World Trade Center

Produktionsnotizen

Eine Geschichte von Mut und Lebenswillen!

"Will und ich fühlen uns all den Männern, die wir an jenem Tag verloren, verpflichtet", sagt der Beamte der Hafenpolizei Sergeant John McLoughlin. "Durch uns können wir die Geschichte all jener Männer erzählen, die sich selbst an jenem Tag opferten. Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Filmemacher auch denjenigen, die es nicht überlebten, die Ehre erweisen und ihnen Respekt zollen wollten."

"John und ich sind bodenständige Leute, wir sind ganz normale amerikanische Familien", meint Jimeno, "doch viele ganz normale Amerikaner taten an jenem Tag ihr Bestes. Ich fühle mich geehrt, das zu repräsentieren."

Der Spielfilm "World Trade Center" basiert auf ihren Erfahrungen; Regie führt der dreimalige Oscarpreisträger Oliver Stone. Der Regisseur sagt, von dem Moment an, als er das Drehbuch von Andrea Berloff las, habe er gewusst, dass er diese Geschichte unbedingt erzählen wollte.

"Andrea Berloffs Drehbuch ist eines der besten, das mir jemals einfach so untergekommen ist. Es hat mich - und viele andere - umgehauen durch die Emotionen und die Schlichtheit. Es hat dieses entsetzliche Ereignis auf eine Weise behandelt, die ich zuvor noch nicht gesehen hatte, und für mich auf einer zutiefst persönlichen Ebene erfassbar gemacht", sagt Stone.

Michael Shamberg und Stacey Sher haben als Produzenten bereits andere wahre Ereignisse auf die Leinwand gebracht, darunter "Erin Brockovich", der in der Kategorie Bester Spielfilm für einen Oscar nominiert war. Auch die Produzenten waren davon beeindruckt, wie die Erfahrungen der beiden Männer weitaus größere Themen zur Sprache brachten: "Die Geschichte von John McLoughlin und Will Jimeno und all der Menschen, die dabei halfen, sie zu retten, ist nur eine der Geschichten zum 11. September, aber sie verdeutlicht den größeren Zusammenhang darüber, wie die Menschen an einem schrecklichen, tragischen Tag alles riskieren, um einander zu helfen. Daran müssen wir uns erinnern", sagt Shamberg.

"Diese Geschichte hat uns angesprochen, denn sie handelt von Heldentum - und zwar in dem Sinne, dass hier die beste Seite der Menschlichkeit zum Tragen kommt, denn die Menschen halten zusammen, um einander zu helfen", fügt Sher hinzu.

Von Beginn an war es für die Filmemacher ausschlaggebend, einen Film zu drehen, der nicht nur den Männern und Frauen um die Geschichte von John McLoughlin und Will Jimeno Ehre machen, sondern diese Geschichte auch wahrheitsgetreu erzählen sollte. Das bedeutete, dass nicht nur McLoughlin und Jimeno selbst, sondern auch ihre Ehefrauen, Familien und so viele an ihrer Rettung beteiligte Personen wie möglich in die Dreharbeiten mit einbezogen wurden.

"Ich hatte immer das Gefühl, dass wir von den echten Personen - John und Will und Donna und Allison - mit dieser Geschichte betraut worden sind", erzählt Shamberg. "Damit lag es in unserer Verantwortung, in jedem Augenblick so authentisch und akkurat wie nur möglich zu sein. Wir mußsten es richtig machen."

Eine wichtige Komponente dieser Verpflichtung zur Authentizität bestand auch darin, so viel wie möglich vor Ort in New York City zu drehen. "Die Geschichte der Ereignisse an jenem Tag ist auch eine Geschichte der Stadt New York", meint Produzent Moritz Borman. "Aufrichtig damit umzugehen und die Einwohner dieser Stadt auch so zu porträtieren, daran wollten wir festhalten - als Chronisten der Ereignisse, so wahrheitsgetreu wie wir nur konnten, und das wiederum bedeutete, dass wir in New York drehen würden."

Oliver Stone ist gebürtiger New Yorker, hatte jedoch seit 1987 mit "Wall Street" und dann 1991 mit "The Doors" nicht mehr ausführlich in New York gedreht. "Wieder in New York zu sein und mit den Polizisten und Feuerwehrleuten, mit den berufstätigen Männern und Frauen zusammenzuarbeiten, hat unglaublich viel Energie freigesetzt. Jeder Einzelne von ihnen hat sich mit ganzer Kraft eingesetzt - besonders die Hafenpolizei, wo wir in New York unser Hauptquartier aufschlugen."

"World Trade Center" war für Stone auch eine Gelegenheit, die Themen auszuloten, die seine Karriere definiert haben: "Den 11. September auf diese Weise zu behandeln - sehr persönlich, genau und in strenger Einfachheit - war eine Herausforderung für mich", meint der Regisseur. "Wir haben versucht, den Film so realistisch wie möglich zu gestalten: zwei Männer, 24 Stunden lang unter diesen Türmen verschüttet. Wie kann ein Mensch überleben? Wie kann man diese schrecklichen Umstände überstehen? Sie wären wahrscheinlich gestorben, wenn sie nicht miteinander hätten kommunizieren und Erinnerungen an ihre Familien austauschen können. Ich glaube, sie haben letztendlich aufgrund dieser zutiefst persönlichen und spirituellen Gründe überlebt."

Stone sah "World Trade Center" nie als politischen Film, sondern als eine intensiv menschliche Geschichte: "Auch wenn meine Ansichten zur Politik anders als die von John und Will sein mögen, war das egal; wir haben uns gut verstanden. Ich kann einen Film über sie und ihre Erfahrungen machen, denn die haben etwas durchgemacht, das ich verstehen kann. Politik spielt hierbei keine Rolle - es geht um Mut und Lebenswillen."

"Wenn man sich "Platoon" oder "Geboren am 4. Juli" ansieht, dann weiß man, dass Oliver versteht, was es heißt, wenn Männer in Gruppen versuchen, ihr Bestes zu geben und ihrem Vaterland zu dienen", sagt Shamberg. "Anfangs betrachtete ich diesen Film als die größtmögliche Leinwand, auf der wir arbeiten konnten, denn jeder hatte eine emotionale Verbindung zu diesem Thema - jeder erinnert sich an diesen Tag. Aber Oliver betrachtet es als kleine, intime Geschichte, und das ist ein faszinierender und absolut richtiger Ansatz für diesen Stoff. Wenn man die Erfahrung von John und Will auf diese Weise betrachtet, dann geht es nicht um eine einfache Nacherzählung der Ereignisse am 11. September. Dieser Film verwebt für mich die Realität mit der Spiritualität."

Oscar-Preisträger Nicolas Cage und Schauspiel-Newcomer Michael Peña spielen McLoughlin und Jimeno. "Ich befand mich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich meine Fähigkeiten als Schauspieler für etwas einsetzen wollte, das Bedeutung hat, etwas, das den Menschen irgendwie helfen kann", erklärt Cage. "Es hat mich beeindruckt, wie positiv dieses Drehbuch den menschlichen Geist zur Geltung brachte. So grausam der 11. September auch war, in dieser Geschichte wird gezeigt, wie innerhalb all dieser unvorstellbaren Trauer sogar etwas Positives entstehen konnte."

"Ich erinnere mich daran, wie ich das Drehbuch las und dachte: Es ist gar nicht möglich, dass jemand wie Will Jimeno wirklich existiert", sagt Peña. "Will sagt im Film, dass er sein Leben lang schon immer Polizist sein wollte, und ich dachte, das sei nur ein Klischee. Dann habe ich ihn persönlich kennen gelernt, und das erste, was er zu mir sagte, war: ?Ich mußs sagen, schon mein ganzes Leben lang wollte ich Polizist sein - das war alles, was ich wollte.' Er ist durch und durch echt. Ich habe mit seiner Familie, seinen Freunden und seinen Rettern gesprochen, und sie alle sprachen von seiner Fähigkeit, so viel Schmerz zu ertragen und dennoch das Humorvolle daran zu sehen. Sogar in seinen dunkelsten Stunden hat er niemals die Hoffnung verloren. Es war wirklich eine große Ehre, ihm zu begegnen - ganz zu schweigen davon, dass ich ihn spielen darf."

"World Trade Center" konzentriert sich auch auf die Frauen, die auf Nachricht von ihren Ehemännern warteten, die unter den eingestürzten Türmen verschüttet waren. Maria Bello spielt Donna McLoughlin und Maggie Gyllenhaal spielt Allison Jimeno.

