Oh je, du Fröhliche

Produktionsnotizen

?Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die meisten Menschen das Verreisen über die Feiertage als Albtraum erleben?, meint Regisseur Paul Feig. ?Und wenn etwas schiefläuft, bekommen Erwachsene die Situation in den Griff, indem sie ihre Flüge stornieren, ein Hotelzimmer buchen oder einen Leihwagen nehmen. Aber was passiert, wenn man als Minderjähriger auf einem Flughafen festsitzt? Was würde ich machen, wenn die Airport-Beamten mich mit anderen Kids in einen Raum sperren, in dem ich die ganze Nacht verbringen muss??


Das Drehbuch zu ?Unaccompanied Minors? (Oh je, du fröhliche!) geht auf eine Kurzgeschichte mit dem Titel ?In the Event of an Emergency, Put Your Sister in an Upright Position? von Susan Burton zurück. Die Story war im öffentlichen Sender National Public Radio in der Sendung ?This American Life? zu hören, die mit dem Peabody Award (Preis für sozial relevante Sendungen) ausgezeichnet wurde.

?Auf NPR hörte ich die Geschichte über zwei Schwestern, die auf der Reise von einem Elternteil zum anderen in einem Flughafen stranden?, erinnert sich Produzent Michael Aguilar. ?Ich fand die Idee wunderbar geeignet für einen Film, denn sie enthält alles: Abenteuer, Spaß und ein emotionales Zentrum. Ich setzte mich also mit den Autoren Jacob Meszaros und Mya Stark zusammen, um eine Gruppe Jugendlicher zu erfinden, die ohne ihre Eltern über Weihnachten in einem Airport stranden und sich unter den Umständen zu einer eigenen Familie zusammentun.?

Zusammen mit seiner Produzentenkollegin Lauren Shuler Donner schaute sich Aguilar nach einem geeigneten Regisseur für das Projekt um. Vor einigen Jahren profilierte sich Paul Feig als Fachmann für Abenteuer mit Kindern und Jugendlichen, als er die viel gepriesene TV-Serie ?Freaks and Geeks? (Voll daneben, voll im Leben) konzipierte.

Dazu Shuler Donner: ?Wir waren richtig froh, dass Paul sofort auf den Stoff ansprang. Er hat einen ganz persönlichen Stil entwickelt, es gelingt ihm hervorragend, Slapstick mit zu Herzen gehenden Passagen zu verknüpfen. Außerdem kennt sich niemand mit den Nöten kleiner Teenager besser aus als Paul.?

Feig hat selbst bereits in der Sendereihe ?This American Life? mitgewirkt. Er sagt: ?Es gibt viele Gründe, warum ich mich für dieses Projekt interessiere: Ich versuche in meinen Geschichten immer die Familie in den Mittelpunkt zu stellen, es geht immer um Leute, die sich zusammenraufen. Hier stehen fünf Kids aus getrennt lebenden Familien im Mittelpunkt, die durch die Tatsache zusammenfinden, dass sie alle Kinder geschiedener Eltern sind, die vor den Feiertagen auf die Reise von einem Elternteil zum anderen geschickt werden. Ich finde es toll, wenn Fremde zusammengewürfelt werden und allmählich merken, wie ähnlich sie sich eigentlich sind. Außerdem wollte ich schon lange mal eine richtig komische, altmodische Slapstick-Komödie machen, wie ich sie als Kind gesehen habe. Ich wollte einfach versuchen, diese Art Comedy-Stil zu neuem Leben zu erwecken.?

Die Kids sind voll im Bild Weil sich die Story ganz auf die Kindergruppe konzentriert, die der Zufall vereint und die gemeinsam das Beste daraus machen, legten die Filmemacher besonderen Wert auf die Besetzung.

?90 Prozent meiner Arbeit ist mit der Besetzung schon getan?, bestätigt Feig. ?Wenn ich die richtigen Schauspieler gefunden habe, muss ich nur noch für den richtigen Bildausschnitt sorgen, die Schauspieler auf ihre Markierungen verweisen und sie ein bisschen justieren, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Aber im Grunde geht es nur um die richtige Besetzung.?

Weil derart viele junge Schauspieler benötigt wurden, bat Feig Besetzungschefin Allison Jones um Hilfe ? sie hatte für das Casting von Feigs Serie ?Voll daneben, voll im Leben? den Emmy gewonnen. Weitere Emmy-Nominierungen erhielt Jones dann für ?Curb Your Enthusiasm? und ?Arrested Development?.

