Das Mädchen aus dem Wasser

Produktionsnotizen

Einem meisterhaften Erzähler gelingt es manchmal, einprägsame Bilder oder Dialogsätze zu schaffen, die wir Zuschauer unser Leben lang nicht vergessen. Selbst wenn das Filmerlebnis Jahre zurückliegt, bringt schon eine flüchtige Andeutung die Erinnerung sofort zurück, und die emotionale Wirkung der Geschichte wiederholt sich vor unserem geistigen Auge genauso intensiv, wie wir sie damals im Kino erlebt haben.

1999 begeisterte Autor/Regisseur M. Night Shyamalan das Publikum mit dem international gefeierten Thriller ?The Sixth Sense? (The Sixth Sense), einer vielschichtigen, spannenden und emotional mitreißenden Geistergeschichte. Der Film entwickelte sich zu einem weltweiten Kultphänomen und erschloss dem ganz auf seine Figuren konzentrierten Blockbuster eine neue Dimension. Shyamalan drehte daraufhin eine ganze Hit-Serie: ?Unbreakable? (Unbreakable ? Unzerbrechlich), ?Signs? (Signs ? Zeichen) und ?The Village? (The Village ? Das Dorf) etablierten ihn als überragenden, stringenten Geschichtenerzähler mit überbordender Fantasie.

Während unsere heutige Zeit mit Reality-TV und oft abgedroschenen Kinostoffen zugekleistert wird, bringt Shyamalan immer wieder originelle, dynamische Geschichten auf die Leinwand, die das Publikum mit seinem Markenzeichen, einer Mischung aus Suspense, Dramatik, Humor und tief empfundenem Gefühl, begeistert.

Sein ungewöhnlich selbstbewusster Stil kombiniert den durchdachten Bildaufbau mit langen Einstellungen, meist ohne die Szenen aus anderen Blickwinkeln zu ergänzen. Formal geht der Regisseur also ebenso provokant unkonventionell vor wie inhaltlich ? was seine Leidenschaft für das Erzählen untermauert.

?In meinen Filmen drücke ich mein emotionales Innenleben aus?, sagt Shyamalan. ?In jedem Film werfe ich Fragen auf, die mich zu dem Zeitpunkt selbst beschäftigen. Ich finde, dass ich meinen Zuschauern ehrlich gegenübertreten mußs. Also spreche ich ehrlich über die Dinge, die mir am Herzen liegen, und zwar im Kontext einer fiktiven Geschichte, die allen Spaß macht.?

Zwei Milliarden Dollar haben Shyamalans Filme bisher an der Kinokasse und auf dem DVD-Markt eingebracht ? ein gutes Indiz dafür, dass seine Filme ebenso persönlich wie zeitlos wirken. Die Zuschauer schätzen ihre Originalität und Aufrichtigkeit ebenso wie ihre Intelligenz. Ob er sich mit übernatürlichen Phänomenen oder sehr persönlichen Tragödien beschäftigt ? immer spricht Shyamalan in uns die Urfragen der menschlichen Existenz an, und er setzt sie in Beziehung zum grenzenlosen Universum. Und dafür benötigt er nie Gewalt oder aufdringliche visuelle Effekte.

?Night schreckt bei seiner Arbeit vor nichts zurück ? genau das zieht die Menschen in seinen Bann?, sagt Bryce Dallas Howard, die für ihre erste Spielfilm-Hauptrolle in ?The Village? begeisterte Kritiken erhielt. ?Die Zuschauer wissen ganz genau, dass sie etwas zu sehen bekommen, bei dem Angst keine Rolle spielt.?

Shyamalans bisher wohl originellster und mutigster Film ist ?Lady in the Water? (Das Mädchen aus dem Wasser): Er entstand aus einer improvisierten Gutenachtgeschichte, die der Regisseur seinen beiden kleinen Töchtern erzählte. ?Wenn ich meinen Kids etwas erzähle, schere ich mich nicht um Formfragen ? was mir gerade einfällt, sprudelt einfach so aus mir heraus?, beschreibt er das abendliche Ritual.

?Wisst ihr eigentlich, dass jemand unter unserem Pool wohnt??, fragte Shyamalan eines Abends aufgrund einer spontanen Eingebung ? so begann eine Story, die sich über Tage und Wochen endlos weiterentwickelte. ?Daraus entstand eine Art Odyssee?, erinnert er sich. ?Im Kern der Geschichte steckte etwas, was mich trieb, jeden Abend unentwegt weiterzuerzählen. Auch als die Geschichte endlich abgeschlossen war, redete ich trotzdem mit meinen Töchtern ständig weiter darüber ? wir überlegten, was die Figuren wohl als Nächstes erleben würden. Die Story beschäftigte uns außergewöhnlich intensiv.?

?Das Mädchen aus dem Wasser? erzählt von einer bezaubernden, nymphenartigen jungen Frau namens Story und dem heruntergekommenen Hausmeister Cleveland. Er entdeckt, dass sie ein Narf ist: eine Figur aus einer uralten epischen Gutenachtgeschichte, die unsere Menschenwelt besucht, um eine lebenswichtige, heilige Mission zu erfüllen. Weil sie derzeit zwischen den Welten gefangen ist, stehen der Erfolg ihrer Aufgabe und vielleicht sogar ihr Leben auf dem Spiel. Deswegen versteckt sie sich in Clevelands Mietsblock und haust in den kühlen, düsteren Kanälen unter dem Swimmingpool.

