Dabei sein ist alles

Produktionsnotizen

Schon immer hatten die Produzenten Peter und Bobby Farrelly einen diebischen Spaß daran, auf der wirklich dünnen Linie zwischen Humor und Tabu zu balancieren. Vom fröhlich-frivolen Blick auf unser aller Sehnsucht nach Liebe in THERE?S SOMETHING ABOUT MARY (?Verrückt nach Mary?, 1995) bis hin zu einem Exkurs in Sachen innerer Werte mit SHALLOW HAL (?Schwer verliebt?, 2001) ? noch nie scheuten die Farrelly Brüder vor irgendeinem Thema als Grundlage für ihre Gags zurück, mochte es auch noch so heikel oder unappetitlich sein.

Mit DABEI SEIN IST ALLES wagen sie sich an eine Story, die noch niemals zuvor in einer Komödie erzählt wurde ? die der Special Olympics. Doch aus dieser ?verbotenen Zone? erreicht uns eine Fabel über die Bedeutung von Mut, Integrität und Erfolg, ungeachtet körperlicher oder geistiger Voraussetzungen.

DABEI SEIN IST ALLES erzählt die Geschichte eines Unglücklichen, der in einem verzweifelten Versuch, Geld aufzutreiben, das Undenkbare wagt: um seinem schamlosen Plan durchführen zu können, gibt er vor, geistig behindert zu sein. Doch seine Mitbewerber bei den Special Olympics stellen ihn vor eine weit schwierigere Aufgabe: ein besserer Mensch zu werden.

Diese scheinbar schockierende Geschichte entsprang der Fantasie von Drehbuchautor Ricky Blitt, der sich genau bewusst war, damit ein gefährliches und quasi verbotenes Terrain zu betreten. Und doch erschien ihm das Thema wie eine Chance, eine wahnwitzige Komödie mit einer überraschenden Aussage zu kombinieren.

?Zuerst war es einer dieser Einfälle, die man hat und lustig findet, wo man aber im gleichen Augenblick denkt, ?nein, das kannst du unmöglich machen??, erinnert sich Blitt. ?Dann aber gefiel mir die Idee, mit dem Konzept von ?Normalität? zu spielen und ich begann darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn in Wahrheit die Teilnehmer der Special Olympics am längeren Hebel sitzen und sich über Steve und seinen Komplizen lustig machen würden. So bekam ich die Möglichkeit, eine warmherzige, sehr menschliche Geschichte inmitten dieser krassen Komik zu erzählen.?

Als Blitt seine Idee dem Produzenten John Jacobs vorstellte, erschien dem das ein perfektes Thema für den schrankenlosen, satirischen Geschmack der Farrelly-Brüder zu sein. ?Ich wusste, sie sind die einzigen Typen in diesem Business, die keine Angst vor dem Stoff haben und die dem Ganzen den richtigen Touch verpassen könnten?, erzählt Jacobs. ?Sie hatten schon immer Erfolg damit, Charaktere und Situationen zu erschaffen, die die Zuschauer bewegen, aber auch zum Lachen bringen.?

Am Tag, als er sein Drehbuch den beiden vorstellen sollte, bekam Blitt eine Grippe und wollte den Termin verschieben. Doch angetrieben vom Geist der Special Olympics riss er sich zusammen und zog die Sache durch. Jacobs erinnert sich amüsiert: ?Der Schweiß lief Ricky übers Gesicht, als er die Handlung erzählte? und ich glaube nicht, dass ich Peter Farrelly je in meinem Leben so laut lachen hörte.?

?Natürlich denkt man als bei der Storyline zuerst? das ist ja völlig verrückt??, gibt auch Peter Farrelly zu. ?Aber das Tolle daran ist, dass vorgefasste Meinungen auf den Kopf gestellt werden, wenn sich Steve tatsächlich mit den behinderten Athleten anfreundet. Sie bringen ihm etwas bei ? und das ist doch ein wunderbarer Kniff.?

?Uns gefiel DABEI SEIN IST ALLES, weil der Stoff Herz hat. Wir haben schon immer daran geglaubt, dass sich die Menschen auch bei einer Komödie zuallererst für die Charaktere interessieren. Die Gags tragen einen Film nur über eine gewisse Zeit. Aber schlussendlich müssen die Charaktere Tiefe haben, so dass sich das Publikum mit ihnen identifizieren und mitfühlen kann. DABEI SEIN IST ALLES besitzt eben diese witzigen und trotzdem individuellen Figuren, wie man sie noch nie zuvor in einer Komödie gesehen hat.?

