Lady Henderson präsentiert

Produktionsnotizen

Die Geschichte des Windmill-Theaters Der Platz in der Great Windmill Street in Londons Stadtteil Soho, an dem Laura Henderson ihr weltberühmtes Theater gründete, hat eine lange und bewegte Vergangenheit. Die Straße erhielt ihren Namen von einer echten Windmühle, die sich von der Regentschaft von Charles II angefangen bis ins späte 18. Jahrhundert an diesem Platz befand. 1910 eröffnet dort ein Kino, das Palais de Luxe. Es stand an der Ecke eines Häuserblocks, zu dem das Apollo- und das Lyrics-Theater gehörten, ganz in der Nähe der Shaftesbury Avenue. Das Kino war eines der ersten, in dem Filme gezeigt wurden, als jedoch die größeren Lichtspielhäuser im West End eröffneten, gingen die Geschäfte schlechter, und es mußste schließen.

1931 kaufte Laura Henderson das ungenutzte Gebäude und heuerte den Architekten Howard Jones an, um es wieder zu einem netten kleinen Theater mit einem Rang umzubauen. Unter dem Namen ?The Windmill? eröffnete es am 22. Juni 1931 mit einem Stück von Michael Barrington, ?Inquest?. Aber das Windmill feierte nur mittelmäßigen Erfolg als Theater und kehrte bald zu Filmen, wie DER BLAUE ENGEL (1930) mit Marlene Dietrich, zurück.

Kurz nachdem Lady Hendersons neuer Manager Vivian Van Damm die Idee äußerte, eine Non-Stop-Musical-Revue im Windmill zu produzieren, begann die Arbeit an der Show mit Sängern, Tänzern, Showgirls und besonderen Revuenummern. ?Revuedeville? startete am 3. Februar 1932 mit 18 unbekannten Künstlern. In seinen ersten Jahren verlor das Theater zunächst 20.000 Pfund, ein Vermögen zu jener Zeit. Schließlich feierte es jedoch einen kommerziellen Erfolg, den die benachbarten Piccadilly- und Pavilion-Theater kopierten, was das Windmill wiederum erhebliche Einnahmen kostete.

Erst als Lady Henderson und Mr. Van Damm beschlossen, das höchst erfolgreiche ?Moulin Rouge? in Paris nachzuahmen und nackte Mädchen auf die Bühne zu stellen, zogen die Geschäfte an. Van Damm umging Londons drakonische Zensoren, indem er die Mädchen völlig regungslos auf der Bühne wie Kunstwerke posieren ließ, und sich eine Reihe aufwändiger, nackter, lebendiger Gemälde ausdachte. Diese hatten Themen wie ?Meerjungfrauen?, ?Rothäute?, ?Annie Oakley? oder ?Britannia?.

Das Windmill war das einzige Theater in London, das (abgesehen von zwölf gesetzlich vorgeschriebenen Tagen vom 4. bis 16. September 1939) während des Krieges geöffnet blieb, was ihm den legendären Slogan ?Wir haben immer geöffnet? einbrachte. Während der schlimmsten Angriffe des Blitzkriegs vom 7. September 1940 bis zum 11. Mai 1941 zogen die Mädchen und einige Schauspieler in die sicheren zwei Untergeschosse des Theaters.

Viele Besucher des Windmill waren Familien und Truppenangehörige, sowie Prominente, die als Lady Hendersons Gäste kamen, darunter die Prinzessinnen Helena Victoria und Marie Louise (die Tochter und Enkelin von Königin Victoria). Es gab gelegentlich Probleme mit männlichen Besuchern, aber Sicherheitsleute achteten stets auf anständiges Benehmen. Eher komisch war das ?Windmill-Hürdenlaufen?, bei dem am Ende der Show die Besucher aus den hinteren Reihen einen wilden Lauf auf die Sitze in den ersten Reihen veranstalteten, um einen Blick aus der ersten Reihe zu erhaschen.

Obwohl Laura Hendersons Beziehung zu Van Damm eher stürmischer Natur war, mochten sich beide sehr gerne. Als sie 1944 im Alter von 82 Jahren starb, hinterließ sie Van Damm das Windmill, und dieser setzte ihre Arbeit fort. Nach dem Ende von Laura Hendersons Zeit starteten einige große britische Schauspieler ihre Karrieren am Windmill. Darunter waren Peter Sellers, Harry Secombe, Michael Bentine, Tony Hancock, Bruce Forsyth und Kenneth More, der seinen ersten Windmill-Auftritt in den frühen Dreißigern hatte und Englands erfolgreichster Star der 1950er wurde.

Van Damm setzte seine Arbeit mit dem Theater bis zu seinem eigenen Tod im Dezember 1960 fort und überließ dann die Bühne seiner Tochter Sheila. Sie bemühte sich sehr, die Geschäfte am Laufen zu halten, doch zu dieser Zeit war Soho bereits ein heruntergekommener Ort. Mit den Strip-Clubs und Massage-Salons konnte das Windmill nicht mithalten und schloss am 31. Oktober 1964 seine Pforten.

Mitte der 1960er wurde das Windmill zu einem Kino und Kasino wieder aufgebaut, und 1973 wurde eine Kampagne gestartet, um ?The Old Windmill Days? wieder aufleben zu lassen. Im Februar 1974 wurde das Gebäude von dem Nachtclub-Unternehmer Paul Raymond aufgekauft. Er machte daraus einen Ort für seine Nacktshows ?à la Revuedeville aber ohne die komischen Elemente?, obwohl er in den 80ern für einige Zeit das Burleske wieder hervorholte, und das Theater in ?La Vie en Rose? umbenannte.

Heute beherbergt das Gebäude, das einst das Windmill-Theater war, einen Tabledance-Club.

Die Dreharbeiten Schon früher wurden Filme über das Windmill-Theater und dessen Manager Vivian Van Damm gemacht, zum Beispiel TONIGHT AND EVERY NIGHT (?Music Box Girls?), gedreht in Hollywood im Jahr 1945 mit Rita Hayworth als Windmill-Mädchen. Aber bis heute hatte keiner die Geschichte des wirklichen Dreh- und Angelpunkts des Theaters, Laura Henderson, erzählt, der formidablen Lady, die Londons Zensoren trotzte, um erstmals nackte Haut auf einer britischen Bühne zu zeigen und damit eine Musical-Institution zu erschaffen.

LADY HENDERSON PRÄSENTIERT bringt Englands bemerkenswerteste und talentierteste Künstler zusammen, darunter Judi Dench und Bob Hoskins, sowie zwei aufstrebende Nachwuchsstars, Popsänger Will Young und Schauspielerin Kelly Reilly. Den Film inszenierte Stephen Frears, Norma Heyman produzierte, als ausführende Produzenten zeichnen Bob Hoskins und David Aukin unter der musikalischen Leitung von George Fenton verantwortlich, die Kostüme stammen von Sandy Powell und das Make-Up und die Frisuren von Jenny Shircore. Zum Team gehören außerdem Kameramann Andrew Dunn, BSC, und Szenenbildner Hugo Luczyc-Wyhowski.

Der Film erzählt ein bewegendes Stück Sozialgeschichte. Lady Henderson war eine Menschenfreundin, involviert in einflussreiche soziale und künstlerische Institutionen. ?Wir streifen diese Seite nur kurz, in der Szene, in der Lady Henderson einem Komitee beitritt, das unverheiratete Müttern unterstützt. Aber sie war tatsächlich eine der Gönnerinnen von Marie Stopes (der kampagnenführenden Feministin, Frauenrecht-Aktivistin und Geburtenkontrollen-Befürworterin)?, so Heyman. Und als Van Damm das Windmill erbte, finanzierte er die Gründung einer Ballett-Kompanie von Anton Dolan und Alicia Markova, der Schwester eines der Windmill-Mädchen, Doris Barry, und späteren Dame. ?Lady Henderson schuf also ein Festival-Ballett, das heute das englische National-Ballett ist.?

Eine stolze Versammlung: Das Heyman-Hoskins-Team Die Story begann, als die Produzenten David und Kathy Rose mit ihrer Idee für ein Projekt über Laura Henderson an Bob Hoskins herantraten. ?Sie hatten die Geschichte von Lady Henderson gefunden, sie auf ihre Weise wieder entdeckt, und sehr viel Vorarbeit geleistet. Aber sie schafften es nicht, das Projekt aus den Angeln zu heben?, so Bob Hoskins, der sowohl die männliche Hauptrolle als auch die des ausführenden Produzenten des Films übernahm. ?Also nahm ich das Projekt mit zu Norma (Heyman), und wir dachten darüber nach und erkannten das enorme Potential.?

