Apocalypto

Produktionsnotizen

?Eine große Zivilisation lässt sich nur von außen erobern, wenn sie sich von innen schon selbst zerstört hat.? (William James Durant)


- Von Regisseur und Oscar®-Preisträger Mel Gibson (?Die Passion Christi?, ?Braveheart?) kommt nun APOCALYPTO in die Kinos: ein atemberaubendes und mystisches Action-Abenteuer, das vom Untergang der großartigen Zivilisation der Maya handelt. Als feindliche Krieger sein idyllisches Leben brutal zerstören, begibt sich ein Mann auf die lebensgefährliche Reise in eine Welt, in der Angst und Unterdrückung herrschen und in der ihn ein schreckliches Ende erwartet. Doch angespornt durch die Liebe zu seiner Frau und zu seiner Familie nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand: Er kehrt nach Hause zurück und kämpft um sein Leben und für seine Lebensweise.

APOCALYPTO zeigt eine Welt, wie es sie noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen gab! Die hochambitionierte Vision eines Meisterregisseurs vom Untergang einer der ältesten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte. Ein aufregendes, packendes und zum Nachdenken anregendes Erlebnis ? und es wäre kein echter Mel-Gibson-Film, wenn APOCALYPTO nicht außerdem Bezüge zur Gegenwart hätte.

Der Film entstand vor Ort in Catemaco ? in einem der letzten noch erhaltenen Regenwaldgebiete Mexikos ? und Veracruz, mit einer komplett einheimischen Besetzung. Mel Gibson hat APOCALYPTO inszeniert, mit Bruce Davey produziert und mit Co-Produzent Farhad Safinia das Drehbuch geschrieben. Als ausführende Produzenten fungierten Ned Dowd und Vicki Christianson.

Zu dem Erfolgsteam, das während der harten, monatelangen Dreharbeiten im Dschungel ein spektakuläres Maya-Reich voller himmelsstürmender Pyramiden und geheimnisvoller Tempel schuf, gehören der Oscar® gekrönte Kameramann Dean Semler (?Der mit dem Wolf tanzt?), der zweifach Oscar® nominierte Production Designer Tom Sanders (?Der Soldat James Ryan,? ?Dracula,? ?Braveheart?), der zweifach Oscar® nominierte Cutter John Wright (?Speed?, ?Jagd auf Roter Oktober?, ?Die Passion Christi?) und der Oscar®-Preisträger und vielfach Oscar® nominierte Komponist James Horner (?Titanic?, ?A Beautiful Mind ? Genie und Wahnsinn?, ?Haus aus Sand und Nebel?).

Eine Legende, die beginnt, als eine Hochkultur untergeht: Mel Gibson über APOCALYPTO ?Hüte dich vor der Schwärze des Tages. Hüte dich vor dem Mann, der den Jaguar bringt, denn er wird dich zu deinem Ende führen.? (Orakel Mädchen, APOCALYPTO)

Die mächtigen Königreiche der Maya herrschten in Mittelamerika über tausend Jahre, in denen sie riesige Städte schufen, gigantische Pyramiden konstruierten und eine wissenschaftlich wie kulturell hochentwickelte Gesellschaft errichteten. Dann verschwand diese Hochkultur urplötzlich von der Bildfläche und alles, was sie hinterließ, waren ein paar überwucherte Pyramiden und ein ungelöstes Rätsel. Fünfhundert Jahre nach dem Ende der Maya erweckt Mel Gibson das geheimnisvolle Reich mit modernsten Kino-Mitteln zu neuem Leben. Der Ausnahme-Regisseur erzählt die mythenartige Geschichte eines Mannes, der um das kämpft, was ihm am wichtigsten ist, während seine Welt auf den Untergang zusteuert: APOCALYPTO.

Als Filmemacher fühlte sich Mel Gibson immer schon zu den kühnsten und herausforderndsten Geschichten hingezogen. Seine Karriere begann er als charismatischer Leinwandheld, etwa in dem Action-Kultfilm ?Mad Max? und der unglaublich erfolgreichen ?Lethal Weapon?-Reihe. Doch mittlerweile ist er einer der erfolgreichsten US-Regisseure unvergesslicher Kinoereignisse. Sein zweiter Film war das mitreißende Schlachten-Epos ?Braveheart?, das in einem Mix aus historischen Fakten, Romantik, Action und Drama die innere Zerrissenheit und den Mut des legendären, schottischen Volkshelden William Wallace auf die Leinwand brachte. Der Film wurde für zehn Oscars® nominiert und gewann fünf davon, u.a. die Auszeichnung als Bester Film und für die Beste Regie.

Nach diesem Triumph stellte sich Gibson einer noch größeren Herausforderung. Seine dritte Regiearbeit ?Die Passion Christi? widmete sich den letzten zwölf Stunden im Leben Jesu Christi. Mit bis dato nie gekanntem, kompromisslosem Realismus und großer Eindringlichkeit erzählte Gibson die religiöse, leidvolle Geschichte. Seine Vision wurde zu einem beispiellosen Erfolg weltweit und hat Hollywood für immer verändert.

Gibsons neuestes Projekt ist an Kühnheit nicht mehr zu toppen ? ein Actionthriller, angesiedelt in der geheimnisvollsten Zivilisation der Menschheitsgeschichte, der seine Story nonstop voranpeitscht ? emotional und visuell.

Inspiriert wurde Gibson zu APOCALYPTO unmittelbar nach ?Die Passion Christi?. Da spürte er, dass die Zuschauer mehr Filme sehen wollten, die nicht nur aufregend und unterhaltend waren, sondern einen tieferen Sinn hatten. ?Ich glaube, Menschen möchten großartige Geschichten sehen, die sie emotional und geistig weiterbringen?, sagt Gibson. Fasziniert vom plötzlichen Untergang der Maya, stellte er sich vor, wie so eine Geschichte in dieser geheimnisumwobenen Hochkultur aussehen könnte. Ganz zu Anfang wusste er nur, dass sein nächster Film eine einzige Verfolgungsjagd sein sollte, in der ein Mann alles riskieren muss. ?Es sollte ein Hochgeschwindigkeits-Actionfilm sein, der die Schrauben immer weiter anzieht?, wie sich Gibson erinnert. ?Ich war fasziniert von der Idee, den größten Teil der Geschichte nur mit Bildern zu erzählen ? und dem Publikum damit einen Schlag in die Magengrube zu versetzen.?

Als Gibson dem Drehbuchautor und Cambridge-Absolventen Farhad Safinia seine Idee mitteilte, spielten sie mit der kühnen Absicht, das Action-Epos gegen Ende der Maya-Herrschaft anzusiedeln. Safinia, der die mexikanische Yucatán-Halbinsel bereist und die Maya-Ruinen besichtigt hatte, begeisterte Gibson mit seinen Erlebnissen. Das Drehbuch entwickelte sich daraufhin wie von selbst. ?Die Idee hat uns elektrisiert?, sagt Safinia, ?die Story hetzt immer weiter voran, auf etwas zu, sodass wir sogar beim Schreiben ins Schwitzen gekommen sind. Alles im Film, die Enthüllungen, Wendungen, passieren bei höchstem Tempo.?

Während sie schrieben, tauchten Gibson und Safinia in die faszinierende Geschichte der Maya ein. Monatelang beschäftigten sie sich mit ihren Mythen von Schöpfung und Zerstörung und lasen beispielsweise das heilige Buch der Weissagungen ?Popol Vuh?. Sie arbeiteten sich durch archäologische Texte über neue Ausgrabungen und Theorien vom Untergang der Maya. Dann besuchten sie persönlich alte Stätten der vergangenen Hochkultur, was enormen Eindruck auf sie machte.

