Ricky Bobby - König der Rennfahrer

Produktionsnotizen

Die Idee zu RICKY BOBBY ? KÖNIG DER RENNFAHRER hatten die Ko-Autoren Will Ferrell & Adam McKay, die gemeinsam an Stoffen arbeiten, seitdem sie sich vor etwas mehr als einem Jahrzehnt am Set der legendären Serie ?Saturday Night Live? kennen lernten, wo Ferrell ein aufstrebender Komödiant und McKay ein Gagschreiber der Show war. Ihre enge Zusammenarbeit setzte sich auch fort, nachdem sie ?SNL? den Rücken gekehrt hatten.

Zuletzt sorgten sie für Schlagzeilen und gefüllte Kinokassen mit ihrer Satire über Nachrichtensprecher der 1970er Jahre, Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (Anchorman ? Die Legende von Ron Burgundy, 2004), produziert von Judd Apatow, der auch bei RICKY BOBBY ? KÖNIG DER RENNFAHRER in derselben Funktion in Erscheinung tritt.

Eine Komödie über NASCAR-Rennen spukte den beiden bereits seit Jahren im Kopf herum. ?Will und ich redeten viel über NASCAR, als er für Elf (Buddy, der Weihnachtself, 2003) vor der Kamera stand?, erinnert sich McKay. ?Wir waren in New York und er hatte sich eine Pause verordnet, bevor wir mit Anchorman weitermachen wollten. Wir stellten fest, wie faszinierend sich die Welt der NASCAR-Rennen entwickelt hatte. Damals waren wir noch nicht einmal allzu große NASCAR-Fans, aber als wir uns dann vor Ort an den Rennstrecken umschauten, wurden wir förmlich von dem Phänomen mitgerissen.?

Es war RICKY BOBBY -Produzent Jimmy Miller, der sie damals einlud, in Fontana, Kalifornien, an einem NASCAR-Rennen teilzunehmen. Dort wurden sie erstmals mit den berauschenden Anblicken, Gerüchen und Sounds eines NASCAR-Events konfrontiert.

?Als wir erstmals das Aufheulen der Motoren hörten, wussten wir sofort, dass wir hier etwas hatten, woraus sich ein Film machen ließe?, sagt McKay. ?Die Zuschauermenge war gewaltig ? fast wie eine Stadt, mit Campingwagen und Lagerfeuern außerhalb des Renngeländes. Man erzählte mir, dass das jährliche Talladega-Rennen (das UAW-Ford 500 auf dem Talladega Superspeedway) so riesig ist, dass der Speedway für die Dauer des Rennens zur zweitgrößten Stadt in Alabama wird.?

Ferrell ist ein langjähriger Sportfan und studierte an der University of California für seinen Abschluss tatsächlich Sportjournalismus, bevor er sich entschied, eine Karriere als Schauspieler einzuschlagen. Obwohl ihm Stockcar-Racing natürlich bereits ein Begriff war, hatte er bis zu jenem schicksalhaften Tag in Fontana niemals selbst ein Rennen besucht. ?Ich wusste ein paar Dinge über NASCAR, einfach weil es in kurzer Zeit so rasend an Beliebtheit zugelegt hatte?, so Ferrell.

?Ich kannte einige der Top-Fahrer und kannte mich eigentlich ganz gut mit dem Sport aus. Aber mir war die gewaltige Intensität und Spannung nicht bewusst, bis wir begannen, uns mit der Figur des Bobby Ricky auseinanderzusetzen. Unsere Herausforderung war es, einerseits eine Komödie zu schreiben, andererseits aber auch einen Rennfahrerfilm, weil wir das Publikum ganz hautnah miterleben lassen wollten, was auch wir erlebt hatten, als diese Autos mit Tempo 300 an uns vorbeischossen.?

