Unbekannter Anrufer

Produktionsnotizen

Die Wiederbelebung eines Klassikers Im Jahr 1979 eroberte einer der gruseligsten Filme seiner Zeit die Leinwand und versetzte Babysitter in der ganzen Welt in Angst und Schrecken. When a Stranger Calls (Das Grauen kommt um Zehn, 1979) wurde oft imitiert ? zum Beispiel von Scream (Scream ? Schrei!, 1996), aber nie erreicht. Eine junge, zu Tode erschrockene Babysitterin ? ein ständig klingelndes Telefon ? und geflüsterte Drohungen setzten die Marke für einen der spannendsten Thriller, der je gefilmt wurde. Carol Kane spielte die Babysitterin, die von einer Serie ominöser Anrufe eines gesichtslosen Mannes gequält wurde, der immer wieder fragte: ?Hast du nach den Kindern gesehen??

Der Film hat seitdem Kultstatus und setzte Maßstäbe im Genre des Psychothrillers, an denen sich alle künftigen Filme dieser Art orientieren sollten. Über ein Vierteljahrhundert später bekundete Ken Lemberger, der ehemalige Co-President von Sony Pictures Entertainment, Interesse an einer Neuverfilmung. ?Nachdem ich Sony verlassen hatte, fragte ich Amy Pascal, ob es ihr was ausmachte, wenn ich mal im Archiv stöberte und bei den zugänglichen Rechten nach Material Ausschau halten würde, das man neu adaptieren könne?, erinnert sich Lemberger.

?Ich suchte nach Filmen, die seinerzeit kommerziell nicht sonderlich erfolgreich waren, und der buchstäblich erste Film, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war When a Stranger Calls. Ich erinnerte mich an das Original ? und an die wahrscheinlich Angst einflößendsten zwanzig Minuten am Anfang eines Films, die ich je gesehen hatte.?

Lemberger ging mit seiner Idee zu Clint Culpepper, dem President von Screen Gems. Die beiden kamen zum Schluss, dass das Original im Grunde drei verschiedene Filme waren, die in einem zusammengefasst worden waren. Ihre Adaption sollte sich auf den famosen gruseligen Anfang konzentrieren, an das sich die meisten Kinofans erinnern. Dies sollte zur Blaupause für eine Geschichte werden, die völlig neu geschrieben werden sollte.

Mit seiner Erfahrung von 67 Filmproduktionen ? einige darunter waren ebenfalls Remakes ? brachte der Produzent John Davis auch die Leidenschaft für das Original und sein Talent als Filmemacher mit ins Boot. Davis, der UNBEKANNTER ANRUFER nicht als ?Remake?, sondern vielmehr als ?Wiederbelebung? bezeichnet, erinnert sich sehr gut an das Original. ?When a Stranger Calls war ein unglaublich zeitloser, Schrecken erregender Thriller?, sagt er. ?Ich konnte die berühmte Dialogzeile ,Hast du nach den Kindern gesehen?? nie vergessen.?

Dem Film einen zeitgemäßen Anstrich zu verpassen stellte sich als Herausforderung heraus ? etliche Dinge mußsten geändert werden, damit sie heute ? 28 Jahre später ? wieder funktionieren. ?Wir waren uns einig, dass unser Film mehr Psychothriller sein sollte als das Original?, erläutert Davis. ?Der Schrecken liegt in dem, was man nicht sieht, statt in dem, was man sieht. Ein junges Mädchen, das in einem Haus gefangen ist und bedroht wird, ist eine gruselige Vorstellung, in die wir uns alle hineinversetzen können. Wir alle kennen Babysitter oder haben vielleicht mal selbst als Babysitter gejobbt und dieser Film ist so verdammt gruselig, weil uns all das selbst passieren könnte. Zu unseren schlimmsten Albträumen zählt die Vorstellung, dass jemand aus unserer Familie in eine solche Gefahr geraten könnte.?

Die Zusammenstellung des Teams Nachdem die Filmemacher an Bord waren, suchten sie nach dem perfekten Autor für ihr Projekt. Jake Wade Wall war gerade auf seinem Weg zu einer einwöchigen Haus-Sitting-Exkursion in Nevada, als er einen Anruf von seinem Agenten bekam, der ihm von dem Pitch für UNBEKANNTER ANRUFER erzählte. ?Alles, an was ich mich aus dem Original erinnern konnte, war ein Babysitter, die Telefonanrufe ? und die Tatsache, dass ich den Film toll fand?, sagt der Autor.

