Flutsch und weg

Produktionsnotizen

Nach dem enormen Erfolg der Boxoffice-Hits Chicken Run - Hennen Rennen und dem Oscar-Gewinner Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen taten sich DreamWorks Animation und Aardman Features erneut für Flutsch und weg zusammen. Für diesen Film wurde die Zusammenarbeit auf einen neuen Level gesetzt: nachdem die beiden vorherigen Filme im Aardman Studio in UK konzipiert wurden, wurde ?Flutsch und weg?, Aardmans erster computergenerierter Film, gänzlich im DreamWorks Animation-Studio in Glendale, Kalifornien, produziert.


Laut Regisseur David Bowers reflektiert der Film das Beste, was die beiden Studios anbieten können. ?Wir haben Aardmans Charme und reichhaltige Sensibilität und all die Phantasie und technischen Möglichkeiten von DreamWorks miteinander vereint?, bestätigt Bowers. ?Ich glaube, ohne die beiden Studios wäre dieser Film nicht möglich gewesen.?

Als ?Flutsch und weg? im Anfangsstadium der Entwicklung war, war es den Filmemacher klar, dass ihre dritte Zusammenarbeit ein reiner computeranimierter Film sein mußste. Und das aus vielerlei Gründen. Wasser darzustellen, ist naturgemäß sehr schwierig mit der stop-motion-Technik und die sets müssten enorm umfangreich sein, um in der richtigen Proportion zu Roddy, Rita und dem Rest der Charaktere zu stehen.

Laut Regisseur Sam Fell hatte Aardman schon seit längerem vor, einen CG-animierten Film zu machen. Und so schien es, dass man mit ?Flutsch und weg? das richtige Projekt an der Hand hatte, um diesen Schritt zu wagen. ?Wir wollten eine ganze Stadt kreieren, eine ganze Welt. Und tausende von kleinen Ratten und Mäusen sollten anstatt auf Straßen auf den Kanälen herumspazieren?, sagt Fell. ?Und um das umzusetzen, sollte uns die CGI-Technik verhelfen.

Bowers stimmt dem zu: ?Das Kensington-Appartement, wo der Film beginnt, hätte in der vollen Größe gebaut werden müssen. Und dazu hätte man im Studio keinen Platz gehabt. Soviel Plastilin hätte es auch auf der ganzen Welt nicht gegeben, um das zu bauen.?

?Anfangs dachten wir, einen stop-frame-Film mit einer Menge CG-Technik machen zu wollen?, sagt Aardmans Mitbegründer und Produzent David Sproxton. ?Aber als wir sahen, wie viel wir am Computer machen müssten - die langen Tunnel, die großen Sets, das Wasser - da dachten wir - warum nicht den ganzen Film in CG produzieren??

Mitbegründer von Aardman und Produzent, Peter Lord, erklärt: ?Wasser ist ein wichtiges Element in diesem Film und das stellte uns vor die schwierige Aufgabe bei der stop-frame-Animation. ?Wenn wir sonst mit Wasser arbeiten, ist es normalerweise eine kleine Sache, mal einen Spritzer zu animieren, oder eine Träne rinnt bei einem der Charaktere die Wangen herunter. Aber ein Boot mit hoher Geschwindigkeit auf einem Fluss zu haben, verfolgt von Bösewichten auf Schneebesen, das war mit dieser Technik einfach nicht möglich.?

Der verantwortliche Mann für die Effekte, Yancy Lindquist, kommentiert: ?Wir haben hier fließendes Wasser. Und wir haben Wasser, das durch die Rohre fließt. Wir haben eine Unmenge von gefrorenem Wasser. Und das alles braucht eine etwas unterschiedliche Technik.?

Wie auch die Regisseure, sagt Lord, dass ?Flutsch und weg? durch niemanden anders als Aardman und DreamWorks gemeinsam entstehen konnte. ?Ich glaube, ?Flutsch und weg? bringt eine gewisse Ruhe in die CG-Kunst. Wir glauben über alles an die Darstellung, die Performance. Das Publikum mußs an die Charaktere glauben. Das bedeutet sehr oft, dass man am Gesicht sieht was passiert, ohne dass auch nur ein Wort gesprochen wird. Und das können wir bestens darstellen. Andererseits eignet sich Computeranimation hervorragend für große Action-Szenen. Und wenn man beides zusammenfasst, entstehen großartige, glaubenswürdige Rollen und total spektakuläre Action-Szenen.?