Produzent Bradley Thomas, ein langjähriger Geschäftspartner der Farrelly-Brüder, empfand die emotionale Tiefe des Drehbuchs als angenehme Überraschung. ?Mir gefiel die Art, wie Ricky es geschafft hat, ein Skript voller Witz und Gags zu schreiben, ohne dies auf Kosten der behinderten Sportler zu machen. Im Gegenteil, er zeigt uns ihre enorme Lebensfreude und Vitalität?, bemerkt Thomas. ?Trotzdem tauchte er sie nicht in dieses beseelte Weichzeichner-Licht. Wir haben es bei DABEI SEIN IST ALLES mit einem ehrlichen Porträt toller Menschen zu tun, die bis zum Hals in einer absurden Situation stecken.?

Mit dem fertigen Skript in der Hand entschieden sich die Filmemacher zum einzig praktikablen nächsten Schritt: Sie gingen direkt zu den Veranstaltern der Special Olympics und baten sie um ihren Segen für den Film und um ihre Kooperation. ?Wir fanden es essenziell, die Athleten und die technischen Aspekte der Wettkämpfe so zu zeigen, wie sie wirklich sind?, erklärt Bradley Thomas. ?Die Unterstützung der Veranstalter lag uns wirklich sehr am Herzen.?

Trotzdem hatten die Filmemacher keine Ahnung, wie die Verantwortlichen reagieren würden. Obwohl sie natürlich darauf hofften, dass die Special Olympics in dem Film eine Möglichkeit sehen würden, Stereotypen zu durchbrechen und mit Humor manche Vorurteile zu widerlegen, rechneten sie trotzdem damit, geteert und gefedert zu werden. ?Ich glaubte, sie würden das Drehbuch zu krass finden?, gibt Autor Blitt zu. ?Aber wir schickten das Skript an den Vorsitzenden der Special Olympics, Tim Shriver, der ein echt smarter, cooler Typ ist ? und er verstand die Tonalität und die Botschaft der Handlung genau!?

?Abgesehen von dem Wunsch, die Lebenswirklichkeit unserer Athleten auf dem sportlichen Gebiet zu verbessern?, verdeutlicht Shriver, ?besteht eines unserer Hauptziele darin, die Einstellung nicht-behinderter junger Leute gegenüber geistig Behinderten zu verändern und negative Vorurteile abzubauen. Humor kann ein guter Weg sein, um junge Leute anzusprechen und die Farrellys beherrschen beides meisterhaft.?

Mit den Vertretern der Special Olympics an Bord ging es daran, in enger Zusammenarbeit die Geschichte zu verfeinern und die offene und doch ehrgeizige Art der Spiele mit ihrer oft lebensverändernden Wirkung auf die Sportler darzustellen. Dave Lenox, Vice President Sports and Competition der Special Olympics und zugleich technischer Berater des Films, erklärt: ?Die größte Überraschung für jeden, der zum ersten Mal solch einen Wettbewerb besucht, ist das sportliche Niveau, das hier gezeigt wird. Also achteten wir bei den Dreharbeiten sehr darauf, diesen Aspekt so wahrheitsgetreu und spannend wie möglich darzustellen. Für uns eröffnete sich damit eine Riesenchance, die wahre Geschichte der Special Olympics zu erzählen.?

?Neben dem Spaß, den die Zuschauer hoffentlich bei DABEI SEIN IST ALLES haben werden, hoffen wir darauf, mehr Sportler zur Teilnahme an den Special Olympics zu inspirieren, mehr Zuschauer zu den Veranstaltungen zu locken, aber auch Nichtbehinderten die Scheu vor geistig Behinderten zu nehmen.?

Während der Drehbucharbeit begann auch die Suche nach einem Regisseur, der den komödiantischen und doch ermunternden Ton des Projekts treffen würde. Die Suche führte die Filmemacher zu Larry W. Blaustein, der als Drehbuchautor bereits Hits wie THE NUTTY PROFESSOR (?Der verrückte Professor?, 1996) und COMING TO AMERICA (?Der Prinz aus Zamunda?, 1988) verantwortet hatte. 1999 beeindruckte er mit seinem Regiedebüt, der gefeierten Ringsport-Dokumentation BEYOND THE MAT (?Beyond the Mat?).

?Barrys Herangehensweise an DABEI SEIN IST ALLES deckte sich vollkommen mit unserem Wunsch nach schrägem Humor in Einklang mit einer bewegenden Geschichte?, bemerkt Peter Farrelly. ?Barry verstand genau, was wir erreichen wollten?, freut sich auch Produzent Bradley Thomas. ?Er schaffte die Balance zwischen Comedy und Menschlichkeit, die diesen Film so auszeichnet.?

