Oh, wie schön ist Panama

Produktionsnotizen

?Erfahrungen sind wie Apfelkuchen: Selbstgemacht ist am besten.? (Papa Löwe)

Janosch ? Ein Philosoph mit bunter Palette Janoschs ?Oh, wie schön ist Panama? erschien 1978 und ist nach wie vor der Bestseller unter seinen etwa 300 Kinderbüchern. Inzwischen sind mehrere Generationen mit dieser Geschichte des 1931 in Oberschlesien geborenen Autors aufgewachsen ? die Kinoversion spricht also nicht nur die heutigen Kinder an, auch ihre Eltern kennen die Helden Tiger und Bär bereits aus ihrer Jugend.

Janosch lieferte mit diesem Buch seinen Beitrag zur antiautoritären Erziehung der 1970er-Jahre, die größtmögliche Freiheit für die Kinder forderte. ?Oh, wie schön ist Panama? entwickelte sich gar zur Bibel dieser pädagogischen Philosophie: Alle Eltern, die Wert darauf legten, dass ihre Kinder etwas Vernünftiges lasen, hatten das Buch im Regal stehen. Das Phänomen ergab sich aus dem Umstand, dass ?Oh, wie schön ist Panama? nicht nur Kinder fasziniert, sondern auch Erwachsene.

?Janoschs Poesie ist nachhaltig?, sagt Produzentin Irina Probost, die seit zehn Jahren mit dem Autor zusammenarbeitet. ?Kinder merken sich die Reime ? auch die heutigen 16-, 17-Jährigen können das Buch noch in ganzen Passagen auswendig zitieren.?

?Meine Figuren tragen Züge, die ich bei Menschen vermisse?, sagt Janosch. ?Anarchie und Rebellion zum Beispiel. Damit meine ich Auflehnung gegen jeden, der kommandiert, der seine Macht missbraucht. Ich finde: Lasst euch nichts gefallen.?

Janosch ist ein poetischer Realist mit analytischem Blick, der an der Welt und ihren Unzulänglichkeiten leidet. Er entwirft sein Weltbild durch die Erlebnisse und Aussagen liebenswerter, scheinbar naiver Figuren.

Im Vorwort zu seinem autobiografischen Buch ?Leben & Kunst? (2005) heißt es: ?In seiner 45 Jahre langen Karriere als Kinderbuchautor zähmte er wilde Tiere wie Tiger, Löwen und Bären, schrumpfte sie zu freundlichen Hausbewohnern ein und erzog mit ihnen drei Generationen von Kindern zur Samtrevolution gegen Erwachsenenwillkür, Autoritätsanspruch und die praktische Vernunft der Anpassung.?

Wo liegt Panama? Was ist das Geheimnis des riesigen Erfolgs? ?Man findet es sicher in der Einfachheit der Story?, sagt Probost. ?Die anarchische Grundstimmung hat einen philosophischen Überbau, denn Tiger und Bär sind auf der Suche nach dem Glück, sie stellen sehr praktisch die Fragen nach dem Leben an sich.?

Janosch stellt klare und starke Maximen auf: ein einfach gestaltetes Leben und Freundschaft ? Tiger und Bär sind unzertrennliche Freunde.

Am Anfang des Films bringt die angeschwemmte Bananenkiste die bisher heile Idylle ihres gemeinsamen Haushalts durcheinander: Weil die Kiste so verführerisch nach Bananen riecht, weckt sie in Tiger den Wunsch nach dem fernen Land, aus dem die Kiste mit der Aufschrift ?Panama? offensichtlich stammt.

Das reicht, um die beiden auf ihre Reise zu schicken, die auch für Dreijährige verständlich aufgebaut ist: Tiger und Bär begegnen vielen Tieren, die sie jeweils nach dem Weg nach Panama fragen.

?Wir halten uns so weit wie möglich an die Buchvorlage ? allerdings reicht die Handlung nicht für einen Spielfilm aus?, sagt die Produzentin. Die Zugreise ist zum Beispiel ein Element, das für den Film neu erfunden wurde: Tiger und Bär springen in einen Wagen und lernen den weisen Vagabunden namens ?Reiseesel Mallorca? kennen, der seine Lebenserfahrung mit ihnen teilt.