Storys Rückkehr in ihre Heimat ist äußerst gefährlich, denn wilde Monster versuchen sie zu verhindern ? was letztlich auch für die Menschenwelt katastrophale Konsequenzen heraufbeschwört. Cleveland tut sich mit seinen Nachbarn zusammen, um das Geheimnis von Storys Schicksal zu ergründen, und sie machen eine verblüffende Entdeckung: Auch sie selbst werden vom Schicksal in diese fantastische Geschichte hineingezogen, die auch die reale Umwelt vereinnahmt.

Wie Cleveland und die Nachbarn glaubte schließlich auch Shyamalan selbst an die Geschichte. ?Ich mußste selbst hundertprozentig an diese Story glauben, um sie überzeugend auf die Leinwand zu übertragen?, sagt er. ?Denn wenn ich den Zuschauern die reine Wahrheit erzähle ? nämlich dass ich an solche Phänomene glaube ?, dann lassen sie sich von dieser Botschaft überzeugen. Das ist meine große Hoffnung.?

Shyamalans Entschluss, die Story mit seinem großen Publikum zu teilen, war also nur eine Frage der Zeit. ?Zur selben Zeit entwickelte ich die Idee zu ,The Village?. Weil es mir aber damals nicht besonders gut ging, mußste ich zunächst mit ,The Village? das formulieren, was mich damals bewegte: Wie weit würde ich gehen, um meine Familie zu schützen? Würde ich mich von der Gesellschaft abschotten? Würde ich dabei fragwürdige Methoden in Kauf nehmen? Ich war damals noch nicht in der Lage, diese Fragen optimistisch zu beantworten. Doch inzwischen fühle ich mich inspiriert und voller Hoffnung, und das kommt in ,Das Mädchen aus dem Wasser? zum Ausdruck.?

Mit ?Das Mädchen aus dem Wasser? schafft Shyamalan einen kompletten neuen Mythos in der Tradition von ?The Princess Bride? (Die Braut des Prinzen), ?E.T.? (E.T.) und ?The Wizard of Oz? (Der Zauberer von Oz), um unseren Glauben an eine höhere Macht zu stärken, an eine Welt unbegrenzter Möglichkeiten, die man nicht vollständig begreifen kann. ?Im Erwachsenwerden liegt ein Problem: Wir vergessen, dass absolut alles möglich ist?, glaubt Shyamalan. ?Was also früher möglich war, müssen wir jetzt in Geschichtenform bringen. Aber weil unser Zynismus die Oberhand gewonnen hat, müssen diese Geschichten als Kindergeschichten erzählt werden. Die ursprünglichen Wahrheiten sind jetzt also als Kindergeschichten getarnt.?

?In ,Das Mädchen aus dem Wasser? gibt es ein komplettes Ökosystem von Wesen, die in der unmittelbaren Umgebung des Mietsblocks existieren?, fährt er fort. ?Aber die Bewohner müssen erst jahrhundertelange Erfahrungen abtragen, um wieder wie die Kinder zu werden und an die unbegrenzten Möglichkeiten zu glauben. Erst dann können sie Verbindung zu der anderen Welt aufnehmen, die neben ihrer eigenen existiert.?

?Wahrscheinlich erzählen wir gern Gutenachtgeschichten, weil wir nicht vergessen wollen, dass wir selbst Teil einer Story sind?, meint Howard. ?Wir sind Teil eines großen Systems, und obwohl es häufig chaotisch wirkt, liegt ihm doch ein Plan, ein Ziel zugrunde.?

Wie in allen von Shyamalans Filmen geht es um den Glauben ? was vor allem in ?Signs? Thema war. In ?Das Mädchen aus dem Wasser? beschreibt der Regisseur aber auch, wie man dem Leben einen Sinn gibt. ?Immer wenn ich von meinem mir vorgegebenen Weg abkomme, fühle ich mich todunglücklich?, gibt Shyamalan zu. ?Manchmal erlebe ich Menschen, die nichts ausstrahlen ? ihnen fehlt eine bestimmte Aura, die all jene Menschen auszeichnet, die andere inspirieren. In einer solchen Situation erkenne ich, dass sie noch nicht das tun, was ihnen vorgegeben ist. Sie haben ihre Aufgabe im Leben noch nicht gefunden.?

?Das Mädchen aus dem Wasser? ist das jüngste Kapitel auf Shyamalans Weg als Geschichtenerzähler, sein siebter Film in einer Reihe unverwechselbarer Storys, die durch ein gemeinsames Anliegen verbunden sind: Sie wollen inspirieren und unterhalten. Dazu Shyamalan: ?Wenn die Menschen aus dem Kino kommen, dann schöpfen sie hoffentlich wieder Hoffnung für sich und andere. Es geht um die Hoffnung, dass jeder seine Aufgabe findet ? dass wir alle unseren Auftrag auf diesem Planeten erfüllen.?

Die Figuren Cleveland Heep läuft vor seiner Vergangenheit weg und hat sich dadurch weit von seiner eigentlichen Bestimmung entfernt. ?Ganz offensichtlich leidet er unter einem großen Verlust?, sagt Autor/Regisseur M. Night Shyamalan. Der ehemalige Arzt verkriecht sich als Hausmeister in The Cove, einem unauffälligen Mietsblock in einem Vorort von Philadelphia. Wenn er überhaupt mit seiner Umwelt in Kontakt treten mußs, dann möglichst kurz und unpersönlich.

Weil Cleveland sein ungeheures Leid, seine Trauer verdrängt, stottert er. Die Nachbarn halten ihn laut Paul Giamatti ?für eine traurige Figur ? über ihm schwebt immer eine düstere Wolke. Cleveland will von seiner Vergangenheit nichts mehr wissen. Er hat den langweiligen Job als Hausmeister übernommen und schottet sich mehr oder weniger ab. Er verkriecht sich in seinem kleinen Hausmeister-Bungalow in The Cove.?

