Poseidon

Produktionsnotizen

Was würdest du tun, wenn die ganze Welt Kopf stünde? Bei ?Poseidon? (Poseidon) wurde Filmemacher Wolfgang Petersen mit der spannenden und ganz persönlichen Frage konfrontiert: ?Was würdest du tun, wenn die ganze Welt Kopf stünde? Würdest du mutig die Führung übernehmen oder sie anderen überlassen? Würdest du panisch reagieren? Würdest du aufgeben oder weitermachen??

Der berühmte Regisseur von ?Troy? (Troja), ?The Perfect Storm? (Der Sturm) und ?Air Force One? (Air Force One) wurde 1981 mit dem spannenden Kriegsfilm ?Das Boot? international bekannt ? sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor erhielt er Oscar-Nominierungen. Als meisterhafter Erzähler mit viel Gespür für die menschliche Natur sticht er nun auf der ?Poseidon? wieder in See ? nicht nur, um sich auf die Gewalt einer gigantischen Wasserwand einzulassen, die einen Luxusliner zum Kentern bringt, sondern auch auf die mitreißenden menschlichen Schicksale jener wenigen Passagiere, die nach der Katastrophe um ihr Leben kämpfen.

?Ein solches Desaster bringt die wahre Natur der Menschen zum Vorschein ? die üblichen Konventionen greifen dann nicht mehr?, sagt er. ?Wenige Sekunden entscheiden über Leben und Tod. Wenn man miterlebt, wie die Leute reagieren, wie sie sich in Extremsituationen verhalten, wird deutlich, aus welchem Holz sie geschnitzt sind.?

?Die Passagiere sind an Bord der Poseidon gekommen, um einmal richtig zu feiern?, berichtet Petersen über die Vorgeschichte. Er stellt fest, dass diese speziellen Schiffsgäste die Kreuzfahrt nicht unternehmen, um ein Reiseziel zu erreichen, sondern nur, um sich ganz dem wohligen Luxus der Reise selbst hinzugeben. ?Am Silvesterabend ziehen sie sich schick an ? sie wollen Spaß haben.? Als die Uhr Mitternacht schlägt, machen sogar die Besatzungsmitglieder eine kurze Pause, um in den Fluren und Küchen jenseits der Neujahrsparty im großen Ballsaal ein kleines Fest zu improvisieren.

?Plötzlich wird das Schiff von einer Monsterwoge erfasst, und alles steht Kopf. Gegenstände hängen an der Decke und stürzen herab oder rutschen von den Wänden. Gasleitungen zerbersten, Dampf tritt aus, es brennt, Rauch entwickelt sich. Man mußs sich das vorstellen: Das ganze Leben hat sich innerhalb eines Moments völlig verwandelt, das Undenkbare geschieht, die Menschen müssen darauf reagieren. Nichts befindet sich mehr am gewohnten Ort, alle sind völlig orientierungslos. Das ist die Apokalypse.?

Laut Petersen wird die Panik durch die klaustrophobische Atmosphäre noch intensiver: ?Niemand kann der Situation entfliehen. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit aus diesem Gefängnis, niemand kann ihnen helfen, die Zeit wird knapp ? jeder ist auf sich gestellt.? Der gewaltige und geräumige Schiffskörper wirkt plötzlich bedrückend eng, er besteht nur noch aus einzelnen, unverbundenen Luftblasen und verstopften Gängen. ?Am Anfang des Films erleben wir Tausende von Menschen, dann Hunderte, und schließlich sind es nur noch eine Hand voll ? alles zieht sich zusammen, wird intimer, konzentrierter.?

?Die Geschichte spricht unsere Urängste an ? vor Feuer, Ertrinken, Eingesperrtsein, Hilflosigkeit?, sagt ?Poseidon?-Produzent Akiva Goldsman. Aktuell produzierte Goldsman ?Mr. & Mrs. Smith? (Mr. & Mrs. Smith); den Oscar und den Golden Globe gewann er als Autor von ?A Beautiful Mind? (A Beautiful Mind ? Genie und Wahnsinn), 2005 wurde er mit ?Cinderella Man? (Das Comeback) für den British Academy Award nominiert. ?Selbst wenn ich niemals an Bord eines Schiffes gehen würde, bin ich theoretisch vor Katastrophen nicht sicher.? So gesehen handelt es sich laut Produzent Mike Fleiss (?Texas Chainsaw Massacre?, ?Hostel?) um ?einen Monster-Film, aber in diesem Fall besteht das Monster aus Wasser, das die Helden unerbittlich jagt. Wolfgang wollte in der Story so viele echte Schreckenselemente wie nur möglich unterbringen.?

Und was könnte grausiger sein als eine Katastrophe dieser Größenordnung, die mitten auf dem Ozean über das Schiff hereinbricht? Falls überhaupt Hilfe kommt, wird sie erst Stunden später eintreffen. ?Es gibt solche Riesenwellen tatsächlich?, berichtet Petersen, der Wasser immer schon für das ?gefährlichste, dramatischste und unberechenbarste Element? hielt. Er hatte sich bereits vor dem ?Poseidon?-Projekt mit diesem Phänomen beschäftigt.

Früher hielt man solche Monsterwogen für Seemannsgarn, doch diese von Augenzeugen bestätigten Mauern aus Wasser werden seit einigen Jahren von den Satelliten der ESA (European Space Agency) beobachtet und wissenschaftlich ausgewertet. Früher konnte man nur vermuten, aber nicht beweisen, dass sie zahllose Katastrophen auf den Meeren verursacht haben, doch heute, seit Beginn der ernsthaften Forschung in den 90er-Jahren, weiß man, dass sie tatsächlich Kreuzfahrtschiffe und Bohrinseln beschädigen.

Radaraufzeichnungen eines Ölfelds in der Nordsee belegen, dass dort innerhalb der letzten zwölf Jahre 500 Riesenwellen auftraten. Noch gravierender ist die Folgerung der ESA, dass sie in den letzten 20 Jahren für den Untergang vieler Supertanker und Frachter verantwortlich waren, was man normalerweise Stürmen zuschrieb. Bezeichnend ist die 1978 im Atlantik gekenterte, 43.000 BRT große München ? niemand überlebte diese Katastrophe.

Das Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 hatte 1995 mehr Glück und entkam in einem Hurricane knapp der Kollison mit einer etwa 28 Meter hohen Woge. Wissenschaftler führen häufig starke Strömungen als Ursache für Riesenwellen an, wenn sich die natürlichen Wasserbewegungen des Ozeans unheilvoll konzentrieren. Aber es gibt auch Beispiele für Riesenwellen, die sich jenseits starker Strömungen entwickeln und buchstäblich aus dem Nichts auftauchen.

Produzent Duncan Henderson wurde 2004 mit ?Master & Commander: The Far Side of the World? (Master & Commander ? Bis ans Ende der Welt) für den Oscar nominiert. Er arbeitet jetzt nach ?Outbreak? (Outbreak ? Lautlose Killer) und ?Der Sturm? zum dritten Mal mit Petersen zusammen. Er stellt fest, dass die Katastrophe in ?Poseidon? im Unterschied zu Petersens bisherigen Seeabenteuern völlig unvorbereitet über die Opfer hereinbricht.

?Die Männer im U-Boot waren Soldaten, und die Fischer in ,Der Sturm? waren Profis mit Hochseeerfahrung ? sie fuhren natürlich nicht von vornherein sehenden Auges in den Tod, denn sie konnten das Risiko durchaus abschätzen. Doch die Poseidon ist ein Kreuzfahrtschiff mit Touristen an Bord. Dadurch bekommt das Desaster nicht nur eine viel größere Dimension, sondern die Betroffenen sind diesmal auch denkbar schlecht auf die Situation vorbereitet.?

Drehbuchautor Mark Protosevich (?The Cell?) bereitete sich auf seine Aufgabe vor, indem er den Atlantik auf der Queen Mary 2 persönlich überquerte. Er erlebte Passagiere und Besatzungsmitglieder aus aller Herren Länder, aus allen Gesellschaftsschichten und in allen Altersgruppen. Was Petersens These bestätigt, dass ?Katastrophen alle Menschen gleich machen. Es ist völlig egal, ob man alt oder jung, ob man der reichste Mann der Welt ist oder in der Küche arbeitet: Alle sitzen buchstäblich im gleichen Boot.?

?In einer solchen Krise zeigen wir unseren wahren Charakter, sie bringt das Beste und Schlimmste in uns zum Vorschein?, sagt Protosevich. ?Für menschliche Beziehungen ist das eine Zerreißprobe ? entweder wächst man noch enger zusammen, oder man trennt sich. Wenn sich ein geliebter Mensch als Feigling herausstellt, vergisst man das nie, aber wenn er sein Leben riskiert, um andere zu retten, wird man das auch nicht vergessen. Wir alle haben das Zeug zum Helden in uns. Unsere Persönlichkeit wird dadurch definiert, ob wir uns zum Handeln durchringen oder nicht.?

Was die Überlebenden auf der Poseidon durchmachen, welche Entscheidungen sie treffen, stellt für Petersen eine Parabel des Lebens an sich dar: ?Wenn ich jemanden über Wasser halte, rette ich ihn vielleicht ? oder er zieht mich mit in die Tiefe. Wann ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem ich loslasse? In jedem Fall ist das ein entsetzlicher Moment, der das Leben völlig verändert.?

Mit Begeisterung und großem Respekt berufen sich die ?Poseidon?-Filmemacher bei ihrem Projekt auf Ronald Neames Film ?The Poseidon Adventure? (Die Höllenfahrt der Poseidon) von 1972, den Irwin Allen produzierte.

