Es begab sich aber zu der Zeit ...

Produktionsnotizen

Die Weihnachtsgeschichte im Neuen Testament

Der folgende Text ist ein Beitrag von Dr. William J. Fulco, S. J., Vorsitzender der National Endowment of the Humanities (Nationalstiftung der Geisteswissenschaften) in Alten Mediterranen Studien an der Klassik / Archäologie-Fakultät der Loyola Marymount University in Los Angeles.

Im Neuen Testament gibt es zwei Berichte über Jesu Geburt ? einen im Matthäus-Evangelium und einen im Lukas-Evangelium. Die meisten Forscher sind sich darüber einig, dass beide Evangelien etwa um 70 nach Christus entstanden, etwa 40 Jahre nach Jesu Tod. Die beiden Versionen stimmen nicht vollständig überein. Obwohl das Interesse an Jesu ersten Lebensjahren in der christlichen Frühkirche sicher groß war, wird deutlich, dass man über diese frühen Jahre sehr wenig wusste. Deshalb entstanden die Geschichten unter Verwendung des Midrasch, d. h. einer manchmal kreativen Auslegung und Kommentierung der Ereignisse unter Einbeziehung der bekannten Fakten. Mit aufgeführt wurden auch Hinweise, die sich bei den Propheten oder in anderen heiligen Schriften finden.

Matthäus? Erzählung über die Kindheit enthält auch einen Stammbaum Jesu, der seine Herkunft von Abraham über David veranschaulichen soll. Erwähnt wird Josephs prekäre Situation, als seine Verlobte ein Kind erwartet, das er nicht gezeugt hat, und die Überwindung dieser Verwirrung durch einen Traum, dann Jesu Geburt in Bethlehem, der Besuch der Weisen bei Herodes, dessen anschließender ?Kindermord von Bethlehem? und die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.

Lukas? Erzählung geht mehr ins Detail und berichtet auch davon, wie Elisabeth Johannes den Täufer zur Welt bringt ? sie ist die Frau von Zacharias und Marias Cousine. Lukas? Version beginnt mit der Ankündigung von der Geburt des Täufers, für seine Mutter ein ganz besonderes Geschenk, denn sie konnte bisher keine Kinder bekommen. Daraufhin ergibt sich eine Parallele zu Marias Situation: Der Engel Gabriel verkündet ihr, dass sie auf wundersame Weise den Heiligen Geist empfangen wird. Die beiden Geschichten vereinen sich in Marias Besuch bei Elisabeth, und aus diesem Anlass singt Maria ihr berühmtes Magnificat (Lobgesang).

Lukas verlegt Jesu Geburt nach Bethlehem, stellt aber einen Zusammenhang mit der römischen Volkszählung her, die die Eltern zwingt, sich in Josephs Geburtsort registrieren zu lassen. Während Matthäus die Weisen zum kleinen Jesus kommen lässt, um hervorzuheben, dass er der Heiland aller Völker und Länder ist, lässt Lukas das Kind bezeichnenderweise in einem unscheinbaren Stall zur Welt kommen, wo ihn einfache Hirten besuchen ? damit betont er, dass Jesus auch für die armen und einfachen Menschen da ist.

Weder das Markus- noch das Johannes-Evangelium berichten über die Kindheitsgeschichte, beide beginnen mit Jesu Leben in der Öffentlichkeit. Außerhalb der Geschichten von Matthäus und Lukas finden sich im Neuen Testament keine weiteren Hinweise auf Jesu Kindheit, obwohl sie ein Lieblingsthema der so genannten Apokryphen oder nicht-kanonischen Evangelien ist.



Aus der Weihnachtsgeschichte entsteht ein großer Kinofilm Drehbuchautor Mike Rich ließ sich in der Adventszeit 2004 inspirieren: ?In mehreren Zeitschriftenartikeln las ich über die Weihnachtsgeschichte, über Maria und Joseph, die Weisen, die Hirten ? all die Figuren, die ich als Kind sorgfältig um unsere Familienkrippe aufbaute. Und dabei fiel mir auf, dass ich zwar eine gute Vorstellung davon hatte, wie die Reise nach Bethlehem zu Ende ging, aber nur vage Vorstellungen von ihrem Anfang: Wie kamen die beiden dorthin? Was für Menschen waren das, was mussten sie durchmachen? Da ich gläubig und Geschichtenerzähler bin, waren das faszinierende Fragen für mich.?