?Als ich im ziemlich großen Haus meiner Schwester ankam, ging ich zur Videothek und lieh mir den Film aus. Als ich ihn mir ansah, wurde mir klar, dass ich mich nur an den ersten Teil des Films erinnerte ? und wie Schrecken erregend er war. Danach verbrachte ich die erste Nacht allein im Haus meiner Schwester und jedes Geräusch versetzte mich in Angst ? das Knarren im Haus, die Geräusche des Kühlschranks, das Heulen des Windes. Jedes Geräusch ließ mich hochschrecken und es war mir ein bisschen peinlich ? ich schlief oben und wollte nicht mal nach unten gehen, um mir ein Glas Wasser zu holen, weil ich solche Angst hatte.?

Als Jake zurück nach Los Angeles kam, traf er sich mit den Verantwortlichen von Screen Gems. Sein Pitch war es, das Original zu beschneiden und nur den Kern einer guten Idee zu nehmen ? ein Mädchen allein in einem fremden Haus ? und daraus einen Spielfilm zu stricken. Er bekam den Job auf der Stelle. ?Ich erinnerte mich immer wieder daran, dass in dieser Woche, als ich im Haus meiner Schwester war, jede Kleinigkeit wirklich gruselig war. Und mir wurde klar, dass ich keinen Kerl mit einem Messer brauchte, der das Mädchen durchs Haus jagt, und erst Recht keine Leute, deren Kehlen durchgeschnitten werden?, erläutert Wall.

?Was Menschen wirklich erschreckt ist die Erwartung der Angst und ihre eigenen Vorstellungen. Was man sich in seinem eigenen Kopf vorzustellen vermag ist vielleicht gruseliger als eine Axt oder ein Mann, der einen abgeschlagenen Kopf in der Hand hält, von dem Blut auf den Boden tropft. In diesem Sinne hat mich Hitchcock sehr inspiriert. Wenn man sich an die Duschszene aus Psycho (Psycho, 1960) erinnert, hat man die Bilder von ein paar Tropfen Blut im Kopf, die in den Abfluss laufen, und die mimischen Reaktionen von Janet Leigh ? und das war viel gruseliger anzusehen als das, was da im Detail passiert. UNBEKANNTER ANRUFER mußste genau so gedreht werden.?

Als Nächstes stand die Suche nach einem Regisseur auf der Tagesordnung, der die Vision des Teams teilte. Simon West stellte sich als jener Regisseur heraus. Mit Filmen wie Con Air (Con Air, 1997) und Lara Croft: Tomb Raider (Lara Croft: Tomb Raider, 2001) auf seiner Credit-Liste hatte sich West schon als der richtige Mann für den perfekten Mix aus Spannung und Emotionalität auf der Leinwand empfohlen. John Davis mochte den visuellen Zugang und den Stil, den der Regisseur bei seiner Arbeit als Werbespot-Filmer in England gezeigt hatte, und er wusste: West würde die richtigen Voraussetzungen mitbringen, um UNBEKANNTER ANRUFER zu inszenieren.

Als Simon West das Skript zum ersten Mal las, gefiel ihm die Tatsache besonders, dass es nur in einem Haus spielte. Viele der großen Action-Abenteuer und Dramen, die er in der Vergangenheit inszeniert hatte, hatten ihn in Wüsten und Dschungel auf der ganzen Welt geführt und teilweise hundert Drehtage am Stück gebraucht. Bei UNBEKANNTER ANRUFER sah West eine Gelegenheit, seine Kreativität auf andere Art und Weise zu trainieren.

?Dieses Stück fühlte sich anspruchsvoller an als die Actionfilme, die ich gedreht hatte?, sagt er. ?Es gibt nur sehr wenige Elemente und ich betrachtete den Film als Möglichkeit, jeden Tag an einem feinen, detaillierten Stück Handwerk zu arbeiten, und genau das reizte mich an diesem Projekt.? ?Ich bin kein sehr großen Fan von Horrorfilmen?, ergänzt der Regisseur.

