Ein gutes Jahr

Produktionsnotizen

Der gebürtige Engländer Peter Mayle gab eine erfolgreiche Karriere in der Werbebranche auf, um sich selbst als Bestseller-Autor und Romancier neu zu erfinden. Seit mehr als 15 Jahren schreibt er über das angenehme Leben im Süden Frankreichs. Kritiker feiern seine Romane und Sachbücher nicht zuletzt wegen Mayles Vorliebe, ?den verlockendsten Ort diesseits des Paradieses? als Schauplatz seiner Geschichten zu wählen. Von Mayles erstem Roman ?Mein Jahr in der Provence? wurden seit seiner Erstveröffentlichung im Jahr 1991 mehr als fünf Millionen Exemplare in 28 Sprachen verkauft.


Bei einer Flasche provenzalischen Weins kamen Mayle (der seit langem seinen Wohnsitz in der Provence hat) und Filmemacher Ridley Scott (der seit 15 Jahren dort ein Urlaubsdomizil und einen Weinberg sein eigen nennt) auf die Idee zu Mayles 2004 veröffentlichten Roman EIN GUTES JAHR. ?Ridley arbeitete im Werbefilm-Business und ich arbeitete für eine Werbeagentur in London?, resümiert Mayle ihrer beider Geschichte und Freundschaft, die in der Werbe-Welt der 1970er Jahre in London begann. ?Er war so ziemlich der Beste, den es gab, also engagierten wir seine Firma, um Spots zu drehen, wenn wir sie uns leisten konnten. Wir arbeiteten immer wieder in London zusammen, und dann ging er weg und drehte Filme, und ich ging weg und schrieb Bücher.?

Fast drei Jahrzehnte später hatten Mayle und Scott ein denkwürdiges Mittagessen. ?Ridley hatte einen Zeitungsausschnitt über neue Bordeaux-Weine dabei, sogenannte Garagen-Weine, die astronomische Preise erzielten, ohne eine anerkannte Lage oder Herkunftsbezeichnung aufzuweisen. Trotzdem waren die Leute bereit, ein Vermögen dafür hinzublättern?, erinnert sich Mayle. ?Ich hatte diese Notiz im Wirtschaftsteil der Times gefunden, über eine Kellerei, die Garagen-Wein für 30.000 britische Pfund pro Kiste verkaufte?, erinnert sich Scott an den Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1996, den er noch heute in London aufbewahrt. ?Ich suchte nach einem Grund, um zurück nach Frankreich zu gehen und einen Film zu drehen. Die Idee zu dieser Geschichte schien die perfekte Chance zu sein.?

?Ich erzählte Peter Mayle von der Idee und er sagte: ?Daraus könnte ein guter Roman werden??, erinnert sich Scott. ?Und ich sagte zu ihm: ?Du schreibst den Roman und ich kaufe dann die Filmrechte?. Er schrieb das Buch und es wurde ein großer Erfolg.? Mayle arbeitete 2003 neun Monate an seinem Laptop und recherchierte die Geschichte in den berühmten Weinbaugebieten Provence und Bordeaux. In Le Pin, in der Region Pomerol, wird ein Wein angebaut, den viele für den besten Merlot auf dem Planeten halten. Scott drehte zu dieser Zeit in Marokko und Spanien sein Helden-Epos KINGDOM OF HEAVEN (?Königreich der Himmel?, 2005). Einen Monat nachdem Mayle sein Manuskript abgegeben hatte, wurde ein Vertrag über die Filmrechte unterzeichnet und Mayle und Scott konnten mit der Arbeit beginnen.

Scott erdachte auch den Titel für das Buch und den Film. ?Ein Winzer hat kein einfaches Leben. Aber wenn er alles richtig macht und ein bisschen Glück hat, kann er auf ein gutes Jahr zurückblicken?, sagt der Filmemacher. ?Genau so würde sich ein französischer Winzer ausdrücken: ?Das war ein gutes Jahr!??

