Der Fluch - The Grudge 2

Produktionsnotizen

Im Oktober 2004 kam ?Der Fluch - The Grudge? in die Kinos und traf bei Horrorfilm-Fans weltweit voll ins Schwarze. Schon nach ein paar Wochen erbrachte Takashi Shimizus packender Grusel-Thriller ein sensationelles Einspielergebnis von rund US $ 190 Mio an den Kassen. Enthusiastisch feierte das Publikum Shimizus Geschichte vom tödlichen Fluch, der seine Opfer zur Raserei bringt. Und es verlangte nach mehr.


Geehrt von dem großen Erfolg, entschloss sich Shimizu noch tiefer in den faszinierenden, rachsüchtigen Fluch einzutauchen, den er zu aller erst in dem japanisch-sprachigen Horror-Hit ?Ju-On? auf Film bannte. Die Geschichte zum amerikanischen Sequel aber sollte einem ganz neuen Weg folgen, wie Shimizu selbst erklärt: ?Würde DER FLUCH - THE GRUDGE 2 derselben Storyline folgen wie ?Ju-On 2?, hätte ich die Regie nicht übernommen. Ein bloßes Remake hätte mir keinen Spaß gemacht. Die Produzenten aber versprachen mir eine neue Geschichte, und ich selbst war heiß darauf, mich noch tiefer in das Mysterium an sich und in seine neuen Opfer zu vergraben.?

Drehbuchautor Stephen Susco, der schon den ersten Teil adaptiert hatte, bekam die Chance, seine eigene Phantasie in Sachen ?Grudge?-Legende spielen zu lassen. ?Wir wussten, dass wir bahnbrechende Ideen brauchten, um diese an sich schon explosive Story zu vertiefen und zu bereichern. Insofern war der Entwicklungsprozess viel intensiver als im ersten Teil. Wir arbeiteten uns durch eine Reihe von Storylines und Myriaden von Charakteren, und verfeinerten sie solange, bis wir auf den harten Kern, auf eine wirklich unerschütterliche und starke Erzählung, stießen.?

Und Shimizu verrät: ?Das Geheimnis des Fluchs, das im ersten ?Grudge? nicht gelüftet wurde, wird diesmal entschlüsselt. Dennoch werden auch diejenigen, die den ersten Teil oder meine japanischen Versionen nicht gesehen haben, diese neue Geschichte verstehen. Man braucht kein Vor- oder Hintergrundwissen, um vom zweiten Fluch mitgerissen zu werden.?

Ein vielschichtiges Ensemble ?Obwohl das Haus immer noch im Zentrum des Films steht, weitet sich der Fluch in DER FLUCH - THE GRUDGE 2 auf viele verschiedene Orte aus?, verspricht der Regisseur. Jede der neuen Geschichten erforscht das schreckliche Geheimnis hinter dem Fluch und zeigt, wie sich der Bann jenseits des verbrannten Hauses weiter ausbreitet.

Für Amber Tamblyn, Star in DER FLUCH - THE GRUDGE 2, lag die Faszination des Drehbuchs in den ineinander verwobenen Geschichten. ?Als ich das Script las, sprang ich immer zwischen meiner und den Geschichten der andern Charaktere hin und her. Alles war so dicht miteinander verstrickt, dass ich gespannt war, was wohl als nächstes mit den andern Figuren passiert.?

Sarah Michelle Gellar, die in DER FLUCH - THE GRUDGE 2 eine kleine, aber nicht minder wichtige Rolle übernommen hat, zeigt sich vom Sequel begeistert: ?Vom ersten Drehtag an waren sich alle einig, dass dieser Film furchterregender ist als der erste Teil. Das liegt vor allem daran, dass man die verschiedenen Charaktere kennen und lieben lernt. Mit Allison zum Beispiel, die von Arielle Kebbel gespielt wird, fühlt das Publikum mit, bevor sie überhaupt vom Fluch besessen ist.?

