Liebe braucht keine Ferien

Produktionsnotizen

Der Auslöser für Nancy Meyers? neue romantische Komödie ?Liebe braucht keine Ferien? wurde vor einigen Jahren betätigt, als die Drehbuchautorin, Regisseurin und Produzentin eine Urlaubsreise plante und zufällig auf eine Internet-Seite stieß, bei der sich alles um Wohnungstausch dreht: innerhalb einer Stadt, zwischen verschiedenen Ländern und sogar über Kontinente hinweg.


?Ich hatte keine Ahnung, dass so etwas überhaupt existiert?, gibt sie zu. ?Auf dieser Homepage habe ich mir all diese tollen Häuser angeschaut. Irgendwann habe ich dann kapiert, dass ich, wenn ich meine Ferien in einem davon verbringen wollte, meines im Gegenzug zur Verfügung stellen musste.?

Die Vorstellung des Wohnungstausches hat sie weiterhin intensiv beschäftigt. ?Ich dachte mir, es wäre ein guter Ausgangspunkt für zwei Frauen, die beide vor irgendetwas davonlaufen?, erzählt Meyers. ?Amanda und Iris sind beide ziemlich am Ende und stellen fest, dass sie etwas dagegen unternehmen müssen. Der Wohnungstausch ist der erste Schritt, um ihr Leben jeweils wieder in den Griff zu bekommen.?

Amanda Woods ist die Geschäftsführerin einer gutgehenden Werbeagentur in Los Angeles ? aber weniger erfolgreich wenn es um Liebesdinge geht. ?Das Ende ihrer letzten Beziehung hat sie völlig kalt erwischt?, meint Diaz. ?Sie beschließt, dass sie für eine Zeit aus der Stadt verschwinden will ? sie will sich Abstand verschaffen, um mit allem besser klarzukommen.?

Gleichzeitig hat Iris Simpkins (Kate Winslet) auf der anderen Seite des Atlantik gerade erfahren, dass der Mann, den sie liebt, demnächst eine andere heiraten wird. ?Es ist wie ein heftiger Schlag mitten ins Gesicht?, sagt die bereits viermal zum Oscar nominierte Schauspielerin. ?Iris ist verletzlich und naiv, wenn es um Liebe geht, und sie muss einen Weg finden, um über diesen Mann hinwegzukommen.?

Tief in ihrem Inneren wissen beide Frauen, dass ihr wahres Problem eigentlich größer ist, als die gerade erlittenen Enttäuschungen. ?Ich denke, Amanda und Iris hoffen insgeheim, dass der Tausch ihnen helfen kann, mit sich selbst ins Reine zu kommen ? sie müssen Dinge bewältigen, mit denen sie schon seit langem hadern. Ihre gewohnte Umgebung zu verlassen ist ein gutes Mittel zum Zweck.?

?Ich leide an dem klassischen Männerproblem, dass ich keine feste Bindung will. Nach einem Date rufe ich nie wieder an ? aber wenn das jetzt kein Date war, bin ich ja vom Haken.? (Graham ? Jude Law)

?Der Film ?Liebe braucht keine Ferien? handelt davon, dass man den Ballast, den man mit sich herumschleppt, abwerfen und den Blick auf die Dinge richten sollte, die sich direkt in Reichweite befinden. Man sollte sich der eigenen Gefühle bewusst werden?, meint Jude Law, der hier Iris? Bruder Graham spielt.

?Als Amanda Graham begegnet, versucht sie gerade, sich zu entspannen und die Schwerpunkte in ihrem Leben neu zu ordnen?, erzählt Diaz. ?Plötzlich stellt sie fest, dass sie sich gerade wieder verliebt ? und das ist etwas, von dem sie wirklich nicht erwartet hätte, dass es so schnell wieder geschieht.?