Scott engagierte den gebürtigen New Yorker Marc Klein (SERENDIPITY ?Weil es dich gibt?, 2001), um Mayles Roman für die Leinwand zu adaptieren. Der Autor gibt zu, bei Vertragsabschluss nicht die geringste Ahnung von Wein und der Provence gehabt zu haben. Scott schickte Klein auf Entdeckungsreise nach Südfrankreich, um zu recherchieren und ein Gefühl für die Gegend zu bekommen. Der Drehbuchautor bereiste die Provence im Jahr 2004, traf sich mit Peter Mayle und verbrachte fast ein Jahr dort, in dem er die Region und die Weine ausführlich studierte. Die Arbeit konfrontierte Klein mit vielen Herausforderungen. ?Peters Romane lesen sich wie Reiseberichte?, erklärt der Drehbuchautor. ?Sie stecken voller Atmosphäre, es sind Bücher, die man am liebsten im Urlaub liest und von denen man sich an ferne Orte tragen lässt. Wir mußsten zusätzliche narrative Strukturen einarbeiten. Gleichzeitig wollten wir dem Kinozuschauer das gleiche Erlebnis ermöglichen, das er beim Lesen des Romans gehabt hätte.?

?Peters Buch ist sehr vergnüglich?, ergänzt Scott. ?Es lebt vom provenzalischen Lebensstil. Für den Film wollte ich die Geschichte ein wenig ausbauen und vor allem die Figur der Hauptperson Max aufwerten, denn der hat etwas über das Leben zu lernen. Die Philosophie, die Onkel Henry dem jungen Max vermitteln wollte, reichte dafür allein nicht aus.?

Eine wesentliche Veränderung im Drehbuch erfuhr die Figur Onkel Henry, auf die im Roman lediglich Bezug genommen wird. Nachdem sie mit dem Gedanken gespielt hatten, aus Henry eine Geisterfigur zu machen, entschlossen sich Scott und Klein, ihn in Rückblenden darzustellen. ?Das gab uns die Möglichkeit, den jungen Max beim Erwachsenwerden zu zeigen, was sich für die weitere Entwicklung der Geschichte allemal ausgezahlt hat?, meint Scott.

Russell Crowe ist überzeugt, dass diese Rückblenden eines der Hauptthemen des Films visualisieren: ?Solange man einen Menschen in seinem Herzen bewahrt, ist er unsterblich. Ich finde, das ist eine wundervolle Metapher. Als Ridley und ich an ?Gladiator? arbeiteten, hieß die Metapher ?Tod?. Bei EIN GUTES JAHR diskutierten wir die Themen unter dem Aspekt der Reinkarnation ? nicht notwendigerweise von den Toten zu den Lebenden, sondern mit Figuren wie dem ?lebenden Toten? Max, dem erst die Erlebnisse in der Provence so etwas wie neue Lebensgeister einhauchen. Jede der Figuren in dieser Geschichte erlebt eine Situation, die sein oder ihr Leben zum besseren verändert.?

Schauspielerlegende Albert Finney, der die Rolle Onkel Henrys verkörpert, meint: ?Max erinnert sich an seinen Onkel, mit dem er diese Sommerferien-Erlebnisse als Kind hatte. Er erinnert sich gerne daran, was nahe legt, dass er die Zeiten mit Henry genossen hat. Der kleine Max fühlte sich wohl mit Onkel Henry. Die Philosophie, die Henry dem Jungen vermittelt, bezieht sich in erster Linie auf Wein, aber sie hat auch damit zu tun, das Leben jeden Tag zu genießen.

Ich denke, er hat einen sehr guten Einfluss auf den Jungen.? Max ist keineswegs die einzige Figur, die eine deutliche Veränderung erfährt. Crowe fährt fort: ?Mit jeder Figur geschieht etwas in der Geschichte, das sein oder ihr Leben verändert, verbessert oder revitalisiert. Ich habe selbst ähnliches erlebt, als ich geheiratet habe und wir ein Baby bekamen. Es ist also möglich, eingefahrene Wege zu verlassen und Dinge zu verändern. Darauf, auf Max? Leben, bezieht sich auch der Titel. Er kommt in die Provence, lässt sich ein auf die Erinnerungen an seinen Onkel und das, was der ihm beigebracht hat ? und das öffnet ihm sein Herz. Und verändert sein Leben.?