Maria Bello berichtet, dass die Gespräche mit der echten Donna McLoughlin ihr tiefe Einsichten in diese Figur gaben: "Sie erzählte mir, dass sie als Ehefrau eines Polizisten gelernt habe, sich nicht von negativen Gedanken beherrschen zu lassen - solange sie nichts Gegenteiliges berichtet bekam, war alles in Ordnung. Ihr Mann ist Polizist und sie haben vier Kinder; also ist sie nicht labil, sondern hat alles unter Kontrolle. Zusätzlich zu dieser inneren Kraft verfügt sie auch über echte Unbekümmertheit und Freude, ist fast sanftmütig. Dieser Film zeigt uns die Augenblicke, als sie während dieser furchtbaren Zeit alleine war und auf Nachricht von John wartete; sie bricht nicht zusammen, doch ständig sieht sie in ihrer Erinnerung Bilder des Mannes, den sie liebt. Wir sehen beide Seiten von Donna, ihr Durchhaltevermögen und ihre Sanftheit."

Gyllenhaal erinnert sich daran, wie sie Andrea Berloffs Drehbuch zu ersten Mal las und sich emotional stark von diesem Stoff angesprochen fühlte: "Ich las das Drehbuch während eines Fluges, und ich habe wahrscheinlich drei oder vier Mal geweint", berichtet die Schauspielerin. "Das Drehbuch im Flugzeug zu lesen, also an einem sehr öffentlichen Ort, hat meine Gefühle aufgewühlt und machte mich verletzlich. Ich war sehr bewegt, und das ist sehr untypisch für mich. Meine Mutter ist Drehbuchautorin und ich weiß gute Drehbücher zu schätzen; aber es ist wirklich selten, dass mich ein Drehbuch so berührt, wie es dieses getan hat."

Die Arbeit an "World Trade Center" begann mit Produzentin Debra Hill, die einen Zeitungsartikel über McLoughlin und Jimeno gelesen hatte. Sie traf die Männer dann persönlich, und die berichteten von ihren Erfahrungen. Will Jimeno erinnert sich: "Sie war schon bald sehr bewegt; sie war sehr nett und wir empfanden sie als sehr aufrichtig. Sie hat uns erklärt, dass wir ihre guten Freunde, die Produzenten Michael und Stacey treffen sollten; auch sie wollten diese Geschichte zu einem bedeutsamen Film machen." "World Trade Center" sollte zu Hills letztem Spielfilm werden. Nach langem Kampf gegen den Krebs erlag die vielseitige Produzentin im Jahr 2005 ihrem schweren Leiden.

"John und ich wissen, dass dieses Projekt dank Debras Liebe und Engagement zustande kommen konnte", sagt Jimeno. "Debra lässt mich irgendwie wie ein "Weichei" aussehen. Sie hat sehr gelitten, und dennoch hat sie so lange wie nur möglich allen Mut zusammengenommen und die Hoffnung aufrechterhalten. Wenn man von einem Helden sprechen will, dann mußs man Debra Hill nennen - sie war der Schutzengel, der über diesem Film wachte."

Hills Einfühlungsvermögen und Feingefühl für diesen Stoff wurde von Andrea Berloff geteilt, die hiermit ihr erstes Drehbuch verfasste. Niemand war überraschter oder dankbarer als sie für die Chance, an diesem Projekt zu arbeiten.

"Ich hatte ein sehr kurzes Treffen mit Michael, und er sagte: ?Vielleicht willst du dir diesen Stoff einmal anschauen und dir Gedanken darüber machen?'", erzählt Berloff. Da sie erst am Anfang ihrer Karriere stand, erwartete sie nicht, den Job wirklich zu bekommen. Trotzdem, meint sie, "wusste ich, dass ich mein Bestes geben mußste. Ich habe die Geschichte von John und Will recherchiert und mich, ehrlich gesagt, in die Story verliebt, noch bevor ich die beiden persönlich getroffen hatte. Von Anfang an sah ich in dieser Geschichte grundsätzlich ein Charakterdrama über diese zwei Männer - und genau das ist der Film, den wir gedreht haben."

"Zwei Männer in diesem Loch, in den schlimmsten Stunden ihres Lebens, die sich kaum kennen, aber durch diese Erfahrungen zusammengeschweißt werden", meint Stone. "An einem Tag, an dem wir kurz davor standen, unser gesamtes Vertrauen in die Menschheit zu verlieren, halfen sie uns, dieses Vertrauen zurückzugewinnen."

Über John und Donna McLoughlin Sergeant John McLoughlin, der seit 21 Jahren bei der Hafenpolizei (PAPD) tätig ist, kam in Brooklyn zur Welt und wuchs in Long Island, New York, auf. Er besuchte das Oswego State College und machte seinen Abschluss als Bachelor in Betriebswissenschaften. Während des Studiums machte er ein Praktikum in einer Bank; nach seinem Abschluss arbeitete er im Management-Trainee-Programm des Unternehmens. McLoughlin wurde mehrmals befördert, trat in dieser Zeit jedoch auch der Freiwilligen Feuerwehr von Massapequa bei, wo sein Bruder Paul bereits im Dienst stand. "Für eine Freiwillige Feuerwehr waren wir sehr aktiv, und ich fand das interessanter als das Bankgeschäft", erzählt McLoughlin. "Nach fünf Jahren bei der Bank hatte ich das Gefühl, festzustecken. Mein Bruder arbeitete auch bei der Hafenpolizei, also habe ich mich beworben. Um eine neue Laufbahn einzuschlagen, war das der richtige Moment - jetzt oder nie. Ich war 27, eigentlich schon ziemlich alt, um bei der Polizeiakademie anzufangen; die meisten Jungs beginnen mit Anfang 20. Aber ich habe nie zurückgeblickt und es niemals bereut, mich für diesen Beruf entschieden zu haben."

McLoughlin war drei Jahre lang am Busbahnhof der Hafenpolizei stationiert, bevor er in das World Trade Center versetzt wurde, wo er 12 Jahre lang Dienst tat und zum Sergeant befördert wurde. Zuvor arbeitete er als normaler Streifenpolizist und kannte das Gebäude nur so gut wie jeder andere auch, als es 1993 von einem Bombenanschlag durch Terroristen erschüttert wurde. Gemeinsam mit seinen Kollegen half er dabei, die Menschen die evakuieren und die Verletzten zu versorgen; für seinen Einsatz bekam er eine Auszeichnung.

Nach dem Bombenanschlag von 1993 bewarb sich McLoughlin für den Dauereinsatz im World Trade Center; so erwarb er auch die einzigartigen Kenntnisse über das Gebäude und entwickelte eine besondere Beziehung zu den Zwillingstürmen: Posten Neun, die sogenannte "subgrade control", umfasste auch die Verantwortung für die Notfallsysteme des Gebäudes. Zu McLoughlins Aufgaben gehörte es auch, die Notfallausrüstung zu testen, zu warten und funktionsfähig zu halten. Er nahm diese Aufgabe sehr ernst und betrieb sogar mehr Aufwand, als man von ihm verlangte; seine Erfahrungen als Feuerwehrmann und seine perfektionistische Mentalität führten dazu, dass er die Sicherheits- und Notfallprotokolle für das World Trade Center vollständig überarbeitete.

Außerdem begann er damit, Unterricht bei der Emergency Service Unit zu nehmen, einer auf Katastrophenschutz spezialisierten Abteilung der Hafenpolizei, die dafür ausgebildet ist, bei den verschiedensten Situationen zum Einsatz zu kommen - angefangen bei der Beseitigung von gefährlichen Stoffen bis hin zu Brücken- und Wasserrettungen und taktischen Einsätzen. McLoughlin arbeitete sogar mit dem FBI, dem Secret Service und dem Trade Center zusammen, um die Verfahrensabläufe beim Einsatz gegen chemische und biologische Kampfstoffe zu planen. Da Terroristen das Trade Center schon einmal angegriffen hatten, war McLoughlin davon überzeugt, dass es weiterhin ein Zielobjekt war und erneut angegriffen werden könnte.

Nach seiner Versetzung zurück an den Busbahnhof hoffte McLoughlin, seine Laufbahn als Leiter des Katastrophenschutzes abschließen zu können. "Doch dann passierte der 11. September", berichtet er.

Nicolas Cage als John McLoughlin Als es Zeit wurde, die Besetzung zu engagieren, machte sich Stone laut Shamberg auf die Suche nach Schauspielern, die nicht nur körperlich der Rolle gerecht werden konnten, sondern die auch in der Lage waren, die emotionale Wahrheit zwischen den Zeilen zu vermitteln: "Oliver hat instinktiv entschieden, wer die Essenz dieser Menschen erfassen konnte, und sein Gespür hat jedes Mal ins Schwarze getroffen", sagt Shamberg. "Für jede Rolle konnten wir unsere erste Wahl engagieren - alle Schauspieler haben das Projekt sehr respektiert und wollten daran teilnehmen."