Shyamalan schrieb diese Rolle speziell für den Oscar-Kandidaten Giamatti (?Cinderella Man?/Das Comeback), nachdem er den Schauspieler im urkomisch-herzzerreißenden Independent-Hit ?Sideways? (Sideways) gesehen hatte. ?Ich fand seinen Humor, seine Menschlichkeit in dieser überzeugenden Hauptrolle einfach umwerfend. Ich habe mit ihm mitgefühlt und gebangt, wie ich das nur bei wenigen Schauspielern empfinde?, sagt Shyamalan.

Eine Vorführung von ?American Splendor? (American Splendor) und schließlich das Treffen mit Giamatti persönlich bestätigten dem Regisseur, dass er seinen Hauptdarsteller gefunden hatte. ?Paul und ich haben uns sofort verstanden. Wir haben einen ähnlichen Sinn für Humor und teilen in vielen Dingen die gleichen Ansichten. Wie wir alle hat auch Paul sein Päckchen zu tragen, aber er geht locker damit um.? Giamatti war hingerissen von Shyamalans kühnem Erzählkonzept für ?Das Mädchen aus dem Wasser?: ?Schon die Idee ist gewaltig, und er setzt sie auf sehr mutige Weise um.?

?Paul Giamatti ist mein Richard Dreyfuss?, sagt Shyamalan ? er bezeichnet ?Jaws? (Der weiße Hai) und ?Close Encounters of the Third Kind? (Unheimliche Begegnung der dritten Art) als die beiden Filme, die in ihm den Wunsch weckten, selbst Filmemacher zu werden. ?Er bringt uns zum Lachen, zeigt uns aber auch die seelische Verunsicherung seiner Figuren, um daraus dann Hoffnung auf mehr Menschlichkeit zu schöpfen.?

?Paul Giamatti ist äußerst intelligent und ein hervorragender Schauspieler. Ich habe noch nie einen technisch so präzisen Kollegen erlebt?, staunt Bryce Dallas Howard. Sie spielt jene junge Göttin Story, die Clevelands Leben auf den Kopf stellt. ?Paul gehört nicht zu den Schauspielern, die sich in eine ruhige Ecke zurückziehen, um sich in eine bestimmte Stimmung zu bringen. Er arbeitet sehr konzentriert und kann absolut alles darstellen. In einer Szene liest Story Clevelands Tagebuch. Paul schrieb ein paar Einträge in das Tagebuch, das wir beim Dreh benutzten, und die habe ich gelesen. Das hat mir unglaublich geholfen ? es war wie ein Licht in absoluter Dunkelheit.?

Als Cleveland Story in einem Winkel von The Cove entdeckt, wird er mit einem Ruck aus seinen zusammenhanglosen Tagträumen gerissen: Dieses mächtige und attraktive Wesen bringt Cleveland dazu, ihm bei der gefahrvollen Rückreise in die fantastische Blaue Welt zu helfen. ?Cleveland spürt Vatergefühle in sich. Er will endlich seine Kraft darauf verwenden, für jemand anderen da zu sein. Aber er begreift das erst, als er Story kennen lernt?, sagt Shyamalan.

Aber es ist nicht nur Hilfsbereitschaft, die Story in Cleveland auslöst. ?Durch sie denkt er auch wieder über seine verdrängten Probleme nach?, sagt Giamatti. ?Er ist bisher wie ein Schlafwandler durchs Leben gegangen, aber das ist in ihrer Gegenwart nicht mehr möglich.?

?Story merkt, dass Cleveland trauert, dass er völlig verloren ist?, fügt Howard hinzu. ?Sie begreift, dass er sein Leid nicht ausdrücken kann. Zwischen ihnen entwickelt sich eine wunderbare Beziehung, weil sie ihm weiterhilft ? und er ihr.? Howard erlebt die sehr intuitive, schöne Story als ?einen Engel, der die Menschen zu Höchstleistungen animiert, weil er an sie glaubt?. Dennoch kann auch Story es überhaupt nicht fassen, dass ihr Schicksal die ganze Menschheit beeinflussen wird.

?In Bezug auf die Zukunft der Erde spielt sie in der Geschichte die entscheidende Rolle, was ihr sehr seltsam erscheint, weil sie sich nicht mal als besonders fähigen Narf erlebt?, meint Howard. ?Mich berührt dabei vor allem, dass sich diese Inkarnation Gottes selbst überhaupt nicht als außergewöhnliches Wesen wahrnimmt. Es ist wunderbar, dass auch Story genau wie Cleveland erst ihre Bestimmung finden mußs.?

Schon früh wirkte Howard an dem Arbeitsprozess mit, in dem Shyamalan die Gutenachtgeschichte ?Das Mädchen aus dem Wasser? in das äußerst vielschichtige Drehbuch übersetzte. Am letzten Drehtag von ?The Village? erzählte er Howard die Handlung von ?Das Mädchen aus dem Wasser?. Monate später, als er der Schauspielerin und ihren Eltern ?The Village? auf seiner Farm vorführte, bat er sie, die Rolle der Story zu übernehmen. ?Ich setzte mich auf den Fußboden und heulte los?, erinnert sich Howard. ?Das hört sich jetzt sehr dramatisch an, aber ich fühle mich Night sehr verbunden, und für mich war es eine Riesensache, dieses Filmangebot zu erhalten.?