Bob Hoskins hatte mit Norma Heyman erstmals 1982 an dem Film THE HONORARY CONSUL (?Der Honorar-Konsul?) zusammen gearbeitet. Sie blieben enge Freunde, und 1996 gründeten sie eine gemeinsame Produktionsgesellschaft, Heyman Hoskins, um eine Leinwandadaption von Joseph Conrads THE SECRET AGENT (?Joseph Conrads Der Geheimagent?) mit Regisseur Christopher Hampton und Hoskins als Hauptdarsteller zu realisieren.

?Bob brachte mir die Idee dieses Films zusammen mit einem Berg von Recherchen, die seine Freunde, die Roses, in über 13 Jahren zusammengestellt hatte. Sie wollten daraus eine Fernsehserie machen, aber sie stießen bei den Größten und Besten auf taube Ohren?, sagt Norma Heyman. ?Aber mich bewegte die Idee dieser älteren Lady, die scheinbar jede Konvention ihrer Zeit anprangerte. Die britische Gesellschaft war, so vermute ich, seinerzeit in den 1930ern unglaublich rechts ausgerichtet. Und hier kommt diese Lady aus einer imperialistischen Gesellschaft, die aus einer Laune heraus ein Theater kauft und etwas macht, an das jemand mit ihrer Klasse nicht einmal denken, geschweige denn, dass er es verzeihen würde: Sie stellte nackte Mädchen auf die Bühne. Sie half sogar dabei, ledigen Müttern ein Zuhause zu geben.?

Also schlug Heyman vor, dass sie und Hoskins das Projekt als Film verwirklichten. Von Anfang an gab es nur eine Schauspielerin, die für Beide in der Rolle der Lady Henderson in Betracht kam: Judi Dench. ?Es ging uns um das, was Judi uns geben würde: etwas Magisches?, sagt Heyman. ?Die echte Judi ist spitzbübisch, frech, sehr sexy ? der Joker, die Magierin.?

?Lady Henderson ist drei Dinge?, findet Hoskins. ?Sie ist charmant, frech und ein absolutes und echtes Weibsstück. Nur Judi kann sich so etwas wirklich erlauben.? Heyman sah noch eine andere Eigenschaft in Dench, die sie für die Rolle so absolut richtig machte, und die ein Kompliment an die außergewöhnliche Energie der Schauspielerin ist: ?Judi ist in der Lage, diese Stille zu finden, die eine Eigenschaft aller großer Leinwandkünstler wie z. B. der Garbo ist. Ihre Emotionen sind so nahe an der Oberfläche, dass du deine Augen nicht von ihr abwenden kannst. Sie ist etwas sehr, sehr Besonderes.?

Um die Sache voranzubringen, baten Norma Heyman und Bob Hoskins den früheren Geschäftsführer von Channel 4 Film on Four und persönlichen Freund von Norma Heyman, David Aukin, als ausführender Produzent hinzuzukommen. Der nächste Schritt war, sich die Mitwirkung von Stephen Frears, ihrer ersten Wahl als Regisseur, zu sichern. Norma Heyman und Stephen Frears arbeiteten erstmals bei DANGEROUS LIAISONS (?Gefährliche Liebschaften?, 1988) und anschließend 1996 bei MARY REILLY (?Mary Reilly?) zusammen.

?Es gibt dieses Thema der Klasse, das sich durch die Filme zieht, die Stephen und ich zusammen gemacht haben, und LADY HENDERSON PRÄSENTIERT macht da keine Ausnahme?, bemerkt Heyman. ?Sie und Van Damm kamen aus komplett unterschiedlichen Welten. Sie war definitiv von adeligem Stand und er nicht. Sie war der schrecklichste Snob und typisch für diese Klasse der 1930er Jahre, als Klassendenken weit verbreitet war.?

?Das, was wir ? die Arbeiterklasse ? nie hatten, waren die Beziehungen?, setzt Heyman fort. ?Du nimmst den Telefonhörer und sprichst mit Lord Chamberlain, dem Zensor, wie Lady Henderson es getan hat, und du kriegst deine Show. Ihre gute Vernetzung veränderte die Geschichte.? David Aukin, ausführender Produzent des Films, stimmt zu, dass das Thema sozialer Beziehungen des Films ein ?sehr, sehr typisches? englisches Märchen ausmacht. ?England hat sich nicht verändert, es geht immer noch darum, wen du kennst. Und der Film hat diese sehr peinlich berührte Haltung gegenüber Sex, was irgendwie auch sehr britisch ist.?

Mr. Frears präsentiert Stephen Frears war aus mehreren Gründen der richtige Mann für den Job, findet Heyman. ?Wir wählten Stephen wegen der Art und Weise, wie er mit dem Material arbeitet. Er mag es nicht, so zu erscheinen, als hätte er immer die Kontrolle. Und er mag Schauspieler; er ist mit ihnen aufgewachsen. Er hat großes Mitgefühl und schafft es, dass sich alle wohl fühlen. Judi ruderte an unserem ersten Drehtag in England einen Fluss dreißig Mal hoch und runter und beklagte sich nicht ein einziges Mal. Sie sagte mir sogar, dass sie es wieder tun würde. Er ist einfach ein außergewöhnlicher Regisseur.?

Frears kam zu LADY HENDERSON PRÄSENTIERT, nachdem er 2003 den international gefeierten Film DIRTY PRETTY THINGS (?Kleine schmutzige Tricks?) gedreht hatte und den BAFTA Award für sein TV-Drama ?The Deal? gewann. Anfangs war er verwirrt von der Geschichte. ?Bob und Norma redeten über diese Frau, Lady Henderson; ich hatte keine Ahnung, worum es ihnen überhaupt ging. Ich konnte verstehen, dass die Idee, einen Film über das Windmill und über die nackten Mädchen zu machen, sehr lustig sein würde, aber alles, was ich den Leuten immer wieder sagte, war: Und wo ist die Story? Und dann war ich so beeindruckt von dem Drehbuch. Filme sind so schwierig zu machen. Aber wenn dir jemand so etwas Gutes wie das hier gibt, bist du gefangen. Du mußst es einfach machen.?

Frears freute sich darauf, wieder mit Dench zu arbeiten, nachdem er sie in zwei Fernsehdramen der 1980er inszeniert hatte, ?Going Gently? und ?Saigon - Year of the Cat?. ?Judi war richtig, weil sie so wunderbar fies sein kann?, sagt er. ?Sie ist die boshafteste Frau der Welt. Die Behauptung, sie sei verkopft, ist Blödsinn. Judi ist für diese Rolle geschaffen. Sie ist unglaublich gut gewappnet dafür.?

Für Judi Dench war die Bewunderung beidseitig: ?Der entscheidende Auslöser für mich, die Rolle anzunehmen, war Stephen?, sagt sie. ?Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten; er gibt nicht eher auf, bis er zufrieden ist. Er meckert an dir auf eine nette Art herum, und behauptet, er würde es nicht tun, aber er tut es die ganze Zeit. Er behauptet außerdem, dass er gar nicht genau wüsste, was passiert oder was er macht, aber er ist überhaupt nicht verwirrt. Er hat eine verführerische Art zu arbeiten. Ich vertraue ihm.?

Judi Dench hatte noch nie von Laura Henderson gehört, was ihr Interesse nur steigerte. ?Ich entdeckte diese Frau, die leidenschaftlich und unmöglich war ? sie hatte eine wunderbare Liebe zum Leben?, sagt sie. ?Sie hätte sich zurücklehnen können, nachdem ihr Ehemann starb, aber sie kaufte ein Theater, etwas, wovon sie überhaupt keine Ahnung hatte. Sie und Van Damm ärgerten sich gegenseitig höllisch. Sie mußs einfach unmöglich gewesen sein ? und keiner, außer Van Damm, kam mit ihr zurecht.?

Dench war fasziniert von Laura Hendersons eigentümlichem Verhalten. ?Sie war sehr stur, und stand oft im Weg. Sie zog sich einmal wie ein Mann an und beobachtete alle, nur um zu sehen, ob alle richtig behandelt wurden ? nicht nur die Mädchen, sondern auch das Publikum. Das war fantastisch. Ich liebe das alles. Man könnte sie heute gut gebrauchen.? Ein wenig identifizierte sie sich mit Lady Henderson. ?Ich weiß, ich bin zerstreut und heute manchmal ziemlich exzentrisch, denke ich. Ich glaube schon, dass ich diese Art von Exzentrik ein wenig mit ihr teile.?

Auf die Haben-sie-nun-oder-haben-sie-nicht-Frage bezüglich der Beziehung zwischen Van Damm und Lady Henderson möchte Judi Dench nur dies antworten: ?Ich denke, Laura war verliebt in ihn, aber ich bin mir nicht sicher. Das mußs jemand anderes herausfinden.?