In Amandas Apartment in Brentwood macht Iris Bekanntschaft mit einem Nachbarn: Arthur (Elie Wallach) ist ein Drehbuchschreiber aus Hollywoods Goldener Ära. Das ist genau die Art Freundschaft, die Iris im Moment braucht ? jemanden, der sich aufrichtig für sie interessiert. ?Er ist ein guter Gesellschafter und seine Geschichten über sein Leben als Drehbuchautor in Hollywood faszinieren Iris?, sagt Kate Winslet.

Als Iris für Arthur und seine besten Freunde, gespielt von Bill Macy und Shelley Berman, eine Chanukah-Party ausrichtet, taucht der Komponist Miles auf, gespielt von Jack Black: ?Ich dringe ungebeten in die Party ein.?

Miles hat eigene Beziehungsprobleme mit seiner Freundin Maggie, gespielt von Shannyn Sossamon. ?Miles ist so etwas wie Maggies Schoßhündchen?, meint Black. ?Er fühlt sich immer zu der heißen Mieze hingezogen. Zwar möchte er auch seine Leidenschaft für Musik mit ihr teilen, aber sie hat für seine Welt einfach nichts übrig. Es ist Iris, die sich für all die Dinge begeistert, die Maggie seit jeher kalt lassen.?

Musik ist auch das Mittel, durch das Miles seine wachsende Zuneigung für Iris zum Ausdruck bringt: ?Er geht zwischen der Regalen des Videoladens auf und ab und singt ihr die Songs all seiner Lieblingsfilme vor?, sagt Meyers.

Später, als Iris bei ihm ist, spielt Miles ihr einen schönen Song vor, den er für sie komponiert hat ? und meint, das Stück klänge wie sie. ?Das war wahrscheinlich meine Lieblingsszene?, erinnert sich Black. ?Ich saß einfach am Klavier, spielte ihr die Lieder vor, und wir begannen zu singen. Die Stimmung war sehr romantisch und es hat viel Spaß gemacht.?

Beim Schreiben hört Meyers auch gerne Musik, und oft erschafft sie auch am Drehort eine bestimmte Stimmung, indem sie die Songs auflegt, die sie hörte, als sie die betreffende Szene verfasste. Bei ?Liebe braucht keine Ferien? verwöhnte sie die Schauspieler und den Stab mit einem breitgefächerten musikalischen Angebot.

Die Wirkung eines bestimmten Songs war besonders deutlich spürbar, als die Außenszene mit Amanda und Graham in einem Garten auf dem Land in England gedreht wurde. ?Ich bin ein großer Fan von Claude Lelouch (dem französischen Regisseur, dessen berühmtester Film ?Ein Mann und eine Frau? (1966) war, mit der unvergesslichen Filmmusik von Francis Lai)?, erzählt Meyers. ?Also habe ich mit Jude und Cameron im Stil der 60er gedreht. Wir haben praktisch den ganzen Tag lang improvisiert. Es regnete immer wieder, und sobald der Regen aufhörte, rannten wir hinaus und filmten ? dann flohen wir wieder ins Zelt und warteten auf die nächste Regenpause. Es war ein wirklich unvergesslicher Tag.?

Indirekt konnte man die Wirkung der Musik auf während der Chanukah-Partyszene in Los Angeles spüren, der Meyers eine sehr realistische und festliche Stimmung verlieh: ?Das war ein völlig verrückter Drehtag?, erinnert sie sich. ?Ich hatte beschlossen, dass wir nicht nur jeden Beteiligten mit einer Kamera verfolgen, sondern auch eine Kamera haben sollten, die einfach um den Tisch herumfährt; die Szene sollte dann in Echtzeit durchgespielt werden. Das war für die Schauspieler sehr befreiend ? und erwies sich als überaus effektiv.?