Um den großgewachsenen, lakonischen und geradlinigen McLoughlin zu spielen, einen Mann, der den Schneid und die Integrität verkörpert, die einen guten Polizisten ausmachen, wandte sich Stone an den Oscar-Preisträger Nicolas Cage. Obwohl der Schauspieler für seine die Schau stehlende Bandbreite bekannt ist, war Stone davon überzeugt, dass Cage auch McLoughlings stählerne Aufrichtigkeit und Ruhe vermitteln konnte - und die Chance, Cage in einer "untypische" Rolle besetzen zu können, interessierte den Regisseur sehr.

"Nic ist als Schauspieler dafür bekannt, gerne Risiken einzugehen", meint Stone. "Er hat bewiesen, dass er ein Meister der Darstellung von Figuren mit einem vielschichtigen Seelenleben ist, und seine Performances, sowohl in diesem als auch in anderen Bereichen, haben mich im Laufe der Jahre wirklich beeindruckt. Er ist ein sehr kultivierter Schauspieler, sehr elaboriert und nuanciert. Meiner Meinung nach liefert er hier eine großartige, durch die Reife geprägte, zurückhaltende Performance ab."

Doch diese Rolle war für Cage einzigartig, fährt der Regisseur fort: "Ich hatte ihn niemals als den typischen, geradlinigen Helden der Arbeiterschicht eingestuft", meint Stone. "In der Rolle des John McLoughlin mußste er nun jedoch auf romantische Anwandlungen verzichten und so bodenständig werden, wie er es noch nie zuvor gewesen war. Einfachheit war das oberste Gebot."

"Ich bewege mich gerne - ich bin ein sehr körperbetonter Schauspieler", sagt Cage. "Und hier bin ich nun und stecke in diesem Loch fest. Auf eine ganz merkwürdige Weise fand ich es sogar tröstlich - es war eine Herausforderung, all diese Gefühle aus der Regungslosigkeit heraus zu vermitteln. Am meisten Kopfzerbrechen haben mir die Schmerzen gemacht, die diese Männer erlitten haben, und wie man sie wiedergeben sollte. Der Druck baut sich stetig weiter und weiter auf, bis die Männer ihn nicht mehr ertragen können."

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, verbrachte Cage einige Zeit mit dem echten John McLoughlin und erfuhr, was dieser während der Zeit unter den Trümmern dachte und fühlte. "Ich habe John gefragt, was er tun mußste, um das zu überleben", berichtet der Schauspieler. "Er meinte, es seien viele Gebete und Gedanken an seine Frau und Kinder gewesen - doch am traurigsten sei sein unglaubliches Schuldgefühl gewesen. Er dachte, er habe seine Familie irgendwie enttäuscht, er habe versagt, denn er hatte ja geschworen zu beschützen und zu dienen. All diese Gedanken, die durch seinen Kopf schwirrten, machen es sehr emotional und menschlich."

Maria Bello als Donna McLoughlin Von den vier Hauptdarstellern hat nur Maria Bello, die Donna McLoughlin spielt, die Rettungsarbeiten in New York am 11. September aus nächster Nähe miterlebt.

"Das Drehbuch hat mich persönlich betroffen gemacht, denn an diesem Tag war ich in New York, im St. Vincent's Krankenhaus", erzählt Bello. "Meine Eltern und ich waren in einem Hotel an der Upper West Side, als alles geschah; es gab einen Aufruf, dass Ärzte und Krankenschwestern sich in das Krankenhaus begeben sollten. Also sind meine Mutter, die Krankenschwester ist, und ich in die Klinik gegangen. Den ganzen Tag lang haben wir auf Patienten gewartet, die aber nie eintrafen - später haben wir dann verstanden, dass sie nicht kamen, weil nur so wenige Menschen überlebt hatten. Ich bin Richtung Uptown zurückgelaufen - es gab ja weder Taxis noch U-Bahnen. Ich lief entlang der 6th Avenue durch diese Masse von mit grauem Staub bedeckten Menschen. Es war vollkommen still, doch ab und zu hob jemand die Hand, strich jemandem über die Schulter und fragte, ob alles OK sei. Ich habe niemals zuvor innerhalb einer Menschenmasse so viel Frieden und Zusammenhalt verspürt."

Während die Dreharbeiten voranschritten, war die durch Oliver Stone geprägte Arbeitsatmosphäre für Bello wichtig und stimulierend: "Er ist ein brillanter Geschichtenerzähler", sagt die Schauspielerin. "Jeder seiner Filme vertritt einen so starken Standpunkt. Ich wusste zunächst nicht, was ich zu erwarten hatte, denn man hört viele verschiedene Dinge über ihn. Dann war ich überglücklich festzustellen, dass er ein sehr offener, großherziger und an Teamarbeit interessierter Mann ist. Er ist viel stärker einer größeren Sache verpflichtet als die meisten von uns."

Stone bewunderte Bellos Fähigkeit, sich selbst so vollständig und gleichzeitig auf so subtile Weise zu verwandeln: "Maria verbrachte einige Zeit mit Donna. Im Verlauf dieser Begegnungen und der Recherchen fand sie, was sie wollte, und in den Proben entdeckte sie Donnas innere Stärke auch für sich selbst. Danach wurde Maria genau wie Donna, innerlich sehr ausgeglichen, für mich wie ein Fels in der Brandung; sie hat diese Figur vollständig verinnerlicht und ihr auch tiefere Nuancen verliehen. Genau das machte sie für mich so realistisch."

Donna McLoughlin erinnert sich an ihre Erfahrungen: "Ich versuchte, positiv zu denken und an der Devise festzuhalten "no news is good news"; nichts über ihn zu wissen hieß also, dass es ihm gut ging. Als es Zeit zum Abendessen war, wurde ich allmählich nervös. Ich war im Wohnzimmer am Telefon und sah einen großen Truck, der meinem Schwager gehört. Da habe ich mir echte Sorgen gemacht, denn ich wusste, er wäre nicht einfach ohne Grund aus Long Island zu mir herübergefahren - mir war klar, dass er mir etwas Wichtiges mitteilen wollte. Ich habe ihn angeschrieen und gesagt, er solle nicht ins Haus kommen. Er kam trotzdem herein, und ich habe ein Telefon nach ihm geworfen, aber nur weil ich mich so unglaublich hilflos fühlte. Ich hatte mich den ganzen Tag lang zusammengenommen, in diesem Augenblick sind aber alle Dämme gebrochen. Ich war schrecklich aufgeregt; alles, wovor ich mich am meisten fürchtete, stand direkt vor meiner Haustür."

Über Will und Allison Jimeno Will Jimeno ist in Barranquilla, Kolumbien, geboren, wanderte jedoch schon mit zwei Jahren in die USA ein, als seine Eltern nach Hackensack, New Jersey, zogen. Er besuchte die St. Francis of Assisi-Schule und dann die Hackensack High School, wo er auch Fußball spielte und asiatischen Kampfsport betrieb. Sein Jugendtraum war es, Polizist zu werden, doch er machte einen Umweg: er ging zur Navy und war schließlich auf der U.S.S. Tripoli stationiert, deren Stützpunkt bei San Diego lag.

"Auf der Tripoli war ich Kanonier-Maat, das war eine großartige Erfahrung. Ich wollte dem Vaterland dienen, wollte aber auch etwas von der Welt sehen - und beides habe ich getan. Ich war in elf verschiedenen Ländern, habe viele verschiedene Kulturen kennen gelernt, aber es war immer wunderbar, wieder in den Vereinigten Staaten zu sein", erzählt Jimeno.

Seine vierjährige Dienstzeit endete 1990; er ging an das Bergen Community College und studierte Strafrecht. Das Studium finanzierte er mit der G.I. Bill sowie als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst eines großen Kaufhauses. Dabei lernte er Allison kennen, die in der Schmuckabteilung tätig war; sie heirateten 1993.

Es dauerte sechs Jahre, bis sich Jimeno seinen Traum erfüllen und Polizeibeamter in der Hafenpolizei werden konnte, denn dieser Job ist schwer zu bekommen.

"Es war für mich wie ein Sechser im Lotto", berichtet Jimeno. "Um der Hafenpolizei beizutreten, mußs man sich einer Aufnahmeprüfung unterziehen; da es eine Behörde ist, die für zwei Bundesstaaten zuständig ist, bedeutet das, dass man mit sowohl mit Bewerbern aus New York als auch aus New Jersey konkurriert. Wenn man den Test bestanden hat, gibt es noch eine Auslosung, und dein Name wird gezogen. Ich wurde ausgelost. Ich erinnere mich genau an diesen Tag - ich war im Himmel."

Viele seine Kameraden von der Polizeiakademie, besonders Dominick Pezzulo und Antonio Rodrigues, schlossen sich Jimeno am 11. September an, als sie Sergeant John McLoughlins Ruf folgten und zum World Trade Center fuhren, um Menschenleben zu retten.