Wolfgang Petersens ?Poseidon? geht vom gleichen Konzept wie jener Genre-Klassiker aus, entwickelt daraus aber eine neue Geschichte. ?Wir übernehmen die Idee, dass ein Luxusliner mit Tausenden von Menschen an Bord in der Silvesternacht von einer Riesenwelle erfasst wird?, erklärt er. ?Aber der Rest beruht auf einem völlig neuen Drehbuch, das sich auf ganz andere, heutige Figuren konzentriert. Aus diesen Figuren ergibt sich unsere Geschichte, aus ihren Einzelschicksalen und ihrem Gruppenzusammenhalt, der auch das Ende ihre Reise bestimmt.?

Die Passagiere ?Es geht hier um euch?, schärfte Petersen seinen Darstellern von Anfang an ein. ?Die Explosionen, die Wassermassen stehen nicht im Mittelpunkt; vielmehr geht es darum, wie ihr mit der Situation fertig werdet, wie ihr euch verhaltet. Ich will erleben, wie ihr ins Schwitzen kommt, eure Angst, das ganze Programm.?

Entsprechend brauchte er Schauspieler, die nicht nur Talent, sondern auch Stehvermögen mitbringen. Sie mußsten nicht nur an Sicherheitsleinen hängend in Abgründe springen und sich von Wassermassen wegspülen lassen, sondern in den letzten Drehwochen auch unter Wasser arbeiten. Zu diesem Zweck machten alle Beteiligten einen einwöchigen Tauchkursus unter Anleitung des für die Unterwasseraufnahmen verantwortlichen Sicherheitsteams.

Josh Lucas spielt den selbstbewussten Profi-Spieler Dylan Johns. Weil er unbedingt seine Unterwasser-Stunts selbst ausführen wollte, übte er auch nach Feierabend zu Hause weiter ? was ihn im Nachhinein richtig amüsiert: ?Ich sagte also zu, dass ich das selbst machen wollte, und übte wie bescheuert nach Feierabend zu Hause weiter, nachdem ich schon den ganzen Tag im Wasser verbracht hatte ? ich zog meine Bahnen im Pool und probierte aus, wie lange ich die Luft anhalten kann?, erinnert er sich.

dass er selbst so enthusiastisch dabei war, führt Lucas vor allem auf Petersens ansteckende Begeisterung zurück: ?Wolfgang ist ein außergewöhnlich charismatischer Mensch ? wahrscheinlich liegt das an der Leidenschaft, mit der er Filme macht und Geschichten erzählt. Das haben wir alle deutlich gespürt. Ob wir wollten oder nicht ? er hat uns einfach mitgerissen.?

Während der Dreharbeiten dachte der Schauspieler oft über Menschen nach, die wirklich in derartige Extremsituationen geraten waren ? ein Gefühl, das auch seine Kollegen teilten, denn im Juni 2005, als die Dreharbeiten begannen, war der Eindruck vom Tsunami im Indischen Ozean Ende 2004 noch sehr frisch. ?Wir haben wohl alle die Verantwortung gefühlt, solchen Erfahrungen gerecht zu werden und möglichst authentisch zu zeigen, was Angst, Schmerzen und schreckliche Enge ausmachen. Einmal tauchte ich aus dem Wasser auf, und über mir waren nur noch ein, zwei Zentimeter Luft zum Atmen ? da bin ich echt panisch geworden. Und ich war so dankbar, dass ich mich auf einem Filmset befand.?

In einer der schwierigsten Szenen bekam es Lucas nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Feuer zu tun: ?Als die Gruppe sich durch die Eingangshalle arbeitet, wird sie von einem Ölfilm getrennt, der auf dem Wasser in Brand geraten ist. Ich springe also ins Wasser und tauche mit einem Feuerwehrschlauch unter dem Feuer hindurch, um eine Verbindung zwischen beiden Seiten zu schaffen. Ich mußste an genau der richtigen Stelle auftauchen, und weil es reichlich heiß war, bekam ich es wirklich mit der Angst zu tun?, gesteht er. ?Im Film gibt es einige richtig heftige Szenen.?

In ?Sweet Home Alabama? (Sweet Home Alabama ? Liebe auf Umwegen) verkörpert Lucas sehr charmant die große Liebe von Reese Witherspoon, und 2001 wurde er mit dem ?A Beautiful Mind?-Ensemble von der Screen Actors Guild (Gewerkschaft der Filmschauspieler) nominiert. Seine ?Poseidon?-Rolle beschreibt er so: ?Dylan ist ein Glücksspieler, wahrscheinlich eine Nummer zu klein für Las Vegas, aber er schafft es, angetrunkene Kreuzfahrtpassagiere auszunehmen. Er ist kein böser Mensch, aber auch nicht gerade ein Held. Er will nur sein eigenes Ding durchziehen ? er kümmert sich nur um sich selbst und will mit anderen nichts zu tun haben.?

Dylan gerät in ein Dilemma, als er dem kleinen Conor von seinem Plan berichtet, allein einen Rettungsweg aus dem gekenterten Schiff zu suchen, während die anderen geduldig auf die Rettungsmannschaften warten. Conor informiert seine Mutter Maggie, und Zeuge ihres Gesprächs wird der frühere Feuerwehrmann und ehemalige New Yorker Bürgermeister Robert Ramsey, der den Ballsaal ebenfalls unbedingt verlassen will, um seine vermisste Tochter zu suchen. Auch Nelson, ein weiterer Passagier, will den Aufstieg wagen. Um den Weg durch die verwinkelten Gänge des Schiffs zu finden, setzen sie auf die Unterstützung des gerade vorbeikommenden Kellners Valentin.

Dylan und Ramsey könnten nicht unterschiedlicher sein. Dylan will von Verantwortung für andere nichts wissen, während Ramsey sein Leben lang wohl oder übel immer die Führung übernommen hat. Die beiden sind bei einem spannenden Poker-Duell an Bord bereits aneinandergeraten ? die gemeinsame Odyssee beginnt für sie also unter den denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Dazu Lucas: ?Ramsey fühlt sich durch Dylans Egoismus beleidigt. Andererseits fordert die Art, wie Ramsey die Führung an sich reißt, Dylans Widerstand heraus.?

Den Robert Ramsey spielt Kurt Russell, der sein Interesse an dem Stoff so definiert: ?Wir lernen diese Leute kennen, ohne aber genau zu wissen, wer sie wirklich sind. Ramsey war einst Feuerwehrmann, der es bis zum Bürgermeister einer Großstadt gebracht hat. Er wurde kürzlich geschieden und ist nicht mehr im Amt ? ironischerweise wollte er auf dieser Kreuzfahrt gerade all dem beruflichen Druck entkommen.? Unter Druck steht er aber auch, weil er sich Sorgen um seine selbstbewusste 19-jährige Tochter Jennifer macht, die Ramsey zusammen mit ihrem Freund Christian begleitet.

Nach dem Kentern des Schiffs will Ramsey vor allem seine Tochter retten. Egal, was er sich früher als Vater, Ehemann oder Amtsperson zuschulden kommen ließ ? jetzt geht es nur noch um Jennifers Sicherheit. Deswegen mußs er es bis auf das Deck über dem Ballsaal schaffen, wo das junge Paar in der Disco ins neue Jahr feiern wollte. Inzwischen ist die Disco nur noch ein rauchender Trümmerhaufen, wo sich Elektrizität und Wasser zu einem tödlichen Cocktail mischen. Hier versucht Jennifer verzweifelt, Christian unter geborstenen Metalltrümmern hervorzuziehen.

Russell beschreibt die pragmatische Sicht der Dinge, die sich Ramsey zu Eigen macht: ?In einem gekenterten Schiff gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man harrt in diesem einen Saal aus, der noch Luft enthält ? in der Hoffnung, dass Rettung kommt, bevor das Schiff ganz untergeht. Oder man nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, um seine eigene Haut zu retten.?

Die meisten Stunts in ?Poseidon? führte Russell persönlich aus ? so wie er es in seiner bemerkenswerten Karriere immer gehalten hat. Schon als Zehnjähriger stand er vor der Kamera. Berühmt wurde er unter anderem mit seiner präzisen Darstellung der Titelrolle in der ABC-Filmbiografie ?Elvis? (Elvis the King, 1979), die ihm eine Emmy-Nominierung einbrachte, und mit der Golden-Globe-Nominierung für ?Silkwood? (Silkwood). Über die Beziehung der zufällig zusammengewürfelten Menschen, die vielleicht über Leben und Tod entscheidet, sagt er: ?Es ist schon seltsam, wenn man bedenkt, dass man die vielleicht entscheidenden Stunden seines gesamten Lebens mit Menschen verbringt, die man kaum mit Namen kennt.?

Die Rolle der Jennifer übernimmt Emmy Rossum, die mit ?The Phantom of the Opera? (Das Phantom der Oper) für den Golden Globe nominiert wurde. Ihren Freund Christian spielt Mike Vogel (?The Texas Chainsaw Massacre?). Jennifer hat sich heimlich mit Christian verlobt und zögert, ihrem Vater davon zu erzählen, weil der extreme Beschützerinstinkte entwickelt, seit er allein für sie sorgt. Sie hat zwar keine Angst vor seiner Ablehnung, denn sie ist eine selbstbewusste junge Frau, die eine solche Auseinandersetzung nicht scheut.

?Vielmehr möchte sie vermeiden, ihrem Vater wehzutun, wenn sie ihn ,verlässt??, erklärt Rossum. ?Sie liebt ihren Vater. Er war immer für sie da, doch jetzt ist sie erwachsen und will ihre ganze Zuneigung dem Mann schenken, in den sie sich verliebt hat. Sie ist zwischen beiden hin- und hergerissen. Wir alle müssen uns mit dem Erwachsenwerden auseinandersetzen, unsere Unabhängigkeit einfordern und lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Der Unfall an Bord beschleunigt nur, was sowieso kommen mußste. In einer solchen Situation zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht. Und Jennifer behauptet sich als smarte, mutige und liebevolle Frau.?

