Alien Autopsy

Produktionsnotizen

?Begonnen hat alles mit einem Anruf von Michael [Kuhn]?, erklärt Autor Will Davies. ?Ich hatte gerade eine Überarbeitung des Drehbuchs zu ,Johnny English? (Johnny English) abgeschlossen, als Michael immer wieder anrief und mir von einer außergewöhnlichen Story vorschwärmte. Er wusste aber nicht so recht, ob man daraus einen Film machen konnte. Also lud er mich ein, die beiden Typen kennen zu lernen und ihre Geschichte anzuhören.?


?Ich arbeitete damals an mehreren Projekten und verschob das Treffen immer wieder?, erklärt Davies. ?Doch endlich klappte es, und als ich in Michaels Büro eintraf, fand ich nur ihn selbst vor. Offenbar weigerten sich die beiden Typen, mich zu treffen, bevor ich eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben hatte.?

Resigniert unterzeichnete Davies die Vereinbarung, und zwei Minuten später betraten Ray Santilli und Gary Shoefield das Büro. ?Da kamen zwei unglaubliche Exzentriker die Treppe hinauf. Der Größere sagte: ,Ich heiße Ray Santilli und das hier ist Gary Shoefield. Sie haben noch nie von uns gehört, oder?? Ich bejahte. Daraufhin forderte er mich auf, auf Michaels Laptop seinen Namen zu googeln. Ich tippte also Rays Namen ein ? und erhielt über fünf Millionen Treffer. Ich drehte mich zu Ray um ? er grinste und sagte: ,Jetzt wollen Sie unsere Story ganz gewiss hören.??

Zwei Stunden lang erzählten Ray und Gary, und Davies hörte ihnen immer fassungsloser zu: ?Die Story war einfach fantastisch! Die meisten Geschichten haben entweder einen starken Einstieg, ein starkes Ende oder eine starke Mitte ? aber diese konnte mit allen dreien aufwarten. dass sie komplett den Tatsachen entsprach, die beiden das Geheimnis aber immer gehütet hatten, war wirklich wunderbar.?

Davies übernahm den Drehbuchauftrag und begann die Geschichte der beiden zu strukturieren. Ray und Gary hatten so schnörkellos erzählt, dass Davies zunächst abwägen mußste, wie viel davon im Drehbuch verwendbar war. Er entschied sich für ein höchst ungewöhnliches Verfahren und schrieb die Story so auf, wie er sie gehört hatte, ja er nahm sogar sich selbst in das Skript mit auf und stellte sich als Dokumentarfilmer Morgan Banner dar, der eher widerwillig bereit ist, Ray und Gary zu treffen und sich ihre Story anzuhören. ?Es ist zwar nicht ganz genauso passiert, aber doch sehr ähnlich. Wir ersetzten den Autor (mich) durch einen Dokumentarfilmer à la Bill Broomfield und nannten ihn Morgan Banner.?

Verschwörungstheorien haben in den USA nach wie vor Konjunktur, und seit dem Bericht vom Absturz in Roswell haben sich die Aliens zu einem Riesengeschäft entwickelt. Es lag also nahe, den Film in Amerika zu drehen, doch Kuhn legte größten Wert darauf, die Story auf authentisch britische Art zu erzählen. Denn die Hauptfiguren sind nun mal aus London, und wie sie mit der Extremsituation umgehen, in die sie geraten, wirkt sehr britisch. ?Herz und Seele dieses Films sind typisch englisch geprägt, und ich bin sehr stolz darauf, dass es uns gelungen ist, den Film in Großbritannien mit sehr fähigen britischen Mitarbeitern zu drehen?, sagt Davies abschließend.

Das Team Der britische Produzent Barnaby Thompson war genau wie Kuhn und Davies sofort von Rays und Garys Geschichte fasziniert. ?Als Will das Drehbuch geschrieben hatte, holten sie mich mit an Bord, um bei der Produktion zu helfen, und wieder passierte das Gleiche: Wer die Story hört, ist sofort mit dabei! All die unerwarteten Wendungen, die unsere Helden durch die Handlung katapultieren, sind einfach überwältigend. Fast wirkt das wie die fantastische Geschichte des Mannes, der sich in einen Hund verwandelt, und jede Szene ist unglaublicher als die anderen.?

Mithilfe von Thompson suchte das Team nach einem geeigneten Regisseur, der das entscheidende Potenzial der Story umsetzen und die unglaubliche Geschichte glaubhaft erzählen konnte. Jonny Campbell kam sehr schnell ins Spiel, wie Thompson erklärt: ?Jonny kann bereits eine makellose TV-Karriere vorweisen: Er hat die gefeierten Filme ,Shameless? und ,Phoenix Nights? gedreht. Wir suchten einen Regisseur, der die Story nicht nur realistisch anpackt, sondern auch mit Humor. ,Shameless? ist sehr komisch, weil uns die Hauptfiguren und ihre Welt überzeugen.?

Campbell machte gerade Urlaub, als Davies ihn anrief. ?Das Angebot war äußerst vielversprechend?, erinnert sich Campbell. ?Normalerweise bekommt man ein Drehbuch geschickt und reagiert darauf. In diesem Fall rief Will an und sagte, dass er an einer unglaublichen Story arbeitet, aber am Telefon wollte er nicht darüber reden. Ich sollte sogar eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben, bevor er mir mehr erzählen könnte! Das hat meine Neugier sofort geweckt. Dann gab Will mir das Skript, das mich regelrecht umhaute. Die Story wirkt im buchstäblichen Sinne ,unglaublich?, aber trotzdem ist jedes Wort darin wahr! ,Alien Autopsy? ist ein Projekt, wie man es nicht jeden Tag angeboten bekommt. So etwas konnte ich unmöglich ablehnen.?

