Die Party des
Jahrzehnts
Mit kleinen Brötchen gibt sich
Comedy-Superstar Dave Chappelle nicht ab. Wenn er eine Party macht,
dann sollte das mindestens die Party des Jahrzehnts werden.
Umwerfend, das ja, aber bloß keins dieser Mega-Events, die
protzig und aufgeblasen daher kommen, vielmehr eine ausgelassene
Feier unter Freunden und Nachbarn ? aber gern auch
Wildfremden. Ein Kiezfest hatte er im Sinn, eine Block-Party
eben.
Das treibt einem die
Freudentränen in die Augen
Am 18. September 2004 ging DAVE
CHAPPELLE?S BLOCK PARTY ab ? eine bis dahin noch nie da
gewesene Kombination aus Comedy und Live-Music-Acts. Das Ganze ohne
Eintritt. Einladen wollte Dave Chappelle: Kanye West, Mos Def,
Erykah Badu, Dead Prez, Jill Scott, Talib Kweli, Lauryn Hill und
noch etliche andere. Der Comedian rief ? und alle kamen. Das
Line-Up dieser Party trieb nicht nur gestandenen Hip-Hop-Fans
Tränen der Freude in die Augen.
Golden Tickets for free
Aber damit noch nicht genug: Dave
Chappelle nahm sich vor, einen Großteil der Besucher
persönlich einzuladen, ihnen seine Golden Tickets in die Hand
zu drücken. Außerdem hatte er sich in den Kopf gesetzt,
dass das Ganze auch gefilmt werden sollte. Und zwar vom besten
Mann, den er sich dafür vorstellen konnte: Michel
Gondry.
Als Regisseur mit dabei: Michel
Gondry
Michel Gondry, der aus Frankreich
stammt, ist seit seinen Clips für Björk, Daft Punk, Kylie
Minogue, Oui Oui ? seine eigene Band ? und den Rolling
Stones eine Legende. Außerdem hatte er die eigenwilligen
Spielfilme Vergiss mein nicht! (2004) sowie Humane Nature - Die
Krone der Schöpfung (2001) gedreht, und er arbeitete gerade an
seinem neuesten, nicht minder verrückten Film Science of Sleep
(2006).
The Master of Good Moods: Dave
Chappelle
So begleiteten Gondry und seine
Kamerafrau Ellen Kuras ? u.a. Vergiss mein nicht! (2004),
Coffee & Cigarettes (2003) ? den immer gut gelaunten
Initiator dieser besonderen Block Party, der seine Golden Tickets
an eine Zigarettenverkäuferin oder einen ihm bekannten
Bewährungshelfer verteilte. Außerdem waren sie dabei, als
Dave Chappelle durch seinen Heimatort Dayton, Ohio zog, wo er zum
Beispiel die ortsansässige Brass Band, die Invincible Marching
Marauders, zu einem Auftritt in Brooklyn überredete.
Aber wie kam es zur Block
Party?
Von Januar 2003 bis zum Mai 2005
präsentierte der Schauspieler und Comedian Dave Chappelle im
US-Sender ?Comedy Central? mit großem Erfolg
?Chappelle?s Show?. In Europa wurde der
Quoten-Hit ? eine Mischung aus Stand-up, Sketch-Show und
Live- Performance ? auf MTV ausgestrahlt. Als Dave Chappelles
Verträge im Frühsommer 2004 verlängert und seine
Bezüge erheblich aufgebessert wurden, nahm er dies zum Anlass,
seine Freude zu teilen und das Ereignis im Rahmen einer rauschenden
Nachbarschaftsparty in Brooklyn zu feiern.
Blind Date
Fest stand für Chappelle nur
soviel: (1) Die heißesten Acts sollten dabei sein, (2) die
Party-Location würde bis zuletzt geheim gehalten werden, (3)
niemand mußs Eintritt zahlen und (4) es gibt keine Werbung.
Das ganze Ding sollte unabhängig ablaufen und
ausschließlich über die informellen Netzwerke der
Community gestreut werden.
Es war einmal in Bedford
Stuyvesant
Am heftigsten wirbelte Chappelle
natürlich in seiner eigenen Neighborhood Bedford-Stuyvesant in
Brooklyn, gabelte Zuschauer auf, organisierte sich die Erlaubnis
eines Day Care Centers, auf dem Dach eine kleine Chill-Out-Zone
einzurichten, und später, am Schneidetisch, würde Gondry
all diese kleinen Stories mit den Proben und den Auftritten selbst
zusammenbringen und zu einem mitreißenden Bild-Ton-Gewebe aus
dem vollen Leben verbinden. Wie brachte es doch einer seiner
Gäste so schön auf den Punkt: ?A daylong
life-affirming celebration of music, comedy, history and
community.?
David Chappelle gegen den
Wettergott
Am Tag der Party sah es so aus, als
würde schlechtes Wetter Chappelle einen Strich durch die
schöne Rechnung machen ? aber gegen den Freestyle-Witz
des Comedians blies selbst der stärkste Wind vergebens und
Kanye West, Mos Def, Erykah Badu standen bereits in den
Startlöchern, um ebenfalls, wenn?s sein mußs, gegen
die Elemente anzutreten ...
Überraschung: Reunion der
Fugees
Und dann sollte auch noch mit den
Fugees der Überraschungsauftritt und Höhepunkt des Abends
kommen. Es wurde zu einem Gezerre mit dem Plattenlabel Columbia
Records um die Klärung der Rechte, aber dann war es soweit:
Erstmals seit 1997 stehen Lauryn Hill, Pras und Wyclef Jean wieder
gemeinsam auf der Bühne. ?Dies?, erklärt Dave
Chappelle, ?ist das Konzert, das ich schon immer mal erleben
wollte.?
Näher dran als jemals
sonst
Das Line-Up der Musiker ist nicht nur
deshalb beachtlich, weil sich alle großen Namen der Rap-Szene
darunter befinden. Es ist auch bemerkenswert, weil hier Musiker
zusammenkamen, die zeigten, dass man sich trotz einer steilen
Karriere im Entertainment-Betrieb, die Verbindung zu seinen Roots
bewahren kann ? vielleicht sogar mußs. Die Kinozuschauer
haben nun die Gelegenheit in der ersten Reihe dabei zu sein, die
Atmosphäre und die Musik der Party mitzuerleben, die
gemeinschaftliche Erfahrung zu teilen. DAVE CHAPPELLE?S
BLOCKPARTY übermittelt dem Zuschauer, dass Musik und Humor
sowie ein offener gesellschaftlicher Umgang miteinander uns
ungemein stärken, gerade auch in diesen turbulenten
Zeiten.
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