Blaustein selbst faszinierte das ungewöhnliche und wahrhaft gewagte Drehbuch und er nahm die Herausforderung an. ?Unter dem respektlosen Überbau von DABEI SEIN IST ALLES entdeckte ich etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: eine wirklich bezaubernde Geschichte über Menschen, die unter allen Umständen ihr Bestes geben und die Wahrheit sagen?, verdeutlicht Blaustein. ?Ich stellte es mir als schöne Aufgabe vor, genau diesen Aspekt unterhaltsam zu vermitteln.?

Die Suche nach einem Hauptdarsteller Im Zentrum von DABEI SEIN IST ALLES steht Steve Barker, ein mit entwaffnendem Humor gesegneter Typ, irgendwo zwischen linkischem kleinen Jungen und ernsthaftem Mann. Dieser wagt das Unvorstellbare und will als ?normaler? sprich nicht behinderter Mensch die Special Olympics gewinnen. Für das Gelingen dieses Projekts ? das wussten die Filmemacher ? brauchten sie einen Schauspieler, der in der Lage war, das Sympathische dieser Figur in all ihren Facetten auszudrücken und zu einer witzigen Charakterstudie zu verknüpfen ? von seinen ?zwei linken Händen?, die ihn für Unfälle prädestinieren, bis zu den Lehren, die er aus seiner Entlarvung durch die scheinbar leicht zu hintergehenden Mitbewerber zieht.

Die Filmemacher entschieden sich dafür, gegen den Strom zu schwimmen und Johnny Knoxville zu casten ? zu der Zeit vor allem durch seine wahnwitzigen, krassen Aktionen in der beliebten MTV-Serie ?Jackass? bekannt. Beim Vorsprechen präsentierte Knoxville allerdings eine völlig unbekannte Seite seines Wesens.

?Johnny kam herein und beeindruckte uns sofort?, erinnert sich Blaustein. ?Er zeigte eine sensible Seite, die das Publikum so von ihm noch nicht kennt. Jeder weiß, dass er witzig und verrückt sein kann, aber viele werden von der Entdeckung überrascht sein, was für ein toller ernsthafter Schauspieler er ist. Von Beginn an besaß er eine klare Vorstellung von den immensen Möglichkeiten dieses Projekts ? und so holte er aus seiner Rolle wirklich alles heraus, indem er sowohl den Charme als auch die Absurdität der Hauptfigur herausarbeitete.?

Knoxville gefiel der Mut des Drehbuchs, sämtliche Vorstellungen von Klugheit, Stärke oder Erfolg über den Haufen zu werfen. ?Ich mag es, wie sich im Drehbuch völlig wahnsinnige Sequenzen mit sehr berührenden Momenten abwechseln?, erzählt Knoxville. ?Die Leute haben ja üblicherweise eine vorgefasste Meinung über geistig behinderte Kids und genau diese führt die Geschichte ad absurdum. Außerdem war ich mir angesichts der Beteiligung der Farrellys und Barry Blaustein sicher, dass das Projekt ehrlich und furchtlos angegangen würde.?

Als Knoxvilles Zusage stand, beschäftigten sich die Filmemacher mit der Besetzung des skrupellosen Onkels Gary, für den sie den erfahrenen Emmy-Gewinner Brian Cox auswählten. Genau dieser Gary steckt bis zum Hals in Spielschulden und wettet 100.000 Dollar gegen Jimmys siebten Goldmedaillengewinn in Folge. Weil so viel für ihn auf dem Spiel steht, sitzt Gary Steve im Nacken und zwingt ihn, den miesen Plan zur Manipulation der Special Olympics durchzuziehen.

Cox mochte den puren Wagemut seiner Figur, die am Ende dennoch bekommt, was sie verdient. ?Ich fand den Part von Onkel Gary extrem witzig, weil der Typ echt ganz anders drauf ist und so wahnsinnig politically incorrect ? die Figur unterscheidet sich immens von all dem, was ich in der letzten Zeit gemacht habe und das empfand ich als nette Überraschung,? erzählt Cox. ?Normalerweise strahlen meine Leinwandcharaktere immer etwas Schweres, intellektuell Tiefgründiges aus ? in dieses Schema passt Gary auf keinen Fall!?

?Gary gehört zu den Schlüsselfiguren der Handlung, weil er genau das ausdrückt, was ein Teil der Zuschauer sicherlich im stillen Kämmerlein denkt?, verdeutlicht Barry Blaustein. ?Ich wünschte mir Brian Cox für die Rolle, weil ich ihn aus ADAPTATION (?Adaption?, 2002) kenne und weiß, wie lustig er sein kann. Außerdem fand ich es wichtig, jemanden in dieser Rolle etwas gegen den Strich zu besetzen.?