Gibson erinnert sich: ?Ich stand oben auf dem Tempel von El Mirador in Guatemala, dem einzigen Flecken Regenwald, den es dort noch gibt und konnte die Reste von sechsundzwanzig anderen Orten sehen. Sie waren im Umkreis angeordnet wie bei einer Uhr. In der Ferne sah man Pyramiden aus dem Dschungel ragen. Da war es leicht zu begreifen, wie mächtig diese Zivilisation einst gewesen sein muss.?

Gibson und Safinia führten auch lange Gespräche mit Dr. Richard D. Hansen, einem weltbekannten Archäologen und Maya-Experten, der bei dem Projekt als wissenschaftlicher Berater fungierte. ?Richards Begeisterung für seine Arbeit ist wirklich ansteckend. Außerdem half er uns dabei, dass die Geschichte nicht einzig aus unserer Phantasie entsprang, sondern möglichst authentisch wurde?, sagt Gibson.

Außerdem erörterte Hansen geduldig alle Fragen, die Gibson und Safinia am meisten beschäftigten. Warum konnte eine so hochentwickelte und faszinierende Gesellschaft einfach zerfallen? Dabei bestätigte Hansen, was die Filmemacher intuitiv geahnt hatten: dass es provokative Parallelen zwischen dem Ende der Maya-Kultur und der Jetzt-Zeit gibt.

?Wir wollten unbedingt wissen, was hinter dem Aufstieg und Fall der Maya steckte?, bemerkt Safinia. ?Dabei fanden wir heraus, dass Archäologen und Anthropologen glauben, dass die Maya-Gesellschaft ganz ähnlichen Problemen ausgesetzt war wie unsere heutige Zivilisation. Besonderns wenn es um Raubbau an der Natur, exzessives Konsumverhalten und politische Korruption geht.?

Gibson ergänzt: ?Die Geschichte hat gezeigt, dass Vorboten vom Untergang einer Zivilisation stets dieselben sind. Uns ging beim Schreiben ständig durch den Kopf, dass vieles, was vor dem Ende der Maya passiert ist, sich auch bei uns zunehmend entwickelt. Für mich war es deshalb immens wichtig, diese Parallele zu ziehen, denn diese Kreisläufe wiederholen sich ununterbrochen. Viele denken, der moderne Mensch sei so aufgeklärt. Dabei sind wir immer wieder empfänglich für diese Mächte. Wir beweisen aber genauso oft Heldenmut und den Glauben an das Gute.?

Je tiefer Gibson und Safinia in die Maya-Kultur eintauchten, umso deutlicher entwickelte sich ihre Hauptfigur ? Pranke des Jaguars. Seine Geschichte ? ein gewöhnlicher Mann, der zu heldenhaften Taten getrieben wird ? ist Herz und Seele von APOCALYPTO. Zu Beginn des Films lebt er in einem kleinen, idyllischen Dorf von traditionellen Jägern. Ein junger Vater und vielversprechender, künftiger Anführer.

Doch plötzlich wird die Idylle jäh zerrissen! Feindliche Krieger verschleppen ihn durch den gefährlichen Dschungel zu einer riesigen Maya-Stadt. Dort soll er den Göttern geopfert werden, um die große Hungersnot zu beenden, die das Königreich heimgesucht hat. Im Angesicht des Todes muss Pranke des Jaguars seine Ur-Ängste besiegen, um in einem adrenalin-getränkten, atemlosen Wettlauf gegen die Zeit zu retten, was ihm am wichtigsten ist.

Während der nervenzerfetzenden Hetzjagd weicht die Kamera nie von seiner Seite. Alles, was er sieht, fühlt und erlebt, überträgt sich schonungslos aufs Publikum.

Obwohl die Figur in einer mysteriösen, Jahrhunderte alten Kultur lebt, kam den Drehbuchautoren Pranke des Jaguars? bewegende Coming-of-Age-Story und sein tapferer Kampf um seine Familie sehr modern vor. ?Mit Pranke des Jaguars kann sich absolut jeder identifizieren?, sagt Gibson. ?Im Verlauf seines Abenteuers muss er sich selbst zurücknehmen und um etwas kämpfen, dass viel größer ist.?

?Der größte Gegner von Pranke des Jaguars ist kein Mensch?, erläutert Gibson, ?sondern die pure Angst! Er muss seine Ängste überwinden. Eine Situation, die jeder nachvollziehen kann.? Das verleiht dem Kampf epische Dimensionen.

Der Mensch im Einklang mit der Natur, korrupte Gesellschaften, die Liebe zur Familie und die Opferbereitschaft für andere ? diese Themen bilden die Basis für den mitreißenden, furiosen Actionaspekt des Films: Pranke des Jaguars? Hetzjagd unter purer Lebensgefahr. Dabei hofften Gibson und Safinia immer, ihre Geschichte werde so schnell und wuchtig sein, dass den Zuschauern ihr tieferer Sinn erst viel später aufgeht. ?Das erste, was einen umhaut, ist natürlich die pure Abenteuerlust?, erzählt Gibson, ?doch dann entdeckt man, was hinter Pranke des Jaguars? Odyssee steckt?.

APOCALYPTO setzt auf zwei Stilmittel, erstens: eine rastlose Kamera, und zweitens: eine höchst visuelle Erzählweise. ?Sobald die Story losgeht, gibt es keine ruhige Minute mehr?, erklärt Gibson. ?Die Kamera ist permanent in Bewegung, genauso wie alle und alles auf der Leinwand.?

Nachdem das Drehbuch fertig war, ließ Gibson die Dialoge in Yucatec übersetzen, dem wichtigsten Maya-Dialekt, der auf der Yucatán-Halbinsel heute noch gesprochen wird. Wie schon bei ?Die Passion Christi? wollte er damit ein Höchstmaß an Authentizität erreichen. ?Wenn man diese fremdartige Sprache hört, vergisst man die Welt um sich herum und taucht völlig in die Realität des Films ein?, fasst Gibson zusammen. ?Was noch wichtiger dabei ist: Die Bilder treten dadurch noch mehr in den Vordergrund. Bilder sind so etwas wie die universelle Sprache des Herzens.?

Maya von heute ? Die Besetzung: Mel Gibson findet indigene Schauspieltalente ?Wenn ein Baum fällt, fällt auch ein Stern. Wenn der Wald verschwunden ist, werden auch wir verschwunden sein.? (Zeitgenössischer Maya-Ältester Chan Kin)

Während sich APOCALYPTO zügig entwickelte, wusste Gibson, dass er Schauspieler brauchen würde, die die Story so glaubwürdig und realistisch vermitteln könnten, als würde sie sich heute ereignen. Von Anfang an wollte der Regisseur authentische, indigene Gesichter für seinen Film, mit der Konsequenz, dass sie dem Publikum völlig unbekannt sein würden. ?Das macht die Geschichte aber viel überzeugender, weil man keinerlei Bezugspunkte zu den Akteuren knüpfen kann?, erzählt Gibson. ?Das bedeutet aber nicht, dass man keine großartigen Leistungen zu sehen bekommt. Ganz im Gegenteil!?

Um Schauspieler zu finden, denen man die mesoamerikanischen Ur-Einwohner abnehmen würde, starteten die Filmemacher eine ausgedehnte Suche in ganz Mexiko, besonders auf der Yucatán-Halbinsel, in Mexiko-Stadt, Oaxaca, Xalapa, Veracruz und Catemaco. Außerdem suchten sie in Südkalifornien und New Mexiko, den kanadischen Städte Edmonton, Calgary, Toronto und Vancouver sowie in Mittelamerika nach geeigneten Darstellern.

Schließlich verpflichtete man drei Darsteller aus Kanada und zwei US-Amerikaner. Der Rest stammt aus Mexiko und Mittelamerika-Staaten, darunter auch die über 700 Statisten, die die gigantische Maya-Metropole des Films bevölkern. Einige der jungen Darstellern kommen aus dermaßen abgeschieden lebenden, indianischen Gemeinschaften, dass sie vor den Dreharbeiten noch nie ein Hotelzimmer gesehen haben.