Zuerst sah sich Bob Hoskins gar nicht selbst in der Rolle des Van Damm. ?Ich war als Produzent genügend beschäftigt. Ich glaube, ich wollte nur, dass diese fantastische Story verfilmt wird. Aber Norma sagte immer wieder Dinge wie: ,Du mußst eine sehr, sehr gute Perücke haben?, und da schien es entschiedene Sache zu sein. Sobald Judi an Bord war, war es eh klar. Da war ich gekauft.?

Bis zu Beginn der Dreharbeiten legte sich Hoskins nicht fest, wie er Van Damm spielen würde. ?Als ich ans Set kam, dachte ich, ich hätte nicht die leiseste Idee, was ich mit dieser Rolle anfangen soll. Und dann sagte Stephen: ,Du hast keine Probleme. Alles was Du tun mußst, ist mich zu spielen.? Also spielte ich diesen kauzigen, alten Sack, der eine rechte Nervensäge war. Es war die beste Regieanweisung, die ich je hatte.?

Hinsichtlich Van Damms Sprechweise stellte sich eine weitere Herausforderung. ?Van Damm ist nicht Cockney, er ist ein bisschen unecht?, so Hoskins. ?Damals wurde Intelligenz an deinem Akzent gemessen. Ich habe ihn nie sprechen gehört, aber offensichtlich habe ich die Rolle bewältigt. Dank Stephen und der Sprachtrainerin Penny Dyer.? Tatsächlich ? als Van Damms Enkelinnen Susan Angel und Jane Kerner Hoskins am Set sahen, bemerkten sie, dass er genau so aussah und sprach wie ihr Großvater.

Hoskins sah in Van Damm einen Gentleman ? allerdings mit einer Vorliebe für einige der jungen Windmill-Ladys. ?Wenn man mit den Original-Windmill-Mädchen spricht, stellt man fest, dass sie alle Van Damm liebten?, sagt Hoskins. ?Er war ein absoluter Gentleman. Ich wette, er hat mit ein paar von ihnen geschlafen, aber er kümmerte sich auch um alle. Er war zwar ein kleiner Schurke, aber gleichzeitig unschuldig. Und er war sehr naiv. Jeder andere hätte es mit Laura Henderson nicht aufgenommen.?

Am Drehort stellte sich sofort eine Chemie zwischen Hoskins und seiner Leinwandpartnerin ein. Dench sagt: ?Ich habe noch nie zuvor mit Bob gearbeitet, aber nach einem Tag gemeinsam ? einem einzigen Tag! ? verstanden wir uns blind. Das hat man nicht bei jedem. Es ist so einfach, mit ihm zu arbeiten. Und es ist sehr nett, jemanden neben sich zuhaben, zu dem man im Wortsinne nicht aufsehen mußs.?

Hoskins schaute sicherlich auf eine andere Weise zu Dench auf. ?Das Tolle an Judi ist, dass sie so furchtlos ist, sie ist großartig?, sagt er. ?Wenn du ihr einen kleinen kurvigen Ball zuwirfst nach dem Motto ,Oh, ich will nur mal sehen, wie sie darauf reagiert!? dann hüllt sie dich erst ganz in Watte und wirft ihn dir dann zurück. Und dann treibst du es noch ein bisschen weiter, und sie legt noch einen drauf. Das macht Spaß. Mit Judi zu spielen, ist etwas, das ich am Anfang meiner Karriere hätte machen sollen.?

Autor Martin Sherman hatte mit Norma Heyman erstmals 1992 an dem für den BAFTA nominierten Fernsehfilm ?Clothes in the Wardrobe? (?Ein blühendes Leben?) (der in den USA unter dem Titel THE SUMMER HOUSE in die Kinos kam) gearbeitet, den sie produziert und von Alice Thomas Ellis? Roman adaptiert hatte.

Als er gebeten wurde, LADY HENDERSON PRÄSENTIERT zu schreiben, hatte Sherman nur eine Antwort: ?Ja, ja, natürlich ja!? Abgesehen von der Aussicht auf die Arbeit mit Frears war Sherman noch aus einem anderen Grund an dem Projekt interessiert: ?Ich wusste von Anfang an, dass ich dies für Judi schreiben würde. Ich hatte sie so oft auf der Bühne gesehen. Es ist das erste Mal, dass ich etwas jemandem direkt auf den Leib geschrieben habe.?

Sobald er zugesagt hatte, sorgte sich Sherman ? wie auch Frears ? dennoch darum, die Kerngeschichte für den Film zu finden. Aber von Anfang an reizten ihn zwei Dinge: Lady Hendersons Benehmen und ein Geheimnis, das Van Damm nie gelüftet hat.

?Er schrieb seine vollständige Autobiographie und erwähnte niemals, dass er jüdisch war, obwohl ich mir schon dachte, dass er es sei?, sagt Sherman. Ich denke, das liegt daran, dass er dieses starke Bedürfnis danach hatte, dass sein Unternehmen als anständig und mittelklassig angesehen wird, was etwas mit der Art und Weise zu tun hat, wie die englische Gesellschaft über das Judentum denkt. Aber die Tatsache, dass er es nicht zugab, gab mir diesen großartigen Schlüsselmoment, einen großartigen Weg, sich seiner Figur zu nähern und in die Geschichte hinein zu kommen.?

?Tatsächlich?, bemerkt Hoskins, ?gab es sehr viele jüdische Manager in der damaligen Theaterwelt ? Lou Grade und andere. Sie gingen alle in dieselbe Synagoge. Viele Juden änderten ihre Namen in europäische ? Van Damm mußs geglaubt haben, dass seiner nicht anständig und mittelklassig genug war.?

Sobald er den Schlüssel für die Story gefunden hatte, erkannte Sherman bald, dass es genau die Geschichte war, die er schon immer erzählen wollte. ?Es war meine Version einer Hollywood-Screwball-Komödie der 1930er und 40er, mit Hepburn oder Carole Lombard in Rollen, die sehr reich sind oder reich sein wollten ? diese Figuren liebe ich total. Laura Henderson war eine wichtige Exzentrikerin und die Upperclass seinerzeit tolerierte, ja ermutigte sogar Exzentrik. Denken Sie nur an Evelyn Waugh und Nancy Mitford!?

Bei seiner Erzählung der Geschichte mischte Sherman Fiktion und Tatsachen. ?Wir können uns nicht sicher sein, dass sich Lady Henderson tatsächlich in Van Damm verliebt hat und auch nicht über ihre Verkleidung als Mann. Aber nach dem, was ich gelesen habe, hatte Lady Henderson einen Sohn, der gestorben ist. Eine Bombe erwischte ihn in dem Café gegenüber vom Windmill, und eines der Mädchen wurde verletzt, nicht getötet. Die Idee mit den nackten Showgirls kam vom Moulin Rouge in Paris und Van Damm kopierte sie.?

Sherman produzierte einen ersten Entwurf in nur acht Monaten. ?Es war ein wundervolles Skript vom ersten Entwurf an?, sagt Bob. ?Ich dachte, dass dieses Projekt Jahre dauern würde, um aus dem Boden gestemmt zu werden, aber es machte bang, bang, bang, und wir waren am Set, und alles war gut.?

Ein Leinwand-Musical Wie es mit Filmgenres heute so ist, ist LADY HENDERSON PRÄSENTIERT nicht ein traditionelles Musical, sondern eine dramatische Komödie mit Musik. ?Dies ist ein Musical, und es ist gleichzeitig auch wieder keines?, sagt Stephen. ?Ich meine, es ist nicht SINGING? IN THE RAIN (?Du sollst mein Glücksstern sein?, 1952), in dem die Figuren sich gegenseitig ansingen. Es ist ein Film und ein Musical.?

?Das ist hier nicht ein Versuch wie CHICAGO (?Chicago?, 2002)?, sagt Heyman. ?Martin hat in den Archiven im Musical Museum in Hammersmith gestöbert und jedes Drehbuch gelesen, das am Windmill produziert wurde.? Viele der Songtexte des Windmills aus den 1930er Jahren fingen die Stimmung der Zeit ein. Ein Song hatte den Namen ?Babies of the Blitz?. ?Der Text zeigt die Haltung der damaligen Menschen, ihren Humor, ihren Trotz, ihren Mut und wiederum eine Art von Unschuld?, bemerkt Sherman. ?Nichts, was ich gelesen habe, erklärt den Blitzkrieg besser.?

Ein anderer Song, auf den sich Martin konzentrierte, war ?Goody Goody? von Benny Goodman aus dem Jahr 1936, den er benutzte, um zwischen verschiedenen Szenen im Film zu schneiden, um die Showereignisse und die vergehende Zeit am Windmill zu zeigen. Sherman verarbeitete ungefähr vierzehn Nummern in dem finalen Skript, die alle direkt durch die Handlung miteinander verbunden sind. Für Frears präsentierte der musikalische Inhalt eine der größten Herausforderungen, da er noch nie zuvor mit so viel Musik gearbeitet hatte.