Mit seinem damaligen Agenten Marty Bowen von der United Talent Agency diskutierte Mike Rich über die Weihnachtsgeschichte als mögliches Drehbuch. Bowen hatte Rich bereits bei etlichen Filmen vertreten, zum Beispiel bei ?Finding Forrester? (Forrester ? Gefunden!) und ?The Rookie? (Die Entscheidung ? Eine wahre Geschichte). Er wusste also, dass Richs tiefer Glaube und sein Schreibstil die besten Voraussetzungen für eine ebenso bewegende wie nachvollziehbare Geschichte darstellten.

Tatsächlich war die Idee derart faszinierend, dass Rich sich in eine umfangreiche Recherche stürzte, um herauszufinden, was für Menschen Maria und Joseph waren und was sie wohl empfunden haben. Fast ein Jahr lang erforschte er jeden Aspekt der Geschichte. Immer wieder las er das Matthäus- und Lukas-Evangelium, um keinen biblischen Hinweis auf die Reise von Maria und Joseph zu übersehen.

?Mich faszinierten die ungeheuren Probleme, die Maria und Joseph bewältigen mussten ? dabei half ihnen allein ihr Glaube an Gott und aneinander?, sagt Rich. ?Leider berichten die Quellen nur sehr wenig über Maria und noch weniger über Joseph. Ich musste mich also sehr intensiv in das sozialpolitische und kulturelle Umfeld der damaligen Zeit einarbeiten. Da wurde ich auch durchaus fündig. Die Dynamik war also vorgegeben, und langsam entwickelte ich ein Gefühl dafür, womit Maria es zu tun bekam.?

Parallel zu seinen eigenen intensiven Recherchen wandte Rich sich auch an mehrere Experten verschiedener Fachrichtungen, um sicherzustellen, dass er absolut akkurat vorging. ?Schon ganz früh legten wir Wert darauf, Feedback auf mein Skript zu bekommen, wir wollten es so vielen Leuten wie nur möglich zu lesen geben?, sagt Rich. ?Historiker, Theologen, jüdisch-christliche Experten, katholische Experten, ökumenische Experten ? sie alle trugen zur authentischen Atmosphäre des Films bei. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Optik, sondern auch aus kultureller und traditioneller Sicht.?

Obwohl seine Nachforschungen eine unschätzbare Voraussetzung für das Drehbuch bilden, war es doch eine persönliche Tragödie, die Rich am meisten inspirierte. ?In jenem Jahr starb mein Vater, und ich fühlte mich spirituell und emotional getrieben, ein neues Projekt anzupacken. Also schrieb ich kurz nach Thanksgiving die erste Fassung, wobei ich ständig Musik, viele Weihnachtslieder hörte. Das war ein zutiefst spirituelles Erlebnis. Ich habe das Skript wirklich sehr gern geschrieben ? nicht weil es so eine gewaltige Story mit epischen Ereignissen ist, sondern ganz im Gegenteil: Es geht im Grunde um die sehr persönliche, intime Geschichte zweier ganz normaler Menschen, die eine absolut einzigartige Mission zu erfüllen haben.?

Eine Erfahrung, die alles veränderte Als Mike Rich noch am Drehbuch arbeitete, entwickelte das Projekt eine Eigendynamik und stellte das Leben aller Beteiligten auf den Kopf: Marty Bowen fühlte sich immer stärker von dem Projekt fasziniert ? es ging ihm schon längst nicht mehr nur darum, eine Produktionsfirma für Richs Skript zu finden.

?Ich vertiefte mich erneut in die Evangelien und merkte, dass ich mich auf mein tägliches Telefonat mit Mike freute, um den Fortschritt des Skripts zu besprechen, und dann traf ich eine sehr schwerwiegende Entscheidung?, sagt Bowen. ?Ich wollte an dem Film mitwirken und nicht mehr nur Mike als Agent vertreten.? Deshalb gab Bowen seine Stellung bei der Künstleragentur UTA auf, deren Teilhaber er war.

