Superman Returns

Produktionsnotizen

"Es gibt kein Land auf der Welt, in dem Superman unbekannt ist", sagt "Superman Returns"-Regisseur Bryan Singer, der sich mit dem preisgekrönten Die üblichen Verdächtigen einen Namen machte und inzwischen die berühmten Blockbuster X-Men und X-Men 2 inszenierte. "Brächte man das Emblem mit dem 'S'-Logo in den Dschungel, würden es sicher die Hälfte der Einheimischen erkennen. So gesehen ist er ein globaler Superheld."

"Wir alle sind mit der einen oder anderen Version von Superman aufgewachsen", sagt Dan Harris, der das Drehbuch zusammen mit Michael Dougherty geschrieben hat. "Ob wir die Comic-Hefte gelesen, die Fernsehserie oder die Kinofilme gesehen haben ? der Mann aus Stahl ist uns vertraut. Ganz einfach."

"Es ist die Mischung aus seiner Tapferkeit, seiner Unüberwindlichkeit und seinem Flugvermögen, die mir und all den anderen so gefällt", sagt Singer. "Superman tut, was getan werden mußs, er stellt sich jeder Gefahr, er steigt pfeilschnell in den Himmel auf? irgendwann haben wir alle davon geträumt, es ihm gleichzutun."

Seit seinem Comic-Heftdebüt 1938 ist Superman aus der Weltkultur nicht mehr wegzudenken ? er entwickelte sich zu einem zeitlosen Symbol menschlicher Ideale. "Als Erster kam er von einem fremden Planeten zu uns ? er verkörpert all das, was wir Menschen gern erreichen möchten, vor allem natürlich die Fähigkeit zu fliegen", sagt Executive Producer Chris Lee. "Hinzu kommt auch seine Superkraft, sein Blick, der alles durchdringt, und sein Gerechtigkeitssinn. Er zweifelt nie, das macht ihn so attraktiv, und er ist es in den 70 Jahren seiner Geschichte immer geblieben."

Über 30 Jahre lang trat der Held in Zeitung-Comicstrips auf. Heute freuen sich Millionen Fans auf die monatlichen Comic-Hefte von DC Comics, die in 25 Sprachen und über 40 Ländern erscheinen. Auf der Kinoleinwand tauchte der Mann aus Stahl 1941 erstmals in 17 innovativen Zeichentrickkurzfilmen aus den berühmten Fleischer Studios, aber auch in zwei real gefilmten Action-Serien auf. Inzwischen gibt es fünf Kinofilme, zahlreiche erfolgreiche Fernsehserien und 35 Titel auf Video und DVD. Der erste Kinofilm war 1951 "Superman and the Mole-Men" mit George Reeves, der als Pilotfilm für die anschließende Fernsehserie diente.

In jüngerer Zeit kam als erster Film Richard Donners "Superman: The Movie" (Superman ? Der Film, 1978) in die Kinos. Der verstorbene Christopher Reeve spielte den Mann aus Stahl, der legendäre Marlon Brando seinen Vater Jor-El. Regisseur Bryan Singer sah den Film am Startwochenende mit seiner Mutter in einem Dorfkino in New Jersey. "Ich war begeistert", erinnert er sich. "Die Figur wurde wunderbar lebendig, wobei das Ambiente gleichzeitig stark nostalgisch, aber auch sehr modern war ? die Epochen vermischten sich ganz mühelos."

Während sich die Kultur, die Wirtschaft und Technologie in unserer Zeit ständig wandeln, tritt Superman weiterhin unerschütterlich für die Wahrheit, Gerechtigkeit und das Gute ein. "Die Welt 1941 unterschied sich sehr deutlich von 1978, und seitdem hat sie sich wieder entscheidend verändert", sagt Singer. "Deswegen erlebe ich das Superman-Vermächtnis auch weniger als Wandel, viel mehr als Evolution. Natürlich bekommt er es immer wieder mit neuen Schurken zu tun, und sein Kostüm hat sich in all den Jahren unzählige Male verändert. In unserem Film mußs er sich ganz besonders mit Veränderungen auseinandersetzen, weil er fünf Jahre fort war. Doch es gibt eine Konstante? die unveränderliche Entschlossenheit, mit der er seine außergewöhnlichen Fähigkeiten einsetzt, um ein Beispiel zu geben und für das Gute zu kämpfen."

Mehrere Generationen hat Superman immer wieder daran erinnert, welch hervorragendes Potenzial in der Menschheit schlummert. Er ist ein mächtiger Retter, an den jeder glauben mag. In Donners "Superman ? Der Film" erzählt Brando als Jor-El seinem Sohn posthum, dass dieser nun unter den Menschen leben soll, weil sie das Zeug zu wahrer Größe haben ? doch für den richtigen Weg fehlt ihnen die Erleuchtung.

Spirituell ist Bryan Singers "Superman Returns" der Nachfolger von "Superman ? Der Film" ? Elemente von Brandos Auftritt als Jor-El fließen in den neuen Film mit ein. "Wir beschlossen, eine Art Sequel von Donners Film zu drehen ? dadurch sind wir flexibel, und wir können die Sache mit Zuversicht angehen", sagt Drehbuchautor Michael Dougherty. "Wir merkten, dass jedermann Supermans Ursprungsgeschichte kennt ? ob er sich nun genau daran erinnert oder nicht. Jeder hat mehr oder weniger präzise Vorstellungen von Superman. Darauf versuchen wir einfach aufzubauen."

Singer fühlte sich immer schon stark mit Superman verbunden ? er entwickelte ganz klare Vorstellungen davon, welche Richtung der Superheld in seinem Film einschlagen soll. "Mit Superman habe ich gemein, dass wir beide adoptiert wurden", sagt er. "Er ist wie ich ein Einzelkind. Aus diesen ganz einfachen Gründen habe ich mich ihm immer verbunden gefühlt ? deswegen bleibt er mein liebster Superheld. Deswegen liegt mir auch so viel daran, seine Geschichte auf meine Art zu erzählen."

Produzent Jon Peters erinnert sich, wie er sich damals Singers Konzept anhörte: "Ich bekam richtige Gänsehaut, weil ich spürte: 'Wow? der trifft es auf den Punkt. Die Story ist modern, gefühlsbetont, voller Action, aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Alle Elemente eines Superman-Films sind vorhanden."

"Bryan ist ein überragender Filmemacher", sagt Produzent Gilbert Adler. "Er hat Erfolg, weil ihm das Geschichtenerzählen im Blut liegt. Bryan erzählt immer mitreißende Storys ? ob bei der Essensausgabe im Kantinenzelt oder auf der großen Leinwand. Bryan ist ein Maestro!"

Supermans Zeit ist wieder einmal gekommen. Singer hat Jahrzehnte fest daran geglaubt, dass der Mann fliegen kann: Als Kind mit Cape und Superman-Pyjamas, dann als begeisterter Comic-Heftsammler und schließlich als Zuschauer in den 20 Jahren seit dem letzten Kinofilm.