?Songs und Musik sind Tyrannen: Wenn du mit einer Zeile Musik anfängst, mußst du diese auch zu Ende bringen. Also fand ich das alles sehr, sehr tückisch?, sagt er. ?Aber wie durch ein Wunder hatte ich ein Lunch mit Regisseur Alan Parker, der sagte:, ,Du kannst einen Film improvisieren, aber du kannst kein Musical improvisieren.? Also las ich ein Buch über Arthur Freed, der bei MGM war und Musicals wie THE WIZARD OF OZ (?Das zauberhafte Land?, 1939) und SINGIN? IN THE RAIN gemacht hatte. Darin las ich, wie man all diese Menschen in dem selben Raum in dem selben Moment zusammenbringt und sie Gestalt annehmen lässt. Und damit mußs man sehr früh anfangen.?

Frears verdankt die Tatsache, dass er sein erstes Musical gestemmt hat, zu großem Teil George Fenton, dem berühmten Komponisten und musikalischen Leiter. Fenton arbeitete eng mit Sherman zusammen und komponierte und vertonte alle Original-Windmill-Songs, um die Texte zu begleiten, die Sherman entdeckt hatte.

?Die meisten der Musical-Nummern sind in ihrer Quintessenz englisch und aus dieser Zeit?, sagt Heyman. ?Martin kommt aus Amerika, und sein Hintergrund ist das Musical-Theater. Es ist seine Leidenschaft, und deshalb war dies ein großes Abenteuer für ihn. Er fand diese bezaubernden, kleinen Nummern, von denen er glaubte, dass sie von einem anderen Planeten stammten.?

DAs Casting Das Vorsprechen der Schauspieler, Tänzer und Tableaux-Mädchen für das Windmill war eine der aufregendsten und schwierigsten Aufgaben. ?Weil es ein Kostümfilm über zwei ältere Hauptfiguren ist, war es wichtig, dass wir attraktive und talentierte junge Menschen casteten?, sagt Produzent David Aukin. ?Es war natürlich eine Story, die das Potential hat, alle Altersgruppen anzusprechen.?

Unter denen, die für die Rolle des Bertie gecastet wurden, dem Haupt-Sänger am Windmill, war Will Young, der mit ?Pop Idol? (der britischen Version von ?Deutschland sucht den Superstar?) berühmt wurde, und seitdem einen Riesenerfolg mit seiner Gesangskarriere feierte.

?Will geht einfach drauflos, und sein Talent strömt einfach so aus ihm heraus?, sagt Bob. ?Als er ,All The Things You Are? aufnahm, einen komplizierten, schwierigen Song, brauchte er laut George Fenton einen einzigen Take. Er kam, sang und siegte, sozusagen.? Heyman merkt an: ?Will ist für die Rolle des Bertie wie geschaffen. Er kommt genau wie ein jugendlicher Hauptdarsteller aus den Dreißiger Jahren rüber.?

Dies ist die erste Filmrolle für Will. ?Es war George Fenton, der mich für den Part vorschlug?, sagt er. ?Dann traf ich Stephen, ohne dass ich wusste, wer er war, und wir verstanden uns sehr gut. Ich hielt ihn für ziemlich exzentrisch, und uns beide zusammen ebenfalls für sehr exzentrisch. Ich realisierte dann, dass es wahrscheinlich ein ziemlich ernstes Gespräch war.?

Obwohl er während des Vorsprechens ?versteinert? war und ?neben dem Klavier stand und seine Hände hinter seinem Rücken verstecken mußste, weil sie so zitterten?, war er begeistert darüber, dass ihm die Rolle angeboten wurde. ?Ich zeige nicht so oft ehrliche Glücksgefühle, ich kann sehr introvertiert sein, aber ich war so glücklich, als Stephen mich anrief. Die Rolle des Bertie schien perfekt für mich. Es geht um ein Zeitalter, das ich liebe.?

Andere perfekte Castings folgten: Christopher Guest, bekannt als Schauspieler aus Filmen wie THIS IS SPINAL TAP (?Die Jungs von Spinal Tap?, 1984) und Regisseur von BEST IN SHOW (2000), übernahm den Part des Lord Cromer, Thelma Barlow, beliebt seit der britischen TV-Serie ?Coronation Street?, schnappte sich ihre erste Filmrolle als Lady Conway, und Kelly Reilly, ein junger aufstrebender Star, landete die Rolle der Maureen, dem vorderen Tableaux-Mädchen.

Die anderen Tableaux-Mädchen ? Rosalind Halstead, Natalia Tena, Sarah Solemani und Anna Brewster ? wurden wegen ihrer herausragenden Persönlichkeiten, Schönheit und Leinwandpräsenz besetzt. Die schwierige Rolle der Jane, der Haupt-Sängerin am Windmill, erwies sich als unmöglich zu casten; in der elften Stunde entdeckte Stephen Frears Camille O?Sullivan, die ihre eigene Show hatte und Berliner-Kabarett-Songs beim Edinburgh Filmfestival sang.

Für die Tableaux-Mädchen und die Millerettes wollten Frears und sein Team Mädchen mit Gesichtern und Figuren, die in die Ära passten ? d.h., die voller und kurviger waren. Die Größe war eine andere Frage: Die durchschnittlichen Tänzerinnen in den 1930ern waren zwischen 1,58 und 1,68 groß. Das Casting der Tänzer war der Job der künstlerischen und Theater-Beraterin Eleanor ?Fiz? Fazan und Debbie Astell, der assoziierten Choreographin. Fazan und Astell koordinierten alle Tanznummern ? etwa elf insgesamt, wobei die lebendigen Bilder nicht eingeschlossen sind. Fazan erzählt: ?Ich traf Norma und fragte sie: Wird dies eine 2004er Version des Windmill oder ein Schritt zurück in die Vergangenheit? Geradeheraus sagte sie: ,Letzteres?. Das wies uns die Richtung.?

Sie veranstalteten offene Vorsprechen, und es meldeten sich 600 Anwärter. Fazan erklärt: ?Debbie arbeitete eine Schritt-Routine für sie aus und eine komische Musical-Nummer. Sie mußsten in beiden eine A-Note bekommen. Wir wollten junge Tänzer mit Persönlichkeiten, basierend auf dem, wonach auch Van Damm suchen würde. Sie mußsten außerdem visuell in die Ära passen.? Mit den ausgesuchten Millerettes begannen die Proben. Die Tableaux-Mädchen durften weder sonnenbaden, noch Diäten machen, und der Besuch ins Fitnessstudio wurde gestrichen, denn die Showgirls waren damals nicht muskulös.

?Wir stoppten das Fitnesstraining der Tänzerinnen, denn es war sehr wichtig, dass sie ihren zeitgemäßen Look behielten?, sagt Heyman. ?Jene Mädchen sahen so anders aus als heute ? sie hatten vor allem rundlichere Beine. Die Männer hatten keine Muskeln. Will Youngs Muskeln wurden abgeschwächt, als wir mit den Dreharbeiten begannen; er sah ganz wunderbar geschmeidig und schlaksig aus, genau wie unsere Chorjungen. Man würde nicht glauben, wie schwierig es war, Tänzer zu finden, die nicht unglaublich muskulös waren.?

Die Tanzschritte wurden so authentisch wie möglich entworfen. Das umfasste alle Nuancen der Bewegungen, wie die Anwinklung der Arme, die typisch für die 1930er war. Fazan und Astell achteten auch darauf, dass die Mädchen in der Gruppe zusammen passten. ?Die Original-Windmill-Mädchen waren wie eine Familie, sie lebten, atmeten, aßen und schliefen gemeinsam?, bemerkt Astell. ?Und ich denke, wir haben diese Familie hier wieder erschaffen.?

In ihre Rollen schlüpfen: Die Nebendarsteller Was seine Figur Bertie angeht, sagt Will Young: ?Ich denke, er lässt nichts aus. Er sieht die nackten Mädchen als eine Gelegenheit, im Geschäft zu bleiben, also assistiert er Van Damm dabei, selbst wenn er nicht interessiert daran ist, nackte Mädchen anzusehen.? Young bewunderte Berties Offenheit hinsichtlich seiner Sexualität: ?Er ist mit aller Offenheit schwul, und obwohl er unter dem Schutz der Theaterwelt steht, ist dies immer noch eine mutige Sache in den 1930er. ,Ich bin schwul? ist sein zweiter Satz, was in meinen Augen großartig und liebenswert ist.?