"Das Beste an der Arbeit als Polizist ist es, zu beschützen und zu dienen. Als wir in die Nähe des World Trade Center kamen und sahen, dass Menschen aus den Fenstern sprangen, fühlten wir uns so machtlos - und das ist das Schlimmste für einen Polizisten. Wir wollten wirklich dort hinein und so vielen Menschen wie nur möglich helfen", berichtet Jimeno.

Jimenos Jahrgang begann seine Laufbahn symbolisch gesehen am World Trade Center. "Wir haben am 19. Januar 2001 unseren Abschluss an der Polizeiakademie gemacht - es war der 100. Jahrgang - und die Feier fand im World Trade Center statt. Dieses Gebäude bedeutet mir also sehr viel, genau wie meinen Kameraden und denjenigen, die wir verloren haben. Dort haben wir unseren Eid geleistet, dort haben wir versprochen, Menschen zu dienen und sie zu beschützen. Viele der Beamten, die am 11. September starben, waren während der Ausbildung in meiner Klasse", sagt Jimeno.

Der Mann, der seit jeher Polizist werden wollte, war seit neun Monaten im Dienst, bevor die Tragödie am World Trade Center sein Lebenswerk begrub und ihn fast umbrachte. "Es war eine kurze Dienstzeit als Polizist, aber es war eine gute Zeit", meint Jimeno.

Michael Peña als Will Jimeno Will Jimeno wird von Michael Peña gespielt, einem aufstrebenden jungen Schauspieler, der besonders durch seine Rolle in "L.A. Crash" große Aufmerksamkeit erregte und auch in den TV-Serien "The Shield" und "CSI" ständiges Mitglied der Besetzung ist.

Nachdem er als Will Jimeno engagiert worden war, stürzte sich Peña so intensiv in die Arbeit, dass sowohl die Produzenten als auch der Regisseur beeindruckt waren. "Ich habe Michael gedrängt, Zeit mit Will zu verbringen, und seine Muskeln aufzubauen, um sich Wills Macho-Attitüde und diesen selbstbewussten Gang zuzulegen", erzählt Stone. "Und erstaunlicherweise hat Michael es geschafft. Er hat ursprünglich nicht die physische Präsenz von Will, der sich am Busbahnhof von Anfang an Respekt verschaffen mußste. Es gab einen großen Unterschied, doch Michael hat es überwunden und auch Wills großen Sinn für Humor sowie seine Großzügigkeit verkörpert. Will ist ein Mann, der das Herz sozusagen auf der Zunge trägt, während Michael eher zurückhaltend ist - aber er hat Will in seinem Inneren gefunden."

De facto hat Peña vor den Dreharbeiten praktisch mit Jimeno zusammengewohnt; er verbrachte so viel Zeit mit der Familie, dass Jimenos kleine Töchter, Bianca und Olivia, ihn praktisch schon als Onkel ansahen. Im Gegenzug betätigte sich Jimeno tatkräftig als technischer Berater und kam auf Bitten von Regisseur Stone oft ans Set, um Fragen zu beantworten und bestimmte Informationslücken zu schließen.

Besonders denkwürdig war der gemeinsame Besuch von Peña und Jimeno am Ground Zero. "In dem Augenblick, als ich den Ort betrat, hat es mich ergriffen - ich empfand ein tiefes Gefühl des Verlusts. Will spricht sehr eloquent darüber, dass man den Ereignissen jenes Tages die Ehre erweisen mußs; als er mich an den Ort des Geschehens brachte, habe ich verstanden, warum dieser Film für ihn so wichtig ist. Ich bin glücklich darüber, dass wir diesen Film drehen, der zeigen kann, dass auch etwas Gutes daraus entstanden ist. Das mag kitschig klingen, ist aber wahr."

Peña hat sich besonders für die Chance begeistert, an der Seite von Nicolas Cage arbeiten zu können: "Das ist meine erste Hauptrolle, also war ich etwas nervös, aber Nic hat mich sehr unterstützt. Er hatte einige tolle Ideen, es war eine sehr gute Zusammenarbeit."

Auch die Zusammenarbeit mit Oliver Stone war für Peña eine gewinnbringende Erfahrung: "Oliver gibt nicht viele Anweisungen - stattdessen gibt er dir Schlüsselelemente, die für die gesamte Szene aufschlussreich sind. Er ist sehr aufrichtig. Und er fürchtet sich nicht davor, sich die Hände schmutzig zu machen; er kroch zu Nic und mir in dieses Loch, einfach um bei uns zu sein. Es ging soweit, dass ich es kaum erwarten konnte, dass die Kameras endlich liefen, um Oliver genau das zu geben, was er wollte - ich wollte ihn unbedingt zufrieden stellen."

Maggie Gyllenhaal als Allison Jimeno Stone sagt, auch Maggie Gyllenhaal, die im Film Peñas Ehefrau Allison Jimeno spielt, habe ihn überrascht und für sich eingenommen, wenn auch auf eine andere Art und Weise: "Maggie war wie ein eigensinniges Fohlen", erzählt der Regisseur. "Für Allison hing alles in der Luft; sie war eine Ehefrau, die versuchte, sich damit abzufinden, dass sie keinen Ehemann mehr hat und ihre zwei kleinen Kinder alleine großziehen mußs. Ich habe Maggies Instinkt sofort vertraut, und im Laufe der Dreharbeiten hat sich unser gegenseitiges Vertrauen noch vertieft."

Es stellte sich heraus, dass auch Gyllenhaal sich intuitiv ebenfalls sofort mit Stone verbunden fühlte: "Als ich Oliver traf, wusste ich nicht, was mich erwarten würde - er ist eine so große Persönlichkeit und sein Ruf eilt ihm voraus. Als wir uns dann unterhielten, fühlte ich mich ihm instinktiv eng verbunden, und das setzte sich während der Dreharbeiten fort", erzählt sie. "Es war eine so intensive, unglaubliche Erfahrung. Er hat mich stärker gefordert als jemals ein Regisseur zuvor. Viele der Filme von Oliver sind wie Opern; sie zeichnen ein sehr emotionales, sehr engagiertes Porträt der Zeitgeschichte. Das ist es, wozu er einen anspornt: zu einer wirklich engagierten, aufrichtigen Oper."

Gyllenhaal fügt hinzu, an diesem Projekt sei ihr sehr viel gelegen, da das Drehbuch sie zutiefst berührt habe, und so etwas geschehe nicht oft.

Allison und Will Jimeno merken an, dass Gyllenhaal manchmal bestimmte Gesten oder Blicke hatte, die - wie Will sagt - "dermaßen wie Allison waren, dass es schon gespenstisch war".

Die echte Allison ihrerseits vermittelte Gyllenhaal "nicht so viel über das, was an jenem Tag geschah oder was ich tat, sondern vielmehr was ich fühlte", erzählt sie. "Es ist schwierig, mit einem Polizisten verheiratet zu sein. Man macht sich ständig Sorgen, aber ich gehöre eigentlich zu den Menschen, die sich keine Sorgen machen, solange kein Grund dazu besteht. Ich habe versucht, Ruhe zu bewahren. Will hat in der Stadtmitte von Manhattan gearbeitet, und wir alle wussten, dass jederzeit etwas geschehen kann. Im Laufe des Tages wurde ich aber immer nervöser, obwohl ich versuchte ruhig zu bleiben. Erst als mir offiziell mitgeteilt wurde, dass er in das Gebäude hineingegangen war, verlor ich die Fassung und war davon überzeugt, dass er niemals zurückkommen würde."

Jay Hernandez als Dominick Pezzulo Als das Trade Center einstürzte, verschwanden zwei Mitglieder von McLoughlins Team: Christopher Amoroso und Antonio Rodrigues. Die beiden verbleibenden Beamten, Jimeno und Dominick Pezzulo, überlebten den ersten Zusammenbruch. Sie befanden sich dann nebeneinander; Pezzulo konnte sich aus den Betontrümmern herauswinden und versuchte, Jimeno zu befreien. Als der zweite Turm einstürzte, kam Pezzulo ums Leben; er starb von Jimenos Augen. Jay Hernandez spielt Dominick Pezzulo; Jimeno selbst erzählte dem Schauspieler von seinem Retter.

"Ich habe mit Will über Dominick gesprochen; er war ein echt netter und sanfter Kerl. Bevor er zur Polizei kam, hatte er als Lehrer gearbeitet", sagt Hernandez. "In diesem Film wollte ich ihm unbedingt gerecht werden und Ehre machen. Er hat sein Leben geopfert, um Menschen zu helfen; er war unglaublich selbstlos. Es gab zwei Momente, da hätte er einfach weggehen können. Er aber entscheidet sich zunächst, John McLoughlin in das World Trade Center hinein zu folgen, und nach dem ersten Einsturz beschließt er dann, zu bleiben, um Will zu helfen. Er hat für seinen Freund alles gegeben. Will hat mir erzählt, was er wusste; das hat mir viele Einsichten gegeben. Er hat sich wirklich verausgabt und sein eigenes scheinbares Versagen sowie die persönlichen Emotionen außen vor gelassen."

