Dead or Alive

Produktionsnotizen

Die Helden aus der erfolgreichen Tecmo-Videospiel-Serie "Dead or Alive®" sind in der für Impact Pictures, einer Tochterfirma von Constantin Film, produzierten Verfilmung von Regisseur Cory Yuen (?The Transporter?) für das Kino lebendig gemacht geworden.

Die Realität der Virtual Reality Fast durchweg gefilmt in den chinesischen Zhejiang Hengdian World-Studios sowie vor der wundervollen Naturkulisse des Yuzi-Paradieses in Guilin, vereint das Action-Kinoabenteuer DEAD OR ALIVE ein internationales Cast von aufstrebenden Stars und Weltklasse-Athleten. Alle zusammen liefern die außerordentlichsten Martial-Arts-Kampfszenen, die jemals auf Film gebannt wurden.

Regisseur Yuen, der seine Karriere als Stunt-Double für niemand Geringeren als die Martial-Arts-Ikone Bruce Lee begann, gehört mittlerweile zu jenen respektierten Filmemachern und Kampfchoreographen, die in der China Drama Academy ausgebildet wurden (einer seiner Mitabsolventen war auch Jackie Chan). Yuens bislang hochgelobtes Talent als furioser Action-Filmer erreicht mit DEAD OR ALIVE ? buchstäblich ? neue Höhen.

Die "Dead or Alive®"-Reihe aus der japanischen Software-Schmiede Tecmo wurde vom Internetportal www.gamespot.com als "eines der visuell erstaunlichsten und tiefgründigsten Kampfspiele" bezeichnet, das "mit prächtigen Szenerien, blendenden Effekten und außergewöhnlichen Charakteren" auf den Markt gebracht wurde. Fans auf der ganzen Welt nahmen dieses Spiel begeistert auf und haben es mit sechs Millionen Kopien zu einem der bislang meistverkauften Videospiel-Serien gemacht.

Für Produzent Paul W.S. Anderson ist einer der Gründe, warum er und seine Partner so begeistert davon waren "Dead or Alive" auf die Leinwand zu bringen folgender: "Wir sind alle große Fans dieses Videospiels und ich selbst habe es oft genug gespielt. Tatsächlich ist es multikulturell angelegt, denn unterschiedliche Menschen kommen dort zusammen. Während der Produktionsphase taten wir dann genau dasselbe: Wir heuerten von überall her das beste Team an."

Eine der Herausforderungen, um aus dem interaktiven Videospiel einen Kinofilm zu machen, war die Schaffung eines soliden erzähltechnischen roten Fadens. Dieser mußste zwar aus einer einzigen erzählerischen Quelle stammen, die allerdings auf Basis der gewollten spontanen Interaktionen der Video-Gamer derart konzipiert ist, dass mehrfache Plots und Spieleffekte möglich sind. Regisseur Cory Yuen packte dieses dramaturgisch schwierige Vorhaben auch, wen wundert's, mit eiserner Hand an.

"Das Spiel selbst wird ja durch ein menschliches Wesen gesteuert, was an sich schon erstaunlich ist ? aber dieser Film ist wirklich sehr ALIVE. Er ist weitaus menschlicher angelegt als das Spiel, das auf einem PC oder einer Xbox gespielt wird." Und Yuen fügt hinzu: "Die Action ist zwar die Grundlage des Films, aber die Freundschaft unter den Mädchen und die Tatsache, wie und warum sie sich von Konkurrentinnen zu Freundinnen weiterentwickeln, ist ebenfalls ein wichtiges Element."

Und dann gab es noch die Herausforderung bei den Special Effects: Wie lassen sich zeitgemäße CGI-Animationen (Computer Generated Imagery) mit lebendigen Menschen an echten Schauplätzen neu darstellen? Den eher einfachen Weg verwerfend, die meisten Actionszenen vor einem grünen Hintergrund im Studio aufzeichnen zu wollen, entschied sich Yuen vielmehr für die einzigartigen Möglichkeiten, die ihm sportliche Schauspieler bieten können.

