves geht es genauso wie dem von ihnen gespielten Liebespaar: Sie wechseln sich im Haus am See ab. Es liegt an der ungewöhnlichen Struktur des Stoffs, dass die beiden Schauspieler eine leidenschaftliche Lovestory spielen, aber nicht gleichzeitig auf der Leinwand zu sehen sind ? sie entwickeln sie vielmehr im emotionalen, intimen Dialog ihrer Korrespondenz.

Dabei kann es gewiss nicht schaden, dass Bullock und Reeves sich privat bestens verstehen ? seit sie sich vor zwölf Jahren am Set des internationalen Hits ?Speed? kennen lernten, sind sie eng befreundet. Bullock spielte damals ihre erste Hauptrolle, und beide Stars wurden mit einem ganzen Strauß von MTV Awards und Nominierungen ausgezeichnet, zum Beispiel als bestes Leinwand-Duo und für den Besten Kuss.

?Ich lasse mich gern von ihr inspirieren?, sagt Reeves nicht nur in Bezug auf Bullocks Karriere, in der sie sich mittlerweile auch als Produzentin und Executive Producer profiliert, sondern auch in Bezug auf ihre privaten Interessen, zu denen auch das Restaurieren von Häusern zählt. ?Wir haben zwar seitdem nicht zusammengearbeitet, halten aber Kontakt und kommen bestens miteinander aus. Ich habe mich sehr gefreut, wieder mit ihr zu drehen. Sie spielt die Kate als starke, aber auch verletzliche Frau, die mitten im Leben steht, aber auch von fernen Dingen träumt, was die Story eben sehr spannend macht. Sehr viel mußs sie ganz ohne Worte ausdrücken. Aber ihre lockere Art, ihren Humor hat sie nicht verloren.?

?Keanu war mein erster Filmpartner. Ich hatte vorher schon Nebenrollen gespielt, aber bei ,Speed? gehörte ich dann wirklich zum Team. Ich mag ihn sehr?, antwortet Bullock. ?Wir haben uns seitdem regelmäßig getroffen. Als wir mit den Proben zu ,Das Haus am See? begannen, fühlte ich mich sofort wie zu Hause. Wir verstehen und vertrauen uns so, wie man es schlecht in Worte fassen kann.? Und mit einem Augenzwinkern fügt sie hinzu: ?Das merkt man daran, dass wir uns ständig streiten!?

Bei den Dreharbeiten ?arbeiteten wir zwar zusammen, aber eher im Vorübergehen?, erinnert sich Bullock. ?Das lief ganz ähnlich wie im Drehbuch ab: Man stellt sich vor, dass Kate eigentlich nur nach links statt nach rechts schauen müsste, dann würde sie Alex vielleicht entdecken. Und wenn sie einen anderen Weg eingeschlagen hätte, wäre sie ihm begegnet, statt sich von ihm zu entfernen.? Wobei diese Sisyphus-Arbeit des Aneinander-Vorbeigehens laut Bullock die romantische Spannung ständig steigert. ?Sie sind schon so lange getrennt, und die Situation ist derart kompliziert, dass es einem das Herz bricht. Wir Zuschauer wünschen uns schließlich genauso stark wie die beiden, dass sie endlich zueinander finden.?

Regisseur Agresti achtete besonders auf die unzähligen optischen Details, mit denen er die Verbindung, die Bezugspunkte zwischen den Liebenden noch verstärken konnte. Dazu Bullock: ?Jede Einstellung wurde aus ganz bestimmten Gründen so und nicht anders gefilmt, und alle Einzelheiten im Bild ? ob Möbel, Bilder oder sonst ein Detail, das die Kamera erfasst ? beziehen sich auch auf etwas anderes, haben Symbolcharakter, so dass Kate und Alex ständig verbunden sind, ob sie es nun merken oder nicht. Selbst wenn sie sich nicht im selben Raum befinden, kann ein von Kate ausgelöstes Ereignis Alex? Welt beeinflussen und umgekehrt.?