Im Zuge dieser Entwicklung rief Bowen Produktionsmanager Cale Boyter bei New Line Cinema an und vereinbarte ein Treffen. Beim Lunch sprachen die beiden über ?Es begab sich aber zu der Zeit?? Boyter gefiel die Idee, und er fragte sofort: ?Wen engagierst du als Autor?? Bowen berichtete, dass Rich bereits an dem Skript arbeitete. Boyter schätzte Richs bisherige Filme, und schon als Bowen in sein Büro zurückkehrte, fand er eine Nachricht von Boyters Chef Toby Emmerich vor, der bei New Line für die Produktion verantwortlich ist. Er bat um ein weiteres Treffen. Man wurde sich schnell einig: New Line wollte den Film produzieren.

Auch seinem alten Zimmergenossen und langjährigen Freund, dem Produzenten Wyck Godfrey, gab Bowen das Skript zu lesen, und er überredete ihn, seinen Job bei Davis Entertainment aufzugeben, damit die beiden eine gemeinsame Firma gründen konnten. Das erste Projekt der neuen Firma Temple Hill Entertainment sollte ?Es begab sich aber zu der Zeit?? werden.

?Wyck zählt zu den erfahrensten Produzenten überhaupt, und ich will meine Filme auf alle Fälle mit Leuten machen, die ich respektiere?, sagt Bowen. ?Mir lag daran, mit Freunden zu arbeiten, die sich wie ich für Geschichten begeistern können.?

Godfrey hat mit Filmen wie ?I, Robot? (I, Robot) und ?Behind Enemy Lines? (Im Fadenkreuz ? Allein gegen alle) Erfahrungen gesammelt. Er war sofort von der Idee begeistert und wusste, dass sich ihm hier die Chance bot, einmal einen ganz ungewöhnlichen Film zu produzieren.

?Wir bringen damit einen wunderbaren Film in die Kinos, weil er genau für die Themen, das Herzblut und die Werte steht, die wir in die Projekte unserer Firma einbringen wollen?, sagt Godfrey. ?Wir sind alle mit großer Leidenschaft bei der Sache.?

Als der Produktionsvertrag geschlossen und die erste Skriptfassung fast fertig war, konzentrierten sich Bowen und Godfrey auf die nächste wichtige Entscheidung: Welcher Filmemacher sollte ?Es begab sich aber zu der Zeit?? auf die Leinwand bringen?

Die richtige Frau für den Job Als Bowen und Godfrey ihre Suche nach einem geeigneten Regisseur aufnahmen, schickten sie das Drehbuch an etliche hochkarätige Filmemacher ? es ging darum, eine Persönlichkeit zu finden, die so vielschichtige Figuren wie Maria und Joseph in die rechte Perspektive rücken konnte.

Regisseurin Catherine Hardwicke fand Mike Richs Drehbuch zu ?Es begab sich aber zu der Zeit?? in einem großen Stapel von Drehbüchern, die sie lesen sollte. Weil sie mit Wyck Godfrey befreundet ist, las sie es und war überrascht, wie sehr es sie faszinierte.

?Ich kannte die Weihnachtsgeschichte so, wie sie uns allen vertraut ist ? ein paar einfach formulierte Absätze mit wenigen Details und so gut wie keinem Hinweis auf die Charaktereigenschaften von Maria und Joseph?, sagt Hardwicke. ?Aber durch Mikes Skript eröffnete sich mir plötzlich die Möglichkeit, die Gedanken, Herzen und Seelen dieses jungen Paares zu erforschen. Die Geschichte hat ja für Menschen in aller Welt eine ganz besondere Bedeutung. Dadurch, dass wir die menschlichen Seiten aufzeigen, können die Zuschauer ganz persönlich auf den Film reagieren und sich inspirieren lassen, um ihre eigenen Probleme und Schwierigkeiten besser in den Griff zu bekommen.?

Hardwicke traf sich mit den Produzenten Bowen und Godfrey, um das Projekt genauer zu besprechen ? sie brachte die Bücher und Bilder ihrer eigenen Recherchen mit. Und sie hatte bereits konkrete Vorstellungen, wen sie in den Hauptrollen besetzen beziehungsweise wo und wie sie den Film drehen wollte. Damit waren die Produzenten schnell überzeugt.