?Ich denke, die Zuschauer werden sich an ihre eigene Kindheit erinnern, wenn sie diesen Film sehen", meint der 14jährige Freddie Highmore, der den jungen Max spielt. "Der Film lässt dich zurückblicken auf Dinge, die dir selbst passiert sind. Damals wusste der junge Max noch nicht, wie wichtig die Lektionen waren, die Onkel Henry ihm gab. Aber als er älter ist und diesen Ort seiner Kindheit wieder besucht, versteht er, wie sehr sie sein Erwachsenwerden beeinflusst haben."

"Als Geschichtenerzähler oder Romanautor kann man sich wohl nie restlos von seinen Hauptfiguren lösen?, sagt Peter Mayle. ?Teile von dir selbst schleichen sich ein, ob du willst oder nicht, ob vorsätzlich oder unplanmäßig. Deine Figuren reflektieren oftmals deine eigenen Gefühle und Max repräsentiert ein starkes Gefühl, das ich hatte, als ich in seinem Alter war ? ich wollte raus aus London und versuchen, etwas ganz anderes zu machen. Natürlich macht Max das alles etwas dramatischer durch, als ich das erlebt habe."

?Die ganze Zeit lebst Du mit diesen Figuren im Kopf?, versucht Autor Klein die Kunst des Drehbuchschreibens zu erklären. ?Dann arbeitest Du mit jemandem wie Russell Crowe, der einfach ein Genie ist. Zwischen den Takes kam er zu mir und erzählte mir seine Ideen zu seiner Rolle. Er hatte sich viel tiefer in die Figur Max hineingearbeitet, als ich je zu hoffen gewagt hatte.?

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, wieder mit Ridley Scott zusammenarbeiten zu können, sprach er bereits während der Dreharbeiten zu ?Gladiator? mit dem Regisseur über neue Projekte. ?Ich arbeite besonders gerne mit Ridley, weil wir einen gemeinsamen Rhythmus haben. Wir sprachen darüber, was das nächste Projekt sein könnte und wollten, dass es etwas komplett anderes sein sollte als ?Gladiator?. Also beschlossen wir, dass es eine Komödie sein sollte.?

?Ich wusste, dass Russell die Idealbesetzung für Max sein würde?, ergänzt Scott. ?Russell und Max sind sich sehr ähnlich, Russell trägt im Kern viel von der unschuldigen Persönlichkeit in sich, die auch Max auszeichnet.?

Als Crowe die Rolle annahm, fand er sich mit einem wahren Forschungsprojekt konfrontiert. ?Max hatte eine glückliche Kindheit und dieser wundervolle Lebenskünstler von einem Onkel fütterte ihn zudem mit allen Informationen, die er brauchte, um ein guter Kerl zu werden. Aber er hat die falschen Schlüsse daraus gezogen und Konkurrenz zu seinem Lebens-Mantra gemacht. Und dabei den Bogen überspannt, bis er den Spaß daran verlor.?? Einer der ersten Merksätze, die Ridley mir auf den Weg gab, als wir das erste Mal über den Film redeten, war: ?Es gibt eine provenzalische Redensart, nach der nicht du das Schloss besitzt, sondern das Schloss dich??, fährt Crowe fort. ?Daran haben wir gearbeitet. Max reist in die Provence, um sein Erbe anzutreten. Kaum ist er angekommen, geschehen Dinge, die seine Abreise immer wieder verhindern. Es ist eine sehr menschliche Komödie über das Erwachsenwerden dabei herausgekommen, die dabei sehr realistisch ist.?

War EIN GUTES JAHR die zweite Zusammenarbeit zwischen Scott und Crowe, arbeiteten Scott und der fünfmal für den Oscar® nominierte Albert Finney bei diesem Film bereits zum vierten Mal zusammen. Die Bühnen- und Leinwandlegende porträtiert den alten Onkel Henry, der im Roman nur als Name auftaucht, im Film jedoch wie ein Roter Faden die Geschichte durchzieht.

