Sehnsucht

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Titel Deutschland: Sehnsucht
Titel USA: -
Genre: Drama
Farbe, Deutschland, 2006

Kino USA: -
Kino Deutschland: 7. September 2006
Kino Schweiz (D): -
Kino Österreich: -
Laufzeit Kino: 85 Minuten, FSK 12



Inhalt Ein Mann und eine Frau leben in einem Dorf in der Nähe von Berlin. Die Stadt scheint weit weg zu sein. Sie lieben sich seit Kinderzeiten. Unzertrennlich.

Beide sind Anfang dreißig. Markus ist Schlosser und Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Ella arbeitet ein paar Stunden in der Woche als Haushaltshilfe und singt im Chor. Von den anderen werden sie staunend, fast misstrauisch beäugt, da sie so glücklich scheinen, unschuldig und manchmal ahnungslos wie zwei Kinder.

Eines Tages geht Markus mit der Freiwilligen Feuerwehr auf Dienstreise in die Kreisstadt. Abends wird getrunken, gelacht, getanzt. Am nächsten Morgen wacht er in der Wohnung einer fremden Frau auf. Er kann sich nur an wenig erinnern.

Als er versucht herauszufinden, was geschehen ist, ist das der Anfang einer anderen, ungewohnten Liebe, die die Liebe zu seiner Frau nicht zu berühren scheint. Es fällt ihm schwer, den Weg zurück in sein altes Leben zu finden.


Darsteller & Stab Darsteller: Andreas Müller (Markus), Ilka Welz (Ella), Anett Dornbusch (Rose), Erika Lemke (Oma), Markus Werner (Nachbarsjunge), Doritha Richter (Mutter), Detlef Baumann (Nachbar), Ilse Lausch (Tante), Harald Kuchenbecker (Onkel), Hartmut Schliephacke (Bürgermeister / Wehrleiter)

Stab:Regie: Valeska Grisebach • Produktion: Peter Rommel, David Groenewold für Rommel Film / GFP Medienfonds / ZDF (Das kleine Fernsehspiel) / 3sat • Drehbuch: Valeska Grisebach • Vorlage: - • Filmmusik: - • Kamera: Bernhard Keller • Spezialeffekte: - • Ausstattung: Beatrice Schultz • Schnitt: Bettina Böhler, Valeska Grisebach, Natali Barrey • Kostüme: Birte Meesmann • Make Up: - • Ton: Raimund Von Scheibner, Oliver Göbel • Ton(effekt)schnitt: Florian Beck, Ansgar Frerich • Stunts: - •


Filmkritiken Dirk Jasper FilmLexikon: Valeska Grisebachs Film Sehnsucht erzählt in überraschender und berührender Balance zwischen Realismus und Melodram von der Liebe zwischen Markus und Ella. Von einem Glück, dessen verletzlicher Punkt seine Unbedingtheit ist.

Die Zeit: Mit Valeska Grisebachs unscheinbarem Helden, der doch nur alles richtig machen möchte und dessen Leben sich so schicksalhaft verheddert, stolpert auch der Zuschauer in diese besondere Art von Wirklichkeit, die es immer noch viel zu selten im deutschen Kino gibt. Diese Wirklichkeit ist geräumig genug, um den Alltag der Figuren mit einer ganz großen, fast antikischen Geschichte von Liebe und Tod zu verbinden. (...) Dieser schweigsame Mann, mit dem treuen Blick und dem tonnenschweren Herzen ist der Letzte, der einem sagen kann, wie das alles passiert ist. Es ist ein romantischer, einsamer Held, der sich im ständigen Kampf der Gefühle und an der unmöglichen, tragischen Gleichzeitigkeit zweier Sehnsüchte aufreibt. Wie nah diese drei Darsteller einem kommen ... so geheimnisvoll, dass man ihnen mit atemloser Spannung zuschaut.