?Wir entschieden uns für Catherine Hardwicke, weil sie die vorstellbare Bilderbuch-Version des Films gegen den Strich bürstet?, sagt Wyck Godfrey. ?Catherine hat sich gerade mit der filmischen Darstellung junger Menschen hervorgetan, sie kennt sich aus mit Konflikten und Krisen, mit dem Leid, das schwere Entscheidungen mit sich bringen, wenn man die Familie verlassen muss und auf sich selbst gestellt ist. Uns begeisterte die Vorstellung, diesen Ansatz auf die biblischen Zeiten zu übertragen.?

Hardwicke ließ sich diese Gelegenheit nicht entgehen: ?Hunderte hervorragender Künstler haben sich von dieser Geschichte inspirieren lassen ? Musiker, Komponisten, Bildhauer, Maler. Für mich war es ein wunderbares Geschenk, eine ganz eigene Interpretation zu versuchen.?

Die Weihnachtsgeschichte wird besetzt Als Hardwicke an Bord kam, kümmerte sich das Produktionsteam um die Besetzung des Films. Die Filmemacher legten Wert darauf, eine stimmige mediterrane Atmosphäre zu schaffen und suchten deshalb in aller Welt nach geeigneten Darstellern für die schwierigen Filmrollen.

Zu diesem Zweck wurden Casting-Agenturen in Los Angeles, New York, London, Paris, Rom und Tel Aviv eingespannt, die sich auf die Suche nach Schauspielern machten.

Bei der alles entscheidenden Rolle der Maria bestanden Hardwicke und die Produzenten darauf, dass die Schauspielerin die dramatische Entwicklung der Ereignisse trägt. Diese seltene Fähigkeit fanden sie in Keisha Castle-Hughes, die für ?Whale Rider? (Whale Rider) als jüngste Oscar-Kandidatin überhaupt in der Kategorie Beste Darstellerin nominiert wurde.

?Als ich für die Rolle der Maria vorsprach, fiel mir auf, dass wir sehr wenig über sie wissen, obwohl sie eine derartige Ikone ist?, sagt Castle-Hughes.

?Keisha wirkt äußerlich sehr gelassen, bringt unter dieser Fassade aber eine unbändige Kraft zum Ausdruck?, sagt Wyck Godfrey.

Eine weitere sehr starke Darstellerin fand Hardwicke für die Rolle der Elisabeth: die Oscar-Kandidatin Shohreh Aghdashloo, die ihre bekannteste Filmrolle in ?House of Sand and Fog? (Das Haus aus Sand und Nebel) und auf dem Fernsehbildschirm in ?24? (24) spielte.

?Shohreh ist eine wunderbare Schauspielerin?, sagt Hardwicke. ?Sie sprach für die Rolle mit einer wirklich bezaubernden Einstellung und Spiritualität vor, die tief aus ihrer Seele entspringt. Wir spüren förmlich, wie sie die Liebe der Heiligen Elisabeth ausstrahlt.?

?Ich habe mich sehr eingehend informiert, wer Elisabeth war, um mich in ihre Persönlichkeit einzufühlen?, sagt Aghdashloo. ?Sie erinnert mich im Grunde an meine eigene Großmutter ? deshalb brauchte ich gar nicht lange zu suchen.?

Dann machten Hardwicke und Bowen auf ihrer weltweiten Casting-Tour einen Zwischenstopp in New York. Dort lernten sie Oscar Isaac kennen, der kürzlich seine Schauspielausbildung an der Juilliard School abgeschlossen hatte. Hardwicke erlebte ihn als derart ?beseelt und lebendig?, dass sie ihm sofort die wichtige Rolle des Joseph anvertraute.

?Mich beeindruckt sehr, wie tief menschlich Joseph doch ist ? das ist mir sofort aufgefallen?, sagt Isaac. ?Ich fand es sehr spannend, wie sich das Skript auf das gemeinsame Leben der beiden konzentriert. Joseph empfindet eine wirklich sehr intensive Liebe für Maria. Doch letztlich muss er sich der Frage stellen: ,Wir werde ich bloß mit all den Problemen fertig, die da gleichzeitig auf mich einstürmen, ohne dass ich die Flucht ergreife???