?Viele haben vorher noch nie in einem Film mitgespielt?, sagt Gibson, ?aber es hat trotzdem ausgezeichnet funktioniert. Wir wollten ja gerade ursprüngliche, natürliche Reaktionen einfangen, denn realer und tiefgehender kann man es ja gar nicht hinbekommen. Alles sollte so authentisch und glaubwürdig wie möglich wirken.?

Zur tatkräftigen Unterstützung engagierte Gibson die Casting-Agentin Carla Hool aus Mexiko-Stadt. Die Vorsprechtermine verliefen äußerst ungewöhnlich: ?Unsere Darsteller mussten körperlich topfit sein und großes Durchhaltevermögen beweisen?, erklärt sie. ?Wir testeten beim Casting, wie sie sich bewegten und rannten. Außerdem mussten sie Maya-Gedichte vorlesen. Das war uns allen wichtiger als Schauspiel-Erfahrungen, obwohl zur Besetzung auch einige sehr gute Schauspieler gehören. Vorrangig ging es uns aber um das passende Aussehen, exzellente Bewegungsfähigkeit und innere Stärke?.

Dabei wusste Gibson immer, dass er für die Hauptrolle, Pranke des Jaguars, jemand ganz besonderen brauchen würde. Schließlich sollte ihm das Publikum bedingungslos auf seinem unbarmherzigen Trip voller Kämpfe, Schocks und Überraschungen folgen. Nach zahllosen Vorsprechterminen entdeckte er endlich Rudy Youngblood, einen Nachfahren der Cherokee-, Cree- und Yaqui-Stämme, der in APOCALYPTO nun sein fulminantes Schauspieldebüt gibt.

Youngblood ist Pow-Wow-Tänzer, Sänger, Artist und darüberhinaus ein großartiger Sportler, Cross-Country-Läufer und Boxer. Dank seiner beeindruckenden Physis und der natürlichen Ausdrucksfähigkeit ist er perfekt für die Rolle eines Mannes, der eine Hetzjagd überstehen muss, um sein Leben, seine Lieben und seine Heimat, den Regenwald, zu retten.

?Rudy strahlt Unschuldigkeit genauso aus wie innere Stärke?, sagt Safinia, und Gibson ergänzt: ?Ich bin unheimlich stolz auf Rudys Leistung.?

Obwohl Pranke des Jaguars aus einer längst vergangenen Kultur stammt, fühlte Youngblood augenblicklich eine Seelenverwandtschaft. ?Wir sind uns sehr ähnlich?, sagt er. ?Wir stammen zwar aus unterschiedlichen Gegenden, aber dennoch haben wir viel gemeinsam. Er ist stark. Er ist respektvoll, gibt mehr als er nimmt, liebt seine Familie und lernt, seine Ängste zu besiegen. Das sind alles Dinge, die mir meine Kultur auch beigebracht hat.?

Dank Youngbloods unglaublicher Fitness und seines durchtrainierten Körpers, war er in der Lage, die meisten Stunts selbst auszuführen, wie etwa in einer Szene, in der er einen todesmutigen Sturz von einem Wasserfall simulieren musste. In einer anderen Szene wird er von einem Jaguar gejagt. Dabei kam Youngblood der Raubkatze gefährlich nah. ?Rudy ist der vollkommenste Athlet, den ich je gesehen habe?, kommentiert Mic Rodgers, Stunt-Koordinator von APOCALYPTO. ?Er ist hochkonzentriert und immer Herr der Lage. Wenn er kein Schauspieler wäre, könnte er auch als Stuntman arbeiten.?

Youngbloood ergänzt: ?Der Film hat mir körperlich alles abverlangt. Bei einigen Szenen, wie dem Sprung vom Wasserfall und dem Rennen mit dem Jaguar, blieb mir buchstäblich fast das Herz stehen. APOCALYPTO ist ein pausenloser Adrenalinkick, ein Leidensweg voller Schmerzen, Angst und Action, aber Pranke des Jaguars wird damit fertig.?

Die Rolle des wilden Holcane-KriegersLeitwolf, der Pranke des Jaguars fängt und ihn nach seiner Flucht durch den Dschungel jagt, besetzte Gibson mit Raoul Trujillo aus New Mexico. Der Schauspieler (?Black Robe ? Am schwarzen Fluss?, ?The New World?), Tänzer und Choreograph überzeugte Gibson durch höchste Konzentrationsfähigkeit, einem gesunden Selbstbewusstsein und innerer Sanftheit. Eine Mischung, die ihn für die Rolle des Bösewichts geradezu prädestinierte, denn Leitwolf ist ein vielschichtig gezeichneter Bösewicht. Perfekt wurde Trujillos Verwandlung, nachdem man ihm das aufwendige Make-Up angelegt hatte. ?Raoul ist ziemlich attraktiv, doch er sollte hässlich sein. Wir haben kräftig nachgeholfen und seine Gesichtszüge so verändert, dass er extrem beängstigend aussah?, so Gibson.

Trujillo ergänzt: ?Nachdem ich Kostüm und Make-Up angelegt hatte, musste ich nicht furchteinflößend spielen, ich war furchteinflößend!? Doch Trujillo hält Leitwolf nicht zwangsläufig für böse: ?Die Figur ist absolut zeitlos. Solche Menschen hat es in allen Kulturen und jeder erdenklichen Gesellschaft gegeben?, sagt er. ?Er repräsentiert den Schatten des Helden. Durch Leitwolf kann Pranke des Jaguars über sich hinauswachsen, zum Träger der Hoffnung und der Zukunft werden. Ich wollte ihn so komplex wie möglich zeigen, wie jemanden, der eine Aufgabe hat und sie erledigt. Ich habe viel Zeit und Kraft darauf verwendet, die Figur nicht als reinen Bösewicht darzustellen. Er sollte wie jemand wirken, der seine Pflicht erfüllt.?

Viele andere der Schlüsselfiguren wurden mit Newcomern besetzt, die optisch zur Geschichte passen und darüber hinaus schillernde Persönlichkeiten sind, beispielsweise Rodolfo Palacios aus New Mexico: Der Schauspieler bekam die Rolle des heimtückischen Holcane-Kriegers Giftige Schlange, weil er auf erfrischend ungewöhnliche Art bedrohlich wirkt. Sieben Stunden täglich saß Palacios im Schminkstuhl, bis die ganzen Gesichts- und Körpertätowierungen aufgetragen waren, die seine unheimliche Aura perfekt machten.

Während des Drehs war Palacios besonders beeindruckt davon, wie geduldig Gibson auf die unerfahrenen Schauspieler einging: ?Er hat uns immer nach unserer Meinung zu den Szenen, den Figuren und allem anderen gefragt.?

Für die Rolle des schrecklichen wie eindrucksvollen Kriegers Stirnauge griff man auf den mexikanischen Schauspiel-Veteran Gerardo Taracena zurück. ?Stirnauge ist wahnsinnig, und Gerardo verkörpert die Rolle perfekt?, begründet Besetzungs-Chefin Carla Hool die Wahl.

