Der tierisch verrückte Bauernhof

Produktionsnotizen

Als Nickelodeon nach einen weiteren Projekt nach dem Oscar-nominierten CGI-Film ?Jimmy Neutron? Ausschau hielt, mußsten sie nur auf Steve Oedekerks schwarzes Brett sehen, wo er einige der Charaktere aus ?Barnyard? angeklebt hatte. ?Diese Figuren waren respektlos und lustig, aber auch geeignet, eine kraftvolle Geschichte über das Erwachsen werden mit all seinen Problemen zu erzählen?, sagt Julia Pistor, Nick Movies Executive Vice President. ?Wir wussten, das wird eine perfekte Sache?.

Mit einer langen Erfolgsgeschichte von Animationsfilmen auf der Leinwand wie im Fernsehen, kontaktete Nickelodeon Oedekerks Omation Studios, um das Produktionsmodell von Spielfilmen, wie schon zuvor erfolgreich mit den zwei ?Rugrats?-Filmen, ?SpongeBob ? Der Film? und ?Jimmy Neutron? geschehen, weiter voran zu treiben. Dieses Modell würde es Nickelodeon erlauben, sich im Bereich der neuen CGI-Technologie gegenüber den anderen Studios zu behaupten.

Die Idee zu ?Ein tierisch verrückter Bauernhof? wurde fast vor 20 Jahren geboren, bevor Steve Oedekerk seine Marke im Showbusiness setzte. ?Ich war bei einem Freund zu Hause und sein Hund schaute mich unentwegt an?, erinnert er sich. ?Überall, wo ich hinging, verfolgte er mich mit seinen Augen. Als ich den Raum verließ, hatte ich das Gefühl, dass der Hund auf zwei Beinen stand und sagte `Mann, es wird aber auch Zeit, dass der Typ verschwindet`. Und er trollte sich zur Katze und die beiden fingen an, Poker zu spielen. Es war nur dieser kleine Gedanke, aber ich vergaß ihn nie. Und es dauerte nicht lange, bis ich dachte, `Mann, das könnte ein cooler Film werden`.?

Jahre gingen vorbei und Oedekerk wurde zu einem der erfolgreichsten Drehbuchschreiber Hollywoods. Er hatte sogar begonnen, seine eigenen Erfolgsfilme zu inszenieren. Aber die Idee der eigenständigen Welt der Tiere lies ihn niemals los. Und dann sah er eines Tages einen der Charaktere, von dem er geträumt hatte. In einer Kunstgalerie in Laguna Beach, Kalifornien, entdeckte Oedekerk eine komische, lebensgroße Skulptur einer Kuh, stehend auf zwei Beinen. ?Diese Skulptur hatte die volle Größe, genau so groß wie ich!?, sagt er. Oedekerk war ein wenig sprachlos, dieses Bild zu sehen, das bislang nur in seinem Kopf existierte.

?Der tierisch verrückte Bauernhof? ist nicht Oedekerks erster Ausflug in die Animation. Er kreierte und war ausführender Produzent bei ?Santa Vs. The Snowman 3D? und produzierte und war Ko-Drehbuchautor von ?Jimmy Neutron?, der für den Oscar als Bester animierter Film nominiert war. Aber ?Der tierisch verrückte Bauernhof? ist der erste Animationsfilm, bei dem er selbst Regie geführt hat. Nach einigen Live-Action-Filmen war das für ihn eine neue Erfahrung.

?Beim Inszenieren von Live-Action-Filmen arbeitet man mit Schauspielern für bestimmte Zeit?, sagt Oedekerk. ?Nach den Dreharbeiten bist du mit ihnen fertig, du gehst in den Schneideraum und das war`s. Die Zeit mit den Schauspielern ist um. Bei Animationsfilmen arbeitest du für eine Minute Monatelang, und manchmal sogar Jahre. Das Team der Animatoren arbeitet an den Figuren, bis z.B. eine Augenbraue sich etwas höher zieht, neun Monate lang, bevor die Einstellung gedreht wird. Regie führen bei einem Animationsfilm ist eine Kombination von jedem aufregenden minutiösen Moment und dem Horror, diesen minutiösen Moment zu verpassen. Wenn du das magst, kann es dich auch verrückt machen, weil es endlos viele kreative Gelegenheiten gibt ? wie stell` ich mir die Bäume vor? Wie sollen die Wolken aussehen? Das ist schon cool, denn du kannst jede Szene so gestalten, wie du es dir vorstellst und wie dieser Moment emotional rüber kommen sollen.?