?Es ist der Wind ... er macht es um diese Jahreszeit so warm. Die Legende besagt, dass wenn der Santa Anna weht, einfach alles passieren kann.? (Miles ? Jack Black)

Für ?Liebe braucht keine Ferien? hat Nancy Meyers ein hochkarätiges Schauspielensemble zusammengestellt und zwei der attraktivsten Schauspielerinnen der Gegenwart, Cameron Diaz und Kate Winslet, mit zwei ebenso charismatischen männlichen Hauptdarstellern ? Jude Law und Jack Black ? zusammengebracht; unterstützt werden diese vier von kraftvollen Nebenrollen, die u.a. Eli Wallach, Edward Burns, Rufus Sewell und Shannyn Sossamon glänzend verkörpern.

Cameron Diaz bringt in ihre Darstellung der Amanda Woods ihre gesamte Erfahrung mit ein, die sie in den verschiedensten Komödien und Dramen gesammelt hat: angefangen bei ?Die Hochzeit meines besten Freundes? bis hin zu ?Verrückt nach Mary?, ?Being John Malkovich?, ?Gangs of New York?, ?In den Schuehen meiner Schwester? und vielen anderen erfolgreichen Spielfilmen der letzten zehn Jahre.

?Cameron ist eine echte Komödiantin; eine der großen Belohnungen in der Zusammenarbeit mit ihr ist, dass sie mich so oft zum Lachen bringt?, erzählt Meyers. ?Sie hat ein feines Gespür für Dialoge und scheut sich auch nicht vor körperlichem Einsatz. Manchmal hat sie mich an Goldie Hawn erinnert, die ich toll finde. Sie hat einen ganz ähnlichen komödiantischen Instinkt.? (Goldie Hawn hatte spielt übrigens die Hauptrolle in ?Schütze Benjamin?, einer von Meyers früheren Erfolgen).

Für ihren Leinwandpartner Jude Law war die Zusammenarbeit mit Cameron Diaz der reinste Genuss: ?Mit Cameron ist es so, als würde jeden Tag die Sonne auf das Set scheinen?, strahlt der Schauspieler. ?Sie versteht die Rahmenbedingungen eines solchen Films so gut. Ich habe viel dabei gelernt, indem ich ihr nur zugeschaut habe.?

Für Jude Law und Kate Winslet war dies der erste Ausflug in das Genre der romantischen Komödie. ?Die Art und Weise, wie Nancy die einzelnen Elemente eine Szene aufschlüsselt und das Timing für einen Scherz oder eine Offenbarung setzt, ist eine Wissenschaft für sich?, meint Law, der in der Vergangenheit bereits für seine Darstellungen in ?Unterwegs nach Cold Mountain? oder ?Der talentierte Mr. Ripley? jeweils für einen Oscar nominiert war. ?Das ist harte Arbeit, doch sie lässt alles leicht erscheinen.?

Kate Winslet stimmt dem aus vollem Herzen zu: ?Ja! Was Nancy schreibt ist von unglaublich präzisem Tempo und extrem flüssig.?

?Liebe braucht keine Ferien? stellte für Winslet eine willkommene Abwechslung dar; ihre erste Oscar-Nominierung bekam die Schauspielerin für ?Sinn und Sinnlichkeit?. 1997 machte sie ihre Rolle in ?Titanic? ? damals war sie 22 ? zur jüngsten Schauspielerin, die gleich zwei Nominierungen bekam. Weitere Oscar-Nominierungen wurden ihr dann für ?Iris? und ?Vergiss mein nicht? zuteil. ?Während meiner Laufbahn habe ich viel Zeit damit verbracht, Korsetts zu tragen?, berichtet sie. ?Und ich bin stolz darauf, in einer zeitgenössischen Komödie eine Engländerin zu spielen.?

Die Tatsache, dass sie witzig sein sollte, war dann eine ganz neue Erfahrung: ?Bei der Arbeit an diesem Film hat es mich immer am meisten gefreut, wenn ich gerade mitten in einer Szene war und zehn Leute am Videomonitor plötzlich in Lachen ausbrachen?, lächelt Winslet.