Während des Drehs mußste Rossum mehr Mut und Durchhaltevermögen aufbringen, als sie sich je vorstellen konnte. ?Als ich das Drehbuch las, war natürlich klar, dass wir nicht nur emotional, sondern auch körperlich gefordert werden?, sagt sie. ?Aber so richtig habe ich das erst kapiert, als es losging. Alle haben das so empfunden. Plötzlich sollten wir in sechs Meter Tiefe durch einen engen Korridor schwimmen oder uns ohne Sicherheitsnetz und nur einer Sicherheitsleine über einen drei Stockwerke tiefen Abgrund hangeln. Da mußste ich meinen ganzen Mut zusammennehmen. Aber ich begriff irgendwann, dass die Angst zu 85 Prozent im Kopf stattfindet. Wenn man die erst einmal in den Griff bekommt, wird alles einfacher.?

Ähnlich erging es Mike Vogel in der Rolle von Jennifers heimlichem Verlobten Christian: Er bekämpfte sein Schwindelgefühl auf ungewöhnliche Weise ? nämlich mithilfe von Petersens Leidenschaft für klassische Musik. ?Das war der surrealste Moment der gesamten Dreharbeiten?, erinnert sich Vogel.

?Wir standen etwa 30 Meter hoch auf einer Art Balkon über den Trümmern der auf dem Kopf stehenden Eingangshalle ? von allen Seiten spritzte das Wasser, zischte Dampf, flogen die Funken. Uns allen rutschte das Herz in die Hose. Plötzlich verblüffte Wolfgang uns, indem er mit voller Lautstärke eine klassische Symphonie abspielte. Als wir merkten, was los war, fingen wir an zu lachen ? das lockerte die Anspannung. Dennoch war das reichlich abgedreht. Die Kameras, wir alle passten uns dem Rhythmus der Musik an, und Wolfgang schwang den Taktstock.?

Von Anfang an will Christian die Wahrheit über seine Beziehung zu Jennifer hinausposaunen. Der junge Mann hat durchaus ehrenwerte Absichten und ist überzeugt, dass Ramsey ihn kaum respektieren wird, wenn er ihm nicht sofort reinen Wein einschenkt. ?Im Laufe der Geschichte will Christian seinem zukünftigen Schwiegervater immer wieder beweisen, was in ihm steckt?, sagt Vogel. ?Er weiß genau, dass Ramsey die beiden noch für Kinder hält. Nach der Katastrophe denken alle anderen nur an sich, aber Christian will Ramsey auch weiterhin zeigen, dass er Jennifer verdient hat.?

Christian weiß, was Ramsey in seinem Leben geleistet hat, welchen Ruf er genießt. Dazu Vogel: ?Christian merkt natürlich, welche großen Ansprüche Ramsey an einen potenziellen Schwiegersohn hat. Deswegen will er Ramsey überzeugen, dass er der Richtige für Jennifer ist und sie durchaus beschützen kann. Beim Aufstieg durchs Schiff bekommt er dazu reichlich Gelegenheit.?

Jennifer und Christian sind bis über beide Ohren verliebt und wollen möglichst bald ihr gemeinsames Leben beginnen. Deswegen vertrauen sie sich der kleinen Gruppe an, denn sie wissen genau, dass ihr Leben vielleicht nur noch wenige Stunden dauert.

In der Silvesternacht steht Nelson allein an der Schiffsreling und will über Bord springen. Erst der Anblick der heranrollenden Riesenwelle reißt ihn aus seiner Depression: Er rennt zurück in den Ballsaal und erlebt dort den Tumult, als sich der Raum um 180 Grad dreht und alles Kopf steht. ?Es gelingt ihm, den anderen Überlebenden Mut zu machen, und er verliert dabei nicht einmal seinen Humor?, sagt Dreyfuss, wobei er feststellt, dass Nelsons neu erwachter Lebenswille bei dem folgenden Aufstieg mehr als einmal harten Prüfungen standhalten mußs. ?Er wird unterwegs verletzt, gibt aber niemals auf.?

Dreyfuss kann auf eine Karriere mit vielen beeindruckenden Rollen und Preisen zurückblicken, unter anderem gewann er den Oscar, den British Academy Award (BAFTA) und den Golden Globe für ?The Goodbye Girl? (Der Untermieter). Auch privat hielt er seine Kollegen und das Filmteam ständig mit witzigen Sprüchen bei Laune. Jovial erzählte er Reportern, dass er an Bord der Poseidon gekommen sei, um ?ständig auszurutschen, hinzufallen, zu ertrinken und zu kreischen?. Außerdem machte er sich über seine berühmte Rolle in ?Jaws? (Der weiße Hai) lustig, indem er behauptete, Petersen hätte ihn wegen seiner ?darstellerischen Leistungen unter Wasser? engagiert.

?Heutzutage kann das Kino jeden unserer Träume sichtbar machen?, sagt Dreyfuss, der ebenfalls vor Drehstart auf der Queen Mary 2 reiste, um ein Gefühl für die Atmosphäre und die Dimensionen eines solchen Schiffs zu bekommen. ?Der Film entstand in fünf Studiohallen, die alle chaotische Zustände illustrieren. Es ist heute möglich, einen ganzen Football-Platz umzukippen. Man kann diese Geschichte absolut realistisch erzählen. Die Filmtechnik ist inzwischen derart verfeinert, dass man nur noch einen begabten Filmemacher braucht, der die Geschichte so gestaltet, dass wir sie direkt miterleben.?

Dreyfuss weiß genau, wie mitreißend die Storys sind, in denen es ums nackte Überleben geht: ?Das funktioniert nach dem Prinzip der ,Zehn kleinen Negerlein? ? da waren?s nur noch neun, dann acht und so weiter. Wir fiebern mit den Helden und wollen wissen, wer es schafft und wer nicht. Das entspricht der menschlichen Natur ? im Kino ist das eine berühmte Tradition.?

Die Witwe und Mutter Maggie James wird von der Australierin Jacinda Barrett gespielt, die in den USA bereits in ?The Human Stain? (Der menschliche Makel) und ?Ladder 49? (Im Feuer) zu sehen war. Ihren altklugen neunjährigen Sohn stellt der beim Dreh tatsächlich neunjährige Jimmy Bennett dar, der bereits eine umfangreiche Filmografie vorweisen kann und kürzlich Harrison Fords entführten Sohn in ?Firewall? (Firewall) gespielt hat.

?Maggie bemüht sich sehr um ihr Kind, sie versucht ihm ein normales Leben zu ermöglichen, obwohl sein Vater starb, als Conor noch ganz klein war?, berichtet Barrett über ihre Rolle als allein erziehende Mutter, die deswegen viele Überstunden macht ? die Kreuzfahrt ist eine große Ausnahme und als Geschenk für den Jungen gedacht. Maggie ist zwar stolz darauf, dass er schon so selbstständig ist, weiß aber auch, dass er eigentlich zu schnell erwachsen wird.

?Als die Tragödie über sie hereinbricht, versucht Conor seine Mutter zu beschützen und sie auf seine ganz eigene Art zu beruhigen ? als ob er gar keine Eltern bräuchte?, sagt Barrett. ?Aber langsam verlagern sich die Gewichte, und während Maggie ihre Kraft wiederfindet, reduziert Conor allmählich sein bewusst frühreifes Verhalten, bis er am Ende einfach nur der kleine Junge ist, der seine Mutter braucht.?

Bei ?Poseidon? arbeitete Barrett erstmals auf einer kardanisch aufgehängten Kamerabühne ? sie fand die Action ?berauschend?. Über die Menge der gleichzeitig eingesetzten Kameras sagt sie: ?Ich bin noch nie von fünf Kameras gleichzeitig gefilmt worden. Ständig mußs man darauf achten, für jede Kamera perfekt im Bild zu stehen ? was uns als Schauspieler viel konzentrierter arbeiten lässt, weil man nie genau weiß, was die Kameras alles mitbekommen.?

Die Lieblingsszene des kleinen Jimmy Bennett war sein Sprung von dem Konzertflügel, der am Fußboden (jetzt Decke) des zertrümmerten Ballsaals festgeschraubt ist. Er bezeichnet ?Conor als ziemlich mutig. Er ist sich dessen durchaus bewusst, und das macht ihm Spaß. Als er im Schiff aufwärts klettert, ist er immer zu allem bereit, und ständig fragt er: ,Alles in Ordnung, Mom??, denn er möchte nicht, dass sie sich Sorgen um ihn macht.?

Bennett wollte seine Stunts unbedingt selbst ausführen, und er ist dazu auch durchaus in der Lage. Entsprechend gesteht er, dass ?ich sauer war, wenn ich manche Sachen nicht machen durfte?. Aber er durfte viele Schwimmszenen selbst drehen. ?Ich kann die Luft sehr lange anhalten?, sagt er. ?Ich kann zwei Bahnen schwimmen, ohne Atem zu holen.?

Weil Maggie nur für ihren Sohn lebt und aufgrund ihrer Arbeit kein Privatleben mehr kennt, wird sie laut Barrett ?völlig überrumpelt, als sie auf der Silvesterparty Dylan kennen lernt?. Denn die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. ?Aber sie war überhaupt nicht darauf aus und hat solche Gefühle seit langem verdrängt. Ihr gefällt besonders, wie gut Dylan sich mit Conor versteht.? Vor allem deswegen entscheidet sie sich, das Risiko einzugehen und Dylan aus dem Ballsaal hinaus zu folgen. Aber Maggie ist vorsichtig ? sie nimmt diesen Mann genau unter die Lupe, bevor sie ihm Vertrauen schenkt.