Ihn reizte außerdem die Aussicht, mit Frears zu arbeiten. ?Stephen und ich vertrugen uns so gut, er ist genau wie mein Vater. Er ist kein Komformist. Er ist bisweilen eher ein Anarchist. Bei meinem Job versuche ich, individuell und mir treu zu bleiben, und ich habe versucht, mich nicht an irgendeine andere Rolle anzupassen ? sei es nun an die des Popstars oder Mittelklasseschülers oder des schwulen 25-Jährigen. Ich denke, Stephen gefällt das, und ich liebe es.?

Will singt mehrere Nummern, darunter ?All The Things You Are? und ?The Girl in the Little Green Hat?. Er mußste seinen Gesangsstil dem Film anpassen und arbeitete mit einer Sprachtrainerin, Penny Dyer. ?Ich mußste meinen Gesangs- und Atmungs-Stil ändern. Das gab einen anderen Klang in der Stimme. Er ist leichter, aber du setzt dein Zwerchfell stärker ein. Das ist eine klassischere Art und Weise, und die Diktion ist anders.?

Will war in der Lage, Anekdoten seiner Großmutter, die einige der Original-Windmill-Shows gesehen hatte, beizusteuern. ?Sie sagte, die Tableaux waren nicht schlüpfrig, aber es hätte einige schlüpfrige Gestalten im Publikum in der ersten Reihe gegeben.?

Kelly Reilly spielt Maureen, das vordere der fünf Tableaux-Mädchen. ?Sie ist ein wenig älter als die anderen Mädchen. Sie und Vivian hegen gegenseitigen Respekt und Verständnis füreinander. Sie idealisiert ihn nicht wie die anderen Mädchen, aber sie weiß, dass sein Herz die meiste Zeit am rechten Fleck sitzt.? Sie fügt hinzu: ?Meine Figur wurde von Martin im besten Sinne wenig ausgeschmückt. Was mich reizte war, dass ich meine Vorstellungskraft benutzen konnte. Maureen existiert ein wenig in ihrer ganz eigenen Welt.?

Kelly sagt, dass sie kein Problem mit der Nacktheit hatte: ?Man ist komplett nackt, aber es gibt etwas sehr Berührendes und Reines, so wie Stephen es gedreht hat. Wir sind wirklich wie Skulpturen; wir bewegen uns nicht, du kannst uns nicht anfassen, es ist etwas sehr Ätherisches um uns herum. Draußen gehen Bomben runter, und die Mädchen umarmten förmlich diese Soldaten, die gerade auf dem Weg in den Tod sind. Sie schenkten ihnen Eskapismus, etwas Nahrhaftes und sehr Weibliches, aber nichts zu Ernstes ? es war gesund und schön, deshalb liebte ich es.?

Christopher Guest spielt Lord Cromer, den Lord Chamberlain, dessen Job bis zu den 1960ern darin bestand, Bühnenproduktionen zu zensieren. ?Lord Cromer ist ein humorloser Mann, ein pompöser Mann, würde ich sagen?, so Guest. ?Ein Mann, der vermutlich nach Hause geht, sich Fotos von Frauen ansieht, aber tagsüber den Leuten erzählt, sie dürften sich keine Fotos von Frauen ansehen. Lord Cromer ist keine sehr aufrechte Rolle. Er hat seine komischen Momente, weil er sich selbst sehr ernst nimmt. Und ich glaube, Menschen, die sich sehr ernst nehmen, müssen immer mit einem Sturz rechnen.?

Nachdem er Martin Shermans Drehbuch gelesen hatte, lag der Reiz für Guest in der Zusammenarbeit mit Dench, Hoskins und Frears. ?Sehr gute Schauspieler sind sehr angenehm, und wenn du in einer Szene fest steckst, wollen sie dir helfen. Es ist schön, in der Lage zu sein, mit jemandem zu arbeiten, der talentiert und großzügig ist ? ich wünschte nur, ich wäre ebenso?, scherzt er. ?Die Dynamik zwischen meiner und Judis Figur war wundervoll, weil sie mich bei jeder Gelegenheit in die Schranken verweist.?

Guest hat einen direkten Einblick in die Aristokratie: Er ist der fünfte Baron Haden-Guest of Saling. ?Ich bin tatsächlich ein Lord, es ist ein vererbter Titel. Ich saß zwei Jahre lang im House of Lords, was interessant war, bevor sie Adelige mit Erbtiteln rauswarfen. Ich glaube nicht, dass die Karikaturen dieses Orts akkurat sind. Ich traf viele sehr nette Menschen dort.?

Thelma Barlow spielt Lady Conway, eine enge Freundin von Laura Henderson. Nach 50 Jahren als Schauspielerin ist dies Thelmas erster Kinofilm. ?Ich traf Stephen, und er sagte: ,Kannst du piekfein spielen?? Ich spielte piekfein im Theater, aber im Fernsehen glaube ich noch nicht. Also war es eine großartige Erkenntnis, dass Stephen mir zutraute, es zu tun.?

Thelma Barlow erfuhr vom Windmill, als sie 1954 nach London kam, zur Schauspielerei fest entschlossen. ?Es war ein unartiger Ort, meiner Meinung nach. Aber zuallererst, auch wenn er sehr schockierend war, war er auch sehr ordentlich. Ich dachte nie daran, hinein zu gehen, aber jetzt wünschte ich, ich hätte es getan.?

Die Ausstattung Der Nachbau des Windmill-Theaters war der Job von Szenenbildner Hugo Luczyc-Wyhowski. Da die Ära und das Theater selbst gut dokumentiert waren, gab es viele Fotografien, Sendungen und Presseberichte, die bei den Recherchen halfen. ?Wir sahen uns ursprünglich verschiedene Theater am West End an, erkannten aber, dass es das Praktischste wäre, ein Theater zu bauen?, sagt Luczyz-Wyhowski. Durch einen glücklichen Zufall fand Luczyc-Wyhowski die Original-Pläne für die Rekonstruktion, die Lady Henderson in den frühen 1930ern in Auftrag gegeben hatte.

Hugo Luczyc-Wyhowski ließ dem Auditorium dieselbe Größe, vergrößerte aber die Bühne besonders in ihrer Tiefe und an beiden Seiten. ?Wir wollten, dass es sehr echt wirkte, sodass man Rohre und Aschenbecher und den ganzen Krimskrams der herunterhängenden Seile, das Werkzeug der Tischler sah, dass man normalerweise in einem Theater findet.?

Er setzt fort: ?Wir kopierten kleine Windmühlen für das Innere des Theaters, viele Details, die dem Geist des Theaters gerecht wurden. Der generelle Look des Theaters ist warm, fast senffarben, ein Ort, an dem die Künstler sehr eng miteinander sind, im Gegensatz zu dem eher glitzernden Look, den es hatte, bevor es aufpoliert wurde.?

Für die Tableaux wurden sechzehn Bühnen gebaut. ?Einige davon kopierten wir und andere entwarfen wir im Geist des Windmill?, so Hugo. Im Sinne der Story kreierten sie einen Glasboden, auf dem die Mädchen tanzten, und benutzten farbiges Licht und Bodenlampen. ?Wir verwendeten eine Mischung von Locations und ein Set, an dem man sozusagen durch die Straßen von Soho fahren konnte und direkt in die Great Windmill Street einbog.? Die Szene, in der Laura Lord Cromer zum Lunch in einem Zelt einlädt, das sie errichtet hatte, wurde vor dem Buckingham Palace gedreht.

Die Unschuld dieser Zeit war ein weiterer Schlüssel des Designs. ?Das Windmill wurde erst in den 1950ern schäbig?, sagt Hugo. ?Es war nichts Vulgäres an der Zeit, die wir darstellen. Es gibt eine Naivität, die Sets schwanken ein wenig, sind nicht sehr gut gebaut, nicht sehr gut gemalt. Es war ein kleines Theater, in dem die Beziehung zwischen Publikum und Künstlern sehr intim war, sehr einzigartig, und Zentrum des Films. Die Leute waren auf einem Level mit den Mädchen, das machte seine Popularität und seinen Charme aus.?

Die Kostüme Für die mit dem Academy Award® ausgezeichnete Kostümdesignerin Sandy Powell war es das erste Mal, dass sie mit Stephen Frears zusammen arbeitete. ?Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das Drehbuch las. Ich wartete bis ich den Regisseur traf, um zu sehen, wie er an die Sache heran ging?, sagt Powell. ?Die Herausforderung war die Erschaffung dieser zwei Welten: die eine realistisch ? die Welt des Londons im Krieg außerhalb des Theaters ? und die andere eine Art Fantasiewelt auf der Bühne.?