Für die humorvollen Momente des Films ist Von kleinem Geist zuständig, der im selben Dorf wohnt wie Pranke des Jaguars und ständig Witze über sich ergehen lassen muss. Er wird von einer weiteren Entdeckung gespielt: Jonathan Brewer, der aus dem Blood-Reservat in Kanada stammt und dort u.a. Stadtkindern die Eigenheiten seiner Kultur nahe bringt. Brewers imposante Größe gepaart mit seiner sehr sanftmütigen Art verschafften ihm die Rolle. Brewer arbeitete hart daran, dass Von kleinem Geist nicht bloß als reiner Witzableiter funktioniert, sondern der Zuschauer einen Menschen vor sich hat. ?Ich habe das Drehbuch x-fach gelesen, mit Mel und den anderen Schauspielern gesprochen, um herauszufinden, wer Von kleinem Geist wirklich ist. Daraus ist die Figur entstanden, wie man sie jetzt auf der Leinwand sehen kann?, sagt Brewer, ?jemand, mit dem sich jeder identifizieren kann, nämlich der große, gutmütige Kerl, auf dem alle anderen ständig herumhacken.?

Die Rolle des mächtigen Hohepriesters der Maya-Stadt besetzte man mit Fernando Hernandez, selbst ein Maya aus Chiapas in Mexiko, der aber zurzeit in Kanada lebt und dort Heilzeremonien seiner Vorfahren durchführt. Hernandez ist neben APOCALYPTO auch in Darren Aronofskys neuem Film ?The Fountain? zu sehen. Als Maya fühlte er sich besonders von APOCALYPTOs tieferem Sinn angesprochen. ?Ich glaube, dass es immens wichtig ist, ein inneres und äußeres Gleichgewicht zu halten. Der Film zeigt, was passiert, wenn diese Balance aus den Fugen gerät?, sagt er. Und weiter: ?Es liegt in der Verantwortung des Menschen, so eine Balance zu finden.?

Zu den anderen Schauspielern mayanischer Herkunft gehörte auch ein alter Geschichtenerzähler, der die Dorfbewohner mit seinen farbenprächtigen Mythen und Märchen am Lagerfeuer unterhält. Für diese kurze, aber herausfordernde Rolle wählte Gibson einen tatsächlichen mayanischen Geschichtenerzähler, auf den sie in einem kleinen Dorf auf der Halbinsel Yucatán stießen.

Auch viele andere der Darsteller entdeckte man durch Zufall. Die Figur Affenzahn wird von Carlos Ramos gespielt ? einem Immigranten aus El Salvador, der an einem Saftstand in Santa Monica arbeitete, bevor er den Filmemachern als Straßentänzer auf der Third Street Promenade auffiel. Auch Dalia Hernandez, eine Tänzerin und Studentin aus Veracruz, war so ein Glücksfall. Mit ihren bildschönen, klassischen Gesichtszügen war sie wie geschaffen für die Rolle von Pranke des Jaguars? tapferer FrauSieben. Der Rest des Casts von APOCALYPTO setzt sich aus Tänzern, Akrobaten, Turnern, Zirkusdarstellern, Bühnen- und Straßenschauspielern und Musikern zusammen.

Sogar ein TV-Produktionsassistent und ein ehemaliger Lehrer aus Cancun sind dabei. Egal, wo sie herkamen oder was sie im wahren Leben darstellten, Gibson wollte, dass sie völlig in der Maya-Realität des Films aufgehen. ?Unglaublich, wie er es geschafft hat, dieses Epos mit Menschen auf die Beine zu stellen, die größtenteils noch nie vor einer Kamera gestanden haben?, sagt der ausführende Produzent Ned Dowd. ?Er war geduldig und hat sich um alle gekümmert, Szenen oft selbst vorgespielt. Es war toll, zu sehen, wieviel Zeit und Energie er darauf verwendete, den Akteuren zu helfen. Und zwar nicht nur den Hauptdarstellern, sondern allen, einschließlich der Statisten.?

Eine Sprache vereint die multinationale Besetzung: Wie man lernt, Yucatec Maya zu sprechen ?Wahre Kreativität beginnt oft erst dort, wo Sprache endet.? (Arthur Koestler)

Als die Produktion von APOCALYPTO begann, wurde Mel Gibson erst klar, auf was für eine Herausforderung er sich eingelassen hatte. Seine Besetzungsliste bestand nicht nur aus völligen Newcomern und nicht-professionellen Schauspielern mit unterschiedlichsten Muttersprachen. Gibson wollte auch noch, dass sie alle im Film Yucatec Maya sprechen. Obwohl diese Sprache auf der Yucatán-Halbinsel immer noch aktiv gesprochen wird, hat sie außerhalb dieses Gebietes kaum jemand gehört ? vom Sprechen ganz zu schweigen.

APOCALYPTO setzt zwar eindeutig auf kraftvolle Bilder und weniger auf Dialoge, dennoch war es für die Authentizität des Films notwendig, dass die Schauspieler die Sprache beherrschten. Dazu sagt Rudy Youngblood: ?Allein aus Respekt gegenüber der ganzen Lebensweise der Maya, war es uns sehr wichtig, ihre Kultur und ihre Ausdrucksformen möglichst originalgetreu wiederzugeben.?

Yucatec-Muttersprachler brachten den Schauspielern fünf Wochen lang die korrekten Betonungen und Ausdrucksweisen ihrer Sätze bei. Eine große Mühe für alle Beteiligten. Dazu Jonathan Brewer, der Von kleinem Geist spielt: ?Yucatec ist verdammt hart zu lernen, weil sie zu einem großen Teil aus lautmalerischen Zungenschnalzern und Geräuschen besteht, die sehr schwer nachzuahmen sind. Wenn man dann zusätzlich noch falsche Zähne tragen muss ...!?

Jeder der Darsteller erhielt einen MP3-Player, mit dem er sich seine Dialogzeilen kontinuierlich anhören konnte, bis die Sprache vertraut klang. Während der ganzen Produktion waren die Sprechtrainer vor Ort, um die korrekte Aussprache zu überwachen und einzugreifen, wo es nötig schien. Sollten zusätzliche Zeilen eingebaut oder Dialoge geändert werden, stellten sie auch dort die richtige Aussprache und Betonung sicher.

Die einheimischen Sprechtrainer waren äußerst gerührt von Gibsons Vorhaben, ihre Muttersprache in einem großen Film-Epos zu verwenden, dass auf der ganzen Welt zu sehen sein würde. ?APOCALYPTO wird auf alle Maya eine große Wirkung haben, da wir sehr stolz auf unsere Kultur sind, auf unsere Wurzeln, unsere Sprache und unsere Vorfahren?, sagt Hilario Chi Canul, einer der Dialogtrainer, dessen Nachname zufälligerweise ?Hüter der Sprache? bedeutet.

Für Gibson liegt die größte Wirkung von APOCALYPTO aber nach wie vor in einer anderen Sprache, die die ganze Welt vereint: die Sprache der Bilder ? denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Reise in den Dschungel: Die Produktion von APOCALYPTO ?Der verlockendste aller Monde ist über dem Wald aufgegangen.? (aus ?The Songs of Dzitbalché?, einem alten Gedicht der Maya)

Bevor Mel Gibson in den Dschungel von Mexiko aufbrach, hatte er eine genaue Vorstellung davon, was er dort erreichen wollte ? eine Zeitreise. ?Das Publikum sollte sich völlig von der dargestellten Ära gefangen nehmen lassen. Ich wollte das 21. Jahrhundert total ausblenden, und gleichzeitig sollte APOCALYPTO filmtechnisch natürlich alles aufbieten, was sich derzeit realisieren lässt?, sagt er. ?Das war unglaublich schwierig.? Er wusste, dass er seine Vision nur mit einem hochtalentierten, aber ebenso flexiblen wie opferbereiten Team aus Künstlern verwirklichen konnte. Deshalb stellte er eine Mannschaft aus erstklassigen Film-Veteranen und Oscar®-Preisträgern zusammen.