Die Figur des Bobby Ricky steht in der Tradition klassischer Sportfilme. ?Ricky ist ein Typ, wie man ihn in jedem Sportfilm findet?, berichtet Will Ferrell. ?Er stammt aus bescheidenen Verhältnissen und ließ als Junge seinem Bedürfnis nach Geschwindigkeit freien Lauf. So kam er zu seinem Motto: ,Wenn du nicht der Erste bist, bist du das Letzte!? Das hat ihm sein Daddy von Kindesbeinen an eingetrichtert. Das heißt: Entweder man gewinnt ? oder man fährt gegen die Mauer. Diese Alles-oder-nichts-Einstellung ist es, die schließlich seinen Niedergang besiegelt.?

?Sowie Will die Stimme Rickys gefunden hatte, ließ mich die Figur nicht mehr los?, weiß Adam McKay. ?Ich sagte ihm, dass es so aussähe, als würde sich unser Leben in den nächsten beiden Jahren ausschließlich um Autorennen drehen.? Ferrell und McKay besuchten weiterhin in schöner Regelmäßigkeit NASCAR-Rennen und freundeten sich an mit Fahrern wie Dale Earnhardt Jr. oder Jimmie Johnson.

Als das Projekt anfing, Form anzunehmen, wurde auch die Beteiligung der NASCAR-Organisation an dem Projekt beschlossen. Das ermöglichte es den Filmemachern, in den Boxen und Garagen einiger der beliebtesten Rennarenen Amerikas live vor Ort zu drehen. ?Wir hatten Glück, dass wir die NASCAR-Organisatoren für unseren Film begeistern konnten?, sagt Produzent Judd Apatow.

?Wir zeigten ihnen schon sehr früh das Drehbuch und hofften, sie damit für uns einnehmen zu können. Wenn sie abgewunken hätten, hätten wir uns nach einer anderen Rennliga umsehen müssen. Aber sie haben die Gags sofort kapiert. Wir waren begeistert, dass eine Organisation wie NASCAR tatsächlich einen Sinn für Humor besitzt und es uns gestatten würde, eine Zeit lang Teil ihrer Welt zu werden. Während des Drehs kam es tatsächlich immer wieder mal vor, dass jemand von NASCAR einen besseren Witz auf Lager hatte als wir. Dann war uns das ziemlich peinlich, dass es da Leute gibt, die 250 Stundenkilometer schnell fahren können und obendrein noch witziger sind als wir.?

Die NASCAR-Manager Richard Glover und Sarah Nettinga wurden zur Arbeit an dem Film hinzugezogen und überwachten die Genauigkeit von Design und Inhalt. Zudem stellten sie sicher, dass die Produktionscrew freien Zugang zu den tatsächlichen Wettrennen erhielt. Ausstatter Clayton Hartley, der bereits bei Anchorman: The Legend of Ron Burgundy (Anchorman ? Die Legende von Ron Burgundy, 2004) Teil des Teams war, tat sich mit Kostümdesignerin Susan Matheson zusammen, um sicherzustellen, dass die Sets, Autos und Rennanzüge, die man ?fire suits? nennt, so authentisch aussahen, dass sie richtigen NASCAR-Fahrern und -Events entsprachen.

?NASCAR stimmte auch den Wagen unserer Fahrer zu,? sagt Clayton Hartley, der zuvor für das Szenenbild von Filmen wie American Wedding (American Pie 3 ? Jetzt wird geheiratet, 2003) und Kicking & Screaming (Fußballfieber ? Elfmeter für Daddy, 2005) verantwortlich zeichnete.

?Dazu gehörte Terry Cheveaus von uns frei erfundenes ?Laughing Clown Malt Liquor?-Stockcar, Baujahr 1996, sowie Ricky Bobbys zeitgemäßes #26-Wonder Bread/POWERade-Stockcar, Cal Naughton Jr.?s #47-Old-Spice-Stockcar und Jean Girards #55-Perrier-Stockcar. Wir wussten auch, dass wir uns die Designs für all diese Autos selbst einfallen lassen und die entsprechenden Wägen kaufen mußsten. Wir baten NASCAR-Designer Sam Bass, uns dabei zu helfen, die Looks auszuarbeiten und dabei immer ein Auge auf die realistische Darstellung zu haben.?