Auch bei den Sets und den Hintergründen zeigen die Aardmann-Filme einen einzigartigen Look. Ein Stil, den die Filmemacher bei ?Flutsch und weg? beibehalten wollten. Die Filmemacher wussten, dass sie die Aardman-Charakteristik in CG übertragen konnten. Die Verbindung von Computeranimation und die körperliche Qualität der stop-motion brachte etwas Neues - eine Evolution des Aardman-Stils.

?Es gibt definitiv einen Look des Designs eines Aardman-stop-motion-Films?, sagt Sproxton. ?Die Beschaffenheit der Modelle, die Fingerabdrücke auf dem Lehm, die Holzfaser, das Pflaster und die Gemälde. Die Sets und Charaktere wurden aus echten Materialien konstruiert. Und das ist der Aardman-Look. Ich würde sage, das ist unser Wahrzeichen.?

?Wir arbeiteten hart daran, den stop-frame-Stil auf die Computeranimations-Technik zu übertragen?, führt Fell aus. ?Wir wollten die CG-Technik nutzen, aber auch den Charme, die Wärme und das Gefühl der Aardman-Handschrift nicht verlieren. Wir haben wirklich das Beste aus diesen beiden Welten zusammen gefasst.

Wie Jeff Newitt, head of character animation, erklärt, waren die Kreatoren von ?Flutsch und weg? über die neuen Möglichkeiten von CG selbst sehr angetan, hatten aber immer die Bemühung, den Aardman-Stil zu erhalten, im Hinterkopf.

Kein Mensch - oder eine Maus - ist eine Insel. Um ?Flutsch und weg? auf die Kinoleinwand zu bringen, gehörte ein Team von talentierten Künstlern, Animatoren und Schauspielern, die die Charaktere zum Leben erweckten.

?Flutsch und weg? hat eine Menge an komischen Rollen?, sagt Lord. ?Ich glaube, die Bösewichte stehlen allen anderen ein wenig die Show. Es ist eine starke, spannende Geschichte, die eine Menge an verrückten Lachern zur Folge hat.?

?Unser Held, Roddy St. James, ist eine privilegierte Maus, die ein tolles Luxusleben in Kensington, einem teuren Viertel in London, verbringt?, erklärt Bowers. ?Er denkt, dass er ein wundervolles Leben mit viel Spaß und wenig Verantwortung hat. Aber er hat keine eigene Familie oder echte Freunde und so befasst er sich mit den Spielsachen und den Dingen, die er in dem Appartement vorfindet.?

?Er weiß überhaupt nicht, wie es draußen in der realen Welt vor sich geht?, fügt Fell hinzu. ?Er lebt in einer großen Seifenblase, die zwar wunderschön und luxuriös ist, aber er ist auch recht naiv.?

Aber als er dann unerwartet und ungewollt in Londons Kanalisation ankommt, wird er mit einer Welt konfrontiert, die komplett verschieden zu der seinen ist. Plötzlich gerät er in ein Abenteuer, das ihm die Augen öffnet.

Hugh Jackman, der Roddy im Original seine Stimme leiht, sagt: ?Wenn Roddy im Klo runtergespült wird, ist es für ihn nicht nur, dass er aus seiner gewohnten Umgebung gerissen ist - es ist, als sei er auf dem Mond gelandet. Er war zuvor nie aus seinem Haus gekommen; er war immer gut gekleidet, immer sauber - und immer allein. Und nun befindet er sich nicht nur in einer neuen Welt, er mußs sich auch noch mit Fremden herumschlagen.?

?Hugh gab Roddy mehr Charme, als man glauben wollte?, sagt Bowers. ?Hugh ist eigentlich ein sehr talentierter dramatischer Schauspieler, aber er hat auch eine wunderbare komische Ader. Roddy wurde viel lustiger und auch viel netter, als Hugh involviert wurde. Und er konnte singen! Das haben wir überhaupt nicht erwartet. Aber als wir ihn hörten, wussten wir sofort, dass wir eine Möglichkeit finden mußsten, dass Roddy in dem Film singt.?