Doch die Rolle der Iris hat verschiedene Facetten, die Winslet in allen Einzelheiten ausloten wollte: ?Es gab Augenblicke, in denen mich Kate zum Weinen gebracht hat?, sagt Meyers. ?Sie kann sich auf so vielfältige Weise offenbaren, und jede ihrer Regungen ist absolut ehrlich.?

Als Ergänzung für ihre beiden glänzenden Hauptdarstellerinnen wählte Meyers die jeweiligen männlichen Besetzungen mit Bedacht aus: ?Graham sollte ein komplizierter Typ sein, aber nicht auf die übliche Art. Ich hoffe, dass seine Probleme überraschend sind?, sagt die Regisseurin. ?Jude ist für diese Rolle genau der Richtige. Er passt auch sehr gut zu Cameron, und seine Darstellung in diesem Film ist ganz anders als das, was ich bisher von ihm kenne.?

Die Entscheidung, Jack Black für die Rolle des Miles zu engagieren, war mehr als nur eine gewagte Entscheidung der Regisseurin; sie gibt zu: ?Als ich Jack in ?School of Rock? sah, habe ich mich auf der Stelle in ihn verliebt. Diese Rolle habe ich für ihn geschrieben, denn in diesem Film fand ich ihn einfach umwerfend. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass er jetzt wirklich zusagt, denn es ist eine ganz andere Rolle ? es ist schließlich eine Liebesgeschichte.?

Jack Black war wirklich sehr überrascht, als man ihm diese Rolle als Miles anbot: ?Als ich hörte, Nancy habe eine Rolle mit mir als Besetzung im Hinterkopf geschrieben, dachte ich: Echt? Hast du denn schon meine Band Tenacious D gehört??, lacht er. ?Denn in meiner Filmlaufbahn habe ich da und dort schon einen ziemlich deftigen Humor aufblitzen lassen. Doch Nancy sagte nur: Ich kenne deine Arbeit und ich mag sie. Also war es für mich OK, ich habe zugesagt. Ich kann es kaum glauben, dass ich dafür bezahlt worden bin, Kate Winslet ganz aus der Nähe anglotzen und ihre verdammt klasse Darstellung bewundern zu können.?

Auch die Ehemaligen von Amanda und Iris hat Nancy Meyers mit großer Sorgfalt besetzt: sie werden von Edward Burns (Ethan) und Rufus Sewell (Jasper) gespielt. Interessanterweise hatte Burns bereits als Regisseur und Schauspieler mit Cameron Diaz an der romantischen Komödie ?She?s the One? mitgewirkt. In ?Liebe braucht keine Ferien? ist ihre Beziehung jedoch weitaus weniger herzlich: ?Cameron schlägt mich sogar zwei Mal?, lacht Burns. ?Ich glaube, für eine romantische Komödie muss man echt gut in Form sein.?

Diaz gibt zu, dass sie für ihre Streitszenen mit Burns wirklich in Top-Form war: ?Noch nie hatte ich bei einer Trennungsszene so viel Spaß?, erzählt die Schauspielerin. ?Eddie war als Ethan perfekt ? so unterkühlt, so souverän. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte unser Streit ewig weitergehen können. Aber Ethan hatte es einfach verdient, sich eine einzufangen. Seine Verhaltensweise war mehr als nur fragwürdig. Dem musste man einen Riegel vorschieben ? und das habe ich wahrhaftig getan.?

Diaz genoss auch die Zusammenarbeit mit Jude Law; für ihn war diese Rolle eine interessante Abwechslung: ?Bisher haben wir Jude eher in dramatischen Rollen kennengelernt; auch hier verleiht er Graham eine gewisse Schwere, aber gleichzeitig auch viel Humor. Er ist sehr witzig und absolut charmant.?