"Unsere Gesellschaft ? die ganze Welt ? hat sich in den etwa 30 Jahren seit Richard Donners Film drastisch verändert", sagt der in "Superman Returns" mitwirkende Schauspieler Frank Langella. "Ich bin begeistert, dass Superman jetzt zurückkehrt. Er kommt zu einer Zeit, in der die Menschen das große Bedürfnis haben, zwei Stunden mit ihrer Riesenportion Popcorn im Kino zu verbringen, damit er sie von den Sitzen reißt."

Die Story und die Darsteller Seit er vor fünf Jahren so geheimnisvoll von der Erde verschwunden ist, hat Superman die entferntesten Winkel des Weltalls durchforscht, um mehr über seine Vergangenheit und seine Familie zu erfahren oder auch Schicksalsgefährten aufzuspüren. Doch wo sich einst Krypton befand, trudeln nur noch radioaktive Trümmer durchs All. Deswegen kehrt der einstige Kal-El nach Hause zurück ? eine Notlandung bringt ihn nach Kansas, auf die Farm der Kents.

Laut Singer ist Kal-El, den die Kents Clark nennen, stark von seiner Erziehung beeinflusst. "Oft heißt es: 'Welches ist sein Kostüm, welches seine Verkleidung?'", sagt der Regisseur. "Doch letztlich wird er von zwei Identitäten bestimmt. In seinem Auftritt als Superman steckt auch ein bisschen Angabe. Und als Clark zeigt er ganz klar ein ausgeprägtes Charakterbild in den Charaden, mit denen er sich linkisch und fast unsichtbar macht. Doch der echte Clark Kent ist der Mann, der von Martha und Jonathan Kent auf der Farm großgezogen wurde. Dieses Element war mir sehr wichtig. Selbst wenn er als unbeholfener Clark auftritt, bleibt doch das Superman-Fundament seiner Jugend auf der Farm."

Singer suchte also einen Schauspieler, der alle Facetten von Kal-El, Clark Kent und Superman darstellen kann, gleichzeitig die sportlich wie emotional anspruchsvolle Rolle bewältigt und sich damit als würdiger Nachfolger des verstorbenen Christopher Reeve erweist. Dennoch nahm er sich von Anfang an vor, diese Aufgabe nur einem unbekannten Darsteller anzuvertrauen. "Natürlich ist es ein gewaltiger Anspruch, in die Stiefel von Christopher Reeve zu steigen, aber trotzdem darf unser Superman-Darsteller nicht das Handicap eines bereits etablierten Filmstars mitbringen", sagt Singer. "Vielmehr suchte ich jemanden, der unser aller Vorstellung von Superman repräsentiert und ihr vom Aussehen her entspricht."

Genau dieses Problem hatte Richard Donner vor fast 30 Jahren, als er Reeve besetzte. Wer Superman spielt, mußs laut Donner "den Sohn von Jor-El lebendig machen. Er mußs diese Figur real und klar verkörpern. Dann mußs er sich in einen Superhelden verwandeln. Es wäre also ein gravierender Fehler, wenn dieser Darsteller beim Publikum schon durch andere Rollen bekannt wäre. Bryan stand vor genau demselben Problem. Wenn man den Schauspieler mit einer früheren Rolle verbindet, kann er dieser neuen Rolle nicht mehr gerecht werden. Wenn wir ihm glauben sollen, dass er fliegen kann, mußs er unbekannt sein ? das gilt heute mehr denn je."

Während der monatelangen Suche tauchte die Videokassette eines bisher unentdeckten Schauspielers auf, der sich für einen früheren von Warner Bros. Pictures entwickelten Superman-Film vorgestellt hatte. Der 26-jährige Brandon Routh hatte wie zahllose andere als Kind den Superman-Pyjama übergestreift und war durch seinen Heimatort Norwalk/Iowa "geflogen". Schon auf diesem Casting-Video erkannte Singer Rouths Qualitäten, die über seine erstaunliche Ähnlichkeit mit Superman hinausgehen. "Schon in meinem ersten Gespräch mit ihm spürte ich seine Herkunft aus dem Mittelwesten ? all die klassischen Ideale, die mit einer solchen Kindheit verbunden sind: Genau die verkörpert Superman", sagt Singer. "Hinzu kommt natürlich der körperliche Eindruck. Er sieht so aus, als ob er direkt aus einer Comic-Heftseite herausgetreten wäre. Schon in diesem Moment war er für mich praktisch die erste und einzige Wahl, weil ich ihm zutraute, alle DREI Rollen zu bewältigen ? Kal-El, Clark Kent und Superman."

Routh hatte noch nicht einmal die offizielle Zusage, als er bereits zur Kostümprobe mußste und sein Fitness-Programm in Angriff nahm. Doch erst als er in Australien den Set der Kent-Farm betrat, wurde ihm klar, dass er all das wirklich erlebte. "Als ich die Treppe zu Clarks, Kal-Els Zimmer hinaufstieg, sah es genau wie in meiner Vorstellung aus", sagt Routh. "In meiner ersten Szene vor der Kamera mußste ich über den Hof gehen, und da spürte ich dasselbe. Als Darsteller dieser Rolle ist man schier überwältigt. Die Verantwortung ist enorm, wenn ich mich bemühe, Bryans Vision zu entsprechen und eine Figur darzustellen, auf die so viele Zuschauer in aller Welt sehr konkrete Erwartungen projizieren."

Weil der Regisseur ihm voll vertraute, konnte Routh selbstbewusst aus seiner eigenen Persönlichkeit schöpfen, um selbst ein Konzept für die Rolle zu entwickeln. "Ich ließ mich von Bryans Leidenschaft und Enthusiasmus für dieses Projekt anstecken", sagt Routh.

Vor einem Publikum trug Routh das Kostüm erstmals beim Dreh einer Szene in der Redaktion des Daily Planet. "Ich bin ja nun einmal nur ein Mensch ? wie denke ich mich also in den Umstand hinein, dass ich übermenschlich bin?", fragte er sich. "Wie drücke ich diese überlebensgroße Tugend aus? Ich wollte all dem entsprechen, was wir bisher von Superman gesehen haben, aber ich mußste die Rolle irgendwie auch so spielen, dass die Crew sie mir auch abnahm und selbst Lust bekam, an diesem Film mitzuwirken."

Rouths erste Szene als Superman überzeugte alle, die ihn dabei erlebten. "Als Schauspieler wie als Mensch hat er ein wahrhaft großes Herz", sagt Produzent Gilbert Adler. "Das nahm uns alle sofort für Brandon ein. Er kennt die menschliche Natur sehr genau, und deswegen reißt er uns als Superman so mit. Clark war für ihn ein Selbstgänger ? und von einem Moment zum anderen entwickelte er sich zu Superman."

