Das kleine Arschloch und der alte Sack - Sterben ist scheiße

Ausführlicher Inhalt

Es ist ein Tag, wie er strahlender kaum sein könnte. Die Sonne lacht vom Himmel, der Wind säuselt um Bäume und Häuser, kleine Wolken ziehen wie Wattebäuschchen durch das Blau, und die Flugenten ziehen gemächlich ihre Bahnen durch die Lüfte. Fast alle Flugenten wenigstens ? wenn man von der einen absieht, die mit ihrer panischen Flugangst und dem ständigen Gebabbel ihren Begleiter fast in den Wahnsinn treibt.

So wie die Ente, die im festen Glauben durch die Lüfte flattert, jeder Flügelschlag könnte der letzte vor einem blutig-qualvollen Tod sein, kann auch Peppi diesen sonnigen Tag nicht so richtig genießen: Der Hund von Frau Mövenpick erwacht schweißgebadet aus einem Albtraum, in dem ihm eine kleine, dickliche und besonders fiese Ausgabe von Darth Vader das Leben zur Hölle gemacht hat. Das Aufwachen ist allerdings ebenso wenig erfreulich für den braven Hund: Das Kleine Arschloch ? das übrigens eine frappierende Ähnlichkeit mit Peppis Albtraum-Vader aufweist ? will Gassi gehen. Allerdings kommt es nicht zu dem Spaziergang. Das Kleine Arschloch findet Peppis Frauchen leblos im Wohnzimmer vor ...

Über Langeweile braucht sich bei der Beerdigung von Frau Mövenpick niemand zu beschweren ? erst stört der Alte Sack, der Großvater des Kleinen Arschlochs, am offenen Grab lauthals die Trauerpredigt, weil sein Urinbeutel beinahe überläuft, und dann hält das Kleine Arschloch beim Leichenschmaus eine launige Ansprache, in der ein epileptischer Anfall, übermäßiger Alkoholgenuss und versuchte Sodomie eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Kein Wunder, dass der Lümmel achtkantig aus der Gaststätte geworfen wird ? was ihn freilich nicht davon abhält, in der nahe gelegenen Kirche beim Pfarrer erstmal die feinen Unterschiede zwischen Katholizismus und Satanismus und zwischen Juden und Luden zu erörtern. In all dem Trubel merken weder das Kleine Arschloch noch seine Eltern, dass der Alte Sack spurlos verschwunden ist. Der ist nämlich rückwärts in einen offenen Sarg gekippt, als er sich beleidigt vom Ort des Geschehens zurück ziehen wollte.

Erst auf der Heimfahrt ? der Vater des Kleinen Arschlochs überlegt gerade, wie er seine Sohn am wirkungsvollsten foltern und entsorgen könnte ? fällt das Fehlen des Alten Sacks auf. Die prompte Suche auf dem Friedhof ? die aus der Luft von zwei ziemlich seltsamen Flugenten beobachtet wird ? bleibt erfolglos. Und während die Eltern sich schon die ersten Gedanken machen, wie sie ihr Erbe nun auf den Kopf hauen können, schwört das Kleine Arschloch, dass es nicht eher ruhen will, bis es den Alten Sack wieder in den Kreis seiner Lieben zurück gebracht hat. Die Eltern ahnen nicht, wie ernst es ihrem Sohn mit diesem Schwur ist ...

Der Alte Sack klopft derweil heftig an den zugeklappten Sargdeckel und meckert was das Zeug hält. Schließlich mußs er dringend pinkeln, und nach Hause zu fahren wäre auch mal eine gute Idee. Allerdings hört niemand sein Rufen und Klopfen ? erst Recht nicht, als sich der Sarg wie von Geisterhand bewegt und wie auf einer Hydraulik abwärts fährt. Es folgt eine scheinbar endlose Achterbahnfahrt ins Innere der Erde ? an deren Ende der Alte Sack nicht nur pinkeln, sondern auch noch kotzen mußs.

Als er sich endlich aus dem Sarg erheben kann, sind seine menschlichen Bedürfnisse jedoch wie weggeblasen. Ein kleiner, dicklicher gehörnter Kerl, der sich als Satan vorstellt und eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Kleinen Arschloch hat, kann ihn aufklären: Der Alte Sack ist in der Hölle. Er ist nämlich tot. Und Tote pinkeln nicht.

Dem ersten Schock folgt eine freudige Überraschung für den Alten Sack: Als Toter kann er laufen und tanzen wie ein junger Hüpfer ? und auf einmal ist er auch noch mit stattlichen (und vor allem: funktionierenden!) 30 Zentimetern bestückt. Der erste Eindruck der Hölle ist also gar nicht mal so schlecht. Und als Satan von der angenehmen Temperatur von durchgehend 24 Grad erzählt und von den 10.000 nymphomanischen Krankenschwestern, die in der Dampfsauna warten, findet der Alte Sack: Sterben ist doch gar nicht so scheiße.

