Candy - Reise der Engel

Produktionsnotizen

Candy basiert auf dem gleichnamigen Roman des Australiers Luke Davies. Der preisgekrönte Roman avancierte schnell zum Kultbuch in Australien und in Europa. Produzentin Margaret Fink entdeckte die Geschichte kurz nach Erscheinen des Buchs 1997. "Als ich die Geschichte las, wurde mir schnell klar, dass in Luke ein Drehbuchautor steckte und ich unbedingt mit ihm arbeiten wollte.?

Obwohl sie mit dem Kinofilm ?My brilliant Career? und dem Fernsehdreiteiler ?Edens Lost? (Edens Lost) bereits große Anerkennung erhalten hatte, wollte Margaret Fink weg von altbewährten Mustern und mit Luke Davies einen völlig anderen Film machen. Da Margaret Fink bereits bei ?Edens Lost? mit Neil Armfield zusammengearbeitet hatte, wollte sie unbedingt ihr nächstes Projekt mit ihm zusammen realisieren. Neil war sofort begeistert von ?Candy? und so fiel der Startschuss für den Film. Entwicklung Luke Davies und Neil Armfield schrieben, parallel zu ihren anderen Projekten, sechs Jahre lang, von 1999 bis 2005, als Romanschriftsteller, Dichter, Drehbuchautor und Regisseur am Script. Luke Davies hatte schon eine vorläufige Drehbuchfassung erarbeitet, als Margaret Fink Neil Armfield als Autor ins Boot holte. So wurde er Co-Autor, lange bevor Neils Mitarbeit überhaupt ein Thema war.

Neil Armfield über die Arbeit mit Luke Davies: "Der Kern unserer Zusammenarbeit bestand darin, dass Luke sehr detailorientiert ist und dazu regelrecht besessen - und ich eher detailorientiert und faul. Luke hält von uns beiden den Rekord im Schreiben. Wir ließen unsere Ideen und Texte wilde Purzelbäume schlagen. Gelegentlich habe ich einfach eine Szene vorgespielt, die Dialoge improvisiert und Luke hat mitgeschrieben. Wir hatten sehr viel Spaß bei der Arbeit und außerdem wurden wir Freunde. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt, warum aus dem Buch ein Film werden sollte. Was können wir aus dieser unglaublichen Geschichte noch herausholen und verbessern? Es war wirklich interessant, auf welch brillante Art Luke seine persönlichen Erfahrungen einbrachte, aber gleichzeitig in der Lage war, sie in der dritten Person zu erzählen. Während des Schreibprozesses konnte er sich bereits mit dem Thema aussöhnen und der Film brachte das Ganze noch mal auf ein anderes Level: Sich wieder davon zu trennen und die Gefühle für sich in etwas Positives umzuwandeln.?

Luke Davies bestätigt: ?Der Roman ist ein typisches Erstlingswerk: Eine versteckte Autobiografie. Ich habe in dieser im Buch und im Film beschriebenen Welt gelebt - und das für eine ziemlich lange Zeit. Die Hauptfigur bin tatsächlich ich selbst. Als ich die Geschichte schrieb, habe ich aber den Focus auf den Aufbau der fiktiven Geschichte gelegt und nicht auf meine persönlichen Erlebnisse. Durch die Zusammenarbeit mit Neil Armfield wurde der nichtbiografische Anteil sogar noch größer. Trotzdem gibt es einige Schlüsselszenen, die aus meinem eigenen Leben stammen, und die ich besonders tief nachgefühlt habe.?

Nach Neil Armfield holte Margaret noch John Collee, Co-Autor von Peter Weirs ?Master and Commander? (Master and Commander) als Dramaturg ins Projekt. ?Johns erste Frage war ?Worum geht es eigentlich in Candy?? Ich antwortete spontan ?Um eine Dreiecksgeschichte, in der es sich um einen Helden, eine Heldin und Heroin dreht?. Das gefiel ihm. Ehrlich gesagt, war es für mich nicht einfach, diese Frage zu beantworten. Jeder Film, in dem sich Menschen in einer vielschichtigen und schwierigen Situation befinden, ist schwer in einen Satz zu packen. Im Grunde handelt es sich neben der Drogenabhängigkeit um eine Liebesgeschichte.?

John Collee als Dramaturg konnte mit seinem unglaublichen Gespür für Drehbuchstrukturen und Erzählkunst den episodischen Stil des Buchs für das Drehbuch adaptieren. Luke Davies: ?John Collee hat einen scharfen Verstand, wenn es darum geht, Inhalte und Wendepunkte einer Geschichte zu erfassen und umzusetzen. Das soll nicht heißen, dass wir jeder Eingebung gefolgt sind, aber das Ergebnis ist Gold wert. Er forderte uns heraus, in völlig neue Richtungen zu denken, was der Geschichte wirklich gut getan hat.?