?Bei der Dynamik, mit der die Story ständig die Richtung wechselt, konnte ich wirklich nicht vorhersehen, was als Nächstes geschieht?, fährt Campbell fort. ?Ich las also zu Ende und dachte: ,Das kann doch nicht wahr sein!? Und ich las es gleich noch einmal. Wenn man eine Story vor sich hat, die von Anfang an völlig unvorhersehbar ist, ist das eine hervorragende Voraussetzung. Denn die heutigen Zuschauer kennen sich bestens aus: Sie ahnen schon frühzeitig, wohin der Hase läuft. Bestimmte Situationen werden meist so angelegt, dass die Figuren auf ganz bestimmte Art eingeführt werden ? daraus schließt der Zuschauer, was später passieren wird. Doch in diesem Fall bekam ich keinerlei Hinweise in dieser Richtung. Wir hatten also einen guten Ausgangspunkt, auf dem wir aufbauen konnten.?

?Jonny ist ungewöhnlich begabt?, sagt Produzent Thompson. ?Mit seinem Sinn für Humor kreiert er ein Denkmal des Absurden.?

Wer spielt Gary und Ray? Das Zentrum der Geschichte bildet die Freundschaft zwischen Ray und Gary. Sie sind seit ihren Kindertagen eng befreundet. Doch plötzlich geraten sie in eine Welt, die einfach nicht die ihre ist. Im Film erleben wir, wie sie mit dem Druck umgehen, der ihre Freundschaft belastet. Bei der Besetzung der Hauptrollen galt es also, zwei Schauspieler zu finden, die diese Beziehung auf der Leinwand überzeugend nachvollziehen.

Dazu Campbell: ?Ray und Gary sind eng befreundet. Einer ist introvertiert, der andere extrovertiert; einer ist Pessimist, der andere Optimist: also eine wunderbare Yin-Yang-Beziehung. Während Gary den bürgerlichen Weg gehen und seine Zukunft planen will, sprüht Ray nur so vor Lebenslust, nimmt unbekümmert Risiken auf sich. Gemeinsam gehen sie auf eine verrückte Reise, auf der sie auch eine Menge über sich selbst erfahren.?

Das Skript wird derart von Humor geprägt, und schon Rays und Garys Story bot sich so eindeutig als Komödie an, dass die Filmemacher ursprünglich zwei Comedians besetzen wollten.

?Mit der Chemie zwischen den beiden steht und fällt die Story?, erklärt Davies. ?Doch trotz vieler Casting-Termine konnten wir kein überzeugendes Komiker-Duo finden, das diese Chemie rüberbringt und gleichzeitig ein breites Publikum anspricht.?

Nach einem weiteren vergeblichen Casting-Tag fuhren Campbell und Davies nach Hause. ?I?m a Celebrity ? Get me out of Here?, die britische Version von ?Ich bin ein Star ? Holt mich hier raus? lief in der dritten Staffel, die beide Filmemacher verfolgt hatten. Campbell berichtet: ?Ich schaute mir die Show mit meiner Frau an, und als wir Ant und Dec in Aktion sahen, sagte sie plötzlich: ,Wie wär?s mit den beiden?? ? ,Das soll wohl ein Witz sein!? antwortete ich, und zwei Sekunden später: ,Die sind ja die Idealbesetzung!?? Am anderen Ende von London erlebte Davies eine ähnliche Offenbarung.

?Als Jonny und Will vorschlugen, Ant und Dec zu besetzen, reagierte ich zunächst zurückhaltend?, gibt Produzent Thompson zu. ?Sie sind derart auf ihr Moderatorenimage festgelegt, dass ich mir zwei Fragen stellte: 1) Können sie spielen? 2) Können sie ihr TV-Image überwinden??

dass die beiden auf dem Bildschirm überzeugen, hängt allerdings auch mit ihrer engen persönlichen Freundschaft zusammen, und genau dieser Umstand begeistert Campbell: ?Es gibt deutliche Parallelen zwischen den Duos Ray und Gary einerseits und Ant und Dec andererseits. Ein Grund, sie zu besetzen, war die Chemie, die durch ihre Freundschaft entsteht.?

Die Produzenten nahmen also Kontakt zu Ant und Dec auf und schickten ihnen das Drehbuch. Kommentiert Campbell: ?Wenn man sich die Hauptrollen anschaut, wirken sie, als seien sie den beiden auf den Leib geschrieben!?

?Offenbar suchten sie selbst schon seit einiger Zeit nach einem geeigneten Filmprojekt?, sagt Davies. ?Bisher hatte man ihnen aber nur konkret auf sie zugeschnittene Stoffe angeboten, die deshalb zu künstlich wirkten. Unser Projekt entstand dagegen, ohne dass jemand an sie gedacht hatte.?

Anthony McPartlin erklärt: ?Im Lauf der Jahre bekamen Dec und ich immer wieder Filmstoffe angeboten, die speziell für uns entwickelt wurden und deshalb überhaupt nicht originell wirkten. Wir haben aber durchaus nicht das Gefühl, dass wir automatisch auf die große Leinwand müssen, nur weil unsere Fernsehshow erfolgreich ist. Nötig hatten wir es wahrlich nicht, und so ließen wir es einfach.?

Declan Donnelly las das Drehbuch zuerst. ?Ich war sofort hingerissen. In der Vergangenheit bekamen Ant und ich Stoffe angeboten, bei denen wir schon nach zehn Seiten das Handtuch warfen, doch dieses Skript habe ich innerhalb einer Stunde verschlungen. Ich gab es an Ant weiter und sagte: ,Das mußst du unbedingt lesen.? ? ,Mein Gott, das ist ja wahnsinnig?, sagte er anschließend. Wir riefen sofort unseren Manager an und erklärten unsere Zustimmung.?

?Ausschlaggebend für uns waren neben der fantastischen Story die beiden Hauptfiguren Ray und Gary?, fährt Donnelly fort. ?Seit ihrer Kindheit verbindet sie eine großartige Freundschaft. Sie sind zusammen aufgewachsen ? dass sie sehr verschieden sind, tut ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Weil sie sich wirklich schätzen, bringt sie nichts auseinander ? wie zwei Hälften eines Ganzen. Dadurch bekamen Ant und ich die Chance, eine Freundschaft darzustellen, wie sie privat tatsächlich zwischen uns besteht. Wir sind wirklich die besten Kumpel ? entscheidend war also, dass wir dieses freundschaftliche Gefühl jetzt auf Ray und Gary übertragen konnten.?