Derweil arbeitet das Kleine Arschloch fieberhaft: Er will einen neuen Alten Sack klonen. Das genetische Material ? Urinprobe, Fußnägel, Sackhaare und eingetrocknete Blutreste ? hat er in Großvaters Zimmer sicherstellen können. Nachdem das Kleine Arschloch einen DNA-Cocktail gemixt hat, steht der erste Test auf seinem Plan ? Peppi ist bereits an einen Stuhl gefesselt, und die Injektion mit der brisanten medizinischen Mixtur wartet ebenso wie ? aus unerfindlichen wissenschaftlichen Gründen ? eine Autobatterie. Gut, dass in diesem Augenblick die ersten Miet-Interessenten für die kürzlich frei gewordene Wohnung von Frau Mövenpick vor der Tür stehen.

Während das Kleine Arschloch ein schwules Pärchen durch die Räume führt und den beiden konsternierten Männern praktische Tipps für Natursekt- und Analspiele im Badezimmer gibt, kann sich Peppi befreien. Allerdings scheitert seine Flucht ins Abwassersystem der Stadt ziemlich schnell: Japsend taucht Peppi wieder in der Kloschüssel des Kleinen Arschlochs auf. Und die Autobatterie wartet noch ...

In der Zwischenzeit genießt der Alte Sack zusammen mit Satan das dolce vita in der Hölle. Stattliche fünf Millionen TV-Sender (geschätzt), darunter etliche intergalaktische Pornokanäle, sorgen für Kurzweil, und die Bekanntschaft der 10.000 nymphomanischen Krankenschwestern hat der Alte Sack auch schon gemacht. Sein irdisches Dasein vermisst er überhaupt nicht, geschweige denn seine Familie ? ganz im Gegensatz zu seinem Enkel: Der malträtiert Peppi mit einer schier endlosen Diashow von Ausflügen, die er mit dem Alten Sack unternommen hat ? nach Wuppertal, ins Braunkohle-Anbaugebiet von Kerpen-Gürzenicht und in eine Tropfsteinhöhle im Sauerland.

Und da wäre noch die fotografische Dokumentation des ersten Samenergusses des Kleinen Arschlochs, an der Peppi ebenso wenig Interesse zeigt wie an den Ausflugfotos? Bevor der gequälte Vierbeiner jedoch einen ?Uhrwerk Orange?-Moment erlebt, rettet die Mutter den Hund, indem sie ihren Sohn nachdrücklich zum Müllrausbringen abkommandiert. Peppi nutzt die Gunst des Moments und wagt erneut die Flucht ? diesmal im Abfalleimer. Das stellt sich angesichts der Müllpresse, die in dem Abfuhrwagen installiert ist, wiederum als ziemlich dämliche Idee heraus ...

Das Kleine Arschloch hat mittlerweile seine Klon-Versuche aufgegeben. Mit Hilfe von Schwarzer Magie will er seinen Großvater jetzt wieder zum Leben erwecken. dass der es sich höchst fidel in der Hölle gut gehen lässt, kann sein Enkel ja nicht ahnen. Allerdings braucht das Kleine Arschloch für eine zünftige Schwarze Messe auch ein Blutopfer. Wo ist eigentlich Peppi? Der hat sich in der Zwischenzeit von seinem Ausflug in den Müllwagen erholt und versucht, mit einem heliumgefüllten Luftballon seinem Peiniger zu entkommen.

Bei seinem Flug kreuzt er die Flugbahn von zwei dauerquatschenden, seltsamen Enten, von denen eine die brutalsten Todesszenarien für Vögel entwirft. Und während die Ente von Flugzeugtriebwerken faselt, in denen Vögel geschreddert werden, steigt Peppi immer höher und höher ? bis sich eine Luke öffnet und sich der geschundene Hund im Inneren eines Raumschiffs wieder findet. Die beiden hässlichen Aliens haben einiges mit ihrem irdischen Versuchskaninchen vor. Eine Paarung mit einem sexuell ausgehungerten Haarigen Wurstgurgler vom Planeten Knarxx zum Beispiel ...

Nach den sexuellen Experimenten haben die etwas bräsigen Außerirdischen allerdings keinen blassen Schimmer, was sie mit ihrem ?Gast? noch so anfangen können. Also werfen sie Peppi kurzerhand wieder aus ihrem Raumschiff. In hohem Bogen landet er kopfüber in einem Schornstein, rutscht durch den Schacht bis in den Kamin eines Wohnzimmers ? und steht wieder vor dem Kleinen Arschloch. Das hat sich bereits seine Kutte über geworfen (was irgendwie ein bisschen schwul aussieht?) und ist bereit, durch ein Tieropfer an den Leibhaftigen seinen Großvater aus den Klauen der Hölle zu befreien.

Und während das Kleine Arschloch auf dem Friedhof seine Schwarze Messe vorbereitet (nicht ohne vorher beim Pfarrer die Beichte über eine Todsünde abgelegt zu haben: Das Kleine Arschloch hat schließlich gefurzt) und das Messer wetzt, mit dem es Peppi das Herz aus dem Leib schneiden will, entwickeln sich die Dinge in der Hölle ganz anders, als der Alte Sack erwartet hat.

Wird er am Ende etwa doch wieder unter den Lebenden weilen? Kann Peppi dem Messer des Kleinen Arschlochs entkommen? Warum läuft im Bordprogramm eines Urlaubsfliegers ?Fick und Fotzi, die beiden lesbischen Stewardessen im Bumsbomber nach Bangkok?? Und gibt es auf der Flughöhe von Enten wirklich keine Flugzeugtriebwerke, die Vögel in kleine Teile schreddern können ...?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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