Jimeno sagt: "Ich finde für meine drei Kameraden - Christopher, Dominick und Antonio - kaum Worte, die gut genug wären, um sie zu beschreiben. Sie sind mehr als Helden, sie sind Engel. Sie haben das größtmögliche Opfer gebracht, um Menschen zu retten. Jederzeit hätte Dominick sich umdrehen und gehen können, aber er tat es nicht; er blieb an meiner Seite, als Partner, als Freund, als Kamerad. 20 Minuten lang versuchte er, mich aus den Betonmassen zu befreien. Seinen Tod mitzuerleben war die schlimmste Erfahrung meines Lebens, und sogar in seinen letzten Augenblicken dachte er nicht an sich selbst, sondern an seine Kameraden. So ein Mensch war er. Er war Polizist, Lehrer, Vater, Sohn, doch letztendlich war er ein großer Amerikaner."

Über die Rettung Eine ganze Gruppe von Helfern, bestehend aus Soldaten, Polizisten, Feuerwehrleuten und Katastrophenschutzkommandos, bündelte alle Kräfte, um McLoughlin und Jimeno zu retten. Die Helfer nahmen dabei selbst große Gefahren auf sich, stiegen in einen lodernden Abgrund voller giftiger Gase, verzogenem Metall und Betonträgern hinab, der sich unter ihrem Gewicht auch ständig bewegte und drohte, sie ebenfalls unter sich zu begraben. McLoughlin und Jimeno sehen diese Helfer als die wahren Helden ihrer Geschichte an.

"Die Rettungskräfte, die nach uns kamen und ihr Leben riskierten, um Will und mich zu bergen, das sind alles Leute, die eigene Familien haben", berichtet McLoughlin. "Will und ich mußsten dem Tod in die Augen blicken, aber wir hatten keine Wahl, es war uns so zugestoßen. Diese Männer aber riskierten bewusst ihr Leben, krochen über die Trümmer in das Loch hinein, wo wir festsaßen, obwohl der ganze Schutt ins Rutschen kommen und sie zerquetschen konnte. Sie waren ungeheuer mutig und riskierten ihr Leben, nur um zwei Kerle zu retten."

Die ersten Helfer, die McLoughlin und Jimeno fanden, waren zwei versprengte Marine-Soldaten. Besonders Staff Sergeant Dave Karnes befand sich auf einer echten Mission. Zu dieser Zeit arbeitete Karnes als Buchhalter; am 11. September sah er wie so viele andere auch im Fernsehen, welche Tragödie sich am World Trade Center abspielte. Karnes ist ein tief gläubiger Mann und fühlte sich persönlich berufen, dort zu helfen; er sah es als ihm von Gott aufgetragene Mission. So versetzte er sich in seinen soldatischen Marine-Zustand zurück, ging sogar zum Friseur, um sich die Haare kurz schneiden zu lassen, zog seine Uniform an und raste zum Ground Zero. Obwohl die Polizei und die Nationalgarde Barrikaden errichtet hatten, um die Menschen vom Katastrophengebiet fernzuhalten, kam der drahtige Marinesoldat auch ohne Genehmigung durch. Als in der Nacht die offiziellen Rettungsversuche eingestellt wurden, drang Karnes mit außergewöhnlichem Elan und mit der Hilfe eines anderen mysteriösen Marine-Soldaten (mit Namen Thomas) in die gefährlichen Trümmer ein und machte sich auf die Suche nach Überlebenden. Und allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz fanden sie tatsächlich McLoughlin und Jimeno.

Michael Shannon spielt Karnes: "Dave ist ein weitaus mutigerer Mann als ich es mir jemals vorstellen könnte", meint der Schauspieler. "Er schien einem einfachen Plan zu folgen. Er erhielt eine Botschaft des Herren, der ihn zum Ground Zero rief, also ging er hin. Er sah sich mit der Hilfe eines anderen Marines, Thomas, um, bis er jemanden fand. Er hatte einen sehr tief gehenden Glauben und gab nicht auf, bis er fand, wonach er suchte."

Obwohl dies eine beeindruckende Leistung darstellte, so war es doch eine Sache, dass Karnes McLoughlin und Jimeno finden konnte - eine ganz andere war es dann, beide auch zu bergen. Wegen der Art und Weise, in der das World Trade Center in sich zusammengefallen war und beide Männer unter sich begraben hatte, mußsten die Retter zunächst Jimeno befreien, um dann tiefer zu graben und McLoughlin zu bergen. Die Mitarbeiter des Katastrophenschutzes, Scott Strauss und Paddy McGee, und der Notarzt Chuck Sereika - jeweils gespielt von Stephen Dorff, Stoney Westmoreland und Frank Whaley - arbeiteten drei Stunden lang Seite an Seite, um Jimeno zu befreien.

"Da sie versuchten, die Filmszenen chronologisch abzudrehen, bin ich erst gegen Ende der Dreharbeiten dazugestoßen, aber ich wusste, dass dies ein besonderer Film werden würde", meint Dorff. "Scott und die anderen kennen zu lernen war eine großartige Erfahrung. Er hat zwei tolle Kinder und eine wunderbare Ehefrau, doch an jenem Tag war er dabei, das alles aufzugeben, um seinen Job zu machen. Und trotzdem sieht er sich selbst nicht als Helden. Für mich jedenfalls ist er ein Held. Ich habe niemals zuvor jemanden getroffen, der so bescheiden ist wie er. Er ist mir wirklich unter die Haut gegangen."

"Als Mitarbeiter des Katastrophenschutzes sind wir ja genau für solche Szenarien ausgebildet, das ist unser Beruf", meint Strauss. "Also ging ich zum Trade Center, und wir suchten nach Menschen, die wir nicht finden konnten. Ich konnte einfach nicht glauben, dass es keine Überlebenden gab - es war ein Alptraum. Als wir dann Will und John lebendig auffanden, waren sie für uns wie der Heilige Gral. Wir mußsten sie einfach dort herausholen - auf jeden Fall!"

Strauss wagte sich ohne jegliche Ausrüstung in das Loch hinein - das war der einzige Weg, um Jimeno freizubekommen. Er kroch durch den dicken, schwarzen Rauch und tat alles menschenmögliche, um Jimeno zu erreichen, aber dessen Arme und Beine waren so stark angeschwollen, dass er festklemmte. Schließlich bekam Strauss ein batteriebetriebenes Gerät, das man auch "jaws of life" nennt - es konnte jedoch nur in die richtige Lage zum Einsatz gebracht werden, wenn sich Strauss direkt auf Jimeno legte. Um den psychischen Druck zu vermindern, erzählt Strauss, versuchten die Rettungskräfte es mit Humor.

"Wir dachten uns, mit ein paar Späßen würden wir Will von seinen Schmerzen ablenken und die Zeit verkürzen, die es dauerte, um ihn dort herauszuholen", berichtet Strauss. "Ich kroch dort herum, manchmal sogar über ihn, und mußste ihn zusammenquetschen. Ständig habe ich mich dafür entschuldigt, ihm noch mehr Schmerzen zuzufügen - wir haben definitiv viele Witze gerissen." Beide Männer witzeln auch heute noch ständig herum, wenn sie sich treffen, und sind mittlerweile eng befreundet.

Während Strauss, McGee und Sereika sich bemühten, Jimeno zu befreien, versuchten die Feuerwehrleute, das darunter lodernde Feuer unter Kontrolle zu halten. Einer der Feuerwehrmänner, Tommy Asher, spielt sich im Film selbst und stellte ein besonders schwerwiegendes Problem nach: die scharfkantigen Trümmer durchlöcherten ständig die Schläuche, wodurch der Wasserdruck unterbrochen wurde.

Nach fast 12stündigen, ununterbrochenen Bemühungen der Feuerwehr, Polizei und Rettungshelfer konnte sowohl Jimeno als auch McLoughlin aus den Trümmern geborgen werden. Scott Fox, einer der echten Feuerwehrmänner, die über den gesamten Zeitraum an McLoughlins Rettung beteiligt gewesen waren, spielt sich im Film ebenfalls selbst.