Stuntkoordinator Andy Gill, der mit NASCAR bereits bei Herbie: Fully Loaded (Herbie Fully Loaded, 2005) zu tun hatte, war darauf vorbereitet, eng mit NASCAR zu arbeiten, um den gewünschten Realismus für die Rennen von RICKY BOBBY ? KÖNIG DER RENNFAHRER zu erzielen, was auch für die atemberaubenden Kollisionen galt, nach denen das Drehbuch verlangte.

?Ich hatte bereits Erfahrungen mit der NASCAR-Organisation gesammelt und verstand, dass es ungemein wichtig ist, bei der Präsentation ihrer Welt alle Aspekte zu berücksichtigen?, meint Gill, der zuvor als Stuntkoordinator an Filmen wie Bad Boys II (Bad Boys II, 2003) und Pearl Harbor (Pearl Harbor, 2001) gearbeitet hatte. ?Sie legen bei jedem Aspekt des Films Hand an. Man kann nicht einfach irgendein beliebiges Auto vor die Kamera stellen und dann hoffen, dass man damit durchkommt. Die Autos der unterschiedlichen Baujahre müssen jeweils den richtigen Look haben. Alle Designs und Aufkleber der Sponsoren müssen an den richtigen Stellen platziert sein. Diese Art von Koordination wäre ohne ihre Hilfe unmöglich gewesen. Immerhin haben wir mit 35 Autos gearbeitet, die wir unentwegt zu Schrott verarbeiteten.?

Mit NASCAR an Bord machten sich die Produzenten Apatow und Miller sowie der ausführende Produzent David Householter an die Arbeit, die Drehorte des Films festzulegen und seine Besetzung zu bestimmen. Charlotte in North Carolina mit seinem majestätischen Lowe?s Motor Speedway wurde als Hauptdrehort des Films gewählt. Aber auch der tatsächliche Talladega Superspeedway in Alabama stand auf dem Drehplan.

?Die Aufnahmen, die man bei einem richtigen Rennen machen kann, lassen sich auf keine andere Weise erzielen?, weiß Gill. ?Da hat man die Autos, die Wohnwagen, die Ersatzfahrzeuge. Alles, was man für authentische Aufnahmen benötigt, wartet hier in der Arena auf einen. Und wenn schließlich die Massen ins Areal strömen, erwacht alles mit einem Schlag zu Leben. Keine Produktion der Welt könnte es sich leisten, so etwas überzeugend nachzustellen.?

Nachdem die authentischen Locations feststanden, wandten die Filmemacher ihre Aufmerksamkeit der richtigen Besetzung ihrer Komödie zu. Wie schon bei Anchorman planten Regisseur McKay und sein Star Ferrell den Dreh von vielen improvisierten Variationen, wie es der Zeitplan erlaubte. ?In einer normalen Filmkomödie dreht man etwa 90 Prozent so, wie es im Drehbuch steht?, erklärt Ferrell.

?Zum Spaß gönnt man sich dann noch ein oder zwei Klappen, in denen man den Darstellern erlaubt, vom Skript abzuweichen. Bei unseren Filmen sieht das ganz anders aus. Wir drehen erst einmal zur Absicherung eine Klappe, die dem Drehbuch entspricht. Und von da an verlassen wir uns auf unseren Instinkt. Viele Schauspieler sind diesen Stil nicht gewöhnt und sehen Improvisation vielleicht als Belastung an. Aber wenn man erst einmal im Fluss ist und alle mit dabei sind, dann macht der Prozess sehr viel Spaß und zeigt auch die gewünschten Erfolge.?

Diese Überlegung behielten die Filmemacher bei der Auswahl der Schauspieler im Hinterkopf: Die Darsteller sollten idealerweise bereits Erfahrung im Bereich der Improvisation haben. Schauspieler wie Jane Lynch, Ian Roberts und Jack McBrayer waren mit Improvisation durch ihre Arbeit in der in Chicago ansässigen Comedytruppe Second City vertraut. Andere wie Gary Cole und Michael Clarke Duncan sind erfahrene Bühnenveteranen aus Chicago.