"Clark fällt ihm besonders leicht, weil er einfach Clark ist", sagt Drehbuchautor Dougherty. "Dieser 1,90 Meter lange, attraktive Typ aus Iowa ist nämlich schüchtern und manchmal auch ein bisschen linkisch."

Im Gegensatz zur Suche nach Superman war sein teuflisch intelligenter Erzfeind sofort gefunden: Unter Singers Regie gewann Kevin Spacey seinen ersten Oscar (als Bester Nebendarsteller) für seine Leistung als Verbal Kint in "Die üblichen Verdächtigen". "Wir schrieben Kevin die Rolle auf den Leib", sagt Singer. "Denn seit den 'Üblichen Verdächtigen' wollten wir wieder zusammenarbeiten, und er ist einfach die perfekte Besetzung mit seiner Mischung aus Humor und Zynismus. Abgesehen davon ist er natürlich auch ein hervorragender Schauspieler."

Am schwierigsten gestaltete sich bei der Besetzung der Terminplan, denn Spacey war duch seine Bühnenauftritte in London gebunden. "Weil er am Old Vic in London derart viele Vorstellungen absolvieren mußste, stand er uns in Australien nur für einen sehr begrenzten Zeitraum zur Verfügung", sagt Singer. "Wir konnten wohl nur sechs Wochen mit ihm arbeiten. Aber wir haben alle erforderlichen Szenen gedreht und schickten ihn rechtzeitig nach London zurück, wo bereits sein nächstes Projekt auf ihn wartete."

"Die Dreharbeiten waren fantastisch und haben riesigen Spaß gemacht", sagt Spacey. "Die Zusammenarbeit mit Bryan gestaltete sich wunderbar, nachdem schon 'Die üblichen Verdächtigen' ein so außergewöhnliches Erlebnis für uns war. Oft hatte ich das Gefühl, dass seitdem kein Tag vergangen war. Ich war aber schwer beeindruckt, wie sehr er sich in den letzten zehn Jahren als Filmemacher weiterentwickelt hat."

Der zweifache Oscar-Gewinner (seinen zweiten bekam er als Bester Darsteller für seine Leistung als Lester Burnham im Oscar-prämierten Besten Film "American Beauty") beschreibt seinen Lex als "sehr düster, verbittert und rachsüchtig, aber auch mit dem Schalk im Nacken. Er ist der Kapitalist par excellence. Seine verzwickten Pläne lösen eine gefährliche Kettenreaktion aus. Doch letztlich geht es ihm nur um eines: Er will absahnen."

Lex hat fünf Jahre im Gefängnis gesessen, wird aber entlassen, als Superman nicht zum Bewährungstermin erscheint. Für die Zeit nach seiner Entlassung hat er bereits vorgesorgt ? unterstützt wird er von der wohlhabenden Gertrude Vanderworth (gespielt von Noel Neill, der ersten Darstellerin der Lois Lane in den beiden Kino-Serien der 1940er-Jahre und in der Fernsehserie der 1950er-Jahre mit George Reeves ? damals übernahm sie die Rolle von Phillis Coates). Nach ihr nennt Lex seine Luxusyacht, und schon bald wird sie ihn zum schwerreichen Witwer machen. "Lex hat sich immer wieder verwandelt ? er fühlt sich derart betrogen, dass jetzt die Zeit seiner Rache gekommen ist", berichtet Spacey. "Er war einige Zeit von der Bildfläche verschwunden ? genau wie Superman, und deswegen entwickelt er jetzt einen ausgeklügelten Plan für ihr nächstes Treffen ? wie immer geht es dabei um Immobilien. Lex Luthor hat sich immer schon für Grundstücke interessiert."

Als Kal-El in Kansas notlandet, stellt er fest, dass seine Welt sich stark verändert hat. Das wird schon an der Schlagzeile des Daily Planet deutlich: "Warum die Welt auch ohne Superman auskommt" stammt ausgerechnet aus der Feder von Lois Lane. "Nichts könnte Superman stärker verstören als die Frau, die er liebt, die ihm aber eröffnet, dass er nicht mehr gebraucht wird. Wofür das Schicksal ihn bestimmt hat, spielt offenbar gar keine Rolle mehr", sagt Harris. "Lois schreibt, dass das Leben weitergehen mußs: Die Menschen sollen gefälligst selbstständig werden und sich nicht auf einen Retter verlassen. Natürlich versucht sie ihn auf diese Weise selbst zu vergessen."

"Die Welt hat ihren Wohltäter vergessen", sagt Chris Lee. "Als er von seiner Reise zurückkehrt, steht er vor einem Dilemma, denn er findet keinen Platz mehr in der Welt ? er war sehr lange fort, und Lois posaunt heraus, warum er überflüssig ist. Aber wie immer weiß seine Mutter Rat."

Martha "Ma" Kent, Clarks Adoptivmutter, wird von der legendären Eva Marie Saint (Der unsichtbare Dritte; Die Faust im Nacken) dargestellt. Martha freut sich riesig, als ihr Sohn zurückkehrt, erkennt aber sofort, dass sich seine Bestimmung gewandelt hat. "In seiner Jugend haben ihn seine Eltern dazu angehalten, seine besonderen Fähigkeiten für gute Taten einzusetzen", sagt Saint. "Doch als er zurückkehrt, ist er völlig mutlos. Er braucht sie: Sie mußs ihm Mut machen und sein Selbstbewusstsein aufbauen, damit er wieder Superman werden kann."

Saint gewann den Oscar für "Die Faust im Nacken" als Partnerin von Marlon Brando ? Supermans Kino-Vater Jor-El. Als einzigartig empfindet sie das Privileg, eine Rolle spielen zu dürfen, mit der sie ihre Enkel beeindrucken kann. "Ich habe den Part sehr freudig angenommen, weil ich immer noch gern arbeite ? das ist halt mein Beruf", sagt sie. "Als meine drei Enkel das hörten, reagierten sie ganz spontan: 'Das ist ja voll cool!' Und gleich haben sie es ihren Freunden weitererzählt. Das ist gut fürs Geschäft, stimmt's?"

Saint bedankt sich bei Singer für dessen Unterstützung bei einer emotional, aber auch körperlich anstrengenden Szene, in der Ma Kent das brennende Raumschiffwrack ihres Adoptivsohns findet. "Das war eine lange Drehnacht", erinnert sich Saint. "Aber Bryan hat viel Geduld und reagiert ganz instinktiv ? er lässt seine Schauspieler durchaus verschiedene Varianten ausprobieren. Man spürt wirklich die Liebe zwischen der Mutter und ihrem einzigen Sohn. Mir fiel es sehr leicht, Brandon Rouths liebevolle Mutter zu verkörpern, denn er ist ein sehr angenehmer junger Mann und ein sehr begabter Schauspieler." Und sie fügt hinzu: "Ich habe mir immer gewünscht, fliegen zu können, und heimlich habe ich mir vorgestellt, mal mit Superman zu fliegen. Doch der Traum hat sich nicht erfüllt."

