Wolf Creek

Produktionsnotizen

Zur Entstehung des Drehbuchs Greg McLean: ?Die Idee zu WOLF CREEK entstand vor sechs Jahren. Es begann mit der Idee eines schaurigen Einzelgängers, der sich im australischen Hinterland herumtreibt. Mit einer Figur also, die alle Klischees über die klassischen australischen Naturburschen, diese freundlich-naiven Kerle á la ?Crocodile Dundee?, ins Gegenteil verkehrt. Das ist ja einer unserer erfolgreichsten populärkulturellen Exportschlager. Wir aber wollten die düstersten und grausamsten Aspekte dieses Archetypen ausloten. Es sollte eine durch und durch australische Version des ?Boogieman? werden.

Als ich das Drehbuch entwickelte, tauchte auf einmal eine Reihe ganz realer Schreckgestalten auf ? allesamt schienen sie einzig und alleine dem Zweck zu dienen, sicherzustellen, dass gemütliche Sonntagsausflüge in die australische Natur auf alle Zeit beendet werden. Ivan Milat (der Rucksacktouristenkiller), Bradley Murdoch (der Peter-Falconio-Killer) und die Snowtown-Serienkiller versetzten damals ganz Australien in Angst und Schrecken und ließen auch den Rest der Welt schaudern. Sie alle begangen eiskalt geplante Verbrechen von unglaublicher Gewalt.

So wurde Australien, bis dahin ja sozusagen der Lieblingsstrand der ganzen Welt, auf einmal zu einem Tummelplatz für kranke Highway-Mörder. WOLF CREEK basiert zwar nicht auf einem speziellen Fall, aber Mick Taylor ist ein Bastard aus all diesen Männern und ihren abscheulichen Taten.

WOLF CREEK sollte ein unvergesslicher und zutiefst ängstigender Film werden ? und zugleich ein durch und durch australischer. Der Durchbruch bei der Entwicklung kam mit der Dogma 95-Gruppe um den dänischen Filmemacher Lars von Trier, die gleichsam eine digitale Revolution anzettelte, indem sie sich von der Last hoher Produktionskosten befreite. Ohne gebaute Sets und mit beschränktem Licht und Sound zu arbeiten sowie auf Digital Video zu drehen, ermöglichte es, die Kraft der Geschichte wirken zu lassen.

Ich bewundere aufrichtig die einzigartigen und mutigen Werke, die aus dieser Technik hervorgegangen sind: Zum Beispiel Breaking The Waves (1996), Idioten (1998), Das Fest (1998) und Dancer In The Dark (2000). Und auch wenn viele der Dogma-Ideen ausgemustert wurden, so wurde man durch das Grundkonzept doch auf die essentielle Frage zurückgeworfen: Was braucht man für einen guten Film? Die Antwort: eine großartige Idee, exzellente Darsteller und eine Digitalkamera. (WOLF CREEK wurde mit Hi-Definition-Kameras und -Linsen gedreht, die auch für Star Wars Episode II (2002) und III (2005) und Irgendwann in Mexiko (2003) benutzt worden sind.)

Das war also mein Grundansatz für WOLF CREEK. Ich wollte Aspekte der Dogma-Idee (Ökonomie, Fokus auf Buch und Schauspieler statt auf Kinoeffekte) mit meinen Lieblingselementen klassischer Horrorfilme (eine klare Erzähllinie, wenige Charaktere, einen isolierten Handlungsort, ein einzigartiges Monster) verbinden. Außerdem liebe ich seit meiner Kindheit Horror- Sci-fi- und Fantasy-Comics. Ich wollte ursprünglich Maler werden. Ich malte und zeichnete eigentlich mein ganzes Leben lang, füllte ganze Skizzenhefte mit Monstern von Conan, dem Barbaren, und Marvel-Superhelden bis Star Wars- und Crypt-Figuren.

Meine Mutter ließ mich immer eine Menge Hammer-Horrorfilme gucken. Sie mochte sie sehr, und mich bliesen diese Streifen als Kind geradezu weg. Man könnte also sagen, dass die Regie-Strategie hinter WOLF CREEK ein Aufeinandertreffen von sogenannter hoher und niederer Kunst ist ? eine klassische Boogieman-Geschichte, die mit Arthouse-Techniken erzählt wird, um ein einmaliges Kinoerlebnis zu schaffen.

Die Reaktionen auf den Film waren sehr intensiv und faszinierend. Niemand reagierte bislang völlig unbewegt, was ich großartig finde. Denn alles ist besser als neutrale oder höfliche Reaktionen. Filme sollten meiner Meinung nach explosiv, magisch und unvergesslich sein. Das Leben ist zu kurz, um es mit langweiligen Streifen zu verbringen! WOLF CREEK sollte eine Handgrante von Film werden.