?Der ganze Job war eigentlich wie drei Jobs in einem. Als Designerin entwarf ich einen Film, aber darüber hinaus entwarfen wir fünf, sechs, sieben Bühnenshows. Ich entwarf auch die Kostüme für die Tänzer. Darüber hinaus wiederum gab es Hunderte von Statisten an jedem einzelnen Tag. Wir mieteten alle Kleidungsstücke, jeder Statist trug Kleider aus den 30ern und 40ern, die meisten braun und schwarz, Kleidung, die von normalen Menschen getragen wurde, die die Lebendigkeit der strahlenden, glamourösen Outfits, die innerhalb des Theaters getragen wurden, kontrastierten.?

Die getreue Wiedererschaffung der Kriegsära des Films bedeutete, dass man auf einige wichtige Details Rücksicht nehmen mußste: ?Während des Kriegs gab es natürlich Restriktionen hinsichtlich der Menge von Stoffen, die man verwenden durfte. Wenn du einen Anzug oder ein Kleid nähtest, mußstest du weniger Stoff verwenden, weil es weniger Stoff gab. Deshalb hatten ein paar Anzüge, die während des Kriegs hergestellt wurden, keine Umschläge. Ein Rock oder ein Kleid war kürzer als in den frühen 30ern. Ich war nur ein bisschen ungenau, als es an das große Finale ging, wo ich alle Mädchen in riesige, romantische Roben steckte. Technisch gesehen hätten sie während des Kriegs zu so viel Stoff keinen Zugang gehabt, es sei denn, sie hätten ihn irgendwo heimlich gelagert.?

Über die Entwürfe für Laura Henderson sagt sie: ?Sie lebte in Indien und reiste viel, also haben wir viele bunte, ethnische Muster, als hätte sie die Stücke überall auf der Welt gesammelt. Ich hoffe, ich habe sie nicht verrückt aussehen lassen. Aber sie sieht eben nicht wie die durchschnittliche 69-jährige Lady ihrer Ära aus.?

Dench sagt: ?Ich liebte meine Kostüme, weil ich einige der Kleider aus der Ära sehr gut kenne. Lustigerweise trug ich eine chinesische Jacke in einer der Szenen, und zuhause öffnete ich eine Kommode, die meiner Mutter gehörte, und fand eine exakte Kopie der Jacke, die ich im Film trug. Ich erinnere ich mich, wie meine Mutter sie trug, also hatte ich es alles einfach wiederholt.?

Um die Outfits der Millerettes und Tableaux-Mädchen zu schneidern, studierte Powell alte Theatersendungen aus der Ära, die sie recherchierten, und traf ein paar der Windmill-Mädchen, die zwischen 1935 und 1945 aufgetreten waren. Sie saß auch mit den Künstlern und der Theater-Beraterin Eleanor Fazan und mit Choreographin Debbie Astell zusammen, die an der Musik arbeitete und Themen für verschiedene Nummern lieferte, die Powell ebenfalls zu ihren Entwürfen inspirierten. Unter diesen Themen sind die Schwimmszene aus den 1920ern, ?Hiawatha?, ?Busby Berkeley? und die ?Rockettes?. Die Bühnenkostüme sind funkelnd und glamourös, mit Hunderten von Pailletten und Blumen.

Die Tableaux sind, naturgemäß, hauptsächlich nackt. ?Wenn sie überhaupt etwas trugen, dann war es durchsichtig?, sagt Powell. ?Kleine Andeutungen von Dingen.?

Frisuren und Make-up Die mit dem Academy Award® ausgezeichnete Make-Up- und Hairstylistin Jenny Shircore wollte, dass sich Lady Hendersons Haare während des Films auf interessante Weise veränderten. Am Anfang sind ihre Haare zurück in einen Knoten gesteckt, so wie Lady Henderson sie tatsächlich trug. Sie sind kürzer und zu einem Bob geschnitten, als der Krieg beginnt, als ob sie, in Denchs Worten, ?die jungen Tableaux-Mädchen mit ihren kürzeren Haaren kopieren wollte.?

Jenny Shircore arbeitete mit Bob Hoskins erstmals an der britischen Fernsehserie ?Pennies From Heaven? vor 25 Jahren zusammen. ?Als ich ihn beim Tanzen auf dem Dach zu einer 1940er-Jahre-Nummer sah, schloss sich der Kreis?, lächelt sie. ?Wir kopierten Van Damms Haar für Bob, und es funktionierte hervorragend.?

Was die Tänzerinnen angeht, so berichtet Shircore, dass man in den 1930ern ?eine kürzere Haarlänge und mit den Fingern gelegte Wellen am ganzen Kopf? trug. ?Die 1940er waren länger, mit großen Lockenwicklern, strengerem Haar und mehr Locken.? Kelly Reilly, die Maureen spielt, ließ auch diese Veränderungen über sich ergehen. ?Kelly selbst trägt langes, rotes Haar, und wir machten daraus ein Platinblond.?

Shircore sagt über die Entwürfe für das Make-Up, dass es ?schwierig war, zu entscheiden, wie dramatisch oder wie echt es sein sollte. Aber als wir sahen, was Stephen mit den Tableaux-Mädchen machte und wie schön und elegant und echt sie waren, ließen wir das Dramatische sein, obwohl es ein paar Szenen gibt, die danach verlangten.?

Es gab subtile Veränderungen von den 1930ern bis zu den 1940ern, was die Augenbrauen zum Beispiel angeht, die von einer dünnen Linie zu volleren Formen während des Kriegs wechselten. ?Die Make-Up-Farben waren kräftiger, sie hatten nicht die Subtilität der Farben von heute oder diesen zurückhaltenden Ton. Also benutzten wir kräftigen blauen Lidschatten und die rotesten Lippen.?

Bei einer Produktion mit so viel Fleisch auf der Leinwand machte man sich auch über den Hautton Gedanken. ?Wir verwendeten Body-Make-Up und sprühten die Haut schön glatt und makellos. Ich fand eine Referenz in den Archiven, in denen ein Künstler zerkleinertes Glass mit Goldpuder als Body-Make-Up verwendete. Aber damals machte man sich auch über Gesundheit und Sicherheit keine Gedanken.?

Nacktheit Mit dem kompletten Cast am Start überdachte Stephen Frears nunmehr seine Herangehensweise an die Frage der Nacktheit in der Story. ?Ich finde die Nacktheit-Frage ziemlich aufregend ? obwohl wir vorher klar gemacht hatten, wie un-anzüglich das Windmill in der Ära war, um die es bei uns geht.?

Es gab ein paar Bedenken beim Umgang mit den Nacktszenen, so Norma Heyman. ?Viele der Cast-Mitglieder waren noch nie zuvor an einem Filmset, einschließlich Will Young. Wir hatten junge Mädchen, die sich für Stephen auszogen. Sie mußsten ihm vertrauen, dem Film und dem, was er zu sagen versucht. Nicht ein einziger Fotograf lief während des Drehs vom Set, keiner betrug diese Mädchen. Wir wurden wirklich eine große Familie.?

Hoskins selbst hat seine eigene kurze Nacktszene, als Van Damm, Bertie und die männlichen Bühnenhelfer während der Proben einen Strip hinlegen, weil Maureen darauf besteht, dass es nicht fair sei, dass sich nur die Tableaux-Mädchen ausziehen müssen: ?Gibt es ein Problem mit meiner frontalen Nacktheit in dem Film? Aber natürlich! All diese jungen, schönen Kreaturen, und dann dieser alte schrumpelige Mann im Hintergrund! Ich fühlte mich nicht allzu wohl dabei, aber wir mußsten es schließlich alle tun.?

Um den Schock zu verdeutlichen, den die Nacktheit auf der Bühne im Jahr 1930 auslöste, erinnert Heyman an die Moral der britischen Gesellschaft noch in späteren Dekaden. ?Vor den 1960ern lebte England in der Zwangsjacke der viktorianischen Werte. DH Lawrences ,Lady Chatterley?s Lover? war noch nicht veröffentlicht. 1939 wurde Theaterregisseurin Joan Littlewood verhaftet, weil ein Mann in einer ihrer Stratford-East-Produktionen mit einem Brett in der Hand in einer aufreizenden Pose über die Bühne ging?, sagt sie.

?Es mußs damals ein unglaublicher Schock gewesen sein?, sagt Dench. ?Zu der Zeit waren die Akte ziemlich künstlerisch, und für die jungen Männer, die von der Front heimkehrten und ins Windmill kamen, mußs es fantastisch gewesen sein.?

Die original Windmill-Mädchen Einige der Original-Windmill-Mädchen, die zu einem Treffen mit Cast und Crew eingeladen wurden, steuerten unbezahlbare Informationen aus erster Hand und Einblicke in die Ära bei. Die meisten sind mittlerweile zwischen 70 und 80 Jahren alt.