?Das war ein großer Moment?, stimmt Shyamalan zu. ?Und eine Glaubenssache. Ich hatte das Drehbuch noch gar nicht geschrieben, wollte aber unbedingt, dass sie die Rolle übernimmt.?

?Bryce ist sehr begabt und arbeitet wie ein Tier?, beschreibt Giamatti seine Partnerin. ?Hoffentlich werde ich eines Tages mal ein so guter Schauspieler, wie sie es heute schon ist, denn sie ist erstaunlich selbstbewusst ? was hoffentlich irgendwie auf mich abfärbt.? Es dauerte täglich drei Stunden, um Howards wasserfestes Ganzkörper-Make-up aufzutragen, durch das sie sich in den fast durchsichtigen Narf verwandelt. ?Story ist das Sonnenlicht nicht gewohnt?, stellt Howard fest. ?Meist lebt sie im Wasser, und ihre Hautstruktur ist diesem Element angepasst.?

Bewusster und ungeduldiger als die übrigen Bewohner von The Cove sucht Story nach dem nächsten Schritt auf ihrem Schicksalsweg. Sie mußs ein kniffliges Rätsel lösen, um eine Gruppe von Menschen zu finden, die ihr gemeinsam die Rückkehr in die Blaue Welt ermöglichen können. Allerdings darf Story mit keinem Außenstehenden über ihre Mission sprechen. Aber der unerfahrene Narf hat einige Fehler begangen, durch die er jetzt in großer Gefahr schwebt. Gleichzeitig wird Story immer schwächer, weil sie durch einen Angriff des wilden Hyänenmonsters Scrunt vergiftet worden ist. Scrunt will auf jeden Fall verhindern, dass sie in ihre Heimat zurückkehrt.

Es bleibt also nicht mehr viel Zeit ? deswegen wendet sich Cleveland an die Mieter in The Cove, um gemeinsam mit ihnen Storys schicksalhaftes Geheimnis zu entschlüsseln, bevor es zu spät ist. Als einen der Ersten bittet Cleveland Mr. Farber um Hilfe: Der grantige Film- und Buchkritiker ist kürzlich von der Westküste nach Philadelphia gezogen.

?Farber ist ein Miesepeter?, sagt der renommierte Schauspieler und Regisseur Bob Balaban, der bekannte Rollen in den Dokumentarfilm-Parodien ?Best in Show? (Best in Show) und ?A Mighty Wind? spielte und aktuell auch in dem Oscar-preisgekrönten ?Capote? (Capote) zu sehen war. ?Er ist ausgesprochen unfreundlich und lebt sehr zurückgezogen. Er will nicht gestört werden. Und nie würde er jemanden zu sich einladen.?

Farber hört Cleveland zwar an, doch sein Rat ist genauso zynisch wie seine allgemeine Lebenseinstellung. ?Farber sagt Cleveland: ,Es gibt keine Originalität mehr in der Welt, keine neuen Geschichten. Die alten Storys werden einfach nur wiederholt??, erzählt Balaban.

Die etablierte Bühnen- und Fernsehschauspielerin Cindy Cheung spielt die College-Studentin Young-Soon Choi, die ihren persönlichen amerikanischen Traum ausleben will, dabei aber von ihrer konservativ denkenden koreanischen Mutter mit Argusaugen überwacht wird. ?Young-Soon will die Welt erobern?, sagt Cheung. ?Sie hat Mut und experimentiert ständig ganz sorglos mit ihrem Aussehen. In einem Augenblick lässt sie sich von Britney Spears anregen, aber eine Woche später könnte sie durchaus auch Alicia Keys als Muse entdecken.?

Cleveland will von Young-Soon Einzelheiten über die uralte Gutenachtgeschichte erfahren, die ihre Mutter mit niemandem teilen will. ?Young-Soon sucht immer noch einen Sinn in ihrem Leben. In der Gutenachtgeschichte gibt es das Motiv der Selbstfindung, das sie schwer beeindruckt. Je mehr Puzzlestücke sie mit Cleveland zusammensetzt, desto mehr will sie darüber erfahren?, sagt Cheung.

Der liebevolle Vater Mr. Dury hat ein Faible für Wörter und Kreuzworträtsel ? diese Rolle übernimmt Jeffrey Wright. ?Cleveland braucht jemanden, der das Problem anpackt, und Mr. Dury bietet seine Hilfe bei der Bedeutungssuche an?, sagt Wright, der aktuell in dem gefeierten Polit-Thriller ?Syriana? (Syriana) zu sehen war. Den Golden Globe und den Emmy gewann er mit seinem Auftritt in Mike Nichols? mitreißender Miniserie ?Angels in America? (Engel in Amerika).

Wright konnte sich sofort in die Situation von Mr. Dury und dessen kleinem Sohn Joey versetzen: ?In dieser Vater-Sohn-Beziehung spiegelt sich das durchgehende Thema des Films?, stellt er fest. ?Kinder haben durch ihre Unschuld eine unverstellte Beziehung zu den himmlischen Gefilden. Als Erwachsene müssen wir diese erst wiederentdecken. Wir müssen uns ständig klar machen, dass wir sie dringend brauchen, um menschlich zu bleiben.?