Jackman, der 2004 einen Tony Award als Bester Schauspieler in einem Musical für seine Darstellung als Sänger und Songschreiber, Peter Allen, in ?The Boy from Oz? gewann, sagt: ?Ja, ich habe immer ein bisschen gesungen. Als wir mit der Arbeit begannen, sagten Sam und David: `Wir haben eine Idee für eine Szene, in der dich Rita vom Boot wirft. Du kannst dich auf den Rücken einer Gummiente retten und sie wirft dir eine Gitarre als Paddel zu. Aber anstatt zu paddeln, nimmst du die Gitarre und bringst ihr ein Ständchen`. Und das machten wir dann auch so.?

Rita, gesprochen von Kate Winslet, verkörpert alles, was Roddy nicht ist. Sie ist eine unabhängige, mit allen Wassern gewaschene Kapitänin, die nur für den Moment lebt und alle Risiken auf sich nimmt. Aber sie kümmert sich sehr um ihre Familie. Roddy und Rita treffen sich zufällig und werden in das Abenteuer ihres Lebens verwickelt.

?Roddy weiß, dass Rita die Einzige ist, die tapfer genug ist, ihm auf die Reise zurück in seine Heimat zu verhelfen?, erklärt Winslet. Und zwischen den Beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft, die sogar zu einer ungewöhnlichen Romanze wird. Hier kann man sagen, dass Gegensätze sich anziehen.?

Fell fügt hinzu: ?Rita und ihr Vater haben auf ihrem Boot namens Jammy Dodger einen Schrotthandel. Sie ist ein wenig wild, ein wenig chaotisch und auch ein bisschen vulgär. Aber sie ist auch tapfer und abenteuerlustig. Sie gerät in einige Schwierigkeiten, aber sie kann sich immer wieder selbst daraus befreien?.

?Wir sahen in ihr eine Art Indiana Jones?, sagt Kramer. ?Rita ist der Inbegriff eines Straßenmädchens?, sagt Simon Otto, der Ritas Look kreierte. ?Zuerst kreierten wir einen sehr attraktiven Charakter, aber extrem jungenhaft. Rothaarig, etwas zusammengestoppelt und etwas zerzaust. Durch ihre Stimme brachte Kate eine etwas feminine Nuance in die Rolle. Und so, denke ich, wurde Rita schließlich eine Mischung zwischen einer wunderschönen Sirene und einem Bauarbeiter?.

Winslet identifiziert sich mit ihrer Rolle. ?Ich glaube, dass ich etwas von Rita habe - jedes Mädchen sollte das. Taff, aufregend und interessiert. Ich versuche, so stark wir möglich zu sein. Ich denke, dass das für uns Frauen sehr wichtig ist.?

Wenn Rita unkultiviert ist, dann ist Sid, Roddys und Ritas unbekannter Kuppler, erst recht unflätig . Nachdem er wie eine Rakete aus dem Küchenspülbecken katapultiert wurde, machte sich Sid, eine ungehobelte, aber jovial auftretende Kanalratte, in Roddys Kensington-Appartement breit. Anstatt wieder aus dieser für ihn neuen Umgebung zu verschwinden, spülte er seinen Gastgeber die Toilette hinunter. Bekleidet mit einem T-Shirt aus Unterhosen und Hosen, die seinen dicken Bauch kaum verbergen können, tritt Sid in der ersten Szene des Films mit dem längsten Rülpser in der Geschichte der Animation auf.

?Sid ist dreckig und ungehemmt und doch ist er nicht unbedingt ein schlechter Junge, er ist praktisch der Anstoß zu Roddys neuem Leben?, sagt Fell. ?Sid lebte ein hartes Leben im Kanal und hat natürlich nicht den Wunsch, diesen Luxusplatz zu verlassen. Er ist ein schmutziger, rücksichtsloser Charakter, der Roddy aus seiner kleinen Seifenblase vertrieben hat. Sid ist chaotisch - und Roddy hasst Chaos.?

Der britische Star Shane Richie lieh Sid seine Stimme - und noch mehr. ?Sid ist extravagant und ein bisschen seltsam, und so ließen mir Sam und David ein wenig Freiheit?, erzählt Richie. ?Leute, die mich kennen, werden wahrscheinlich sagen `So, so, Shane hat ein wenig hinzugefügt`. Aber eigentlich habe ich ein wenig von meiner eigenen Persönlichkeit eingebracht.?