?Wir haben wirklich mit breiter Streuung gesucht ? unter Schauspiel-Profis und Newcomern. Ich wollte Kids mit eigener Persönlichkeit, sie sollen selbstbewusst und mit sich im Reinen sein?, betont Feig.

Shuler Donner fügt hinzu: ?Ich bin absolut Pauls Meinung: Alles steht und fällt mit der Besetzung. Wir ließen Hunderte von Kids vorsprechen und stellten ein wirklich erstaunliches Ensemble zusammen.?

Als der 14-jährige Dyllan Christopher zur Tür hereinkam hatte Feig den perfekten linkischen Jugendlichen für die Hauptrolle des Spencer gefunden.

?Dyllan ist sich auf komische Weise seiner selbst bewusst?, sagt Feig. ?Er ist ein wenig unbeholfen, weil er in einem Alter ist, in dem man eigentlich ganz jemand anderer sein möchte, das aber nicht schafft. Aber er ist selbstbewusst genug zu sagen: ,So bin ich nun mal. Ich versuche mich in die Gruppe zu integrieren, aber wenn ich mich dabei verbiegen muss, was soll das Ganze dann noch? Ich bleibe mir selbst treu.? Ich habe mich selbst in ihm wiedererkannt, konnte also nur auf eine einzige Art auf ihn reagieren: ,Natürlich spielst du die Rolle!??

?Spencer bekommt reichlich Druck von seiner Mutter, sie schärft ihm ein, alle ihre Anweisungen zu befolgen. Deswegen muss er seine kleine Schwester überallhin mitschleppen, was er sehr peinlich findet?, sagt Christopher. ?Doch als er Katherine verliert, hat er nur ein Ziel: Er muss sie wiederfinden und für ein schönes Weihnachtsfest sorgen, denn er will nicht, dass sie am Weihnachtsmorgen aufwacht, ohne dass Santa Claus ihr Geschenke gebracht hat.?

Der Grund für Spencers peinliche Lage ist seine kleine Schwester Katherine ? mit dieser Rolle gibt Dominique Saldaña in ?Oh je, du fröhliche!? ihr Kinodebüt.

?Sie ist sieben Jahre alt, und es bringt richtig Spaß zu beobachten, wie sie Regieanweisungen umsetzt?, sagt Aguilar. ?Man würde nie erwarten, dass sie sich auf dem Absatz umdreht und in eine ganz neue Person verwandelt, aber genau das tut sie. Einfach toll.?

Am anderen Ende des Aufenthaltsraums für die Kinder entdeckt Spencer die frühreife Herzensbrecherin Grace, mit der es das Schicksal anscheinend wirklich gut meint. Diese Rolle übernimmt Gina Mantegna. Als Älteste der Gruppe feierte sie während der Dreharbeiten ihren 16. Geburtstag.

?Gina hat die richtig coole Teenager-Energie?, sagt Feig. ?Sie ist das Girl, in das sich alle Schuljungs verlieben, aber sie ist nicht die Klischeeblondine à la Barbie, was ich persönlich nur langweilig fände. Meine Freunde und ich interessierten uns damals viel eher für Girls, die sich von den anderen absetzten, gute Kumpels waren? und genau das ist Gina!?

Über ihre Filmrolle sagt Mantegna: ?Grace ist zwar erst 14, geht aber schon hart auf die 30 zu. Sie ist frühreif und flirtet ständig mit den Jungs. Doch am Ende der Geschichte ergibt sich eine überraschende Wendung, was für mich als Schauspielerin sehr interessant ist.?

Während Spencer Grace beobachtet und Katherine den fliegenden Safttüten ausweicht, kommt ein Computer-schwingender Typ namens Charlie auf sie zu, der eine Umfrage macht und wissen will, ?wer zu dieser Jahreszeit solo verreist und warum?. Der erst 13-jährige Tyler James Williams wurde durch seine Hauptrolle in der erfolgreichen TV-Serie ?Everybody Hates Chris? (Alle hassen Chris) bekannt und übernahm hier die Rolle des Computer-Spezis aus gutem Hause.

Shuler Donner erinnert sich: ?Als ich eines Tages nach Hause fuhr, sah ich ein Plakat zu ,Alle hassen Chris? und begriff sofort, dass Tyler James Williams unser Charlie ist.?