Obwohl Winslet und Sewell seit über zehn Jahren befreundet sind, hatten sie bisher noch nie zusammengearbeitet ? bis Meyers ihn für die Rolle des Jasper engagierte. Die Arbeit an der Seite einer langjährigen Freundin war für Sewell ein Volltreffer: ?Zu den besten Dingen an der Rolle als Jasper gehört die Tatsache, dass ich in allen meinen Szenen an der Seite von Kate spiele?, erzählt er. ?Alles, was man tun muss, ist sie anzusehen ? und schon ist die Szene im Kasten.?

Winslet und Law haben vor kurzem in ?Das Spiel der Macht? gemeinsam vor der Kamera gestanden; sie war davon begeistert, dass er ihren Bruder spielen sollte: ?Unsere Beziehung ist irgendwie tatsächlich genau so, also war es die perfekte Besetzung.?

Eine der herausragendsten Nebenrollen in ?Liebe braucht keine Ferien? ist Arthur, der weise und erfahrene Drehbuchautor, der in den goldenen Jahren Hollywoods aktiv gewesen war. Jeder, den Arthur im Verlauf des Films trifft, begegnet ihm mit Respekt ? und das traf auch auf den Schauspieler zu, der diese Rolle verkörpert: Eli Wallach ist ein geachteter Veteran der Filmindustrie; zu seinem großen Oeuvre gehören u.a. Tennessee Williams? ?Baby Doll ? Begehre nicht des anderen Weib?, Arthur Millers ?Misfits ? Nicht gesellschaftsfähig?, ?Zwei glorreiche Halunken? und ?Die glorreichen Sieben?, außerdem Theaterstücke wie Williams? ?The Rose Tattoo? und ?Camino Real?.

?Elis Autobiographie kam gerade auf den Markt, als ich die Besetzung gecastet und ein Interview mit ihm gesehen habe?, erzählt Meyers. ?Das hat den Ausschlag gegeben. In vielerlei Hinsicht ist er genau die Figur, die ich in das Drehbuch eingebaut habe. Er blickt auf eine phänomenale Karriere zurück; er hat mit vielen der großen Legenden zusammengearbeitet; er ist 90 Jahre als und gehört ganz und gar zu Hollywood. Er wusste genau, was für eine Art Mann ich mir für diese Rolle vorgestellt hatte.?

Eli Wallach erzählt: ?Nancy hat mir mit diesem Film wundervolle Dinge zu tun und zu sagen gegeben. In einer der Anfangsszenen sagt Iris zu mir: ?Wenn Sie nicht zu beschäftigt sind, möchten Sie vielleicht mit mir zu Abend essen?? Und ich antworte: ?Zu beschäftigt? Süße, ich war seit 1978 nicht mehr beschäftigt!? Für einen alten Drehbuchautor ist es ja ungeheuer schmerzhaft, so etwas zu sagen. Nancy hat die Quintessenz meines Charakters genau getroffen. Sie widmet sich ihrem Handwerk mit Hingabe, und sie lässt einem absolut nichts durchgehen.?

Wallach war nicht nur die Idealbesetzung für die Rolle des Arthur: seine privaten Anekdoten, gespeist aus über sechs Jahrzehnten voller spannender Erfahrungen, waren für die Schauspieler und Filmemacher eine echte Quelle der Inspiration. Besonders Jude Law lernte die Großzügigkeit des legendären Schauspielers zu schätzen, als er sich auf eine Szene vorbereitete, in der er als Betrunkener agieren sollte: Wallach gab etliche Tipps weiter, die er selbst während der Dreharbeiten zu ?Misfits ? Nicht gesellschaftsfähig? von John Huston bekommen hatte.

Wallach und Jack Black kamen auch prächtig miteinander aus; Wallach meint: ?Ich hatte viel Spaß mit Jack. Wir haben uns immer gegenseitig auf die Schippe genommen, wenn wir eine Szene abgeschlossen hatten ? denn obwohl jemand längst ?Cut!? gerufen hatte, hat Jack immer weiter gequasselt.?