Auch die fantastische Hängebrücke über die Schlucht gibt es nicht im Buch: Tiger stürzt in die Tiefe ? die Freunde verlieren sich für kurze Zeit. Bald sind sie wieder vereint, reisen per Schiff übers Meer und erreichen im Sturm eine ebenfalls für den Film erfundene Insel, die sie für das Gelobte Land Panama halten.

?Jeder Zuschauer bekommt den Eindruck, dass die Helden ihr Paradies gefunden haben, denn es gibt dort Bananen, es ist warm und wunderschön?, sagt Probost. ?Aber es wird schnell langweilig im Paradies ? und sie sehnen sich nach ihrem Zuhause.?

Das Schlüsselelement der Freundschaft wird in der Idylle der Insel auf eine harte Probe gestellt: ?Tiger und Bär streiten sich, weil das Paradies schnell unerträglich wird?, berichtet Probost. ?Doch schon bald fragt Tiger: ,Du, Bär, wie lange dauert so ein Streit eigentlich ...Meinst du, wir können ihn kurz unterbrechen???

?Das ist der entscheidende Satz?, sagt die Produzentin. ?Wenn sich die kleinen und großen Zuschauer nach dem Film im Alltag an solch einen Satz erinnern, hat Janosch sein Ziel erreicht.?

Von Janoschs Illustrationen zum bewegten Bild Um für den SWR die Serie ?Papa Löwe und seine glücklichen Kinder? nach Janoschs Kinderbuch zu produzieren, gründete Irina Probost ihre eigene Firma Papa Löwe Filmproduktion. Es folgte die Serie ?Antje? für den NDR ? in diesem Fall zeichnete Janosch seine eigene Version des NDR-Sendermaskottchens, Walross Antje.

?Nach diesen langjährigen Erfahrungen fühlten wir uns fit für einen Kinofilm?, sagt Probost. ?Es war immer schon mein Traum, Janoschs Klassiker ,Oh, wie schön ist Panama? zu verfilmen.?

Die Tigerente war in Janoschs Büchern immer eine Randfigur, erlebte dann aber eine unglaubliche Karriere, weil eine kleine Tigerente aus Holz Janoschs erstes Merchandising-Produkt war. Sie gab dann dem ?Tigerentenclub? im Fernsehen den Namen, und jetzt kommt sie auch in ?Oh, wie schön ist Panama? vor, aber die Helden sind wie in der Bilderbuchvorlage natürlich Tiger und Bär.

Über die Zusammenarbeit mit Janosch sagt die Produzentin: ?Der Unterschied von Janoschs Arbeit als Buchautor und Illustrator zum Kinofilm sind die Sehkonventionen.

Die Sehkonventionen, die einen Kinofilm bestimmen, sind andere: Filmgeschichten leben von ihrem Detailreichtum, sie werden in elaborierte Hintergründe eingebettet. Und die Figuren bewegen sich ? egal mit welcher Technik sie animiert werden ? in dreidimensionalen Räumen mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.?

Dafür hat Janosch seinerseits Verständnis. Er beschloss, sich in die Arbeit der Filmemacher nicht einzumischen. Vielmehr legte er seine Geschichte in die Hände der Filmemacherin seines Vertrauens: Produzentin Irina Probost. Janosch ist also genau der Autor, den jeder Produzent sich wünscht.

Janoschs Beitrag zum Film: Er schrieb den wunderbaren Text für den Panama-Song, den Tiger und Bär singen, als sie für die große Reise ihren Koffer packen.