?Tyler ist unglaublich komisch?, stellt Feig fest. ?In ihm steckt ein weiser Mann ? er bringt den Typ, der nur mit Erwachsenen zu tun hat, genau auf den Punkt. Er wünscht sich Freunde in seinem Alter, aber alles, worauf er sich beziehen kann und was ihn interessiert, ist von den Erwachsenen geprägt.?

?Charlie ist ausgesprochen klug und weiß genau, was er will?, sagt Williams. ?Er hat einen Hauslehrer und schätzt die Mode der 60er-Jahre. Und selbst wenn er vermöbelt wird, gewinnt er dem Leben noch positive Seiten ab.?

Die breite Streuung bei der Suche nach geeigneten Darstellern reichte bis nach New York und Vancouver.

Die aus New Jersey stammende Quinn Shephard spielt die freche und wilde Donna, die genau weiß, wo der Hammer hängt.

?Quinn bringt von Haus aus eine unbändige Energie mit?, bemerkt Feig. ?Sie ist sehr originell, unverfälscht, eine ausgeprägte Persönlichkeit. Und sie ist sehr fotogen. Sie stammt aus Jersey und spielt die toughe, aber liebenswerte Donna sehr überzeugend.?

?Wahrscheinlich hält sich Donna von den anderen fern, weil sie bei Eltern aufgewachsen ist, die sie meist schlecht behandelt haben ? daher rührt auch ihre ruppige Art?, erklärt Shephard ihre Rolle.

Der aus der kanadischen Provinz British Columbia stammende Brett Kelly spielt Timothy ?Beef? Wellington, einen kleinen Jungen mit lebhafter Fantasie und sanfter Stimme. Seine bekannteste Rolle übernahm Kelly als der entwaffnend unschuldige Knabe in der Weihnachtskomödie ?Bad Santa? (Bad Santa; 2003) mit Billy Bob Thornton.

?Seit ,Bad Santa? bin ich ein Fan von Brett?, sagt Feig. ?Ich fand ihn einfach umwerfend. An ihm schätze ich besonders, dass er sich bei allem, was er tut, selbst einbringt, und immer ist er urkomisch. Er hat ein starkes Selbstvertrauen.? ?Timothy wird ,Beef? genannt ? wahrscheinlich, weil er etwas kräftig gebaut ist?, sagt Kelly. ?Er ist schüchtern, eher ruhig, doch sobald er ein Ziel vor Augen hat, wird er ein wenig zugänglicher? ansatzweise.?

Erwachsene ohne Begleitung Das Alpha-Tier der Airport-Verwaltung ist der überarbeitete und unterschätzte, für die Reisenden verantwortliche Manager Oliver Porter, den der Standup-Comedian und Kabarettist Lewis Black spielt.

?Ich habe seit jeher mein großes Päckchen voll Komplexen, Frust, Leid und Übelkeit zu tragen?, lacht Black auf die Frage, warum die Filmemacher gerade ihn als Oliver besetzt haben. ?Oliver ist nämlich durchaus kein Familienmensch. Ganz im Gegenteil. Oliver hat keine Familie, ist geschieden, lebt allein. Ihm geht es richtig dreckig. Und als die Filmemacher all diese Punkte aufgelistet hatten, meinten sie wohl: ,Den muss Lewis spielen.??

Shuler Donner fügt hinzu: ?Allison Jones kennt die Comedians besser als alle Casting-Spezis der Stadt. Sie und Paul haben wirklich eine hervorragende Comedy-Besetzung zusammengebracht.?

Für Feig war es gar keine Frage, dass Black den grantigen Gegenpol zu den ausgelassenen Minderjährigen spielen musste. ?Ich schätze Lewis? Komik seit Jahren über alle Maßen. Niemand hätte diese Rolle besser spielen können, denn Oliver kann Kids absolut nicht ausstehen.?