Es gibt einige sehr intensive, explizite und verstörende Gewaltdarstellungen im Film. Mir ging es darum, die primitive Natur von Gewalt darzustellen. WOLF CREEK ist ein voyeuristischer Trip in eine Welt des Bösen. Ich denke, dass es die Aufgabe des Künstlers ist ?nicht wegzuschauen? sondern den Blick konsequent auf die zentralen Momente des menschlichen Lebens zu richten ? auf die glücklichsten genauso wie auf die düstersten. Mag es auch als Zumutung erscheinen: Der Zuschauer mußs mit Dingen konfrontiert werden, die er in seinem Alltag nicht erleben kann. Das Kino ist ein perfekter Ort für so eine Konfrontation: Egal was wir dort an Horror erleben, wir wissen, dass wir heil herauskommen.

Ich habe immer die Geschichten geliebt, mit den ich aufgewachsen bin ? über seltsame Lichter am Himmel, über UFOs und über Menschen, die einfach im Outback auf Nimmerwiedersehen verschwunden sind. Australien ist ein magischer Ort mit wunderbaren, aber auch zutiefst beunruhigenden Aspekten. Und ich wollte dieser namenlosen Bedrohung da draußen auf den einsamen Highways ein Gesicht geben.

Als ein Kleinstadtgewächs, dass damit aufgewachsen ist, seine Kinohelden auf internationalen Festivals glänzende Karrieren beginnen zu sehen ? Steven Soderberghs Sex, Lügen und Video (1989), Spike Lees Do the Right Thing (1989), Quentin Tarantinos Reservoir Dogs (1992) ? war es für mich natürlich eine große Ehre, unseren kleines Horror-Film auf dem Sundance-Festival vorzustellen ? das große Filmfestival in jenem Land, das den Horror-Film erfunden hat.?

Zum Casting Bei der Zusammenstellung des Ensembles erklärte Greg McLean Casting-Agentin Angela Heesom, dass es ihm nicht auf große Namen ankäme: ?Am wichtigsten war mir, dass die Schauspieler so naturalistisch und entspannt als möglich auf dem Set agieren konnten und unsere Herangehensweise verstanden. Cassandra, Nathan und Kestie waren Geschenke des Himmels, nicht nur weil sie hervorragende Schauspieler sind, sondern vor allem deshalb, weil sie den Geist der Produktion komplett verinnerlichten.

Und John als Filmveteran strahlte beim Dreh eine solche Souveränität aus, dass das Ensemble für mich einen wahr gewordenen Traum darstellte. Ein guter Regisseur mußs seine Darsteller zu größter Wahrhaftigkeit antreiben. Die Darsteller geben dem Film seine organische Qualität, beim Drehen und Schneiden folgten wir dem Rhythmus, den sie uns vorgeben. Sie liefern eine Art roten Faden, der uns durch die Geschichte und von Szene zu Szene führt. Als Autor und Regisseur liefert man die Idee zu diesem Faden, aber die Schauspieler müssen ihn aufgreifen und ihn in einen eigenen, wahrhaftigen Rhythmus verwandeln. Deshalb bin ich so glücklich über dieses Ensemble ? es ist eins geworden mit der Geschichte.?

Zu Design und Kameraführung Greg McLean: ?Der Stil von WOLF CREEK sollte von Anfang an ultra-realistisch und quasidokumentarisch sein. Der Film sollte als die Nachstellung eines wahren Kriminalfalles erscheinen. Denn durch den auf diese Weise suggerierten ?Wahrheitsgehalt? mußs sich das Publikum auf die Geschichte einlassen. Durch Storys, die auf wahren Begebenheiten beruhen, lässt sich das natürliche Zweifeln der Zuschauer leichter aushebeln und somit wird eine stärkere Wirkung erzielt.

Man nehme nur Der Exorzist (1973), Amityville Horror (1979), Das Kettensägenmassaker (1974) und The Blair Witch Project (1999): Alle Filme spielen mit der Idee, dass sie auf einer wahren Begebenheit beruhten. Alle überzeugten den Zuschauer großteils durch die Authentizität der Umgebung, der Charaktere und Ereignisse. Denn wie sagte schon Stephen King: ?Man mußs glauben, um Angst zu haben.?

Zur Post-Produktion, zu Musik und Sound Die Nachbearbeitung wurde komplett in Adelaide im Oasis Post Production-Studio durchgeführt. Marty Pepper und Dale Roberts überwachten diesen Prozess, für den Pepper persönlich die digitalen Bildeffekte und die Farbabstufungen kreierte. Pete Smith und Pete Best mischten den Sound im Best FX-Studio in Adelaide. Sie arbeiteten dabei eng mit dem Komponisten Francois Tétaz zusammen, um Sound und Musik in eine effiziente Symbiose zu bringen. ?Wir hatten von Anfang an einen sparsamen elektronischen Score im Kopf?, berichtet Tétaz.

?Im ersten Teil sollte er relativ abstrakt bleiben, doch mit den Ereignissen sollte er dann auch dramatisch anschwellen, so dass er vor allem in der zweiten Hälfte zum konstanten Begleiter wird. Dabei galt es die üblichen Horror-Klischees zu vermeiden. Denn die Musik selbst sollte den Zuschauer nicht erschrecken, sondern die Wahrhaftigkeit der Ereignisse und Charaktere herausarbeiten.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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