Alle Wege führen nach München: Papa Löwe Filmproduktion Der Chefzeichner und Charakterdesigner mit seiner jahrelangen Erfahrung mit Janosch-Figuren zeichnet die entscheidenden Eckdaten, die Farbgebung und die Bewegungsstudien. Die Umsetzung von Anmutung und Philosophie ? exakt nach der Buchvorlage und den Illustrationen von Janosch ? in das bewegte Medium des Zeichentricks ist dadurch immer gewährleistet. Das Team von Papa Löwe schafft mit seinem langjährigen künstlerischen Knowhow in traditioneller Zeichentricktechnik und mithilfe modernster Computer sozusagen die Gene, die dann später jedes Detail des Erscheinungsbildes ausmachen.

Diese Entwicklungsstufe ganz zu Beginn ist deshalb so entscheidend, weil Janoschs Figuren extrem hohe Anforderungen an die Animatoren stellen: Keine von Janoschs Figuren ist schön glatt und rund, wie sich das Anmationszeichner wünschen. Und ihre Bewegungen sind zudem von einer ganz speziellen, fast provozierenden Langsamkeit.

Autor Guido Schmelich schrieb das Drehbuch, in dem das Konzept des Buches fortgeschrieben ist: Die leicht überschaubare Struktur des Roadmovies lenkt die Helden durch ihre Begegnungen mit vielen Tieren, die sie nach dem Weg fragen.

Aufgrund dieser Vorgaben entwarf der tschechische Animationsregisseur Martin Otevrel das Storyboard. Er hatte für Irina Probost bereits die Serie ?Papa Löwe und seine glücklichen Kinder? betreut. Wie so oft bei der Produktion eines Zeichentrickfilms kam es in dieser Phase auch bei ?Oh, wie schön ist Panama? häufig zu künstlerischen Ergänzungen, die im Drehbuch nicht vorgegeben waren, denn die Textvorlage inspiriert die Zeichner ihrerseits zu neuen Ideen, zu optischen Einfällen und Gags.

?Weil sich die Arbeit mit Martin Otevrel bei ,Papa Löwe und seine glücklichen Kinder? bestens bewährt hatte, wollte ich unbedingt auch den Kinofilm mit ihm machen?, berichtet Produzentin Probost. ?Otevrel arbeitet in Prag mit einem eingeschworenen Team, er ist ein wahrer Storyboard-Künstler, er hat Janoschs Wesen voll verinnerlicht und weiß, wie man seine Geschichten filmisch umsetzt. Er arbeitet mit wunderbaren Hintergrund-Malern zusammen ? jedes dieser Bilder ist ein Kunstwerk für sich.?

Otevrel bringt sich selbst als Zeichner mindestens genauso intensiv ein wie als Regisseur und Koordinator. Die Optik des Films ist ? nach den Vorgaben von Janosch ? vor allem sein Werk.

Nach Fertigstellung des Storyboard-Layouts wechselte die Produktion nach Polen ins Studio Orange in Bielsko Biala, 80 Kilometer von Kraków entfernt. Die Firma verfügt über eine riesige Infrastruktur ? 150 Mitarbeiter arbeiten in allen Produktionsphasen an dem Projekt.

Durch die bisherigen Erfahrungen mit dem Studio Orange wusste Probost, dass die Polen den hohen Ansprüchen des Janosch-Kinoprojekts gerecht werden, und diese Ansprüche haben es in sich, denn Janosch zeichnet nun mal nicht so, wie es sich Animatoren erträumen: einfache Linien ohne viele Details. Im Gegenteil: Sein Zeichenstil ist für Animatoren besonders schwierig nachzuahmen und in Bewegungen umzusetzen.

Bei Orange wurde das in Prag erstellte Layout übernommen und animiert, wobei Regisseur Otevrel mit Probost auch diese Arbeitsphasen vor Ort sehr genau überwachte.

Orange-Studiochef Grzegorz Handzlik ist genau wie Otevrel nicht nur Unternehmer, sondern vor allem auch Künstler und kann Erfahrungen in amerikanischen Animationsstudios vorweisen. Er bringt sich mit viel Engagement und Liebe in das Projekt ein, weil Janosch auch in Polen ein Superstar ist ? Janoschs oberschlesischer Geburtsort liegt heute in Polen.

Die abgeschlossenen Animationsphasen wurden dann nach München geliefert, wo sie weiter bearbeitet und verteilt wurden.