Wie sie ihren Filmcharakter mit Persönlichkeit und Tiefgang erfüllte, beschreibt Kebbel selbst so: ?Weil in einem Horrorfilm wie DER FLUCH - THE GRUDGE 2 nicht viel Zeit für Figurenentwicklung bleibt, zeichneten Shimizu und ich Allison so, dass man sie ohne Worte versteht. Schon bei ihrem ersten Versuch, sich den ?coolen? Mädels auf der internationalen Highschool zu nähern, kann man eigentlich nur Mitleid mit ihr haben. Ihre Kniestrümpfe rutschen, ihre braunen Schuhe sind billig, das ganze merkwürdige Outfit bis hin zur linkischen Körperhaltung? wem da nicht das Herz bricht, der hat keins.?

Zwar in Kanada geboren, ist Schauspieler Edison Chen im asiatischen Raum längst ein Mega-Star. Mit DER FLUCH - THE GRUDGE 2 gibt er sein US-Debüt, wobei er genau sagen kann, warum es nur dieser Film sein konnte: ?Das ist mit Sicherheit eines der besten Scripts, die ich je gelesen habe. Vor allem, weil es sehr ins Detail geht, was die Gefühle betrifft, die jeder Schauspieler darzustellen hat.?

Auch Sarah Roemer war von der ersten Minute an vom Drehbuch hingerissen, weil ?es sich tiefer in die Geschichte des ersten Teils gräbt. Man erfährt jetzt alles über den Fluch. Was es allerdings zu einem der besten Horror-Scripts macht, die ich seit langem gelesen habe, ist die Tatsache, dass es so viele verschiedene Perspektiven beinhaltet.?

Der Veteran in der Besetzungsliste, Christopher Cousins, hält das Story-Geflecht für absichtlich irreführend. ?Der Zuschauer mußs sich wohl oder übel in dieser Verwirrung zurechtfinden. Das macht ihn umso aufmerksamer und verletzlicher.?

Ebenso wie Filmpartner Chen glaubt auch Tamblyn, dass DER FLUCH - THE GRUDGE 2 ein ungewöhnlicher, weil stark von den Charakteren getriebener Horrorfilm ist. ?Das Unbekannte wird sehr persönlich. Etwas kommt sehr nah, wird sehr gefährlich, und bleibt doch unerklärlich. Die meisten Horrorfilme nehmen sich nicht die Zeit, so eine Situation zu beschreiben. In diesem Film aber entwickeln sich die Dinge so unheimlich langsam, dass mir sogar schon beim Lesen des Drehbuchs die Schauer über den Rücken liefen! Und genau das ist ja das Wundervolle an guten Horror-Thrillern: Wenn sie es schaffen, das Publikum mit visuell gruseligen Szenen unter permanenter Spannung zu halten.?

Außergewöhnlich ist auch, wie international sich die Schauspielerriege von DER FLUCH - THE GRUDGE 2 zusammen setzt: Amber Tamblyn, Arielle Kebbel, Jennifer Beals, Christopher Cousins, Sarah Roemer, Jenna Dewan und Joanna Cassidy sind US-Amerikaner; Matthew Knight und Edison Chen kommen aus Kanada, Teresa Palmer ist Australierin und Misako Uno Japanerin.

Die Arbeit mit so vielen, kulturell unterschiedlichen Schauspielern, stellte Regisseur Shimizu vor ganz neue Herausforderungen. ?Was nicht-japanische Schauspieler betrifft, bin ich nicht sehr bewandert,? gesteht Shimizu, der mit DER FLUCH - THE GRUDGE 2 erst seinen zweiten englischsprachigen Film drehte. ?Deswegen mußste ich den Produzenten jede Rolle bis ins kleinste persönliche Detail beschreiben, ihnen die Wichtigkeit der Figur innerhalb der Story erklären und wie ich sie mir innerlich und äußerlich vorstelle. Nach diesen Angaben suchten die Produzenten in den USA die amerikanischen Schauspieler aus, während Taka Ichise und ich in Japan die Auswahl trafen.?