Dazu Black: ?Oliver freut sich auf seinen Urlaub, doch den bekommt er nicht, weil draußen der Schneesturm tobt. Da fehlt es gerade noch, dass er sich mit Hunderten von Kids herumschlagen muss, die in seinem Flughafen Amok laufen ? nur weil Mutter Natur ihm die Feiertage versauen will. Ich darf meiner Wut reichlich Luft machen. Ich brülle die Kids an, was richtig Spaß macht, auch wenn ich oft nur die nicht vorhandenen Kids hinter der Kamera anranze. Aber in einigen Szenen scheuche ich die Kinder tatsächlich herum und schreie ihnen direkt ins Gesicht.? In etwas ernsthafterem Ton fährt Black fort: ?Bösewichte zu spielen bringt echt Spaß, weil man die Sau rauslassen darf. Ich darf den Kids richtig Angst einjagen.?

Olivers Untergebener ist der sanftmütige Airport-Aufseher Zach Van Bourke, den Wilmer Valderrama darstellt.

?Wilmer spielt den eher zwiespältigen Zach?, sagt Aguilar. ?Einerseits möchte er seinen Chef unterstützen, andererseits sympathisiert er mit den Kids, denn er ist selbst eher ein großer Junge. Wilmer legt seine Rolle sehr liebenswert und ernsthaft an.?

Valderrama meint: ?Zach bekommt von Oliver den Auftrag, die Minderjährigen zu überwachen, aber die Kids nehmen Zach nicht ernst und machen ihm das Leben zur Hölle, indem sie aus dem Aufenthaltsraum abhauen. Die Kids brechen aus, und Oliver muss sie auf Teufel komm raus wieder einfangen ? egal wie. Zunächst hat Zach vor Oliver Angst, weil er um seinen Job fürchtet, aber durch die Erfahrung mit den Kids entwickelt er Mut genug, um sich zu behaupten.?

Während das Aufsichtspersonal und die Minderjährigen Katz und Maus spielen, ruft Spencers und Katherines Mutter ihren Ex-Mann an und berichtet hysterisch, dass die Kids bei ihrem Zwischenstopp gestrandet sind. Der Ökologieprofessor und Umweltfreak Sam wird von Comedian Rob Corddry gespielt, den US-Fernsehzuschauer als ständigen Gesprächspartner aus der beliebten ?The Daily Show With Jon Stewart? kennen. Sam beschließt also, Hunderte von Kilometern durch den Schneesturm zu fahren, um seine Kinder abzuholen? doch er fährt ein umweltfreundliches Bio-Diesel-Monstrum, dem jedes Moped davonbraust.

Dazu Corddry: ?Sam ist ein verbissener Umweltschützer, der unbedingt die Welt retten will, was manchmal auf Kosten seiner Zeit mit den Kindern geht. Jetzt will er sie retten, um ihnen Abbitte zu tun, und das führt manchmal durchaus zu reichlich albernen Auswüchsen.?

?Rob ist einfach grandios?, stellt Feig fest. ?Er spielt eine der witzigsten Szenen des Films, die gleichzeitig sehr anrührend ist, denn auf der Fahrt zu seinen Kindern gibt sein Diesel den Geist auf. Sams Reaktion darauf ist so komisch, dass es einem das Herz bricht.?

Durch die TV-Serienhits ?The Office? and ?Arrested Development? haben Feig und sein Team einen festen Kreis von Schauspieler-Freunden und Fans um sich geschart, sodass sie eine große Auswahl sehr bekannter Gesichter für die Neben- und Gastrollen gewinnen konnten. Im Film sind die ?Arrested Development?-Veteranen Jessica Walter und Tony Hale zu sehen; außerdem die ?The Office?-Ensemblestars B.J. Novak und Mindy Kaling; Al Roker aus ?The Today Show?; Rob Riggle von ?The Daily Show With Jon Stewart?; David Koechner aus ?Anchorman: The Legend of Ron Burgundy? (Anchorman); Dave Gruber Allen alias ?The Naked Trucker?; Kevin McDonald, Bruce McCulloch und Mark McKinney aus der Serie ?The Kids in the Hall? (The Kids in the Hall); Paget Brewster aus der Showtime-Serie ?Huff? (Huff); Cedric Yarbrough aus ?Reno 911!? (Reno 911!); Kristen Wiig aus der Comedy-Show ?Saturday Night Live?; Sandra Tsing Loh, Schöpferin von ?The Loh Life?; Steve Bannos aus ?Voll das Leben, voll daneben?; Comedian Nick Thune; und die legendäre Komödiantin Teri Garr.