"Scott Fox von Einheit Rescue 5 verbrachte eine lange Zeit damit, zu mir vorzudringen", erzählt McLoughlin. "Er gab einfach nicht auf. Es kam ein Zeitpunkt, als kaum noch Hoffnung bestand; ich glaube, sie hatten bereits vor, meine Frau an den Unglücksort zu bringen, damit wir uns verabschieden konnten. Genau da gelang es Scotty schließlich doch, den großen Betonblock zu öffnen. Er durchbrach ihn genau dort, wo mein Helm eingeklemmt war, und ich konnte meinen Kopf wieder bewegen. Er war es, der den Durchbruch schaffte, damit die übrigen Männer den Job erledigen konnten."

Dreharbeiten in New York Leiter der Produktion war Don Lee, ein erfahrener Produzent und gebürtiger New Yorker, der aus erster Hand Zeuge der Ereignisse vom 11. September wurde: "Ich lebe Downtown und war auf dem Weg zum Gericht, wo ich als Geschworener tätig werden sollte, als ich das zweite Flugzeug in den Turm krachen sah", erinnert sich Lee. "Die Geschichte dieser beiden Männer hat mich angesprochen, denn es geht um die Hilfsbereitschaft der New Yorker untereinander - zwei Durchschnittstypen betreten dieses Gebäude und kommen knapp mit dem Leben davon, weil sie versucht haben, Menschen zu helfen."

Wie Lee erläutert, war die Hafenpolizei von New York und New Jersey überaus zuvorkommend. Da sich die Filmemacher die Authentizität als oberste Priorität zum Ziel gesetzt hatten, war die Zusammenarbeit mit der Behörde von unschätzbarem Wert. Es durfte nicht nur an drei Wochenenden am Busbahnhof der Hafenpolizei gedreht werden - zum ersten Mal in der Geschichte dieser Behörde -, die Hafenpolizei selbst beriet auch die Designer und Kostümbildner bezüglich der korrekten Ausstattung. "Die PAPD ermöglichte es uns, direkt mit ihren eigenen Zulieferern zu sprechen, sodass sämtliche Ausstattungselemente Originale sind", berichtet Propmaster Daniel Boxer. Zusätzlich zu den echten Noteinsatz-Uniformen konnten die Filmemacher auch noch 75 Funkgeräte der New Yorker Feuerwehr, sechs Dutzend ?Scott Air Paks', drei Dutzend PAPD-Waffenholster, etliche Schlagstöcke, Kunststoff-Replikas der zeitgenössischen Smith & Wesson-Pistolen, Handschellen für den Filmeinsatz und rund 2001 Schilder und Hinweistafeln kaufen."

Einer der ersten Drehorte bei der Hafenpolizei waren die echten Umkleideräume der Polizisten im Untergeschoss. Es war tatsächlich in diesem Raum, wo sich Jimeno, Rodrigues, Pezzulo und ihre Kollegen täglich vor und nach der Arbeit trafen, miteinander sprachen und sich austauschten - eine Szene, die Stone für den Film aufgegriffen hat. Ein Teil der Umkleide war auf das Jahr 2001 eingestellt - also keine iPods, zeitgemäße Mobiltelefone, Tageszeitungen mit den entsprechenden Überschriften - und so umgemodelt, dass die Kameras, die Beleuchtung und die Filmcrew Platz fanden. Insgesamt jedoch veränderte man nichts an der Umgebung, und an die abgenutzten Spinde hängte man als Vermächtnis die Photos der Beamten, die am 11. September ums Leben kamen.

"Es war eine sehr bewegende Erfahrung, in dieser Umkleidekabine zu drehen", berichtet Jay Hernandez. "Ich habe Dominicks Spind gesehen; sein Photo war wie auf einem Schrein angebracht und das weckte viele der Emotionen, die ich an jenem Tag durchgemacht hatte."

"Man mußs immer auf der Höhe und hellwach sein, wenn man als Polizist arbeiten will", sagt Peña, der einige Zeit mit den Beamten der PAPD verbrachte, während er sich auf seine Rolle vorbereitete. "Diese Männer sind hoch konzentriert. Ich erinnere mich daran, wie wir über den Busbahnhof Streife liefen, und die Beamten einen Kerl aus der Menschenmenge herausholten. Für mich sah er aus wie jeder andere auch. Sie fragten ihn, was er da mache, und er sagte: ?Tut mir leid, Leute - ich habe geklaut'. Er gab einfach alles sofort zu! Das wird wohl in keiner Kriminalstatistik sichtbar, aber dieser Polizist hat auf der Stelle etliche Straftaten verhindert. Es war sehr hilfreich, aus erster Hand zu erleben, was diese Polizisten leisten."

Über die Produktion Um die Geschichte von McLoughlin und Jimeno auf die Leinwand zu bringen, versammelte Oliver Stone ein hochkarätiges Team von Fachleuten um sich. Kameramann ist Seamus McGarvey, zu dessen Werken der in der Kategorie Bester Spielfilm zum Oscar nominierte "The Hours" zählt. Produktionsdesigner Jan Roelfs ist bereits zwei Mal für den Oscar nominiert worden und hat zuvor schon bei "Alexander" mit Regisseur Stone zusammengearbeitet. Der für seine Arbeit an Stones "Geboren am 4. Juli" mit dem Oscar für den Besten Schnitt ausgezeichnete David Brenner besorgte auch hier den Schnitt, in seiner achten Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Als Schnittassistentin fungierte seine langjährige Mitarbeiterin und nun eigenständige Cutterin Julie Monroe. Die Kostüme entwarf Michael Dennison. Komponist Craig Armstrong, der bereits für Filme wie "Moulin Rouge" und "Ray" verantwortlich zeichnete, schrieb die Filmmusik.

Obwohl etliche der Filme von Stone eine an Operninszenierungen erinnernde Kamera aufweisen, ist "World Trade Center" im Vergleich dazu visuell eher spartanisch gehalten.

"Seamus und ich sind sehr früh übereingekommen, hier eher konservativ zu verfahren und die Kamerabewegungen schlicht zu halten, besonders für die Szenen in den Löchern, in denen die Männer verschüttet sind", berichtet Stone. "Wir wollten uns auf die Beleuchtung konzentrieren. Es sollte ein Gleichgewicht geben zwischen den realistischen Schatten, die wir beibehalten, und trotzdem möglich sein, den Männern in die Augen zu blicken. Außerhalb der Löcher haben wir uns sehr bemüht, die Geschichten der Frauen und der Soldaten hell auszuleuchten, um die erdrückende Dunkelheit abzumildern. Wir haben schließlich die Kraft von Hell und Dunkel ausgelotet, mit Variationen, und versucht, die übliche Wirkung jeweils ins Gegenteil zu verkehren."

Vor diesem Hintergrund haben McGarvey und Stone die Kamera so eingerichtet, dass die inneren Gefühlsregungen der Figuren vermittelt werden konnten. "Olivers Art, die Kamera zu kontrollieren, ist beeindruckend. Er ist sehr präzise bedacht auf das, was die Kamera sagt und was die jeweiligen Kameraschwenks beabsichtigen", sagt McGarvey. "Seine Bewegungen sind nie schamlos oder offensichtlich, und er fängt immer großartige Performances ein. Obwohl wir einen eher naturalistischen Modus gewählt haben, gab es einen durchgehenden Unterton, und das ist die Stimme der Regisseurs, das Markenzeichen eines Filmemachers, was dem Ganzen eine einzigartige Qualität verleiht. Genau wie in all seinen anderen Filmen hat sich Oliver mit den Protagonisten und ihrem Dilemma, ihrem Schmerz und ihrer Hoffnungen identifiziert."

Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, machte McGarvey eine Reihe von Tests auf der Suche nach dem besten Weg, um Gefühle durch die Veränderung des Lichts und des Fokus zu vermitteln. "In jedem Film findet man etwas, das es einem möglich macht, Emotionen sichtbar werden zu lassen. Ich habe bei Panavision angefragt und gesagt: ?Ich versuche, in einer einzigen Aufnahme ein Auge oder einen Mund zu fokussieren, um die Landschaft eines Gesichts zu erforschen, ohne die Kamera zu bewegen. Habt ihr etwas dafür?' Und sie sagten: ?Wir haben das perfekte Gerät dafür!'"

Das perfekte Gerät erwies sich als Prototyp einer von Steve Hylen, dem Designer bei Panavision, entwickelten Kameralinse, die es McGarvey ermöglichte, die Linse zu kontrollieren und auf bestimmte Punkte im Gesicht zu richten, genau entsprechend der für die jeweilige Szene benötigten Emotionen. "Wir haben sie sparsam eingesetzt, in besonders kritischen Augenblicken, als wir die Gesichter der Protagonisten ins Visier nahmen und dann ganz nahe an ein Auge oder Mund heranfuhren - so können wir die Aufmerksamkeit der Zuschauen umlenken. Das war sehr subtil, wenn wir auf eine bestimmte Erinnerung hinweisen wollten", erläutert McGarvey.