Finney mußste keine große Historie für die Figur entwickeln, erwähnt aber eine lang zurückliegende, schicksalhafte Reise Henrys an die Westküste der USA, ein Ereignis, das im Film diskutiert, aber nicht gezeigt wird, letztlich aber einen bleibenden Einfluss auf Henry hatte.

Wie ihr guter Bekannter Crowe stammt auch die Schauspielerin Abbie Cornish aus Australien. Sie spielt die Rolle der jungen Kalifornierin Christie Roberts, deren überraschende Ankunft auf dem Weingut zu großen Verwicklungen bezüglich Max? Erbschaft und seiner möglichen Zukunft im Schloss führt.

Die Schauspielerin, die den Regisseur erst wenige Wochen vor den Dreharbeiten mit einem Probeaufnahmen-Video überzeugte, ist in ihrer Heimat sehr populär. Sie erhielt Kritikerlob für ihre Rollen in den Filmen THE MONKEY?S MASK (?Die Affenmaske?, 2000) und SOMERSAULT, dem einzigen australischen Film, der 2004 auf dem Film-Festival in Cannes gezeigt wurde. Das verwöhnte Publikum feierte die junge Schauspielerin mit Standing Ovations.

?Christie ist ein 21jähriges amerikanisches Mädchen aus der berühmten Weinregion Napa Valley in Kalifornien?, sagt Cornish, die selbst aus der australischen Weinregion Hunter Valley nahe Sydney stammt. ?Sie erfährt, dass sie einen leiblichen Vater hat, der in Frankreich lebt. Also macht sie sich auf die Suche und steht schließlich vor der Tür des Schlosses (und hat damit ihren ersten Auftritt im Film). Sie mußs die traurige Nachricht von Henrys Tod zur Kenntnis nehmen und lernt dafür ihren Cousin Max kennen, von dessen Existenz sie bis dahin keine Ahnung hatte. Argwöhnisch bezweifelt Max ihre Geschichte anfangs, aber schließlich entdecken die beiden Seiten aneinander, mit denen sie etwas anfangen können.?

Marion Cotillard (UN LONG DIMANCHE DE FINANCAILLES ?Mathilde ? Eine große Liebe?, 2004) bereichert das Ensemble als Fanny Chenal, eine provenzalische Schönheit, der das Café des Ortes gehört ? und die sofort Max? Aufmerksamkeit weckt. ?Mir gefiel Max? Entwicklung?, sagt die schöne Pariserin, ?denn dort in dem provenzalischen Schloss begreift er, was wirklich wichtig für ihn ist.?

?Fanny besitzt ein Restaurant?, fährt sie fort. ?Sie ist eine Frau mit gebrochenem Herzen, die für sich beschlossen hat, dass das Leben ohne Liebe einfacher und weniger schmerzhaft sei. Sie hat ihr Leben so organisiert, dass sie nicht wieder verletzt werden kann. Ihr Café heißt La Renaissance, was soviel wie Wiedergeburt bedeutet. Aber glücklicherweise beschert einem das Leben manchmal genau das, was man braucht, ohne dass man weiß, wie wichtig es ist. Auch wenn Fanny niemals zugeben würde, wie sehr sie geliebt werden möchte, vermisst sie nichts mehr als Liebe. Und sie verdient auch geliebt zu werden!?

Die Rolle von Max? bestem Freund Charlie Willis besetzte Scott mit dem britischen Schauspieler Tom Hollander (PIRATES OF THE CARIBBEAN: DEAD MAN?S CHEST ?Pirates of the Caribbean: Fluch der Karibik 2?, 2006), seine zuverlässige Londoner Assistentin Gemma spielt Archie Panjabi (BEND IT LIKE BECKHAM ?Kick It Like Beckham?, 2002) und in Rückblenden ist Freddie Highmore (FINDING NEVERLAND ?Wenn Träume fliegen lernen?, 2004) als der junge Max mit Onkel Henry im Chateau zu sehen.

?Ich spiele den jungen Max, der dem älteren natürlich sehr ähnlich ist, schließlich sind sie ein und dieselbe Person?, meint Highmore.