Lionel Gallat, der als supervising animator für die Gestaltung von Sid verantwortlich war, bemerkt, dass Sids Umfang eine Herausforderung für die Crew war. ?Sid ist fett?, sagt Gallat. ?Es ist schwierig, diese Figur in der richtigen Proportion darzustellen. Der Umfang erschwert manchmal die Bewegung. Sids Bauch mußste im richtigen Winkel sein, als er sich runterbeugte, um in die Kloschüssel zu schauen. Aber unsere Leute lösten das alles wunderbar.?

Während Sid sich glücklich in seiner neuen Umgebung befindet, braute sich der Ärger für die Bewohner im unteren Bereich zusammen, wo der Bösewicht Toad sein Unwesen treibt. ?Toad ist ein dickes, bombastisches, herrisches, übergroßes grünes Krötenmonster?, sagt Bowers. ?Er gehörte früher zu Prinz Charles Haustieren, aber er wurde durch eine Maus ersetzt und durch die königliche Toilette in Londons Kanal gespült. So baute sich eine tief verwurzelte Abneigung gegen alle Nagetiere auf, und sein Plan ist es, sie alle zunichte zu machen.?

Toad wird im Original von Ian McKellen gesprochen. Bowers fügt hinzu: ?Wir baten ihn, alle seine Shakespeare-Erfahrung in die Rolle einzubringen, denn Toad sieht sich selbst als etwas ganz Besonderes, eine Art Noel Coward-Typ ?. was aber außer ihm keiner sieht.?

?Ich denke niemals über die Charaktere, die ich spiele, schlecht, auch wenn es sich um Richard III. handelt?, sagt McKellen. ?Toad hatte ein hartes Leben. Er wurde ins Klo gespült, als Prinz Charles sich für ein neues Haustier entschied. Natürlich war Toad enttäuscht, um es mild auszudrücken. Aber hier unten wurde er zu dem, was er ist. Er denkt sehnsüchtig über seine Vergangenheit nach, aber das Schicksal meinte es anders mit ihm und brachte seine wirklich hässliche und böse Seite an den Tag?.

?Toad ist sehr barock und breit in seiner Gestik, was sehr lustig ist?, sagt supervising animator Jason Spencer-Galsworthy, der das Team leitete, das für Toad zuständig war. ?Er ist der Bösewicht des Films. Das ist oft die Rolle, die am interessantesten ist. Man ist der Auffassung, dass, wenn man groß und dick ist, man auch langsam und schwerfällig ist. Aber wir wollten nicht, dass Toad so wirkt. Um eine Idee zu bekommen, wie er sich bewegen sollte, schauten wir uns Videos an mit großen Vorbildern - Noel Coward, Alfred Hitchcock, um nur zwei zu nennen, die auch sehr flink und kraftvoll waren und eine ungeheuerliche Energie ausstrahlten. Man fühlt, dass er zu jeder Zeit körperlichen Einsatz zeigen könnte, obwohl er normalerweise seine Leute hatte, die die Schmutzarbeit für ihn erledigen?.

Spike und Whitey sind Toads Spießgesellen und Geheimwaffe, die Roddy und Rita den Garaus machen sollen. Aber diesen beiden so genannten Killerratten fehlt leider das Talent, das nötige Hirn - und der Killerinstinkt. Sie sind, wie Fell beschreibt, ?nur ein Idiotenpaar. Sie wollen eigentlich die bad boys sein, aber auch dazu sind sie nicht gut genug.?

Andy Serkis, der Spike seine Stimme gibt, fügt hinzu: ?Spike und Whitey sind eine Doppel-Null. Spike ist tödlich, absolut tödlich ?. seiner eigenen Meinung nach. Dabei ist er weich wie sonst was und eine nervöse, zitternde Ratte, die noch immer bei der Mutter lebt. Und das kompensiert er, indem er Whitey herumkommandiert, obwohl der dreimal größer ist als er.?

?Whitey ist eine Albino-Ratte aus dem Versuchslabor?, erklärt Bill Nighy, der diesem Charakter seine Stimme leiht. ?Whitey war in merkwürdige Shampoo-Experimente involviert, die zu Halluzinationen führten und Schuld an seinem löchrigen Verstand sind. Er ist ein großer klumpiger Kerl, der eigentlich sehr nett ist, aber einen schwierigen Job hat.?