Am Anfang suchte das Team nach den richtigen Drehorten für eine authentische Dschungel-Atmosphäre. Sie besuchten Mexiko, Guatemala und Costa Rica und waren sofort mit einem unvorhergesehenen Problem konfrontiert: Es traf sie wie der Blitz, als sie feststellen mussten, dass es kaum noch Regenwaldgebiete in den Ländern gibt. ?Es ist eine Schande, dass diese Wälder hektarweise im Minutentakt verschwinden. Glücklicherweise haben wir einen wunderschönen Regenwald in Mexiko entdeckt. Der wurde zu unserem Dschungel!? so Gibson.

Diesen sattgrünen Wald mit seinem undurchdringlichen Dickicht aus Pflanzen und riesigen Bäumen, der so wichtig für die Geschichte ist, fand man direkt außerhalb von Catemaco, Mexiko. Er ist einer der letzten, geschützten Regenwälder in Mexiko und wird von den Einheimischen schlicht ?La Jungla? genannt. Um die gigantische Maya-Stadt zu bauen, wählten die Filmemacher ein weitläufiges, abgelegenes Zuckerrohrfeld in Boqueron, das genau ihren Vorstellungen ensprach und etwa 45 Minuten von Veracruz entfernt ist. Wichtig war es den Filmemachern dabei, die Kulisse in erster Linie von lokalen Arbeitern bauen zu lassen, um so die örtliche Wirtschaft etwas zu unterstützen.

Als nächstes stand die Hochgeschwindigkeits-Optik des Films auf dem Plan. Die Kamera sollte völlig entfesselt und in hohem Tempo durch den Dschungel gleiten. Für diese komplizierte Aufgabe wählte Gibson den erstklassigen Kameramann Dean Semler, der für seine Arbeit an ?Der mit dem Wolf tanzt? einen Oscar® gewonnen hat. Gibson wollte jemanden, der bereit war, visuell etwas zu riskieren und der die hektischen Schnellfeuer-Bewegungen mit der Kamera bewältigen konnte, die Gibson vorschwebten. ?Es sollte jemand sein, der meine Ideen umsetzen konnte und gleichzeitig eigene entwickelt?, sagt er.

Nach langen Gesprächen entschieden sich Gibson und Semler dafür, APOCALYPTO mit Panavisions digitaler, hochauflösender Genesis?-Kamera zu drehen, einem brandneuen, hochklassigen System. Semler war sich sicher, dass er mit der Kamera die erforderliche Bewegungsfreiheit hatte, und vor allem, dass die Technik den extremen Wetterbedingungen gewachsen war. Immerhin standen Dreharbeiten in strömendem Regen, mörderischer Hitze und zähem Schlamm bevor.

Aber die Genesis? hatte noch andere Vorteile. ?APOCALYPTO handelt von einer atemlosen Hetzjagd. Um das Tempo der Bilder noch zu steigern, brauchten wir eine Art Stroboskop-Effekt. Ein Trick, den wir mit der Genesis? erzeugen konnten, weil die Kamera über einen 360-Grad-Verschluss verfügt?, erklärt Semler. ?Bei den Verfolgungsszenen hat das wirklich phänomenal funktioniert. In dem Film gibt es Aufnahmen, die man mit keiner anderen Kamera der Welt hätte drehen können. Bilder, die ein völlig neues, absolut echtes Geschwindigkeitsgefühl vermitteln, und uns in eine neue Dimension katapultiert haben.?

Dank Genesis? konnten Gibson und Semler sogar bei natürlichem Licht und der fast völligen Dunkelheit des Dickichts drehen. Im Dschungel verschlechterten sich die Lichtverhältnisse oft schon am späten Nachmittag drastisch. Darüberhinaus konnte man sogar Nachtszenen drehen, die nur von Lagerfeuern rund um das Dorfes erhellt wurden, ohne, dass wichtige Details dabei verlorengingen. ?Während der Lagerfeuerszenen sahen wir auf die Monitore und das ganze Dorf war hell erleuchtet. Man konnte alles erkennen, die Menschen, ihre Gesichter, die Hütten, die Bäume ? es war unglaublich?, erinnert sich Semler. ?Und weil wir mit langsamen Verschlusszeiten drehten, flackerten die Flammen ganz zäh und träge, fast wie Flüssigkeit. Das sah wunderschön aus.?

Besonders war Semler davon angetan, dass er nachts mit Weitwinkel arbeiten konnte, was der Actionsequenz, mit der der Film beginnt, gleich den richtigen Kick gibt: ?In der Szene rennen die Holcanes auf die Kamera zu, wobei sie extrem kompakt und komprimiert aussehen. Eine spektakuläre Aufnahme, die man mit einer herkömmlichen Filmkamera niemals hinbekommen hätte?, so Semler.

Oft benutzte Semler vier digitale Kameras gleichzeitig und konnte die Bilder einfach laufen lassen, manchmal bis zu zwanzig Minuten hintereinander. Das wäre mit Filmmaterial ebenfalls völlig unmöglich gewesen. Außerdem hielten die Kameras heftigsten Wetterbedingungen stand, darunter Wirbelstürmen, peitschenden Winden und mörderischen Temperaturen bis zu 50 Grad Celsius. Semler bringt es ganz simpel auf den Punkt: ?Ich bin bei APOCALYPTO als Kameramann in Bereiche vorgestoßen, die ich mir nie hätte träumen lassen. Die kreativen Möglichkeiten waren sensationell.

Das kann auch der Production Designer Tom Sanders nur bestätigen, der bereits zweimal für den Oscar® nominiert war, und mit Mel Gibson schon an seinem Oscar®-Erfolg ?Braveheart? zusammengearbeitet hat. In seiner Karriere hat Sanders schon manchem Epos den perfekten Look verpasst. Die Bandbreite seiner Designs reicht von den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs für ?Der Soldat James Ryan? bis zur Märchenwelt von ?Bram Stoker?s Dracula?. Doch für APOCALYPTO stand er vor der einzigartigen Aufgabe, eine untergegangene Kultur mit ihren ursprünglichen Dörfern und opulenten Königreichen wiederaufleben zu lassen.

Er begann mit umfangreichen Recherchen zu den Konstruktionen und der Architektur der Maya, die sie für ihre Städte benutzten, darunter Befestigungswälle, Gebäude, Pyramiden, Denkmäler, Grabstätten, Hütten und Marktplätze. Außerdem arbeitete er eng mit Dr. Richard Hansen zusammen und lernte alles über die Werkzeuge, Waffen, Kleidungsdstücke, das Kunsthandwerk und andere Gegenstände der Maya. Dann nahm er das gewaltige Vorhaben in Angriff, diese Welt zu reproduzieren. ?Fast alles, was man in dem Film sieht, habe ich in Mexiko handanfertigen lassen?, sagt Sanders.

Um das Dorf von Pranke des Jaguars zu bauen, musste er sich dabei hauptsächlich auf seine Vorstellungskraft verlassen, da er kaum auf gesicherte Fakten zurückgreifen konnte. Das gemeine Dorfleben im Regenwald bleibt bis heute ein Rätsel, weil nur das Leben der Herrscherschicht niedergeschrieben und gemalt worden ist. ?Ich hielt es für sehr interessant, die Dorfhütten wie Nester im Wald aussehen zu lassen. Denn im Dorf ist alles rund und organisch angeordnet, um den Kontrast zu den mechanischen, eckigen Steinbauwerken der Stadt zu unterstreichen?, sagt Sanders.

Das Design der Hütten wurde maßgeblich durch die Szenen der feindlichen Belagerung zu Beginn des Films bestimmt. ?Ich wollte, dass man durch die Hütten etwas von dem Angriff sehen konnte?, erklärt Sanders. ?Wir haben sie dafür erhöht, sodass man in der Lage ist, rennende Füße zu sehen und einen beängstigenden, chaotischen Blickwinkel auf das Geschehen hat.?