Auf der anderen Seite des moralischen Dilemmas, in dem Steve steckt, steht Lynn Sheridan. Die freiwillige Helferin bei den Special Olympics ist ebenso mitfühlend wie unwiderstehlich charmant und wird von dem aufstrebenden Jungstar Katherine Heigl verkörpert. Die Filmemacher fanden Heigls federleichte Ausstrahlung und ihren Optimismus umwerfend. ?Wir haben uns viele wesentlich bekanntere Schauspielerinnen angeschaut?, erinnert sich Produzent Bradley Thomas. ?Aber Katie hat durch ihre süße und mitfühlende Ausstrahlung die Rolle quasi aus dem Nichts bekommen. Jeder könnte sich in sie verlieben ? zumal sie eine tolle Komödiantin ist.?

Heigl freundete sich schnell mit dieser besonders freigiebigen Figur an, kann ihre Gefühle für Steve Barker aber auch nachvollziehen ? zumindest, wenn er vorgibt, Jeffy zu sein. ?Mir gefällt an Lynn, dass sie keine vorschnellen Urteile fällt?, erzählt Heigl. ?Sie erkennt an Steve, dass er, sobald er Jeffy spielt, entspannt und überdreht und witzig sein kann, ohne sich davor zu fürchten, ausgelacht zu werden. Er kann sich auf diese Art und Weise ganz anders gehen lassen als andere Menschen.?

Heigl erlebte eine ähnliche Überraschung bei ihrer Arbeit mit Johnny Knoxville. ?Ich hatte ´Jackass´ nie gesehen und war deshalb völlig schockiert, als ich die Show eines Abends im Hotelzimmer sah. Ich erkannte den Menschen, mit dem ich gearbeitet hatte, absolut nicht wieder! Die Leute werden überrascht sein, Johnny kennen zu lernen, wie ich ihn erlebt habe: einen wirklich netten Kerl mit einem großen Herzen, mit dem man einfach gern zusammen ist und Spaß hat.?

Als nächster großer Schritt stand das Casting der Freunde bevor, die Steve im Lager der behinderten Olympioniken findet ? und die ihn nicht einmal nach der Aufdeckung seines unglaublichen Betrugsversuchs fallen lassen, sondern versuchen ihn für den Zehnkampf zu trainieren .Die Filmemacher entschieden sich schließlich für eine gemischte Gruppe aus Charakterdarstellern und geistig behinderten Sportlern, die bereits bei den Special Olympics angetreten waren. ?Wir suchten nach einer Schauspielergruppe, deren Chemie an die unvergessliche Truppe aus ONE FLEW OVER THE CUCKOO?S NEST (?Einer flog über das Kuckucksnest?, 1975) erinnern sollte?, erklärt Peter Farrelly. ?Bei diesem Film hat man auch nicht erkannt, wer nun schauspielert und wer nicht.?

Zum Ensemble gehören Jed Rees als offenherziger Glen, der ?Jeffy? als erster enttarnt, Bill Chott in der Rolle des redseligen Thomas, der zu allem eine Meinung besitzt, Geoffrey Arend als Pessimist Winston, der Steves/Jeffys Amnestie skeptisch gegenüber steht und Leonard Earl Howze in der Rolle des Muskelmanns Mark, der als Sprachrohr der Sportler fungiert.

Die Schauspieler empfanden ihre Rollen als vielseitige Herausforderung. ?Jeder der neuen Freunde von Steve besitzt seine Macken und Eigenarten, aber sie wissen alle, wie sie miteinander umgehen müssen ? und das ist das Interessante daran?, bemerkt Bill Chott. ?Die größte Gefahr bei solchen Parts besteht doch darin, sie nicht zu überzeichnen, sondern authentisch darzustellen. Das Herausfordernde für uns war es, diesen tollen Charakteren gerecht zu werden.?

Zum Ensemble stieß der geistig behinderte Schauspieler Edward Barbanell hinzu. Selbst seit 15 Jahren Teilnehmer bei den internationalen Special Olympics, bewies Barbanell sein Schauspieltalent bereits in mehreren Regionaltheater-Inszenierungen. Der Sportler erwies sich in der Rolle des angriffslustigen Billy, dem selbsternannten Anführer der Gruppe, als Naturtalent.

?Ich habe noch nie zuvor in einem Film mitgespielt?, erzählt Barbanell. ?Gail Williamson vom kalifornischen Pressebüro sprach mit Barry Blaustein über mich und ich fuhr also nach Los Angeles und hatte die Rolle im Handumdrehen. Ich wollte unbedingt bei DABEI SEIN IST ALLES mitmachen, weil es dabei um Teamwork geht und darum geht?s auch bei den Special Olympics.?