Weiße Weihnachten: die Schauplätze Neben den Darstellern spielt auch der Airport selbst eine Hauptrolle. Dazu Produktionsdesigner Aaron Osborne: ?Der Flughafen bestimmt die Story nachhaltig. Zu Beginn wirkt der Airport kalt und abweisend, und wir wollten deutlich machen, wie sich die Kids in dieser unangenehmen Atmosphäre aufführen. Kids verhalten sich nun mal immer gleich, und am Ende sorgen sie für eine sehr angenehme Atmosphäre.?

Feig stellte sich große, moderne Hallen mit hohen Decken und großen Fenstern vor, die das Gefühl vermitteln, dass man sich in dem Labyrinth aus Fluren und Überführungen leicht verirrt.

?Paul orientierte sich an der von sichtbaren Streben und Trägern bestimmten Architektur?, erinnert sich Osborne. ?Als Vorbild diente ihm dabei die Konstruktion des Chicagoer O?Hare-Flughafens aus den 60er-Jahren, und wir haben uns bemüht, dies Konzept nachzuahmen.?

Interessanterweise fand Osborne die Anmutung des kalten, zugeschneiten Aiports im Mittelwesten nicht vor Ort, sondern in Salt Lake City/Utah; aber nicht auf dem Flughafen, sondern in einer Bibliothek, einem Sportstadion, einem Kongresszentrum und im Verteilerzentrum des Paketdienstes UPS.

?Es war schwierig, einen Schauplatz zu finden, der allen unseren Anforderungen gerecht geworden wäre, denn er musste uns ja auch einige Monate lang für die Vorbereitung und zwei Monate während der Dreharbeiten zur Verfügung stehen?, erklärt Osborne. ?Also haben wir unseren Flughafen letztlich aus verschiedenen Gebäuden zusammengesetzt. Die Öffentliche Bibliothek in Salt Lake City ist ein wunderbares Gebäude, das wir im Film als Haupt-Durchgangspassage benutzen. Den abweisenden Aufenthaltsraum aus Beton fanden wir im Sportstadion Delta Center.?

Das Kongresszentrum Salt Palace diente als weiterer wichtiger Drehort ? es wird von Pfeilern dominiert, die das hohe, überwiegend aus Glas bestehende Dach tragen. Dadurch ähnelt das Zentrum einem unpersönlichen, modernen Airport. Über die Szene mit der Gepäckrutsche, die einige der Minderjährigen hinuntertrudeln, berichtet Osborne: ?Paul war fasziniert von der Gepäckverteilungsanlage im Flughafen von Denver, die dafür berüchtigt ist, absolut jedes Gepäckstück zu beschädigen, das dort durchgeschleust wird. Nach diesem Vorbild bauten wir einige Teile nach und drehten das Ganze in dem UPS-Center. Ich finde, wir haben das erstaunlich gut hinbekommen ? darauf sind wir wirklich stolz, denn das funktionierte nur aufgrund intensiver Teamarbeit.?

Während Osborne die Geschichte mithilfe der Schauplätze erzählte, arbeitete auch Kostümbildnerin Lisa Tomczeszyn eng mit dem Regisseur zusammen, um die Charakterisierung jeder einzelnen Figur durch ihre Beiträge zu unterstützen.

?Paul strebte in jeder Beziehung absoluten Realismus an. Er bezog sich immer wieder auf eigene Kindheitserinnerungen, aber leider sagen seine Vorbilder natürlich mehr über die 1970er-Jahre als über das Jahr 2006 aus?, lacht Tomczeszyn.

?Jede der Figuren bekommt ein Outfit, das die entsprechende Persönlichkeit und ihre Herkunft betont?, fährt Tomczeszyn fort. ?Spencer soll laut Paul wirklich so aussehen, als ob alle seine Kleider aus dem Supermarkt stammen, und das stimmt teilweise auch. Problematisch dabei war, dass Paul die Klamotten, die man in Supermärkten kaufen kann, noch viel zu schick fand. Also besorgte ich Sachen beim traditionellen Ausstatter American Apparel ? eigentlich ist das witzig, denn American Apparel ist derzeit absolut angesagt, aber wenn Spencer das trägt, wirkt es trotzdem altmodisch.?

Über die Vorbilder für die Kostüme der übrigen Minderjährigen sagt Tomczeszyn: ?Dem von einem Hauslehrer erzogenen kleinen Erwachsenen Charlie verpassten wir einen Look, der eine Mischung aus Fred Astaire und Eton-Schüler darstellt. Die reiche Grace hat genug Geld, um sich überall Designerklamotten zu kaufen: schick, modern, keine Markenanbieter ? das schien uns angemessen. Und die wilde, schlagkräftige Donna trägt Outfits mit auffälligeren Farben und Mustern.?