Produzent Cecil Kramer fügt hinzu: ?Ich habe eine weiche Stelle in meinem Herzen, die für Whitey ist. Er ist rau und taff nach außen, aber innerlich ist er weich wie Matsch.?

Serkis sagt: ?Du verinnerlichst den Charakter und du spielst die Situation. Ich hatte das Glück, dass ich zu Anfang gleich mit Bill zusammen arbeiten konnte. Wenn man solch einen Doppel-Akt spielt, ist es wichtig, sofort die andere Person dabei zu haben.?

Night bemerkt: ?Das Phänomen, deine eigene Stimme von dieser animierten Kreatur zu hören, ist schon faszinierend.?

Als es ans Tageslicht kommt, dass weder Spike noch Whitey Rita und Roddy gewachsen sind, ruft Toad seinen ruhelosen und gummiartigen französischen Cousin, Le Frosch, zu Hilfe. Aber eigentlich interessiert sich Le Frosch mehr für ein gemütliches Abendessen als für den wahnsinnigen Plan seines Cousins. Der französische Schauspieler Jean Reno gibt Le Frosch die Stimme.

?Er ist mehr der Urtyp des bösen Buben als der des echten Franzosen?, beschreibt Reno Le Frosch. ?Er hat einige typische französische Eigenschaften, wie die Beziehungen zum Essen oder den Frauen, aber er ist auch ein sehr weicher und glatter Bösewicht. Er ist ein schillernder Typ - und das gefällt mir.?

Bowers bewundert Renos Art von Humor genauso wie sein Talent. ?Jean war ein wirklicher Krieger?, kichert er. ?Man weiß ja, die Briten und Franzosen machen sich schon seit ewig, ich glaube, seit fünf Millionen Jahren, übereinander lustig. Klar, wir machen uns auch über die Briten lustig, aber da gab es einige kleine Gags, bei denen wir etwas ängstlich waren, sie so einem respektieren französischen Schauspieler anzutun, doch Jean hatte damit überhaupt keine Probleme.?

Cecil Kramer sagt über das Ensemble: ?Wir hatten niemals alle unsere Schauspieler zu gleichen Zeit im Raum. Tatsächlich nahmen wir die Stimmen in zehn verschiedenen Städten, sechs verschiedenen Ländern und auf drei verschiedenen Kontinenten auf. Aber dadurch, dass wir die richtige Kombination von Talenten hatten, die richtigen Leute für die richtigen Rollen, passten die Charaktere perfekt zusammen.?

Um den Kontrast zwischen Roddys Leben im Luxus und dem pulsierenden Chaos, in das er gespült wurde, darzustellen, mußsten die Filmemacher zwei total unterschiedliche Welten bauen.

In Roddys extravagantem Heim ist alles perfekt an seinem Platz zu finden. Als die Besitzer des Anwesens in Urlaub fahren, begibt sich Roddy aus seinem Käfig. Fell erklärt: ?Roddy ist eine Hausmaus, die bei einer wohlhabenden Familie in Kensington lebt. Er lebt in seinem goldenen Käfig, trägt die feinsten Puppenkleider und fährt Ski auf kleinen Bergen von Eiscreme. Er spielt Volleyball mit seinen Spielzeugkameraden und fährt sie in einem Spielzeugauto durch die Wohnung. Und er fühlt sich dort sehr glücklich - sollte man meinen, denn er kennt es nicht anders.?

Da der Film in und unterhalb Londons spielt, war einer der ersten Schritte im Produktionsdesign-Prozess, sich den Ort anzuschauen. ?Wir machten unzählige Fotos? erinnert sich Co-Art Director Pierre-Oliver Vincent. ?Wir nahmen jedes kleinste Detail zur Kenntnis - die Fenster, die Türen, die Treppen, die Beschriftung, denn diese Dinge sind in einer Stadt einzigartig. Wir haben wirklich versucht, das Gefühl dieser Stadt wieder zu geben.?