Die Zusammenarbeit mit dem 90jährigen Wallach war für Black besonders bemerkenswert: ?Wenn man Eli beobachtet, dann wird man daran erinnert, dass man um ein guter Schauspieler zu sein, sein kindliches Ich nicht aufgeben darf.?

?Iris, im Film haben wir die Hauptdarstellerinnen und die besten Freundinnen. Du, und das spüre ich, bist eine Hauptdarstellerin, aber aus irgendeinem Grund benimmst du dich wie die beste Freundin.? (Arthur ? Eli Wallach)

In ?Liebe braucht keine Ferien? erinnert sich der alte Drehbuchautor Arthur Abbott (Eli Wallach) an die Rollen, die er für die Hauptdarstellerinnen in einer Zeit geschrieben hat, als eigenwillige Heldinnen ein Markenzeichen von Hollywood waren. Um Iris mit der Haltung dieser bewundernswerten Frauen vertraut zu machen, schickt er sie in den Videoverleih, um einige Klassiker auszuleihen. Nachdem sie Schauspielerinnen wie Barbara Stanwyck in ?Die Falschspielerin? und Rosalind Russell in ?His Girl Friday? analysiert haben, beginnt Iris zu verstehen.

Winslet und ihre Schauspielkollegen erkannten einen ganz ähnlichen klassischen Instinkt in der Vorgehensweise der Drehbuchautorin und Regisseurin: ?Die großartigen Dialoge erinnern an alte Filme mit Spencer Tracy und Katherine Hepburn?, meint Burns. ?Die Situationen sind vielleicht übertrieben, aber man hat doch das Gefühl, dass da echte Menschen mit realen Problemen am Werk sind. Nancy ist besonders gut darin, den Humor innerhalb des Dramas aufzuspüren.?

Und genau wie in jenen guten alten Zeiten blühen auch Meyers? Protagonisten auf, wenn sie den zeitlosen Kampf der Geschlechter austragen: ?Nancy hat mich gebeten, mir viele Cary Grant-Filme anzusehen, denn er war ein Meister darin, seine Hauptdarstellerinnen zu erfreuen?, erzählt Law. ?Er hat ihnen durch seine solide männliche Präsenz viel Humor und Verletzlichkeit entlocken können ? und war dabei auch selbst verletzlich.?

Noch befriedigender war laut Law die Tatsache, dass ?Liebe braucht keine Ferien? all die Tugenden jener Filmklassiker in sich vereint, dabei aber gleichzeitig ein absolut zeitgenössischer Film ist: ?Nancy bemüht sich um eine zeitlose Stimmung in einem hochmodernen Film. Es ist ja eindeutig, dass dieser Film am Puls der Zeit ist.?

?Fernbeziehungen können funktionieren.? (Graham). ?Wirklich? Bei mir klappt das noch nicht mal, wenn ich mit jemandem zusammenlebe.? (Amanda)

Die Dreharbeiten zu ?Liebe braucht keine Ferien? begannen in Los Angeles, gingen dann einen Monat lang in England weiter und wurden dann wieder in Los Angeles zum Abschluss gebracht. Die Szenen in Kalifornien sind durch üppig grüne Vegetation gekennzeichnet, während die Außenaufnahmen in England viel Weiß enthalten ? bestimmt durch das kalte Winterwetter, den Schnee und die nackten Bäume. Die Innenaufnahmen sind jedoch genau das Gegenteil: Iris? Cottage ist warm und farbenfroh, während Amandas Apartment durch die zurückhaltenden Nuancen eher kühl und modern wirkt.

Sowohl Iris als auch Amanda sind von ihrer Tauschumgebung sehr beeindruckt. Amandas Apartment in Brentwood ist durchgestylt und modern eingerichtet; es vermittelt Selbstsicherheit und verbessert Iris? Stimmung spürbar. In Shere, einem altmodischen Dörfchen aus dem 11. Jahrhundert in der ländlichen Provinz Englands, ist Iris? Wohnung weitaus kleiner.