Diese emotionalen Momente sind das Herz des Films. ?Otis ist ein Charakter, der von Ben geprägt wurde. Am Ende des Films tut Otis die gleichen Dinge für ein junges Kalb. Diese Geschichte steht mir sehr nahe, da meine Schwester und ich adoptiert wurden. Der Film zeigt auch unterschwellig, wie großartig eine Adoption ist.?

Dieser Film ist gefüllt von wunderbarem Humor und surrealen Gags. Zu Oedekerks Lieblingsszenen gehört dem ans Herz gehende Moment, als Ben und Otis, Vater und Sohn, ganz gemütlich auf einem Hügel sitzen und sich unterhalten. ?Ja?, gibt er zu, ?irgendwie bin ich ein Softie?.

Oedekerk, der in Personalunion als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent tätig ist, findet auch die Bandbreite der Tonart in diesem Film spannend. ?Es ist ein weites Terrain von totaler Ausgelassenheit bis hin zur Ernsthaftigkeit?, sagt Oedekerk. ?Der Böse ist ein wirklich Böser, ein authentisch böser Bube. Es gibt auch definitiv eine erwachsene Tiefe in unserer Story. Neben den Party feiernden Tieren gibt es eine herzliche Linie, eine einfache Geschichte über einen Jungen und seinen Vater und die Familie drum herum. Und die Frage, ob er langsam erwachsen werden will und Verantwortung übernehmen oder ob er sein ganzes Leben sinn- und nutzlos verbringen will. Ich kann mich selbst erkennen, so ähnlich war es bei mir mit dem Erwachsen werden.?

Die Hauptrolle spielt Otis, eine Spaß liebende ?Party-Kuh?, die ihre Zeit mit ?menschlichen? Dingen verbringt, wie Auto fahren, Fernsehen und den Farmer veräppeln. Sicherlich, er ist ein Rebell und hat keinerlei Interesse an Verantwortung. Wer braucht das denn schon, wenn man sein Leben mit Singen und Tanzen verbringen kann?

Oedekerks erste und einzige Wahl fiel auf Kevin James, der den Otis sprechen sollte. ?Ich wusste sofort, als ich ihn zum ersten Mal in ?The King of Queen? sah, dass er ein Filmstar wird?, sagt Oedekerk. ?Was ich an Kevin so liebe, ist seine Jackie Gleason-Sensibilität ? er ist so lustig, wenn er frustriert ist. Otis mußs sich zum Schluss mit Dingen beschäftigen, die er überhaupt nicht mag. Sein Vater drängt ihn immerzu zu Sachen, die er nicht machen will und deshalb oft frustriert war. Und da war Kevin großartig.?

?Ich bin ein großer Steve Oedekerk-Fan?, sagt James. ?Er schrieb ein wirklich lustiges Drehbuch, gerade so wie er es bei ?Ace Ventura ? Jetzt wird`s wild? und ?Bruce Allmächtig? getan hat. Niemals zuvor habe ich an einem Animationsfilm gearbeitet; ich wollte es aber immer mal probieren.?

Nicht nur wegen dieser außergewöhnlichen Comedy, die Oedemarks Handschrift trägt, war James auch angetan, Herz und Gefühl in dieser Rolle zu finden. ?Die Art der Streiche in dem Film gefallen mir. Die Kühe sind alle total verrückt miteinander und tun, was schwangere Kühe tun würden. Sie müssen aber auch miteinander leben und Verantwortung füreinander tragen und langsam zum Mann werden. Oder Kuh ... was immer.?

