Taxi Driver

Ausführlicher Inhalt

Der vereinsamte, 26-jährige Vietnamveteran Travis Bickle tritt in New York einen Job als Taxifahrer an. Er ist bereit, jederzeit, an jedem Ort zu arbeiten. Weil er nicht schlafen kann, fährt er Nacht- und Doppelschichten bis in die finstersten Ecken der Stadt. Travis verliebt sich aus der Ferne in Betsy, die für Senator Palantines' (Leonard Harris) Kampagne im Präsidentschaftswahlkampf arbeitet.

Mit einer Mischung aus Charme und Dreistheit gewinnt er ihr Interesse. Auf ihrem ersten abendlichen Rendezvous bringt er ihr - wie es sich gehört - ein Geschenk mit und lädt sie ins Kino ein. Die Wahl des Films entpuppt sich allerdings als ungeschickt: Obwohl die Idee, in ein Pornokino zu gehen, für sie offenbar den Reiz des Verbotenen hat, reagiert sie auf die erste Sexszene schockiert. Zu Travis' Erstaunen verläßt sie fluchtartig das Kino. Für ihn sind Pornofilme gewöhnlicher Teil seines Lebens wie das Fernsehen.

Er erkennt, dass er ihre moralischen Gefühle verletzt hat und bereut seinen Fehler. Aber Betsy zeigt sich unversöhnlich und blockiert Travis' Versuche, den Kontakt wieder aufzunehmen. Tief verletzt sammelt er auf seinen nächtlichen Fahrten Eindrücke von den düsteren Abseiten der Großstadt. Die Situation wächst Travis endgültig über den Kopf, als ein wohlhabender, rassistischer Fahrgast (Martin Scorsese) ihn nötigt, äußerst unappetitliche Mordphantasien, die er gegen seine untreue Frau hegt, anzuhören.

Er sucht sich bei seinem älteren Kollegen Wizard (Peter Boyle) Rat. Unfähig sich zu artikulieren, macht er nur Andeutungen: Er habe »einige üble Ideen in seinem Kopf« und wolle »etwas unternehmen«. Aus eigener Erfahrung versteht Wizard grundsätzlich Travis' Frustration, hat sich aber im Laufe der Jahre mit der Welt und seiner Rolle darin abgefunden. Unfähig zu begreifen, wie übel die Ideen sind, rät er Travis, sich mit Hilfe von Sex und Alkohol zu entspannen und nicht allzu viel nachzudenken.

Beiläufig erinnert er Travis daran, dass ihm angesichts seines Alters alle Möglichkeiten offen stehen und rät ihm »Tu was!«. Diesen harmlosen Rat nimmt Travis in seinem eigenen Sinne auf. Er tauscht die Rolle des hilfl osen Beobachters gegen die des Racheengels und sieht es fortan als seine Bestimmung, den »Schmutz von den Straßen spülen«. Sein zielloser Frust wandelt sich in wütende Entschlossenheit. Nach dem Bruch mit Betsy hat er während einer seiner nächtlichen Touren die 12jährige, drogenabhängige Prostituierte Iris kennengelernt. Sie wollte sich vor ihrem Zuhälter Sport zu ihm ins Taxi fl üchten, der aber zerrte sie wieder heraus, bevor Travis die Situation überhaupt erfaßt hat.

Als er sie um ein Haar überfährt, beschließt er, sie aus dem Sumpf von Drogen und Prostitution zu retten. Anfangs will sie von Travis' Plan, sie zu ihren Eltern zurück zu schicken, nichts wissen, denn sie lebt in dem Irrglauben, Sport würde sie lieben und gut behandeln. Sie ist ihm derart verfallen, dass sie nicht sieht, dass er die Verantwortung für ihre Prostitution und Drogensucht trägt. Aber Travis' Worte verhallen nicht ungehört. Sie erzählt Sport, dass sie aussteigen will, kann sich aber seinen Schmeicheleien nicht entziehen.

Travis rüstet sich akribisch zum Kampf gegen den »Abschaum«, besorgt Waffen, diszipliniert sich und trainiert seinen Körper und das Schießen. Vor dem Spiegel bereitet er sich mental auf seine neuen Rolle vor: »Are you talking to me? Du laberst mich an?« Als er Zeuge eines bewaffneten Raubüberfalls in einem Kiosk wird, erschießt er in Nothilfe den Täter. In der jährlichen Postkarte an seine Eltern verschweigt er ihnen seine Adresse unter dem Vorwand, er arbeite inkognito für die Regierung.

Er schreibt, er habe seit Monaten eine Freundin namens Betsy und es gehe ihm gut. Auf einer Wahlkampfveranstaltung von Palantine verwickelt er einen CIA-Agenten in ein Gespräch. Er gibt vor, er wolle zum Geheimdienst, gibt dann aber falschen Namen und falsche Adresse an. Auf einer weiteren Kundgebung erscheint er am hellichten Tag voll bewaffnet und mit dem äußerst auffälligen Irokesenschnitt. Als er nach der Waffe unter seiner Jacke greift, wird er vom Sicherheitspersonal entdeckt und flieht.

Am selben Abend fährt er in die Gegend, in der Iris arbeitet. Dort schießt er zunächst Sport nieder und dringt in das Stundenhotel ein. Auf dem Weg in Iris' Zimmer erschießt er den Portier und, dort angekommen, zwei Freier vor ihren Augen. Einer von ihnen ist ein Mafioso, Iris' Stammkunde und Sports Arbeitgeber. Sport ist wieder auf die Beine gekommen und schießt Travis von hinten an, unterliegt aber im Schußwechsel. Schwer getroffen versucht Travis, sich mit seinen eigenen Waffen zu erschießen, aber die Magazine sind leergefeuert.

Als die Polizei den Tatort stürmt, haben sich vor der Tür bereits Schaulustige und die Presse eingefunden. Travis kommt mit dem Leben davon. Am nächsten Tag steht er als Held in den Zeitungen und Iris' Eltern bezeugen ihm in einem Brief ihre Dankbarkeit für die Rettung ihrer Tochter. Als er wieder genesen ist, setzt sich Betsy eines Abends auf dem Weg nach Hause in sein Taxi. Die Begegnung bringt Travis nicht mehr aus der Ruhe. Er hat seine Mission erfüllt und überlebt.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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