Als Brillenträger Clark Kent kehrt Superman nach Metropolis zurück und mußs leider feststellen, dass nur sein alter Freund, der Nachwuchsfotograf Jimmy Olsen, sein Verschwinden bemerkt hat. "Jimmy glaubt, dass Clark all die Jahre per Anhalter um die Welt gereist ist", sagt Sam Huntington, der den Fotografen spielt. "Also fragt er Clark über die berühmten Orte aus, die er doch gesehen haben mußs, aber Clark kennt sie alle nicht."

Von Jimmy erfährt Clark auch die niederschmetterndste Nachricht überhaupt: Lois, die Liebe seines Lebens und seine dringend benötigte Verbindung zur Menschenwelt, hat sich verlobt und ist Mutter eines Sohnes namens Jason, dargestellt von Newcomer Tristan Leabu. "Dieses Hindernis erweist sich als hartnäckig wie Kryptonit", sagt Singer. "Das will erst einmal umschifft sein ? hier kommen wir zum emotionalen Kern des Ganzen." Und Routh fügt hinzu: "Er ist also wieder der totale Außenseiter, obwohl er doch zurückgekehrt ist, weil er überzeugt war, gerade hier akzeptiert zu werden."

Um jene Frau zu verkörpern, die weltweit fast so bekannt ist wie Superman selbst, war eine junge Schauspielerin gefragt, die Lois' bekannte Eigenschaften, ihre Intelligenz und ihren Witz darstellen kann, doch sie mußs ihr auch weitere Dimensionen hinzufügen: Lois ist reifer geworden, ihr Charakter hat sich in den Jahren, die sie auf Superman warten mußste, verhärtet.

Die Lösung fand sich mithilfe von Singers altem Freund und Mitarbeiter Kevin Spacey: 2004 inszenierte Spacey die Filmbiografie "Beyond the Sea" (Beyond the Sea) über den 1950er-Jahre-Sänger Bobby Darin, den er selbst spielte. Seine Partnerin war Kate Bosworth als Sandra Dee. "Ich hatte das Glück, eine Voraufführung von Kevins Film sehen zu dürfen, und war überwältigt von Kates Leistung als Sandra Dee", erinnert sich Singer. "Kevin berichtete, wie wunderbar man mit ihr arbeiten kann. Ich lud sie also ein, zusammen mit Brandon vorzusprechen. Es war ziemlich offensichtlich, dass die beiden sich auf Anhieb verstanden ? wir alle waren sofort überzeugt, dass sie eine traumhafte Lois Lane abgeben würde."

"Es ist für mich eine große Ehre, in diesem Film mitwirken zu dürfen", sagt Bosworth, die als peppige Surferin in "Blue Crush" (Blue Crush) international bekannt wurde. "Ich fühle aber auch die große Last der Verantwortung auf meinen Schultern ? der Druck ist gewaltig, denn Fans in aller Welt kennen diese Figuren in- und auswendig. In unserem Film entwickeln sie sich weiter, sie offenbaren ihr Innenleben, was uns beim Spielen natürlich viel Spaß gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass Lois und Clark den Zuschauern auch auf der großen Leinwand wieder gefallen werden."

Gleich nach seiner Rückkehr erfährt Clark, dass Lois in großer Gefahr schwebt: Ein Shuttle hebt vom Rumpf eines Flugzeugs ab, und Lois ist mit an Bord. "Sie begegnen einander wieder, als die ganze Welt miterlebt, dass Superman zurückgekehrt ist", sagt Routh.

Nach einer atemberaubenden Rettungsaktion, bei der Hunderte Tonnen brennender Metalltrümmer durchs All trudeln, und nach der gefährlichen Notlandung in einem Baseball-Stadion schauen sich Lois und Superman nach fünf Jahren erstmals wieder in die Augen. "Superman sorgt für eine sichere Landung", erzählt Routh. "Er kommt durch die Tür, um sich zu vergewissern, dass alle Passagiere unversehrt sind ? und da begegnet er Lois' Blick. Das ist für beide ein sehr emotionaler Moment, wenn auch nur sehr kurz. Sie wendet sich nicht von ihm ab. Obwohl sie den Artikel über ihn verfasst hat, merkt er also, dass noch Hoffnung besteht."

Außerdem freundet er sich mit Lois' kleinem Sohn an, der die Welt nur ohne Superman kennt.

Ein Mann hält seine Freude über Supermans Rückkehr ganz gewiss nicht zurück: Perry White, der Chefredakteur des Daily Planet, dargestellt von dem erfahrenen Frank Langella ("Dracula"). "Egal ob man sieben oder 70 ist ? wenn ein Held zurückkehrt, dann läuft uns ein wohliger Schauder über den Rücken", sagt Langella. "Zeitlose Begeisterung löst eine solche Ikone von epischen Proportionen aus, wenn sie wieder auftaucht. Es ist schon etwas ganz Besonderes, auf solche Helden zählen zu können." Ein eher praktischer Aspekt ist, "dass Perry White natürlich auch an sein Blatt und die Auflage denkt ? auch deswegen ist er sehr glücklich, dass Superman auftaucht, weil er ab jetzt auch wieder exklusive Superman-Stories drucken wird, die die Kassen zum Klingeln bringen. Kein Wunder, dass er überglücklich ist."

Jimmy-Olsen-Darsteller Sam Huntington ist seit frühester Kindheit Superman-Fan und freute sich besonders, eine Szene mit Jack Larson spielen zu dürfen, der den Jimmy Olsen in der TV-Serie der 50er-Jahre verkörpert hat. "Für mich ist Jack einer der Größten ? ich fühle mich besonders geehrt? nicht nur weil ich neben ihm auftreten darf, sondern zudem auch noch in der Rolle, die er als Erster gespielt hat", sagt Huntington. "Außerdem erzählt er tolle Geschichten darüber, wie sehr sich sein Leben veränderte, weil er eine so berühmte Rolle gespielt hat. Damit ist für mich ein Traum wahr geworden ? als Schauspieler und auch als Superman-Fan."

Neben all den bestens bekannten Figuren führt "Superman Returns" auch zwei neue Personen ins Universum des Superhelden ein: Lex Luthors Kumpanin Kitty Kowalski, gespielt von Parker Posey; und Perry Whites Neffen Richard White (James Marsden), der mit Lois verlobt ist.