Für Sacha Baron Cohen, der den französischen Fahrer Jean Girard spielt, war Improvisation ebenfalls kein Fremdwort: in seiner beliebten Fernsehserie ?Da Ali G Show? wurde im Grunde von Anfang bis Ende improvisiert. ?Ich finde die Arbeit von Adam und Will einfach brillant?, meint Cohen. ?Will kann bei Improvisationen keiner das Wasser reichen. Er hat das Können, jede Szene von Klappe zu Klappe in völlig unterschiedliche Richtungen zu lenken. Er bleibt dabei immer ernst und fällt nie aus der Rolle. Das macht es einem leicht, sich an seiner Seite keine Blöße zu geben.?

Zwei weitere Schauspieler, die ebenfalls ein ausgesprochen großes Talent beim Improvisieren haben, waren John C. Reilly, Oscar®-nominiert für Chicago (Chicago, 2002) und das einstige Model Leslie Bibb, die man gegenwärtig in einer festen Rolle in der Serie ?Crossing Jordan? sehen kann.

?Wir hatten John bereits eine Rolle in Anchorman angeboten, die er leider ausschlagen mußste, weil er zu der Zeit für Martin Scorsese an The Aviator (Aviator, 2004) arbeitete?, erinnert sich McKay. ?Er war so witzig, dass es uns förmlich umhaute. Als wir nun diesen Film schrieben, wussten wir, dass wir eine Rolle nur für ihn schaffen mußsten. Er ist unglaublich, eine Offenbarung. Wir waren begeistert, wie gut er sich bei den Improvisationen schlug.?

Bibb fand auch schnell Gefallen an der lockeren Stimmung am Set. Obwohl sie bereits in einer Reihe von Filmen vor der Kamera gestanden war, war dies die erste Produktion, bei der sie ihr Gespür für Komödie unter Beweis stellen konnte. ?Leslie schlug sich bei den Improvisationen mit Will so gut, dass wir sofort wussten, dass sie die Richtige für den Part war?, sagt McKay.

?Aber die Carley Bobby, wie wir sie uns ausgemalt hatten, war eine blonde Sexbombe. Und als Leslie zum Vorsprechtermin erschien, war sie leger angezogen und hatte kurze Haare. Als wir sie dann in ihrem ganzen blonden Glanz sahen, mit Sonnenbrille und knallengen Jeans, waren wir völlig geschockt von ihrer Verwandlung. Sie besitzt diese seltene Mischung aus Talenten einer Schauspielerin mit dem Aussehen eines Filmstars, die eine starke Figur erschaffen kann und sich vom Fluss der Improvisation mitreißen lässt. Sie ist toll.?

Anders als viele ihrer Kollegen konnte Bibb auf eine Verbindung zum NASCAR-Rennstall verweisen, die zu ihrer Kindheit in Virginia zurückreicht. ?Als ich Kind war, fuhren wir zum Daytona 500 in Florida?, sagt sie.

?Ich weiß noch, wie sich meine Mutter mit dem damaligen NASCAR-Champion Richard Petty fotografieren ließ. Von diesem Zeitpunkt an war ich völlig begeistert von Richard und seinem blauen Rennwagen. Ein richtig großer Fan von Autorennen wurde ich allerdings erst, nachdem ich den Zuschlag für die Rolle bekommen hatte. Ich kenne die Namen aller wichtigen Fahrer und kann sie anhand ihrer Autos auseinander halten. In den richtigen Boxen und Garagen zu arbeiten, war ziemlich aufregend und zur gleichen Zeit auch noch gefährlich.?

Die Vorbereitung des Films verlangte es von Ferrell, Reilly und Baron Cohen, dass sie die Grundzüge des Fahrens mit Stockcars lernten, die immerhin mit Geschwindigkeiten von ungefähr 300 Stundenkilometern über die Rennstrecke brettern. Gemeinsam mit Regisseur McKay ließen sie sich auf einen (nicht wörtlich gemeinten) Crashkurs auf dem Lowe?s Motor Speedway ein, um auch bei hoher Geschwindigkeit auf dem Parcours zu bestehen.