Sanders? Meisterstück ist jedoch die Nachbildung der beeindruckenden Maya-Metropole. Ihre geschickte Konstruktion gibt dem Zuschauer ein Gefühl für die aufregende Pracht, die die Machtzentren der Maya gegen Ende ihrer Tage zur Schau stellten. Gleichzeitig vermittelt sie aber auch den drohenden Untergang durch ihr Chaos aus Sklaventum, Hunger und Panik. Zuerst baute Sanders ein detailliertes, dreidimensionales Modell. ?Auf diese Weise sehe ich genau, wie sich die einzelnen Bauten zueinander verhalten und wo die besten Kamerapositionen sind.?

Dann engagierte Sanders diverse Bauteams und Fachleute, darunter Bildhauer, Modellbauer, Maler, Stukkateure, Gartenbauer und über hundert lokale Arbeiter, damit sie das Modell lebensgroß mit all seinen unterschiedlichen Vierteln nachbildeten. Am äußeren Rand enstand die verfallene, schäbige Barackenstadt, von der aus man in die gehobenere Mittelklasse mit ihren Strohdachhütten gelangte. Weiter im Inneren folgten die Handels- und Handwerkszonen, bis man zum Marktplatz gelangte, wo arm und reich um alles feilschten, vom Tonkrug bis zum Sklaven.

Danach wartete eine weitere schwere Aufgabe auf Sanders und sein Team: Sie mussten auch den dramatischen Verfall der Stadt sichtbar machen, bis hin zu widerlichen Abwässern, die durch die verseuchten Stadtkanäle flossen. Mais- und Getreidefelder wurde angelegt und dann vernichtet, um für die erforderliche Untergangsstimmung aus Hungersnot und drohender Katastrophe zu sorgen. ?Es sollte nach einer großen Dürre aussehen, die die Maya dazu veranlasste, pausenlos Menschenopfer zu bringen?, sagt Sanders.

Für die Pyramiden, die er und sein Team bauten, ließ sich Sanders von der antiken Stadt Tikal inspirieren, die einst eine der größten Maya-Städte überhaupt war. Obwohl das Design natürlich auf umfangreichen Recherchen basierte, mussten die Proportionen den Anforderungen eines Filmsets angepasst werden. Dazu Sanders: ?Um drehen zu können, mussten wir die engsten Bereiche der Haupt-Pyramide bis zu 20% vergrößern, damit die Schauspieler, Statisten, die Crew und die Kameras genügend Platz hatten.?

Besonders zufrieden war Sanders, als der Maya-Experte Dr. Hansen zum ersten Mal ans fertige Set kam ? und begeistert war. Dr. Hansen ergänzt: ?Dieser Film erweckt die Vergangenheit zu neuem Leben wie kaum ein anderer zuvor.?

Jetzt lag es an einem anderen Team, die Illusion perfekt zu machen: Kostümbildnerin Mayes Rubeo, Hair Designer und Maskenbildner Aldo Signoretti und Maskenbildner Vittorio Sodano verwandelten alle Schauspieler von Kopf bis Fuß in ihre authentisch aussehenden Filmfiguren. Ob Dorfbewohner mit Ohrsteckern und verfaulten Zähnen oder König und Hohepriester mit überladenem Kopfschmuck, prächtigen Stickereien und wertvollen Juwelen ? alles musste absolut echt aussehen!

Fast jedes Kostüm wurde bis ins letzte Detail in Handarbeit von Hunderten von Künstlern aus ganz Mexiko gefertigt. Kostümbildnerin Mayes Rubeo, die aus Mexiko-Stadt stammt, war darauf jedoch bestens vorbereitet. Bereits für eine aufwendige Doku über die Maya, die letztlich doch nicht gedreht worden ist, hatte sie sich mit der Mode dieser Hochkultur intensiv befasst. Sie stellte ein Team aus 52 Leuten zusammen, darunter Kunstprofessoren, Mode-Studenten, Stickerei-Fachleute und Hersteller von kunstvollem Federschmuck, die jedes einzelne Kostüm entwickelten.

Am wichtigsten war es Rubeo, dass das Publikum die extrem abwechslungsreiche Kleiderkultur wahrnahm, die es damals in den großen Maya-Städten gegeben hat. ?Wir wollten die unterschiedlichen Stile zeigen, wie sich die verschiedenen Schichten gekleidet haben. Die Maya hatten viele Schönheitsideale, da war für jeden was dabei?, sagt Rubeo.

Das größte Problem für die Kostümbildnerin war die Vorliebe der Maya für Jade. Der Stein war damals ein Zeichen von Macht, Wohlstand und Ansehen. ?Weil Jade teuer und unheimlich schwer ist, musste mein Team einen Weg finden, leichtgewichtigere und günstigere Materialien so zu bemalen, dass sie wie Jade wirkten?, erklärt sie. Auch die smaragdfarbenen und äußerst kostspieligen Federn des Quetzal-Vogels, die die Könige der Maya für ihren spektakulären Kopfschmuck verwendeten, stellten Rubeo vor ein Problem. Da der Vogel nahezu ausgestorben ist, griff sie auf Fasanenfedern zurück, die gebleicht, grün gefärbt und handbemalt wurden, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Was die Kleider anging, verwendete Rubeo einheimische Materialien und Muster, die sie in modernen Maya-Gemeinden wie San Cristobal de las Casas in Chiapas und in Oaxaca herstellen ließ, wo Baumwolle immer noch handgewebt wird. ?Uns war allerdings schnell klar, dass wir unmöglich genug dieser Stoffe zusammenbekommen konnten, um alle 700 Kostüme plus die vielen benötigten Ersatzkostüme auf diese Weise herzustellen?, sagt Rubeo. ?Deshalb bin ich zusätzlich auf andere Materialien ausgewichen, die den Originalen sehr nahe kamen.? Ein Färbemeister aus Mexiko-Stadt sorgte dann dafür, dass die Farben der Kleider genau denen glichen, die die Maya vor über 500 Jahren aus Tieren, Pflanzen und Mineralien gewonnen haben.

Ein internationales, 300 Mann starkes Team aus Stylisten, Hair Designern und Maskenbildnern u.a. aus Italien, Mexiko, Malta, Frankreich, England und Irland verwandelte die Schauspieler endgültig in Maya einer längst untergegangenen Zeit. Sie brachten Tätowierungen und Körperbemalungen an und simulierten die Merkmale altertümlicher Narbenriten. Einige Figuren wie der Maya-König, die Königin, der Hohepriester, die Chacs und Jade-Frauen, hatten einen so komplexen Look, dass sie teilweise drei bis vier Stunden täglich in der Maske sitzen mussten. Bei Giftige Schlange dauerte die Prozedur sogar sieben Stunden jeden Tag, weil sein ganzer Körper mit Narben und Tätowierungen übersät ist.

?Die Tattoos wurden immer von Hand aufgetragen, auch die der Statisten?, wie Maskenbildner Signoretti erklärt, ?denn wir wollten, dass sie absolut authentisch wirkten.? Akribische Perfektion bis ins kleinste Detail. ?Bei Mels Arbeitsweise musste alles perfekt aussehen. Man weiß nie, was alles im Bild landet?, sagt Maskenbildner Sodano. ?Mel macht viele Großaufnahmen, doch während eine Kamera ein Gesicht einfängt, filmt eine andere möglicherweise einen Statisten.?

Die Maskenbildner standen außerdem vor der schwierigen Situation, die ungewöhnlichen Verstümmelungen der Maya nachzustellen, mit denen diese ihren gesellschaftlichen Status untermauerten. Jeder Schauspieler und Statist musste eine spezielle Ohrspule anlegen, mit der man die langen Ohrläppchen simulierte, in denen Steine oder Knochen steckten. Da man die Ohrläppchen der Darsteller schwerlich dehnen konnte, so wie es die Maya taten, baute man sie aus geschmeidigem Silikon nach. Diese Prothesen bemalten die Effektkünstler dann in einem aufwendigen Prozess, bis sie die Hautfarbe der jeweiligen Darsteller genau trafen. Auch Schädeldeformationen waren bei den Maya ganz normal. Ein paar Tage nach der Geburt befestigte man ein Brett an der Stirn eines Kindes, wodurch die berühmte lange Maya-Schädelform entstand. Diesen Effekt erzielte man für APOCALYPTO mit hochrasierten Köpfen und zusätzlichen Haarteilen.