James lernte auf allen Vieren seine Rolle. ?Ich bin eine Kuh mit Methode?, sagt er. ?Ich würde erst vier Stunden grasen, bevor ich eine Szene aufnehme.?

Für die Rolle von Daisy, der sensiblen und sich kümmernden Kuh, die Otis mit der Inspiration und dem Vertrauen, der Anführer der Gruppe der Tiere zu werden, unterstützt, fand Oedekerk in seiner Freundin Courtney Cox, die bestens für ihre Rolle in dem TV-Hit ?Friends? bekannt ist. Er sagt: ?Für die Rolle der Daisy wollte ich eine Schauspielerin, in die sich das Publikum sofort verlieben könnte. Courtney verfügt definitiv über diese Qualität. Daisy ist das Mädchen von nebenan, sehr authentisch und süß, eine gute Seele. Es kann eine Herausforderung sein, die pure Güte darzustellen, eine gewisse Verletzlichkeit zu vermitteln. Courtney machte einen hervorragenden Job.?

?Steve gehört zu meinen Freunden, er ist unheimlich talentiert und ich war wirklich aufgeregt, diesen Film zu machen?, sagt Cox. ?Für Steve ist dies das wahre Leben, er schreibt über Dinge, die Kinder erleben. Für ihn ist das keine imaginäre Welt ? es ist echt.?

Die Schauspielerin sagt, dass ihre Rolle ?purer Zucker ist. Daisy ist so süß. Eigentlich bin ich eine sarkastische Person und so war das sehr interessant für mich, Daisy meine Stimme zu geben.?

Wanda Sykes spielt Daisys beste Freundin, Bessy, eine Kuh mit einer spitzen Zungen und sehr sachlich. ?Bessy bewahrt immer Haltung?, sagt Sykes. ?Sie sagt, wie es ist. Nach außen wirkt sie sehr taff, doch sie hat eigentlich ein großes Herz. Sie kümmert sich sehr um Daisy, passt auf sie auf, damit sie sich nicht mit den falschen Typen einlässt.?

?Wanda ist eine wandelnde Comedy-Maschine?, sagt Oedekerk. ?Wenn sie einen lustigen Satz hat, ist sie nicht zu bremsen. Und sollte es nicht lustig sein, macht sie trotzdem einen Gag daraus. Ich glaube, sie kann alles machen, was sie will.?

Der Schauspielveteran Sam Elliott spielt Ben, den beliebten, respektierten und organisierten Anführer der Tiere auf dem Bauernhof .... und liebenden, sich sorgenden Vater von Otis. Obwohl er sieht, dass sein Sohn nichts als Party macht und sich um nichts kümmert, liebt er ihn aus ganzem Herzen und hofft aber, dass er langsam erwachsen wird.

Oedekerk sagt: ?Ich denke, einer der erschreckendsten Momente des Films war, als wir Sam aufnahmen. Es gibt einen Satz im Film, wo Ben auf Dag, den bösen Kojoten im Hühnerstall, zugeht und sagt `Lass die Henne los, Dag.` Jeder im Soundstudio sagte simultan `Wow`. Er ist ein großartiger Schauspieler und eine großartige Persönlichkeit. Er bringt mit seiner Darstellung so viel ein.?

Miles, der Esel, ist, wie Oedekerk meint, die ?Seele des Stücks. Miles nimmt sich nach Bens Tod Otis an?, sagt Oedekerk. ?Bens rechte Hand und bester Freund Miles ist die Stimme der Weisheit. Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung sieht und versteht er mehr als der Rest der Tiere.

?Danny Glover war meine Nummer Eins für die Besetzung von Miles?, fährt Oedekerk fort. ?Ich konnte ihn schon hören, als ich noch schrieb. Er kam herein und es war so, wie ich die Rolle mir vorstellte. Es war eine perfekte Symmetrie zwischen dem, was ich schrieb und Dannys Performance.?