Die Geschwister Vick und Anna Ran bewohnen in The Cove ein gemeinsames Apartment. ?Anna hat ihre Aufgabe im Leben noch nicht gefunden?, sagt Sarita Choudhury (?A Perfect Murder?/Ein perfekter Mord) über die Frau, die die kranke Story pflegt, während Cleveland nach einer Rettungsmöglichkeit sucht. ?Anna ist begeistert über die Abwechslung, die Story in ihr Leben bringt. Wenn jemand Hilfe braucht, ist das auch eine Basis für eine neue Freundschaft.?<Ü> Vick möchte Schriftsteller werden und tut sich schwer, sein Buch zu beenden, was seine Schwester zu gutmütig-verärgerten Kommentaren provoziert. ?Anna ist zwar überzeugt, dass Vick Erfolg haben wird?, sagt Choudhury. ?Aber inzwischen will sie davon nichts mehr hören. Sie sagt bloß noch: ,Jetzt mach endlich!??

Unerwartet wird Vick von Story inspiriert, die ihm seine außergewöhnliche Zukunft voraussagt. ?Vick ist ein ganz normaler Typ, der jetzt erfährt, dass er sein Buch nur beenden mußs, um die Welt dadurch ganz erheblich zu beeinflussen ? aber er mußs dafür sein Leben geben?, sagt Shyamalan über Vick. Vick ist die bedeutendste Rolle als Darsteller, die der Filmemacher seit dem Auftritt in ?Praying with Anger? (1992), seinem eigenen Debüt als Autor und Regisseur, übernommen hat. ?Mir gefiel die Vorstellung, einen durchschnittlichen Typen zu spielen, der eine Entscheidung treffen mußs.?

Wie Vick und die übrigen Mieter sucht auch Reggie einen Sinn im Leben. Dabei hat er sich als Bodybuilder ein reichlich einseitiges Ziel gesetzt: Der Umfang seines muskelbepackten rechten Arms und Beins ist um elf Zentimeter größer als der der linken Körperhälfte. ?Reggie experimentiert an sich selbst herum?, sagt Freddy Rodriguez, der aktuell in Wolfgang Petersens ?Poseidon? (Poseidon) auftrat und mit seiner Rolle als vollendeter Bestattungsunternehmer in der preisgekrönten Serie ?Six Feet Under? (Six Feet Under ? Gestorben wird immer) bekannt wurde. ?Er ist eher ein Einzelgänger. Er ist zwar nett, aber seine Nachbarn nehmen ihn nicht ernst.?

An jedem Drehtag erduldete Rodriguez die etwa dreistündige Prozedur, die für seine Maske und das Make-up nötig war: Wie eine Art Ärmel wurde ihm der Maskenteil am Arm befestigt, und entsprechend wurde sein Bein behandelt. Von diesen Maskenteilen fertigte man per Gussform große Mengen an, weil sie jeweils nur einen Tag lang verwendbar waren, denn sie mußsten dem Schauspieler nach Drehschluss buchstäblich vom Körper geschnitten werden.

Die vielseitige Schauspielerin Mary Beth Hurt war zuletzt in ?The Exorcism of Emily Rose? (Der Exorzismus von Emily Rose) und ?The Family Man? (Family Man) zu sehen. Diesmal spielt sie Mrs. Bell, die besonders tierlieb ist. ?In Mrs. Bell steckt unbändige Lebenskraft?, stellt Hurt fest. ?Sie spürt, wie sehr Cleveland leidet, sie fühlt sich ihm verbunden. Maureen Stapleton ist mir als Schauspielerin immer wie eine offene Wunde vorgekommen, und davon hat auch Cleveland etwas. Wenn man sich so gut auf Menschen einstellen kann wie Mrs. Bell, dann fühlt man mit ihnen und möchte ihnen gern helfen.?

Obwohl sich Mr. Leeds außer für seinen Fernseher für niemanden interessiert und sehr skeptisch auf Story reagiert, durchschaut er doch Clevelands Underdog-Fassade. ?Sie sind sich recht ähnlich?, sagt Bill Irwin, der in ?The Manchurian Candidate? (Der Manchurian Kandidat) und ?Igby Goes Down? (Igby) zu sehen war.

?Wie Cleveland mußs auch Mr. Leeds einen schrecklichen Verlust kompensieren. Seine Methode: Er sieht fern, verschanzt sich hinter Büchern und verlässt nie seine Wohnung. Wahrscheinlich ist er ein bisschen eifersüchtig auf Cleveland, denn obwohl Cleveland leidet, stottert und niemandem in die Augen schaut, nimmt er dennoch Kontakt zu seiner Umgebung auf. Diese Tapferkeit erkennt Mr. Leeds durchaus an.?

Weitere Rollen übernehmen Jared Harris als der Raucher mit dem Spitzbart, June Kyoko Lu als Young-Soons Mutter Mrs. Choi, Noah Gray-Cabey als Joey Dury, Tovah Feldshuh als Mrs. Bubchik und Tom Mardirosian als Mr. Bubchik.

Leben im Mietsblock: The Cove ?Das Mädchen aus dem Wasser? entstand komplett in Leavittown/Pennsylvania, etwa 30 Kilometer von Philadelphia entfernt, auf dem Gelände einer ehemaligen Klebstofffabrik. Das 33 Hektar große Gelände bot genügend Raum für das Hauptset des Films, den umfangreichen Wohnblock namens The Cove. Außerdem wurden in den vorhandenen Lagerhallen Studiosets, eine Werkstatt und Büros eingerichtet. Und den gewaltigen Wassertank, der der Fabrik einst als Löschwasserbehälter diente, benutzte man für die Unterwasseraufnahmen.

Weil auf diese Weise alle Facetten der Produktion auf einem Grundstück vereint waren, konnte Shyamalan ?Das Mädchen aus dem Wasser? in der vom Drehbuch vorgegebenen Szenenabfolge drehen. Von dem Moment an, als Cleveland sich Mr. Farber vorstellt, entstand der Film Szene für Szene genauso wie im Skript ? mit Ausnahme der Unterwasserszenen, die an den Schluss der Dreharbeiten gelegt wurden.