Um dem Airport-Personal die nötige Autorität zu verleihen, wurde es entsprechend der Hierarchie eingekleidet. ?Wilmer trägt einen billigen Anzug für 100 Dollar?, sagt Tomczeszyn über den Look der Airport-Angestellten. ?Er soll so schlampig wie möglich aussehen. Und er hatte nichts dagegen: Er zog ihn an und sagte: ,Toll!? Auf der anderen Seite ist Lewis praktisch die Edelversion von Wilmer: Er ist korrekt gekleidet, trägt einen konservativen, respektablen Anzug.?

Die Action bringt uns zusammen In den ersten beiden Drehwochen entstanden die Außenaufnahmen: die Kanufahrt auf dem schneebedeckten Hang, die nachts an den bergigen Locations Mountain Dell/East Canyon und in dem populären Skiort Snowbasin gedreht wurde. Trotz der tiefen Minus-Temperaturen drehte das Team die schwierige und gefährliche Szene problemlos ab ? sie erwies sich als gute Gelegenheit für Darsteller und Team, einander besser kennen zu lernen.

In dem 15 Zentimeter tiefen Pulverschnee sorgten der für die Spezialeffekte zuständige David Waine und Stunt Coordinator Peewee Piemonte dafür, dass die Sicherheit der Schauspieler und Stuntleute jederzeit gewährleistet war, auch wenn sie alles daransetzten, den von Feig gewünschten Tempoeffekt auf Film festzuhalten.

?Die Kanuszene muss realistisch wirken. Wenn die Kids durch eine Schneewehe pflügen, muss das so aussehen, als ob sie bei großer Geschwindigkeit außer Kontrolle geraten?, bestätigt Feig. ?Zu diesem Zweck verband David den Bug des Kanus mit einer großen Winde und peitschte das Ding den Berg hinunter.?

Bei den gefährlichen Passagen dieser Schussfahrt kamen Profi-Stuntmänner und Stuntfrauen zum Einsatz: Fast ein Dutzend seiner besten Stuntleute choreografierte Piemonte derart, dass die Action echt und mitreißend wirkt.

Dazu Piemonte: ?Ich habe meinen Stuntleuten als Einstieg gesagt: ,Also Folgendes: Ihr schlagt auf dem Boden, auf dem Schnee auf ? wir produzieren hier gute, altmodische Stunts.? Denn immerhin rutschen die Jungs mitten in der Nacht holterdipolter einen vereisten Berg hinunter ? in einem Kanu, einem Kayak, auf einem Surfbrett, einem Reifen und dem Oberteil eines Grills. Das sollte absolut realistisch aussehen, ohne dass sich jemand dabei verletzte. Alle meine Leute haben wirklich erstklassige Arbeit geleistet.?

Als die Darsteller selbst im Kanu saßen, wurden mehrere Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln am Kanu befestigt, um jede ihrer Gefühlsregungen festzuhalten.

?Es ging abwärts, wir wurden immer schneller. Alle anderen schrien und johlten, doch ich saß ganz vorn im Kanu. Wir knallten in ein Schneeloch, und in der Luft bildete sich ein Schneeball. Er war schön kugelrund und platschte mir mitten ins Gesicht?, lacht Tyler James Williams.

?Sie zogen uns wirklich rasend schnell den Berg hinunter, wir schrien und konnten nicht an uns halten, konnten einfach nicht ernst bleiben?, erinnert sich Quinn Shephard. ?Das hat echt Spaß gebracht, obwohl es so kalt war. Einmal hatten wir nachts minus 15 Grad Celsius!?

Eine andere knifflige Verfolgungsjagd, die die Experten für Spezialeffekte und Stunts in Atem hielt, war die mit dem ?ausgeborgten? Golfwagen. Im Film wird der Wagen von der unbefugten Minderjährigen Donna gesteuert, er schleudert durch den Terminal und brettert durch etliche Ladenauslagen.

Shephard gesteht: ?Als ich das Drehbuch las, dachte ich gleich: ,Das ist völlig abgedreht ? wie wollen die das machen? Wie sollen wir dieses totale Chaos anrichten, ohne dass uns der gesamte Set um die Ohren fliegt??