Die Argentinierin Mia Maestro kennen die Zuschauer als Nadia Santos aus der beliebten Serie ?Alias? (Alias). In ?Poseidon? spielt sie die schüchterne, aber beherzte und tief gläubige Elena, die sich als blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Sie will ihren Bruder im New Yorker Krankenhaus besuchen, konnte aber das Geld für die Überfahrt nicht auftreiben. Deswegen ließ sie sich von ihrem Freund Valentin (Freddy Rodriguez), der auf der Poseidon als Kellner arbeitet, an Bord schmuggeln. Im gekenterten Schiff gehört sie zu den wenigen Überlebenden in der Disco. Sie hilft der verzweifelten Jennifer bei ihrem Versuch, Christian unter den schweren Trümmern hervorzuziehen. Als Ramsey mit den anderen in der Disco auftaucht, schließt sich Elena der Gruppe an, die im Innern des Schiffs nach oben klettert.

Die einsame Elena freundet sich bald mit Nelson an, der ihr in den schlimmsten Momenten ihres Trips beisteht. Denn als sie sich durch einen dunklen und engen Durchgang zwängen müssen, reagiert die klaustrophobische Elena panisch ? sie glaubt nicht mehr weiter zu können. ?Der Film geht wirklich an die Nieren?, stellt Maestro fest. ?Denn wir erleben mit, was diese Menschen in der lebensgefährlichen Situation durchmachen. In solchen Zeiten mobilisieren die Leute Kräfte in sich, die sie sich selbst nie zugetraut hätten. Diese physischen und psychischen Grenzsituationen sind äußerst interessant.?

Maestro bringt bereits Taucherfahrung mit und hatte auch schon Unterwasseraufnahmen gedreht. Sie fand die Szenen an den Sicherheitsleinen viel komplizierter. ?Das erste Mal ist immer das schwierigste?, gibt sie zu. ?Vom Verstand her weiß ich zwar, dass ich das überleben werde, und wir wurden ja auch von hervorragenden Stunt-Experten unterstützt, aber dennoch wird einem leicht schwindelig, wenn man in die Tiefe schaut. Letztlich mußs man sich einfach überwinden.? Genau wie Vogel fand sie Petersens improvisierte klassische Konzerte inspirierend und beruhigend.

Kapitän Bradford gehört zu den Überlebenden, die im Ballsaal unter der Wasserlinie ausharren. Diese Rolle übernimmt der Bühnen- und Filmstar Andre Braugher. Derzeit spielt er in der neuen Serie ?Thief? des Senders FX die Hauptrolle. Den Emmy gewann er als Detective Pembleton in der Serie ?Homicide: Life on the Street? (Homicide), weitere Nominierungen erhielt er für ?Gideon?s Crossing? und die gefeierte HBO-Miniserie ?The Tuskegee Airmen? (Die Ehre zu fliegen). Der Kapitän trifft diese Entscheidung, weil es seine Pflicht ist, aber Braugher sieht ihn sowieso als einen Mann, der zurückbleiben und den Eingesperrten und Verletzten Beistand leisten würde, selbst wenn er die Möglichkeit zur Flucht hätte.

Braugher zeigt sich besonders beeindruckt von ?dem Opfer, das Bradford bringt ? er fühlt mit seinen Passagieren, er liebt sein Schiff. Selbst im totalen Chaos im Ballsaal bleibt er gefasst und formuliert die heldenhafte Notlüge, um die Menschen zu beruhigen. Er ist ein aufrechter Mann. Egal, wie hoffnungslos die Umstände sein mögen ? er bleibt unerschütterlich.?

Bei der Vorbereitung auf die Rolle eignete sich Braugher eine Menge technischer Einzelheiten an, er lernte, wie sich ein Schiff vorwärts bewegt, wie es navigiert wird, welche Sicherheitseinrichtungen es gibt: ?Interessanterweise existiert kein Notfallplan für den Fall, dass ein Schiff kentert, weil das einfach nicht vorgesehen ist. Es gibt nur die Anweisung, die Schotten zu schließen und die Decks zu versiegeln, um das Sinken zu verhindern.?

Die Fragen, die ?Poseidon? bezüglich des menschlichen Verhaltens in einer solchen Situation aufwirft, kommentiert Braugher so: ?Niemand kann genau sagen, wie er sich verhalten wird, bis es tatsächlich passiert. Bin ich verletzt oder nicht? Ist meine Familie bei mir? Ich würde meine Familie nie im Stich lassen ? wenn wir also verletzt wären, würden wir nie fliehen. Wenn wir schon ein nasses Grab finden, dann auf jeden Fall gemeinsam.?

Freddy Rodriguez ist mit seinen Auftritten in der HBO-Serie ?Six Feet Under? (Six Feet Under ? Gestorben wird immer) schon zweimal mit dem Preis der Schauspielergewerkschaft SAG ausgezeichnet worden ? hinzu kommen drei weitere SAG-Nominierungen und eine Emmy-Nominierung. Seine Darstellung des fähigen Kellners Valentin wird von Pragmatismus und Mitgefühl geprägt. Weil er sich in den Eingeweiden des Schiffs auskennt, macht Ramsey ihm einen Vorschlag.

?Ramsey bietet ihm den doppelten Jahreslohn, wenn er der Gruppe hilft?, sagt Rodriguez, der aber betont, dass Valentin nicht nur durch das Geld motiviert wird. ?Wahrscheinlich hätte er ihnen sowieso geholfen, denn das entspricht seiner Natur ? ganz zu schweigen davon, dass natürlich auch er aus dem Schiff herauswill. Er ist ein kluger Kopf, und er will unbedingt überleben.?

In dieser Rolle mußste Rodriguez physische Strapazen auf sich nehmen, wie er sie noch nie vor der Kamera absolvieren mußste. Ein atemberaubender Stunt verlangte zum Beispiel, dass er fünf Meter hoch über einem Fahrstuhlschacht baumelt und sich dabei nur an Nelsons Bein klammert. Augenzwinkernd gesteht er, dass der komplizierteste Aspekt dieser Szene darin bestand, ?sich an das Sicherheitskorsett zu gewöhnen ? das ist nämlich praktisch eine Zwangsjacke ohne die Ärmel.?

Was die Urangst vor Seekatastrophen angeht, meint Rodriguez: ?Ich habe noch nie eine Kreuzfahrt gemacht, würde das aber sehr gern tun. Letztlich ist das doch wie mit dem weißen Hai: Wer verzichtet schon aufs Baden, nachdem er ,Der weiße Hai? gesehen hat? Man ändert sich eben nicht. Ja klar, ich würde am liebsten gleich morgen auf Kreuzfahrt gehen.? Der vielseitige Kevin Dillon wurde durch seine dramatischen Rollen in Oliver Stones ?Platoon? (Platoon) und ?The Doors? (The Doors) bekannt. Derzeit begeistert er sein Publikum in einer komischen Rolle in der HBO-Serie ?Entourage?. In ?Poseidon? spielt er das Ekelpaket Lucky Larry, der ebenfalls das Kentern des Schiffs überlebt.

?Larry ist laut, aufdringlich und reichlich nervig ? offenbar hat er schon einige Drinks zu viel gekippt und macht munter weiter?, sagt Dillon, der zugibt, dass es schwierig war, Larry auch ein paar sympathische Seiten abzugewinnen. ?Eigentlich ist er gar kein so übler Bursche ? er ist einfach nur total abgefüllt. Anfangs spielt er Poker, wobei er allen auf die Nerven geht, aber nach dem traumatischen Kentern des Schiffs erscheint er nur noch als ekeliger Suffkopf. Es bringt Spaß, solche Typen zu spielen.?

Die Star-Entertainerin des Schiffs ist Gloria, dargestellt von Stacy Ferguson. Musikfans kennen sie als Fergie von den BLACK EYED PEAS. Die vielseitig begabte Sängerin und Komponistin begann ihre Karriere schon als Kind im Schauspielfach, als Model und Synchronsprecherin. Zweimal wurde sie für ihre Auftritte im Ensemble der Serie ?Kids Incorporated? auf dem Disney Channel für den Young Actors Award nominiert. Sie gewann diesen Preis 1987 und trat daraufhin in etlichen Spielfilmen auf, zum Beispiel in der Horrorparodie ?Monster in the Closet? (Überfall im Wandschrank) und 2005 in der Komödie ?Be Cool? (Be Cool).

Neben dem Volkslied ?Auld Lang Syne? singt Ferguson in ?Poseidon? auch zwei neue Lieder. Die Ballade ?Won?t Let You Fall? schrieb sie zusammen mit will.i.am, Keith Harris, Byron McWilliams und Ron Fair: ein ?schöner, dramatischer Song, der sich auf ein Motiv des Films bezieht?, erklärt sie. ?Es geht um bedingungslose Liebe und Unterstützung ? egal, was passiert, also das, was viele Überlebende des Unglücks durchmachen.? Außerdem arbeitete sie mit will.i.am und Printz Board an der lateinamerikanischen Tanznummer ?Bailamos?, was auf Spanisch ?Tanzen wir? bedeutet. Damit eröffnet sie im Film die Silvesterparty, um ?die Leute auf die Tanzfläche zu holen?.