The Cove ist ein u-förmiger, fünf Stockwerke hoher Wohnblock mit 57 Apartments und einem zentralen Hof, Swimmingpool und einem abseits stehenden Bungalow, der an eine ausgedehnte Wiese mit Baumgruppen grenzt. Der gesamte Komplex entstand ausschließlich für den Film unter Leitung des Produktionsdesigners Martin Childs.

Childs gewann den Oscar für seine Sets zu ?Shakespeare in Love? (Shakespeare in Love). Er war noch nie in seinem Leben in Philadelphia gewesen und durchstreifte zunächst die Vororte, um sich ein Bild von der dort üblichen Bauweise zu machen. So entstanden erste Entwürfe für das Cove-Gebäude, das Shyamalan sich als ?Durchgangsstation? für Mieter vorstellte, die ein unstetes Leben führen: ?Ich versuchte mir das soziale Umfeld vorzustellen, das sich in einem Block wie The Cove ergibt, dessen Bewohner die unterschiedlichsten ethnischen, altersmäßigen und gesellschaftlichen Voraussetzungen mitbringen.?

Childs und Shyamalan verzichteten bewusst darauf, schon durch die Bauweise des Hauses eine bestimmte Stimmung vorzugeben (wie sie sich zum Beispiel aus der gruselig-düsteren Atmosphäre eines im gotischen Stil gebauten Hauses ergibt). The Cove ist architektonisch also völlig nichts sagend und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die höchst unterschiedlichen Bewohner oder die sich in diesen Mauern anbahnenden Ereignisse zu. ?Wir entschieden uns für ein Haus ganz ohne Eigenschaften, das erst durch seine Bewohner einen Charakter bekommt?, erklärt Childs. ?In gewisser Weise wirkt es wie ein weißes Blatt Papier, auf dem man die Geschichte niederschreiben kann.?

Aufgrund von Childs? Entwürfen erstellte man ein maßstabgetreues Modell ? es diente als Anhaltspunkt für die strategischen Überlegungen, die vor der Konstruktion des Sets auf dem Fabrikgelände nötig waren. Man kalkulierte genau durch, in welchem Winkel das Sonnenlicht auf das Haus fallen würde und probierte verschiedene Varianten aus. Childs verwendete Computer-Diagramme, um die Sonnenstrahlen zu simulieren, die das Licht auf dem Gebäude bestimmen. Aufgrund dieser Tests entschied sich Childs dann für die günstigste Ausrichtung der Hufeisenform, wobei das ?offene Ende? des Hufeisens der geplanten Baumgruppe gegenüber lag.

Sieben Wochen brauchte das Bauteam unter Anleitung der Ausstatter, um den Wohnblock zu errichten. Neun der Wohnungen wurden komplett eingerichtet und dienten als Apartments der Filmhelden. ?Bis auf die Sanitäranlagen und die Heizung war der Komplex vollständig eingerichtet?, bestätigt Produzent Sam Mercer. Tatsächlich sah The Cove derart täuschend echt aus, dass Schauspieler und technisches Team per Memo ermahnt werden mußsten, auf keinen Fall die Waschbecken und/oder Toiletten in den Apartment-Sets zu benutzen: ?Sie sehen zwar echt aus, aber sie sind es NICHT!?

Wie in der Geschichte bildet jedes Apartment einen eigenen Mikrokosmos, der Auskunft gibt über den Charakter des Bewohners und sein Verhältnis zur Außenwelt ? von der Wärme und dem Traditionsbewusstsein der Choi-Wohnung über die gelehrte Einsamkeit von Mr. Leeds? Bücherhöhle und Mrs. Bells gluckenhaftem Hort für Tiere bis zum lethargischen, unordentlichen Ambiente des Rauchers.

Childs stattete die Wohnungen mit seinen Mitarbeitern derart umfassend aus, dass etliche Darsteller äußerten, sie hätten sich eigentlich erst wirklich in ihre Rolle einfühlen können, nachdem sie sich im jeweiligen Apartment einrichten durften. Einige reagierten ganz spontan aus dem Bauch heraus. Shyamalan erinnert sich: ?Als ich die Wohnung des Rauchers zum ersten Mal betrat, wirkte sie so, als ob jemand an die Wände gekotzt hätte.?

Die Innenräume von Clevelands Bungalow entstanden sowohl im Haus selbst als auch im improvisierten Filmstudio ? hier galt die Richtschnur: eine möglichst anonyme Atmosphäre. ?Clevelands Bungalow soll keinerlei Hinweise auf seine Vergangenheit enthalten, weil er sie verdrängt und niemals darüber redet?, sagt Childs über das bescheidene Heim des Hausmeisters. ?Es gibt dort zwar einige ältere Gegenstände, aber die hat wahrscheinlich der frühere Hausmeister zurückgelassen, zum Beispiel die Aktenschränke. Über Cleveland selbst erfahren wir in dem Haus gar nichts ? es sei denn, man ist so neugierig wie Story.?

Vicks und Annas Apartment wurde ebenfalls als Extra-Set im Studio errichtet, dazu auch die Poststelle des Wohnblocks, der Raum mit den Waschmaschinen und die Kellerflure. Diese Sets entstanden in Originalgröße und ohne die für Studiobauten typischen verschiebbaren Wände, weil Shyamalan auch hier darauf bestand, eine möglichst authentische Atmosphäre zu schaffen. Eine Schlüsselszene spielt in der Poststelle ? bei dieser Gelegenheit drängten sich in dem winzigen Raum 20 Darsteller zwischen die technischen Crew-Mitglieder und die Ausrüstung.