Viele der amerikanischen Schauspieler, die in DER FLUCH - THE GRUDGE 2 eine Rolle übernahmen, waren schon große Fans des ersten, englischsprachigen Teils. Umso gespannter sahen sie den Dreharbeiten in Japan entgegen. Nur der 12-jährige Matthew Knight ging nach der Lektüre des Scripts davon aus, dass er die große Reise wohl nicht antreten müsse. ?Als sie mir dann mitteilten, dass auch ich nach Japan fliegen würde, bin ich völlig ausgeflippt.?

Von der kulturellen Vielfalt am Drehort war auch Kebbel hingerissen: ?Abgesehen von der Tatsache, dass ich völlig aus dem Häuschen war, Allison zu spielen ? und das in Tokio für Shimizu ? war es noch mal so aufregend, mit Kollegen aus den USA, Kanada, Japan, Australien und Hong Kong vor der Kamera stehen zu dürfen. Es gab so viel Kulturelles und Traditionelles zu lernen. Es war unglaublich spannend zu erfahren, wie sich ein 16-jähriger, japanischer Popstar wie Misako Uno Amerika und die Amerikaner vorstellt. Und für mich war es eine großartige Gelegenheit, endlich all die Fragen über den japanischen Lebensstil zu stellen, die mir schon immer auf dem Herzen lagen.?

Das düstere Schicksal von Sarah Michelle Gellars Karen verbindet beide Filme. Im flammenden Finale von Teil 1 ist es Karen, die in dem Tokioter Haus Feuer legt, um damit die rachelüsterne Kayako für immer zu beseitigen. Im spannenden Auftakt von DER FLUCH - THE GRUDGE 2 fährt Aubrey, gespielt von Tamblyn, nach Japan, um herauszufinden, was ihrer Schwester Karen zugestoßen ist. Diese Reise setzt einen packenden Thriller in Gang, in dessen Verlauf Karen begreift, ?dass sie ihren Freund verloren hat, und damit auch die Liebe ihres Lebens. Und dass sie in einem Sanatorium festsitzt, die irgendetwas zwischen Krankenhaus und Irrenanstalt ist.? Karens fatale Lage erklärt Gellar so: ?Jeder, der Teil 1 gesehen hat, weiß, dass Karen den Horror und die Frau im weißen Kimono wirklich erlebt hat. Die Charaktere in Teil 2 aber glauben, sie sei total übergeschnappt.?

Nur eine scheint Karen zu glauben: Aubrey. ?Amber Tamblyn ist für diese Rolle einfach ein Glückgriff?, bestätigt Gellar begeistert. ?Ich kenne sie, seit sie 13 ist und ich war schon immer der Überzeugung, dass wir uns recht ähnlich sind ? vor allem in Sachen Weltanschauung und Umgang mit anderen Menschen. Ich glaube, die Produzenten waren sich dieser Ähnlichkeit gar nicht bewusst. Bis sie uns tatsächlich nebeneinander stehen sahen.?

Die Entwicklung von Kayako und Toshio ?Ein japanischer Geist ist immer eine Frau mit langen schwarzen Haaren und einem weißen Kimono?, weiß Shimizu über die traditionellen Horrorbilder in seiner Heimat zu berichten. Das erklärt auch, wie er auf die unvergessliche Kayako in seinen Filmen ?Ju-On? und ?Der Fluch - The Grudge? kam. Kenner dieser Filme wissen bereits, dass Kayakos schwarze Strähnen jedes Opfer umschlingen, wo immer es sich auch grade befinden mag ? im Bett oder in der Dusche. Kurz darauf besiegelt der Fluch ihr Schicksal. ?Früher achteten japanische Frauen sehr auf ihr Haar und pflegten es sorgsam. Sie dachten, langes schwarzes Haar haben eine eigene Seele, was es sehr wertvoll machte. Insofern kann eine Frau mit zerzaustem, wildem Haar nur ein Geist sein. Wirre Haare symbolisieren unterdrückte Gefühle, wie etwa tiefen Groll oder Wut, die nach Rache schreit.?