Neueste Technik und Effekte in Verbindung mit traditionellen Drehmethoden und Filmbauten ?Die Dreharbeiten auf einem echten Schiff gestalten sich komplizierter, als man sich gemeinhin vorstellen würde?, sagt Produzent Duncan Henderson. Beim frühzeitigen Abwägen der Optionen wurde schnell klar, dass kein real existierendes Schiff all das leisten kann, was ?Wolfgang sich an neuestem und opulentestem Luxus ausmalte?. Das wurde durch die Konzeptzeichnungen des Produktionsdesigners William Sandell deutlich, die dem Regisseur laut Henderson viel besser gefielen als alle Alternativen. ?Wolfgang beschloss, sich durch absolut nichts einschränken zu lassen.?

Sowohl der Ozean als auch alle Außenaufnahmen und die Gesamtansichten des Schiffs wurden im Computer kreiert. Daher mußsten die Filmemacher in Bezug auf die Dimensionen keinerlei Kompromisse machen, als die 50 Meter hohe Wasserwand über den 20 Stockwerke hohen, 335 Meter langen Luxusliner mit 4000 Menschen an Bord hereinbrach. Die im Computertrickbereich führende Firma ILM, die bereits innovative Wasser-Effekte zu Petersens ?Der Sturm? beigesteuert hatte, legte die Messlatte wieder ein Stück höher und entwickelte neue Bildgestaltungstechniken für die lebensechte Darstellung der Woge und des Schiffs.

Gleichzeitig entstanden in den Studiohallen der Warner Bros. Studios umfangreiche Außenbauten in traditioneller Bauweise, um einen Hintergrund für die real gefilmten Effekte zu schaffen. Die meisten Sets wurden zweimal gebaut ? in der normalen Version und dann auf dem Kopf stehend: Zunächst wird damit das prunkvolle Schiff vorgestellt, nach der Katastrophe dann die Trümmerlandschaft, die übrigbleibt ? alles auf beweglichen Bühnen, mit denen man die Handlung auf und ab oder nach links und rechts ins Schlingern geraten ließ.

Durch die Kombination von real gebauten Sets und Computerbildern schuf Petersen ein derart grandioses Ambiente, wie man es in der Wirklichkeit nicht findet, das aber dennoch extrem realistisch gestaltet wird: ein ultramodernes, zeitlos elegantes Schiff ? vom schicken Äußeren bis zum kleinsten Detail der Ausstattung und Atmosphäre wie dem handgefertigten Buchstaben ?P? auf den Knöpfen der Personaluniformen.

Das Schiff selbst übernimmt in der Story eine Hauptrolle ? ständig bewegt es sich, schlingert, ächzt in tief metallischen Tönen, als die Spanten nachgeben und das volllaufende Schiff durch sein steigendes Gewicht langsam in die Tiefe gezogen wird. ?Wir alle haben körperlich gespürt, wie dieses riesige Schiff stirbt ? und genauso hatte Wolfgang es geplant?, erzählt Josh Lucas. ?Wir kamen uns wie in einem gigantischen, tödlich verwundeten Lebewesen vor. Zunächst verliert es sein Herz, dann versagen auch die anderen lebenswichtigen Organe. Unterdessen versuchen wir uns durchzuschlagen, während alles um uns herum implodiert, in Flammen aufgeht und versinkt.?

Petersen engagierte für das Projekt eine ganze Reihe bedeutender Experten, mit denen er vorher schon gearbeitet hatte, allen voran den berühmten Kameramann John Seale, der mit ?The English Patient? (Der englische Patient) den Oscar und den BAFTA gewonnen und drei weitere Oscar-Nominierungen erhalten hat.

Hinzu kommen Cutter Peter Honess, der mit ?L.A. Confidential? (L.A. Confidential) Nominierungen für den BAFTA und den Oscar bekam; Kostümbildnerin Erica Edell Phillips, die mit ihren Entwürfen zu ?Total Recall? (Die totale Erinnerung) den Saturn Award gewann; der für die Special Effects verantwortliche John Frazier, der 2005 mit ?Spider-Man 2? (Spider-Man 2) den Oscar gewann und schon fünf weitere Male für den Oscar nominiert war ? mit ?Der Sturm? wurde er mit dem BAFTA und mit einer Oscar-Nominierung gewürdigt; und Produktionsdesigner William Sandell, der mit ?Der Sturm? von der Art Directors Guild (Gewerkschaft der Ausstatter) nominiert wurde und 2004 mit ?Master & Commander? den BAFTA und eine Oscar-Nominierung erhielt.

Der für die visuellen Effekte zuständige Boyd Shermis (BAFTA-Nominierung für ?Speed?) überwachte die Fertigung von über 600 Effekt-Einstellungen. ?Was den Aufwand angeht, handelt es sich um einen der kompliziertesten Effekte-Filme, die je gedreht wurden?, sagt er und nennt als Beispiel für den technischen Aufwand die erste Einstellung in ?Poseidon?.

?Es beginnt unter Wasser, dann erhebt sich die Kamera über die Wasseroberfläche und zeigt das Schiff, kreist um den Bug und an der Außenwand entlang und verfolgt dann einen Mann, der über das Deck joggt?, berichtet Shermis. ?Die Kamera fährt auf den Mann zu und beschreibt einen Halbkreis um ihn herum. Wir folgen der Person eine Treppe hoch, fahren dann zurück, um die ganze Schönheit und Pracht des Schiffs zu zeigen, die oberen Decks, Badegäste am Pool, fahren dann an den Schornsteinen hoch und zeigen schließlich den wunderbaren Sonnenuntergang über dem Ozean.?

?Die Einstellung dauert zweieinhalb Minuten?, sagt Petersen über diese beeindruckende Sequenz. ?In der ganzen Szene gibt es nur ein reales Element: den Jogger Josh Lucas?, der am Sepulveda-Damm im kalifornischen San Fernando Valley vor einer Greenscreen gefilmt und dann in das virtuelle Bild eingepasst wurde. Bei dem Damm handelt es sich um einen von nur zwei Drehorten außerhalb des Studios. ?Das ist die kühnste, verrückteste Sequenz in der gesamten Geschichte des Computertricks ? aber sie wirkt absolut fotorealistisch. Ich glaube nicht, dass die Zuschauer denken: ,Was für einer toller Computereffekt!? Stattdessen werden sie sich fragen: ,Was für ein tolles Schiff ? wo haben sie das bloß aufgetrieben???

Im Hinblick auf die ständig weiter entwickelte Computertechnik fügt er hinzu: ?Im Vergleich zu vor fünf Jahren können wir unglaublich viel mehr gestalten, vor allem die natürliche Bewegung des fließenden Wassers?, das traditionell das größte Problem bei der Nachahmung natürlicher Bilder darstellt.

ILM wurde bei der Forschung und Entwicklung von der Computerabteilung der Stanford University unterstützt. Der für die Spezialeffekte verantwortliche Kim Libreri leitete ein Team von 100 Fachleuten: Software-Entwickler, Ingenieure und Künstler, die ein Jahr brauchten, um die neue Software für ?Poseidon? zu schaffen. Die neue Technik wird als ?computational fluid dynamics? bezeichnet ? sie simuliert, wie sich das Wasser verhält, wenn es auf Objekte trifft. Das System ist derart fortgeschritten, dass man gleichzeitig auch neue Hardware entwickeln mußste, um es überhaupt anwenden zu können. Dazu Libreri: ?Die herkömmlichen Maschinen waren einfach zu langsam.?

Was bedeutet das für die Leinwandbilder? ?Wir sehen tatsächlich, wie die Welle auf das Schiff reagiert ? so etwas war bisher mit Computerbildern nicht möglich?, sagt er.

?Es geht nicht nur darum, eine 50 Meter hohe Welle mit charakteristischer Neigung aufbranden zu lassen, sondern wir zeigen detailliert die explosiven Auswirkungen, als die Woge das Schiff erfasst, sich über die Decks ergießt, Teil der Aufbauten wegreißt und den Rumpf zum Kentern bringt. Erstmals können wir simulieren, wie Wasserpartikel auf Objekte prallen, sie überspülen, auf die Gischt treffen und auf ganz natürliche Art zusammenfließen ? wobei wir uns in jeder Phase an Wolfgangs ästhetische Vorgaben halten. Er und Boyd Shermis verlangen bei allen Einstellungen einen absolut realistischen Eindruck, der sich an den physikalischen Gesetzen orientiert, statt sie zu ignorieren. Es spielte dabei keine Rolle, wie schwierig die Umsetzung sein würde.?

Weitere Neuerungen beziehen sich auf die Lichtreflexionen. Dazu Libreri: ?Man mußs dem Computer erst beibringen, dass, wenn eine Lichtquelle auf ein Objekt trifft, ein Teil des Lichts reflektiert wird und auf ein anderes Objekt trifft und so weiter.? In ?Poseidon? stellte man sich die Aufgabe, das Sonnen- und Mondlicht auf dem Wasser sowie die nächtliche Eigenbeleuchtung des Schiffs zu simulieren, was die Kombination unzähliger Details erfordert, zum Beipiel ?wie sich das Licht auf dem Wasser oder der Gischt verteilt und wie sich Wasserblasen bilden.?

Die Computerexperten stimmten sich in jeder Phase mit dem für die real gefilmten Effekte zuständigen Team ab. Dabei arbeitete Shermis erneut mit dem für die Spezialeffekte verantwortlichen John Frazier zusammen ? beide zusammen erhielten 1994 eine BAFTA-Nominierung für ?Speed?. Frazier spricht in diesem Zusammenhang von ?Elementen? wie etwa einem virtuellen Set, in das zum Beispiel ein real gedrehter Stunt eingefügt wird, oder die visuellen Effekte, mit deren Hilfe man die Länge eines real gebauten Korridors verdoppelt.