"Meiner Meinung nach haben die meisten Drehbücher ein visuelles Herzstück; dieser Film beinhaltet ganz gewiss eine sehr starke visuelle Identität", meint McGarvey abschließend. "Die Einstellungen sind streng, nicht hochstilisiert. Es gibt auch Teile der Geschichte, die sehr subjektiv und aus der Sicht der Figuren erzählt werden. Im Verlauf des Films wird das immer bedeutsamer, und wir haben nach Wegen gesucht, um genau das visuell auszudrücken."

Die Bauabteilung begann damit, das World Trade Center wieder zum Leben zu erwecken, während das Filmteam bereits in New York drehte, damit das Set-Gebäude pünktlich zu Oliver Stones Rückkehr nach Kalifornien fertig werden konnte. Der Entwurf des Sets war für Produktionsdesigner Jan Roelfs eine Herausforderung, denn die eingestürzten Zwillingstürme sind ausgiebig in Fotos und TV-Aufnahmen dokumentiert. Während so zwar vielfältiges Recherchematerial zur Verfügung stand, bedeutete es jedoch auch, dass jeder Mensch überall auf der Welt das Original gesehen hat und sich daran erinnern kann - deshalb durfte kein Fehler begangen werden. Zudem mußste Roelfs eine Konstruktion entwerfen, die der Arbeit der Kamera- und Beleuchtungsteams ebenso gerecht werden mußste wie den kreativen Bedürfnissen von Oliver Stone.

"Ich wusste, wie Ground Zero ausgesehen hat; aber wie sollte man daraus einen Drehort erschaffen, an dem man arbeiten kann und der bezahlbar ist? Das war eine der größten Herausforderungen", sagt Roelfs. "Es gab so viel Dokumentation zum Ground Zero, die wirklich hilfreich war, aber der Bereich erstreckte sich über eine Fläche von insgesamt 16 Hektar und die Strukturen waren viel zu massiv, um im Originalmaßstab nachgebaut werden zu können. Wir haben mit Modellen angefangen. Als das Set begann, Formen anzunehmen, wurde deutlich, dass es gewisse Ikonen-Fragmente gab, die wir als Orientierungspunkte verwenden wollten - zum Beispiel Teile des Gebäudes, die noch standen und auf vielen Fotos zu sehen waren. Das mußsten wir dann bauen, für die Kamera bereit machen und dafür sorgen, dass die Arbeit sicher vonstatten geht."

Dieses Set errichteten Roelfs und sein Team in der ehemaligen Niederlassung von Hughes Aircraft in Playa Vista. Sie begannen mit Schaumstoff, der mit einer Schicht Polyurethan verstärkt war, um ihn widerstandsfähig und biegsam zugleich werden zu lassen. Das Art Department konnte diese Kunststoffbalken dann mit verbogenen Metallteilen ausstatten, die bei ortsansässigen Schrotthändlern besorgt wurden. Bei Abschluss des Aufbaus bestand das Set aus 200 Tonnen Metallschrott und 900 individuell gestalteten Teilstücken, die sich über eine Fläche von einem Hektar erstreckten - was einem Sechzehntel des Original-Trümmerfeldes entsprach.

Einer der erfindungsreichsten Kunstgriffe von Roelfs wurde aus der Not geboren: da Stones künstlerische Vision es erforderlich machte, dass man den Drehort sowohl von oben als auch von unten beleuchten konnte, durfte das Set nicht direkt auf dem Boden errichtet werden - es mußste auf eine Basisstruktur gestellt werden. Doch statt ein ausgefeiltes Fundament zu legen, beschloss Roelfs, eine große Menge Frachtcontainer zu mieten, und errichtete das Set darauf. "Da wir in Playa Vista waren, hatten wir leichten Zugang zum Hafen von Long Beach, dem größten Frachthafen in Amerika", erinnert sich Roelfs.

Diese Kombination aus Containern, Holzbalken, Stahlträgern und der Plattformen erlaubte es nicht nur, eine ebene und stabile Fläche für einen Riesenkran, die Dolly-Tracks und andere Kameragerätschaften einzurichten, sondern erschuf zusätzlich ein Labyrinth aus Tunnels und Laufwegen unter dem Drehort. So entstanden Abkürzungen durch das Set, Hohlräume für die Geräte und, besonders wichtig, auch der verantwortliche Beleuchter Randy J. Woodside konnte an die Arbeit gehen.

"Viele der Ground Zero-Szenen haben wir nachts gedreht, denn das war die Zeit, als Will gerettet werden konnte. In jener ersten Nacht, nachdem die Türme eingestürzt waren, gab es nicht viel Licht. Das Trümmerfeld wurde hauptsächlich vom Boden aus beleuchtet, mit Notfallscheinwerfern. Wir mußsten zwar ein Film-Set ausleuchten, richteten uns aber grundsätzlich nach dem gleichen Konzept: beleuchtet wurde aus niedrigen Winkeln heraus, und wir hatten eine große Lichtquelle von hinten, um scharfe Lichtstrahlen zu erzeugen", sagt Woodside.

Genau wie alle Mitglieder der Besetzung und des Stabes meint Woodside, er habe beim ersten Anblick des Sets "wirklich die Fassung verloren - es hat mich emotional derartig aufgewühlt, weitaus mehr, als ich erwartet hatte, weitaus mehr als in jedem anderen Film, den ich zuvor gemacht habe. Es war schwer, meiner Crew Anweisungen zu geben, wohin sie sich auf dem Set bewegen sollten - wir hatten lediglich Norden, Süden, Osten und Westen als Bezugspunkte. Ich vermag mir kaum vorzustellen, was die Rettungskräfte durchgemacht haben, als sie auf dem echten Trümmerfeld im Einsatz waren und nach Überlebenden suchten."

Als er die Entwürfe für das Set designte, befragte Roelfs auch McLoughlin, Jimeno, Strauss und McGee, denn die Männer hatten die Löcher jeweils aus verschiedenen Perspektiven wahrgenommen und hatten alle jeweils unterschiedliche Erinnerungen daran, wie die Dinge aussahen und sich anfühlten.

"Als wir uns die Berichte all der Rettungskräfte angehört hatten, bekamen wir eine ziemlich genaue räumliche Vorstellung der Gegebenheiten. Das Problem bestand darin, dass die Männer sich abwechselten und alle 20 Minuten auf einen anderen Posten gingen, also hatte niemand einen Gesamtüberblick", erklärt Roelfs. "Doch aus all den Puzzlestücken und den Gesprächen mit Will und John haben wir uns ein Bild von der Lage gemacht, in der sie sich befanden."

Roelfs weist noch darauf hin, dass er für die Strukturen und das Setdesign den Standort wählte, an dem sich McLoughlin und Jimeno beim Einsturz der Türme befanden: "Als John bemerkte, dass der Turm zusammenbrach, gab er seinen Männern das Kommando, zum Botenaufzug zu rennen - er war der Meinung, das sei der stabilste Punkt", berichtet Roelfs. "Wundersamerweise behielt er Recht; dieser Bereich blieb intakt. Nachdem der Turm eingestürzt war, landete John irgendwie tiefer und Dominick und Will lagen weiter oben. Also haben wir es so gebaut: einen dreistöckigen Aufzugsschacht auf Rollen und Schienen, damit Oliver das Set und die Kamera nach Belieben positionieren konnte. Das Set hatte zwei Etagen, um Dominick und Will über John zeigen zu können. Teile des Schutts ragten im Halbkreis von der Decke herab, und die konnten wir nach Bedarf höher oder tiefer hängen."

Roelfs Ground Zero - inklusive der Verschüttungs-Sets - bestand auch die ultimative Feuerprobe: Im Januar kam Stone mit John McLoughlin, Will Jimeno, Scott Strauss, Paddy McGee, John Busching, Scott Fox, Tommy Asher, vielen der Polizisten und Feuerwehrleuten, die an der Rettung beteiligt waren sowie den Familien der Männer für den Zeitraum von vier bis sechs Wochen nach Los Angeles. Sie fungierten als technische Berater und haben in manchen Fällen sogar das nachgestellt, was sie damals auf den echten Trümmern und in den Löchern taten.

Roelfs Sets waren so realistisch, dass es manchem den Atem verschlug. Nach ihrer Ankunft in Los Angeles gingen McLoughlin, Jimeno, Strauss, McGee und Asher direkt an das Ground Zero-Set, gleich am ersten Abend der Dreharbeiten. Insgesamt haben über 50 Mitarbeiter der Hafenpolizei, der NYPD und der New Yorker Feuerwehr, die bei den wirklichen Rettungsarbeiten zum Einsatz kamen, auch am Film mitgewirkt. Tatsächlich sind all die wichtigen Polizei- und Feuerwehrstatisten im Film von diesen wahrhaftigen Helden verkörpert worden.