Das Compositing (die Zusammensetzung der animierten Zeichnungen mit Hintergrund und Computer-Elementen sowie Effekten) fand im Hause von Papa Löwe Produktion selbst statt. Wie üblich wurden vor allem Objekte mit geometrischen Formen per 3-D-Animation im Computer generiert und dann nahtlos mit den übrigen Elementen verschmolzen. Die Tigerente ist ein solches Element, auch die angeschwemmte Panama-Kiste, der Topf und der Eisenbahnzug. Zum 13-köpfigen Papa-Löwe-Team gehörten vier Computerspezialisten, die das in Polen animierte Material farblich korrigierten und Spezialeffekte hinzufügten.

Von dort wurden die Aufnahmen ans Synchronstudio weitergeleitet. Die Sprachaufnahmen und die Mischung fanden in den altehrwürdigen Geyer-Werken in Berlin statt.

In München nahmen die Münchner Symphoniker die Filmmusik in den geschichtsträchtigen Bavaria-Tonstudios auf. Filmkomponistin Annette Focks ist die einzige Dirigentin, die A-Orchester leitet ? sie spielte den Soundtrack mit dem Orchester persönlich ein. ?Mit Annette hatte ich zuvor schon gearbeitet, und uns verbindet auch eine private Freundschaft?, sagt Probost. ?Sie ist nicht nur Dirigentin und Komponistin, sondern wirkt auf unserem Soundtrack auch als Pianistin mit.?

2005 gewann Focks den Deutschen Fernsehpreis unter anderem für ihre Scores zu ?Bella Block?, ?Das Gespenst von Canterville? und ?Marias letzte Reise?.

Unterstützung aus dem Norden: Co-Produzent Warner Bros. Der Hamburger Warner-Geschäftsführer und Produzent Willi Geike hat sich durch eine ganze Reihe von deutschen Zeichentrickerfolgen (?Der kleine Eisbär?, ?Lauras Stern?, ?Tobias Totz und sein Löwe?) profiliert und versteht es, sich auf das ganz kleine Publikum einzustellen.

?Er prüfte schon die Storyboards sehr genau und merkte sofort, wenn wir uns in der Geschichte verzettelten, wenn wir über lustige Einfälle für Gags und Nebenhandlungen zu lange unsere Helden Tiger und Bär vernachlässigten?, sagt Probost. ?Vor allem in Bezug auf den Filmanfang wies er uns darauf hin, dass wir ohne Umschweife unsere Helden vorstellen müssen, auf die unsere Zuschauer natürlich warten: Sie wollen die Szenen aus dem Kinderbuch wiedersehen. Und auch bei den wenigen kindgerecht ,spannenden? Sequenzen machte Willi uns klar, dass die kleinen Zuschauer solche Momente nur genießen können, wenn ganz schnell wieder für ,Entspannung? gesorgt ist.?

Kinderfilm-Fans vor dem Mikrofon Schon bevor Irina Probost ihr Projekt begann, sprach Janosch-Fan Til Schweiger sie an: ?Wenn du ,Panama? verfilmst, dann will ich unbedingt mitmachen!? Inzwischen hat er die Kinderbuch-Geschichte auch als Hörbuch aufgenommen ? die CD ist im August 2006 erschienen.

Für das Casting aller Sprechrollen und die Dialogaufnahmen war der erfahrene Synchronregisseur Michael Braun (?Der kleine Eisbär?, ?Lauras Stern?) zuständig. Über Schweiger sagt er: ?Til gibt dem Tiger eine unverkennbare, sehr verspielte, kindliche Farbe. Die kindlichen Qualitäten hat sich Til auch als Erwachsener erhalten, und das schwingt in seiner Stimme mit.?

?Willi Geike und ich hörten uns Tils Aufnahmen im Studio an und waren wirklich hingerissen: Plötzlich wurde der Tiger lebendig!? berichtet Probost. ?Das war eines der faszinierendsten Erlebnisse bei dieser Produktion. Einfach unglaublich. Tils Kommentar war ganz bescheiden: ,Irina, danke für die Chance!? Til stürzt sich hundertprozentig in die Arbeit und war sogar bereit, den von Reinhold Hoffmann & Dieter Holesch komponierten Panama-Song für den Film zu singen!?