?Die Chance, Rays und Garys unfassbares Abenteuer nachzuvollziehen, konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen?, sagt Ant.

Ant und Dec bereiten sich auf ihre Rollen vor Zunächst probierten Ant und Dec jeweils beide Rollen aus, bis Campbell entschied, dass Ant Gary spielen sollte und Dec Ray. Sie selbst hatten eher zum Gegenteil tendiert. ?Dec und ich gingen davon aus, dass wir jeweils die andere Rolle übernehmen würden?, erinnert sich Ant. ?Bei unseren TV-Auftritten übernehmen wir diese Rollen ganz automatisch: Ich bin immer der Zappelphilipp und Dec der Vernünftigere. Es war also sehr inspirierend, das Rollenmuster umzudrehen, weil uns das stärker forderte.?

?Durch die Rollen gewinnen sie Abstand zu ihren eigenen Persönlichkeiten, was sie als Schauspieler interessanter macht?, sagt Campbell. ?Aufgrund der Proben kannten sie beide Rollen so genau, dass wir später bei den Dreharbeiten sehr davon profitierten.?

?Das bedeutete natürlich, dass wir mit der Materie sehr entspannt umgehen konnten?, sagt Ant. ?Weil wir die Dialoge beider Figuren gelernt hatten, konnten wir innerhalb der Vorgaben sehr selbstsicher improvisieren.?

In den Wochen vor Drehbeginn arbeiteten Ant und Dec intensiv mit Regisseur Campbell ? immer wieder gingen sie das Skript durch, entwickelten die Vorgeschichten ihrer Figuren. ?Wir sind buchstäblich aus unserer Samstagabend-Fernsehhaut geschlüpft und haben uns in Schauspieler zurückverwandelt?, erklärt Ant. ?Das war gar nicht so einfach ? aber umso befriedigender fiel das Ergebnis aus. Jonny hat uns enorm unterstützt. Er achtete sehr präzise auf jede Einzelheit, jede Betonung, hörte sich auch sehr geduldig an, was uns selbst zu den Szenen und Figuren in den Sinn kam.?

?Diese Vorab-Erfahrung hat richtig viel gebracht?, fügt Dec hinzu. ?Durch Jonny haben wir unsere Rollen besser durchdrungen, aber er ermutigte uns auch, mit den Figuren spielerisch umzugehen, ihre Möglichkeiten auszuloten. Als wir dann zu drehen begannen, kannten wir die Rollen in- und auswendig und scheuten auch nicht davor zurück, vom Skript abzuweichen und Varianten durchzuspielen. dass er uns diese Freiheit zugestand, zeigt doch, dass er uns vertraute ? als Künstler und Darsteller.?

Nach den vielen Jahren als Moderatoren von Live-TV-Shows stellte das Duo fest, wie schwierig es war, nicht wie üblich instinktiv à la ?Ant & Dec? auf den Humor des Skripts zu reagieren, sondern sich als Schauspieler neu zu entdecken. ?Gleich zu Anfang forderte Jonny uns auf, die Dialoge ganz normal zu sprechen?, erklärt Ant. ?Er legte Wert darauf, dass wir unseren Comedy-Instinkt vergessen ? aber das dauerte eine Weile. Als TV-Moderatoren betonen wir normalerweise jeden Gag, lassen uns keinen Lacher entgehen.?

?Das war ein hartes Stück Arbeit, und die Rückverwandlung vom Moderator zum Schauspieler dauerte länger, als wir erwartet hatten?, gibt Dec zu. ?Umso toller war es, als wir es schließlich gepackt hatten!?

Produzent Barnaby Thompson erinnert sich, wie er die beiden erstmals vor der Kamera erlebte: ?Wir filmten Ausschnitte aus verschiedenen Szenen, und sofort merkten wir alle, dass sie spielen können. Man brauchte ihnen nur zwei oder drei Minuten zuzuschauen, und schon vergaß man völlig, dass man sie als Moderatoren kannte.?

Campbell stimmt ihm zu: ?Zu den Höhepunkten der Arbeit an diesem Film gehört für mich, dass ich miterleben durfte, wie sich Ant und Dec in Ray und Gary verwandelten, sich von Entertainment-Moderatoren zu talentierten, reifen Schauspielern entwickelten. dass sie das Potenzial dazu hatten, wusste ich, denn die beiden haben ja schon als Kinderdarsteller angefangen. Aber jetzt können sie sich sogar neben Stars wie Harry Dean Stanton und Bill Pullman behaupten.? ?Man darf nicht vergessen, dass sie ja als Schauspieler angefangen haben?, fügt Thompson hinzu. ?Und den Beruf wollten sie auch nie aufgeben. In der Hinsicht waren die TV-Shows nur ein Umweg. Entsprechend haben sie unser Projekt sehr ernst genommen, und ihre Leistung zeigt, wie wichtig es ihnen ist.?

?Ant und Dec gingen mit großem Engagement und viel Einsatz an die Arbeit ? so wie man es von ihnen gewohnt ist?, sagt Campbell. ?Hier treten sie in ihrem ersten Film auf, stehen voll im Rampenlicht, was sie unglaublich unter Druck setzt ? sie müssen einfach erstklassige Leistungen bringen. Und es zeigt sich, dass ihnen das hervorragend gelingt. Sie sind erstaunlich begabt, und sie haben bewiesen, dass sie wirklich in allen Bereichen voll überzeugen. Was uns zunächst Sorgen machte: Wie sollen wir die Zuschauer davon überzeugen, dass dieser Film nicht auf Ant und Dec zugeschnitten ist? Doch nach ein paar Drehtagen war von ihrem Ant & Dec-Image nichts mehr zu merken ? uns standen zwei sehr talentierte Schauspieler zur Verfügung. Manchmal mußs ich mich selbst daran erinnern, wer sie eigentlich sind!?