Auch Kayakos weißer Kimono entspricht asiatischen Gepflogenheiten, weiß Shimizu: ?In Japan kleidet man einen Verstorbenen in einen weißen Kimono, bevor man ihn in den Sarg legt. Weiße Kleidung reinigt die Seele und der Tote kann so in den Himmel auffahren. In diesem Gewand wird der Leichnam eingeäschert. Wenn also eine tote Seele wiederkehrt, tut sie das für gewöhnlich in ihrem Bestattungskleid.?

Aus Haaren und Totengewand kreierte Shimizu eine Geistergestalt, die wahrlich einzigartig und furchterregend ist - nicht nur für die Kinofans in seiner Heimat.

Der markantesten Unterschied zwischen DER FLUCH - THE GRUDGE 2 und Shimizus vorherigen Filmen zeigt sich darin, dass man weit mehr über Kayakos Schicksal erfährt als jemals zuvor. Drehbuchautor Susco ist sich sicher: ?Jeder, der dachte, er wisse schon alles über Kayako, wird in DER FLUCH - THE GRUDGE 2 definitiv eine Überraschung erleben. Diesmal wird enthüllt, was Kayako so in Rage gebracht hat. Der Zuschauer wird begreifen, wie aus ihr diese zwanghaft rachsüchtige Gestalt werden konnte und welche Ursachen in der Vergangenheit schließlich zu den schrecklichen Ereignissen führten, die er aus ?Der Fluch - The Grudge? kennt.?

?Je mehr wir über Kayako wissen?, bestätigt auch Gellar, ?desto emotionaler reagieren wir auch auf die Geschichte. Dem japanischen Mythos zufolge entstehen Geister aus unausgelebten Emotionen heraus. Umso größer ist auch das Mitgefühl, wenn man schließlich Kayakos Wut versteht.?

Den Prototyp für Kayakos schaurig schönen Charakter kreierte Shimizu für seinen ersten dreiminütigen Studentenfilm. Glück und Inspiration ließen ihn schon damals auf das Talent der jungen Schauspielerin Takako Fuji vertrauen ? und nur sie hat Kayako seitdem verkörpert. ?Als ich Takako zum ersten Mal auf der Bühne sah, wusste ich, sie würde mein perfekter Geist sein?, erinnert er sich. ?An diesem Gefühl, dass nur sie diese Rolle spielen kann, hat sich innerhalb von 10 Jahren nicht geändert.?

?Das ?Ju-On?-Franchise wäre ohne sie niemals so erfolgreich geworden?, ist Shimizu überzeugt. ?Es hängt alles vom Detail ab, etwa wie Takako ihre Augen aufreißt. Die meisten von uns würden dabei einfach nur albern aussehen. Bei Takako aber wirkt das völlig natürlich. Sie bekommt davon noch nicht einmal Falten in den Augenwinkeln, was wirklich bemerkenswert ist.?

Fuji kann sich noch gut an ?Katei Homon?, Shimizus Studentenfilm vor 10 Jahren, erinnern. Die Dreharbeiten dauerten nur einen Tag. Die Entwicklung der Rolle, die Fuji nun schon zum sechsten Mal spielt, hat ihre eigene Legende: ?Am Anfang ging es lediglich darum, Kayakos Wut darzustellen. Bei jeden Film aber kamen mehr und nuanciertere Gefühle dazu. Nach und nach verlieh ihr Shimizu auch Angst, Trauer und Hilflosigkeit. Inzwischen spiele ich sie mit einer feinen Mischung aus geisterhafter Rage und menschlichen Emotionen.?

Nur nur der Zuschauer, sondern auch Fuji selbst erfährt in DER FLUCH - THE GRUDGE 2 zum ersten Mal etwas über den Ursprung von Kakayos Wut. Doch um nicht zu viel zu verraten, deutet sie nur an: ?Die Art der Anweisungen, die mir Shimizu gab, hat sich bei diesem Film stark verändert. Seine Ideen überraschen und begeistern mich immer wieder.?

Tamblyn, die es in einigen Szenen mit Kayakos Geist zu tun bekommt, ist für ihre Kollegin voll des Lobes: ?Hinter der Kamera ist Takako ein liebes, witziges Mädchen mit einer großen Brille. Aber kaum steht sie vor der Kamera, hat sie diese riesigen dunklen Augen. Hinzu kommt ihre wundervolle Mimik und die Art, wie sie ihren Körper bewegt. Es ist wirklich schaurig schön.?