Mit Instruktionen von der Richard Petty Driving Experience dauerte es nicht lange, bis sich die Novizen aus Hollywood einigermaßen wohl hinter dem Steuer eines Rennwagens von NASCAR fühlten. ?Zunächst einmal rast man als Beifahrer mit einem echten NASCAR-Fahrer mit 250 Stundenkilometern über die Strecke. Das war eine der unangenehmsten Erfahrungen meines gesamten Lebens?, gesteht Sacha Baron Cohen.

Nach der Fahrt als Beifahrer mußsten sich die Schauspieler selbst hinter das Lenkrad zwängen. ?Zunächst fuhren wir etwa acht oder neun Runden hinter einem Pace-Car her?, sagt Ferrell. ?Sie brachten uns bei, wie man die richtige Spur auf einer Bahn findet, wie man sich richtig in die Kurven legt. Ich glaube, ich fuhr etwa 220 Stundenkilometer. Man wird sofort süchtig danach.?

Schließlich war es aber Reilly, der sich künftig als ?schnellster Schauspieler der Welt? bezeichnen kann, wie Ferrell betont: ?Ich glaube, John beschleunigte auf 230 Stundenkilometer. Ursprünglich hatten wir eigentlich nur ein Ziel: Wir wollten schneller sein als Britney Spears, die einmal 180 Stundenkilometer gefahren war. Das haben zum Glück alle von uns geschafft.

Nach seinen Erfahrungen auf der Rennstrecke sah Adam McKay die Leistungen der NASCAR-Fahrer mit ganz neuen Augen. ?Wir mußsten nur das Aufheulen der Rennwagen hören, um zu zittern wie verängstigte Hühner?, lacht er. ?Als wir dann selbst fuhren, war das schon ziemlich aufregend, die engen Kurven, das Fahren auf einer um 45 Grad geneigten Strecke. Das war, als würde man eine Wand hochklettern ? wirklich wahnsinnig, weil man gesagt bekommt, man soll auf der Anhöhe beschleunigen, wenn es einem das Gefühl doch befiehlt, langsamer zu fahren. Die Erfahrung war ausgesprochen nützlich, als die Darsteller in voller Montur ihre Szenen auf der Rennstrecke, den Boxen und den Garagen zu drehen hatten.?

Die Boxenstop-Crew des Films bestand aus Michael Clarke Duncan, David Koechner, Ian Roberts und Jack McBrayer, die eine eigens für sie eingerichtete ?Boxenschule? besuchten, in der man ihnen beibrachte, wie man Autos aufbockt, Reifen wechselt und Rennwagen in Rekordzeit wieder auftankt. Ferrell machte ebenfalls mit, weil auch er ein echter ?Jackman? werden wollte ? die Person, die die Verantwortung für das Aufbocken des Autos für Reifenwechsel trägt.

?Als Chef der Boxen-Crew mußste ich nicht viel mehr lernen, als den anderen Jungs zu sagen, was sie tun sollen?, erinnert sich Duncan, der Lucius Washington spielt. ?Ich trug meine Shorts und mein Tanktop und scheuchte sie herum, weil das mein Job ist. Den Jungs lief zwei Stunden der Schweiß in Strömen herunter, weil diese Reifen 30 Kilo wiegen. Die echten Boxenstop-Crews von NASCAR sind Athleten ? Foot- und Baseballspieler, die man wegen ihrer sportlichen Fähigkeiten und Ausdauer ausgewählt hat.?

Nach ein paar Stunden anstrengenden Unterrichts waren die Schauspieler tatsächlich in der Lage, einen kompletten Boxenstopp in nur 22 Sekunden abzuwickeln. ?Echte NASCAR-Crews schaffen es in 13 Sekunden? gesteht Roberts, der das Boxen-Crewmitglied Kyle spielt. ?Selbst als wir es in 22 Sekunden schafften, war uns schmerzhaft bewusst, dass uns ein solcher Boxenstopp in einer echten NASCAR-Veranstaltung wahrscheinlich das Rennen kosten würde.?