Sie sind ja genau dafür ausgebildet, um atemberaubende Stunt-Szenen vor einer beeindruckenden Landschaftskulisse zu absolvieren. Er lehnte es ab, sich durch reale oder eingebildete Beschränkungen von der Verwirklichung eines lebensechten Spielfilms abhalten zu lassen. "Wenn man Geld und Phantasie hat, kann man alles erreichen", bringt es Yuen auf den Punkt.

Der Herausforderung, aus einem Computerspiel einen Kinospielfilm zu entwickeln, war natürlich auch die Besetzung unterworfen - vier Sprachen wurden auf dem Set gesprochen: Englisch, Kantonesisch, Mandarin und Deutsch. Zugleich übte die Ehre, als erste westliche Filmproduktion überhaupt in den berühmten chinesischen Hengdian World-Studios drehen zu dürfen, einen nicht unbeträchtlichen Druck auf das Team aus.

Yuen gibt einerseits zu, dass es sicherlich einfacher gewesen wäre, die dramatischen Kampfsequenzen im Rahmen der Postproduktion künstlich nachzustellen. Aber jeder, der Yuens Mitarbeit am erfolgreichen internationalen Action-Thriller ?The Transporter? verfolgt hat, begreift andererseits, dass das Wort "einfach" kein Bestandteil im Wortschatz dieses Meisterregisseurs ist.

"Die Charaktere im Spiel und im Film sind sich zwar sehr ähnlich, aber diese zwei Medien sind eben auch sehr unterschiedlich", erläutert Yuen. "Es ist verhältnismäßig einfach, heutzutage einen Actionfilm zu realisieren, wenn man CGI einsetzt. Das war natürlich anders, als ich beim Film anfing. Damals mußste noch eine ganze Abteilung von Zeichnern sorgfältigst jedes Filmbild nachbearbeiten, um die für die Kampfszenen gespannten Drähte zu übermalen.

Allerdings gibt es auch eine weniger schöne Seite bei der Verwendung von Computer Generated Imagery (CGI): Sie ist längst nicht so aufregend wie das reale Arbeiten. Wenn Schauspieler vortäuschen müssen, dass eine Situation rasant oder sogar gefährlich ist, wird das Publikum in der Regel diesen Unterschied bemerken ? egal wie gut die Schauspieler agieren."

"Ich habe mein ganzes Leben lang Videogames gespielt, und 'Dead or Alive' ist einfach ein geniales Kampfspiel", meint Hayabusa-Darsteller Kane Kosugi. "Verglichen mit anderen Spielen sind die Girls hier alle auch noch wirklich stark. Jeder dieser Charaktere ist anders angelegt, und daher bin ich sehr begeistert, an diesem Film mitgewirkt zu haben, weil alle Schauspieler wie ihre Spielcharaktere aussehen und ihre Bewegungen genau einstudiert haben."

Zack-Darsteller Brian White bringt das ?Vom-Spiel-zum-Kinofilm-Verwandeln? für DEAD OR ALIVE kurz und knapp auf den Punkt: "Es war ein vollkommener Spaß. Und ich bin der Meinung, dass wir bei einem Film wie unserem, dessen Dreharbeiten nun einmal so viel Spaß bereiteten, nichts anderes als alles richtig gemacht haben!"

Der Live-Charakter von "Dead or Alive" Auch wenn sich Cory Yuens eigenwillige und kompromisslose Methode des Actionfilmens durch den gesamten Film zieht, müssen sich die vielen treuen Fans des "Dead or Alive"-Spiels keine Sorgen machen, dass in der Leinwandadaption allzu viel verändert worden ist. Alle ihre Lieblingskämpfer sind weiterhin auch als solche erkennbar. "Wir sehen exakt so aus wie die Charaktere im Spiel", erklärt etwa Holly Valance. "Es ist wirklich erstaunlich, wie wir Schauspieler mithilfe von Frisuren, Make-up und Garderobe in diese Spielfiguren verwandelt wurden."

Valance gibt indes auch zu, dass sie vor dem Dreh das Spiel nicht kannte. "Ich bin kein großer Game-Fan", sagt sie. Aber im Laufe der Dreharbeiten hat sie dann doch die Leidenschaft gepackt. "Ich habe eine Menge anderer Spiele ausprobiert, nur um herauszufinden, dass 'DOA' letztlich dasjenige ist, das ich auch wirklich bedienen kann. Also spiele ich es mittlerweile regelmäßig und bin recht gut dabei geworden."