Toshio ist Kayakos Sohn, der ? wie der Zuschauer aus ?Der Fluch - The Grudge? weiß ? brutal ermordet wurde. Taucht er auf der Leinwand auf, ist meist auch seine Vergeltung übende Mutter nicht weit. Diesmal jedoch mußste Regisseur Shimizu für den kleinen Toshio einen neuen Darsteller finden, denn Yuya Ozeki, der Kinderstar aus Teil 1, war schon zu groß geworden. ?Die Tatsache, dass Toshio größer und älter ist als in Teil 1, hätte das Publikum unnötig irritiert und von der Geschichte abgelenkt. Ich mußste also einen neuen, kleineren und jüngeren Darsteller finden. Dafür waren sehr viele Castings nötig, im Laufe derer ich das Glück hatte, auf Ohga Tanaka zu treffen.?

Der damals achtjährige Ohga Tanaka war außer sich vor Stolz und Freude, als er für die Rolle auserkoren wurde. Er brachte von vornherein ein erstaunlich tiefes Verständnis für Toshios Charakter mit: ?Toshio sucht Freunde, mit denen er spielen kann. Wenn er plötzlich auftaucht, greift er nach den Händen der Menschen. Meiner Meinung nach ist er nicht besonders furchterregend. Ich habe Mitleid mit ihm, weil er getötet und mit seiner toten Mutter und seiner Katze allein auf dem Dachboden zurückgelassen wurde.?

Ein Schock zum Auftakt Zur guten gruseligen Tradition gehört es inzwischen, das Shimizu wie schon in ?Der Fluch - The Grudge? und der ?Ju-On?-Serie dem Publikum in den ersten Minuten einen wahren Schock unter die Haut fahren lässt. DER FLUCH - THE GRUDGE 2 bildet da keine Ausnahme. Ähnlich wie zum Auftakt von ?Der Fluch ? The Grudge?, in dem sich Bill Pullman ohne Erklärung aus dem Fenster seines Tokioter Hochhaus-Apartments stürzt, wird auch diesmal dem Zuschauer der Atem stocken. Im Zentrum steht nun die grazile Jennifer Beals, die gesteht, dass ?diese Szene der Hauptgrund war, warum ich unbedingt in diesem Film spielen wollte. Es ist einer dieser Momente, an den sich die Menschen im Kinosaal lange erinnern werden.? Am Set In Tokio Christopher Cousins ist sich sicher, dass die Dreharbeiten in Japan zu den außergewöhnlichsten Erfahrungen seiner Schauspielerkarriere zählen. ?Bei der ersten Kostümprobe kam jeder Mitarbeiter der verschiedenen Abteilungen herein, und wir wurden einander vorgestellt?, erinnert er sich an die lokalen Gepflogenheiten. ?Das war eine phantastische Art, die gemeinsame Arbeit ins Rollen zu bringen. Als nächstes mußsten wir die Schuhe am Set ausziehen. Das ist ein Zeichen der Anerkennung, und zeigt dass an diesem Ort gearbeitet wird. Gleichzeitig aber auch ein Symbol der Ehrfurcht für das, was man da tut, gleich von Anfang an.?

Cousins kommt auch nicht umhin, sich darüber zu begeistern, wie schnell die japanische Crew aufkommende Probleme begriff, zu bearbeiten und zu lösen wusste. ?Ein großartiges Gefühl von echter Teamarbeit breitete sich am Set aus. Man fühlte sich immer gut aufgehoben und umfassend unterstützt in seiner Arbeit.?

Den größten Unterschied zwischen ihren Landsmännern und den Amerikanern sieht die japanische Pop-Sängerin Misako Uno darin, dass ?wir Japaner dazu neigen, unsere ehrliche Meinung zurückzuhalten. Ganz anders als die Amerikaner, die immer sehr geradeheraus und auf den Punkt sind. Das war für mich neu, aber auch sehr interessant.?