Den Song singt Schweiger im Duett mit seinem Kollegen Dietmar Bär, der im Film dem besten Freund des Tigers, dem Bär, die Stimme leiht. Dietmar Bär übernahm den Part seines Namensvetters, weil die Filmemacher gewährleisten mußsten, dass das Bärenorgan zu Til Schweigers Tiger passt, stimmlich also einen gemäßigten Bass-Kontrast zu Schweigers relativ hoher Stimme darstellt.

Die Rolle des augenzwinkernden Bären mit dem trockenen Humor ist nicht einfach zu gestalten, weil er nicht dem rundlichen Klischee entspricht und auch durchaus kein Teddybär ist. Er sieht ganz normal aus und ist dem Tiger von der Gestalt her sogar recht ähnlich. Der Kontrast zum Tiger mußs also aus der Stimme kommen.

Doch als Dietmar Bär die Rolle sprach, entwickelte der Bär plötzlich eine eigene Persönlichkeit, wie Produzentin Irina Probost berichtet. ?Dietmar hat etwas Gemütliches, Ruhiges?, sagt Michael Braun. ?Und er ist wie der Bär ein Genießer, er kocht gern, kann sich also schon von daher gut in die Bärenrolle hineinversetzen.?

Das laut Probost ?große Frauendefizit in unserem Film? mußs die fabelhafte Anke Engelke ausgleichen, die mit ihrer umfangreichen Synchronerfahrung (?Findet Nemo?, ?Der kleine Eisbär?) die Rolle des Fisches übernimmt. ?Der Fisch wirkt wie ein Teenie?, sagt Braun. ?Er ist frech, mischt Tiger und Bär ordentlich auf. Andererseits ist er dankbar, weil der Bär ihm das Leben schenkt. Anke ist wieder mit sehr viel Enthusiasmus und Spaß dabei. Als Erstes fragte sie mich: ,Warum engagierst du mich nur einmal im Jahr?!! Hast du nicht mehr Animationsfilme anzubieten??? Der Hintergrund: 2005 wurde Engelkes Sohn Lasse Emil geboren, und nicht nur für ihn, sondern auch für ihre Tochter Emma arbeitet sie an einem eigenen Kinderfilm-Repertoire, das sie ihrem Nachwuchs vorführen möchte.

Der winzige Kobold Schnuddel wird von Comedian Ralf Schmitz gesprochen, der sich seine Fangemeinde nicht nur mit zahlreichen Fernsehauftritten (?Schillerstraße?) erobert hat, sondern auch zum äußerst erfolgreichen Gnom-Team in ?7 Zwerge ? Männer allein im Wald? gehörte (Fortsetzung im Oktober 2006). ?Ich fand, dass Ralf zu Schnuddel passt, weil der kämpferisch und nervös wirkt ? das entspricht wunderbar Ralfs unstetem, frechen Geist?, sagt Michael Braun. ?Ich halte Schnuddel für Janoschs Alter Ego in der Geschichte: Mit dieser Figur kommentiert der Autor die Handlung, so kann er seine manchmal verschrobenen Gedanken anbringen. Tiger und Bär würden nie auf die Idee kommen, Schnuddels Fahrrad zu stehlen, aber Schnuddel unterstellt ihnen diese Bosheit. Was ihn nicht hindert, die beiden auszunutzen ? er lässt sich von beiden kutschieren.?

?Für die Rolle des Reiseesels Mallorca kam niemand anderes infrage als Mirco Nontschew?, sagt Michael Braun über den gefeierten Comedian, der in ?7 Zwerge? Schmitz? WG-Partner Tschakko spielte. ?Er bringt eine schöne Farbe in das Ensemble, denn er ist auf solche exotischen Typen abonniert. In ,Der kleine Eisbär 2? hatte er bereits im Team mit Ralf Schmitz mehrere Galapagos-Vögel gesprochen und sie wunderbar gestaltet. Mirco wirft sich jedesmal begeistert ins Zeug, ist mit Feuer und Flamme dabei ? obwohl seine Tochter langsam aus dem Alter herauswächst, in dem sie sich von derartigen Leistungen ihres Vaters beeindrucken lässt ...?