Devon Aoki wurde durch ihren kleinen Bruder in die Welt von "Dead Or Alive" eingeführt. "Er war damals 15 und ein großer Fan. Er erklärte mir, dass Prinzessin Kasumi wirklich cool sei und er mich töten würde, wenn ich nicht am Vorsprechen für die Verfilmung teilnähme! Nachdem ich die Rolle bekam, habe ich das Spiel mit meinem Bruder zum ersten Mal gespielt. Und dabei ist mir klar geworden, warum es so viele Fans davon gibt. Daher haben wir versucht, unsere Charaktere so nah wie möglich an den Spielfiguren auszurichten."

Auf dem Set wurden die Schauspieler sogar mit Xbox-Spielkonsolen ausgerüstet, auf denen "Dead Or Alive" installiert war. "Es ist in der Tat surreal, mit dem Rest der Besetzung irgendwo herumzusitzen und seinen eigenen Spielcharakter nachzuspielen", sagt Brian White, der im Film den Straßenkämpfer Zack verkörpert. "Klar, es ist ein tolles Spiel ? mit schnellen Schnitten und voller Action."

Aber es gab seiner Meinung nach einen viel wesentlicheren Grund, die Schauspieler am Desktop spielen zu lassen. "Als ich Zack im Game nachspielte, konnte ich mir einige seiner Bewegungen und seine Angewohnheiten aneignen, um diese letztlich in meinen Filmcharakter zu transferieren", sagt White.

Sarah Carter meint ihrerseits, den wahren Grund für den Erfolg des Spiels zu kennen. "Alle Charaktere sind mit einer solchen Detailgenauigkeit entwickelt worden. Alle weisen ihre jeweils eigene Art des Kämpfens oder ihrer Garderobe auf, und zudem hat jede Person eine persönliche Hintergrund-Story. Daher ist es für mich wichtig, dass man sich in seiner Rolle auch wie ein Kämpfer fühlt."

Holly Valance schließt sich dieser Meinung an, indem sie die Wichtigkeit der Beibehaltung von Aussehen und Charakter-Persönlichkeit unterstreicht. "Ich habe mir die Beschreibung von Christie auf allen Internet-Foren angesehen. Dabei konnte ich auch jede Meinung über ihre Persönlichkeit und darüber, wie sie für die Fans zu sein hat, genau studieren. Es ist wirklich eine Herausforderung gewesen, weil es so viel 'Leben' darzustellen galt. Die Fans kennen nämlich ihre Figuren aus dem Effeff."

Natassia Malthe mußste die Rolle und vor allem den einzigartigen Look von Ayane übernehmen. "Ich selbst trage langes schwarzes Haar, daher war ich ein wenig skeptisch, als ich einen kurzen violetten Haarschnitt verpasst bekommen sollte. Aber meine Frisur kam dann ganz groß heraus. Und ich liebe diese Kostüme, weil sie so glatt, fest und sexy sind. Gleichzeitig kann man sich in ihnen aber auch hervorragend bewegen."

Mit einer Körpergröße von 2,08 Metern mußste sich der Profiwrestler Kevin Nash nicht gerade selbst "verlängern", um in die Rolle der Spielfigur Bass schlüpfen zu können. "Der Videospiel-Charakter ist ja ebenfalls Profiwrestler. Vor zwei Jahren hatten mein Sohn und ich das Spiel bereits gespielt, und als man mich dann einlud, einige Dialoge des Bass probehalber zu sprechen, wusste ich genau, was mich erwartete. Und fünf Tage später saß ich im Flugzeug Richtung China!"

Matthew Marsden verkörpert die Rolle von Max, der sich charakterlich sehr von den anderen Figuren unterscheidet. "Er ist ein Spaßvogel, daher ist diese Rolle eher komödiantisch angelegt, zumal Max selbst ja nicht kämpft. Das war nun eine tolle Angelegenheit im Vergleich zu der Körpergröße der anderen Kerle im Film", gibt Marsden scherzend zu.