Als der Winter kommt, steckt Kate spontan einen warmen roten Schal für Alex in den Briefkasten des Hauses am See, und fortan trägt er ihn ? ein weiteres Element ihres Austausches. Später, als die beiden die Grenzen, aber auch das unglaubliche Potenzial ihrer Situation akzeptiert haben, kommt es zu einer anrührenden Szene: Alex sorgt für ein dringend nötiges freundliches Detail in Kates tristem Leben, indem er 2004 dort einen Baum pflanzt, wo 2006 ihr zukünftiges Apartment stehen wird ? denn er weiß, dass der Schößling in zwei Jahren zu einem Baum herangewachsen sein wird, an dem sie sich freuen kann.

?Vom Bildaufbau erleben wir Alex? und Kates Szenen so, als ob sie sich praktisch in denselben Räumen aufhalten?, sagt Reeves. Er ist aber davon überzeugt, dass vor allem die zunehmende ?Intensität und Intimität ihres Dialogs? im Zuschauer das Gefühl entwickelt, dass diese beiden Menschen, die ganz offensichtlich füreinander bestimmt sind, tatsächlich schon zusammen sind.

Dennoch wächst in den beiden die Frustration, dass sie sich so gut verstehen, aber dennoch zwei Jahre voneinander getrennt sind ? das ist für sie immer schwerer zu ertragen, und Kate überlegt, ob diese ungewöhnliche Romanze ewig eine vergebliche Fantasie bleiben mußs. An diesem entscheidenden Wendepunkt taucht auf einmal ihr Ex-Verlobter Morgan wieder auf. Morgan ist überzeugt, dass es vor Monaten zum Bruch kam, weil er sich standhaft geweigert hatte, mit Kate nach Chicago zu gehen. Er liebt sie nach wie vor und hofft auf eine weitere Chance. Er hat zwar schon mehrere Versuche gestartet, das Feuer neu zu entfachen, aber erstmals ist Kate überhaupt bereit, ihm wenigstens etwas entgegenzukommen.

Dylan Walsh kann sich derzeit in seinem Erfolg als Dr. Sean McNamara in der mit dem Golden Globe preisgekrönten Hitserie ?Nip/Tuck? (Nip/Tuck) auf dem FX Network sonnen. Als Morgan stellt er es recht geschickt an, Kate wieder zu erobern ? sie hat ihn nämlich einst durchaus gemocht, und vielleicht entscheidet sie sich jetzt erneut für ihn. ?Denn eigentlich gibt es an Morgan überhaupt nichts auszusetzen?, sagt Walsh. ?Außer vielleicht, dass er im Gegensatz zu Alex mit beiden Beinen auf der Erde steht. Er hat keine Flausen im Kopf. Vielleicht hat er keine tiefgründige Seele wie sein Rivale, aber er liebt Kate aufrichtig, und er hat den großen Vorteil, dass er tatsächlich an ihrer Seite ist.?

Bullock stimmt Walsh zu: ?Morgan ist wirklich ein ganz lieber Typ ? Kates Freunde wären sehr froh, wenn die beiden wieder zusammenkämen. Er ist zugänglich, liebevoll, und er betet Kate an. Wenn sie ehrlich ist, mußs sie zugeben, dass eine Frau sich gar nicht mehr wünschen kann. Doch letztlich mußs man sich klar machen, dass ein Mann ein wunderbarer Mensch sein kann und trotzdem nicht zu ihr passt.?

Unterdessen behandelt Kate ihre Patienten im Krankenhaus so verantwortungsvoll und umsichtig wie bisher. Aber unmerklich verändert sie sich, und das fällt ihrer fürsorglichen Freundin und Kollegin Dr. Anna Klyczynski auf ? sie wird von der iranischstämmigen Shohreh Aghdashloo gespielt, die 2004 mit ihrer Leistung in dem gefeierten ?House of Sand and Fog? (Das Haus aus Sand und Nebel) für den Oscar nominiert war.