?Wenn wir als Ray und Gary auftraten, wollten wir deutlich machen, wie sympathisch sie sind?, sagt Dec. ?Obwohl sie die tollsten Sachen erleben, sind sie eigentlich völlig normale Typen. Sie wollen es im Leben zu etwas bringen, ein bisschen Geld verdienen und das Beste daraus machen. Ray ist der Unternehmer, der Geschäftsmann??

?Hält sich für einen Geschäftsmann!? unterbricht ihn Ant.

?Immer feilscht und spekuliert er, hält Ausschau nach dem nächsten Deal, mit dem er Geld zusammenkratzen kann, die nächste große Sache, aber so gerät er immer wieder in zwielichtige Geschäfte?, gibt Dec zu.

?Ray lässt sich in seinem Enthusiasmus einfach nicht unterkriegen?, sagt Ant. ?Jedes neue Projekt erlebt er als großartiger und toller, immer konzentriert er sich mit aller Kraft darauf. Selbst wenn Gary das Gegenteil behauptet, lässt er sich davon nicht abbringen. In seiner Begeisterung schleift er Gary einfach mit, denn Gary ist der Vernünftigere der beiden. Er arbeitet als Angestellter, träumt einfach nur vom normalen Familienleben in einem Vororthäuschen. Doch tief im Innersten hat auch er ein Herz fürs Abenteuer ? also lässt er sich von Rays Enthusiasmus mitreißen. Letztlich will er als Anwalt arbeiten, sesshaft werden ? mit einer netten Familie, einem schönen Auto, einem schönen Haus, er möchte den Traum der Mittelklasse ausleben. Er scheut das Risiko, aber er lässt Ray nicht im Stich und hilft ihm aus der Bredouille. Immer wieder ruft Ray um Hilfe, braucht juristische Unterstützung, wenn etwas schiefläuft. Was Gary richtig zu schaffen macht: Als Ray in Amerika die fantastischen Filmausschnitte entdeckt, hält Gary das einfach wieder für einen Schwindel. Sein ganzes Leben hat er mit Rays Betrügereien leben müssen, die nie funktionieren. Also ist Gary von Anfang an äußerst skeptisch.?

?Die beiden sind grundverschieden?, sagt Dec. ?Dennoch sind sie unzertrennlich ? egal, was passiert. Ray gerät von einem Schlamassel in den nächsten ? Gary könnte ihn eigentlich einfach sitzen lassen und das ruhige Leben führen, von dem er träumt. Aber irgendetwas hält die beiden zusammen, sie müssen das gemeinsam durchstehen.?

Ant sieht das ähnlich: ?Es wäre für Gary ein leichtes, einfach abzuhauen, aber ihre Freundschaft ist stärker als jeder rationale Einwand.?

?Und mit dieser Beziehung steht und fällt das Skript?, sagt Dec abschließend. ?Dadurch entsteht die Dynamik. Wenn es diese Freundschaft nicht gäbe, hätten wir wahrscheinlich gar keine Geschichte zu erzählen. Sie ließen sich auf ein Abenteuer ein, mit dem sie in Sphären vorstoßen, die sie nicht für möglich hielten. Beide beneiden einander um die Vorzüge des anderen: Ray wünscht sich insgeheim ein normales Leben mit Frau und Kindern, aber irgendetwas verhindert das immer wieder. Gary lässt sich andererseits von Rays Abenteuerlust anstecken. Was da zwischen den beiden an Energie freigesetzt wird, bestimmt die Handlung ganz entscheidend.?

Harry Dean Stanton und Bill Pullman Neben den Helden Ray und Gary sind die bedeutendsten Figuren der Story der ehemalige Militär-Kameramann Harvey, der Ray den Film verkauft, und Morgan Banner, Will Davies? Alter Ego, der die Story fürs Publikum aufbereitet.

?Harvey zählt zu meinen Lieblingsfiguren?, sagt Regisseur Campbell. ?Er hat den Originalfilm aufgenommen und an Ray verkauft, er gibt die Fackel gewissermaßen an Ray und Gary weiter. Ohne ihn gäbe es keine Geschichte. Beim ersten Lesen des Skripts habe ich im Hinterkopf bereits Harry Dean Stanton besetzt. Das schien mir völlig logisch. Ich fühle mich sehr geehrt, dass er die Rolle angenommen hat. Dadurch ist mein Traum wahr geworden.?

?Sie riefen mich eines Tages an und sagten, niemand außer mir könnte die Rolle spielen ? das hört man immer gern?, sagt Stanton.

In Bezug auf Morgan Banner waren die Vorstellungen nicht so eindeutig. ?Wir diskutierten hin und her, wer den Dokumentarfilmer Morgan spielen könnte?, erklärt Produzent Thompson. ?Die Rolle ist wichtig, weil die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, denn er interviewt Ray und Gary in der Gegenwart. Gefragt war also ein Schauspieler, der uns als ein Typ wie Michael Moore oder Morgan Spurlock (,Super Size Me?) überzeugt.?

Will Davies brachte als Erster Bill Pullmans Namen ins Gespräch. Davies hatte Pullman die Geschichte vor einiger Zeit bei einem Essen erzählt. Dazu Pullman: ?Als wir 2004 in Los Angeles beim Essen saßen, erzählte er mir die Story. Er ist ein begnadeter Erzähler, und manchmal fiel mir glatt der Unterkiefer auf den Tisch, denn die Story hat derart viele unerwartete Wendungen ? und dabei war sie genauso passiert! Ich freue mich sehr, dass ich jetzt dabei sein darf.?

Und er fährt fort: ?Morgan ist im Grunde Will Davies. Als er sich Rays und Garys Geschichte anhört, merkt er, dass sie gute Erzähler sind ? es liegt letztlich an ihm, ob er ihnen glaubt oder nicht. Im Endeffekt wirkt er wie ein Geigerzähler, der uns entscheiden hilft, ob das alles nur ausgedacht oder ein authentischer Bericht tatsächlicher Ereignisse ist.?