Andie MacDowell spielt Etta, die Matriarchin der Hennen auf der Farm. Sie ist die Chefin, die weise alte Henne, die die Küken beschützt und sie auf das Leben vorbereitet. Mütterlich und mitfühlend, ist sie die erste, die spürt, dass Otis Probleme hat, die sie aber niemals diskutieren würde, wissene dass er seine Zeit braucht, um die Dinge klar zu sehen.

?Ich liebe Andie Stimme?, sagt Oedekerk. ?Sie ist so natürlich und passt zu ihr. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, sie zu hören.?

MacDowell gefiel die Rolle, gab sie ihr doch die Chance, ihrer Familie einen Gefallen zu tun. ?Meine Kinder lieben es, in Animationsfilme zu gehen, und dann sehen sie ihre eigene Mutter als Hennenmutter?, sagt MacDowell. ?Sie glauben, ich bin in Wirklichkeit eine Hennenmutter und das finden sie ziemlich albern, aber lustig.?

Die Schauspielerin legte für die Rolle ihren Südstaaten-Akzent ab. ?Ich wollte wie eine altmodische Bilderbuch-Hennenmutter klingen?, sagt sie. ?Diese Stimme kam automatisch, ich dachte nicht daran, dass sie nach Südstaaten-Slang klingen sollte.?

Otis bester Freund, der mit ihm all die Streiche veranstaltet und rumblödelt, ist Pip, die Maus, im Original von Jeff Garcia gesprochen. Pip ist zwar sehr klein, aber ein guter Kumpel. Der kleine Kerl mit einer großen Stimme ist für jeden Streich gut. Das neurotische Frettchen Freddy (Originalstimme: Cam Clarke) ist nicht gerade das schlauste Tier auf dem Hof. Er mußs sich aber am Riemen reißen, um seinem natürlichen Wunsch, seinen besten Freund Peck, den Hahn (gesprochen von Rob Paulsen), zu verspeisen, nicht nachzugeben. Peck hat eine sanfte Stimme, einen klugen Kopf und ein gutes Herz. Man wundert sich, wie er mit all diesen Blödmännern klar kommt. Der letzte des Quintetts ist Pig (Tino Insana). Wie alle Schweine will er am liebsten essen und Parties in Schlamm feiern. Das Gute für Pig ist, dass er eben ein Schwein ist ? und das beweist er den ganzen Tag. Pig ist das anpassungsfähigste Tier auf der Farm.

Das mysteriöseste Tier ist der wilde Mike. Sobald die Musik erklingt, ist er außer Rand und Band ? er ist das Partytier durch und durch. Ein Gewirr aus Armen und Beinen und wer weiß, was sonst noch alles. ?Man kann gar nicht erkennen, was für ein Tier er überhaupt ist?, sagt Oedekerk. ?Eigentlich weiß nur ich Bescheid. Jeder andere mußs auf die ?Barnyard?-Serie bei Nickelodeon warten. Und er ist auch eigentlich Otis Problem, denn wenn der wilde Mike anfängt zu tanzen, gibt es für Otis kein Halten mehr. Er mußs einfach mittanzen.?

Die Stimme für einen der wahrscheinlichst widerlichsten Charaktere, die Rotznase, leiht Oedekerk selbst, neben einigen weiteren Rollen.

Als die Stimme aufgenommen waren, begann der eigentliche Animationsprozess. Obwohl der Film eigentlich per Computer animiert wurde, begann es fast mit der konventionellen 2D-Animation mit handgemalten Storyboards und Charakter-Designs. Das Storyboard wurde dann gefilmt und mit den aufgenommenen Stimmen vereint, sodass die Filmemacher eine Idee bekamen, wie jede Szene aussehen würde. ?Es ist mehr wie ein Flipbook?, sagt Oedekerk.

Die Musik spielt in dem Film eine große Rolle. ?Es ist nicht gerade ein Musical im herkömmlichen Sinne, aber ich wollte, das die Tiere Musik machen und singen. Für mich ist es so etwas wie die klassischen Merrie Melodies und Silly Symphony-Cartoons. Das habe ich immer sehr geliebt und es ist meine Art von Tribut an sie?, sagt Oedekerk.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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