?Ich habe Russell bei der Arbeit beobachtet und wir haben uns darüber unterhalten, wie wir die Figur sehen. Das war?s. Und es hat einfach von der ersten Klappe an einen Riesenspaß gemacht, mit Ridley und Albert und Russell am Set zu sein." Scott engagierte auch eine Reihe populärer französischer Darsteller für seinen Film. Didier Bourdon porträtiert Francis Duflot, den erfahrenen Weinhändler, der die Produkte von La Siroque seit drei Jahrzehnten verkauft und wohl wie kein anderer das geheime Potential des Weingutes einschätzen kann. ?Francis Duflot ist ein echter Weinfachmann. Vinyo, wie wir in Frankreich sagen?, erklärt Bourdon. ?Er hat eine eigene Geschichte mit Max, den er schon als Kind kannte. Ihr Verhältnis schwankt zwischen Freundschaft und Misstrauen. Als Max nach vielen Jahren der Abwesenheit auf Henrys Anwesen zurückkehrt, befürchtet Duflot, er würde das Gut verkaufen.?

Duflots argwöhnischer Umgang mit Max findet seinen Höhepunkt in einem Tennismatch zwischen den beiden, das eher an Kriegsspiele als an ein sportliches Kräftemessen unter Freunden erinnert. ?Die Tennis-Szene ist im Film, weil Ridley diesen Sport über alles liebt?, sagt Crowe. ?Bei einem Glas Rotwein beklagte er sich, dass es nicht eine einzige Kampfsequenz im Film gebe. Das gab mir zu denken und führte zu der Sequenz am Tennisplatz und einem weiteren Tennisspiel in der Rückblende. Ich fand es nur konsequent, die beiden Männer auf dem Hartplatz gegeneinander kämpfen zu lassen.? Valeria Bruni Tedeschi (MON HOMME ?Mein Mann?, 1996) spielt Nathalie Auzet, die Notarin, die Max? juristische Interessen vertritt, der altgediente Charakterdarsteller Jacques Herlin (GIULIETTA DEGLI SPIRITI ?Julia und die Geister?, 1965) gibt den jähzornigen Papa Duflot und dessen Gattin spielt die französische Komödien-Darstellerin Isabelle Candelier (ANDRE LE MAGNIFIQUE, 2000), von Regisseur Scott liebevoll ?die französische Lucille Ball? genannt.

?Um den Zauber der Provence zu beschreiben, betont Autor Peter Mayle, dass die Region 300 Sonnentage pro Jahr, eine beeindruckend schöne Landschaft, eine bemerkenswert wenig zerstörte Umwelt und ein außergewöhnliches Licht aufzuweisen hat. ?Ein solches Licht findet man nicht oft auf der Welt. Und ich liebe das Tempo dort unten. Es zwingt dir einen gewissen Rhythmus auf, der ? einmal daran gewöhnt ? sehr angenehm ist. Ich fühle mich hier zuhause."

?Es war ein großartiges Gefühl, in der Provence aufzuwachen?, ergänzt Russell Crowe, der während der Produktion zwei Monate dort verbrachte. Das Luberon ist eine ganz einzigartige Gegend. Das hat wahrscheinlich mit der Fruchtbarkeit dieses Landstrichs zu tun. Das Licht ähnelt dem in Australien, das Blau, das Pink und das Orange des Himmels. Ich habe mich dort ausgesprochen wohl gefühlt.?

?Ich war begeistert, in der Provence drehen zu können ? es war einfach wunderschön?, ergänzt Ridley Scott, der seit fünfzehn Jahren ein Ferienhaus und einen Weinberg in der Gegend hat, aber seit seinem Regiedebüt THE DUELLISTS (?Die Duellisten?, 1977) nicht mehr in Frankreich gedreht hatte. ?Diese Dreharbeiten gehören zu meinen erinnerungswürdigsten Erlebnissen.?