Durch den Audio-Kommentar der Schauspieler auf der DVD von ?Der Fluch ? The Grudge?, bekam die Besetzung des neuen Films eine ungefähre Vorstellung davon, was für einen Kulturschock sie in Japan erleben würde. Nichtsdestoweniger galt es noch die Sprachbarriere zu überwinden. Regisseur Shimizu spricht nicht Englisch, weswegen er die Simultanübersetzerin Chiho Asada brauchte, um mit den Schauspielern zu kommunizieren. Sie heftete sich hart an die Fersen von Shimizu, so dass die Schauspieler jede seiner Anweisungen verstehen und auch Fragen stellen konnten.

?Die Sprachbarriere stellte ein größeres Problem dar als ich zu Beginn glaubte?, gibt Tamblyn zu, ?denn es gibt gewisse Dinge, die sich nicht allein durch Sprache vermitteln lassen. Am Ende setzte ich Arme und Beine ein, um mich verständlich zu machen. Fast wie bei einer Charade. Zum Glück war Chiho eine großartige Übermittlerin, die nicht nur Takashis Worte, sondern auch seine Stimmlage und den Tonfall gut rüberbrachte.?

Eine besondere Herausforderung für den Ausstatter Iwao Saito, der schon in ?Der Fluch ? The Grudge? und ?Ju-On 2? die Kulissen entworfen hatte, war der Umstand, dass einige Szenen von DER FLUCH - THE GRUDGE 2 in den USA spielen. ?Ich war mir lange nicht sicher, ob ich in Japan ein Amerika würde schaffen können, dass auch für Amerikaner nach Amerika aussieht?, gesteht er. ?Ich habe mein ganzes Leben nur in Japan verbracht. Ich kenne die japanische Kultur und weiß, wie man sie im Film authentisch für Japaner ausstattet. Deswegen bat ich die Produzenten, mich nach Chicago fahren zu lassen, um dort einen Ausstatter zu finden, der sich in der amerikanischen Kultur auskennt. Ich fand John Marcynuk, der schon für viele TV-Serien das Bühnenbild gestaltet hat, darunter auch für ?Dark Angel?.?

Zudem fand man vor den Toren Yokohamas eine Siedlung, die einer Chicagoer Apartmentanlage verblüffend ähnlich sah. Für die Innenaufnahmen baute Saito den American Way of Life auf Bühne 9 der Toho Studios nach.

Die Vision von Shimizu Der ausführende Produzent Roy Lee kann sich rühmen, die Original-Filmserie ?Ju-On? entdeckt und den Produzenten Sam Raimi und Robert Tapert näher gebracht zu haben. Über Shimizu sagt er: ?Seine Vision in Sachen Film ist so ungewöhnlich, dass es für jeden fremden Regisseur schier unmöglich gewesen wäre, sie nachzuvollziehen. Ohne Shimizu hätte der Film einen ganz anderen Look als den der Original-Filme.?

Auch Schauspielerin Jennifer Beals kann dem nur beipflichten: ?Horrorfilme sind eigentlich nicht mein Fall. Aber nachdem ich ?Der Fluch ? The Grudge? gesehen hatte, wollte ich unbedingt mit Shimizu arbeiten, weil ich glaube, dass er dem Genre eine neue Dimension verleiht. Er ist intelligent, witzig und extrem bewandert, was Kamera und Schauspiel betrifft. Er ist so eine Art Robert Altman des Gruselfilms.?

Nicht weniger überschwänglich ist Edison Chens Einschätzung von Shimizus Talent. ?Ich hatte Shimizus Filme schon vorher gesehen. Sie sind sehr gruselig und dunkel. Nachdem ich die Rolle angeboten bekam, telefonierte ich ein paar Mal mit ihn. Als ich dann aber live vor ihm stand, war er ganz anders als ich ihn mir vorgestellt hatte: freundlich, nett und gar nicht seltsam. Er ist sogar ein richtiger Spaßvogel, der gerne Streiche spielt. Ich war schon ziemlich überrascht, dass so ein lustiger Mensch so furchterregende Filme machen kann.?