Alles zusammen ? die spektakulären Sets, die akribischen Masken, die Kamera-Arbeit in Verbindung mit der atemberaubenden Schönheit des Dschungels und seinen Gefahren ? ließen ein Abenteuer entstehen, wie es Gibson vorschwebte. ?Alles sollte so glaubwürdig und intensiv wie möglich werden,? sagt Gibson. ?Der Film vermittelt eine wichtige Botschaft. Doch wenn man dieses Anliegen in ein atemloses, aufregendes Action-Abenteuer verpacken kann, ist es umso besser.?

Das Herz von APOCALYPTO: Wer waren die Maya, und was ist mit ihnen geschehen? ?Dies sind die Tage großer Wehklage. Das Land durstet. Eine große Plage verseucht unser Getreide.? (Hohepriester, APOCALYPTO)

APOCALYPTO ist das erste große Action-Abenteuer aus Hollywood, das in der Hochkultur der mesoamerikanischen Maya spielt. Aber wer waren die Maya? Seit Jahren versuchen Archälogen, dieses große Menschheitsrätsel zu lösen. Alles, was die Maya hinterlassen haben ? überwucherte Pyramiden, verschüttete Städte und faszinierende Artefakte ? untersuchen sie in detektivischer Kleinarbeit. Obwohl die Maya einst die mächtigste Zivilisation des amerikanischen Kontinent bildeten, konnte sie weder ihr Wohlstand, ihre Macht noch ihr brillantes Bau- und Agrarwesen vor dem verheerenden Zusammenbruch retten.

Das gewaltige Gebiet, in dem die Maya lebten, umfasst nicht weniger als fünf moderne Staaten: Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Ihre Herrschaft lässt sich in drei Zeitabschnitte einteilen, die sich insgesamt über einen Zeitraum von 2400 v. Chr. bis zum 15. Jahrhundert erstrecken: die präklassische, die klassische und die postklassische Periode. Die Maya waren eine hochentwickelte Gesellschaft, die ausgeklügelte Kunstwerke schufen, profunde Kenntnisse in Mathematik und Astronomie besaßen, ein eigenes Zeichensystem entwickelten und zusätzlich noch begabte Bauern, Handwerker und Architekten waren, die riesige Städte in den Regenwald setzten. Darüberhinaus ist heute jedoch auch bekannt, dass die Maya brutal waren, Kriege vom Zaun brachen und ihre komplexe Gesellschaft letztlich in Gewalt, Sklaverei und Chaos unterging.

Um mehr darüber zu erfahren, wer die Maya waren und warum sie untergingen, arbeiteten Gibson, Farhad Safinia und das gesamte Produktionsteam von APOCALYPTO eng mit archäologischen Fachleuten zusammen. Als obersten wissenschaftlichen Berater verpflichteten sie den Maya-Experten Dr. Richard Hansen, der im Dschungel von Guatemala ein gigantisches Netz aus 26 verschütteten und überwucherten Maya-Städten freigelegt hat. Ihm ging es nicht nur darum, in APOCALYPTO die Welt der Maya auferstehen zu lassen und dem Publikum ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie man damals gelebt hat. Hansen wusste, dass Gibson in dem Film untersuchen wollte, warum sich diese hochentwickelte Zivilisation selbst zerstört hat. ?Mel war höchst interessiert zu erfahren, was den Untergang dieser Kultur ausgelöst hat. Und diese Geschichte muss wirklich erzählt werden, denn wenn unsere Gesellschaft nicht aus der Vergangenheit der Maya lernt, dann könnte sie sich auch jetzt wiederholen?, warnt Hansen.

Hansen machte Gibson erst klar, wie ausgereift die Maya-Zivilisation war. ?Es ist faszinierend, wie die Maya gesellschaftliche Strukturen auf eine völlig neue Ebene gehoben haben?, erklärt Hansen. ?Während der klassischen Periode entstanden überall riesige Städte mit einer Reihe kleinerer Städte drumherum, die die Metropolen mit Nahrung und allem anderen versorgten, was sie brauchten.?

Ein Grund für die Langlebigkeit dieser Zivilisation war ihr Erfolg im Ackerbau. ?Sie hatten schon alle erdenklichen Arbeitsgeräte der Landarbeit. Sie haben Mais, Kürbis, Bohnen, Baumwolle, Kakao und eine ganze Reihe tropischer Früchte angebaut. Und wenn man etwas zu essen hat, dann kann man sich Dingen wie Mathematik, Astronomie, Musik, Kunst, Kriegsführung, Politik und dem Regierungswesen zuwenden?. Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung beschäftigten sich die Maya sogar mit dem Phänomen Zeit und dem Sinn des Lebens. ?Der Kreislauf der Zeit wurde ein integraler Bestandteil ihrer Ideologie, Kosmologie und ihres Verhaltens. Sie untersuchten den Kreislauf des Lebens und der Zeit im natürlichen und spirituellen Sinne?, erklärt Hansen.

Trotz ihrer Faszination für die Wissenschaft waren Aberglauben und unsichtbare Mächte fester Bestandteil ihrer Kultur. Sie glaubten, die Welt wurde von Göttern beherrscht, die die Ordnung aufrechterhielten ? aber nur, solange sich die Menschen anständig benahmen, festgelegte Rituale ausführten und Opfer brachten. Sollten sie sich nicht daran halten, so warnten die Hohepriester und Könige, dann würden die zornigen Götter grausame Rache nehmen und das Land mit Krankheiten, Pest, Missernten, Dürren und anderen Naturkatastrophen zerstören.

Es hieß, die mächtigen Priester der Maya seien die einzigen, die mit den Göttern kommunizieren konnten. Deshalb überwachten sie auch die Opfergaben. Diese konnten aus Nahrung und Keramikfiguren bestehen. In der späten, postklassischen Periode wurden Menschen geopfert. Auf Menschenopfer griff man oft zurück, um die Götter in Zeiten größter Unruhe zu besänftigen. Schließlich zogen die Maya immer häufiger in den Krieg, um ihre Gefangenen anschließend opfern zu können.

Die Opferungen verliefen nach einem festgelegten Ritual. Das Opfer wurde ausgezogen, blau angemalt und auf einen Steinaltar gelegt. Zum Schluss öffnete der Hohepriester den Brustkorb mit einem Steinmesser und riss das noch schlagende Herz heraus. Die Maya glaubten fest daran, dass die Opfer nicht umsonst starben, sondern direkt ins Paradies kamen. ?Das Leben nach dem Tod war in ihrer Ideologie fest verwurzelt?, fügt Dr. Hansen an. ?Sie waren sicher, dass sie nicht ohne Grund auf der Erde lebten, danach woanders hingingen und sogar wiederauferstehen könnten.?

Gibson war von dieser Doppelseitigkeit der Maya-Kultur fasziniert. ?Sie waren hochgebildet und unglaublich grausam zugleich?, stellt er fest. ?Am interessantesten finde ich jedoch, dass ihnen eines völlig bewusst zu sein schien: auf ihren Aufstieg würde ihr Untergang folgen. Es war ihnen offensichtlich klar, dass eine Gesellschaft wie ihre nur für eine gewisse Zeit florieren kann, vielleicht 400 oder 500 Jahre, bevor sieuntergeht.?