?Eddie Barbanell ist ein echtes Genie und er passte perfekt zur Rolle von Billy?, schwärmt Peter Farrelly. ?Er durfte als einziger der behinderten Schauspieler vom Skript abweichen. Normalerweise mag ich es nicht, wenn man sich zu sehr vom Drehbuch entfernt ? außer es ist jemand wie Bill Murray, bei dem man weiß, dass das, was er sagt, witziger als das Geschriebene sein wird. Nicht viele Schauspieler können so was, aber Eddie kann vom Text abweichen und ist dann tatsächlich lustiger als gedacht.?

Mit einem weiteren Filmdebüt glänzt auch Special-Olympics-Teilnehmer und Medaillengewinner Leonard Flowers, der den legendären Superstar Jimmy verkörpert. Flowers, der bereits Wheaties-Frühstücksflockenpackungen zierte, gehört nicht nur zu den erfolgreichen Special-Olympioniken, sondern fungiert auch als Sprecher der Organisation. Der sechsfache Zehnkampf-Goldmedaillengewinner Jimmy fährt auf Ruhm und Glamour ab und entsteigt seiner Limousine mit goldbesetzten Laufschuhen und einem roten Samt-Laufanzug ? Flowers hatte den größten Spaß beim Spielen dieser Figur.

?Jimmy gehört zu den Leuten, die jeder einfach nur schlagen möchte?, erklärt Flowers. ?Er hält sich für den größten Sportler aller Zeiten und glaubt nicht daran, je in einem Wettkampf besiegt zu werden. Er rechnet allerdings nicht damit, dass man mit vereinten Kräften an seiner Niederlage arbeitet.?

?Ich wusste nicht, was mich auf dem Set erwarten würde?, erinnert sich Flowers. ?Ich war noch nie unter so vielen Schauspielern oder an einem Drehort. Aber nachdem ich jetzt weiß, wie alles funktioniert, weiß ich auch, dass mir die Schauspielerei Spaß macht und ich hoffe, bald wieder vor der Kamera arbeiten zu können.?

?Wir hatten immenses Glück, so jemanden wie Leonard Flowers zu finden?, freut sich Blaustein. ?Er spielt in unserem Film eine der wichtigsten Rollen und viele Leute haben sich dafür interessiert. Aber keiner von ihnen konnte den Part so glaubhaft rüberbringen wie Leonard. Er sieht aus und benimmt sich wie ein Superstar ? wie Jimmy eben. Mir gefiel besonders, dass alle Leute, die Leonard zum ersten Mal sahen, sagten, er sähe nicht aus wie jemand, der geistig behindert ist. So jemand stellt sofort jegliche Vorurteile in Frage. Leonard hat die Wahrnehmung der Leute wirklich verändert.?

?Leonard ist ein echter Kerl und hat seinen Part genau auf den Punkt gespielt?, fügt Produzent Thomas hinzu. ?Er ist solch ein toller Sportler, dass wir ihn ständig bremsen mußsten, weil er so viel schneller war als Johnny.? Auch für den behinderten Schauspieler John Taylor, der zuvor schon in Filmen wie THE SEVENTH SIGN (?Das siebte Zeichen?, 1988) gespielt hatte, bedeutete die Rolle des Rudy etwas Besonderes. ?Ich denke, der Film wird beweisen, dass Behinderte zu allem fähig sind?, erklärt Taylor. ?Endlich lernen die Leute die Special Olympics kennen.?

Taylor gehört seit seinem zehnten Lebensjahr zu den Mitgliedern der Special Olympics Vereinigung und genoss insbesondere die Möglichkeit, sein läuferisches Können zu präsentieren. ?Ich laufe ziemlich schnell?, gibt er zu, ?und im Film läuft Steve in seinem ersten Rennen neben Rudy her und der sagt ?Rudy macht dich fertig?. Rudy darf im Film sehr, sehr schnell laufen und das macht mir viel Spaß.?

Eddie Barbanell, John Taylor und Leonard Flowers haben ihre Rollen jeder auf seine eigene, wundervolle Weise gespielt?, erklärt Blaustein. ?Sie sind einfach tolle Schauspieler, die zufällig geistig behindert sind.? Zen Gesner vervollständigt in der Rolle von Lynns umtriebigem Freund David das Ensemble und genoss die Chance, mit den Farellys nach einem so guten Drehbuch zu arbeiten. ?Das Besondere an den Farrellys liegt in ihrer Fähigkeit, die Herzen der Menschen mit den verrücktesten, wildesten Geschichten zu erreichen. Zuerst lacht man über Steve, aber dann regen sich Gefühle und man wird in der Seele berührt.?