Kitty Kowalski gehört selbst nicht zu den Bösewichten, hat aber mit manchem Ganoven gemeinsame Sache gemacht. Doch als sie zu einer Schlüsselfigur im Komplott zu Supermans Vernichtung aufsteigt, ist das deutlich eine Nummer zu groß für sie. "Kitty findet das Leben toll, das Lex ihr bietet", sagt Posey, die sich mit Filmen wie "Personal Velocity", "Best in Show" (Best in Show) und "The House of Yes" (Wer hat Angst vor Jackie-O?) einen Namen gemacht hat. "Außerdem steht sie auf seinen Humor und sogar auf seine Abartigkeit", fährt Posey fort. "Doch die ganze Affäre wächst ihr einfach über den Kopf, und am Ende klammert sie sich nur noch krampfhaft an den kleinen Hund, den sie geerbt hat."

"Parker eröffnet Kitty unglaubliche Dimensionen, sie kommt als eine Art geistiger Verwandte der Miss Teschmacher aus den ersten beiden Filmen daher", sagt Singer. "Wie Teschmacher wirkt Parkers Kitty sehr komisch und unverschämt, sie kann Lex durchaus das Wasser reichen, aber andererseits regt sich in ihr noch ein Gewissen, das Lex eindeutig nicht kennt."

Richard White arbeitet als Redakteur beim Daily Planet. Er ist mit Lois verlobt ? Lois' kleiner Sohn Jason nennt ihn "Daddy". "Richard White taucht als Neuling in Supermans Welt auf", sagt Marsden, der den Superheld Cyclops in Singers "X-Men"-Filmen spielt und aktuell auch in "X-Men: The Last Stand" (X-Men: Der letzte Widerstand) dabei war. "Ich fand es interessant, für Bryan eine so total andere Rolle darzustellen. Denn es ist echt cool, einen Typen zu spielen, der sich zwischen Lois und Superman drängen darf."

"Richard ist kein übler Typ ? ganz im Gegenteil ?, aber ist er auch der Richtige für Lois?" fragt Routh, um dann selbst die Antwort zu geben: "Nein, denn der Richtige ist natürlich Superman."

Während Superman noch einen Ansatzpunkt sucht, um Lois wieder näherzukommen, mußs er sich laut Routh "gleichzeitig damit auseinandersetzen, was seine Verantwortung, sein Schicksal von ihm fordern: Er ist der gewaltigste Schutzherr der Erde." In spannenden und auch komischen Trips rund um den Globus bekämpft er das Böse, wo immer es auftaucht. Die Welt reagiert begeistert auf die Rückkehr des Superhelden, den viele schon vergessen hatten.

Doch seine größte Bewährungsprobe steht ihm noch bevor: Lex Luthors teuflischster Plan richtet sich nämlich nicht nur gegen Superman, sondern gegen die gesamte Menschheit. Diesmal wird nicht nur Supermans Glauben an die Menschen auf eine harte Probe gestellt, sondern auch seine Fähigkeit, jedes von seinen Feinden aufgetürmte Hindernis aus dem Weg zu räumen.

Australien und Metropolis: Die Dreharbeiten Die Außenaufnahmen begannen nahe dem australischen Breeza in einer ländlichen Gegend, wo man Farmland in ein Außenstudio umfunktionierte. Das Filmteam legte eine zehn Kilometer lange Straße an, um die Zufahrt zum "Basislager" zu ermöglichen. Es bestand aus den Wohnwagen der Stars und Filmemacher, dem Küchen- und Kantinenzelt und Wohnwagen für alle Filmabteilungen von der Maske bis zu den Kostümen, Spezialeffekten und visuellen Effekten. Das Basislager verfügte auch über eine IT-Einheit, mit der per Satellit mitten im australischen Busch eine Internetverbindung geschaffen wurde.

Alle Straßen auf dem Gelände führten zur Kent-Farm, wo Produktionsdesigner Guy Hendrix Dyas das berühmte Haus von Ma, Pa und Clark Kent in Kansas nachbaute. Vom Briefkasten am Ende der Auffahrt bis zur Schaukel auf der Veranda des einfachen Farmhauses bedachten Dyas und seine Designer, Künstler, Handwerker und Bauteams jedes kleine Detail der Umgebung, in der Superman aufwuchs. Die zehn Meter hohe Scheune wurde im klassischen Blutrot gestrichen, und auch die extra mit zwei Meter hohem Mais bepflanzten Felder, die zwei Hektar Fläche einnahmen, gehören zu den Highlights der Farm.

Drei Wochen lang drehte das "Superman Returns"-Team auf dem atemberaubenden Kent-Farm-Set, das sich in der Nähe der kleinen Stadt Tamworth in New South Wales befand. Es war verblüffend anzusehen, wie Supermans irdische Heimat wieder erstand ? neue Straßen wurden angelegt, kilometerlange Telefonleitungen an Masten befestigt, Mais wurde speziell für den Film ausgesät.

Drei Wochen lang pendelten alle Teammitglieder zwischen dem Drehort und Tamworth hin- und her, wo man fast alle Hotelzimmer, Restaurants und Pubs mit Beschlag belegte. So konnten die Filmemacher zusammen mit ihren Stars Brandon Routh, Eva Marie Saint, James Karen (er spielt jenen Ben Hubbard, der Martha Kent den Hof macht) und Stephan Bender (der den kleinen Clark in mehreren Rückblenden spielt) die an die berühmten Bilder von Norman Rockwell erinnernde, typisch amerikanische Idylle genießen ? mit allem was dazugehört: drückender Hitze, aber auch den schönsten Sonnenuntergängen, die sie je erlebt haben.

"Den Mais in Tamworth auszusäen und wachsen zu lassen war ein riesiges Problem", sagt Dyas. "Gerade in dieser Gegend Australiens herrschte nämlich seit vielen Jahren Dürre. Wir mußsten extra ein Bewässerungssystem installieren, um das Getreide auf der Kent-Farm bis zum Ende der Dreharbeiten grün zu halten. Das war eine unglaubliche Leistung, und mit unserem Mais haben wir vor Ort eine Menge Vieh ernährt, als wir endlich unsere Zelte abbrachen und verschwanden. Es kostete sehr viele Arbeitsstunden, mitten in der Einöde so viel aufzubauen, aber Bryan und mir ist es letztlich doch gelungen, unsere Vorstellung von Martha Kents Farm umzusetzen ? so konnten wir sehr schöne Momente für den Film aufnehmen. Vom ersten Tag bis zum Drehschluss haben Bryan und ich uns beim Look des Films immer wieder auf Supermans bereits existierende Welt bezogen: auf die Comics, die TV-Serie oder die früheren Spielfilme. Darauf legt Bryan größten Wert. Entsprechend achtete ich bei all meinen Entwürfen peinlich genau darauf, den früheren Superman-Versionen gerecht zu werden. Wir wollten Supermans Welt der heutigen Zeit anpassen, aber sie nicht neu erschaffen. Als Erstes habe ich die Kent-Farm für den Film entworfen ? das erlaubte mir einen wunderbaren Einstieg, denn von Anfang an konnte ich viele klassische und romantische Elemente einbringen."