Die Hauptdreharbeiten begannen in einer ruhigen Straße im schönen Wohnviertel von Brentwood, im Westen von Los Angeles. Die echten Santa Anna-Winde boten Meyers und ihrem Team einen genauso milden Wintertag, wie sie ihn sich für ihre Geschichte gewünscht hatte. Die Vorgärten der Nachbarhäuser waren mit Weihnachtsmännern, Elfen und Rentieren geschmückt und erinnerten die Vergesslichen daran, dass in Südkalifornien Januar war.

Obwohl Amandas Apartment angeblich in Brentwood liegen soll, befindet sich die Fassade der Wohnanlage, die man im Film sieht, eigentlich in San Marino, einer exklusiven Wohngegend bei Pasadena. Der visionäre kalifornische Architekt Wallace Neff, der auch für die legendäre Pickfair-Villa von Mary Pickford und Douglas Fairbanks in Beverly Hills verantwortlich zeichnete, erbaute das Mission Revival-Haus 1928 für seine eigene Familie. Die Innenaufnahmen zu Amandas Apartment wurden in den Sony Studios in Culver City gedreht. ?Es sollte so aussehen, als würde eine junge Frau in den 30ern dort wohnen, also haben wir ein sehr modernes Interieur gewählt?, erzählt Produktionsdesigner Jon Hutman.

Hutman und der für die Drehorte in England verantwortliche Location Manager Benjamin Greenacre haben lange und intensiv nach Iris? Cottage gesucht. ?Wir kamen eher zufällig in den Süden Englands nach Shere in Surrey?, berichtet Hutman. ?Als wir den perfekten Drehort gefunden hatten, begannen die Dreharbeiten auf dem Hügel bei der St. James-Kirche und wurden dann etwas weiter unten in der aus dem 16. Jahrhundert stammenden White Horse Tavern fortgesetzt.? Die Innenaufnahmen zum Cottage wurden ebenfalls in den Sony Studios in Culver City gedreht.

?Es ist schon ein ziemlich verrücktes Gefühl, diese Stadt praktisch übernommen zu haben ? sie mit Schnee und Weihnachtsdekoration zu überziehen, die Straßen mit Girlanden und die Bäume mit Lämpchen zu dekorieren?, meint Greenacre. ?Wir wurden zu einer großen Touristenattraktion. Alle waren sehr großzügig zu uns ? sogar als wir den örtlichen Pub für einige Tage schließen mussten.?

Gedreht wurde auch auf einer mittelalterlichen Straße im nur eine knappe Stunde entfernten Godalming ? der ersten Stadt der Welt, die ihren Einwohnern elektrische Straßenbeleuchtung bescherte. ?Liebe braucht keine Ferien? brachte die Weihnachtsbeleuchtung in die Church Street von Godalming. ?Die Mischung aus dem Dorfplatz von Shere mit der Church Street in Godalming ergab das perfekte Städtchen?, sagt Hutman.

Weitere Drehorte in Los Angeles waren das Haus von Arthur Abbott, das sich in Brentwood befindet und laut Hutman den Glamour des alten Hollywood widerspiegelt. Miles? Haus wurde von Richard Neutra entworfen, dem aus Wien stammenden Meister des südkalifornischen Modernismus. Es liegt am Neutra Place in der Gegend von Silverlake in Los Angeles, unweit der Stadtmitte.