?Ich war ziemlich beeindruckt, als wir das in 22 Sekunden schafften?, gesteht Will Ferrell. ?Ein paar der Fahrer erzählten mir, dass 22 Sekunden in einer niedrigeren Liga wie der Bosch-Series oder den ARCA-Races eine respektable Zeit wären. Man könnte also sagen, dass wir durchaus wettbewerbsfähig waren. Jetzt habe ich etwas, auf das ich bauen kann, wenn das mit der Filmerei mal den Bach runter geht.?

NASCAR setzte alle Hebel in Bewegung, damit die Produktion vollen Zugang zu ihren Speedways erhielt und zugleich die Sicherheit der Filmleute gewährleistet war. Jeder war dazu verpflichtet, Ohrenschützer zu tragen und wurde darauf hingewiesen, zu jeder Zeit auf die rasend schnellen Autos und andere Gefahren, die auf einer Rennstrecke lauern, zu achten. Für viele der Szenen auf dem Lowe?s Speedway und dem Talladega Superspeedway war große Geduld nötig, weil die Produktion nur dann in einer Box drehen konnte, wenn diese geräumt, d.h. nachdem das entsprechende Auto aus dem Wettbewerb gestrichen worden war.

?NASCAR war ungemein hilfsbereit?, sagt McKay. ?Sie waren völlig offen und großzügig zu uns, von Anfang bis Ende. Wir gewannen auch die Unterstützung der Teambesitzer und Fahrer. Ohne sie hätten wir niemals den freien Zugang zu allen Orten erhalten, wie wir ihn schließlich für den Dreh besaßen. Trotzdem war es hart, die tatsächlichen Rennen zu filmen, weil wir immer warten mußsten, bis wir eine Garage oder eine Box verwenden konnten. Und wenn dann mal eine frei wurde, mußsten wir sofort alle Positionen besetzen, um so schnell wie möglich mit dem Filmen loslegen zu können.?

Die Boxen-Crew des Films arbeitete während der Rennen auf dem Lowe?s und Talladega in den tatsächlichen Boxen. Ein Großteil ihrer Aufnahmen entstand dort vor Ort und in den Garagen. Ein Großteil des Dialogs mußste wegen des ohrenbetäubenden Lärms später zwar in der Postproduktion bearbeitet werden, aber der Produktion war es wichtig, die tatsächliche Hektik eines NASCAR-Events hautnah einzufangen.

Während des Drehs auf den Speedways mischte sich die Produktion unter die echten NASCAR-Crews und -Fahrer, die teilweise in kleinen Rollen im Film zu sehen sind. ?Viele der Fahrer kamen vorbei, um kurz einmal Hallo zu sagen?, erinnert sich Ferrell. ?Und viele fragten, ob sie im Film mitmachen könnten. Wir lernten echte Mechaniker und Boxen-Crews kennen, die ausgesprochen entgegenkommend waren, während wir uns auf ihrem Gelände aufhielten. Teilweise schalteten sie sogar ihre Geräte ab, damit wir die Aufnahmen bekamen, die wir brauchten. Sie waren unglaublich großzügig.?

?NASCAR-Fahrer sind es gewohnt, für das Fernsehen Interviews zu geben oder in Werbespots aufzutreten?, sagt Regisseur McKay. ?Deshalb sind sie entspannt und völlig natürlich. Dale Earnhardt Jr. und Jamie McMurray haben ein paar schöne Momente im Film. Dale war ganz schön komisch. Er hat wirklich ein starkes Gefühl für Komik ? ich war beeindruckt.?

Der Dreh beim 2005 UAW-GM Quality 500 auf dem Lowe?s Motor Speedway stellte die Filmemacher vor weitere Herausforderungen, weil das Rennen nachts stattfindet. Gesonderte Vorsichtsmaßnahmen waren während des Rennens in der Umgegend der Garagen und Boxen vonnöten. Cast und Crew mußsten vor allem auf Autos Acht geben, die zu jedem Zeitpunkt von der Strecke hereinrumpeln konnten.