Man denkt, dass es in London immer regnet und trüb ist, bemerkte Vincent, ist aber eigentlich sehr hell und glänzend dort. ?Wir sehen in London immer eine dunkle Stadt wegen des Wetters. Dabei ist sie sehr farbenprächtig. Es gibt eine Menge an roter und weißer Farbe. Die meisten der Fenster haben einen weißen Rahmen. Die Türen sind oft leuchtend blau oder grün oder rot. Sogar die Ziegelsteine sind farbig.?

Für den Film wurden Hintergrund-Gemälde von London angefertigt. ?Wir machten Fotos von den echten Plätzen?, sagt Ronn Brown, matte painting supervisor. ?Nachdem wir die Fotos hatten, machten wir eine Art von Collage. Als wir dann malten, nahmen wir all die Fotografien zusammen, ergänzten das Licht, die Größen und die Form. Das führte zu einem realistischen Stil im Film, aber immer noch im Aardman-Stil. Zum Beispiel haben wir Big Ben etwas dem Aardman-Stil angepasst.?

Der Untergrund Kensingtons ist demzufolge total andersartig. Es ist ein geschäftiger, widerspenstiger Platz und für ein verwöhntes Haustier voller voraussehbarer Gefahren, aber auch gleichzeitig spannend und aufregend. Roddys Heimat ist sauber, bequem und sicher - aber auch irgendwie kalt und langweilig. Aber die Untergrundwelt scheint für ihn magisch zu sein.

?Der Unterschied zwischen Kälte in Roddys Welt und der geschäftigen Unterwelt mußste deutlich sein?, sagt co-art director Scott Wills. ?So kommt er von einer Welt, die echt weiß und glänzend ist, in einen dunklen und komplexeren Lebensraum. Es ist ein Balanceakt - Roddy mußste sich erst daran gewöhnen, aber das dauerte nicht lange, da er sich verliebte.?

Um sich die Inspiration für diese Welt zu holen, mußsten sie sich in einen Teil Londons begeben, der wahrlich keine Touristenattraktion ist. ?Wir gingen runter in Londons Kanalisation?, sagt Bowers. ?Wir trugen die entsprechende Kleidung und schützende Masken und mußsten eine sehr lange Leiter runterklettern.?

Diese Exkursion führte in eine unbekannte Umwelt. ?Es gab da unten nichts zu sehen?, lacht Bowers. ?Wir hofften, Inspirationen zu holen, aber da gab es nichts. Wir fragten einen der Männer, die da unten arbeiteten, wo die Ratten sind. Er sagte `Oh, das ist viel zu tief für Ratten. Hier gibt es keine.` Das war für uns eine Überraschung?.

Der Trip brachte aber überraschenderweise wunderschöne viktorianische Architektur und Brückenarbeit zum Vorschein, die Produktionsdesigner David A.S. James mit der Kamera einfangen wollte. ?Ich machte einige digitale Aufnahmen da unten?, erinnert er sich, ?obwohl ein Typ, der hinter uns war, warnte, nicht zu viel mit Blitzlicht zu arbeiten, da es eventuell zu einer Methangasexplosion kommen könnte. Das gehörte nicht unbedingt zu einem normalen Arbeitstag in der CG-Animation??

Nachdem sie wieder zurück waren in einem weniger gefährlichen Umfeld, begann das Team mit dem Design einer alternativen Vision von Londons Kanalwelt. Die Designer rekonstruierten bekannte Gebäude und Plätze und versetzen sie in die Unterwelt. Sei es der Piccadilly Circus, an dem eine alte Musikbox, die als Musikladen diente, oder der Big Ben, der eine Waschmaschine ist, ein Bilderrahmen, eine Wanduhr und Henkeltassen. Das Londoner Taxi ist ein dachloses Boot und der Zeitungsstand ein umgebauter Motorradhelm.

Jammy Dodger, Ritas Boot, gehört zu den einfallsreichsten Kreationen des Teams. ?Wir wussten, dass es sehr interessant aussehen mußste. Tennisbälle dienten als Stoßstangen. Der hintere Teil des Bootes ist ein Reifen. Die Kabine besteht aus einer Gasflasche. Das Steuer ist ein Wasserhahn, der Gashebel ist von einem alten Autoscooter, das Funkgerät besteht aus Schreibmaschinentasten usw. usw.?