?Bill übernimmt eine Schlüsselrolle, weil er das ausspricht, was die Zuschauer empfinden?, sagt Campbell. ?Er dechiffriert die Geschichte, die wir erleben. Er stellt Fragen, wir sehen seine Reaktionen. Er stellt die Verbindung zwischen uns und der Story her.?

Dreharbeiten Die Reise führt Ray und Gary aus den Londoner Gassen nach Beverly Hills und Washington/DC. Die wesentliche Handlung entwickelt sich zwar in Großbritannien, aber natürlich stellen die USA einen Schlüsselschauplatz dar, denn dort entdeckt Ray das Originalfilmmaterial von der Alien-Autopsie. ?Wir wollten die amerikanischen Szenen unbedingt vor Ort drehen, um die Dimensionen ins richtige Verhältnis zu setzen?, sagt Thompson. ?Der Film beginnt in einer kleinen Londoner Wohnung, führt die Helden aber bis nach Hollywood, und ich halte es für sehr wichtig zu zeigen, dass die Jungs wirklich dort gewesen sind.?

Diese Reise in Bilder umzusetzen und die Unterschiede der beiden Lebensräume aufzuzeigen überließ der Regisseur dem Talent des Produktionsdesigners Grenville Horner.

?Wenn man ein neues Drehbuch liest, entwickelt man auf der Stelle eine Vorstellung davon, wie der Film aussehen könnte?, sagt Horner. ?Die Geschichte findet an vier sehr unterschiedlichen Schauplätzen statt: Omas Haus, Garys Wohnung, die Wohnung von Rays Schwester und Harveys Haus in den Staaten. Ich kann es nicht ausstehen, wenn man einen Film anschaut und gar nicht mitbekommt, in welchem Haus man sich gerade befindet. Also versuche ich diese Lebensräume klar und einfach zu definieren. Omas Haus steht für eine vergangene Zeit. Es bietet eine Zeitreise, die uns in die 1940er-Jahre zurückführt. Rays Schwester wohnt in einem Haus, das in den 1980er-Jahren renoviert worden ist ? dort herrschen klare, gerade Linien vor. Gary wohnt in einer verwohnten Studentenbude, in der man noch die Hippie-Farben im Bad ausmachen kann, wie sie damals angesagt waren. Die entscheidenden Szenen finden also in drei Privatwohnungen statt ? entsprechend wichtig ist es, dass sie klar gegeneinander abgegrenzt werden und gut zu ihren Bewohnern passen. Ich habe mich mit Jonny ausführlich über die Figuren und ihre Lebensräume unterhalten ? das war meine Vorgabe für die Einrichtung. Denn wenn dann die Dreharbeiten beginnen, hat Jonny vollauf mit den Schauspielern und dem Kameramann zu tun. Alle wichtigen Informationen mußs ich also schon in der Vorbereitungsphase aus ihm herausholen.?

Die Sets für Garys Wohnung, Omas Haus und die Wohnung von Rays Schwester wurden komplett in den Ealing Studios gebaut. ?Durch die Aufnahmen in den Ealing Studios konnten wir den Dreh völlig selbst bestimmen?, sagt Horner. ?Wenn man an Originalschauplätzen dreht, kann man zwar ein vorhandenes Haus entsprechend einrichten, was wir teils auch gemacht haben. Aber anschließend mußs man den Originalzustand wieder herstellen. Insofern ist es also viel einfacher, im Studio zu drehen. Dort können wir in jeder Hinsicht autonom arbeiten.?

Die Ealing Studios sind das älteste Filmstudio der Welt. Die Hallen und Büros stehen bereits auf historischem Boden ? sie haben den Wechsel zum Tonfilm, zwei Weltkriege und die späteren Veränderungen durch die technischen Revolutionen in Film und Fernsehen überstanden.

Der britische Filmpionier Will Barker erwarb das Grundstück 1902. Basil Dean, Eigentümer der Associated Talking Pictures, übernahm es Anfang der 1930er-Jahre, und die Ealing Studios wurden gegründet. 1938 kam Michael Balcon neben Dean als Produktionschef hinzu. Die goldene Ära der Ealing Studios begann: Filme wie ?The Ladykillers? (Ladykillers), ?The Lavender Hill Mob? (Einmal Millionär sein), ?Passport to Pimlico? (Blockade in London) und ?Kind Hearts and Coronets? (Adel verpflichtet) entstanden und bildeten die Prunkstücke der erstaunlichsten britischen Produktionsfirma aller Zeiten.

?,Alien Autopsy? entstand ganz im Geist der alten Ealing-Komödien ? wunderbar, dass wir sogar hier drehen konnten. Wir treten in die Fußstapfen der berühmtesten britischen Komödien überhaupt?, sagt Thompson.

Nachdem die britischen Szenen abgedreht waren, zog das Team in sonnigere Gefilde um: nach Los Angeles, was Campbell und Crew als große Chance begriffen, was sie aber gleichzeitig mit neuen Problemen konfrontierte. ?Ich fühlte mich äußerst privilegiert, gleich meinen ersten Spielfilm in L.A. zu drehen?, sagt Campbell. ?Andererseits übernahm ich damit die ungeheure Verantwortung, den hohen Erwartungen zu entsprechen. Die in L.A. gedrehten Szenen bilden die wichtigsten Elemente der Story. Hinzu kam unser Anspruch, originelle Drehorte in einer Stadt zu finden, die insgesamt einen gigantischen Drehort darstellt ? wir hatten also eine Menge Arbeit vor uns.?