Als das Drehbuch anfing, ein Eigenleben zu entwickeln, wurden Elemente aus dem Roman entfernt, ersetzt oder verbessert. Autoren und Produzenten rechneten es Neil Armfield gleichermaßen hoch an, die Rolle von Candys Eltern zu erweitern. Im Buch haben sie gerade mal eine Szene. Luke Davies: ?Ich glaube, Neil ist besonders vom Hintergrund der Geschichte fasziniert: Der Einfluss durch die Familie. Er liebt es, die Familie an sich zu erforschen und zu untersuchen. Candys Eltern sind das Ergebnis.?

Neil Armfield über die Figuren in ?Candy?: ?Ich persönlich war nie drogenabhängig, aber mich fasziniert diese lodernde Energie, die von Süchtigen ausgeht. Außerdem interessierte mich diese Ruhe, die eine Sucht umgibt. Ein absolutes Tabuthema in unserer Gesellschaft. Für mich waren Candys Eltern der Schlüssel zur Geschichte. Es war mir wichtig, Mr. und Mrs. Wyatt als gute Menschen zu zeigen, die aber trotzdem zu dem Schmerz und dem Durcheinander beigetragen haben, das ihre Tochter offenbar unterdrückt hat. Diese Dynamik wollte ich in dem Film haben, ohne sie gleichzeitig zu vereinfachen und ohne zu unterstellen, dass diese Art von Eltern diese Art von Kind erzeugt. Mir ging es darum, die Kraft ihrer Liebe zu vermitteln. Wenn man die schauspielerische Leistung von Tony Martin und Noni Hazlehurst sieht, bekommt man ein starkes Gefühl für ihre Elternliebe, wie diese verzerrt ist von ihrem engstirnigen Mittelschichtsdenken und dem Bestreben, immer das 'Richtige' oder besser gesagt das 'Angebrachte' zu tun und ihre Schwierigkeit zu kommunizieren.?

Eine weitere Rolle, die für das Drehbuch vergrößert wurde, ist die des drogenabhängigen Professors und väterlichen Freundes Casper, gespielt von Oscar®-Preisträger Geoffrey Rush. Neil Armfield: ?Es gibt einen Ausspruch von Dan im Film, der lautet, ?Casper und ich kennen uns schon eine Ewigkeit?. Nun ja, Geoffrey und ich kennen uns auch schon eine Ewigkeit. Wir haben zum ersten Mal 1980 am Theater zusammengearbeitet und seitdem ist er mein treuester Mitarbeiter. Ich wollte schon immer einen Film mit Geoffrey machen. Casper ist eine Rolle, die Luke und ich aus dem Buch genommen und vergrößert haben, immer mit Geoffreys Bild im Hinterkopf."

Casting Die Filmemacher waren auf der Suche nach einem jungen Engel, der in der Lage war, die Rolle der Candy auszufüllen. Luke Davies beschrieb die Figur als ?diese aufregende Mischung aus Stärke und Zerbrechlichkeit, die immer bereit ist, an ihre Grenzen zu gehen.?

Zwischen diesem ersten Treffen und ihrer Besetzung vier Jahre später, erntete Abbie viel Lob für die Rolle der Heidi in dem preisgekrönten Spielfilm ?Somersault? (Somersault).

Für Neil Armfield kam der Wendepunkt, als er die beiden Schauspieler Abbie Cornish und Heath Ledger zusammen bei Probeaufnahmen erlebte. Neil Armfield: ?Mir wurde klar, dass die beiden nicht nur eine unglaubliche Präzision in ihren Szenen hatten, sondern sie auch eine unglaubliche Chemie verband. Das war fantastisch. Als ich ?Somersault? sah, merkte ich sofort, dass Abbie in der Lage ist, emotionale Intelligenz zu transportieren, dass sie eine Seele besitzt, die von der Kamera regelrecht gestreichelt wird. Ihre Leinwandpräsenz ist umwerfend.?

Die Einschätzung des Teams wurde durch Abbies Darstellung der Candy belohnt. Neil Armfield: ?Sie brachte eine tiefe, bedeutsame Liebe mit in die Geschichte. Im dritten Akt, wenn Candy ihren emotionalen Zusammenbruch hat und völlig loslässt, ist sie einfach großartig. Genau wie Heath ist es ihr unmöglich, keine echten Gefühle zu zeigen. Abbie und Heath waren sich darüber im Klaren, dass man als Hauptdarsteller die zentrale Verantwortung trägt, und beide haben das großartig gemacht.?