In einer Schlüsselszene wird einer der Überlebenden von einem herabstürzenden Maschinenteil getroffen, während er eine improvisierte Brücke überquert. Fraziers Crew demonstrierte dem Schauspieler, wie die Konstruktion unter ihm nachgibt. ?Wir ließen den stählernen Unterbau federn, als ob er von einer schweren Last getroffen wird. Und das Computerteam schuf dann als visuellen Effekt die massive Klimaanlage, die von oben darauffällt.?

Produzent Henderson kommentiert: ?So erstaunlich die Möglichkeiten des Computers auch sind ? wir setzen ihn immer nur in Verbindung mit möglichst umfassenden Realaufnahmen ein, die auf echten Sets und mit realen Stunts gedreht wurden. Denn wir wollen den Zuschauern das Gefühl vermitteln, dass es sich um reale Räume mit echten Wänden und echtem Wasser handelt. Wenn sich das nur irgendwie real drehen ließ, dann haben wir das auch getan.?

Stahl, Beton und reichlich Wasser Mit Ausnahme der Eröffnungssequenz, die am Sepulveda-Damm gedreht wurde, der (zunächst noch aufrechten) Disco des Schiffs, die man im Staples Center von Los Angeles filmte, und der Küche der Warner-Bros.-Kantine, die die Kombüse der Poseidon doubelte, wurden alle Sets des Films in fünf Studiohallen gebaut, darunter auch in der berühmten Halle 16, wo Petersen vor fünf Jahren ein ganz anderes Schiff in Szene gesetzt hat.

In dieser Halle entstanden bereits Klassiker wie ?The Old Man and the Sea? (Der alte Mann und das Meer) und ?P.T. 109? (Patrouillenboot PT 109). Für ?Der Sturm? vertiefte man damals das Wasserbecken in Halle 16 auf 6,70 Meter. Mit seinen Abmessungen von 29 x 30,50 x 6,70 Metern handelt es sich um das größte Becken in einer Studiohalle ? es fasst 5,9 Millionen Liter Wasser. In Halle 16 wurde nun der aufwändigste Set der Poseidon installiert: der auf dem Kopf stehende Ballsaal, in den sich schließlich 400.000 Liter Wasser ergießen. In der benachbarten Halle 19 baute man genau den gleichen Ballsaal in der ursprünglichen Ausrichtung auf ? hier entstanden die Szenen vor dem Aufprall der tödlichen Woge.

Andere Studiohallen wurden für ?Poseidon? renoviert: Den Holzfußboden ersetzte man durch Beton, und Rohre wurden installiert, um die großen Wassermengen in mehreren Hallen zu recyceln. Der Bau von auf dem Kopf stehenden Sets oder auch von Sets, die drastisch gekippt werden, erfordert eine sehr viel intensivere Absicherung durch Stahlträger als sonst bei der Abstützung von normalen Studiobauten üblich, da man sich in diesen Fällen nicht auf die Schwerkraft verlassen kann.

Die auf dem Kopf stehende Eingangshalle zum Beispiel war eine fünf Stockwerke bzw. 22 Meter hohe Innendekoration mit einem zerstörten Fahrstuhlschacht, der vom Hallenboden drei Stockwerke in die Höhe stieg ? diese gesamte Konstruktion mußste felsenfest abgesichert werden. Ein Team von 100 Arbeitern war fünf Monate lang damit beschäftigt, den Set aus 750 tonnenschweren T-Trägern und 10.000 Sperrholzplatten zu errichten. Rostabweisender Automobillack schützte jene Teile der Konstruktion, die für längere Zeit vom Wasser überflutet wurden.

?Bei der Arbeit auf diesen Sets kam ich mir wie im Spielzeugladen vor?, sagt Petersen. Ihm gefiel besonders die Gegenüberstellung des Ballsaal-Sets vor der Katastrophe ?in seinem strahlenden Luxus und voller Gäste in Abendgarderobe mit dem Set nebenan, das denselben Saal zertrümmert und auf dem Kopf stehend zeigt. Sagen wir mal, dass hier unsere anarchische Saite zum Klingen gebracht wurde, unser kindlicher Spieltrieb ? wir Jungs machen eben alles kaputt.?

Ständig wurde gebaut, oft rund um die Uhr, denn die Sets mußsten nicht nur errichtet, sondern schnell auch wieder abgerissen werden, während sich das Team durch die fast 100 Drehtage arbeitete, wobei fast alle Szenen in der Reihenfolge des Drehbuchs entstanden ? außerdem arbeiteten das 1. und 2. Drehteam ständig parallel. Solch ein Verfahren funktioniert nur, wenn man so präzise arbeitet wie Petersen.

?Das Tolle an Wolfgang ist, dass er genau weiß, ob ihm etwas gelungen ist oder nicht?, sagt Henderson. ?Wenn er entscheidet: ,Das war?s?, gibt es keinen Grund mehr, den Set noch stehen zu lassen. Wenn wir fertig sind, übernimmt sofort das 2. Drehteam. Anschließend wird der Set abgeräumt, und wir bauen den nächsten auf, und der Kreislauf beginnt von vorn. Das erfordert eine eiserne Disziplin.? Und mit einem Hauch Nostalgie fügt Sandell hinzu: ?In Hollywood hat es seit vielen Jahren keine solchen Sets gegeben, seit den 30er- und 40er-Jahren nicht mehr. In gewaltigen Dimensionen machen wir hier einen Film ganz im Stil der alten Zeiten.?

Kameramann John Seale (?Der englische Patient?) machte den Drehplan erst dadurch möglich, dass er ein System aus mehreren Kameras verwendete ? vier waren regelmäßig im Einsatz, und wenn bestimmte Szenen es erforderten, auch mehr. Wenn im und oft auch unter Wasser gedreht wurde, forderte die Produktion von allen Beteiligten besondere Kreativität, Logistik und Sicherheitsvorkehrungen. Die Kameras wurden in wasserdichte, flexible Hüllen eingeschweißt und wegen der Strömung festgezurrt.

Vor die Kameraobjektive setzte man Zusatzlinsen, um die Verzerrungen auszugleichen, die durch die unterschiedliche Lichtbrechung des Wassers entstehen. Die Steadicam-Kameraleute verpackten ihr Gerät in wasserdichte Beutel, machten aber ansonsten weiter wie bisher, sagt Seale: ?Wenn das Wasser von oben auf ihre Kameras prasselte, gingen sie einfach gerade hindurch. Jede Einstellung ist uns gelungen. Tatsächlich ist uns nur eine einzige Kamera abgesoffen ? ein tolles Fazit für einen Film, in dem es überwiegend um Wasser-Action geht.? Auf Ausleger montierte Kameras dirigierte man per Fernsteuerung, damit sich nicht auch noch Kameraleute und Kräne neben den Darstellern in den engen Räumen drängeln mußsten.

Das Nachladen der Filmkamera funktionierte wie ein Boxenstopp beim Autorennen: Die Teams hievten die 50 Kilogramm schweren Filmkassetten aus dem Wasser, brachten sie ins Trockene, tauschten den belichteten gegen Rohfilm, versiegelten die Kassetten wieder und beförderten sie so schnell wie möglich wieder in Position.

Seale setzte eher auf ?realistische Ausleuchtung im Gegensatz zur kosmetischen Ausleuchtung?, indem er die Scheinwerfer so anbrachte, dass sie der herkömmlichen Beleuchtung auf dem Schiff weitgehend entsprachen. Nachdem die Poseidon gekentert ist, befindet sich dieses natürliche Licht vorwiegend auf dem neu entstandenen Fußboden, was dem Ganzen eine unheimliche, von unten strahlende Atmosphäre verleiht, die durch weitere in den Trümmern verborgene Lichtquellen ergänzt wird. Meistens handelte es sich dabei um strapazierfähige, wasserdichte Hydroflex-Leuchtröhren.

Um die Metapher zu betonen, dass das Schiff selbst im Sterben liegt, setzte Seale die Beleuchtung ein, um das Schiff zunächst als ?prachtvolles, ultramodernes schwimmendes Hotel zu präsentieren, das komfortabel und einladend wirkt. Nach der Katastrophe bricht die Hölle los, und auch die Beleuchtung steht auf dem Kopf. Während sich unsere Helden nach oben vorkämpfen, stirbt das Schiff, die Lichter gehen aus ? langsam verschwindet also auch die Farbe aus den Bildern. Während die Menschen sich in die Eingeweide des Schiffs vorarbeiten, wird die Atmosphäre kalt wie in einer Industriezone.?

Professionelle Rettungsschwimmer waren ständig im Einsatz. Die potenziell tödliche Verbindung von Wasser und Elektrizität wurde schärfstens kontrolliert ? zum Glück ergaben sich aber nie kritische Situationen.

Auf den Kopf gestellt Die Erschaffung der auf dem Kopf stehenden Welt in der gekenterten Poseidon stellte alle Beteiligten vor ungewöhnliche Aufgaben ? vom Produktionsdesign über die Stunts und Effekte bis zum Bau, der Kamera, Beleuchtung, Set-Ausstattung und Requisiten.

Die Sets wurden parallel als normale und als auf dem Kopf stehende Version entworfen, um völlige Übereinstimmung zu gewährleisten. Laut Sandell wurde so sichergestellt, ?dass es in der normalen Version nichts gab, was man anschließend nicht auch auf den Kopf stellen konnte.? Was würde man auf einem tatsächlichen Ozeanriesen auf dem Boden festschrauben (schwere Ausrüstung, Konzertflügel, Kühlschränke), und wie lange würden sich diese Gegenstände auf dem Kopf stehend halten? Wo verlaufen die Hauptverstrebungen? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es? Wo kann man hochklettern? Alles mußste bedacht werden, bis hin zu den durch die Luft fliegenden Poker-Chips und Bestecken, als die Räume rotieren.