Der womöglich bewegendste lebensnahe Moment für die Schauspieler kam, als Ferrell, Baron Cohen und Reilly in Talladega den 200.000 jubelnden Rennfans mit den Namen ihrer Filmfiguren vorgestellt wurden. Als Ricky Bobby und Cal Naughton, Jr. ausgerufen wurden, drehten die Menschen regelrecht durch. Aber als der Franzose Jean Girard nach vorne trat, gab es kollektive und ohrenbetäubende Buh-Rufe.

?Adam sagte, dass er sich Sorgen um mich machte, nachdem man mich im Stadion ausgepfiffen hatte?, erzählt Baron Cohen. ?Ich war nicht überrascht von der Reaktion. Es erinnerte mich daran, als ich das letzte Mal in Alabama für meine Show gedreht hatte. Damals spielte ich einen schwulen Österreicher und wurde in einem Footballstadion beim Spiel zwischen Mississippi und Alabama von 90.000 Football-Fans ausgepfiffen. Ich bin da nur deshalb lebendig rausgekommen, weil ich die Klamotten mit einem Tontechniker tauschte.?

Vor der Produktion hatten McKay und die Produzenten mit dem Gedanken gespielt, auf Aufnahmen während realer Rennen zu verzichten. Aber weil es unmöglich war, auf andere Weise an Filmmaterial mit dem Publikum zu kommen und die gesamte Atmosphäre einzufangen, entschied man sich für Filmarbeiten vor Ort.

?Unser ausführender Produzent David Householter überredete uns, es einfach mal zu versuchen?, erinnert sich McKay. ?Er war fest davon überzeugt, dass das Production-Value des Drehs bei einem wahren Rennen durch nichts zu schlagen sei. Es gibt einfach keinen Ersatz für 200.000 vor Begeisterung tobender Fans. Das verleiht dem Film ein Feeling, das man nicht antäuschen kann. Was die Umsetzung anbetrifft, war es illusorisch zu glauben, man könne unsere verrückten Figuren inmitten all der realen Action agieren lassen. Aber wir haben alles in den Kasten gekriegt. Die Rennen waren eine optimale Quelle.?

Kameramann Oliver Wood, der bekannt ist für rasante Actionfilme wie The Bourne Identity (Die Bourne Verschwörung, 2004) und Fantastic Four (Fantastic Four, 2005), arbeitete eng mit McKay, um die Realität der NASCAR-Rennen perfekt einzufangen. ?Oliver ist der Beste, den es gibt, wenn es um Action geht?, berichtet McKay.

?Er glaubt daran, dass jeder Film so gedreht wird, wie er gedreht werden soll. Er hat mich davon überzeugt, dass die Handkamera die optimale Lösung sei. Das ist ungewöhnlich, weil man Komödien selten so dreht. Aber er hatte Recht. So erhielten die Szenen zusätzliche Energie, und die komischen Momente wurden dadurch unterstützt. Weil die Rennen so echt aussehen, macht man sich viel mehr Sorgen um die Figuren. Die Kamerawinkel, die es bei den Zusammenstößen und Stunts zu sehen gibt, sind unglaublich. So sah der Film richtig groß aus. Und genau das war es, was wir im Sinn hatten. Wenn man die Rennen nämlich nicht ernst nimmt, dann nimmt man uns die Geschichte auch einfach nicht ab.?

Zwar sieht man die Schauspieler hinter den Lenkrädern ihrer Autos, aber nur selten sind sie es, die ihre Rennwagens wirklich fahren. Diese Aufgabe fiel ausgebildeten Stuntmännern zu, die bei ihren Aufnahmen über 200 Stundenkilometer auf den Tacho brachten. Die Rennen wurden auf dem Lowe?s, Talladega und einem älteren NASCAR-Kurs, dem North Carolina Speedway (The Rock) in Rockingham, North Carolina, absolviert, der etwa eine Stunde östlich von Charlotte liegt und in den frühen Tagen von NASCAR zu den berühmten Rennstrecken zählte.