?Wir drehten zwar in L.A.?, erklärt Horner. ?Aber wir mußsten dort Drehorte entdecken, die unsere gesamten Schauplätze in den USA doubeln können, denn wir hatten nicht die Zeit, durchs ganze Land zu reisen. Also suchten wir Locations, die uns das Publikum als Cleveland/Ohio, Florida und die Ostküste abnimmt. Die einzigen Szenen, die tatsächlich in L.A. spielen, zeigen den Obdachlosen ? es ist also sehr wichtig, dass man L.A. sofort erkennen kann. Die meisten dieser Außenaufnahmen drehten wir in der Gegend um den Hollywood Boulevard, mit dem Hollywood-Zeichen im Hintergrund. Ein größerer Kontrast zu dem schmuddeligen Londoner Norden, in dem unsere Helden wohnen, ist kaum vorstellbar!?

Horners wichtigste Aufgabe war, ein Haus aufzutreiben, in dem der ehemalige Militär-Kameramann Harvey leben kann. In Harveys Haus sieht Ray den brisanten Film zum allerersten Mal. ?Wir suchten Harveys Haus in den Gegenden von L.A., die der Atmosphäre von Miami entsprechen?, erklärt Horner. ?Ich war früher schon einige Male in L.A. und erinnerte mich an Gegenden in Richtung Wüste, die so entlegen wirken, wie wir uns das für Harveys Haus vorstellten. Doch nachdem wir uns etliche Häuser angeschaut hatten, merkten wir, dass die Landschaft gar nicht so entscheidend ist. Viel wichtiger war, wie das Haus selbst aussieht. Wir suchten nach einem heruntergekommenen einstöckigen Holzhaus, das schon bessere Zeiten erlebt hat. Ich habe Hunderte von Fotos der Motivsucher in L.A. durchforstet und fand schließlich ein spektakulär heruntergekommenes, baufälliges Haus. Es steht in Sun Valley, wo früher Orangen angebaut und Landwirtschaft betrieben wurde. Offenbar hat dort früher mal ein Farm-Manager gewohnt, wahrscheinlich wurde das Haus in den 1920er-Jahren gebaut. In Los Angeles findet man derart alte Häuser äußerst selten, weil all die Vororte erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Zu dem Haus gehört eine ebenso baufällige Scheune, in der wir dann Harveys geheime Welt einrichteten.?

Eine der interessantesten Aufgaben meisterte die Ausstattungsabteilung, als es galt, einen Kornkreis anzulegen. Im Film stellt der russische Drogenhändler Voros das Geld zum Ankauf des Autopsie-Films zur Verfügung. Er trifft sich mit Ray an einem Kornkreis, weil er sich für alle paranormalen Phänomene interessiert. Ausstatter Chris Wyatt wurde die Anlage des Kornkreises anvertraut. Er begann seine Recherche in der Kornkreis-Hochburg im britischen Wiltshire. Erste Hinweise führten ihn zu einem Pub in Alton Barnes, wo sich die Kornkreis-Enthusiasten gern treffen. Wyatt sprach mit dem Gastwirt, der ihm in seinem schweren westenglischen Akzent erklärte, er solle Dan the Man aufsuchen. Dadurch wurde Wyatt erst recht neugierig: Er folgte der Spur und stand schließlich dem geheimnisvollen Dan the Man gegenüber.

?Wenn du einen Kornkreis brauchst, bin ich genau der Richtige?, behauptete Dan. ?Das ist meine Spezialität.? Es stellte sich heraus, dass Dan the Man Hunderte von Kornkreisen geschaffen hat, die Wissenschaftler aus aller Welt ins Grübeln brachten. Dan war tatsächlich genau der Richtige.

Dan fertigte einige Entwürfe für Regisseur Campbell an, und als man sich auf ein konkretes Design geeinigt hatte, tat sich das Filmteam mit Dans Crew zusammen und stellte den Kornkreis her. Doch weder Wyatt noch Dan sprechen über die Methoden, die dabei angewendet werden. Ganz im Sinne des Filmthemas gibt es eben bestimmte Geheimnisse, die nie gelüftet werden sollten.

Die Nachbildung des Aliens Der eigentliche Star in ?Alien Autopsy? ist natürlich der Alien. Hätte der Original-Alien nicht so überzeugend gewirkt, hätten auch die Filmbilder von der Autopsie nicht eine derart hitzige Debatte ausgelöst ? und diese Geschichte wäre nie erzählt worden. Wer ihn geschaffen hat, bleibt weiterhin ein Geheimnis. Bis heute hat sich niemand dazu bekannt ? er oder sie zieht es vor, anonym zu bleiben. Als es dann daran ging, den Alien für den aktuellen Film nachzubilden, verließen sich die Produzenten auf das außergewöhnliche Talent des Bildhauers und Spezialeffekte-Experten John Humphreys.

Humphreys? wohl bekannteste Schöpfung ist Max Headroom, der sein Debüt in ?The Max Headroom Show? auf dem britischen Channel 4 gab, bevor er jenseits des Atlantiks in den USA berühmt wurde. Die Zuschauer beiderseits des Großen Teiches ließen sich täuschen und glaubten, Max Headroom sei im Computer generiert worden. Tatsächlich wurde er aber von Schauspieler Matt Frewer dargestellt, der eine Gummischaummaske und einen Glasfaseranzug trug und in einen animierten Hintergrund mit geometrischen Mustern einkopiert wurde.