Der Tagesspiegel, Berlin: Die Frage ist gar nicht: Die Ehefrau oder die Affäre. Das Recht oder die Sünde. Es sind eher die brandenburgischen Feld-, Wald- und Wiesengötter, die einem vierschrötigen Kerl, der bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, weil man nun einmal bei der Freiwilligen Feuerwehr ist, ein irres Glück schenken, mit dem man nur auf Erden so verdammt wenig anfangen kann. (...) So verletzlich, dieser Film, und so stark doch auch. Ein Pulsieren ist da, das nicht aus dem Filmemachen kommt, und sofort verbündet es sich mit etwas in dir, das nicht aus dem Filmezuschauen kommt. Sehnsucht eben. Hochtauchen jetzt, sich wegdrehen, und Abspann. Einen Augenblick allein sein, bevor jemand was sagt. Nichts schöner als das.

Berliner Zeitung: Das Paar ist glücklich, aber wie in jeder Liebesbeziehung gibt es auch in dieser Ehe einen unbekannten Raum, den man erahnt, als Markus abends in der Kneipe zu tanzen beginnt. Oder vielmehr beginnt, sich schwerblütig in die Musik hineinzuschmiegen wie ein Kind in seine Kuscheldecke ? es ist eine großartige Szene in einem herausragenden Film, der tatsächlich tut, was viele andere Filme dieses 56. Berlinale-Wettbewerbs nur versprachen: die Wirklichkeit zu erkunden und zwar ganz aus den Bildern, aus der Anschaung heraus.

Neues Deutschland: In Sehnsucht ist eine Intensität, die gleichzeitig befremdet und anzieht, eine auf wunderbare Weise herbe Poesie, auf die wir nicht gefasst sind. Wie wenig haben doch die meisten Bilder, die wir täglich konsumieren, mit unserem Alltag zu tun, wie wenig ähneln sie uns! Aber es gibt noch ein Leben außerhalb jener Medien, die uns vormachen, sie seien das Ideal des eigentlichen Lebens. Es gibt noch Leidenschaft, Schmerz und Verzweiflung, die in keinen Film passen. Daran werden wir in Sehnsucht erinnert.

Frankfurter Rundschau: Valeska Grisebach interessiert sich eben nicht für den psychologischen Phänotyp, sie sieht solange zu, bis man den Geschichten bis tief auf den Grund blicken kann. So dringt sie vor zum volksmythologischen Kern, beinahe zum Märchenhaften. (...) Kameramann Bernhard Keller beobachtet das meisterlich besetzte, wortkarge Trio von Menschen, die zu sehr lieben, betont ruhig und unartifiziell. Schließlich kann man die ostdeutsche Luft in seinen klaren Bildern förmlich atmen.

Oliver Zimmermann (Rhein-Zeitung, 7. September 2006): Mit Sehnsucht ist Valeska Grisebach ein realistischer Liebesfilm gelungen, bei dem die Darsteller die beinahe dokumentarisch anmutende Atmosphäre zusätzlich untermauern. Zudem nimmt sich die junge Filmemacherin immer wieder Zeit, in langen Einstellungen die Landschaft Brandenburgs ausgiebig zu präsentieren. Sehnsucht ist kein Film der großen Worte oder überraschenden Wendungen.

Süddeutsche Zeitung: Einer der großartigsten Momente in diesem Film ist jene Szene, in der der Hauptdarsteller Andreas Müller allein vor sich hintanzt, völlig selbstvergessen zu Robby Williams 'Feel'. Ein Augenblick, in dem das Kino ganz bei Sinnen ist ? es gibt ihn tatsächlich, diesen deutschen Frühling, ein Kino, durch dessen Venen sehr, sehr viel Leben fließt.

film-dienst 18/2006: Die schlichte, wortarm und still erzählte Ehebruchgeschichte fesselt durch die einfühlsame Fotografie, die in den Landschaftsaufnahmen das Seelenleben der Protagonisten spiegelt, präzise (Alltags-) Beobachtungen und vor allem überzeugende Darsteller, die die verborgenen Wünsche der Charaktere, aber auch ihre seelische Not zum Ausdruck bringen.

Der Spiegel: Man nimmt sie ihnen ab, diese wortlose Sehnsucht nach Veränderung und Abenteuer, die dem verzweifelten Willen entgegensteht, das Gewohnheit gewordene Glück zu retten.

Filmplakat
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion
Szenenfoto. Foto: Peter Rommel Filmproduktion

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Peter Rommel Filmproduktion © 1994 - 2010 Dirk Jasper