Dench gibt zu, dass sie nach dem ersten Treffen mit den Original-Windmill-Mädchen, von denen sie sehr viel über die Figur der Lady Henderson lernte, ?völlig hin und weg? war. ?Sie wurden sehr umsorgt. Eine von ihnen erzählte mir, dass sie heiratete und Lady Henderson ihr das Hochzeitskleid kaufte, denn es war die Zeit der Rationen und Coupons. Ein unglaubliches Märchen.?

Frears berichtet über das Treffen mit den Original-Windmill-Mädchen: ?Ich fragte alle ,Warum wart Ihr einverstanden, Euch auszuziehen?? Eine Frau, die Tänzerin war, sagte: ,Als es zum ersten Mal um Nacktheit ging, waren wir nach einem halben Tag einfach gelangweilt und machten einfach mit.? Ich fragte instinktiv: Wurdet Ihr nicht ausgenutzt? Aber dazu gab es keine Veranlassung. Es schien, dass sie sehr gut behandelt wurden. Ich habe festgestellt, dass Frauen in dieser Hinsicht immer sehr sensibel sind.?

Doris Barry, Windmill-Mädchen, 1932 Als Doris Barry als Windmill-Mädchen aus einer Revue von Mädchen ausgesucht wurde, wollte sie eigentlich nur einen Monat bleiben. Sie blieb schließlich für acht Jahre bis zum Blitzkrieg 1940. Van Damm nannte sie ?sein sechstes Pony? ? die kleinen Tänzerinnen waren die Ponys und der Rest die Showgirls. Sie wurde schnell zu einer Soubrette ? einer jungen Haupt-Sängerin, zu deren Auftritten Tanz, Sketche und Drama gehörten.

Doris Barry hat Lady Henderson als eine ?bemerkenswerte Lady, die für die Mädchen wie eine Mutter war?, in Erinnerung. ?Es war eine sehr gute Revue, und wir waren bekannt als Kinderstube der Stars. Es gab keine Nackten, als ich dort anfing. Sie kamen später.? Doris Barry war eine der Tänzerinnen, die in dem Moment streikten, in dem die Tableaux-Mädchen vorgestellt wurden. Sie erinnert sich, dass Van Damm das Meeting einberief, um ihnen anzukündigen, dass sie auf der Bühne nackt sein würden. ?Er war ein sehr überzeugender Gentleman. Er sagte, es würde schön werden, wie Kunst, nicht provozierend, und dass du auch in die National Gallery gehen und schöne Gemälde wie diese Tableaux sehen könntest, und dies bedeutete nun, dass der gewöhnliche Mann auf der Straße diese Schönheit nun auch genießen könne. Und alle Nackten waren wirklich sehr schön.?

Doris Barry verließ das Theater, um ihre Schwester zu managen, die bekannte Dame Alicia Markova, am Ballet Russe in den USA. Ihr besonderes Gespür für Talente führte zu ihrer derzeitigen Position als Leiterin des London Studio Centre, in dem sie viele bekannte Schauspieler und Berühmtheiten entdeckt hat.

Linda Carroll, Windmill-Mädchen, 1942 Linda Carroll trat in Revuen und Sketchen am Palace-Theater auf, bevor sie zu den Windmill-Mädchen im Frühjahr 1942 stieß. Innerhalb von wenigen Monaten wurde ihr die Hauptrolle der Cinderella neben Fay Compton am Stoll-Theater angeboten. Während ihrer Zeit als Pantomimin zahlte Van Damm für sie eine Ablösesumme, damit sie als Berühmtheit zurückkehren könnte. Schließlich verließ sie die Windmill-Mädchen, um zu heiraten, und Lady Henderson kaufte ihr Hochzeitskleid.

Linda erklärt, dass ?der gesamte Cast Lady Henderson bewunderte? und beschreibt Van Damm als ?einen wundervollen Kollegen, der sich sehr um Cast und Künstler kümmerte. Es war die beste Ausbildung, die ich je bekommen habe, und eine unvergessliche Erfahrung.?

Maureen Clayton, Windmill-Mädchen Maureen Clayton bewarb sich im Alter von 17 Jahren als Windmill-Mädchen. Ihre Eltern hielten sie für zu jung, und sie sprach erneut mit 22 Jahren vor. Sie blieb fünf Jahre und bedauerte es zutiefst, nicht schon bei der ersten Gelegenheit dabei gewesen zu sein.

Sie erinnert ihre Zeit im Windmill als eine sehr glückliche und gute Erfahrung. Sie war tief beeindruckt davon, wie Van Damm alle verarztete, die durch den Bühneneingang kamen. Ihre Eltern waren bei jeder Kleiderprobe dabei, und sie mußste sie von der Bühne scheuchen. ?Schau nicht zu deinen Eltern!? rief Van Damm dann. Sie erinnert sich außerdem an die Momente, in denen sie eine Gagenerhöhung erbat. Van Damm fragte dann: ?Glaubst Du, dass Du diese Wert bist?? Sie hatte Erfolg, wenn Sie darauf sofort eine positive Antwort hatte. Als Maureen heiratete, kaufte Van Damm ihr Hochzeitskleid. Sie gab ihre Karriere auf, um eine Familie zu gründen.

Charmian Innes, Windmill-Mädchen, 1931 Charmian Innes wurde im zarten Alter von 15 im Jahr 1931 zum Windmill-Mädchen auserwählt. Sie blieb für eine Spielzeit und wurde dann von Van Damm wegen Übergewicht gefeuert. Van Damm erklärte, dass ?sie nicht gerade in die Reihe passte?. Eine viel schlankere Charmian Innes sprach erneut 1939 vor; Van Damm stellte sie wieder ein, und sie blieb am Windmill bis 1942. Nachdem sie mit verschiedenen Tourneen in Großbritannien unterwegs gewesen war, kehrte sie noch einmal für zwei Jahre 1943 zurück. Charmian arbeitete dann fürs Radio und Theater und war in Cole Porters ?Let?s Face It? am Londoner Hippodrome-Theater zu sehen. Jean Kent, Windmill-Chor-Mädchen, 1934 Jean Kent wurde eines der zehn Windmill-Revue-Girls im Jahr 1943 mit 15 Jahren. Van Damm feuerte sie nach 15 Monaten, um seiner Freundin zu helfen. Die ,bekleideten? Revue-Mädchen sangen und tanzten vier Nummern in fünf Shows am Tag, sechs Tage in der Woche, für einen Lohn von ganz genau zwei Pfund in der Woche. Jean erinnert sich, dass Lady Henderson ?normalerweise einen Teddybär dabei hatte, den sie auf der Logenkante tanzen ließ, während sie der Show zusah?. Nachdem sie das Windmill verlassen hatte, war Jean Kent in Kabaretts und Revue in Londons West End und anderen Regionen zu sehen. Margaret Law, Windmill-Mädchen, 1948 Margaret Law kam 1948 zu den Windmill-Girls, wo sie zehn Jahre lang blieb. Ihr Ehemann John, Tänzer und Choreograph der Kompanie, war ebenfalls zehn Jahre lang dort.

Margaret Laws Spezialität war der Can-Can; sie ?wackelte zu sehr, um ein Gemälde zu sein!? Sie war außerdem eines der Fächertanz-Mädchen. Zu ihren liebevollen Erinnerungen an Lady Henderson gehört jene, ?dass Lady Henderson jeden Tag Süßigkeiten brachte. Sie ließ uns alle wie eine Familie fühlen. Ihre Großzügigkeit war überwältigend, und sie hinterließ jedem, der noch am Theater war, bei ihrem Tod zehn Pfund.?

Als Margaret Law das Windmill-Theater verließ, um eine Familie zu gründen, bat Sheila Van Damm ihren Ehemann, das Theater zu führen, doch er gründete sein eigenes Geschäft. Heute ist Margaret Law ?Head Girl?, die noch immer Treffen mit allen Ex-Windmill-Mädchen organisiert.

Paulette Lester, Windmill-Mädchen, 1930 Mittlerweile im hohen Alter von 92 Jahren wahrt Paulette Lester noch immer liebevolle Erinnerungen Laura Henderson und Van Damm. Im Jahr 1930, im Alter von 16 Jahren, kam sie als Hauptdarstellerin ans Windmill-Theater mit weiteren acht Revue-Mädchen. Ihre stärkste Erinnerung ist die harte Arbeit. 1930 war das Windmill Kabarett und Kino. Tagsüber gab es fünf Shows zwischen den Screenings und sechs Shows am Sonntag.