?Aber ich liebe Thriller und hier handelt es sich definitiv um einen. Thriller sind smart und clever und sie geben den Regisseuren die Chance, die Zuschauer auf subtile Art und Weise zu manipulieren, anstatt ihnen Schocks auf dem Silbertablett zu servieren. Ich finde es wunderbar an der Geschichte, dass sie so real ist. Sie könnte jedem passieren und die meisten von uns kennen die Ausgangssituation. Wir waren alle schon mal allein in einem fremden Haus und haben dort seltsame Geräusche gehört, die uns nervös gemacht haben. Normalerweise spielt uns unsere Fantasie dann einen Streich. Aber was diesen Film so gruselig macht, ist die Tatsache, dass es jedem unter den Zuschauern genau so gehen könnte. Die Angst einflößendsten Momente finden in der Vorstellung der Zuschauer statt und der Trick ist, sie so zu manipulieren, dass sie ihre eigene Einbildung nutzen, um sich zu erschrecken, anstatt jedes Detail offensichtlich auf der Leinwand zu zeigen.?

Die Stars: das Mädchen, das Haus, das Telefon Danach stand die Besetzung der richtigen Hauptdarstellerin ganz oben auf der Liste der Filmemacher. Drei Hauptfiguren ? Jill, das Haus und das Telefon ? standen im Mittelpunkt und die Schauspielerin, die Jill spielen sollte, mußste alle Talente mitbringen, die die Filmemacher für die Figur erwarteten. Unschuld war sehr wichtig. Im Alter von sechzehn Jahren ist die Figur kurz vorm Erwachsenwerden, aber dennoch ein unschuldiger, junger Babysitter, der auf die High School geht.

Auf der anderen Seite mußste sie in der Lage sein, entschlossen aufzutreten, um ihr Leben zu kämpfen und den Schurken zu schlagen, um zu überleben. Also mußste die Schauspielerin in der Lage sein, einen enormen Bogen von einem glücklichen zu einem absolut traumatisierten Teenager zu spielen. Und dies mußste hauptsächlich über Gesichtsausdrücke funktionieren, ohne Dialoge, auf die man sich stützen konnte. Camilla Belle stellte sich als perfekte Wahl für diese anspruchsvolle Rolle heraus.

?Ich wollte Camilla aus mehreren Gründen haben?, erläutert Simon West. ?Ich habe ihre früheren Arbeiten gesehen und hatte sie als sehr intelligente, erwachsene Schauspielerin im Gedächtnis, die reifer ist als man vermuten würde. Und sie hat diese seltene, unschuldige Ausstrahlung, die den meisten Teenagern fehlt, weil sie so schnell erwachsen werden müssen ? besonders im Job des Schauspielers. Also war es relativ schwierig, jemanden zu finden, der diese Balance aus Unschuld und den Erfahrungen als Schauspielerin mitbringt.?

?Mal abgesehen davon, dass sie so unglaublich hübsch ist, besteht die Stärke von Camilla darin, dass sie auf der Leinwand so präsent ist, dass man ihr zuschauen kann, ohne dabei auch nur einen Dialog hören zu müssen?, fährt West fort. ?Sie fesselt die Zuschauer und man kann beinahe alles, was sie denkt und fühlt, in ihren Augen sehen.?

?Ich mußste sie erst überzeugen, diese Rolle zu spielen, denn in der Vergangenheit hat sie viele Independent-Filme mit tiefgründigeren Rollen gedreht als dass man sie bei einem Thriller oder einem Studio-Film erwarten würde?, ergänzt der Regisseur. ?Es gibt sehr wenig Filme, besonders für eine Achtzehnjährige, in denen man in jeder Einstellung, in jeder Szene ist und ihre Figur ist der rote Faden des Films ? das war eine seltene Gelegenheit für sie.?

?Die Zuschauer sind anspruchsvoller als im Jahr 1979?, fährt er fort. ?Sie erwarten mehr von den Figuren und wir sehen mittlerweile mutigere Frauenrollen. Das ist einer der Gründe, warum ich das Skript so mochte, als ich es las. Jill ist KEIN Opfer. Sie ist der Sieger. Klar, sie wird in Angst versetzt und klar, sie gerät in Gefahr, aber sie kämpft sich ihren Weg frei und sie nutzt ihren Intellekt, ihre Kraft und schier animalische Instinkte, um aus dieser Situation herauszukommen. Jill ist ein Vorbild für junge Frauen.?

Für Camilla Belle gab den Ausschlag, dass ihre Rolle sie vor schauspielerische Herausforderungen stellte und ihr gleichzeitig die Möglichkeit bot, eine starke Frauenrolle zu spielen. ?Jill ist eine sehr starke Figur, die den Film allein auf ihren Schultern trägt?, sagt Camilla. ?Sie geht auf eine sehr emotionale Reise. Sie mußs die Kinder retten und sich selbst natürlich auch. Sie steht vor der gewaltigen Verantwortung, alle sicher aus dem Haus zu bringen. Das ist eine echte Survival-Geschichte.?