Gesner gefiel insbesondere die Möglichkeit, von Johnny Knoxvilles komödiantischen Fähigkeiten zu profitieren. ?Johnny hatte es bei diesem Film echt nicht leicht, aber er gestaltete seinen Part glaubwürdig und gleichzeitig unglaublich komisch. Es machte so viel Spaß, ihn dabei zu beobachten, dass man Mühe hatte, bei den Szenen ernst zu bleiben?, sagt Gesner.

Die Arbeit mit solch verschiedenartigen Nebendarstellern erwies sich auch für Knoxville von unschätzbarem Wert. ?Ich war vor Drehbeginn schon nervös wegen der Aufgabe, einen Charakter zu spielen, der so tut, als wäre er geistig behindert?, gesteht der Schauspieler. ?Mir half es, von solch tollen Leuten umgeben zu sein. Ich habe viel von jedem Einzelnen am Set gelernt.?

Mit dem Fortschreiten der Produktion glichen sich Kunst und Realität immer mehr an, denn sowohl die Special Olympioniken als auch die geistig behinderten Schauspieler inspirierten den Rest des Ensembles durch ihren Arbeitseifer und ihre engen Freundschaften. ?Wir fühlten uns durch sie sehr berührt?, erzählt Bradley Thomas. ?Das Filmen entwickelte sich zu einer sehr befriedigenden und ungewöhnlichen Erfahrung ? ganz anders als das, was man von der Arbeit an einer Komödie erwartet.?

Der Favorit bei den Spielen Die erste Herausforderung bei der Produktion von DABEI SEIN IST ALLES bestand darin, die Aufregung, Spannung und sportliche Atmosphäre der echten Special Olympics authentisch wiederzugeben. Dieser Geist der Spiele überraschte Steve Barker sehr bei seinen Bestrebungen, sich dem Sportbetrieb anzupassen. Vor Produktionsbeginn reisten die Filmemacher in die irische Hauptstadt Dublin, um bei den Special Olympics World Games 2003 zu drehen und die Spiele zu verfolgen. Bradley Thomas kann diese Erfahrungen seither nicht mehr vergessen.

?Der Besuch der World Games gehört zu den bewegendsten Momenten meines gesamten Lebens?, erinnert sich Thomas. ?Im Stadion sahen wir Aufnahmen von der Fackel, die zuvor um die ganze Welt getragen wurde, während man gleichzeitig ihre Ankunft in der Arena ankündigte. 100.000 Leute sprangen jubelnd auf und ein kleiner Junge lief durch das Stadion, umgeben von 500 Polizisten, Feuerwehrleuten und bewaffnetem Servicepersonal. Anschließend betrat er die Bühne, während Bono von U2 ?One Love? sang und plötzlich Nelson Mandela hervortrat. Da stand also dieser kleine Junge und hielt die Hände von Bono und Nelson Mandela hoch. Dieser magische Moment inspirierte uns alle.?

Noch beeindruckt von diesen Erfahrungen suchten die Filmemacher nach einer geeigneten Location für ihren 45-tägigen Dreh. Schlussendlich entschied man sich aufgrund des warmen Klimas, der freundlichen Atmosphäre und der wachsenden dortigen Film-Gemeinde für Austin, Texas.

?Wir versuchen bei allen Produktionen der Farrelly-Brüder eine angenehme Stimmung zu schaffen, wo alle zusammen viel Zeit miteinander verbringen und drei Monate lang ein gewisses Summercamp-Feeling herrscht?, verdeutlicht Produzent Thomas. ?Bei diesem Film war dieser Aspekt umso wichtiger. Deshalb entschieden wir uns für Austin, weil die Schauspieler dort auch mitten im Winter in Shorts und T-Shirts herumlaufen konnten.? Barry Blaustein fügt hinzu: ?Austin ist eine großartige Stadt, weil sie einen großen Freizeitwert hat und gleichzeitig einige der fleißigsten und kreativsten Leute der Branche dort arbeiten. Kameradschaftsgeist wird dort groß geschrieben.?

Um eine Art Special Olympics Trainingscamp zu erschaffen, baten die Filmemacher den gesamten Cast, früh nach Texas zu reisen, um sich besser kennen zu lernen und in die richtige Stimmung zu kommen. ?Diese Zeit hat uns alle umgehauen und unsere Vorstellungen von geistig Behinderten völlig auf den Kopf gestellt?, erinnert sich Regisseur Blaustein. Ich denke, die Schauspieler haben dabei noch etwas Wichtiges entdeckt: es gibt niemals nur eine Sicht der Dinge. Das war eine wunderbare, verbindende Erfahrung und sie hat eine Schlüsselrolle bei der Erschaffung der nötigen Herzenswärme und guten Laune der Geschichte gespielt.?