Das majestätische Esszimmer, in dem sich Amanda und Graham beim Mittagessen an einem grauen englischen Nachmittag aufhalten, befindet sich in Wahrheit in der Greystone Mansion in Beverly Hills, obwohl die Außenaufnahmen für diese Sequenz an dem im gregorianischen Stil gebauten Landhaus Cornwell Manor in England gedreht wurde. Für Meyers wurde diese Montage durch das feuchte Winterwetter noch bereichert: ?Lelouch sagte, dass ?Ein Mann und eine Frau? nur im Winter spielen konnte, denn es sind die Liebenden, die sich gegenseitig Wärme spenden?, meint die Regisseurin. ?Genau aus diesem Grund sollte ?Liebe braucht keine Ferien? auch im Winter spielen. Natürlich habe ich dabei nicht bedacht, dass ich bei den Dreharbeiten dann einen ganzen Monat lang zwei Mäntel, zwei Hosen und zwei Hüte übereinander würde tragen müssen??

Kameramann Dean Cundey nahm es jedoch mit Eleganz: ?Die englischen Filmteams haben einen großartigen Sinn für Humor, gerade wenn man mit dem Wetter zu kämpfen hat?, berichtet er. ?Das gehört zu unserem Job im Filmbusiness. Bei realen Drehorten und Umgebungen ist es immer der Mittelweg zwischen entspanntem Arbeiten und dem, was für den Film wirklich am interessantesten und besten ist.?

?Nehmen wir an, ein Mann und eine Frau brauchen ein Nachthemd und beide gehen in die selbe Abteilung für Männerpyjamas im Kaufhaus. Der Mann sagt zu dem Verkäufer: ?Ich brauche nur die Hose?, die Frau sagt: ?Ich brauche nur das Oberteil?. Sie schauen sich an und lernen sich so auf die nette Art kennen.? (Arthur)

Meyers hat es schon immer besonders genossen, die Figuren durch die Kostüme zur Geltung zu bringen. ?Die Anproben sind eine großartige Gelegenheit, um sich mit dem Schauspieler über die Rolle zu unterhalten?, stellt sie fest. ?Während man die Szenen bespricht und die Garderobe auswählt, redet man über das Thema der jeweiligen Szene. Durch diesen Gedankenaustausch baut man die Zusammenarbeit auf und der Film beginnt Form anzunehmen. Ich erinnere mich sehr gut an die erste Kostümprobe mit Jack Nicholson für ?Was das Herz begehrt? ? sie dauerte sechs Stunden, und dabei hat er nur ein Paar Hosen anprobiert.?

Kostümdesignerin Marlene Stewart bewunderte schon seit langem Meyers Sorgfalt bei der Auswahl der Garderobe: ?Nancy setzt die Kostüme ein, um die Geschichte zu erzählen, und ihr Augenmerk für jedes Detail macht sich dann auf der Leinwand bezahlt?, berichtet Stewart. ?Ihre Filme verfügen über diese klassische Qualität, die sie zu visuell einprägsamen Erlebnissen macht.?

In Cameron Diaz fand Stewart eine hervorragende Mitarbeiterin: ?Cameron experimentiert sehr gerne mit der Kleidung und probiert viele Teile an?, meint Stewart. ?In dieser Rolle verkörpert sie die selbstbewusste berufstätige Frau von heute, also hat sie einen sehr femininen, starken, sexy Look. Die Kostüme in zeitgenössischen Filmen, die in Los Angeles spielen, können sehr jugendlich orientiert sein ? wir haben uns da eher für den klassischen Stil entschieden. Wir haben eine ganze Reihe toller Outfits eingesetzt ? von Dior, Balenciaga, Yves Saint Laurent, Narciso Rodriguez und Dolce & Gabbana.?

Die Figur, die am einfachsten einzukleiden war, ist Ethan, gespielt von Edward Burns ? der die meiste Zeit auf der Leinwand in blauen Boxershorts und T-Shirt zu sehen ist. ?Das war eine Rollenumkehr im besten Sinne?, lacht Stewart. ?Hier sehen wir den Kerl ? und nicht das Mädchen - in Unterwäsche.?

Szenenfoto
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Dirk Jasper FilmLexikon

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