?Als Schauspielerin hat mich der Part gereizt, weil ich bisher nicht die Gelegenheit hatte, mich in der Art und Weise an meinen Co-Stars zu orientieren wie in meinen anderen Filmen ? denn sie waren ein Haus und ein Telefon?, fährt sie fort. ?Ich mußste mit mir selbst spielen und in meiner Fantasie Dinge erschaffen. Ich mußste im Grunde ein bisschen verrückt spielen und mir verschiedene Szenarien ausdenken, die um mich herum geschehen sollten ? das war eine gewaltige Herausforderung, aber für mich als Schauspielerin auch unglaublich aufregend.?

?Das Härteste für mich?, sagt Camilla weiter, ?war, als die Spannung aufgebaut wurde, wenn der Fremde am Telefon war. Die Emotionen stiegen, alles wurde erschreckender, die Anrufe wurden immer heftiger ? für mich war das eine Herausforderung, denn ich mußste auf einen Typen aus dem Team reagieren, mit dem ich am Telefon sprach. Es war nicht so, dass da wirklich ein gruseliger Kerl am anderen Ende der Leitung war. Ich mußste buchstäblich mit mir selbst schauspielen und das ist ziemlich schwierig, denn man mußs dabei die Gefühle im Kopf manipulieren und etwas erschaffen, das überhaupt nicht da ist.?

Aber auch rein physisch war die Rolle der Jill eine Herausforderung für Camilla Belle. Die Schauspielerin arbeitete auf dem Studiogelände bereits einen Monat vor Drehbeginn mit einem Trainer. Sie schindete sich im Fitnessstudio und auf dem Laufband und lernte, richtig zu rennen und sich in Form für die Rolle zu bringen. ?Jill ist eine Athletin?, erläutert Camilla. ?Sie ist eine Läuferin und offensichtlich körperlich sehr stark. Sie hat jede Menge Kondition und das hilft ihr zu überleben, wenn sie gegen den Fremden kämpft und durch das Haus gejagt wird. Das ist es, was sie rettet. Also mußste ich sichergehen, dass ich auch selbst in der Lage war, diese körperlichen Anforderungen zu meistern.?

Die Besetzung ... eines Hauses Als nächstes mußsten die Filmemacher das richtige Haus finden. Zu diesem Zweck heuerte der Ausführende Produzent Paddy Cullen den Produktionsdesigner Jon Gary Steele an. Sie waren sich einig, dass sie bei UNBEKANNTER ANRUFER weg wollten von dem Klischee-Geistervillen und den Spukhäusern, die das Publikum schon Millionen Mal gesehen hatte ? den gotischen, viktorianischen und klassisch-amerikanischen Häusern.

Der Kontext, in dem die Handlung des Films stattfinden sollte, war extrem wichtig, und es war der Drehbuchautor, dem viele Ideen zu verdanken waren, die das Haus und das Atrium betrafen. Die Produzenten waren sich im Klaren darüber, dass es schwierig werden würde, ein real existierendes Gebäude zu finden, das den Anforderungen des Skripts entsprach ? auch weil es stets problematisch ist, in einem echten Haus zu drehen. Jon Gary Steele und Simon West arbeiteten zusammen am Design der Innenausstattung. Jake Wade Wall schrieb fantastische Zeilen, in denen das Haus ? und auch das Atrium ? sowie der Handlungsfluss beinahe dreidimensional beschrieben wurden und durch West und Steele wurde das Haus schließlich realisiert.

?Als ich mir den Film vorstellte?, gibt Wall zu Protokoll, ?dachte ich mir, dass wir diese Furcht erregenden, alten gotischen Häuser schon viel zu oft gesehen haben. Mittlerweile wirken die eher lachhaft. Auch das typisch amerikanische Standard-Haus ist nicht mehr wirklich Angst einflößend, weil es schon so oft innerhalb des Genres benutzt wurde. Ich wollte etwas Spezielles schaffen ? ein Haus, das ständig neue Seiten enthüllt, wenn der Zuschauer zusammen mit Jill darin unterwegs ist. Ich wollte auf keinen Fall, dass der Zuschauer das Haus von außen sieht und sich sagt: ?Okay, ich kenne den Grundriss.? Ich wollte, dass sich Jill in seiner Schönheit verliert. Ich war mir noch nicht mal genau im Klaren über den Grundriss, als wir mit der Arbeit an dem Film begannen. Ich fing mit der Haustür an und ging zusammen mit Jill durch die Räume und Gänge. Wenn irgendetwas passierte und Jill einen Gang hinunterschaute, sah ich aus den Augen des Autoren ebenfalls in diese Richtung und habe mir gesagt: ?Hmmm? das ist nicht das, was ich erwartet hatte.??