Ähnlich begeistert äußert sich Hardwicke auch über die übrigen Darsteller. ?Wir hatten echt Glück, Hiam Abbass als Anna gewinnen zu können ? sie hat wunderbare Rollen in zwei Filmen gespielt: ,Paradise Now? (Paradise Now) und ,Munich? (München)?, sagt sie. ?Und sie wurde tatsächlich in Nazareth geboren! Auch Shaun Toub (Joachim) zeigte kürzlich in ,Crash? (L.A. Crash) eine hervorragende Leistung. Ich spürte gleich, dass die beiden ein wirklich bewegendes Paar abgeben.?

Für die Besetzung des König Herodes entwickelten die Filmemacher ganz spezifische Ideen. ?Wir haben ganz bewusst vermieden, Herodes von einem großen Filmstar spielen zu lassen?, sagt Godfrey. ?Wir wollten ihn jünger als üblich, vitaler zeigen.? Nachdem Hardwicke und Godfrey ?München? gesehen hatten, dachten sie an den Iren Ciarán Hinds, der sich in dem Film als einer der fünf israelischen Attentäter profiliert.

Als die Besetzung abgeschlossen war, hatten die Filmemacher tatsächlich höchst vielseitige, multikulturelle Darsteller versammelt: Sie stammen aus Trinidad, Iran, Neuseeland, Guatemala, Kamerun, England, Jordanien, Sudan, Frankreich und Italien.

Dreharbeiten Schon als die ersten Seiten des Skripts niedergeschrieben wurden, engagierten sich die Filmemacher für eine möglichst authentische Umsetzung von ?Es begab sich aber zu der Zeit?? und den legendären Ereignissen, die darin geschildert werden. Und diesem Anspruch blieben sie während der Dreharbeiten treu. Catherine Hardwicke hat selbst jahrelang als Produktionsdesignerin gearbeitet und bestand darauf, den Look und die Atmosphäre des Films so realistisch wie möglich zu gestalten.

?Wir streben Intimität an ? auf epischem Niveau?, sagt Hardwicke. ?Die Story bietet ein gewaltiges Panorama, zeigt atemberaubend schöne Landschaften, aber wir wollen auch die tiefen Gefühle zeigen, die das junge Paar bewegen, ganz persönlich und aus dem Bauch heraus ? bei allen physischen und emotionalen Hindernissen, die sie überwinden müssen.?

Auf der Suche nach geeigneten Schauplätzen reisten Hardwicke und Produzent Godfrey von Nazareth nach Bethlehem, um Locations zu suchen, die der damaligen Zeit entsprechen. Leider ist das Land inzwischen derart modernisiert, dass Dreharbeiten in Israel selbst ausgeschlossen waren, aber die Filmemacher fanden dort etwas, was sich als unschätzbare Hilfe erweisen sollte: eine sorgfältig nachgebaute Museumsstadt namens ?Nazareth Village?.

Auf einer Hügelkuppe mitten in der modernen Stadt Nazareth steht heute ein Krankenhaus, und hinter dem Krankenhaus finden sich die Umrisse des ursprünglichen Dorfes Nazareth. Archäologen stellten fest, dass die Grundrisse und Bausteine tatsächlich aus der Zeit um Christi Geburt stammen. Also schufen die Gründer der Non-Profit-Organisation Nazareth Village mit Hilfe von Historikern und Theologen eine lebendige Nachahmung des Ortes Nazareth, wie er zu Jesu Lebzeiten ausgesehen hat. Hardwicke und Godfrey inspizierten vor Ort die Häuser, die unterirdischen Zisternen, die durch die Muskelkraft von Eseln betriebene Olivenpresse und eine Synagoge aus dem ersten Jahrhundert, und sie ließen sich die Arbeit von Webern und Teppichknüpfern demonstrieren.

Dann flogen Hardwicke und Godfrey nach Italien, um sich die Landschaft in der Gegend um Matera anzusehen: In der kleinen süditalienischen Stadt wurden zuvor bereits Pasolinis ?Il vangelo secondo Matteo? (Das erste Evangelium ? Matthäus) und Teile von Mel Gibsons ?The Passion of the Christ? (Die Passion Christi) gedreht. Die Stadt selbst weist auffällige Ähnlichkeiten zu Teilen von Jerusalem auf, und die Landschaft ist von derselben Atmosphäre geprägt wie die Gegend um Nazareth: grüne runde Hügelkuppen, aus denen Kalkfelsen hervorragen, und uralte Olivenhaine.