Einer jener "anderen Kerle" ist Derek Boyer, der die Rolle des Bayman übernommen hat. Boyer vertrat seine Heimat Australien in der "World's Strongest Man Competition", zudem hält er einen Eintrag im "Guinness-Buch der Rekorde", weil er das schwerste Fahrzeug der Welt (ein 52-Tonnen-Truck) eigenhändig von der Stelle bewegte. Aus einer Laune heraus wollte Boyer sich auch in der Schauspielerei versuchen. Nachdem er als Debütant erste Probeaufnahmen absolviert hatte, wurde er auf der Stelle für DEAD OR ALIVE verpflichtet.

"Das war eine ungemein wichtige Erfahrung, die ich sehr genossen habe. Ich habe jeden meiner Kollegen genau beobachtet, habe alles aufgesogen und dabei einen kühlen Kopf bewahrt. Aber eigentlich sollte man dies sowieso immer tun, wenn man sich für ein neues Terrain interessiert", sagt Boyer. "Überdies weiß ich genau, wie die Videogame-Fans ihren Bayman betrachten. Daher war es nicht schwer, in dessen Haut zu schlüpfen und gleichzeitig meine eigene Interpretation dieser Rolle zu spielen. Ich glaube, ich habe das ganz gut hinbekommen."

Das Wort "Training" erhält eine völlig neue Bedeutung Authentizität hat ihren Preis, was auch die Schauspieler von DEAD OR ALIVE am eigenen Leib erfahren durften. Alle Cast-Mitglieder wurden nämlich einem strapaziösen Trainingsprogramm unterzogen, um sie für ihre Real-Life-Rollen und für jene extremen Martial-Arts-Kunstfähigkeiten fit zu machen, die schließlich auch von ihren digitalen "Kollegen" im Spiel absolviert werden.

Natürlich erfreuten sich während der Dreharbeiten alle Haupt- und wichtigen Nebendarsteller bester Gesundheit und waren körperlich in Topform. Jaime Pressly, die die Super-Catcherin Tina Armstrong verkörpert, trainiert bereits seit Jahren als Turnerin, Tänzerin und Kickboxerin.

Sarah Carter, im Film die furiose Rollerbladerin Helena Douglas, war früher eine professionelle Tänzerin beim kanadischen Royal Winnipeg Ballett. Und Model-Schauspielerin Devon Aoki kann auf eine Ausbildung in fernöstlichen Kampftechniken zurückblicken, doch war sie während der Dreharbeiten eine unter den Ersten, die zugeben mußste: "So hart trainiert wie für diesen Film habe ich bisher in meinem Leben noch nie."

Drei Monate bevor die Kameras liefen, begannen die Schauspieler mit ihrem intensiven Trainingsprogramm. "Jeder von uns bekam drei Stuntleute zugeteilt, die uns trainierten", berichtet Aoki. "Während des ersten Teils unseres Trainings konzentrierten wir uns auf die Stärkung unseres Kreislaufs mit Hilfe von Springseil-, Lauf- und Dehnungsübungen. Später waren die regulären Kampftechniken an der Reihe: Faustkampf, Kickboxen und traditionelles Boxen, immer vor dem Hintergrund der vorgegebenen Martial-Arts-Bewegungen. Am Ende gab es noch ein Gewichtetraining mit einem Bodybuilder. Das war ziemlich kräftezehrend."

Zum Vergleich: Für ihren vorletzten Film ?Sin City?, bei dem sie ebenfalls einen Großteil der Stuntszenen selbst übernommen hat, trainierte Devon Aoki lediglich zwei Wochen!

Laut Jaime Pressly wurde das intensive Körpertraining sogar noch härter, als die Schauspieler an ihrem Arbeitsplatz in China eintrafen. Zuletzt umfasste die tägliche Trainingszeit bis zu neun Stunden. "Ich bin mein ganzes Leben eine Sportlerin gewesen, mit Tanz, Turnen und Kickboxen. Trotzdem war dieses Training für mich eine ziemlich harte Zeit, die wir für den Film nichtsdestotrotz durchziehen mußsten. Aber auch eine Hilary Swank hatte schließlich hart trainieren müssen, um als Boxerin in ?Million Dollar Baby? wirklich authentisch rüberzukommen."