Die Figur des Paradiesvogels, dem am Ende des Films eine wichtige Funktion zukommt, gestaltete sich nicht nur in der Farbgebung schwierig ? die Filmemacher überlegten auch lange, ob er eine männliche oder weibliche Stimme haben sollte.

Den Namen Friedrich Schoenfelder brachte dann Kirsten Niehuus vom Medienboard Berlin-Brandenburg ins Spiel, die den fast 90-jährigen rüstigen Mimen und legendären Synchronsprecher (deutsche Stimme von Rex Harrison, Alec Guinness, David Niven und vielen anderen) kürzlich bei der Verleihung des Synchronpreises erlebt hatte.

?Schoenfelder passt wunderbar zu dem weisen Paradiesvogel? sagt Michael Braun. ?Er ist natürlich in einer anderen Zeit aufgewachsen und regt sich gern über die schlampige Sprechtechnik der jungen Schauspieler auf, mit der sie unsere Sprache ,verhunzen?! Es macht sehr viel Spaß, mit ihm zu arbeiten ? nicht zuletzt, weil ich viele seiner Ansichten über den Niedergang der Theaterkultur durchaus teile ... Er ist ein Vollprofi der alten Schule, der dem Film mit der Rolle des klugen Vogels eine ganz andere Dimension erschließt: Der Paradiesvogel weiß natürlich, welche Erfahrung Tiger und Bär gerade machen ? er hat das alles schon erlebt und kann es einordnen. Und er hat die Lösung parat.?

Panama ? das ist Janosch ?,Oh, wie schön ist Panama? ist nicht nur eine Kinderbuchverfilmung, sondern auch die Hommage an einen ganz großen Künstler?, sagt Irina Probost. ?Denn Janosch ist wie seine Bücher ? so wie er schreibt, redet er auch. Er ist völlig authentisch. Er lässt sich nicht festlegen, verabscheut Konventionen.?

Viele von Janoschs Buchfiguren entstehen aus Menschen, denen er begegnet, zum Beispiel seinen Verlegern. Die Autobiografie ist also ständig präsent. Die Wohngemeinschaft von Tiger und Bär in ihrem idyllischen Häuschen ? das ist Janosch mit seiner Frau Ines: Ihr kleines Paradies auf Teneriffa liegt sehr weit weg von den Touristenströmen und Prominententreffpunkten. Durch eine niedrige Tür betritt man einen typisch spanischen Innenhof mit herrlichen Pflanzen ? von dort gelangt man dann in die verschiedenen Flügel des Hauses. Alle Einrichtungsgegenstände, die Lampen, die Tische haben ihre eigene Geschichte. Dort breitet Janosch sich mit seinen Malutensilien aus. Das ganze Haus entspricht in jedem Detail Janoschs exzentrischem Image.

?Als ich das Haus zum ersten Mal betrat, fragte ich mich sofort: Ist das hier ein Filmset?? lacht die Produzentin.

?,Oh, wie schön ist Panama? ist ein wunderbarer Film für Kinder, die erstmals einen Film auf der großen Leinwand erleben?, sagt Irina Probost abschließend. ?Viele Eltern reagierten begeistert auf unser Vorhaben, weil sie das Buch kennen: ,Genau das ist der Stoff, den wir sehen möchten, wenn wir mit unseren kleinen Kindern zum ersten Mal ins Kino gehen.??

?Ich will Kinder mit Geschichten glücklich machen?, sagt Janosch. ?Und Eltern natürlich auch. Besonders Mütter. Glückliche Mütter machen glückliche Kinder. Dann bin ich auch wieder glücklich. Glück ist etwas Gegenseitiges. Meine Botschaft ist: Kinderglück für alle.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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