?Ich war besonders von Shimizus Genauigkeit hingerissen?, fügt Kebbel hinzu. ?In jeder Einstellung hörte er nicht unseren Worten zu, sondern beobachtete unsere Körper. Er achtete sehr darauf, wie sich Körper, Bewegung und Raum zu einander verhielten. Manchmal ging es ihm dabei nur den Schnitt. Viel öfter aber wollte er mit seinen Anweisungen eine bestimmte Emotion provozieren, etwa die Angst, die aus meinen Augen, meiner Kehle, meinen Händen und sogar aus meinem Atem kommen sollte. Ich fand das einfach großartig. Nicht zuletzt, weil Shimizu den ganzen Film schon fertig in seinem Kopf geschnitten hatte, und man deswegen keine Proben oder extra Aufnahmen für ein Close-up brauchte. Meine Lieblingsszene ist die, in der er in einem Take mit der Kamera einen Flur hinunter fährt und an einem Spiegel endet, in dem meine Reflexion zu sehen ist. Phantastisch!?

Produktionsdesigner Saito stellt zudem eine gewisse Weiterentwicklung in Shimizus Stil fest, seit er das erste Mal mit ihm zusammen gearbeitet hat. ?Der Fluch - The Grudge? war eine große amerikanische Produktion, bei der Shimizu überhaupt zum ersten Mal Sets verwendete. Inzwischen hat er sich so sehr an das Set-Konzept gewöhnt, dass er sogar über diesen kleinen Raum hinaus denken kann. Er hat jetzt viel mehr Ideen als früher. Vermutlich, weil er als Regisseur an Selbstvertrauen gewonnen hat.?

Auch dem Drehbuchautor Susco ist Shimizus kreatives Wachstum nicht entgangen. ?Takashi hat es zum Meister gebracht in Sachen Spannung und Schrecken. Seine früheren Filme waren schon herausragend und bei ?Der Fluch - The Grudge? hat er phantastische Arbeit abgeliefert. In diesem Film schafft er es aber noch besser, das Publikum genau das fühlen zu lassen, was er will, dass es fühlt: Eine tiefsitzende, unbestimmte Angst, die auch dann noch anhält, wenn der Abspann vorbei ist und die Lichter wieder angegangen sind.?

Selbst in der Erzählstruktur von DER FLUCH - THE GRUDGE 2 zeigt sich Shimizus ästhetischer Fortschritt. Oder wie Beals es beschreibt: ?Das Böse kennt keine Grenzen. Es springt von Geschichte zu Geschichte und von einem Schauspieler zum anderen. Es gibt keinen sicheren Ort, denn das Böse folgt einem überall hin.?

?Es erinnert mich an die alten Hitchcock-Filme?, vergleicht Cousins einen Meister mit dem anderen. ?Weit mehr als von einem abgetrennten Körperteil, wird man von der Atmosphäre und der eigenen Phantasie mitgerissen. Diese Stimmung, dieses Gefühl von Horror und Befremdung fegt den Zuschauer förmlich weg. Und ich hoffe, dass er sich dabei buchstäblich am Sessel festkrallt.?

?In diesem Film geht es um puren Horror?, schwärmt auch Kebbel. ?Darum, dass man nicht weiß, was als nächstes passiert. Darum, dass man nicht eingreifen kann und auch nichts dagegen tun kann, was da gerade mit einem selber passiert. Es ist, als ob man von innen heraus verfolgt wird. Allein bei der Vorstellung, dass man keine Kontrolle über den eigenen Körper hat, laufen mir Schauer über den Rücken.?

Gellar ist davon überzeugt, dass sich Shimizu bei DER FLUCH - THE GRUDGE 2 selbst übertroffen hat. ?Eines weiß ich 100-prozentig: Shimizu kann gar nicht enttäuschen. Er hat dieses feine Gespür für die menschliche Angst und ihre emotionalen Hintergründe. Der Film handelt von Gefühlen, und spielt dabei mit der Unvorhersehbarkeit und dem Schock. Darin ist Shimizu wirklich ein Meister.?

Szenenfoto
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