?Anna merkt, dass Kate ein Problem hat?, sagt Aghdashloo. ?Sie spürt ihr Dilemma, ohne den Grund zu kennen, und schöpft aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz, um Kate für ihre Aufgabe Mut zu machen. ?Anna hat selbst eine Menge erlebt und bringt reichlich Lebenserfahrung mit. Als sie miterleben mußs, wie die junge Frau dabei ist, dieselben Fehler zu begehen, die sie einst selbst gemacht hat, will sie Kate warnen, wie man es von einer Freundin erwartet. Sie hofft, Kate dadurch auf den richtigen Weg helfen.?

Die Entscheidung, den Spatz in der Hand für die unerreichbar ferne romantische Taube auf dem Dach aufzugeben, ?ist ein erhebliches Risiko?, wie Reeves gern zugibt. ?Aber manchmal mußs man genau das tun, um weiterzukommen, sich zu verändern und die letzten Schritte in Richtung auf das entscheidende Ziel zu gehen.?

Das Haus am See Zu Kates und Alex? Gemeinsamkeiten zählt unter anderem ihre Begeisterung für das Haus am See. Als Kate nach Chicago zieht, denkt sie an das Haus zurück, in dem sie wie nirgends sonst mit ihrer Seele im Einklang war. Für Alex birgt das Haus ganz andere Erinnerungen. Sein Vater hat es in glücklichen Zeiten gebaut, als noch die ganze Familie zusammen am See wohnte ? das war, bevor er berühmt wurde. Jetzt stellt Alex das heruntergekommene Haus in seiner alten Pracht wieder her, um zumindest ansatzweise jenen Seelenfrieden zu finden, den er einst mit dieser Umgebung verbunden hat. Dazu Reeves: ?Er möchte das Haus wieder zu seiner Heimat machen.?

Es ist kein alltägliches Haus, sondern ein ungewöhnlich schönes Refugium aus Licht und Glas über dem Wasser, abgeschieden und ganz und gar organisch mit dem See und seiner Umgebung verbunden. ?Das Design ist absolut außergewöhnlich, unbestreitbar schön, aber doch nicht der Stil, in den sich jedermann sofort verlieben würde. Nur bestimmte Menschen können sich in diesem Haus wohlfühlen. Dazu braucht man einen ganz bestimmten Geschmack?, sagt Bullock, die überzeugt ist, dass allein schon dadurch deutlich wird, wie sehr sich diese beiden Menschen ähnlich sind. ?Wenn man miterlebt, wie wohl sich Kate und Alex in diesen Wänden aus Glas fühlen, ist ganz offensichtlich, dass sie sehr viel gemein haben ? im Grunde ist das Haus ein Symbol für ihr gegenseitiges Verständnis.?

Bullock gibt zu: ?Ich stehe total auf Architektur. Die Wirkung des Hauses erinnert mich an die Pariser Metro-Stationen von der Jahrhundertwende: sauber, minimalistisch, viel Glas und Stahl. Man könnte also meinen, das Design wirke kalt, aber wenn man es dann erlebt, wirkt es durchaus gemütlich?, sagt sie und berichtet, wie das Sonnenlicht auf den verschiedenen Ebenen des Hauses eingefangen und reflektiert wird. ?Wie das Taj Mahal hat es ein Mann gebaut, der seine Frau und Familie anbetete und seine Liebe durch das Gebäude ausdrückte.?