Zusätzlich spielten sie eine weitere wichtige Rolle, denn sie halfen den Filmemachern sicherzustellen, dass die Filmdialoge akkurat verlaufen. Wenn die Dialoge in den Ohren der Männer holprig klangen - nach dem Motto: "New Yorker Feuerwehrleute / Polizisten / Katastrophenhelfer würden das so nie sagen!" - griffen sie ein, und das Drehbuch wurde auf der Stelle abgeändert.

Besonders aufwühlend war der Anblick des Sets für Strauss, McGee und Asher, die das schreckliche echte Trümmerfeld besonders gut kennen gelernt und noch in lebhafter Erinnerung hatten, ganz anders als McLoughlin und Jimeno natürlich, die sich hauptsächlich daran erinnerten, wie sie aus den Trümmern gezogen wurden. Wie die meisten Menschen sahen McLoughlin und Jimeno den Anblick von Ground Zero vor allem im Fernsehen, auch wenn erst Monate später, im Krankenhaus. Das Set mit den Löchern verstörte jedoch alle.

Roelfs Augenmerk auf die kleinsten Details beeindruckte und zerrte an den Nerven von McLoughlin und Jimeno, die bereits am ersten Drehabend in Los Angeles an das Ground Zero-Set kamen. "Ich hatte mir keine Vorstellung von dem gemacht, was ich da sehen würde, aber mein erster Eindruck des Trümmerhaufens und besonders des Lochs war schon ziemlich nervenaufreibend", berichtet McLoughlin. "Ich habe mich nicht wohl gefühlt und im Hintergrund gehalten. Genau die gleiche Wirkung hatte das Set auch auf die Feuerwehrleute und Polizisten, die an diesem Abend dort waren. Es war gut für uns, dass wir alle zusammen dort waren, bei soviel Gefühlsregungen - es war wie ein Klassentreffen, das wir niemals abgehalten hatten."

Die Ereignisse von damals wieder aufleben zu lassen war, für diese Männer eine Form der Therapie. McLoughlin führte im Laufe der Produktion viele Gespräche mit Feuerwehrleuten und Katastrophenhelfern, die ihn gerettet hatten. Seit dem 11. September waren sie in dieser Form als Gruppe nicht wieder zusammengekommen, und nach den Dreharbeiten versammelten sie sich nun im Hotel und sprachen über die tragischen Geschehnisse jenes Tages - etwas, das sie nie zuvor getan hatten. McLoughlin ist der Meinung, dass diese filmische Nachstellung für alle Beteiligten heilsam war.

Peña sagt, die Schauspielerei in diesem Loch habe für einen Darsteller eine Reihe besonderer Herausforderungen bedeutet: "Mit diesem ganzen verbogenen Metall um uns herum, dem Staub und dem Schutt, gab es nur eine eingeschränkte Auswahl an Möglichkeiten, die dem Schauspieler zur Verfügung standen", erklärt er. "Ich habe versucht, anhand des Dialoges ein Porträt zu zeichnen, Wills Familie in lebhaften Farben zu schildern und spürbar zu machen, genauso wie seine unmittelbare Bindung an John. In diesem Loch festzustecken hat sich echt angefühlt - mein Körper hat mir definitiv signalisiert, ich solle da raus. Natürlich war es bei weitem nicht so schmerzhaft wie das, was Will durchmachen mußste, aber ich habe eine Ahnung davon bekommen."

Wie jede andere Abteilung des Films auch, mußsten sich die Kostümbildner unter der Leitung von Michael Dennison zu 100% an die Originale halten. Dennison und seine Mitarbeiter haben ausführliche Gespräche mit den Beteiligten geführt, um zu gewährleisten, dass auch die richtigen Farben gewählt wurden. Außerdem arbeitete er eng mit der Hafenpolizei sowie mit etlichen Polizeirevieren und Feuerwachen zusammen, um den richtigen Schnitt der Uniformen zu garantieren; die Ausstattung wurde bei den Lieferanten gekauft, die auch die echten Uniformen der Behörde herstellen.

"Es mußste sehr präzise gearbeitet werden; wir haben viel recherchiert, die Einheiten, Reviere, Abteilungen, Städte und Gemeinden kontaktiert, die auf die damaligen Notrufe geantwortet haben, und unzählige Details bezüglich der Uniformen und Ausrüstungen an jenem Tag zusammengetragen", berichtet Dennison. "Doch alle haben uns bereitwillig unterstützt. Ich bin begeistert, dass so viele Rettungskräfte im Film zum Einsatz kamen, sodass wir Gelegenheit hatte, so vielen Menschen wie möglich unseren Respekt zu zollen."

Bei der Festlegung des Farbschemas für den Film entschieden sich Roelfs, McGarvey und Stone für einen Anfang mit leuchtenden Farben, die dann im Trade Center selbst eher gedeckteren Nuancen weichen sollten: "Das Farbschema basierte auf konzentrischen Kreisen, wobei Ground Zero den Mittelpunkt bildete", erläutert Dennison. "Die meisten Farben im Film sehen wir im äußeren Umkreis; je weiter wir uns der Stadtmitte nähern, desto weniger leuchten die Töne. Mehr und mehr haben wir den Kleidungsfarben ihre Intensität entzogen, uns allmählich auf die Signalfarben konzentriert. Wenn wir dann Ground Zero erreichen, gibt es kaum noch sichtbare Nuancen, dazwischen blitzen die Signalfarben der Einsatzkräfte auf. Das erkennt man sowohl an der Ausstattung des Sets als auch an den Kostümen."

Für die Farben an sich orientierte sich Dennison an denjenigen Menschen und Abteilungen, die durch diesen Film geehrt werden sollten: "Wir haben uns dafür entschieden, die Farben im Film auf die Uniformfarben den Katastrophenhelfer in New York City abzustimmen; wir haben Blau, Gelb, strahlendes Orange, Weiß und Grün. Wir haben auch die silbrigen Leuchtstreifen benutzt, die von der Feuerwehr eingesetzt wird. Manchmal sind diese Farben sehr prominent, bei anderen Gelegenheiten eher subtil, aber sie sind ständig im Film präsent", meint Dennison.

Er fügt hinzu, dass auch die Frauen jeweils eine Farbe als Markenzeichen haben - Maria Bello trug meist blaue und Maggie Gyllenhaal hauptsächlich rötliche Kleidung. "Diese Farben haben wir gewählt, um die Persönlichkeit der Frauen zu unterstreichen", sagt Dennison. "Allison ist sehr dynamisch und geradeheraus, also gaben wir ihr wagemutigere Töne. Donna ist ihrerseits eher sanft, aber gleichzeitig ist sie für John der Fels in der Brandung und hält die Familie zusammen. Im echten Leben mag sie auch lieber Blau, helles Rosé und Türkis, also haben wir diese Nuancen für sie gewählt."

Wie bei jeder Filmproduktion war die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Abteilungen immer ausschlaggebend; das ist insbesondere anhand einer Szene nachvollziehbar: Darin hat Will Jimeno, gläubiger Katholik, dem das Bewusstsein zu schwinden droht, eine Vision von Jesus Christus, von der Jimeno sagte, sie sei der Auslöser dafür gewesen, dass sein Lebenswille obsiegte. Um dies genauso zu filmen, wie Jimeno es erlebt hatte - und nicht als freie Interpretation -, war eine enge Zusammenarbeit der Kostüm- und der Kameraabteilung unerlässlich.

"Ich hatte für einen Kurzfilm eine Szene gedreht, in der diese Leuchtstreifen aus 3M Scotchlite Tape auftauchten, die die Feuerwehrleute an ihrer Uniform tragen", sagt McGarvey. "Mir kam die verrückte Idee, diese Szene so zu drehen, dass Jesus durch einen teilweise versilberten Spiegel sichtbar wird, und diese Leuchtstreifen sollten sich in Jesus' Gewand wiederfinden. Michael Dennison hat das sofort erfasst und ein außergewöhnliches Gewand mit diesem Material entworfen", erinnert sich McGarvey.

"Alle Uniformen der Rettungskräfte haben auf die ein oder andere Art Leuchtstreifen. Ich hatte die Herstellerfirma 3M Scotchlite darum gebeten, diese Streifen als Stoff bereitzustellen, damit ich ihn mit diesem Faltenwurf zum Gewand für Jesus machen konnte", sagt Dennison. "Dieses Material ist berühmt dafür, dass es die Lichtquelle, die darauf scheint, mit 500facher Intensität zurückwirft. Seamus hat dann sein Licht auf einen Refraktionsspiegel gerichtet und das Gewand dadurch zum Strahlen gebracht; kaum hatte der Lichtstrahl das Gewebe getroffen, explodierte es förmlich in seinem Glanz. Wir haben einen Spezialeffekt bekommen, ohne dass es wirklich ein Spezialeffekt ist."

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