?Ich habe noch nie zuvor enger mit geistig Behinderten zu tun gehabt, deshalb hat mir diese Zeit vor Drehbeginn in Austin sehr weitergeholfen?, pflichtet Johnny Knoxville bei. ?Wir lernten viel voneinander und hatten bald alle ein sehr enges Verhältnis.?

Am 14. Oktober 2003 begannen die Hauptdreharbeiten und Blaustein konnte die Früchte der Vorbereitungen ebenso sehen wie der Rest des Teams. ?Von Beginn an hat es zwischen Johnny und den ganzen Nebendarstellern einfach gefunkt?, stellt Peter Farrelly fest. ?Ich hatte zuvor befürchtet, die Darsteller würden Grüppchen bilden ? die Hollywoodschauspieler auf der einen, die gehandicapten Darsteller und Sportler auf der anderen Seite ? aber das kam nie vor. Stattdessen haben sie sich so gut gemischt, dass einige der Crewmitglieder zu Beginn nicht wussten, wer nun behindert war und wer nicht.?

Im Film entdeckt Jeffy schnell und zu seiner Empörung, dass er von den meisten seiner Konkurrenten mühelos übertroffen wird? und genau das spielte sich auch zu Beginn der Wettkampf-Aufnahmen ab. Außer Atem und schwitzend stellte Johnny Knoxville fest, dass er unmöglich mit seinen Kollegen mithalten konnte.

?Viele der Special Olympioniken sind wirklich exzellente Athleten?, bemerkt Knoxville. ?Und es war echt peinlich wie untrainiert ich war ? obwohl ich zuvor bewusst über sieben Kilo zugenommen hatte, um mehr wie ein Couch Potatoe zu wirken. Ich fand das zu Beginn eine tolle Ausrede zum Rumsitzen und Essen. Aber als wir die Rennszenen drehten, brannten mir wirklich die Muskeln und ich mußste die anderen bitten, etwas Rücksicht auf mich zu nehmen.?

Zu Beginn der Dreharbeiten versuchte sich Knoxville an einem 100-Meter-Lauf gegen einen der Special Olympioniken ? und verlor mit mehr als 40 Metern Rückstand! ?Ich bin jetzt nicht gerade ein Supersportler, aber ich glaube, keiner am Set hätte diesen Typen schlagen können, so schnell wie er war?, erzählt Knoxville. Nach diesem Erlebnis bat er die Kollegen, etwas langsamer zu laufen, um ihn schneller aussehen zu lassen. ?Wir haben es hier mit echten Spitzensportlern zu tun, die sehr hart trainieren und sehr gut in ihren Disziplinen sind?, betont Special Olympics Vice President Sports and Competition Dave Lenox. ?Das hat Johnny sicherlich schnell gelernt.?

Teamgeist und Partystimmung herrschen an jedem Set der Farrelly-Brüder, aber diesmal ging es noch turbulenter zu als sonst. ?Streiche und Witze waren quasi die Normalität. ?Wir versuchen am Set immer eine entspannte, fröhliche Atmosphäre zu schaffen?, erklärt Peter Farrelly. ?Dieses Set war besonders toll, weil 150 Special Olympioniken als Schauspieler oder Statisten den Spaß ihres Lebens hatten und sie mit ihrer guten Laune alle ansteckten. Jeden Tag kamen die Leute auf dich zu und umarmten dich, sobald du ans Set kamst. Wir bekamen immer mehr das Gefühl, dass es sich für den Film zu kämpfen lohnte. Diese Sportler haben die Sache durchgezogen und für uns quasi jeden Tag Gold geholt.?

Neben Spaß und Spiel sorgten die behinderten Sportler aber auch für Spannung am Set. ?Die Leute kamen sich so nahe, dass es ständig zu irgendwelchen Romanzen, aber auch Trennungen kam und dauernd irgendjemand Ratschläge geben mußste?, erzählt Blaustein. ?Das war der beste Weg, um eine Komödie zu drehen. Für Komödien braucht man eine lockere Atmosphäre, in der sich niemand davor fürchtet, etwas auszuprobieren. Im Endeffekt brauchten wir nur noch diese wunderbare Stimmung einzufangen.?