Um die richtige Stimmung für den Film zu finden, ist es unerlässlich, den richtigen Sound und gut ausgewählte Songs zu haben. Von der schnellen Verfolgungssequenz zu den innigen Momenten, in denen Roddy und Rita ihre Zuneigung entdecken, bis hin zu den komischen Auftritten der Nacktschnecken, trägt die Musik zu dem Hintergrund des Filmes bei. ?Wir wollten einen klassischen Score, der die Balance zwischen Comedy und Abenteuer widerspiegelt, so wie der Film ist?, erklärt Fell. ?Auf eine bestimmte Art ist er wie ein ?Indiana Jones?-Film, mit fabelhaften Actionszenen, aber in einer anderen Weise. Es ist wirklich sehr albern und komisch. Wir schauten nach etwas, das an alte Cartoon-Scores wie Carl Stallings Arrangement mit Tex Avery, erinnerte.?

Um das zu realisieren, wandten sich die Regisseure an Harry Gregson-Williams. ?Wir waren sehr glücklich, Harry dafür gewinnen zu können?, sagt Bowers. ?Er schrieb den Score für die ?Shrek?-Filme und ?Narnia?. Er produzierte die gewisse Art von London-typischer Musik, den wir liebten?.

Nachdem er den Score für verschiedene DreamWorks Animation-Filme komponiert hatte, war es für ihn klar, auch für ?Flutsch und weg? die Musik zu liefern. Er fing nicht mit dem Beginn des Filmes an und auch nicht mit einer Actionszene, sondern mit einem ergreifenden Moment in der Mitte des Films. ?Es gibt eine Szene, wo Roddy und Rita zusammen zu Abend essen und sie ihn auffordert, über sich etwas zu erzählen?, sagt er. ?Und Roddy gaukelt ihr vor, ein wunderbares Leben inmitten von Freunden und Verwandten zu haben. Aber das ist ja nicht wahr und er bemerkt, dass er darüber eigentlich sehr traurig ist. Es ist eine sehr emotionale Szene und eine kurze Pause von der Geschwindigkeit im Film. Es scheint ein bisschen merkwürdig, dass ich mit der Mitte des Films begann, aber ich sah es als den Punkt, wo alles zusammen läuft. Von da aus ging ich zurück und baute so nach und nach die Szenen musikalisch auf.?

Die Auswahl der Songs und der Künstler war ebenso essentiell. Bowers sagt: ?Wir wollten Spaß haben, wir wollten aber auch eine Bandbreite an verschiedenen Feelings haben, denn es handelt sich um eine Stadt mit einem urbanen Stadtgefühl. So kamen wir auf verschiedene Künstler, darunter die Jets, die Dandy Warhols und sogar Tina Turner.?

Die Filmemacher wollten sich aber nicht zurückhalten, ihre eigenen Musiker zu etablieren. ?Flutsch und weg? markiert das musikalische Debüt der Nacktschnecken. Diese schlüpfrigen Sänger begannen als eine Art Statisten, weitere für Roddy unbekannte Kreaturen, auf die er bei seiner Ankunft in der Kanalwelt stieß. Aber Fell und Bowers merkten sehr schnell, dass diese Nacktschnecken ein enormes komödiantisches Potenzial hatten.

?Wir fingen erst nur mit ein paar wenigen dieser Schnecken an, die diese markerschütternden Schreie ausstießen, als sie zum ersten Mal Roddy sahen?, erinnert sich Fell. ?Aber die waren so lustig und niedlich, sodass wir schauten, sie in weiteren Szenen des Films einsetzen zu können.?

Seitdem wurden die Nacktschnecken die Favoriten der Crew und sie erweiterten ihren Auftritt um einiges. ?Wir überlegten, ob es wohl großartig wäre, wenn sie singen würden? So wurden sie so etwas wie ein komischer griechischer Chor, der zu dem albernen und humoristischen Stil des Filmes passte.?

Während die Schnecken als Backgroundchor für eine Szene, in der Roddy Rita ein Ständchen bringt, dienten, bewundert Bowers, dass zum Finale des Films in einer besonderen Version von `Proud Mary` die Schnecken lippensynchron waren. ?Wir wollten unbedingt hören, wie Tina Turners Stimme aus den Mündern der Schnecken klingen würde. Wir dachten einfach, dass es sehr lustig sein würde. Und das ist uns gelungen.?

Szenenfoto
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