Die Geschichte der Provence lässt sich bis ins Jahr 600 vor Christus zurück verfolgen, als Griechen sich in Massalia, dem heutigen Marseilles an der Küste des Mittelmeers niederließen. Auch die Entstehung des Weinbaus in dieser Region lässt sich 2600 Jahre zurück datieren. Diese ältesten nachweisbaren Weine Frankreichs wurden später von den Römern und im Mittelalter in den Klöstern von Mönchen kultiviert.

Die Provence, zu der ca. 700 Dörfer gehören, darf auf mehr als 27.000 Hektar Fläche diverse regionale geschützte Herkunftsbezeichnungen benutzen, die alle zu dem Sammelbegriff der von der Regierung in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eingeführten Schutzmarke A.O.C. (appellation d?origine controlee) gehören, die französische Qualitätsweine von Tafelweinen unterscheidet. Die Region bietet außergewöhnlich gute Wachstums- und Umweltbedingungen, die der Franzose terroir nennt.

Das mediterrane Klima (ganzjähriger Sonnenschein, perfekte Belüftung durch den Mistral-Wind und ausreichende Regenfälle) in Kombination mit den kieselsäurehaltigen Böden, bringt hervorragende rote Trauben wie Grenache, Syrah, Carignan, Cinsault und Mourvèdre hervor, von denen der überwiegende Teil zur Herstellung des für die Gegend typischen Rosé genutzt wird.

Insgesamt werden in der Provence jährlich um die 140 Millionen Flaschen Wein produziert. Zu den weißen Trauben, die in der Region angebaut werden, gehören Grenache Blanc, Clairette, Ugni Blanc und Rolle.

Scott siedelte die Produktion in der Cotes du Luberon an (wo sich auch seine eigenen 11 Hektar Weinbaufläche befinden), die Gegend zwischen Cavaillon und Apt, wo 70% Rotwein hergestellt werden. 80% der Winzer (darunter Scott) verkaufen ihren Ertrag an Kooperativen, die daraus Tafelwein (vin de pays) keltern. Für den Film suchte Scott jedoch zwei unabhängige Weinproduzenten aus, die ihren Wein selbst abfüllen.

?Ich besichtigte etwa ein Dutzend Weingüter in der Gegend zwischen Roussillon und Bonnieux, bevor ich mich für La Canorgue entschied, das erste, das wir besucht hatten?, sagt der Regisseur zu dem Drehort, an dem sein 125-köpfiges Team die meiste Zeit der neunwöchigen Dreharbeiten in der Provence verbrachte ? eine Zeit, die mitten in die Weinlese des neuen Jahrgangs fiel. Scott wählte La Canorgue wegen des überwältigenden Blicks in westlicher Richtung über das gesamte Luberon und wegen des geheimnisvollen Dämmerungslichts, das das Herrenhaus am späten Nachmittag einhüllt. Die Filmcrew besetzte mehr oder weniger die Weinberge und das Schloss für die neun Monate der Dreharbeiten in Südfrankreich ? überwacht von dem altgedienten Location-Supervisor Marco Giacalone, der zuvor mit Regisseur Scott bei KINGDOM OF HEAVEN (?Königreich der Himmel?, 2005) zusammen gearbeitet hatte, und dem französischen Location-Manager Thierry Zemmour.

Nathalie Margan, die das Gut La Canorgue gemeinsam mit ihrem Vater Jean-Pierre Margan führt, erzählt, dass die Familie anfangs sehr zurückhaltend auf die Anfrage der Produktion reagierte, da die Drehzeit genau mit der Weinlese zusammenfiel. ?Aber wir wussten, dass die Dreharbeiten ein großes Abenteuer werden würden?, erinnert sich Nathalie, ?und so nahmen wir die Herausforderung gerne an.?

Margan beschreibt die Erfahrung von riesigen Trucks, Bergen von Ausrüstung sowie 125 Teammitgliedern, die auf ihrem Gelände herumwirbelten als ?anfangs befremdlich, aber dann immer aufregender. Es war spannend mitzumachen und wir wurden oft um Rat gefragt, wie ein echter Winzer bestimmte Dinge gemacht hätte oder wie manche Fachausdrücke hießen. Sie machten ihren Film, ohne uns sonderlich zu stören und wir ernteten unseren Wein, ohne die Dreharbeiten zu stören.?