Um Storys geheimen Unterschlupf unter dem Swimmingpool zu schaffen, baute man ein entsprechendes Set und versenkte es dann in dem riesigen Wassertank. Childs orientierte sich bei seinem Entwurf an Storys Äußerung, als sie Cleveland erstmals in seinem Bungalow aufsucht. ?Cleveland hat ein ganz normales Sofa, aber Story betont, wie schön sie es findet?, berichtet der Designer. ?Dem entnahm ich, dass Story The Cove für etwas ganz Besonderes hält. Also orientiert sie sich bei der Einrichtung ihres eigenen Domizils an dieser Umgebung.?

Storys Schlupfwinkel ist eine Schatzkiste voll glitzernder Gegenstände, die sie während ihres Aufenthalts gesammelt hat. ?Sie fühlt sich von glänzenden Objekten angezogen, kennt aber ihren Wert nicht?, sagt Childs. ?Neben den Diamanten liegen da also auch verbeulte Cola-Dosen und ein Stück Alu-Folie aus Mrs. Chois Orchideentöpfen.?

Der Swimmingpool dient Story nicht nur als Schleuse in die Menschenwelt, er bildet auch die Schnittstelle zwischen der starren Struktur in The Cove, der organischen Welt, die den Wohnblock allmählich einhüllt, und den Geheimnissen von Storys mythischer Heimat. ?Am Pool treffen alle Welten aufeinander?, berichtet Childs. ?Auf der einen Seite steht dort das von Menschen errichtete Gebäude. Auf der anderen befindet sich die Natur, der Wald. Unter dem Pool liegt Storys Welt. Der Pool bildet also buchstäblich das Herz des Hauses, in dem alle Welten zusammenkommen.?

Nachdem der Pool fertig gestellt war, wurde er in verschiedenen Farbabstufungen gestrichen, um ihn geheimnisvoller zu machen: am oberen Rand hellblau und dann immer dunkler bis zum Blauschwarz des Beckenbodens. Mit typischer Detailbesessenheit gestalteten Shyamalan und Childs auch den Abfluss des Pools: Er gleicht dem Gully, der in Alfred Hitchcocks klassischem Thriller ?Strangers on a Train? (Der Fremde im Zug) eine Schlüsselrolle spielt ? in den Gully lässt ein Mann aus Versehen ein belastendes Beweisstück fallen.

Durch diesen Abfluss im Boden des Pools entdeckt Cleveland Storys geheime Welt unter dem Haus. Paul Giamatti und das Taucherteam unter Leitung von Stunt-Coordinator Jeff Habberstad drehten diese Unterwasserszenen auf zwei Sets, die in dem 1,6 Millionen Liter fassenden Wassertank versenkt wurden ? die Crew nannte den Tank ?Dicke Bertha?. Darin war nicht nur ein sechs Meter langer Tunnel installiert, den Giamatti im Dunkeln und ohne Atemgerät durchschwimmen mußste, sondern auch Storys Versteck, das Cleveland am Ende dieses langen Kanals entdeckt.

?Als wir unsere Proben im Pool begannen, verhielt er sich vom ersten Tag an völlig gelassen?, berichtet Habberstad über Giamatti, der das Stuntteam mit seiner lockeren Haltung im Wasser beeindruckte. Erstaunt waren die Crew-Mitglieder auch darüber, wie lange er die Luft anhalten konnte. ?Offenbar blieb er zwischen den Aufnahmen sogar gern unter Wasser, während wir die nächste Einstellung vorbereiteten.?

Habberstad entwickelte in seinem eigenen Swimmingpool eine improvisierte Atemtechnik für Cleveland und brachte sie dann Giamatti bei: Mit einer Art Strohhalm saugt er die Atemluft aus den vielen Glasgefäßen in Storys Sammlung. Giamatti führte diesen Stunt persönlich aus ? ohne Atemgerät und ohne die Unterstützung von Spezialeffekten.

?Mit einem anderen Schauspieler hätten wir das nie bewerkstelligen können?, bestätigt Shyamalan bewundernd. ?Die Sache war nämlich gefährlich. Denn Paul mußste beim Schwimmen und Spielen nicht nur die Luft anhalten, er konnte auch kaum etwas sehen: Im Tank war es sehr dunkel, und das Wasser war sehr trübe, damit es schlammiger, organischer wirkte. Außerdem drehe ich gern sehr lange Einstellungen ??

Die Wächter der Blauen Welt Genau wie die Legende von der Blauen Welt sind auch die Wesen, die als Wächter zwischen ihr und der Menschenwelt fungieren, Kopfgeburten von M. Night Shyamalan. ?Es bringt riesig Spaß, sich etwas völlig Neues auszudenken, das nicht im Geringsten auf unserer Erfahrung aufbaut?, sagt er. ?Ich mußste mir überlegen, wie diese Wesen existieren können, ohne dass wir sie bemerken. Also habe ich mich zunächst auf die Bäume und Gräser konzentriert.?

Shyamalan holte den Monster-Designer und Illustrator Mark ?Crash? McCreery (?The Village?, ?Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl?/Fluch der Karibik, ?Van Helsing?) bereits an Bord, während er die zweite Fassung des Drehbuchs schrieb. ?Crash hat unglaublich viel Fantasie ? ich vertraue ihm blindlings?, sagt Shyamalan. ?Viele seiner Skizzen haben mich zu neuen Ideen inspiriert ? während der Drehbucharbeit und auch während der Dreharbeiten. Seine Bilder hingen im Schneideraum, damit wir ständig vor Augen hatten, welche Schönheit, aber auch welchen Grusel wir erzeugen wollen.?