?Ich habe den Dreh in Rockingham geliebt, weil es eine der legendären Rennstrecken im Süden des Landes ist?, sagt Ferrell. ?Es ist außerdem der Ort einer meiner gefährlichsten Szenen, als Ricky nach seinem fatalen Unfall ins Renngeschäft zurückkehrt. Er macht sich vor Angst förmlich in die Hosen und traut sich nicht schneller als 40 Stundekilometer zu fahren, während die anderen Fahrer nur so an ihm vorbeirasen. Für diese Aufnahme wurde mein Wagen gezogen, während ich von den anderen Autos mit Tempo 240 überholt wurde.?

Eine weitere riskante Angelegenheit für Ferrell als Ricky Bobby war eine Szene, in der Rickys Vater (Gary Cole) seinem Sohn helfen will, seine Angst zu überwinden, indem er einen lebendigen Puma zu ihm ins Auto sperrt. Zum Glück waren die eingesetzten Raubkatzen, Dylan und Kasey, zahm; sie waren von Steve Berens und seiner Firma Animals of Distinction ausgebildet worden.

?Die Sache mit dem Puma war eine meiner Lieblingsszenen?, gesteht McKay. ?Die wahren Katzen erwiesen sich als liebenswerte und unterwürfige Dinger. Es war gar nicht so einfach, sie wirklich bedrohlich wirken zu lassen. Wir wollten, dass sie fauchen und knurren, aber sie waren wie Kätzchen. Dennoch: Als wir sie aus ihren Käfigen nahmen und zum Set führten, erstarrten alle Mitglieder der Crew förmlich zu Salzsäulen. Ich würde also sagen, wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich jederzeit lieber mit einem zufriedenen als mit einem zornigen Puma arbeiten.?

Für Ferrell war aber nicht der Dreh mit einem lebendigen Berglöwen der am meisten Respekt einflößende Aspekt seiner Arbeit, sondern vielmehr die Tatsache, sich jeden Tag aufs Neue wieder in die dicke Fahreruniform zu zwängen, die man in der Szene als ?fire suit? kennt. ?Es ist, als würde man eine bewegliche Decke tragen?, meint Ferrell. ?Und es wird einem unwahrscheinlich heiß, wenn man sie trägt. Aber es sind auch wunderbare Kleidungsstücke. Vielleicht ist das die nächste große Sache in der Mode ? feuerabweisende Kleidung.?

Der Film wurde in und um Charlotte, North Carolina, gedreht. Hunderte von Einwohnern wurden als Statisten oder zur Unterstützung der Crew verpflichtet. Gemeinden wie Gastonia und Cramerton fungierten als Heimatstadt von Ricky Bobby, das fiktive West River, North Carolina. Girards Anwesen fand man im Herzen von Charlotte. Und Rickys Haus liegt an einem See in der Nähe von Cornelius.

Um die Authentizität des Films noch weiter zu steigern, wurden echte NASCAR-Sportmoderatoren und -Ansager eingesetzt, dazu gehören Analyst Darrell Waltrip, Larry McReynolds, Mike Joy, Benny Parsons, Bill Weber, Wally Dallenbach, Bob Jenkins und Dick Berggren. Mit der Hilfe von NASCAR gelang es den Filmemachern, die Energie der richtigen Rennen auf ihren Film zu übertragen.

?Die Nascar-Elemente sind fantastisch?, freut sich McKay. ?Dazu kommt dann noch die beinahe absurde Komödie von großartigen Comedians wie Will, John, Sacha und Jane Lynch sowie Topschauspieler wie Michael Clarke Duncan, Gary Cole, Amy Adams und Leslie Bibb. Es spricht Einiges dafür, dass wir erstklassige Unterhaltung für ein großes Publikum liefern.?

Durch die Erfahrung des Drehs bei richtigen NASCAR-Rennen wurden viele Mitglieder von Cast und Crew über Nacht zu Fans von Stockcar-Rennen bekehrt. ?Seither sehe ich mir Sonntags alle Rennen im Fernsehen an?, sagt McKay. ?Ich kenne alle Fahrer und ihre Autos. Wenn man dieses ganze NASCAR-Spektakel einmal vor Ort miterlebt hat, mit all den Strategien und Mechaniken, dann mußs man einfach Fan werden. Ein Teil von mir wird immer besessen davon bleiben.?

Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Sony Pictures © 1994 - 2010 Dirk Jasper