"Genau wie die Story ist auch der Look des Films stark romantisch geprägt", sagt Singer. "Es gelang uns recht überzeugend, die berühmten Designs von John Barry nachzuempfinden, die er 1978 für den Donner-Film schuf und die für das romantische Feeling der 1940er-Jahre sorgen ? von der Farbpalette über die optischen Kompositionen bis zu den Art-Deco-Fassaden und gleißenden Wolkenkratzern in Metropolis. Natürlich handelte es sich auch 1978 nicht um einen historischen Film, sondern um eine Mischung aus Alt und Neu, die letztlich einen zeitlosen Look schafft. Genau diesen Ansatz haben wir bei allen Design-Aspekten jetzt auch wieder verfolgt."

Nachdem die Szenen auf der Kent-Farm abgedreht waren, kehrte das Team in die australischen Fox-Studios zurück, die in Sydney das Film-Hauptquartier bildeten. Die Produktion benötigte alle sieben Studiohallen und beschäftigte das Bauteam rund um die Uhr. "Sobald eine Szene abgedreht war, wurde der Set abgerissen, um Platz für die nächste Szene zu schaffen." Einmal herrschte derartige Platznot, dass Dyas sich gezwungen sah, einen seiner Bauschuppen in ein Studio umzufunktionieren und dort die Innenräume der 60 Meter langen Film-Yacht Gertrude unterzubringen.

"Wenn man all die kardanischen Aufhängungen für die Flugzeug- und Yacht-Szenen, die Wasserbecken und die Greenscreen-Bühnen mitrechnet, haben wir etwa 80 Sets gebaut", sagt Produzent Gilbert Adler. "Das war zwar problematisch, aber da auf dem Studiogelände keine anderen Filme gedreht wurden, haben wir es komplett mit Beschlag belegt und uns häuslich eingerichtet. Dadurch konnten wir den Drehplan und die Baumaßnahmen sehr viel flexibler und kreativer handhaben ? anders hätten wir den fantastischen Look und die reibungslose Funktion der Sets auch nicht hinbekommen."

Singer wollte aber neben der Kent-Farm auch andere Schauplätze des Superman-Universums in seine Rückkehr-Geschichte mit aufnehmen, vor allem natürlich die Innen- und Außenansichten sowie das Dach des Daily Planet-Redaktionsgebäudes und die bei den Fans so beliebte Festung der Einsamkeit. "An der Festung der Einsamkeit kann man gut demonstrieren, wie wir das Konzept übernahmen, das John Barry für Donners Superman-Film entworfen hat", sagt Singer. "Wir sind heute durch die weiterentwickelte Technik der visuellen Effekte in der Lage, das Konzept noch auszubauen."

Dyas ließ sich von den 1978er-Sets von John Barry inspirieren und konstruierte ein "Kristallschiff" für Superman, das 45 Meter lang, 41 Meter breit und etwa drei Stockwerke hoch war. "Dieser Set erinnert ganz bewusst an die Kristallkapsel, mit der Superman im ersten Richard-Donner-Film auf die Erde kommt", sagt Dyas. "Wir haben sie allerdings erheblich modernisiert ? sie erinnert heute an die wissenschaftlichen Experimentierkästen für Kinder ? wir haben damals Kristalle wachsen lassen. Superman verwendet seine eigene 'Kristall-Technologie', um ein Schiff zu schaffen. Das Ergebnis sieht wirklich äußerst ungewöhnlich und elegant aus ? es strahlt von innen heraus und wirkt überirdisch schön. Ähnlich sind wir beim Design von Supermans Festung der Einsamkeit vorgegangen, und mithilfe der neuen Techniken können wir die Kristall-Idee erheblich ausbauen. Im Film von 1978 ist der Set nur von einer Seite zu sehen ? wir sind jetzt in der Lage, es von allen Seiten zu zeigen. Bryan kann also mit der Kamera ganz um dieses riesige, Kathedralen-ähnliche Gebilde herumfahren. Das wirkt sehr spektakulär."

Auch für das Daily Planet-Gebäude dachte Dyas sich etwas Ungewöhnliches aus ? er ging davon aus, dass dieses Gebäude in Metropolis genau wie viele Art-Deco-Häuser in New York im Lauf der Jahre in manchen Aspekten renoviert worden ist, um die neuesten Medien- und Drucktechniken zu integrieren. "Guy gelingt es ganz hervorragend, die Deco-Atmosphäre der Hausfassade und der Eingangshalle mit den neuesten Plasma-Bildschirmen und flachen Computer-Monitoren zu kombinieren", kommentiert Singer. "Wieder wird das Alte mit dem Neuen verbunden und wirkt dadurch zeitlos? genau wie Superman."

Sechs Monate waren nötig, um den Daily Planet-Set zu entwerfen, vier Monate dauerte der Bau, einen Monat die entsprechende Ausleuchtung. "Allein in diesem Set wurden an die 3000 Leuchten und 30 Kilometer Kabel verbaut", erinnert sich Adler.

"Bryan wünschte sich auf seinen Sets jede Menge Details ? beim Daily Planet konnte ich meiner Fantasie also freien Lauf lassen", sagt Dyas. "In der Vorbereitungsphase recherchierten wir, und wir besuchten das originale Daily News-Gebäude in New York, das Raymond Hood 1929 entworfen hat. Diese wunderbare Epoche der amerikanischen Art-Deco-Architektur hat mich bei meinen Entwürfen stark beeinflusst, vor allem beim Büro des Chefredakteurs in der Redaktion des Daily Planet. Der Stil unseres Films soll zwar modern sein, aber dennoch ließ ich mich von den für die 1930er-Jahre typischen geometrischen Linien, von dem Einsatz von Glas und kräftigen Farben inspirieren." Dieser Einfluss lässt sich auch an der klassisch-ornamentalen Fassade des Daily Planet-Gebäudes und der viel frequentierten Plaza nachweisen. Dazu Dyas: "Unbedingt sollte wieder der berühmte rotierende Globus oben auf dem Daily Planet-Gebäude prangen, und auch das Flachdach hoch über Metropolis spielt eine Rolle. Auf diesem traumhaften Set spielt eine der Liebesszenen."

Der Plaza-Set war derart umfangreich, dass er in keine der Fox-Studiohallen passte. Die Filmemacher entschieden sich also zu dem ungewöhnlichen Schritt, den Set unter freiem Himmel zu bauen, wobei sie die Straße zwischen zwei vorhandenen Studiohallen mit einbezogen. "Ob Sie es glauben oder nicht: Der Außenset hat bestens funktioniert", stellt Dyas fest. "Wir hatten fantastisches Wetter, und wir konnten die umliegenden Straßen mit gelben Taxis, Bussen und dem üblichen Straßenverkehr vollstopfen. Außerdem verwandelten wir ein angrenzendes Gelände in einen winzigen Central Park und richteten auch eine U-Bahn-Station ein. Dieses Set machte uns eindeutig die größten Probleme, aber alles hat wunderbar geklappt."