Proben für neue Produktionen fanden jede zweite Woche statt. Lady Henderson behandelte sie wie eine ?liebe Tante?, die regelmäßig inkognito in das Theater hineinschneite, um ihre Mannschaft zu beobachten und die Show von einer Loge aus zu sehen. Sie erinnert sich, wie aufgeregt sie war, als Lady Henderson ihr eine Handtasche als Zeichen ihrer Freundschaft gab. Paulette Lester blieb nur ein Jahr lang am Windmill und ging dann mit verschiedenen anderen Produktionen auf Tournee in Großbritannien und Holland. Sie kehrte zwei Jahre später für einen Besuch bei Van Damm zurück.

Peggy Martin, Windmill-Mädchen, 1944 Peggy Martin kam aus verschiedenen Repertoire-Kompanien Großbritanniens. Während sie am Alhambra-Theater in Bradford arbeitete, begeisterte sie sich für London und schickte ihr Foto ans Windmill. Nach ihrem Vorsprechen schlug Van Damm vor, dass sie sich die Show ansehen sollte, bevor sie sich dafür entschloss. Peggy kam 1944 dazu, blieb bis 1948 und kehrte noch einmal für weitere drei Jahre 1952 zurück. Einige ihrer lebendigsten Erinnerungen an die Zeit am Windmill war das Schlafen in der Garderobe nach einem Luftangriff-Alarm und ein anschließendes Brunch im berühmten Lyons Corner House.

Außerdem erinnert sie sich daran, wie schwierig es war, während der Tableaux still zu stehen, während der benachbarte Regent Palace bombardiert wurde. Keine der Tänzerinnen hatte die Möglichkeit, in der VJ Nacht zu feiern, als Van Damm sicherheitshalber alle im Grosvenor Hotel in Victoria direkt nach der Show einbuchte. Sie erinnert sich daran, dass Lady Henderson sehr bekannt in der Gesellschaft war und an die Nacht, in der sie Königin Wilhelmine von Holland zu der Aufführung brachte. Sie beschreibt Lady Henderson als eine zierliche Frau, die stets unfehlbar gekleidet war und von ihrem Hund Gilpin begleitet wurde.

Jobyna Millhouse, Windmill-Mädchen, 1950 Jobyna Millhouse wurde an der Wessex School of Dancing in Boscombe ausgebildet. Sie wurde als Windmill-Mädchen im Jahr 1950 ausgewählt. Sie war eine energiegeladene Tänzerin, zu deren Performances das Tamburin, Stepptanz und Solonummern gehörten. Einmal verlieh ihr Van Damm einen silbernen Cup, eine Trophäe für die am härtesten arbeitende Tänzerin. Jobyna Millhouse erinnert sich, dass Van Damm ?anfangs sehr beängstigend? war. Er war ein sehr guter Unternehmer, der wusste, wie man schnell die richtigen Tänzer aussuchte. Er war ein sehr gebildeter Mann, der sich um seine Tänzer kümmerte und alle Probleme aus dem Weg schaffte. Als sie 1955 das Theater verließ, gründete sie das Duo ?Ricardo und Jobyna? und trat damit in Ciro?s Nightclub und in anderen modernen Londoner Clubs auf. Moira Murphy, Windmill-Mädchen, 1949 Moira Murphy war gerade einmal 15 Jahre alt, als sie für die Windmill-Mädchen 1949 vorsprach. Van Damm bestand darauf, dass sie zunächst die Show für ihre Zustimmung ansehen sollte. Moira Murphy war eine sehr dünne Can-Can-Tänzerin, Tableaux-Mädchen und Fächertänzerin, die acht Pfund in der Woche verdiente. Sie erinnert sich, wie Van Damm stets geradewegs ohne Warnung in ihre Garderoben spazierte. Man konnte nie seine Schritte hören, aber die Mädchen rochen seine Zigarre.

Moira Murphy hat glückliche Erinnerungen an ihre Zeit, in der sie alle viele Fans und Bewunderer hatten und in der sie regelmäßig im Alter von 15 Jahren im Ritz dinierte. Van Damm flog die Tänzerinnen in ihren Ferien von Gatwick nach Frankreich in seinem Flugzeug namens ?Windmill Girl?. Moira Murphy erinnert sich, wie er darauf bestand, dass die Mädchen ihre eigenen Sandwiches in sein Haus in Amering, Sussex, mitbrachten, für alljährliche Fotoshootings im Badeanzug am frostigen Strand. Diese konnten natürlich nur an einem Sonntag stattfinden, ihrem freien Tag. Moira Murphy verließ die Company 1952, um am Lido in Paris zu arbeiten, und unterrichtete anschließend Modern Dance und Stepptanz in den Vereinigten Staaten.

Angela Osborne, Windmill-Mädchen, 1951 Angela Osborne genoss eine Ausbildung zur Balletttänzerin an der Elmhurst Ballet School, bevor sie ans Windmill-Theater im Jahr 1951 kam. Sie lernte Lady Henderson nie kennen, hat jedoch liebevolle Erinnerungen an Van Damm. ?Er war ein wundervoller Mann mit einem trockenen Sinn für Humor. Er hatte stets ein Zwinkern in seinen Augen und leitete das Unternehmen wie eine Höhere-Mädchen-Schule.? Angela Osborne war zu klein für die Tableaux-Mädchen und konzentrierte sich auf Modern Dance, Ballett und Stepptanz. Van Damm schickte sie in den Unterricht für Flamenco, und sie war regelmäßig bei den Fächertänzen zu sehen. 1959 kam Angela Osborne zur ?Benny Hill Show?. In den letzten 25 Jahren war sie Bild-Mischerin bei den erfolgreichsten BBC-Comedy-Shows. Soho in der 30er Jahren Ein genaues Bild des damaligen Soho war das, was LADY HENDERSON PRÄSENTIERT zum Leben erweckte. In den 1930ern war Soho noch ein angesehenes Familienviertel - ein wenig Nervenkitzel war dabei, für die gute Mischung. Diese Kombination ist laut Sherman etwas, womit sich das heutige Publikum identifizieren kann. ?Auf eine witzige Art und Weise, ist das eigentlich nicht anders als heute.?

Bob Hoskins hat sehr frühe und persönliche Erinnerungen an Windmill und Soho zu der Zeit nach Lady Hendersons Tod, als das Theater noch in Van Damms Besitz war. ?Meine Mutter und mein Vater nahmen mich mit ins Windmill, als ich fünf Jahre alt war, nach dem Krieg. Die Familien kamen mit ihren Kindern, nahmen ein Picknick mit und sahen sich die Shows an. Die Tableaux waren das Schönste, was ich je in meinem Leben gesehen habe. Dann gab es Sketche und Auftritte dazwischen. Das war völlig unschuldig. Soho war eine Art Dorf und das Windmill direkt in dessen Mitte."

Die Dreharbeiten in Soho waren beinahe unmöglich umzusetzen, obwohl einige Szenen außerhalb des Windmill in der Archer Street in Soho gedreht wurden. Das meiste wurde jedoch in den Shepperton Studios gefilmt, wo eine originalgroße Kopie des Windmill gebaut wurde.

Der Krieg Eine weitere Herausforderung für Frears lag in der Kriegsatmosphäre und deren angemessener Präsentation für ein heutiges Publikum. ?In der ersten Nacht des Blitzkriegs wurde London von etwa 800 Schwadronen bombardiert?, sagt Heyman. ?Wir glauben, dass Stephen das Gefühl der höchsten Gefahr bemerkenswert gut eingefangen hat.?

Dench fügt hinzu: ?Ich denke, wir haben die Kriegszeit so echt wir nur irgendwie möglich wiedergegeben. Es fühlt sich jedenfalls ganz fantastisch richtig an. Es wäre schrecklich, den Krieg zu sentimentalisieren, ohne dabei der Realität gerecht zu werden.? Hoskins, der 1942 geboren wurde, erinnert sich nicht an den Krieg ? ?Ich verbrachte die ersten drei Jahres meines Lebens während des Blitzkriegs unter einem Küchentisch?, erzählt er trocken.

Aber Dench erinnert sich. Während des Kriegs wuchs sie als Kind in York auf. ?Ich wusste von dem Windmill, jeder wusste es. Wie sie im Krieg weiter machten, auch wie sie auf die Straße gingen und den Menschen halfen. Viele dieser Mädchen müssen in Schwierigkeiten gewesen sein, und einige von ihnen hatten Kinder, und es ging ihnen schlecht, aber nichtsdestoweniger lagen ein außerordentlicher Mut und Unschuld über dieser Ära.? Heyman glaubt, dass der Kriegshintergrund des Films auch in der von Kämpfen und Auseinandersetzungen nicht freien, heutigen Welt spürbar wird. ?Das ist etwas, das Stephen sehr interessierte, schon bevor er sich für diesen Film entschied. Es war sehr wichtig für ihn.?

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