Dave Chappelle's Block Party

Produktionsnotizen

Im Sommer 2004 besuchte Michel Gondry den Comedian David Chappelle bei einem seiner Auftritte in der Nähe von Los Angeles. Als sie gemeinsam im Bus fuhren, erzählte Chappelle dem Regisseur von der Idee, seine Musiker-Freunde für ein Konzert zusammen bringen zu wollen. ?Gemeinsam ist diesen Freunden?, erzählte Chappelle. ?dass sie Hip-Hop nutzen, um sich auszudrücken. Und was sie auszudrücken haben, unterscheidet sich eben von den Botschaften, Mitteilungen, Geschichten, die normalerweise im Radio zu hören sind. Außerdem haben sie, auch wenn sie inzwischen erfolgreiche Künstler sind, nicht vergessen, wo sie herkommen und wollen etwas zurückgeben an ihre Communities.?

Viele Leute, denen er von dieser Idee auch schon erzählt hatte, haben Chappelle vorgeschlagen, das Konzert im Central Park zu organisieren. Er selbst war davon aber nicht überzeugt und so fragte er Gondry, was der von dieser Location hielt. Gondry erinnert sich: ?Ich schlug ihm vor: ?Mach es doch lieber an einem Ort, wo es so etwas wie ein Geschenk ist für die Menschen, die dort leben.??

So konzentrierten sich die Macher schon bald auf Brooklyn. David Chappelle wusste, dass einige der Musiker, die er im Sinn hatte, dort aufgewachsen waren. Als sie nach wenigen Tagen der Drehortsuche in einem Day Care Center um eine kleine Auskunft bitten wollten, trafen sie auf eine erstaunliche Frau, Luz Grice, die dieses Tagesheim leitete, und am Abend des gleichen Tages war die Entscheidung gefallen: in dieser Neighborhood sollte die Block Party stattfinden, und das Day Care Center von Luz Grice würde zum Hauptquartier für das Projekt werden.

Als die Organisation der Block Party konkret wurde, hefteten sich Gondry und sein Kamerateam an David Chappelles Fersen. Zuerst reisten sie mit ihm in seine Heimat nach Ohio, wo er an Leute, denen es sonst nie einfallen würde, zu solch einem Konzert zu gehen, Karten verschenkte und sie nach Brooklyn einlud.

Der Comedian konnte hingehen, wo er wollte, immer passierte irgendetwas Besonderes; er lud zum Beispiel die gesamte Brass Band der Universität ein und bot ihnen an, das Konzert zusammen mit Kanye West zu eröffnen. Aber um das zu ermöglichen, mußste er erst den Bandleader Brian Milsapp überzeugen, dass er einen bereits vereinbarten Auftritt der Truppe absagt. Erst wenn das klar ginge, wäre Milsapp bereit, das durchgehen zu lassen. Einer der rührendsten Momente des Films ist dann jener mit Spannung erwartete Augenblick, da die Nachricht ankommt, dass alles klappt und die Studenten in ihrer Begeisterung über David herfallen.

Zurück in New York wurden die Proben der Musiker für das Konzert dokumentiert. Für die Block Party selbst, die um 14:00 Uhr am Samstag den 18. September 2004 startete, bestand Gondry darauf, dass es eine Band geben sollte, die immer auf der Bühne sein würde, also gewissermaßen die ?Hausband? ? entsprechend Booker T and the MG?s beim STAX-Konzert oder den Funk Brothers bei Motown. So würden alle Bands auf einer gemeinsamen Plattform spielen, anstatt als Wettbewerber. Alle Bands waren einverstanden.

Was sich dann bei den Konzerten vor den Kameras abspielte, war grandios und das, was davon auf Kameras gebannt wurde, ebenfalls. Die Kamerateams von Gondry und Kuras haben das gesamten Event und auch die Interviews mit Filmkameras aufgenommen, denn mit Filmaufnahmen bekommt man immer noch deutlich mehr Details als bei Video. Gondry wollte dabei nicht mit einem ?Pool-Chef? arbeiten, und vertraute stattdessen dem Instinkt der einzelnen autonomen Dokumentarteams, die in ihrem jeweiligen Bereich und im richtigen Moment in der Lage wären, auch intime Details, die sie vor die Linse bekommen würden, aufzunehmen.

Zwischen den Auftritten schließlich unterhielt Dave die Menge, mal mit kleinen Szenen, die er aus dem Hut zauberte, mal mit seiner Version von ?Round Midnight?, die er auf dem Klavier spielte oder auch einfach durch Dialoge mit den Musikern oder einzelnen Konzertbesuchern. Als er auf einen Rapper traf, der im legendären Junior?s Restaurant in Brooklyn arbeitete, ergab sich ein wunderbares Rap-Duett der Beiden.

Mit all den Auftritten ? als Krönung eine Reunion der Fugees ? wurde Dave Chappelle?s Block Party zum größten Straßenfest, das es seit langem in Brooklyn gab. Eine irrsinnige Energie lag in der Luft, und aus all dem entstand der Film DAVE CHAPPELLE?S BLOCK PARTY, der die Seele der Musik wiederspiegelt und die dieses speziellen Viertels, in dem das Konzert stattfand.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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