Die Cove-Mieter haben keine Ahnung, dass auf der naturbelassenen Wiese gleich neben dem Wohnblock ein riesiges wildes Monster namens Scrunt lebt: Seine Aufgabe ist es, Narfs wie Story von ihren Ausflügen durch die Menschenwelt abzuhalten ? und ihre Rückkehr in die Heimat zu verhindern. Sein Rücken ist von spitzen Grasstacheln übersät ? so kann er sich auf der Wiese tarnen. Schon der kleinste Kratzer von Scrunts Stacheln löst die tödliche Infektion mit dem Gift Kii aus, an dem das Opfer langsam zugrunde geht.

?Ich war von Nights Einfall begeistert, dass dieses Monster sich einfach ins Gras duckt und dadurch scheinbar verschwindet?, sagt McCreery. ?Der Scrunt wirkt wie eine Raubkatze, aber uns lag auch sehr viel daran, das Monster als sehr konzentriert und intelligent zu zeigen. Dieses Biest brettert nicht einfach blindlings durch Türen ? es schleicht sich an und ist äußerst clever.?

Es gibt aber drei Monster, vor denen selbst der Scrunt Angst hat: Die Tartutic sind drei affenartige Wesen, eine unüberwindliche Macht, die in der Blauen Welt für Recht und Ordnung sorgt. ?Diese drei Monster sind derart grausam, dass sie ihre Eltern schon am Abend ihrer Geburt umgebracht haben?, beschreibt Shyamalan die fürchterlichen drei, die sich mit ihrem an Äste und Borke erinnernden Äußeren bestens in Bäumen verstecken können.

?Weil jedermann vor den Tartutic Angst hat, werden die Gesetze der Blauen Welt seit Jahrhunderten eingehalten. Kein lebendes Wesen hat die Tartutic je zu Gesicht bekommen, denn wenn man sie sieht, bedeutet das, dass man ein Gesetz übertreten hat und jetzt mit dem Tode bestraft wird.?

Der Große Eatlon dient als Instanz des Guten in der Blauen Welt ? und in unserer: Dieser majestätische Vogel mit einer Spannweite von 12 Metern ist der letzte Vertreter einer ausgestorbenen Art von Riesenadlern, die Narfs aus der Menschenwelt in die Blaue Welt transportieren. Wenn Storys Rückkehr in ihre Heimat je gelingen soll, damit sie ihre Bestimmung erfüllt und als Madam Narf die Welt rettet, dann müssen Cleveland und die Mieter ihr zunächst helfen, dass sie mit dem Großen Eatlon davonfliegen kann.

All diese fantasievollen Wesen entstanden für den Film in einer Mischung aus real gefilmten Spezialeffekten und computergenerierten Bildern. Die Firma Spectral Motion Inc., Spezialist für real gefilmte Monster, schuf dreidimensionale Animatronik-Puppen des Scrunt und der Tartutic, die während der Dreharbeiten zum Einsatz kamen. Das elektronische Innenleben der Monster brachte man in einem Aluminiumgehäuse unter, das wasserdicht sein mußste, weil viele Szenen im Regen spielen. Dieses Gehäuse wurde dann mit einer Haut aus Latexschaum überzogen.

Die voll beweglichen Scrunts können gehen, laufen und etliche mimische Gesichtsbewegungen ausführen ? und zwar mithilfe von vier bis sechs Spectral-Motion-Puppenspielern, die die Monster per Computerkonsole und Fernbedienung dirigieren. Wie viele Puppenspieler für den Scrunt zum Einsatz kamen, hing von Shyamalans Drehbuchvorgaben der jeweiligen Einstellung ab. Je ein Puppenspieler war für die Ohren, das Maul und die Augen zuständig, und ein weiterer Mitarbeiter dirigierte per Computer die Bewegungen des gesamten Körpers.

Die Tartutic werden von drei Schauspielern dargestellt: Jeder trug einen Ganzkörperanzug mit Spezialschuhen und Handschuhen und einem mechanischen Kopf, der von zwei Puppenspielern gelenkt wurde. Die Anzüge wurden aus Latexschaum geformt ? die aus Zweigen bestehende Haut gestaltete man per Hand aus erhitzten Plastikröhren.

Bei Spectral Motion entwarf und gestaltete man auch die Super-Muskeln, die Freddy Rodriguez in den sehr einseitig trainierten Bodybuilder Reggie verwandelten ? der rechte Arm und das rechte Bein sind jeweils elf Zentimeter dicker als seine linke Seite.

Den äußerst eleganten Himmelsboten Großer Eatlon entwarf Crash McCreery. Die innovative Trickschmiede ILM hauchte ihm dann während der Endfertigung mit visuellen Effekten Leben ein. Außerdem entstanden bei ILM Computersequenzen, die die Scrunt- und Tartutic-Szenen verfeinerten und ergänzten. ?Ich arbeite sehr gern mit ILM zusammen?, sagt Shyamalan. ?Als ich ,Star Wars? sah, war ich sieben Jahre alt ? ich staunte nur, was ILM dort geschaffen hatte. Jetzt, wo ich tatsächlich mit ihnen an ,Das Mädchen aus dem Wasser? arbeite, habe ich das Gefühl, dass sich der Kreis schließt. Echt cool!?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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