Wochenlang durchstreiften die Filmemacher Uferregionen in Wisconsin, Michigan, Illinois und Indiana und inspizierten praktisch jeden Kilometer des gigantischen Lake Michigan, um ein Haus in der gewünschten Bauweise zu finden. Doch dann entschied man sich dafür, dieses einzigartige Haus für den Film selbst zu bauen. Der für die Drehorte verantwortliche James McAllister (?Road to Perdition?, ?Batman Begins?) kehrte nach Cook County/Illinois zurück, wo er vor zehn Jahren bereits in einem Naturschutzgebiet am stillen, 22 Hektar großen künstlichen Maple Lake den Film ?Evil Has a Face? gedreht hatte. Der See erwies sich als perfekter Drehort: eine von natürlicher Ruhe geprägte romantische Umgebung, die landschaftlich dem entsprach, was Agresti sich vorstellte.

?Das Haus war unser wichtigster Set, der Schlüssel zur Geschichte. Es war also sinnvoll, dass wir es uns genauso bauten, wie wir es brauchten?, sagt Produktionsdesigner Nathan Crowley, der mit ?Batman Begins? (Batman Begins, 2005) für den British Academy Award und den Preis der Art Directors Guild (Gewerkschaft der Ausstatter) nominiert wurde. Er zählt in seiner Familie bereits zur dritten Architektengeneration.

?Wir stellten uns eine Mischung aus Klassik und Moderne vor, wie Alex? Vater sie entwerfen würde. Vieles daran erinnert an den Glaskastenstil der 1960er-Jahre, aber wir ließen uns auch von der Regency-Epoche inspirieren, die Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts in England die Baumeister inspirierte. Dadurch geben wir dem Ganzen einen romantischen, eleganten Look, und wir haben sogar ein paar Ideen von Gewächshäusern übernommen.?

Wenn Sandra Bullock darüber nachdenkt, dass Kate und Alex sich in ihrer derzeitigen Lebensphase ganz introspektiv in sich selbst zurückziehen, dann findet sie es besonders auffällig, dass das vorwiegend aus Glas bestehende Gebäude ihnen ?überhaupt keine Gelegenheit bietet, sich zu verstecken. Die beiden verstecken sich mehr oder weniger vor der Welt, suchen sich aber ein Haus aus, das wie ein Präsentierteller wirkt? ? als ob schon allein ihre Anwesenheit dort ihre wahre Natur zum Vorschein bringt. ?Sie fühlen sich sofort dem See, den Bäumen, dem Erdreich, der gesamten Umgebung inniglich verbunden ? so als ob sie unter freiem Himmel leben würden.?

Praktisch gesehen bedeuteten die durchsichtigen Wände, ?dass wir keine Chance hatten, Außen- und Innenaufnahmen zu trennen, wie das beim Film üblich ist?, erklärt Crowley. ?Wir mußsten alle Aufnahmen dort drehen, was auch hieß, dass wir von der Statik her statt eines Sets praktisch ein echtes Haus bauen mußsten.?

In Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Bauleiter Troy Osman aus Chicago hatte Crowleys Team nur knappe sieben Wochen Zeit, um das Haus zu errichten ? und das bei einer Grundfläche von 185 Quadratmetern, die auf Stahlträgern drei Meter über dem Wasserspiegel verankert wurden. Für das solide Haus verwendete man 35 Tonnen Stahl ? fast 100 Zimmerleute, Schweißer und Maler waren am Bau beteiligt. ?Die Größe war nicht das Problem, aber die Logistik angesichts der begrenzten Zeit, die uns zur Verfügung stand?, sagt Crowley. ?Wir bauten sogar eine Heizung ein, damit unsere Schauspieler nicht frieren mußsten.?

Die Bodenbeschaffenheit des Grundstücks hätte es erfordert, Fundamentpfosten zehn Meter tief ins Erdreich des Seegrunds zu treiben. Deswegen entschied sich Crowley, das Fundament ?lieber auf Betonplatten zu stellen, was aber eine Installation unter Wasser erforderte.? Also baute man um die Baustelle einen Damm, der das Wasser von der Baustelle zurückhielt, während die Arbeiter in sechs Meter Tiefe das Stahlfundament legten. ?Eigentlich haben wir das Haus neben dem See gebaut, wobei uns die Leitung des Naturparks wunderbar unterstützte?, gibt er zu. ?Und dann haben wir den See unter das Haus geleitet, indem wir einfach eine neue Bucht ausgehoben haben. Sobald die Baugrube ausgehoben und die Betonfundamente gegossen waren, entfernten wir den Damm und fluteten das Gelände unter dem Haus.?