Holly Valance erzählt, dass die Vorbereitungen auf ihre Rolle der Trickdiebin Christie beides zugleich waren: lohnenswert und ? sehr schmerzvoll. "Wir trainierten fünf bis sechs Stunden am Tag ? und das über Monate! Ich habe dabei Schmerzen in Teilen meines Körpers kennen gelernt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren. In den ersten drei Wochen unserer Trainingsphase war ich fast am Ende. An den freien Wochenenden mußste ich mehr Zeit dafür aufwenden, meine blauen Flecken mit Make-up zu übertönen, als ich normalerweise brauche, um mein Gesicht zurechtzumachen", lacht sie im Nachhinein.

Letztlich hat sie sich jedoch durch das Powertraining durchgebissen und war selbst überrascht über die Resultate. "Es war spannend mitanzusehen, wie ein strammes Training den eigenen Körper verändert. Man fühlt sich danach so leistungsfähig wie nie zuvor." Das auszehrende Fitnesstraining hatte sich also ausbezahlt. Die Schauspieler konnten bald die meisten ihrer Stunts selbst ausführen, etwa das Hochklettern an Klippen, das Herunterspringen von Balkonen, Fallschirmspringen oder das Klettern über hohe Mauern.

Sarah Carter war dann auch dankbar für das Training, denn in einer Szene hatte sie gegen 24 Ninja-Wächter und Geishas anzutreten ? und das auf den Absätzen von 450 Betonstufen, die eigens an einem Tag errichtet worden sind. "Ich mußste zwei 7,5 Kilogramm schwere Samuraischwerter in den Händen halten und hatte mich daher für diese Kampfszene sehr zu konzentrieren. Es war definitiv eine schwierige Angelegenheit, aber ein Adrenalinstoß kommt eben nicht ohne die dazugehörige Herausforderung. Die Stunts waren wirklich fantastisch."

Trotzdem bleibt im Nachhinein die Frage im Raum stehen, ob es nicht einfacher gewesen wäre, wenn man professionelle Stuntleute verpflichtet hätte. "In erster Linie haben Schauspieler nur Schauspieler zu sein. Regisseur Cory Yuen und ich stimmten überein, dass das Spielen höchste Priorität haben mußs", erklärt Produzent Jeremy Bolt.

"Ich fand es aber zugleich angemessen, die Darsteller eine so lange Zeit trainieren zu lassen. Mir war von Anfang an klar, dass sie alle jung und gesund waren und dass wir sie mit Hilfe von Corys unglaublichen Trainern in Topform bringen konnten", so Bolt weiter. "Aber die Hauptsache blieb die Ausarbeitung der Rollen. Denn letztlich kennen die Fans die Spielfiguren und deren Hintergrundgeschichten. Daher müssen die Schauspieler absolut überzeugend in ihren Rollen agieren."

Aber nicht alle Darsteller waren Novizen in fernöstlicher Kampfkunst. "Kane Kosugi und Collin Chou sind großartige Kampfkünstler. Und Jaime Pressly ist vermutlich die beste Fighterin auf der Welt. Alle drei hatten bereits vor den Dreharbeiten eine Ausbildung auf diesem Gebiet. Die anderen mußsten allerdings die Martial-Arts von der Pieke auf lernen", sagt Bolt.

Kane Kosugi, selbst Träger eines Schwarzen Gürtels in Tae Kwon Do und Karate, war nach eigenen Worten ziemlich baff, als er das erste Mal seinen Kolleginnen gegenüberstand. "Als ich in China eintraf, hatten wir gleich eine komplette Trainingseinheit zusammen. Und sie waren wirklich gut, super in Form und muskulös, und auch ihre Faustschläge und Tritte waren nicht von schlechten Eltern. Ich war echt überrascht und sogar ein wenig besorgt. Daher beschloss ich, eben noch härter zu trainieren!"

Auch Brian White war hin und weg von den kämpferischen Fähigkeiten der weiblichen Darsteller. "Ich denke, die Leute werden überrascht sein, wenn sie den Film zu sehen bekommen. Diese Mädchen sind richtig taff!"