Oft mußste sich das Produktionsteam ganz in die Gedankenwelt der Poseidon-Überlebenden hineinversetzen. Dazu Henderson: ?Man stellt sich vor, wie das funktionieren könnte, und mental oder mithilfe des Modells spielt man das durch, aber dann merkt man, dass es gar nicht funktionieren kann, weil auch die Treppen auf dem Kopf stehen, die erste Stufe ist viel höher, oder die Tür lässt sich nicht nach innen öffnen. Dann fragt man sich: ,Wie lösen wir das jetzt?? Man sucht also nach Alternativen.?

Das Team fing mit einem Brainstorming, mit Skizzen und Storyboards an, doch letztlich ging es nicht ohne dreidimensionale Modelle. ?Ich habe zwar nur selten mit Regisseuren gearbeitet, die wie Wolfgang eine Bauzeichnung lesen können?, sagt Sandell. ?Aber letztlich mußs man sich das doch in der dritten Dimension anschauen.? Weitere Einzelheiten passte man den Vorgaben an, als die fertigen Sets mit ihren Neigungswinkeln und im Wasser getestet wurden.

Um die Sets mechanisch von einer Seite zur anderen kippen zu können, baute man sie auf eine hydraulisch bewegte, in jede Richtung manipulierbare kardanische Plattform, die verschiedene Neigungswinkel erlaubte. Dazu Frazier: ?Wir können die Plattform nach vorn und hinten kippen, auch nach beiden Seiten, oder wir imitieren auch die Bewegungen eines Schiffes auf hoher See.?

Bei den Sets mit der vollen Einrichtung und den darauf agierenden Darstellern plus all dem Wasser spielt das Gewicht eine wesentliche Rolle. Fraziers Team mußste das schon vorher genau addieren, damit ?wir später nicht unser blaues Wunder erlebten. Eine unserer kardanischen Plattformen besteht selbst schon aus drei Tonnen Stahlträgern ? sie ist 50 Meter lang. Wir können es uns also nicht leisten, in letzter Minute zu erfahren, dass der Gesamtset 50 Tonnen schwerer wird als vorgesehen.? Die gewaltige Apparatur mußste entsprechend solide abgestützt werden. In einem Fall zog man einen neuen Betonboden von sechs Meter Breite und 3,50 Meter Tiefe ein.

Der Set der Schiffsbrücke war derart riesig, dass es sich in der Studiohalle nicht in einem Stück um 180 Grad drehen ließ, ohne die Decke zu berühren. Deshalb baute und filmte man es in zwei Hälften, die jeweils auf eine eigene kardanische Plattform montiert wurden. Frazier entwickelte die optimale Methode, um große Mengen Wasser zu horten, die sich aufs Stichwort über den Set ergießen sollen: Er montierte handelsübliche Frachtcontainer über den Sets und füllte sie mit Wasser ? sie fassen jeweils etwa 70.000 Liter.

Die ungewöhnliche Handlung in ?Poseidon? verwandelt jede Menge Objekte, die eigentlich zur Inneneinrichtung gehören (in der normalen Position des Schiffs sind sie unbeweglich), in Requisiten, die durch die Luft geschleudert werden, als das Schiff kentert. Potenzielle Geschosse wie Geschirr oder Handys waren in den Nahaufnahmen echt, ansonsten verwendete man Duplikate aus Gummi, Balsaholz und präpariertem Glasimitat.

Viele Darsteller und Teammitglieder fühlten sich durch die wochenlange Arbeit in dem auf dem Kopf stehenden Schiff desorientiert. Dazu Sandell: ?Man kommt sich vor, als ob man ein Escher-Bild betritt, in dem man sich ständig neu zurechtfinden mußs. Das war teilweise schon sehr anstrengend.? Zwei sehr unterschiedliche Szenen als Extrembeispiele für das Schicksal der Überlebenden: Die Implosion des Ballsaals und der Aufstieg im Luftschacht.

Eine der überwältigendsten Sequenzen in ?Poseidon? ist die Implosion des großen Ballsaals. Nach dem Kentern steht der Ballsaal auf dem Kopf und befindet sich unter der Wasseroberfläche, ist aber noch wasserdicht. Dort sammeln sich alle, die mit dem Kapitän ausharren, während Dylan und seine Gruppe ihren Aufstieg beginnen. Mit der Zeit wird der Wasserdruck jedoch so groß, dass das Wasser durch die Fenster bricht und den Saal innerhalb von Sekunden überflutet. Eine solche Szene wollte niemand zweimal drehen.

Frazier reichten die vorbereiteten Wassercontainer nicht. Hinter dem Set hatte er fünf Meter Platz. ?Dort installierten wir zehn Abwasserkanalröhren mit 2,50 Meter Durchmesser, wie man sie im Straßenbau verwendet. Die stellten wir senkrecht auf spezielle Rutschen mit Falltüren, die genau auf die Fenster gerichtet waren. Die Fenster bestanden aus sechs Millimeter starken Hartglasscheiben, sie konnten also einem gewissen Wasserdruck von außen standhalten. Aufs Stichwort ließen wir dann etwa 400.000 Liter auf die Fenster einstürzen. Unter diesem Druck zerbrach das Glas, das Wasser schoss herein und ergab fantastische Kamerabilder, eben weil es echt ist.?

Um jede Einzelheit zu filmen, folgte der Kameramann des 2. Drehteams, Mark Vargo, dem Beispiel von John Seale und installierte ?fünf Kameras in jeder Blickrichtung ? einige filmten Nahaufnahmen, andere Totalen. Wenn man dann von einem Blickwinkel zum anderen schneidet, entsteht die Illusion, dass das Wasser von beiden Schiffsseiten hereinströmt.? Das Ganze ist in zwei Sekunden vorbei, doch zuvor experimentierten die Kameraleute mit der Aufnahmegeschwindigkeit und entschieden daraufhin, die Hauptkameras mit 40 Bildern pro Sekunde laufen zu lassen, während die übrigen Kameras teils 60, teils 90 oder sogar 120 Bilder pro Sekunde aufnahmen. Damit waren jede Menge Schnittvarianten sichergestellt.

Doch trotz der intensiven Vorbereitung konnte niemand das Ergebnis garantieren. ?Niemand wusste genau, wie diese Wassermassen aussehen, geschweige denn, wie sie sich verhalten würden?, erklärt Vargo. ?Ich ließ die Kameras festzurren. Mein Bühnenvorarbeiter baute einen Kamerakäfig, der auch eine Frontalkollision mit einem Auto ausgehalten hätte. Von oben filmte eine fahrende Kamera, zwei schwenkten mittendrin, und eine hinter einer Glasscheibe, die beim vollen Aufprall völlig unter Wasser war.? Die Kameraleute trugen Taucheranzüge und Taucherbrillen, Stuntleute standen bereit, um sie notfalls in Sicherheit zu bringen. ?Sogar ein Krankenwagen wartete in Bereitschaft. Wir kamen uns vor wie beim Start einer Nasa-Rakete.?

Gleichzeitig entwickelt sich andernorts im Schiff ein weiteres Drama, als die Überlebenden fast senkrecht einen engen Luftschacht hochklettern müssen, weil dies die einzige Verbindung zum nächsten Stockwerk darstellt. ?Innerhalb des Umfelds dieser riesigen Katastrophe müssen sie in der acht Minuten langen Sequenz langsam vorankriechen, was praktisch pure Klaustrophobie erzeugt?, sagt Wolfgang Petersen. ?Man findet sich nur schwer zurecht, kann sich kaum bewegen, und niemand weiß, was sie am anderen Ende erwartet.?

Hier mußs Elena (Mia Maestro) zugeben, dass sie unter extremer Angst vor geschlossenen Räumen leidet ? so sehr, dass sie umkehren würde, wenn Nelson und Dylan sie nicht liebevoll-fordernd überreden würden. Die beiden bleiben bis zuletzt an ihrer Seite, während sich die übrigen einer nach dem anderen nach oben arbeiten. Beide reden ständig beruhigend auf sie ein, während sie sich Zentimeter für Zentimeter vortasten. Und sie haben keine Ahnung, dass weiter oben ein neues Problem auf sie wartet: Der Ausgang des Schachts ist durch ein Gitter versperrt. Ihnen bleibt nur eine Chance: Der kleine Jimmy langt mit seinen schmalen Fingern durch das Gitter, um von außen die vier Halteschrauben zu lösen, während das Wasser von unten ständig steigt.

Dazu Kurt Russell: ?Die Leute oben haben das Schicksal der Unteren in der Hand, die noch nicht einmal genau wissen, worin das Problem besteht und wie ernst es ist. Letztlich hängt alles an dem neunjährigen Jungen, der sich zusammenreißt und versucht, das Gitter zu öffnen. Niemand kann sich bewegen. Eine entsetzliche Szene.?

Russell fasst den Dreh zu dieser Szene zusammen: ?Anderthalb Wochen in einer Kiste?. Und da der Durchmesser des Schachts nur 90 x 90 Zentimeter beträgt, ist diese Beschreibung durchaus zutreffend. ?Teilweise kletterten wir im Winkel von 45 Grad, manchmal auch senkrecht nach oben. Es war extrem eng.?

Diesen engen Set auszuleuchten und zu filmen war das nächste Problem. Dazu Seale: ?Wir haben wirklich alles ausprobiert, was wir in die Hände bekamen, zum Beispiel eine Schnorchellinse von Panavision, mit der man im rechten Winkel filmen kann. Sie hat etwa acht Zentimeter Durchmesser, die Schauspieler konnten sich also daran vorbeiquetschen oder auf uns zurobben. Ausleuchten ließ sich das auch.?