Als Luke Davies Heath Ledger für die männliche Hauptrolle in Betracht zog, stieß er bei Neil Armfield zunächst auf einige Widerstände. Neil hatte die extreme Fehlbarkeit der Figur vor Augen. Er drückte es so aus: ?Wenn Dan ein Mensch ist, der sich im Kreis dreht - geblendet von der Schönheit der Welt, dann ist er auch jemand, der die Demütigung seines Partners in Kauf nimmt, sich für die Befriedigung der Sucht selbst zu verkaufen.? Für den Regisseur war Heaths Naturell zu heldenhaft. ?Ich dachte, wir bräuchten jemanden für Dan, der unsauberer und unruhiger ist.? Letztlich war es Heaths überzeugende Darstellung des Sonny Grotowski in ?Monster?s Ball? (Monster's Ball), dunkel, schuldig und verletzlich, die Neil Armfield umstimmte.

Geoffrey Rush, für den die Rolle des Casper ausgebaut wurde, war von Anfang an in das Projekt involviert. Geoffrey war sehr entgegenkommend, hat sich sehr mit der Figur Casper auseinander gesetzt und den Schreibprozess unterstützt und mitgestaltet. Neil Armfield: ?Jemanden von diesem Kaliber an Bord zu haben, gab uns allen ein gutes Gefühl. Wir wussten, dass wir auf einem guten Weg waren! Er gab Casper eine Tragik, Tiefe und Traurigkeit - und war zur gleichen Zeit dieser kleine Junge, der böse sein wollte und Drogen nahm, mit den Kindern spielte und Unheil anrichtete.?

Produktion Vier Jahre lang suchte Margaret Fink einen Co-Produzenten, um den Film zu finanzieren und zu entwickeln. Sie fand Emile Sherman (?Rabbit Proof Fence?) von Sherman Pictures, der sich der Produktion anschloss. Margaret beschrieb die Verbindung später als eine ?zufällige und glückliche Verbindung.? Für Emile war es die angenehmste Partnerschaft seiner Karriere. Zusätzlich kam noch die Vorfreude dazu, mit Neil Armfield zu arbeiten. ?Er ist wahrscheinlich Australiens anerkanntester Theaterregisseur. Auf ihm lasteten hohe Erwartungen, die er mit einem wunderschönen, poetischen Film erfüllt hat.?

Neil Armfield wollte unbedingt diese do-it-yourself - Energie in das Projekt einbringen, die schon seine Theaterproduktionen so einzigartig machte und gab einigen seiner bewährten Theatermitarbeitern verantwortungsvolle Jobs in dem Filmprojekt. So wurde Robert Cousins erstmalig Produktionsdesigner, Jodie Fried Kostümbildnerin und Paul Charlier Sounddesigner und Komponist. Garry Phillips (?Getting? Square?, ?Better Than Sex?) übernahm die Kamera und Dany Cooper den Schnitt.

Die Dreharbeiten begannen am 17. Mai 2005 und fanden über 7 Wochen lang ausschließlich im Westen von Sydney, den Vororten im Osten und in Wallacia und Austral, im Nordsüdwesten statt.

Drehbuchautor Luke Davies, der die Romanvorlage für ?Candy? schrieb, fand eine besondere Rolle im Film. Er hatte einen unvergesslichen Cameo-Auftritt - auf den Neil Armfield bestand - als Milchmann, der dem jungen Liebespaar in der Abenddämmerung Gratismilchflaschen in die Hand drückt. Den Making-of-Film, den er ebenfalls drehte, nannte er passenderweise ?Tagebuch eines Milchmanns?.

Regisseur Neil Armfield zollte Luke Davies Tribut, indem er im Film die Poesie der Geschichte beibehielt. ?Luke ist sowohl ein Dichter, als auch ein Romanschriftsteller. Die Geschichte ist eine Art Traumbild, in der ganz am Anfang eine Tür in ein anderes Universum aufgeht. Während des gesamten Entstehungsprozesses wurde die Geschichte immer deutlicher, das Wesentliche wurde langsam sichtbar. Es kann in eine Frage gepackt werden: ?Was ist Liebe?? Das ist auch die Herausforderung, die Candys Vater, Mr. Wyatt, am Ende des Films an Dan weitergibt, indem er ihn auffordert das zu tun, wozu er imstande ist, um ihr zu helfen. In diesem Moment wird Dan klar, dass man in einer wirklichen Liebe Opfer bringen mußs."

Für die Filmfinanzierung zeichneten die Film Finance Corporation, das South Wales Film and Television Office und Paradigm Hyde Films verantwortlich.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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