?Matera ist heute authentischer als die Originalschauplätze?, sagt Mike Rich. ?Das heutige Nazareth ist eine moderne Stadt, und Jerusalem ist noch viel moderner.? In einem historischen Olivenhain, eine halbe Stunde von Matera entfernt, bauten Produktionsdesigner Stefano Maria Ortolani und sein Team das historische Nazareth nach, in dem sie den ganzen Ort neu errichteten. Dabei verwendeten sie vorhandene Felsstrukturen und stellten mit Hilfe von Gipsabgüssen Gebäude und Gassen her.

Im Mittelpunkt der Dörfer befand sich immer der Brunnen, und danach richtete sich auch die Ausstattungsabteilung ? drum herum entstanden die Gebäude des Ortes: die Olivenpresse, die Weinpresse und die nahe Synagoge. Die Häuser wurden an einem Hang errichtet, weil sich ein Ort immer hangaufwärts entwickelt, denn zunächst siedelt man direkt neben den Weizenfeldern und Weinbergen.

Drei Forscher aus dem Nazareth Village standen der Produktion beim Bau des Ortes als Berater zur Seite ? sie kamen nach Italien, um die Schauspieler und den Stab im ?Nazareth-Ausbildungslager? zu unterweisen. Die Schauspieler lernten, wie man Brot backt, Ziegen melkt, Oliven presst, Weizen sät und antike Werkzeuge benutzt. Joseph baut im Film sein eigenes Haus, und entsprechend half Oscar Isaac mit, das Gebäude zu errichten, in dem er als Joseph mit Maria wohnen will.

?Diese Vorarbeiten waren nötig, weil wir im Film die genauen Lebensumstände und Bedingungen der damaligen Zeit zeigen wollten?, sagt Produktionsdesigner Ortolani. ?Catherine hat ganz genau überwacht, was wir hier gemacht haben, und die Berater aus Israel halfen uns mit einer Menge Informationen, die dem Film-Look und den Darstellern zugute kamen.?

Auch die Landschaft der Umgebung setzte das Filmteam sehr vorteilhaft in Szene: Der Ort Bethlehem entstand neben etlichen Höhlen, die schon vor 8000 Jahren bewohnt wurden. In Matera selbst gibt es eine Reihe von ?Sassi? genannten Höhlen, die als Wohnhäuser, Restaurants und Kirchen mitten im Berg genutzt werden. Mit Unterstützung der Ausstatter und einigen visuellen Effekten wurden sie zu den alten Straßen in Jerusalem umfunktioniert.

Nach fünf Drehwochen in Italien zog das Produktionsteam nach Ourzazate in Marokko weiter. Ein zweites Ausstatterteam hatte dort inzwischen Elisabeths Dorf in der Fint-Oase errichtet ? dort fließt ein von Palmen gesäumter Fluss unterhalb einer atemberaubend schönen, tief violetten Bergkette vorbei. Die örtlichen Teams bauten dort Häuser im authentischen Stil des ersten Jahrhunderts: Aus echtem Flussschlamm errichtete man dicke Mauern, der Fußboden bestand aus gestampfter Erde, und die Öfen zum Brotbacken wurden so angelegt, wie es seit 1000 Jahren üblich ist.

Andere bereits existierende Sets wurde zu Herodes? Palast und zum Tempel in Jerusalem umfunktioniert, aber das größte Plus dieser im südlich-zentralen Marokko gelegenen Gegend sind die überwältigenden, unberührten Landschaften, die als Stationen auf Marias und Josephs Reise dienen. Der ?Baby-Grand Canyon? dient als die tückische Furt durch den Fluss, wo man örtliche Schlangenbeschwörer einsetzte, um den Auftritt der Reptilien zu gewährleisten. In verlassenen Schlammhaus-Dörfern legte man mesopotamische Märkte an, durch die die Weisen kommen. Auch die eigentliche Sahara spielt mit ? inklusive Mittagstemperaturen von 56 Grad Celsius: Dort entstanden die Szenen vom Anfang der Reise der drei Weisen sowie Marias und Josephs abschließende Flucht nach Ägypten.

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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