?La Canorgue war interessant?, sagt Produktions-Designerin Sonja Klaus und betont, dass die Produktion erheblichen Aufwand betrieb, um das Schloss für den Dreh herzurichten. ?Wir gestalteten die ganzen Außenanlagen neu und versahen sie mit Statuen und Verzierungen. Innen wollten wir eine etwas heruntergekommene, abgewohnte aber gemütliche Atmosphäre erzeugen, ein Gefühl von verarmtem Chic. Man sollte sich im Haus fühlen, als ob man bei seinem Lieblingsonkel oder der Lieblingstante zu Besuch wäre.?

Außerhalb des Hauses, inmitten der Weinberge, kam eine Herausforderung auf Sonja Klaus zu, mit der sie nie gerechnet hatte. ?Als er mich engagierte sagte Ridley zu mir: ,Wir sind hier in Südfrankreich und verteilen nur noch ein paar Requisiten?, erzählt sie mit einem vielsagenden Lächeln. Das gefiel mir ganz gut, aber dann fügte er hinzu: ?Ach ja, wir brauchen noch einen Tennisplatz. Und dann müssen wir den Swimming-Pool umbauen, oder vielleicht bauen wir für die ganzen Stunts lieber gleich einen neuen.??

?Hinter dem Haus gab es eine Wiese, die sich geradezu perfekt für einen Tennisplatz anbot?, erzählt die Produktions-Designerin. Der Haken daran war, dass die Wiese einfach zu klein war. Also mußsten wir mogeln und den Platz etwas kleiner bauen. Aber im Film fällt das niemandem auf.? Eine weitere wichtige Location war der leere Pool, in dem Crowe gefordert war, sowohl sein physisches wie sein komödiantisches Talent zur vollen Entfaltung zu bringen. ?Es gibt diesen Running-Gag, dass Max in den relativ tiefen Pool fällt und nur nackte Wände um sich herum findet?, sagt der Schauspieler. ?Es ist kein Wasser im Pool und er hat keine Chance, alleine rauszukommen.?

Neben den vielen Wochen, die in La Canorgue gedreht wurden, verbrachten Scott und sein französischer Kameramann Philippe Le Sourd einige Zeit damit, die Schönheit der Landschaft in Postkarten-Schnappschüssen verschiedener malerischer Dörfer einzufangen, die kreuz und quer über Hügel und Täler des Luberon verstreut sind. Darunter das Örtchen Gordes mit dem anheimelnden Café Renaissance (das zu Fannys Café im Film wurde) sowie die Städte Cucuron, Lacoste, Avignon und Menerbes (wo Autor Peter Mayle früher wohnte und dessen ehemaliges Haus noch immer ein beliebter Stop für Reisegruppen ist, die den Ort erkunden). Die Crew drehte weitere drei Tage auf einem anderen Weingut, dem Chateau Les Eydins, das im Film als Heim des ruppigen Winzers Duflot dient. Nach den zwei Drehmonaten in der Provence versammelte Scott die Crew für die letzten acht Drehtage der Produktion in London an so pittoresken Orten wie Piccadilly Circus, dem architektonisch beeindruckenden Gebäude von Lloyds of London im Finanz-Distrikt und in der schicken Knightsbridge-Gegend.

Wie Mayles Buch, beginnt der Film in der Finanz-Welt. Scott gefiel der Gegensatz und der Vergleich zwischen London und der Provence. ?Ein Ort ist so attraktiv wie der andere. London ist ein großartiger Ort zum Leben. Die Provence ist eine großartige Gegend zum Leben. Ist sie besser? Nein, nur anders. Ich für mein Teil lebe in der Provence ...

weil ich in London lebe. Ich brauche das eine, um das andere haben zu können.? Und Peter Mayle ergänzt: ?Da ich Ridleys Auge für Landschaft, Farbe und Komposition kenne, bin ich mir sicher, dass er das Luberon genau so wunderschön zeigt, wie es ist. Ich kann es nicht abwarten, endlich den Film zu sehen.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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