Neben der Vanderworth-Yacht schuf Dyas zwei weitere Sets, die ausschließlich in "Superman Returns" zu sehen sind. Dyas entwarf ein kompliziertes Modelleisenbahnset im Keller der Vanderworth-Villa ? zusammen mit einem enormen Insel-Set, der einfach als New Krypton bezeichnet wurde. "New Krypton kann man wohl nicht anders beschreiben als Kreuzung zwischen der Arizona-Wüste und der Arktis", sagt Dyas. "Wir verwendeten Kristallformen und -formationen, die optisch zur Superman-Mythologie gehören. Das erinnert an Supermans Festung der Einsamkeit, leuchtet aber nicht so stark und wirkt fast farblos."

"Dagegen wirkt die Modelleisenbahn wie ein Miniatur-Spielplatz. Mein Team setzte begeistert Hunderte von Modellbausätzen zusammen, um hyper-realistische Städte und Landschaften zu kreieren", sagt Dyas. "Wir haben uns bei den Details äußerst viel Mühe gegeben, denn wenn Lex die Modelleisenbahn mit seinem Kristall-Experiment vernichtet, ist das eine Metapher für die Zerstörung, die er für die Menschenwelt plant. Unser Eisenbahnset war im Vergleich zu anderen bereits riesig, aber es sollte noch gewaltiger erscheinen ? also bauten wir einen Keller-Set drum herum und setzten dabei perspektivische Tricks und Ähnliches ein. Ein Beispiel: Die Betonpfeiler des Kellers stehen vorn auf dem Set weit auseinander, rücken aber nach hinten hin immer näher zusammen. Außerdem verwendeten wir Eisenbahnzüge in unterschiedlichen Maßstäben: Die größten fuhren im Vordergrund vor der Kamera vorbei, die kleineren im Hintergrund", erklärt Dyas. "Wir haben Aberhunderte von Modellbausätzen verplant, um die Eisenbahnanlage realistisch zu gestalten, und ohne die großzügige Unterstützung der Firma Märklin wäre das unmöglich gewesen. Die Märklin-Züge und Bausätze sind einfach hervorragend, und über mehrere Monate hinweg schickten sie uns zahllose Kisten voller Schätze." Zu den vielen Details der Eisenbahnanlage zählen zum Beispiel die mit Kakteen gespickte Arizona-Wüste, das gleißende Stadtpanorama von Metropolis und die schneebedeckten Gipfel der Schweizer Alpen.

Die gleiche Mischung aus klassischen und allerneuesten Motiven bestimmte auch die Filmkostüme. Zunächst richtete sich die gesamte Energie der Macher natürlich auf das Superman-Kostüm. Singer wollte damit nicht nur den Ikonen-Charakter transportieren, der sich seit Anfang an kulturell etabliert hat, sondern der Figur auch einen modernen Touch verleihen.

"Ich erinnere mich, wie Brandon erstmals bei mir auftauchte", sagt Kostümbildnerin Louise Mingenbach, die sich mit Superhelden-Garderobe bestens auskennt, seit sie die Kostüme zu Singers beiden "X-Men"-Filmen lieferte. "Er betonte, dass er sich ein besonders bequemes Kostüm wünschte, das ihn möglichst wenig einschränken sollte. Ich wollte nicht unsensibel reagieren, aber ich lachte nur: 'Baby, du wirst dich in deinem ganzen Leben nie so unwohl fühlen wie in diesem Kostüm. Das Leben eines Superhelden ist nicht leicht ? und mit Bequemlichkeit hat es wirklich nichts zu tun.'"

"Irgendwie war das richtig süß", sagt Mingenbach. "Denn zu dem Zeitpunkt hatte Brandon noch keine Ahnung, worauf er sich da einließ."

Die nächsten Monate verbrachte er in einem blaufarbigen, enganliegenden Stoff namens Milliskin, unter dem er einen konturierten "Muskelanzug" trug. "Weil der Stoff so straff ist, drückte er Brandons echte Muskeln flach, die er in hartem Training entwickelt hatte. Deshalb mußsten wir einen Muskelanzug entwickeln, um ihm seine eigenen Körperkonturen zurückzugeben", sagt Mingenbach.

Das berühmte "S"-Emblem auf dem Kostüm besteht aus einem gegossenen Latex-Relief, in das dann per Laser Tausende kleine S-Insignien geschnitten wurden. Das Futter des Capes wurde aus speziell in Frankreich gefertigter Wolle hergestellt. Durch die Ombre-Behandlung wirkt das Cape vor allem in der Mitte leuchtend rot. Außen verstärkte man das Cape "mit Gummi, um es fester und schwerer zu machen", sagt Mingenbach. "Man kann jetzt also verstehen, warum von Bequemlichkeit keine Rede sein kann, wenn man zwei hautenge Trikots und darüber ein fünf Kilogramm schweres Cape tragen mußs."

Um Supermans Anzug wirklich auszufüllen, mußste Routh sich einem intensiven Körpertraining unterziehen, das schon begann, als er die Rolle noch gar nicht in der Tasche hatte. In Los Angeles trainierte Routh mit Gudni Gunnarsson. "Die Trainingsmonate in L.A. dienten eigentlich nur dazu, mir die Kondition für das eigentliche Bodybuilding anzutrainieren", sagt Routh. "Es ging nur darum, meinen Körper vorzubereiten, damit er auf das spätere Gewichtheben in Australien eingestellt war."

In Sydney angekommen, begann Routh sein Programm mit dem australischen Trainer Michael Ryan, der dem Schauspieler fast Übermenschliches abverlangte. "Das Pensum ging gleich heftig los und blieb die gesamte Zeit auf diesem intensiven Niveau", erinnert sich Routh. "Oft kam ich mir eher als Athlet und nicht als Schauspieler vor. In 15 Meter Höhe in der Luft zu baumeln oder fünf Meter tief unter Wasser die Luft anzuhalten, während ich von dem Kostüm behindert wurde, war für alle Körperteile ungeheuer stressig, vor allem, wenn wir solche Szenen den ganzen Tag und viele Tage hintereinander drehten. Es klingt zwar verrückt, aber ich habe mich angepasst, und mein Körper gewöhnte sich daran."

An normalen Tagen stemmte Routh mindestens eine Stunde lang Gewichte, absolvierte sein Lauftraining, machte dann Kostümproben, Frisuren- und Makeup-Tests und Testaufnahmen vor der Kamera. "Ich lernte eine Menge, habe eine Menge erreicht. Und das hat mein Selbstbewusstsein ungeheuer gestärkt, denn ich war rundum von Fachleuten umgeben."