Humphreys standen als Anhaltspunkt nur grobkörnige Schwarzweißbilder zur Verfügung ? nach dieser Vorlage schuf er einen ?lebensgroßen? Alien für die nachgestellte Autopsie. Wie er das bewerkstelligte, erklärt er Schritt für Schritt:

?Ich habe mir den Film stundenlang immer wieder angesehen, machte Standfotos von dem Alien und vergrößerte sie so, dass ich die Konturen besser erkennen konnte. Als Erstes fertigte ich ein Tonmodell des Aliens, das dann als Vorlage für die Gussformen dienen sollte. Ich baute also ein dreidimensionales Skelett aus Aluminiumdraht und formte drum herum die Figur aus Ton. Dafür brauchte ich etwa drei Wochen. Als die Figur geformt war, glättete ich die Oberfläche und verpasste ihr mit einem feinen Schwamm eine Hautstruktur. Dann besprühte ich sie mit Silbervinyl-Dichtungsmittel und Wachs, um die Oberfläche zu stabilisieren und zu verhindern, dass sie an der Glasfaser-Gussform kleben blieb. Die Glasfaser-Gussformen bestanden aus mehreren Teilen ? als sie komplett waren, brauchten wir das Tonmodell nicht mehr: Die Gussformen bildeten nun das Negativ der Figur. Dann mischte ich eine farbige Silikon-Gummimischung zusammen, und zwar in einem Hautton, mit dem ich später arbeiten konnte, und pinselte sie in die Gussform ? so entstand eine etwa sechs Millimeter dicke Haut. Die Hohlräume der Gussform wurden dann mit Hartschaum aufgefüllt, der der Haut Halt gab. Es dauerte ein paar Stunden, bis die Haut und der Schaum getrocknet waren. Dann nahmen wir die Gussformen ab und hatten den Alien vor uns. Anschließend bemalten wir den Alien von oben bis unten mit Silikonfarben. Ich arbeite immer hyperrealistisch, und wenn ich die Haut bemale, benutze ich nur transparente Farben, die Schicht für Schicht übereinander aufgetragen werden.?

Weil Humphreys nur unscharfe Schwarzweißvorlagen zur Verfügung standen, schuf er eine Hautfarbe, die sich an seiner eigenen orientiert. ?Die Hautfarbe des Aliens entspricht zwar nicht ganz der menschlichen, aber doch fast?, erklärt er. ?Es gibt subtile Abweichungen ? so subtil, dass sie glaubwürdig wirken.?

Das Gehirn wurde in Silikon-Gummi gegossen. Man überzog es mit Kunstblut und deckte es mit feiner Gaze ab, um den Eindruck zu erwecken, es sei von einer Membran überspannt. ?Dann befestigten wir eine Angelschnur daran?, berichtet Humphreys. ?Als das Gehirn Ray aus der Hand rutscht, während er es aus der Hirnschale hebt, ziehen wir an der Schnur, und es flutscht über den Fußboden.?

Die schwarzen Kontaktlinsen bestanden aus Silikon, das auf die Augenflächen der Figur aufgetragen wurde. Als es getrocknet war, saß es buchstäblich wie angegossen. ?Die Augen füllten wir mit Gleitcreme, um den Gallerteffekt zu erreichen. Das ist ein alter Trick, ein wichtiges Handwerkszeug, das sich im Werkzeugkasten jedes Spezialeffekte-Experten findet.?

Der Knochen, der aus dem Bein herausragt, ist der einzige Körperteil, der nicht künstlich angefertigt wurde. ?Ich besuchte meine Freunde, die Cosbys, auf dem Fleischmarkt Smithfields in London. Sie haben mir schon früher oft ausgeholfen, und diesmal erhielt ich von ihnen den Beinknochen eines Lamms, mit dem ich die Beinwunde nachgebildet habe.?

Die Gleitcreme und die Lammknochen sind nur einige Tricks, die Humphreys parat hat: ?Als Junge habe ich bei einem Schlachter gejobbt, und einer der ersten Tricks, die man als Schlachter lernt, gehört inzwischen zum Standardrepertoire aller Spezialeffekte-Experten. Man nimmt ein stumpfes Messer und taucht es in Blut. Dann hält man das Messer zwischen die Kamera und den jeweiligen Körperteil und führt es über die Haut. Aus Sicht der Kamera sieht es dann so aus, als ob aus dem Schnitt in der Haut Blut hervorquillt.?

Diese Technik wurde in den Autopsie-Szenen angewendet. ?Mit feinen chirurgischen Skalpellen haben wir im Körper des Aliens drei Einschnitte gemacht?, erklärt Humphreys. ?Ich war auf viele Wiederholungen eingestellt, weil die Skalpelle so schwierig zu handhaben sind, aber wir haben jede Einstellung beim ersten Mal hinbekommen.?

Der Alien-Typ, der bei der Autopsie zum Einsatz kommt, wird allgemein als Grauer bezeichnet. Die Grauen werden üblicherweise als kleine, schlanke Humanoide mit haarloser grauer Haut, großen Köpfen und riesigen schwarzen, mandelförmigen Augen dargestellt. Der Graue hatte seinen ersten Auftritt in einer Episode der Science-Fiction-TV-Serie ?The Outer Limits? aus den 60er-Jahren. Bald nach der Ausstrahlung der Episode entwickelten die Grauen die meisten ihrer Charakteristika. Seitdem tauchen sie immer wieder in Berichten von Begegnungen der unheimlichen Art und von Entführungen durch Aliens auf.

Alien-Autopsie: Fakt oder Fiktion? Viele Menschen erinnern sich noch an die Ereignisse von 1995, als die Bilder von der Alien-Autopsie Schlagzeilen machten. Fernsehzuschauer in 32 Ländern schauten gebannt auf den Bildschirm, als Pathologen vorsichtig ein Wesen sezierten, das wie ein Außerirdischer aussah. In Großbritannien strahlte Channel 4 eine Dokumentation über das Thema aus, und in den USA moderierte ?Star Trek?-Veteran Jonathan Frakes eine einstündige Sendung namens ?Alien Autopsy: Fact or Fiction? auf dem Fox Network. Diese Sendung bildete später das Vorbild für die Fox-Serie ?The X-Files? (Akte X).

?Jeder hat von Roswell gehört, aber der eigentliche Film mit der Alien-Autopsie, der inzwischen zur Ufo-Legende gehört und seitdem heiß diskutiert wird, beruft sich auf mehrere Quellen?, erklärt Campbell. ?Als die Doku erstmals ausgestrahlt wurde, verzeichnete sie Rekord-Einschaltquoten, doch wenn man die Leute heute danach fragt, kann sich merkwürdigerweise kaum jemand daran erinnern. Die Zeiten ändern sich, und die Interessen der Menschen ebenfalls. Die Story ist inzwischen Teil der historischen Vergangenheit. Wir hauchen ihr jetzt neues Leben ein.?