?Ich wollte das Äußere des Hauses nach innen bringen?, fährt er fort. ?Darum hat das Atrium auch eine so instrumentale Funktion für mich. Für mich ist es ein toller visueller Kontrast in einem Horrorfilm. Wälder haben immer etwas Gruseliges und so etwas in einem Haus zu haben, ist eine wunderbare Dualität für einen Thriller. Das Atrium erlaubt uns, nachzuempfinden, dass Jill beobachtet wird ? wie bei einer Probe. Wenn man darüber nachdenkt, ist das ganze Haus im Prinzip ein Atrium, das draußen an einem See liegt. Jeder könnte hineinschauen und das ist eine verdammt gruselige Vorstellung ? ein Mädchen, allein in einem Haus, und jemand, der jede ihrer Bewegungen beobachtet.

Bis zu dem Punkt, an dem er sie anrufen und ihr sagen kann, was sie gerade tut oder nicht tut. Außerdem dachte ich, dass es ein netter Moment sei, das Szenario bis zu dem Punkt einzuschrumpfen, an dem Jill einer Motte in einem Glas innerhalb dieses Hauses ähnelt ? selbst wenn sie rausläuft, mußs sie wieder durch das Haus laufen, um wirklich nach draußen zu kommen. Man hat als Autor immer das Problem, die Heldin in einem solchen Film zurück in das Haus zu bekommen, denn niemand, der bei Sinnen ist, würde das freiwillig tun. Aber wenn man sie mitten in dem Gebäude nach draußen stellt, bleibt ihr nur eine Option: ?Oh, mein Gott: Ich mußs wieder durch das Haus gehen!??

Über das Haus Das Haus misst rund 1.000 Quadratmeter und wurde von Jon Gary Steele designt. Die Innenkulissen wurden innerhalb von sechs Wochen errichtet, die Außenkulissen in fünf weiteren Wochen. Die Kulissen für die Innendrehs standen in einer Halle der Culver Studios, die für die Außendrehs wurden an einem See im Franklin Canyon nahe Los Angeles aufgebaut, einem Park, der den Colorado doubelte.

Die Designs von Steele nahmen vielfältige Formen an. ?Wir wollten das Haus modern gestalten, es aber nicht steril, kalt oder mit weißen Wänden haben?, sagt der Designer. ?Wir stellten uns viel Holz und eine warme Atmosphäre vor. Also haben wir nur wenig Farben benutzt und uns an das gehalten, was wir H. C. Colors genannt haben ? historische Farben, die erdiger sind. Ich strebte einen einheitlichen Look im ganzen Haus an. Dunklere Farbtöne wurde mehr als normal in modernen Häusern benutzt, weil das Sujet gruseliger ist. Holzfarbene Töne brachten eine lebendigere Atmosphäre und ich habe sie eingesetzt, um das Haus reichhaltig mit hölzernen Zimmerdecken und Fußböden auszustatten ? das ergab einen dunklen Ton, der aber nicht kalt wirkte. Wir wollten die Familie, der das Haus gehört, nicht als elitär darstellen, aber wir wollten durchaus zeigen, dass sie Geld hat. Also haben wir Skulpturen, Gemälde und wunderschöne Möbel eingesetzt, um das Design zu unterstreichen.?

?Das Haus sollte sich ein wenig wie ein Labyrinth anfühlen?, fährt Steele fort. ?Es ist ein bisschen so wie im Spiegelkabinett. Wenn man durch die Tür über die Brücke in Richtung Esszimmer geht, ist der ganze Weg im Atrium von Glas gesäumt. Wir wollten aber nicht schon so früh allzu viel enthüllen, also haben wir blickdichtes Glas benutzt, durch das wir drehen konnten, um die Silhouetten der Personen auf der anderen Seite zu filmen. Das Esszimmer haben wir über dem Atrium angebracht, so dass wir von dort aus Aufnahmen erzielen konnten, die Tiefe erzeugen. Wir haben von den unterschiedlichen Räumen aus in den zentralen Raum des Atriums filmen können, um das Haus noch größer erscheinen zu lassen.