Die Physik des Fliegens und die Genesis-Kamera Seit den 1970er-Jahren, als Richard Donner Superman - Der Film drehte, hat sich die Technik in einer Weise entwickelt, von der die Filmemacher damals nur träumen konnten. Dank des Riesenfortschritts in den Bereichen Kameratechnik und visuelle Effekte weiß Bryan Singer, dass "wir uns heute wirklich überzeugen lassen, dass ein Mensch fliegen kann." Singer und sein Team bemühten sich vor allem, den körperlichen Fähigkeiten der Superman-Figur in seiner Welt gerecht zu werden.

"Brandon und ich entwickelten unsere eigenen physikalischen Gesetze, die dann unsere Richtschnur für die Flugsequenzen darstellten", sagt Singer. "Zum Beispiel: Wie viel Aufwand kostet es, ein fliegendes Flugzeug einzuholen? Wann springt er vor, wann lässt er sich treiben? Welche Handbewegungen führt Superman aus, um während des Flugs seine Richtung zu ändern? Diese Fragen haben Brandon, ich und die Stunt-Koordinatoren und Flugteams immer wieder diskutiert. Und dank der heutigen Technik fliegt Brandon, wie es noch keinem Superman möglich war."

"Eine Technik mit den heutigen Möglichkeiten gab es auch vor zwei Jahren noch nicht", sagt Singer. "Was sich auf dem Gebiet der visuellen Effekte tut, ist einfach verblüffend. Im Gegensatz zu einem Superheld wie Spider-Man ist Supermans Haar und Gesicht den Elementen ausgesetzt ? deshalb mußs er auch im Flug als Darsteller auftreten und seine gesamte Persönlichkeit einsetzen."

Bei den realen Filmaufnahmen mit Routh gingen die Filmemacher genauso sorgfältig vor wie bei der Berechnung der Computerbilder, beim Scannen und Animieren der Figur ? und all das, um einen Mann darzustellen, der fliegen kann, wie und wohin er will.

Die aktuellste technische Entwicklung, die bei den Dreharbeiten zum Einsatz kam, ist die digitale Genesis-Kamera, die von Sony und Panavision gemeinsam entwickelt wurde. Das Genesis-Kamerasystem wird bei "Superman Returns" erstmals für einen ganzen Spielfilm verwendet.

"dass der Einsatz der Genesis-Kamera vielleicht möglich sein würde, erfuhr ich, als ich Brandon bereits besetzt hatte", erinnert sich Singer. "Wir machten Probeaufnahmen in dem vorgesehenen Filmformat Super 35mm, und aus Spaß drehten wir auch einen Test in 70mm. Nachdem beide Aufnahmen entwickelt waren, schauten wir uns zunächst den 35mm-Film an und schalteten dann um auf den 70mm-Projektor. Die Brillanz, Tiefe und die völlig unsichtbare Körnung machten das Bild derart klar, dass der 35mm-Film daneben aussah, als ob wir schlechtes Filmmaterial benutzt hätten? So unterschiedlich wirken die beiden Formate. Ich forschte also nach, welche Möglichkeiten es gibt, auf 70mm zu drehen", erklärt Singer. "Sehr schnell fand ich heraus, dass es eine Million Gründe gibt, die 70mm als unpraktisch verbieten ? man ist in Bezug auf Kamerabeweglichkeit und Filmmaterial zu sehr eingeschränkt."

Etwa zur selben Zeit erfuhr Singer von seinem langjährigen Kameramann Newton Thomas Sigel, dass Sony und Panavision die neue Genesis-Kamera entwickelt hatten. "Damals befand sich wohl nur eine dieser Kameras in L.A. ? mit der haben wir einen von Brandons Kostümtests aufgenommen", erinnert sich Singer. "Dann begannen wir einen der umfassendsten Material-Vergleichstests aller Zeiten: Mit der Genesis drehten wir Probeaufnahmen draußen in weichem Licht, warmem Licht, nachts, mittags, abends, morgens, Innenaufnahmen, Kostüme, Frisuren und Makeup, alles, was man sich nur vorstellen kann. Tom und ich sahen uns die Tests in einem Vorführraum an, und aufgrund dieser Vergleiche entschieden wir gemeinsam, den Versuch zu wagen und den gesamten Film mit dem Genesis-System zu drehen."

Innerhalb kurzer Zeit waren weitere Kameras für "Superman Returns" einsatzbereit. "Als wir die Kameras in Australien benötigten, hatten wir wohl nur eine oder zwei", sagt Singer. "Doch nach ein paar Monaten Drehzeit standen uns acht oder zehn zur Verfügung."

Singer und auch Sigel geben zwar zu, dass es mit der Genesis viele technische Probleme zu bewältigen galt, aber dennoch waren sie mit dem Endergebnis mehr als zufrieden.

"Sony und Panavision haben sich sehr viel Mühe mit der Kameraentwicklung gegeben, um das ganze Filmspektrum abzudecken", sagt Sigel. "Das Beleuchtungskonzept unterscheidet sich also nicht wesentlich von anderen Systemen. Unbearbeitet sieht das mit der Genesis-Kamera aufgenommene Material etwas blass aus. Aber wir entschieden uns gegen eine Korrektur des gesamten Materials, vielmehr ließen wir die täglichen Musteraufnahmen überarbeiten, wobei wir dem Farbexperten Standbilder als Referenz vorgaben. Auf diese Weise lernten wir die Grenzen des Systems kennen, und wir legten fest, was in der Endfertigung noch nachbearbeitet werden mußste, um dem Film sein endgültiges Aussehen zu geben. Der Bonus dabei war, dass alle Effekte-Firmen von uns Testmaterial bekamen, das den von uns angestrebten endgültigen Look repräsentiert ? das ist ihnen beim Erstellen der Effekte eine unschätzbare Hilfe. Bei einem Film wie unserem ist es ganz entscheidend, sich mit den Experten für visuelle Effekte genauestens abzusprechen, um nicht nur 'den Look' zu schaffen, sondern ihn auch durchgehend beizubehalten."

Wie in vielen anderen Bereichen beim Dreh dieses Films stellt auch der Einsatz der Genesis-Kamera wieder das Zusammenwachsen von Alt und Neu dar. "Ich bin noch mit der ganz traditionellen Filmtechnik aufgewachsen", sagt Singer. "Ich drehe am liebsten auf Filmmaterial. Tom ist Kameramann und Kameraassistent gewesen ? der digitale Dreh war also für uns beide völlig neu. Wir setzten häufiger Weitwinkel und Totalen als bei meinen früheren Filmen ein, weil das 'Superman Returns'-Panorama derart gewaltig ist. Als wir uns dann die Aufnahmen der ersten Drehtage auf der Kent-Farm anschauten, merkten wir beide, dass wir hier die Chance hatten, einen hervorragenden, wunderschönen Film-Look zu schaffen."

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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