Nur über eine Sache war Bullock traurig: dass das Haus nicht komplett funktional war, so dass sie darauf verzichten mußste, wirklich einzuziehen. ?Ich war echt begeistert?, gibt sie zu. ?Und ich war maßlos enttäuscht, als ich es nicht behalten durfte. Ich konnte es auch nicht mitnehmen und zumindest irgendwo als Gästehaus wieder aufbauen.? Tatsächlich hielt sich das Filmteam strikt an die Richtlinien der Umweltschutzbehörde und zahlreicher Institutionen wie der Audubon Society und den Naturpark-Freunden ? von den Auflagen der Baubehörde im Cook County ganz zu schweigen. Das schloss natürlich auch den Abriss mit ein: Nach dem Ende der Dreharbeiten blieb kein Stein zurück.

Chicago bietet eine authentische, architektonisch abwechslungsreiche Kulisse Neben dem Haus am Maple Lake drehte das Team auch an etwa 40 weiteren Schauplätzen in und um Chicago. Die Filmemacher suchten sich die Stadt nicht nur wegen ihrer Lage aus, die der Geschichte perfekt entspricht, sondern auch wegen ihrer ebenso willkommenen wie berühmten baulichen Vielfalt.

Viele weltberühmte Architekten waren am Wiederaufbau der Metropole beteiligt, nachdem die Stadt 1871 in einem großen Feuer zerstört worden war. Zu ihnen zählen Frank Lloyd Wright, Daniel Burnham, Louis Sullivan und Mies van der Rohe. Crowley bestätigt: ?Architektonisch gehört Chicago wirklich zu den schönsten Städten der Welt. Wer damals Rang und Namen hatte, baute in Chicago mit ? deswegen ist das Zentrum von Chicago mit keiner anderen Stadt zu vergleichen.?

In ?Das Haus am See? kommen Originalschauplätze wie das bekannte Wahrzeichen der Roosevelt University zum Einsatz, die Louis Sullivan Ende der 1880er-Jahre entwarf. Hier durfte Crowley den riesigen Lesesaal der Bibliothek ins Designstudio von Alex? Vater umfunktionieren. Hinzu kommen das Artist?s Café im Fine Arts Building in der Innenstadt, das 1885 entstand und zu den letzten noch stehenden Gebäude des Architekten Solon Beman zählt; das historische Old Colony Building, das Holabird & Roche 1894 entwarfen und das sich dadurch auszeichnet, dass es, wie McAllister sagt, ?zu den ersten echten Wolkenkratzern der USA gehört?; aber auch das Wyler?s Children?s Hospital im medizinischen Komplex der University of Chicago in Hyde Park; und das Viertel Wrigleyville neben dem Stadion Wrigley Field.

Außerdem filmte das Team an der Daley Plaza, wo die berühmte Picasso-Skulptur einen der dramatischsten Momente des Films dominiert; außerdem im neu entstandenen Millennium Park in der Stadt, wo die weltbekannte Stahlskulptur ?Cloud Gate? des britischen Künstlers Anich Kapoor installiert wurde; sowie im beliebten Restaurant The Park Grill, welches das edle Restaurant Il Mare doubelt: Hier wollen sich Kate und Alex erstmals treffen. Außerhalb der Stadt drehte das Team über eine Woche lang in dem von Alleen gesäumten Vorort Riverside, wo ein schmucker Metro-Rail-Bahnhof als Fernbahnhof herhalten mußs: Hier kann Alex einen ersten flüchtigen Blick auf die Frau werfen, an die er seine Briefe schreibt.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Warner Bros. © 1994 - 2010 Dirk Jasper