Ich mag Orte mit verschiedenen Etagen, Brücken und Balkonen, die über anderen Räumen hängen ? und unser Haus hat all das. Das Atrium ist kreuzförmig, in dem man von allen Blickwinkeln und aus allen Ecken überall hin schauen kann, und überall hat man dieses ?Glas trifft auf Glas?-Gefühl. Ich habe dem Kameramann viele Dinge hingestellt, durch die man filmen kann. Wir haben das ganze Atrium rundum mit Glas verkleidet, in anderen Räumen bestanden die Wände aus Holzlatten, durch die man drehen konnte und die Muster an die Wände warfen. In der Küche stehen nach beiden Seiten offene Regale, und man konnte Schiebetüren aus durchsichtigem oder blickdichtem Glas hin- und herschieben, wenn die Kameraleute durch sie filmen wollten, um Schatten und Schattierungen zu erzielen.?

?Manchmal habe ich allerdings ein bisschen getrickst?, gibt Steele zu. ?Bei den Balkonen zum Beispiel, die über dem Wasser hängen, aber kein Geländer haben. Der Art Director sagte mir, dass wir das nicht machen könnten, denn mit Kindern im Haus würde die Familie eine solche Konstruktion niemals in ihrem Haus haben. Aber ich habe darauf bestanden, es genau so umzusetzen, damit es sich etwas gefährlicher anfühlte. Das Gleiche machten wir mit der Treppe, die auch kein Geländer hat ? auch das wirkt natürlich gefährlich. Aber als wir die Kampfszene gefilmt haben, machte es natürlich mehr Sinn, und vor allem: Es sah besser aus. Ich mußste die Filmemacher immer wieder daran erinnern, das wir hier einen Film drehen und wir uns nicht an alle Sicherheitsbestimmungen der Welt halten müssen.?

?Schließlich haben wir um das Wohnzimmer herum zwei Stockwerke aus Glas errichtet?, ergänzt er. ?Und der Balkon, der vom Wohnzimmer aus nach draußen führt, hat ebenfalls kein Geländer. Für mich liefert all das den Effekt eines Aquariums ohne Grenzen nach draußen. Und genau das machte auf mich ? immer wieder ? einen gefährlichen Eindruck.?

Technologie und Terror UNBEKANNTER ANRUFER wurde in 37 Tagen gedreht. 27 Drehtage verbrachte das Team in den Culver Studios in Culver City, Los Angeles, die restlichen zehn bei den Außenaufnahmen des Hauses an einem See in Franklin Canyon, Los Angeles. Die Geschichte ist, zusammen mit dem Look und der Atmosphäre des Films, fundamental unterschiedlich im Vergleich zum Original und die heutige Zeit erlaubte es den Filmemachern, auf eine ganze Palette hoch entwickelter Technik zurückzugreifen, zu der während der Dreharbeiten des Originals kein Zugriff bestand, weil sie damals schlicht und einfach noch nicht existierte.

?Wir haben jede Menge mit der Steadycam, mit Kamera-Kränen und mit Handkameras gefilmt, was damals nicht möglich war?, erläutert der Chefkameramann Peter Menzies, Jr. ?Die Kamera wurde damals eher als dritte Person angesehen. Mit der Steadycam haben wir die Möglichkeit, die Zuschauer mit durch die Gänge zu nehmen und mit ihm in Räume zu schauen, anstatt sie sich zurücklehnen zu lassen und zu sehen, was geschieht. Letzteres war im Original der Fall, denn andere technische Möglichkeiten waren seinerzeit einfach nicht gegeben. Wir sind außerdem in der Lage, viel aus der Perspektive von Jill zu zeigen, und das versetzt das Publikum mitten in den Terror ? so, als würde es den Zuschauern passieren.?

?Wir haben ständig bewegliches Licht und Lichteffekte eingesetzt?, fährt Menzies fort. ?Dabei haben wir die neuen Rosco-Wasser-Effekt-Lichter benutzt, um das plätschernde Wasser des Flusses zu simulieren. Und mit sich ständig bewegenden Schatten haben wir die Spannung dessen, was gerade geschieht, noch gesteigert.?

Alles in allem bleibt UNBEKANNTER ANRUFER dem Kern des Originals treu ? die Zuschauer bis ins Mark zu erschrecken. ?Wir haben hier einen sehr, sehr schaurigen Thriller gedreht?, bringt es John Davis auf den Punkt. ?Und wenn wir unseren Job gut gemacht haben, werden Sie sicher ein paar Probleme mit dem Einschlafen haben, nachdem Sie ihn gesehen haben.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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