Mit der Größe der Städte wuchs auch die politische Macht der Könige und Priester. Im Laufe der Zeit trat innerhalb der Maya-Gesellschaft ungezügelter Konsum, der Machterhaltungswillen der Führungselite, die Kontrolle der Rohstoffe und die Manipulation des unterwürfigen Volkes durch Einschüchterungen, Misshandlungen und Angst immer mehr in den Vordergrund. Die Führer verlangten ?größer, besser, mehr!?, doch für dieses maßlose Wachstum zahlten sie mit dem Untergang einer der beeindruckendsten Kulturen, die die Welt je gekannt hat.

?Derselbe Vorgang findet sich auch in vielen anderen Kulturen auf der ganzen Welt wieder. Wenn Grundsätze des Zusammenlebens entwertet werden und soziale Systeme zusammenbrechen, hat das bedrohliche Spannungen zur Folge, die in einer Katastrophe enden können. Da braucht man sich nur die Vergangenheit anzusehen. Und aus der müssen wir lernen!?, sagt Dr. Hansen.

Es gab sicher nicht den einen, definitiven Grund für den Untergang der Maya. Forscher und Archäologen glauben vielmehr, dass das Zusammenspiel einer ganzen Reihe von Störungen für den Zerfall dieser Hochkultur verantwortlich ist, darunter ihr Raubbau an der Natur durch die gnadenlose Abholzung der Wälder, klimatische Störungen, Dürreperioden, Hungersnöte, Kriegslust, Krankheiten, der Zusammenbruch des Handels und Volksaufstände.

Die Rodung der Wälder ist ein Punkt, der Dr. Hansen ganz besonders am Herzen liegt. Den Filmemachern erklärte er, warum der Holzverbrauch eine große Rolle bei der Zerstörung des Maya-Königreichs gespielt haben könnte. Hansen fand heraus, dass die Maya riesige Feuer brauchten, um den Kalkstein zu Stuck-Zement zu verarbeiten, mit dem sie ihre Gebäude, Denkmäler, Paläste und Plätze errichteten. ?Man benötigte fünf Tonnen Holz, um eine Tonne Zement herzustellen?, erklärt Hansen. ?Ich habe in El Mirador eine Pyramide gefunden, für die man fast alle Bäume einer rund 650 Hektar großen Fläche hätte verfeuern müssen, um nur eins der Gebäude darauf mit Kalkstuck zu überziehen! Wie viele Hektar brauchte man wohl, um eine ganze Stadt zu errichten? Epische Bauweisen hat es überall gegeben ? mit katastrophalen Folgen.?

Er führt weiter aus: ?Als die Wälder verschwunden waren, spülte Lehm in die Sümpfe und ruinierte den organischen Dünger, den die Maya für ihren Ackerbau benötigten. Sie konnten ihre große Bevölkerung nicht mehr ernähren, was dazu führte, dass sie auch die Wissenschaftler, Priester, Astronomen und Soldaten nicht mehr unterhalten konnten. Mit Ruhe und Frieden war es vorbei und das Chaos regierte.?

APOCALYPTO stellt die ausgetrockneten Felder und endlosen Bauwerken der Maya-Stadt dem satten Überfluss von Pranke des Jaguars? Wald in grandiosen Aufnahmen gegenüber.

Auch wenn die Zivilisation der Maya untergegangen ist, heißt es nicht, dass auch die Menschen verschwunden sind. Heute leben über vier Millionen Nachfahren der Maya in Mexiko und Mittelamerika. Die größte Gruppe sind die Volksgruppe der Yucatec, die rund 300.000 Menschen zählt und auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán angesiedelt ist. Bei Chiapas, Mexiko leben die Lacandon Maya, die das religiöse und kulturelle Erbe ihrer Vorfahren bis heute fortführen. Ironischerweise müssen die Lacandon und andere Maya-Gruppen heute um den Erhalt ihres heiligen Dschungelgebietes kämpfen, das abgeholzt werden soll. Sogar der Jaguar, von den Maya einst als große Macht verehrt, ist mittlerweile vom Aussterben bedroht.

Mel Gibson hofft, dass APOCALYPTO das drastische Porträt einer Gesellschaft zeichnet, die auf das Ende zusteuert. Aber ihm war es genauso wichtig, dabei etwas anderes nicht aus den Augen zu verlieren: die Hoffnung. ?Pranke des Jaguars? Story erzählt vom Überlebenswillen, eine Flamme, die selbst in einer Kultur des Todes brennt?, sagt Gibson. ?Jedes Ende ist also auch ein neuer Anfang?.

Die Maya: Daten und Fakten
  • 3100 v.u.Z.: Die Entstehung der Welt ? laut des Kalendersystems der Maya
  • 2600 v.u.Z.: Die Maya-Kultur formiert sich in den Hoch- und Tiefebenen Mittelamerikas. Dörflich organisierter Ackerbau entsteht.
  • 1500 v.u.Z.: Mit der Blüte der Maya-Kultur beginnt ihre präklassische Periode.
  • 700 v.u.Z.: In Mesoamerika* entstehen die ersten Schriftzeichen. (*so bezeichnet man das Gebiet, das den südlichen Teil Mexikos, ganz Guatemala, Berlize, sowie den Norden von El Salvador und den westlichen Teil von Honduras umfasst)
  • 400 v.u.Z.: Der steinerne Sonnen-Kalender, der älteste bekannte der Welt, wird zum ersten Mal verwendet.
  • 300 v.u.Z.: Gigantische Maya-Städte wie Tikal, Uaxactun und El Mirador verändern das Landschaftsbild. Das Herrschersystem von Königen und Adligen setzt sich durch.
  • 200 n.u.Z.: Nach dem Zusammenbruch der Olmeken-Herrschaft, werden die Maya die dominierende Macht der Region. Ihre klassische Periode als hochentwickelte Kultur beginnt.
  • 600 n.u.Z.: Tikal erreicht eine Einwohnerzahl von 500.000 und wird damit zum größten und mächtigsten Stadtstaat Mesoamerikas, während die einst mächtige Stadt Teotihuacan durch ein bis heute unbekanntes Ereignis vernichtet wird.
  • 750 n.u.Z.: Nachdem der Handel der Maya zusammengebrochen ist und sich die verschiedenen Maya-Staaten immer feindseliger zueinander verhalten, beginnt eine Zeit der Kriege und Unruhen.
  • 800 n.u.Z.: Viele Maya-Metropolen werden zu Geisterstädten, weil sich die Macht ostwärts zu Zentren wie Coba in Mexiko verschiebt.
  • 899 n.u.Z.: Tikal ist aufgegeben und verlassen.
  • 900 n.u.Z.: Mit dem Ende der großen Städte beginnt die postklassische Periode. Obwohl viele Siedlungsgebiete der Maya weiterhin ihre traditionellen Lebensweise beibehalten, ist die Maya-Kultur nach wenigen hundert Jahren mit der Toltec-Kultur vermischt.
  • 1517 n.u.Z.: Die Spanier erreichen die Yucatán-Halbinsel und schleppen Krankheiten ein, die 90 Prozent des übriggebliebenen Maya dahinraffen. Obwohl der Großteil der Maya besiegt ist, lehnen sich immer wieder Einheimische rund ein weiteres Jahrhundert gegen die spanischen Eroberer auf.
  • 1695 n.u.Z.: Ein spanischer Priester entdeckt die Ruinen von Tikal.
  • 1697 n.u.Z.: Tayasal, die letzte noch intakte Maya-Stadt, geht unter.
  • 2012 n.u.Z.: Am 22. Dezember endet der Kalender der Maya. Laut ihrer Prophezeiung wird die Welt von einer Reihe gewaltiger Erdbeben heimgesucht werden.
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto
Szenenfoto

Dirk Jasper FilmLexikon

© Fotos: Constantin © 1994 - 2010 Dirk Jasper