Ein kleines, aber bald gelöstes Übersetzungsproblem! Während jedes englischsprachige Mitglied des Schauspielerensembles einen persönlichen Übersetzer für die chinesische Hochsprache Mandarin zugeteilt bekam, mußste auch Regisseur Cory Yuen die Hilfe eines Übersetzers in Anspruch nehmen, um mit seinem Team zu kommunizieren, da er kein sicheres Englisch spricht. Für Jaime Pressly aber war das gar nicht schlimm.

"Ich habe Cory auch ohne Übersetzer verstanden. Er ist nämlich auf seine Weise sehr charismatisch", findet sie. Einmal, so fügt sie an, kam während einer "Diskussion" über eine anstehende Kampfszene eine Übersetzerin ans Set, die auch gleich mit ihrer Arbeit begann. "Ich erklärte ihr, dass ihre Anwesenheit überhaupt nicht notwendig sei. Denn ich konnte ganz genau von Corys Augen ablesen, was er von mir verlangte."

Um jedoch sicherzustellen, dass keine Anweisung im Strudel der Übersetzungen verloren ging, führte Yuen ein besonderes Storyboard-System ein, um optisch deutlich zu machen, wie er sich die jeweiligen Szenen gedacht hatte. "Weil es dann doch für viele Schauspieler neu war, während des Drehs die vorgegebenen Kampfbewegungen auszuführen, sah ich im Gebrauch von Storyboards eine wesentliche Erleichterung", sagt Yuen.

"Durch dieses Hilfsmittel konnten wir eventuelle Kommunikationsbarrieren überwinden. Auch wenn man einen bestimmten Bewegungsablauf noch so gut in Worten auf seine visuelle Auflösung hin erklärt, so verstehen einen die Schauspieler meist wesentlich besser, wenn sie ihn bildhaft vor Augen haben." Also wurden an jedem Abend die für den nächsten Tag anstehenden Dialoge zusammen mit Close-up-Zeichnungen der jeweiligen Gesichtsmimik an die Schauspieler ausgeteilt.

Collin Chou, ein Schauspieler mit einem beträchtlichen Erfahrungsschatz in fernöstlichen Kampftechniken, gibt Yuen gewaltige Vorschusslorbeeren für dessen choreographische Planung. "Cory und ich haben einen langen Weg zusammen zurückgelegt. Er hatte mich bereits mit 18 Jahren für meine erste Rolle verpflichtet. Unsere Beziehung ist sehr eng und ich kann mich daher auch gut in seine Gedankenwelt hineinversetzen. Wir waren ein großartiges Team."

"Er ist ein Genie und ein Visionär. Und er ist der fantastischste Regisseur, mit dem ich bis dahin gearbeitet habe", erklärt Sarah Carter. "Ich hatte nie ein Problem, ihn zu verstehen. Er geht an jede Einstellung mit der gleichen Leidenschaft heran, und dabei legt er mehr Energie an den Tag als mancher seiner Kollegen. Wer sich diesen Film anschaut, wird nicht glauben, dass die Actionszenen wirklich real sind und nicht per CGI nachbearbeitet."

Als Martial-Arts-Künstler und selbsternannter Spiritualist teilt auch Silvio Simac die Einschätzungen seiner Mitschauspieler. "Cory weiß wirklich, wie er das Beste aus seinen Darstellern herausholen kann. Er kitzelt alle Stärken aus ihnen, und er ermuntert sie dazu, sich umfassend vorzubereiten und genügend zu üben. Ich schätze diese Arbeitsweise sehr, wie er Dinge visualisiert und wie er somit Magie auf die Leinwand zaubert."

Eric Roberts ist davon überzeugt, dass es eben genau Yuens vielfältige Erfahrung als Martial-Arts-Experte, Stuntman, Schauspieler und vor allem als Regisseur ist, die sich in dieser besonderen Art des Filmemachens niederschlägt.

"Seit den Filmen von Bruce Lee hat man nicht mehr solche Actionszenen gesehen wie in unserem Film. Cory Yuen und seine Armee aus Stuntleuten sind unglaublich. Er hat wirklich einen Film über die Schönheit des fernöstlichen Kampfsports zustande gebracht, und das beharrlich unter den Vorgaben des Videospiels 'Dead or Alive'. Die Actionszenen jedenfalls sind atemberaubend. In den Händen eines Meisterchoreographen wie Cory Yuen wird es dann auch verständlich, warum man diese Sportarten Kampfkünste nennt. Es ist so, als würde man sich Kunstwerke ansehen."