Letztlich verließ sich Seale auf die Taschenlampen, die die Schauspieler in der Hand halten, ?denn der Luftschacht besteht aus Metallwänden, und wir merkten schnell, dass das Licht der Taschenlampen von allen Seiten reflektiert wurde und genau das machte, was wir brauchten.?

Feuer und Wasser ?Das Wasser ist nicht das Schlimmste, sondern das Feuer?, sagt Frazier über den weiteren Weg der Überlebenden. ?Es blockiert sie, zwingt sie zur Umkehr, zu Umwegen.? Laut Drehbuch zerplatzt ein Benzintank, so dass ein brennender Wasserfall über den Fluchtweg regnet. In diesem Fall setzte Fraziers Team eine Mischung aus Wasser und brennendem Waschbenzin ein, ?um den Kaskadeneffekt zu erzielen. Anschließend hat Boyd Shermis nur noch die Färbung der Wassermischung ein wenig korrigiert und ihr den richtigen Farbton verpasst, damit sie wie richtiges Benzin aussieht?, erklärt er.

Als das Feuer auf der Wasseroberfläche brennen sollte, die von oben gefilmt wird, brachte man unter Wasser unsichtbar zwei Zentimeter starke Rohre an, in die flüssiges Propangas gepumpt und dann entzündet wurde. Am kompliziertesten waren die Aufnahmen des brennenden Ölteppichs, den Josh Lucas von unten sieht, als er unter dem Feuer hindurchschwimmt und nach einer Stelle sucht, wo er ungefährdet auftauchen kann. Zuleitungen wären zu sehen gewesen. Deswegen konstruierte Frazier mit seinem Team eine Vorrichtung, die sie ?Keksflächen? nennen: flache, nierenförmige Metallstücke, die mit Propangas präpariert und fünf Zentimeter über der Wasserfläche angebracht werden.

?Wenn man das anzündet, verteilt sich das Feuer unter der Keksfläche, kann sich aber nicht weiter ausbreiten. Wenn man dann von unten zur Wasseroberfläche aufschaut, entsteht die Illusion eines großen Ölteppichs, der auf dem Wasser brennt.? Außerdem hauchten die Effekte-Experten den Sets ?Leben? ein, indem sie im Hintergrund Funken stieben, Flammen lodern und Rauch aufsteigen ließen. In Absprache mit Seale wurde Dampf über Trockeneis geblasen, um so die verwüstete Disco in dicken Rauch zu hüllen.

Kostüme und Masken für die Hauptdarsteller, Stuntleute und 400 Statisten. Mal sechs? oder mal zwölf, vielleicht sogar noch mehr Die renommierte Kostümbildnerin Erica Edell Phillips hat schon oft mit Petersen zusammengearbeitet (?Der Sturm?, ?Outbreak?, ?Air Force One? und ?In the Line of Fire?). Sie ist stolz auf ?die große Detailgenauigkeit auf der Poseidon, auf die Millionen Einzelteile.?

Noch nie hat sie in ihrer Abteilung ein Team von 45 Mitarbeitern angeleitet. Mit dem für die Garderobe verantwortlichen Bob Morgan (?The Chronicles of Riddick?/Riddick ? Chroniken eines Kriegers) schuf Phillips die Uniformen für das Personal und die Mannschaft des Schiffs, und sie kleidete Hunderte von Partygästen für den Silvesterabend in Abendgarderobe ein. Petersen forderte dabei wie bei der Einrichtung des Schiffs zeitlose Eleganz. Mit Fortschreiten der Handlung mußsten selbst die Statisten neu eingekleidet werden, denn die Kleider werden im Zuge der Katastrophe arg mitgenommen. Bei den Hauptdarstellern vervielfachte sich die Zahl der Kostümversionen entsprechend.

?Die Überlebenden müssen durchs Höllenfeuer, um aus dem Schiff herauszukommen?, erklärt Phillips. ?Dabei klettern und schwimmen sie, ihre Kleider zerreißen unterwegs und werden schmutzig. Weil wir mit zwei Teams gleichzeitig drehten, brauchten wir Dutzende von Duplikaten für jedes Teil ? was bedeutet, dass jedes Kleidungsstück für jede Verschleißphase genau kopiert werden mußste. Immer stand auch ein Satz fabrikneuer Kleidung bereit, falls es nötig war, die im Drehbuch früheren Szenen nochmals zu wiederholen.?

Als der Ballsaal sich um 180 Grad dreht, fliegen nicht nur die Passagiere durch die Luft, sondern auch alle Gegenstände, die nicht festgenagelt sind: Möbel, Geschirr und Speisen. Was bedeutet, dass die Kleidung nach der Katastrophe nicht nur zerrissen ist und Blutspuren aufweist, sondern auch Kaffee-, Wein- und Kakaoflecken.

?Wir wussten nicht genau, wie die Essensflecke auf dem Stoff aussehen würden?, erinnert sich Morgan. ?Also haben wir draußen auf dem Parkplatz literweise Kaffee, Wein und Kirschsauce auf die Kleidung gegossen, um zu sehen, was passiert, wenn ein Ballsaal voller Gäste während des Abendessens auf den Kopf gestellt wird. Das war ein sehr lustiger Tag.? Sobald man diese Vorbilder hatte, wurden die Flecken auf den Kostümen mit Acryl-Farbe nachgeahmt, damit sie nicht unter Wasser ausbleichen konnten, aber auch ständig feucht wirkten.

Phillips? Team fotografierte, beschriftete und katalogisierte täglich die vielen Kleidungsstücke in den verschiedenen Verschleiß-Stadien. Ein Studio-Parkplatz wurde in den Kostümfundus mit zwei 18 x 12 Meter großen Zelten umfunktioniert. Weil rund um die Uhr gedreht wurde, riss der Strom der eintreffenden und abgehenden Teile nie ab ? sie alle mußsten überprüft, gesäubert, bearbeitet oder ersetzt werden.

Der schon zweimal für den Oscar nominierte Edouard Henriques (?The Cell?, ?Master & Commander: Bis ans Ende der Welt?) war für das Makeup zuständig ? auch er stand vor kreativen Herausforderungen und mußste sich auf die vielen Entwicklungen im Zuge des Handlungsablaufs einstellen.

Zunächst wurden Hunderte von Statisten und Stuntleuten so geschminkt, dass sie aussahen, als ob sie gerade durch die Gegend geschleudert, verbrannt, ertrunken oder durch Stromschläge umgekommen waren. Dann registrierten Henriques Mitarbeiter jede einzelne Wunde, Abschürfung und jeden Schmutzfleck, den die Hauptdarsteller sich auf ihrem Weg zuziehen. Wenn sie tiefes Wasser durchqueren, welche Flecken verschwinden dabei? Was verbleicht, was trocknet weg, was breitet sich aus, was verändert die Farbe? Schmutz wird beim kurzen Eintauchen in Wasser vielleicht teilweise abgewaschen, Wunden, die schon teilweise verschorft sind, weichen vielleicht auf und bluten wieder ? für all das war Henriques zuständig.

Überall Leichen ? aber sie sind nicht echt Nicht nur die Darsteller, Stuntleute und Hunderte von Statisten kamen an Bord zum Einsatz, sondern die Produktion beauftragte auch die Effekte-Scan-Firma Itronics, etwa 150 optische Klone der Mitwirkenden anzufertigen, die immer dann übernahmen, wenn es für die Schauspieler aus Fleisch und Blut zu gefährlich wurde und selbst die strengsten Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr griffen ? zum Beispiel während der Implosion des Ballsaals.

Zu den Poseidon-Passagieren zählen auch 65 mit neuester Technik hergestellter Körperpuppen, die von der in der Branche angesehenen Firma KNB Efx Group angefertigt wurden, nachdem die Dreharbeiten zu ?The Chronicles of Narnia? (Die Chroniken von Narnia) gerade abgeschlossen waren. Die geschminkten und kostümierten Leichen aus Glasfaser sind so lebensecht, dass sie auch in Nahaufnahmen eingesetzt werden können. Wenn sie im Wasser versinken sollen, werden sie entsprechend beschwert, leichter sind sie, wenn sie an der Oberfläche treiben sollen.

Andere hatten Gelenke, so dass sie wirklichkeitsnah durch die rotierenden Sets wirbeln oder von Stichflammen verkohlt werden. Die Glieder wurden mit inneren Drähten ausgerüstet, um die Extremitäten verdrehen zu können und glaubhafte Knochenbrüche zu simulieren. Einzelne künstliche Arme oder Beine dienten dazu, unter Trümmern oder Leichenbergen verschüttete Menschen darzustellen. Insgesamt setzte Petersen derartige Bilder eher zurückhaltend ein: Er will nicht schockieren, sondern mit dem Anblick von Toten und Verletzten nur die entsprechende Atmosphäre für seine Geschichte schaffen.

Die KNB-Mitwirkenden waren von den lebenden Darstellern nicht zu unterscheiden und derart realistisch, dass sie den Schauspielern oft Respektsbezeugungen abnötigten. ?Es war schon komisch, wenn wir über die Puppen stiegen?, lacht Kurt Russell. ?Wir sind nie auf ihre Arme oder Beine getreten ? das würde man bei richtigen Menschen ja auch nicht tun. Und manchmal konnte man sie auch gar nicht auseinanderhalten ? da gingen wir lieber auf Nummer Sicher.? Und Mike Vogel fügt hinzu: ?Eines Tages sah ich eine Leiche am Set, die ich für eine Puppe hielt. Doch ein paar Minuten später merkte ich, dass sie atmete. Da habe ich vor Schreck buchstäblich einen riesigen Satz gemacht.?

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