Sobald die Kameras einmal liefen, machte sich die einzigartige Stimmung unter den Special Olympioniken unter anderem durch den ausgedehnten Jubel nach jedem gelungenen Take bemerkbar und steckte auch Blaustein und das restliche Team an. ?Ich erinnere mich noch an meinen ersten Arbeitstag. Um mich herum waren Massen von Special Olympics Sportlern und Freiwilligen, und nach jedem Take applaudierten und jubelten sie?, erzählt Katherine Heigl. ?Zuerst wusste ich gar nicht, was los war, und warum die Leute klatschten, aber schon bald klatschte ich auch nach jeder erfolgreichen Aufnahme. Ich erkannte, wie wunderbar und selten es ist, bei der Arbeit von so viel Enthusiasmus und Lebensfreude begleitet zu werden.?

?Die Sportler haben ihre besonderen Talente jeden Tag aufs Neue bewiesen?, bemerkt Johnny Knoxville. ?Sie waren immer so positiv, fröhlich und ehrlich, dass sie mit ihrem Verhalten wirklich jeden am Set unheimlich beeinflusst haben.?

Für Peter Farrelly ist dieser besondere emotionale Touch genau das, was er sich zur wahnwitzigen Komik von DABEI SEIN IST ALLES noch wünschte. ?An einem der letzten Drehtage fragte mich einer der Special Olympioniken ?Ist der Film jetzt so, wie du ihn dir gewünscht hast??. Und ich antwortete nur ?Nein, viel besser?. Ich empfinde das Projekt als eine der wenigen Arbeiten, bei der jeder Einzelne so ungemein zum Gelingen beigetragen hat, dass es meine kühnsten Hoffnungen überstieg. Ich hoffe, den Leuten gefällt nicht nur der Witz an DABEI SEIN IST ALLES, sondern sie fühlen sich davon auch inspiriert, bei der nächsten Begegnung mit einem vielleicht seltsam oder anders wirkenden Menschen etwas genauer hinzusehen und sich überraschen zu lassen.?

Die Special Olympics Die Special Olympics sind eine internationale Organisation, die sich für die körperliche Fitness von geistig Behinderten einsetzt und deren Status als produktive und respektierte Gesellschaftsmitglieder durch Sport und Wettkämpfe zu stärken versucht. Die Special Olympics bieten Kindern und Erwachsenen mit geistigen Schwächen das ganze Jahr über kostenlose Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten in 26 olympianahen Sommer- und Wintersportarten.

Die Geschichte der Special Olympics begann im Jahr 1968, als Eunice Kennedy Shriver das internationale Event erstmals auf dem Soldier Field in Chicago, Illinois ausrichtete. Das Konzept war da schon ein paar Jahre alt und geht zurück auf Kennedys Gründung einer Tageseinrichtung für geistig Behinderte auf ihrem Grundstück Anfang der 60er Jahre. Sie sah, dass die Fähigkeiten der geistig Behinderten selbst die Erwartungen der Experten bei weitem überstiegen. Und so haben seit 1968 Millionen von Kindern und Erwachsenen mit Intelligenzminderung an den Special Olympics teilgenommen.

Heutzutage trainieren täglich über zwei Millionen Sportler in mehr als 150 Ländern, treten in über 20.000 Wettbewerben jährlich gegeneinander an und präsentieren der Welt ihr Können. Kinder und Erwachsene mit geistigen Behinderungen, die an den Special Olympics teilnehmen, entwickeln eine erhöhte körperliche Fitness und sportliche Fähigkeiten, ein verbessertes Selbstbewusstsein und ein gestiegenes Selbstwertgefühl. Die mentale, gesellschaftliche und geistige Reife profitiert, so dass die Sportler nicht nur neue Fähigkeiten und Begabungen an sich entdecken, sondern auch zu einer neuen ?Stimme? finden.

Die Special Olympics unterscheiden sich von anderen Olympia-ähnlichen Ereignissen dadurch, dass die Sportler in nach Können, Alter und Geschlecht getrennten Gruppen gegeneinander antreten. Dabei sind die Wettkampfklassen so strukturiert, dass die Athleten ihren Rivalen in ihren Fähigkeiten gleichen. In den jeweiligen Gruppen hat also jeder, nicht nur die Ausnahmetalente, statistisch eine vernünftige Chance auf den Sieg. Auch für die Teamwettbewerbe gelten diese Regeln.

Neben den auf lokaler, Länder- und Staatsebene ausgetragenen Wettkämpfen finden alle zwei Jahre im Wechsel zwischen Sommer- und Winterspielen die Special Olympics World Games statt. Die Wettkämpfe 2003 richtete Dublin aus, 2005 fanden die Spiele im japanischen Nagano statt. 2007 heißt Schanghai die Special Olympics World Games willkommen.

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: 20th Century Fox © 1994 - 2010 Dirk Jasper