Dreharbeiten In China: West meets East Auch wenn Cory Yuen ganz zu Anfang konstatierte, dass DEAD OR ALIVE gut auch an anderen Schauplätzen ? etwa in den Vereinigten Staaten oder in Australien ? hätte gedreht werden können, entschied er sich trotzdem ganz bewusst, den Film in China zu drehen. "In unserem Film haben etliche der Charaktere einen asiatischen Hintergrund, und zudem sind die Kostüme nach orientalischen oder japanischen Vorlagen konzipiert", sagt er. "Zudem kenne ich China und kann daher hier die Arbeitsqualität und das Budget viel besser kontrollieren."

Der Wunsch, die fernöstliche Authentizität beizubehalten, um dem Film eine asiatische bzw. orientalische Note zu verleihen, war also der Hauptgrund, um die Dreharbeiten durchgängig an Standorten in China bzw. in Hongkong anzusiedeln. Die meisten Einstellungen wurden in den Hengdian World-Studios realisiert, wo auf einem beeindruckenden 25,6 Quadratkilometer großen Freigelände 13 Einzelsets errichtet waren, darunter auch die Kulisse der "Verbotenen Stadt" in Peking, in der bereits der umjubelte Kinofilm ?Hero? gedreht wurde.

Eine weitere atemberaubende Location war das Yuzi Paradise, das am Rande der südchinesischen Stadt Guilin zu finden ist. Diese Region ist bekannt für ihre erstaunlichen Landschaftsformationen, ihre üppige Vegetation und ihre merkwürdig geformten Karsthügel. Das Yuzi Paradise ist zudem Enklave für weltberühmte Bildhauer, die ihre Skulpturen ganz bewusst in dieser Idylle realisieren, wo sich Kunst und Umwelt gegenseitig befruchten.

Production Designer James Choo begann rasch, einen Filmlook zu kreieren, der westliche und asiatische Stile vereint. Dabei hatte er immer die besondere Nähe zum Sujet im Hinterkopf, damit der Film DEAD OR ALIVE auch von der Game-Fangemeinde akzeptiert werden würde. Choo suchte nach einem zeitgemäßen und kurzweiligen Mix der Kulturen.

"Wir haben ganz bewusst Einstellungen vor dem Hintergrund großartiger Palastanlagen mit zeitlosen orientalischen Motiven mit Drehplätzen kombiniert, die wiederum einen deutlich modernen westlichen Touch haben: etwa das Innere eines Düsenjets oder das High-Tech-Hauptquartier von DOA", erläutert Choo. "Wir wollen die Aufmerksamkeit des Publikums von der Vergangenheit auf die Gegenwart und letztlich in eine phantastische Zukunft lenken."

Kostümdesigner Frank Helmer leitete seinerseits eine Mannschaft aus zehn ausgesuchten Schneidern, die für die Kreation der Originalkostüme zuständig waren. Ungefähr 80 Prozent der Kostüme mußsten für DEAD OR ALIVE neu konzipiert und genäht werden.

"Die Materialien waren hauptsächlich Seidenstoffe (Charmuse, Pupioni, Chinaseide und Brokate) sowie Leinen. Die 200 Kostüme für die Ninja-Kämpfer basierten ihrerseits auf einer- meiner Ansicht nach gelungenen- Mischung aus Baumwolltuch mit Lederapplikationen und wohlgeformten Kunststoffrüstungen, verziert mit zeitgenössischen Motiven. Nicht zu vergessen die Seidenschärpen und Stirnbänder."

Helmer ließ sich für den Look seiner Kostüme ebenfalls von den Vorgaben des Games inspirieren. Er stand dabei vor der gewaltigen Herausforderung, die digitalen Vorgaben für echte menschliche Schauspieler, die zudem noch unter extremen Belastungen agieren, zu realisieren.