Waine erklärt, dass der Golfwagen in Wahrheit ferngesteuert, also von seinem Team gelenkt wurde. ?Wir statteten die Bremse und das Gaspedal des Golfgefährts mit linearen Bedienungseinheiten aus, eine weitere übernahm die Steuerung. Mithilfe einer Abhängigkeitsschaltung und einem Fernsteuerungssystem konnten wir den Wagen von unserer Position hinter der Kamera aus lenken.?

Trotz der langen Arbeitstage, kalten Nächte und anstrengenden Stunts fanden Darsteller und Crew ein wenig Zeit, um ?in Familie? zu machen. Die jungen Darsteller mussten neben dem Dreh auch ihre Schularbeiten bewältigen und machten das Beste aus den gemeinsamen zwei Monaten.

?Wir hatten viel Spaß, weil wir alle im selben Alter sind. Denn es ist lustiger, mit Leuten in unserem Alter zu tun zu haben, mit denen man reden kann. Das hat mir an diesen Dreharbeiten besonders gut gefallen?, sagt Brett Kelly.

Auch Shephard freute sich auf die Gelegenheit, mit Schauspielern zu arbeiten, die in ihrem Alter sind. ?Ich wollte den Film unbedingt machen, weil ich mir überlegte: ,Es kann doch nichts Cooleres geben als Dreharbeiten mit vielen Kids und jeder Menge Chaos.??

?Wir haben uns alle bestens verstanden?, stimmt Dyllan Christopher zu. ?Wir passten zusammen und haben den Dreh echt genossen.?

Als Älteste der Gruppe hatte Gina Mantegna zunächst keine besondere Lust, sich mit ihren jüngeren Kollegen abzugeben, aber auch sie ließ sich von dem Gruppengeist anstecken. ?Anfangs dachte ich bloß: ,Oh je, die sind alle noch so klein??, sagt Mantegna augenzwinkernd. ?Ich bin 16, und die sind erst 10, 11 und 14. Aber als wir uns dann kennen lernten, wurde es richtig lustig.?

Wilmer Valderrama hat schon viel Spaß bei Dreharbeiten mit jugendlichen Kollegen erlebt und führte am Set von ?Oh je, du fröhliche!? bei den Darstellern etwas ein, was er vom Dreh der Serie ?That ?70s Show? kannte: ?Ich stellte ihnen das ,Wort des Tages?-Ritual aus ,That ?70s Show? vor, kann hier aber keines der Worte wiederholen, weil sie supergeheim sind. Das hat riesig Spaß gemacht, und die Kids entwickelten sich zu einem tollen Ensemble. Am Ende des Drehs kamen sie mir vor wie meine kleinen Brüder und Schwestern. Das Coole dabei: Wie die Figuren im Film wuchsen sie zu einer ganz eigenen Familie zusammen.?

?Wenn man derart begabte, fantasievolle und lustige junge Schauspieler zusammenbringt, muss man sich einfach von ihrer Energie mitreißen lassen?, sagt Lauren Shuler Donner. ?Die Stimmung am Set war eindeutig positiv. Und genau wie die Filmfiguren kamen die Kids als Fremde zusammen und gingen als Freunde auseinander ? sie verband jetzt eine ganz außergewöhnliche Erfahrung.?

Tyler James Williams überlegt, wie er die filmische Mischung aus Action, Comedy und Gefühlen mit einem passenden Wort ausdrücken könnte und sagt: ?Wenn man Komödie und Drama kombiniert, bekommt man eine Dramödie. Aber wie nennt man das, wenn man Komödie, Drama und Action zusammenbringt? Dramedyaction? Dramadaction? Eher wohl Dramadaction.?

?Ich bin überzeugt, dass unser Film, wie man sagt, ,ein gutes Gefühl? auslöst ? solche Filme kann ich normalerweise nicht ausstehen?, lacht Lewis Black. ?Aber genau das schafft der Film... er sorgt dafür, dass wir uns prächtig fühlen.?

Und Feig sagt abschließend: ?Die Feiertage bringen häufig viel mehr Stress, als nötig wäre. Aber die Kids wissen ganz offensichtlich, wo es langgeht, denn ihnen kann wirklich niemand den Spaß verderben.?

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Dirk Jasper FilmLexikon

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