?Ich war in L.A., als die Doku ,Fact or Fiction? erstmals auf dem Fox-Kanal lief. Ich habe sie zwar nicht selbst gesehen, aber das Echo war derart gewaltig, dass man überall davon hörte?, berichtet Produzent Thompson. ?1995 hielt sie jedermann für authentisch. Wenn man mir damals gesagt hätte, dass ich zehn Jahre später einen Film darüber machen würde und dass diese beiden unscheinbaren Knaben aus London dahinter steckten, hätte ich das nie geglaubt ? in meinem ganzen Leben nicht!?

?Ich erinnere mich noch, wie die Doku in England lief und eine gewaltige Debatte auslöste: Ist das echt, erfunden oder authentisch?? sagt Ant. ?Und dann las ich das Drehbuch und entdeckte, was wirklich dahinter steckte ? faszinierend, absolut faszinierend. Tatsache ist, dass Ray und Gary etwas gesehen haben, was ihr Leben auf den Kopf stellte.? ?Das war ein Riesending, über das weltweit in den Nachrichten berichtet wurde?, sagt Dec. ?Es war der größte Knüller aller Zeiten, und dass wir jetzt daran teilhaben dürfen, die wahren Hintergründe zu erzählen, ist einfach umwerfend. Ich erinnere mich noch genau an die Verunsicherung vor zehn Jahren, die weltweite Debatte, die dann folgte. Man hat diese Filmaufnahmen als die wichtigsten seit dem Film vom Kennedymord bezeichnet ? und so sind sie zustande gekommen: Zehn Jahre später erzählen wir, was wirklich passiert ist.?

?Ich hatte keine Ahnung, dass die Story wirklich wahr ist?, sagt Grenville Horner. ?Ich kann mich vage an das Ereignis damals erinnern, aber niemand wusste wirklich etwas Genaueres. Von Roswell hat natürlich jeder gehört, aber es lässt sich nicht genau nachvollziehen, woher diese Filmaufnahmen stammen. Jeder kennt Ausschnitte, aber keiner hat den ganzen Film gesehen. Zwei Wochen brauchten wir, bis wir Grund in die Geschichte bekamen, und dann lernten wir den echten Ray und den echten Gary kennen, und die ganze Sache wurde immer intensiver. Was alles dahintersteckt, ist einfach phänomenal.? ?Von den Autopsie-Aufnahmen hatte ich gehört?, sagt Harry Dean Stanton. ?Aber ich hatte keine Ahnung, dass diese beiden Typen aus England damit zu tun hatten.?

Diese ?beiden Typen aus England? drehten einen Film, der auf internationaler Ebene eine hitzige Debatte auslöste. Pathologiespezialisten und Special-Effects-Experten präsentierten überzeugende Beweise für die Echtheit der Bilder. Der Special-Effects-Guru Stan Winston sagte in der Fox-Doku vor der Kamera, er als Profi halte es für schwierig, einen Effekt wie die Autopsie-Aufnahmen künstlich herzustellen. Pathologen gaben vorsichtig zu, dass die Organe, die dem Alien entnommen wurden, völlig anders aussahen als die ihnen vertraute Anatomie. Und ein Experte bestätigte, dass die Entfernung des Schädeldaches derart echt wirkte ? bis hin zu den blutenden Kapillargefäßen ?, dass er sich nicht vorstellen konnte, so etwas für einen Film nachzubilden. Zu diesem Zeitpunkt war man sich weitgehend darüber einig: Falls die Aufnahmen von der Autopsie gefälscht wären, dann hätten die Fälscher dafür Hunderttausende Pfund Sterling aufwenden müssen; anders gesagt: Der riesige Aufwand hätte ein reichlich großes Risiko dargestellt, denn vielleicht wäre es ja nur bei der einen Vorführung geblieben.

Diese Überlegung führte dann zu weiteren Spekulationen: Vielleicht hat die US-Regierung den Autopsie-Film selbst gefälscht, um damit die Sowjetunion zu überzeugen, dass den USA eine überragende außerirdische Technik zur Verfügung stand ? ein Angriff auf die USA wäre somit völlig sinnlos gewesen. Eine weitere Theorie der damaligen Zeit stellte die These auf, der Film sei gezeigt worden, um die Öffentlichkeit im Zuge einer größeren Kampagne auf einen Besuch der Außerirdischen vorzubereiten.

Will Davies berichtet von seinem Treffen mit einem Filmemacher in L.A., der vor der Ausstrahlung der Doku vom Fox-Sender eingeladen wurde, die mögliche Echtheit zu begutachten. ?Fox wollte sicherstellen, dass die Aufnahmen authentisch sind. Deswegen bat man einige sehr angesehene Filmemacher, sich die Aufnahmen an einem geheimen Ort anzuschauen. Die Filmemacher waren sich nicht einig. Eine derartige Entscheidung war einfach zu kompliziert. Ein Regisseur hielt den Film für eine eindeutige Fälschung, die allerdings schon 1947 entstanden sein mußste, weil man die körnige Qualität des Filmmaterials unmöglich in der Gegenwart hätte nachahmen können. Er glaubt bis heute nicht, dass die Aufnahmen 1995 gedreht wurden, selbst wenn ich ihn anrufe und sage: ,Hör mal, Ray Santilli, der den Film gemacht hat, steht hier direkt neben mir!??

Erst jetzt, zehn Jahre nach diesen Ereignissen, kommt die Wahrheit mit dem Start des Spielfilms ans Tageslicht. Der Autopsie-Film war eine Fälschung, aber seine Schöpfer, Ray Santilli und Gary Shoefield, behaupten bis heute, dass sie nur Aufnahmen nachgestellt haben, die sie auf dem Militärfilm tatsächlich gesehen haben. Wenn das so ist, dann existiert die echte Alien-Autopsie doch irgendwo.

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Dirk Jasper FilmLexikon

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