"Wir mußsten sicherstellen, dass diese Kleidungsstücke auch die intensivsten Actionsequenzen überstehen, andererseits konnten wir auf die Hitze und die Feuchtigkeit eines chinesischen Sommers keinen Einfluss nehmen. Einige Stoffmuster mußsten wir daher gleich ablehnen, da sie unter diesen Umständen in Sekundenschnelle ruiniert worden wären. An einem Tag beispielsweise sind gleich fünf der Ninja-Darsteller vor Hitze in Ohmacht gefallen."

Während der Dreharbeiten entdeckten die Schauspieler aber auch etliche gravierende Unterschiede zwischen dem gewohnten Arbeiten in Hollywood und der chinesischen Filmkultur. So gab es etwa kein ausgewiesenes Catering am Set, sondern es wurden lediglich Wasser, Tee und Kaffee angeboten.

"Jeder Tag war ein Sprachwirrwarr", erinnert sich Holly Valance. "Dieser radikale Wechsel der Kulturen hat mir die Augen geöffnet. Das Essen, die Betten, ja sogar die Luft waren dort anders. Für jene von uns, die noch nie in China gewesen waren, wurde da die Welt, so wie wir sie kannten, irgendwie auf den Kopf gestellt. Man lernt, sich anzupassen und auch die Hilfe von anderen anzunehmen."

Für China-Newcomerin Sarah Carter waren diese Erfahrungen aber auch eine vortreffliche Übung, um sich einer Kultur auszusetzen, die vollkommen anders war als alles, was sie bisher gekannt hatte. Und zugleich war ihr diese Fremdheit vertraut. "Man kann zwar die Sprache oder sogar die Kultur zunächst nicht verstehen, aber man ist doch gleich von der Herzlichkeit der chinesischen Bevölkerung angetan. Diese Menschen sprechen mit ihren Herzen, was ja schließlich eine wortlose Universalsprache ist."

Eric Roberts erinnert sich an den nachhaltigen Kontrast zwischen abgelegenen Gegenden in China und denen in den USA. "Ich habe ganze Familien gesehen, die in Lehmhütten leben und allesamt auf den Reisfeldern arbeiten müssen. Und auch wenn sie offensichtlich nicht wirklich glücklich sind, scheinen sie sich ihrem Schicksal ergeben zu haben. Ich habe hier gelernt, wie hart Leben sein kann. Dennoch tragen diese Leute ihr Schicksal mit aufrechtem Kopf. Das gibt dem Wort Würde eine neue Bedeutung."

Produzent Jeremy Bolt offenbart sein ganz persönliches Geheimnis, um eine westliche Filmproduktion erfolgreich in durchführen zu können. "Als westlicher Produzent ist man einfach an bestimmte Arbeitsabläufe gewöhnt. In China allerdings mußs man flexibel sein. Die Dinge laufen schon, aber eben nicht so, wie man es zunächst erwarten würde. Also mußs man einerseits eine entspannte Haltung annehmen und andererseits für alle Eventualitäten gewappnet sein. Wenn Sie in China mit dieser Jetzt-sofort-Attitüde an die Arbeit gehen, werden Sie sehr unglücklich werden", konstatiert Bolt.

Einer der größten Höhepunkte im Rahmen der Produktion war letztlich die Zusammenarbeit mit einer hingebungsvollen Crew. "Die Leidenschaft dieses Teams hängt natürlich mit dem Wunsch zusammen, unter einem Regisseur wie Cory Yuen zu arbeiten. Alle haben sich für ihn aufgerieben, ja sie standen regelrecht Schlange, um ihm zu Diensten zu stehen, und es ging allen dabei nur um den Film ? nicht um eigennützige Interessen. Alle Mitarbeiter sind wirklich sehr leidenschaftlich an die Arbeit gegangen."

"Unser Produkt ist ein neuer Filmtypus, der das bekannte ?Tiger & Dragon?-Feeling nun einer jüngeren Generation nahe bringt", erklärt Devon Aoki. "Zudem werden hier junge Kinozuschauer zum ersten Mal mit dem Konzept 'East meets West' konfrontiert. Der Film gibt einen Geschmack darauf, dass die Welt immer von zwei Seiten betrachtet werden mußs. So haben sich ja auch die Dreharbeiten zugetragen. Es war rührend, wie leidenschaftlich und ergeben die Filmteams in China arbeiten und wie sie Cory verehren."

Szenenfoto
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